dem Kongreß eine starke Unterströmung der Unzufriedenheit
die Traditionen der organisierten Arbeiter nicht aufrecht er⸗
geherrscht habe. Labour Leader tadelt es, daß der Kongreß halten habe. Havelock Wilson lobte z. B. sehr, daß ein Teil der deutschen Arbeiterschaft sich dem Kriege widersetzte, aber zu gleicher Zeit verurteilte er auf das Schärfste denjenigen Teil der britischen Arbeiterschaft, der sich in gleicher Weise gegen den Krieg erklärt habe. Das Parlamentsmitglied Hodge hatte erklärt, daß er ablehne, an der Sitzung des inter⸗ nationalen sozialistischen Bureaus im Haag teilzunehmen, da er nicht einem Deutschen die Hand geben wolle, die von Blut triefe.
Unwürdige Behandlung deutscher Reichs⸗
angehöriger in Italien.
T. U. Wien, 20. Sept. Zurückgekehrte freigelassene Oester⸗ teicher erzählen, daß sie in Italien in grausamer Weise in fürchterlichen Gefängnissen gequält worden seien, ehe sie an die Grenze gebracht worden sind. In Genua haben sie gefangene Reichsdeutsche getroffen, die dort schon im Gefängnis 10 Tage fest⸗ gehalten wurden. Viele von ihnen waren auf der Rückreise von Spanien in Genua festgenommen worden. Ueberhaupt werden die Reichsdeutschen in Italien bereits so behandelt, als ob schon Kriegszustand zwischen beiden Ländern herrscht.
Die Entente⸗Anleihe in Amerika.
Ein Privattelegramm der Frankf. Zeitung berichtet:
Nach einer Umfrage bei den Bankiers, die der Jahres⸗ versammlung der Bankiers-Vereinigung beiwohnten, erklärt der Vertreter der Evening Post, sein Eindruck sei, daß die bedeutendsten Banken außerhalb Newyorks den Gedanken einer großen Anleihe ohne Unterschied ablehnen. Ein solcher Versuch sei zum Scheitern verurteilt, weil die Zeich⸗ nungen aus dem Volke ausbleiben würden. Neuerdings wird vorgeschlagen, daß die Unternehmungen, die Kontrakte für Kriegslieferungen haben, 500 Millionen Dollars Kredit gewähren sollen, während eine weitere halbe Milliarde durch die Banken aufzubringen wäre.
Aus alledem geht hervor, daß der Anleiheplan der En⸗ tente trotz der Unterstützungen, die er gefunden hat, noch immer auf starke Widerstände und Hindernisse stößt und daß man in weiten Kreisen die Entente auf Grund der gegen— wärtigen Kriegslage nicht für eine Kundschaft hält, der man ohne gutes Pfand borgen kann. An dieser aus der einfachen Feststellung der Tatsachen hervorgehenden Auffassung hat die systematische Kundgebung einer der Wirklichkeit hohnsprechen⸗ den Siegesgewißheit, deren finanzpolitischer Hintergedanke jetzt klar ist, nichts zu ändern vermocht.
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Newyork, 20. Sept.(W. B. Nichtamtlich.) Meldung des Reuter⸗ schen Bureaus: Die Anleihe, deren Betrag zwischen 600 und 800 illionen Dollar sich stellen wird, wird von einem großen Syndikate abgeschlossen. Die dem Syndikate Angehörenden werden eine kleine Kommission, wahrscheinlich von einem halben Prozent, erhalten. Die Sicherheit für die Anleihe wird durch britische und französische fünfprozentige Regierungsbonds ge⸗ bildet. Der Uebernahmepreis wird sich auf pa ri stellen. Die Affäre Dumba.
Der österreichische Botschafter in Washington, Dumba, der durch den Journalisten Archibald Briefe befördern ließ, die den Engländern in die Hände fielen, erklärt jetzt in einem Briefe an den Unterstaatssekretär Lansing:„Der Zensor habe ihn gehindert, die drahtlose Telegraphie zu benützen. In- folge der Instruktionen, die von seiner Regierung einge— laufen, habe er es für nötig erachtet, seinen Landsleuten von der Arbeit in Munitionsfabriken abzuraten, weil sie sich da durch des Landesverrats schuldig machten. Da es ihm so schwer gemacht worden sei, Briefe nach Oesterreich— Ungarn zu schicken, halte er es nicht für nötig, sich deshalb zu entschuldigen, daß er Archibald Briefe anvertraut habe.“
Russische Stichproben.
(Aus Nr. 1 der neuen sozialistischen Halbmonatsschrift Die Glocke(Herausgeber Parvus), München, Verlag für Sozialwissen⸗ schaft G. m. b. H., Altheimereck 19.)
Als der Krieg kam.
Die Regierung Nikolaus II. ruhte sich auf den Lorbeeren aus. Die Revolution war unterdrückt. Die Freiheiten, die man sich in einer Stunde der Schwäche hatte abtrotzen lassen, waren zurückgenommen, die Presse war erdrosselt. Die Ge⸗ sellschaft schwieg. Die gehorsame Duma trottelte auf ihrem Platz, mit„positiver“ Arbeit beschäftigt. Die Gerichte voll— endeten die Liquidation der Revolution. Die Dinge standen so günstig, daß die Regierung sich sogar den Luxus des mittelalterlichen Prozesses Belis erlauben durfte. Nur das ungehorsame Proletariat von Petersburg störte noch die Ruhe Nikolaus II. Es streikte und im Juli 1914 baute es Barrikaden. Aber die treue Armee wird leicht mit dem inneren Feind fertig.
Da bedeckt sich auf einmal der Himmel mit schweren Wolken, aus denen sich der Krieg mit Deutschland entlädt. Petersburg erlebt unruhige Stunden. Im Baltischen Meer erscheint die deutsche Flotte. Libau wird bombardiert. Die Regierung wird verwirrt. In Erwartung einer Landung in Finnland wird der Hafen Hange gesprengt. Finnland wird von Militär überflutet. Der Stadtpräfekt läßt Bekannt- machungen anschlagen, in denen er die Arbeiter einlädt, gegen hohen Lohn an den Erdarbeiten in der Umgebung von Petersburg teilzunehmen. In aller Eile wird Petersburg mit Laufgräben versehen. Der große Schuwaloffsche Park an der finnischen Eisenbahn wird gefällt. Dieser hastigen Tätigkeit der Behörden entspricht die Konfusion der öffent⸗ lichen Meinung. Alle Welt erwartet das entscheidende Wort Englands. Unterdessen verkündet die Regierung, die ihrer Sache nicht mehr sicher ist, der Gesellschaft„Freiheiten“. In aller Eile wird ein Manifest geschrieben, das die Amnestie und die Gleichberechtigung verkünden soll. Personen, die Verbindungen in der Bureaukratie besitzen, sahen den Text mit eigenen Augen. Von Tag zu Tag, von Augenblick zu Augenblick wird seine Verkündigung erwartet. Die Gesell⸗ schaft schweigt. Nur die Huligams der Straße, die Straßen⸗
Aufgehobenes Militärverbot.
Das Militärverbot für Säle und Wirtschaften, in denen sozialdemokratische Versammlungen abgehalten werden, wurde seinerzeit in Sachsen insofern gemildert, daß es nur bestehen blieb für den jewefligen einzelnen Fall. Die Gastwirte waren, ver⸗ pflichtet, ein Plakat auszuhängen, daß den Soldaten den Zutritt für den Tag verbot, an dem eine Versammlung, ein Ver⸗ gnügen oder irgend eine andere Veranstaltung des sozialdemo⸗ kratischen Vereins in dem Lokale stattfand. Das ständige Mili⸗ tärverbot blieb aber für die Lokale bestehen, in denen regelmäßiger und dauernder Verkehr der sozialdemokratischen Organisation in Frage kam. Ende August 1914 wurde durch Verfügung der Generalkommandos das ständige Militärverbot überhaupt aufge⸗ hoben.— Wie jetzt bekannt wird, ist am 1. Juni 1915 im Dresdener Bezirk den unteren Behörden mitgeteilt und von ihnen angeordnet worden, daß auch das Erfordernis des erwähnten Aus⸗ hanges fallen gelassen ist. An den Veranstaltungen selbst, insbe⸗ sondere an politischen Versammlungen, dürfen jedoch nach wie vor Soldaten nicht teilnehmen.
Die großen Steuerzahler. Bei der grundsätzlichen Erörterung der Steuerfragen spielt es bekanntlich eine nicht unwesentliche Rolle, ob die reichen Leute, würde die Schraube der direkten Steuern scharf angezogen, nicht den Fortzug aus ihrem Heimatlande vorziehen werden, um im Auslande in Ruhe ihre Einkünfte verzehren zu können. Der Krieg scheint dieses Problem zu⸗ nächst nicht international, sondern interlokal zu machen. Es gibt zweifellos jetzt schon mehr als einen Fall, in dem reiche Leute, die bisher in einer Industriegemeinde mit hohen Unterstützungsausgaben und demgemäß steigenden Steuer- zuschlägen wohnten, einen Ortswechsel zur Minderung ihrer Steuerverpflichtungen vorgenommen haben. Ein solcher Fall, der auch wegen der darin handelnden Persönlichkeit von Interesse ist, wird aus Elberfeld ge⸗ meldet. Dr. Henry Theodor von Boettinger, Geheimer Regierungsrat, Mitglied des Herrenhauses, viel⸗ facher Millionär und einer der größten Steuerzahler der Wupperstadt, zieht es vor, den Staub des Ortes von den Füßen zu schütteln, wo die Arbeit vieler Hunderter und Tausender den Grund zu seinem Reichtum legte. Er geht nach Berlin, wo am Pariser Platz eine fürstliche Wohnung seiner wartet. Der Preis ist wohl Nebensache, denn bei den enormen Einkünften des Herrn beträgt der Unterschied der Steuersumme bei den 10 Prozent Zuschlag Berlins und den 240 Elberfelds jedenfalls genug, um den Schaden mehr als wett zu machen.
Für eine Stadt wie Elberfeld, der vom Kriege schwere Wunden geschlagen Wurden— man denke an die starke Ein⸗ schränkung der Industrie infolge des Baumwollenmangels — ist ein derartiger Verlust mehr als fühlbar, er ist schmerz⸗ lich. Er ist doppelt beachtenswert, weil bei der herrschenden Tendenz des Kapitals ein solches Beispiel nur allzuleicht Nachahmung findet. Da scheint sich ein Problem aufzutun, das der weitesten Beachtung nicht nur des Kommunalpoli⸗ tikers, sondern vor allem des Gesetzgebers wert ist. Gestalten sich Einzelfälle dieser Art zu einer Entwicklungserscheinung weiteren Umfanges, so gesellt sich den Finanzschwierigkeiten nach dem Ende des Krieges eine neue zu. Ihre Bekämpfung muß um deswillen schon jetzt ins Auge gefaßt werden, wei sie die Tendenz zur Abwälzung der Lasten auf die schwachen Schultern erheblich verstärkt.
Ein ungeheneres Sedan.
In der Guerre sociale erklärt Gustave Herve, die deutsche Heeresleitung wolle anscheinend das russische Zentrum um⸗ schließen und den Russen ein ungeheures Sedau bereiten. Von drei Rückzugslinien seien heute bereits zwei abge⸗ schnitten. Wenn das deutsche Umzingelungsmanöver nicht angehalten werden könne, warde in wenigen Tagen die dritte
und letzte Linie, erg Kam a vi abgeschni
Rage. Tode, Statlonsvorsteher Lamy aus Guesnes zu lebenslänglichem
18 nit Die Lage in Rußland sei zwar noch nicht verzwei 5 schlimm genug, so daß man sich auf alles gefaßt machen n Das russische Zentrum stehe vor der Wahl, sich umzingeln z lassen, oder 150 bis 200 Kilometer zurückzugehen. Hervs erklärt sodann, das deutsche Manüver sei großartig und würdig, daß die französische Heeresleitung sich die Lektion von Initiative und Kühnheit, welche Hindenburg augenblicklich gebe, als Beispiel dienen lasse. 1 Amsterdam, 20. Sept.(W. B. Nichtamklich) 1 Handelsblad schreibt über die Besetzung von Wilna: Es ist fraglich, ob die Verteidigung der Stadt nicht zu sehr in die Länge gezogen wurde, so daß ein großer Teil der Armeen, die sich dort befinden, abgeschnitten werden wird. Durch den 1 Fall von Wilna wird die ganze Dünafront bedroht. Der Fall Dünaburgs selbst, der ganzen Dünalinie und von Riga ist wohl nunmehr eine Frage von Tagen. Auch dort besteht für die Russen die Gefahr der Umzingelung, wenn es den Deutschen gelingt, Polozk zu exreichen, von dort einen Flankenstoß gegen den Fluß auszuführen und den Russen den Rücken zu fallen. Ein französischer Sozialistenkongreß. 1 Paris, 20. Sept.(W. T. B. Nichtamtlich.) Humanite melde. daß am 25., 26. und 27. Dezember ein nationaler Sozialistenkongreß 5 in Paris stattfinden werde, der sich besonders mit der Erörterung der allgemeinen Lage und der Haltung der Sozialistenpartei im Kriege sowie mit der Verstärkung der Landes verteidigung be⸗ fassen soll. 5 8 Revolutionäre Wetterzeichen in Rußland. Wien, 21. Sept. Das Volksblatt meldet aus Peters⸗ burg: Infolge der Schließung der Duma sind 24000 Ar⸗ beiter der städtischen Werke in Peter sburg und Kron ⸗ stadt in den Ausstand getreten. In Moskau streiken 17 000 und in Charkow etwa 21 000 Arbeiter. 1 Wien, 21. Sept. Die Sonn- und Montagszeitung mel⸗ det aus Petersburg: Die Bureaus der sozialistischen revolutionären Partei und der Bauern⸗
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gruppe sind polizeilich geschlossen worden. In dem Bureau der Bauerngruppe sind zahlreiche Bücher und Flugschriften beschlagnahmt worden, deren Versendung in Rußlands bereits begonnen hatte und. in denen das Volk zum Kampf gegen die Regierung und gegen eine zwecklose Fortsetzung des Krieges aufgefordert wurde. 5 Bulgarenfeindliche Haltung in Neu⸗Griechenland
T. U. Saloniti, 21. Sept. In verschiedenen Gebieten Griechenlands tritt, wahrscheinlich als Folge der Aufhetzung d venizelistischen Presse, eine stark bulgarenfeindliche Haltung der hörden wie der Bevölkerung zu Tage. Bei Serres wurden 27 Bul⸗ garen, angeblich Komitatschis, verhaftet. In Wrondo bei Serres will man in den Häusern der Bulgaxen große Mengen Gewehre gefunden haben. Die bulgarische Bevölkerung vom Weleschgebirge bis Jenikzori bei Drama wird scharf überwacht und teilweise we nach dem Innern gebracht, damit sie nicht die Komitatschis unter
stützen können. Kriegsnolizen. f In den Morgenstunden des gestrigen Tages sind in der Näh 4 des Flugplatzes Adlershof zwei Flugzeuge von der Militär⸗ Fliegerschule Adlershof und Johannistal in der Luft zusam mengestoßen. Beide Flugzeugführer, ein Leutnant und ein Unteroffizier, wurden sofort getötet. 1 Nach Bekanntgabe des deutschen Gouvernements in Brüssel erfolgten zahlreiche weitere Verurte ilungen wegen Sp io Der Handlungsreisende Debakker aus Ucele wurde zum
Zuchthaus, zwei Angeklagten zu je 15 Jahren, 4 Angeklagte zu je 10 Jahren Zuchthaus wegen Spionagebeistandes und Aufnahme von Spionen verurteilt. 1 Eine Mailänder Gesellschaft kaufte in Savona ein Grundstii zum Bau einer Sprengstofffabrik, die 3000 Arbeiter beschäf⸗ 0 tigen und nach Friedensschluß die Chemikalien, die Deutschland bisher lieferte, herstellen soll. 1
schaft der slavischen Einigung“ Kundgebungen. Kaum aber hat England Deutschland den Krieg erklärt, so hat die Regie⸗ rung sich wieder gefunden. Das Manifest über Gleichbe⸗ rechtigung wird unter das grüne Tuch gelegt. Es beruhigt sich auch die sogenannte öffentliche Meinung. Im Kriegs⸗ manifest fordert der Zar auf, die inneren Zwistigkeiten zu vergessen. Und die öffentliche Meinung vergaß sie tatsäch⸗
lich. Sr. Majestät allergetreueste Opposition(die kon⸗ stitutionellen Demokraten) verkündeten durch den Mund
ihres Führers und mit ihr in Uebereinstimmung die Radi— kalen: Es sei unwürdig, jetzt während der Kriegszeit um Freiheiten zu handeln. Im übrigen, erklärten sie, führe Rußland den Krieg in einer so anständigen Gesellschaft, wie die französische Republik und das freie England; diese Ge— sellschaft aber lege je Verpflichtungen auf.. Sowohl Frankreich wie England würden die russische Regierung zwingen, im Innern allerlei Freiheiten einzuführen.
Sehr gelegen kam um diese Zeit das russische Publikum aus den deutschen Badeorten zurück, das den Deutschen die Unbequemlichkeiten einer Reise während der Kriegszeit nicht hat verzeihen können. Es verbreitete die unsinnigsten Ge⸗ rüchte über deutsche Brutalitäten russischen Reisenden gegen— über. Die Zeitungen bauschten diese Gerüchte ungeheuer auf. Die Kriegszensur, die die Arbeiterzeitungen unter- drückte, begünstigte die gelbe Presse in ihrer Hetze gegen alles Deutsche. So begann der wilde Kriegstanz des Natio⸗ nalismus in der Presse und in der„Gesellschaft“. Alle Be- griffe wirbelten durcheinander. Alle politischen Kränkungen wurden vergessen. Man konnte Regierung, Staat, Armee und Volk nicht mehr auseinander halten. Als das alles in einen Topf geworfen war, stand schließlich das Slaventum dem Militarismus entgegen, unter welchem selbstverständlich nur der deutsche Militarismus zu verstehen war.
N Die russische Freiheit in Galizien.
.. Die russische Regierung führte den„Befreiungs.- krieg“ in der Weise, daß sie die Bevölkerung Galiziens der Freiheiten beraubte, die ihr in Oesterreich⸗Ungarn zustan⸗ den. Sie rottete alles aus, was das Volk des eroberten Ge⸗ bietes an seine früheren Rechte erinnern ließ. Sie schloß die polnischen Schulen und die polnischen Buchhandlungen. Sie unterdrückte die polnischen Zeitungen. Darauf unter. nahm sie es, der Bevölkerung die Wohltaten des russischen
jungen und anderer Pöbel veranstalten mit der„Gesell⸗
Staates und der russischen Kultur zu spenden. Zunächst
schickte sie mit den Segnungen der alleinseligmachenden Re„
ligion den Bischof Elogius, der als Anhänger der schwarzen Hundert bekannt ist. Nachdem er den Ruthenen erklätk batte, daß die orthodore Kirche die uniatische nicht aner- kenne, sandte dieser heilige Mann mit Unterstützung des 0 Generalgouverneurs Bobrinsky an die uniatischen Geist⸗ lichen ein Ultimatum. Sie sollten sich entweder sofort zum
Heil der Orthodoxie bekennen, oder nach dem Gouvernement Tomsk in Sibirien verbannt werden. So wurden denn
Hunderte uniatischer Geistlichen nach Sibirien verschickt, ö während ihre Gemeinden mit Gewalt zur Orthodoxie be- kehrt wurden. Hinter der schwarzen Brüderschaft des Bischofs Clogius stürzte sich über Galizien die offene und
die geheime Polizei. Zum Polizeipräfekt von Lemberg wurde Skalom ernannt, der sich in Kiew durch Bestechungen und Fälschungen im Amte einen Namen gemacht hatte. An den Spitze der politischen Polizei erschien der berüchtigte Grägus, der berühmte Organisator des Foltermuseunts in Riga. An die Spitze der Ochrana stand der nicht minder berühmte Gendarmerie-Rittmeister Terestschenkoff, der sich durch die Niedermetzelung der Arbeiter an der Lena einen Namen
zarischen Armee nach Galizien die Grundsätze der Wahrheit
5 gemacht hatte. Dieses Gesindel brachte in Gefolgschaft der
der Gerechtigkeit und des Rechts, wie die demoralisterte Presse täglich und stündlich ebenso hartnäckig wie lügenhaft e So wurden den Polen die Versprechungen d Mamifestes des Großfürsten Nikolau ikolajewitst 8 olaus Nikolajewitsch ver Gegenüber den Juden trat die Regi 0 i 5 1. Ju egierung noch energie scher auf. Sie konfiszierte einfach deren Sücder un verschickte die Besitzer nach Sibirien b Es versteht sich von selbst, daß i . 855 t, daß vom ersten Tage der Einführung der russischen Staatsordnung 10 Gelzien die Bestechungen und Erpressungen der Beamten um sich griffen. ö So hat Skalom den Tag seines Amtsantritts als Polizei⸗ 0 präfekt von Lemberg dadurch gefeiert, daß er das Hot
schließen ließ, in dem er vorher gew ei
5 5. her gewohnt hatte, e eine Pfennig bezahlt zu haben. Der Sotelbesihe 9 1 Staatsordnung noch nicht kannte, machte fich N W g durch mißliebig, daß er die Forderung des Herrn Skalom ab⸗
Betrieb weiterzuführen.
lehnte, diesem 5000 Rubel zu bezahlen für das Recht, den
(Fortsetzung folgt.)


