Ausgabe 
22.9.1915
 
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1 Hessen

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und Nachbargebiete.

Gießen und umgebung.

Wie sie es machen.

Die agrarischen Blätter beklagen sich von Zeit zu Zeit mit gut gespielter Bitterkeit darüber, daß gegenüber den Agrarpatrioten fortgesetzt der Burgfrieden gebrochen wird, indem ihnen von allen Seiten her nachgewiesen wird, wie sie in allen Fragen der Nahrungsmittelversorgung unseres

Volkes zu allererst immer an ihre eigenen Interessen denken. Das nennen sie dann Bruch des Burgfriedens, bei Leibe aber

nicht ihre eigene Handlungsweise.

Nun, auf die Gefahr hin, auch heute wieder eines Bruches des Burgfriedens den Agrariern gegenüber geziehen zu werden, wollen wir trotzdem wieder ein Paar Proben dieser agrarischen Selbstsucht, die so ganz und gar nicht zu den patriotischen Beteuerungen paßt, aus neuerer Zeit be⸗ kanntgeben.

Der Darmstädter Komsumentenausschuß beriet dieser Tage über die Milchfrage. Dabei konnte der Stadtverord nete Hamann die Feststellung machen, daß viele Bauern eine künstliche Milchknappheit in der Stadt absichtlich herbei führen. Die Produzenten einzelner Gemeinden mit großer

Milproduktion aus der Umgegend Darmstadts weigern sich,

Milch in die Stadt zu liefern mit der Begründung, daß sis diese für Butter, wie auch für Käse, für welche das benach⸗ barte Franzosenlager ein guter Abnehmer sei, notwendig gebrauchen; auch benötigten sie die Ueberreste für die Schweine. Als nun trotzdem die Verhandlungen zu dem Ergebnis führten, daß die betreffende Gemeinde täglich wenigstens 500 Liter Milch nach der Stadt liefern solle, mach ten die in der Versammlung anwesenden Landwirte zum Schluß ihre endgültige Zusage davon abhängig, daß auch ihre Frauen damit einverstanden wären! Tatsache ist aber, daß nach acht Tagen die Nachricht von dieser Zusage moch nicht eingelaufen ist. Ein anderer Ort mußte durch das Generalkommando unter Strafandrohung dazu veranlaßt werden, das seitherige Quantum Milch, deren Lieferung ohne besonderen Grund unterbrochen war, weiter in die Stadt zu liefern.

Und eine weitere Probe aus dem mit so ungeheueren Opfern des ganzen Volkes befreiten Ostpreußen. Als in Tilsit die Lebensmittelpreise eine unerträgliche Höhe er⸗ reicht hatten, setzte der Magistrat nach langem Zögern Höchst⸗ preise fest. Die Gutsbesitzer lieferten daraufhin fast keine Lebensmittel mehr nach Tilsit, und die Frauen wurden, wie ein bürgerliches Blatt schreibt, der Verzweiflung nahe ge⸗ bracht. Die Gutsbesitzer und Bauern erklärten offen, es fiele ihnen nicht ein, ihre Waren zu den Höchstpreisen abzu⸗ geben, sie schmierten die Butter lieber den Russen aufs Brot oder benutzten sie als Wagenschmiere! Das hat in der Stadt natürlich große Erregung verursacht, und bei der Be⸗ sprechung der sozialdemokratischen Interpellation über diese Zustände sprach der Bürgermeister Rohde mit Schärfe gegen den agrarischen Lebensmittelßpucher. Nach der Tissiter All⸗ gemeinen Zeitung führte er u. a. aus:. Mit der Fest⸗ setzung von Höchstpreisen ist nur in beschränktem Umfange und auch nur gegen ganz bestimmt begrenzte Lebensmittel vorgegangen worden, als auf unseren Tilsiter Märkten Zu⸗ stände sich entwickelten, die in letzter Linie als unhaltbar bezeichnet werden mußten. Es wurden Preise für Lebens⸗ mittel des täglichen Bedarfs, und zwar wie die von uns in weitgehendem Maße befragten Sachverständigen überein⸗ stimmend sagten, ohne jeden zwingenden Grund genommen, Preise, die in keinem Verhältnis zu den Produktionskosten und den Kosten der Arbeitslöhne der Produzenten standen, sondern Preise, die lediglich eine für den Marktverkäufer günstige Situation ausnutzten. Und diese Ausnutzung der Situation erfolgte in rücksichtslosester Weise... Wir waren uns von vornherein darüber klar, daß die Höchstpreisfest⸗ setzung selbstverständlich in bestimmten Kreisen einen ganz außerordentlichen Widerstand auslösen würde, einen Wider⸗ stand, der möglicherweise bis zu dem Versuch führen würde, unsere Stadt Tilsit zu boykottieren bei der Zufuhr von Lebensmitteln. Wir sagten aber, wir wollten den Versuch machen. Wenn dieser Versuch sich nicht bewährt man kann nach 14 Tagen nicht sagen, daß er sich nicht bewährk hat wird uns nichts anderes übrig bleiben, als die Höchst⸗ preise wieder aufzuheben. Die Herrschaften, die, als der Feind ihre Aecker verwüstete und ihre Gehöfte in Brand setzte, in den Mauern unserer Stadt Zuflucht suchten, wurden jedenfalls nicht so behandelt, wie sie uns jetzt behandeln. Wir brauchen nichts hinzuzufügen.

Vor einem Jahre.

Wem stehen sie nicht unauslöschbar in der Erinnerung, die Siegestage in der ersten Septemberhälfte 19141 Mit eiserner Faust hatte Hindenburg den russischen Eindringling aufs Haupt ge⸗ schlagen: unaufhaltsam drangen die deutschen Heere in Frankreich bor. Die Fahnen flatterten, und die Zeitungen überschrieben mit dicken Lettern ihre SiegesartikelVor Paris.

Da kam der Rückschlag, am 10. September meldete die Oberste Heeresleitung:Die östlich Paris in der Verfolgung an und süber die Marne vorgedrungenen Heere sind aus Paris und zwischen Meaux und Montmirail von überlegenen Kräften angegriffen wor⸗ den. Sie haben in schweren zweitägigen Kämpfen den Gegner auf⸗ gehalten und selbst Fortschritte gemacht. Als der Aumarsch neuer starker feindlicher Kolonnen gemeldet wurde, ist ihr Flügel zurück⸗ genommen worden. Der Feind folgte au keiner Stelle. Als Siegesbeute dieser Kämpfe sind bisher 50 Geschütze und einige kausend Gefangene gemeldet. Die Schlacht an der Marne! In jener Stimmung des Sieges rausches, die damals so viele erfaßt hatte, wurde die Bedeutung dieser Nachricht zunächst kaum er⸗ kannt; niemand konnte annehmen, daß diese Kämpfe, die Zurück⸗ gahme der deutschen Heeresflügel, die Kriegslage in Frankreich zutscheidend beeinflussen, das Vorspiel gun Stellungskrieg im Wosten sein würden, der nun noch nach einem Jahre das Charakte⸗ eistikum des Krieges im Westen ist. i

Die ununterbrochene und aufdringliche Hurrasctmume der Saheimgebliebenen mit Bier, Musik und Fahnen wurde zum ersten⸗ nal ein wenig eingedämmt, und jener überströmende Siegeslärm der ersten Kriegswochen ist bei allen späteren Ersolgen doch nie ganz viedergekehrt. So mancher von denen, die, damals gar nicht ge⸗ Uuschvoll genug felern konnten, hat inzwischen selbst die Waffen

schultern und am eigenen Leibe alles Schwere fühlen müssen, das der Krieg den Kämpfenden auferlegt. Allmählich verschwanden auch aus den Schaufenstern die geschmacklosen Ulkkarten, die die Gegner Deutschlands und ihre soldatische Tüchtigkeit zu verhöhnen suchten; so einfach war es eben nicht! Wer hätte damals daran gedacht, daß wir nach einem Jahre noch kämpfen, noch keinen Aus⸗ blick auf ein nahes Ende haben? Das, was uns damals über alles erfüllte, hat sich inzwischen noch unendlich erweitert und vertieft: die Sehnsucht nach Frieden und Verständigung!

Herbstanfang. Man nimmt gewöhnlich den 21. Sep⸗ tember als Beginn des Herbstes an, die Astronomen sagen uns aber, daß die Sonne am 23. September den Himmels⸗ äquator durchschneidet und Tag- und Nachtgleiche eintritt. Die Tageslänge nimmt bei uns auf der nördlichen Erdhälfte von diesem Zeitpunkt mehr ab, die Nächte werden länger als die Tage. Es wird auch schon empfindlich kühler; in der gestrigen Nacht war das Thermometer bis auf den Gefrier⸗ punkt gesunken. Da muß sich der Familienvater nach Heizung umsehen, die in diesem teueren Jahr auch mehr kostet als sonst, da die vereinigten Kohlenbarone die Preise ganz be⸗ deutend in die Höhe getrieben haben. Für viele Gemeinden und ihre Einwohner ist es da ein Vorteil, wenn sie Gemeinde⸗ wald besitzen, in dem sich die Gemeindeangehörigen Holz holen können. Wie neulich bekannt gegeben, ist das jetzt für Gießen an zwei Tagen in der Woche, Mittwochs und Freitags, möglich und man kann beobachten, daß von dieser Befugnis reichlich Gebrauch gemacht wird.

Hausfrauen⸗Versammlung. Außerordentlich zahlreich hatten sich gestern abend die Gießener Hausfrauen zu det Versammlung eingefunden, die in die Aula einberufen wor⸗ den war. Es stand allerdings ein sehr aktuelles und in den Haushalt einschneidendes Thema zur Erörterung:Unge⸗ rechtfertigte Lebensmittelteuerung, über das Frau v. d. Groeben aus Eisenach sprach. Die Rednerin legte dar, wie der von ihr in Eisenach ins Leben gerufene Hausfrauenver⸗ ein, der jetzt 1700 Mitglieder zählt, in der Lage war, durch seine gute Organisation einen Einfluß auf die Preisgestal⸗ tung auf dem Lebensmittelmarkte auszuüben. Im Jahre 1912 war es ihm möglich, eine von den vereinigten Land⸗ wirten geplante erhebliche Milchpreiserhöhung glänzend ab⸗ zuschlagen, und später arbeitete er dadurch erfolgreich im Interesse der Konsumenten, daß er den Verkauf gewisser, im Haushalt viel und notwendig gebrauchter Artikel selber in die Hand nahm. Diese Organisation der Hausfrauen habe sich auch während der Kriegszeit bewährt, wo sie auf anderen Gebieten manches für die allgemeine Wohlfahrt habe leisten können. Die Rednerin schloß mit der Aufforderung an die Frauen, sich zusammenzuschließen und sich gemeinsam gegen die ungerechtfertigte Teuerung zu wehren. Ihre Ausfüh⸗ rungen wurden beifällig aufgenommen. Frau Neumann als Einberuferin richtete die Aufforderung an die Frauen, recht zahlreich dem Hausfrauenverein beizutreten. Die Diskussion beschränkte sich auf kurze Anfragen.

Kommunale Kartoffelversorgung der Kriegsteilnehmer⸗ familien und der Unbemittelten. Wie die Kölner, so hat auch die Stadtverwaltung von Mainz beschlossen, den Familien der Kriegsteilnehmer bei der Beschaffung ihrer Winterkartoffeln behilflich zu sein. Es soll den Kriegsteil⸗ nehmerfamilien ihr Jahresbedarf in guten Industrie⸗Kar toffeln zuzm billigsten Tagespreis im Monat Oktober frei Haus geliefert und die Bezahlung dafür in Ratenzahlungen an den jeweiligen Unterstützungsbeiträgen in Abzug gebracht werden. In Darmstadt wird die Stadtverwaltung Kartoffeln durch die Stadt nach einer vorherigen Zusammen⸗ stellung der von der Bevölkerung benötigten Menge beziehen, d. h. die Stadt wird den notwendigen Vorschuß leisten. Da es aber auch in Darmstadt Leute gibt, die nicht in der Lage sind, ihre Winterkartoffeln aufbewahren zu können, wird die Stadt mit verschiedenen Händlern Verträge abschließen, um für die Leute einen gleichmäßigen Kartoffelpreis wäh⸗ rend des Winters und des Frühjahrs zu ermöglichen.

Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Wehrmann Heinrich Hofmann aus Lützellinden, Inf. Regt. 222. Füsilier Jean Frey aus Ehringshausen, Kr. Wetzlar, Lehr⸗Inf.⸗Regt. Landsturmmann Hermann Lotz aus Echzell, Inf.⸗Regt. 118. Musketier Karl Köhler aus Wahlen, Kr. Alsfeld, Inf.⸗Rogt. 222. Ers.⸗Res. Karl Hildebrand aus Storndorf, Kr. Alsfeld, Res.⸗Inf. Regt. 81.

Wahlverein Gießen.

Die am Montag abgehaltene Mit⸗ gliederversammlung hatte nur einen mäßigen Besuch aufzuweisen, was durch die zahlreichen Einberufungen erklärlich ist. Immerhin sind noch viele anwesend, die sehr wohl die Versammlung besuchen könnten, bedauerlicherweise aber meistens fehlen. Genosse Vetters sprach überGemeindestenern, Redner zählte in seinen Aus⸗ führungen die hauptsächlichsten Einnahmequellen auf, die einer Ge⸗ meinde zur Verfügung stehen und beschäftigte sich dann eingehender mit den städtischen Finanzverhältnissen und dem diesjährigen Vor⸗ anschlag, der eine Erhöhung der Einkommensteuer um 30 Prozent brachte. Diese Erhöhung sei aber nicht in den Aufwendungen für die Kriegsfürsorge veranlaßt diese werden vielmehr gesondert verrechnet sondern sie war zum Ausgleich des städtischen Haus⸗ halts notwendig. Wären bei den städtischen Werken, besonders bei dem Elektrizitätswerk, die üblichen Abschreibungen vorgenommen worden, hätte schon längst eine Steuererhöhung kommen müssen. Mit der Einkommensteuer wurde natürlich im gleichen Verhältnis die Grund- und Vermögenssteuer erhöht. Von einigen, Stadt⸗ verordneten wurde der Versuch gemacht, diese Steuer im Verhält⸗ nis zur Einkommensteuer herabzusetzen, wogegen aber die Mehr⸗ heit stimmte. Es wäre dies in der Tat auf eine Mehrbelastung der

Minderbemittelten zugunsten der Vermögenden hinausgelaufen. Redner besprach kurz noch das Oktroi, das als eine veraltete Steuer

anzusprechen sei, durch welche den Einwohnern das Brennmaterial erheblich verteuert werde. Unser Antrag, die Verbrauchssteuer auf Brennmaterial zu beseitigen, fand bisher noch keine Gegen⸗ liebe. Die Filialsteuer steht mit nur 8000 Mark im Voranschlag: bei dieser haben wir es ebenfalls mit einer Steuer zu tun, welche auf die Konsumenten abgewälzt wird. Große Aufwendungen der verschiedensten Art haben immer neue Anleihen nötig gemacht und dazu geführt, daß Gießen eine ganz bedeutende Schuldenlast aufweist, für deren Verginfung allein 943 000 Maxk aufgewendet werden müffen. Schulden sind immer lästig; nicht aber immer etwa eine Folge schlechter Wirtschaft. Wenn Anleihen zu Er⸗ richtung von Werken, die für die Folge Gewinn für die Stadt ver⸗ sprechen, aufgenommen werden, so läßt sich dagegen nichts ein⸗ wenden. Zu der hohen Schuldenlast der Stadt haben noch gahl⸗ reiche Grundstücksankäufe beigetragen, für viele Grundstlcke gibt es jetzt und vielleicht auf Jahre hinaus keine Verwertungsmöglich⸗ keit, die dafür aufgewendeten Kapitalien müssen aber verzinst wer⸗

den. Auch die Erneuerung des Straßenpflasters, sowie dle Schaffung der Ueberlandzentrale hat die Schuldenlast erheblich vermehrt. Wenn von den städtischen Werken vorsichtig gearbeitet werde, so kann immerhin noch ein günstiges Ergebnis erzielt wer⸗ den; wie freilich die riesigen Ausgaben für Kriegsfürsorgezwecke wieder aufgebracht werden sollen, darüber schwebt vorläufig noch tiefes Dunkel. An diese Darlegungen schloß sich eine kurze Dis⸗ kussion, in welcher mehrere Redner die Stellungnahme des Genossen Vetters zur Hundesteuer, ffir deren Erhöhung er eintrat, nicht billigen. Nach Erledigung einiger geschäftlicher Angelegenheiten schloß der Vorsitzende die Versammlung.. N

Verbrannte Feldpostsendungen. Der Staatssekretär des Reichspostamtes Kraetke erläßt folgende Warnung: Am 5. Sep⸗ tember ist ein mit Feldpost für das Ostheer beladener Eisenbahn⸗ güterwagen auf der Strecke Berlin Thorn in Brand geraten. Als der Brand auf einer Station bemerkt wurde, hatte er bereits oweit um sich gegriffen, daß fast die Hälfte der Ladung, etwa 200 Brief⸗ beutel mit rund 22 000 Fel dpostpäckchen, vernichtet waren. Ferner ist am 10. September in einem gleichfalls mit Feldpost für das Ostheer beladenen Eisenbahngitterwagen auf der Strecke Dresden⸗ Breslau Feuer ausgebrochen. Da das Feuer bald entdeckt und gelöscht wurde, konnte die von der Postsammelstelle in Hannover abgesandte, aus etwa 500 Briefbeuteln bestehende Ladung bis auf fünf Beutel mit etwa 500 FJelbdpostpäckchen, die vernichtet sind, ge⸗ borgen werden. Ein Teil der geborgenen Lodung, 54 Beutel, ist angebraunt. Nach dem Befunde ist in beiden Fällen Selbst⸗ entzündung von Streichhölzern oder Benzin als Ursache der Brände anzusehen. Auf das Verbot der Versendung feuer⸗ gefährlicher Gegenstände durch die Feldpost, wie Streichhölzer, Benzin, Aether, ist aus Anlaß früherer Brände wiederholt hinge⸗ wiesen worden. Das Publikum wird erneut auf das dringendste ersucht, im Juteresse der Allgemeinheit und insbesondere unserer heldenmütigen Kämpfer im Felde die Versendung solcher Gegen⸗ stände durch die Post unbedingt zu unterlassen. Jede zur Kenntnis der Postbehörden gelangende Zuwiderhandlung gegen dieses Ver⸗ bot, die nach§ 367 unter 54 St.⸗G.⸗B. strafbar ist, wird gerichtlich verfolgt.

Kürbiskerne sind Oelfrüchte!

Man darf jetzt in der Kriegszeit den inneren Teil des Kürbisses, welcher für menschliche Nahrung nicht taugt, nicht wegwerfen. Mau darf aber auch nicht das lockere Fleisch ganz in das Viehfutter wersen, sondern man muß die Kerne herauslösen. Die Kürbiskerne enthalten ein Fünftel bis ein Viertel des Gewichts an Oel. Würde man die Kerne mit dem lockeren Mark an die Schweine füttern, so wäre das ein Verlust; denn wenn man den Schweinen 100 Teile Nährwert gibt, geben sie nur 40 zurück. Man verwende deshalb möglichst unr Nähr⸗ stoffe zum Schweinesutter, überhaupt zum Viehfutter, welche der Mensch nicht brauchen lann. Das Kür biskernöl kann aber der Mensch vorzüglich gebrauchen. Aus den geschälten Samen gepreßt, ist es klar, hellgelb oder farblos, ohne Geruch, von angenehmem. süß⸗ lichen Geschmack und sehr dickflüssig, also gerade was volkstümlich settig oder ölig heißt. Deshalb müssen Kürbiskerne getrocknet und gesammelt werden.

Die Spielzeit des Stadithesters beginnt am 15. Oktober. Wie die Direktion bekannt gibt, werden wieder, wie int Vorjahre, zwei Abonnements zu je 15 Vorstellungen eingerichtet, am Dienstag und am Freitag. Es ergeht das Ersuchen an die Bürgerschaft, das Theater möglichst zu u nterstützen und namentlich die früher gehabten Abonnements für diese Spielzeit wieder zu erneuern..

0 Von Nah und Fern.

Bestrafte Lebensmittelwucherer. Die Strafkammer in Magde⸗ burg verurteilte die Frau Oberamtmann Pfannenschmidt in Hein⸗ richsdorf zu 2000 Mark Geldstrafe, weil sie an zwei Händler Kar⸗ toffeln über den Höchstpreis verkauft hatte. Die beiden Händler er⸗ hielten je 100 Mark Geldstrase.

Zwölf junge Pferde erstickt. Auf dem Bahnhof von Norden sind in einem Waggon 12 junge Pferde, dem Händler Seligmann aus Wirdum gehörend, erstickt. Der Schaden beträgt etwa 18000 Mark. Die Schuld soll auf Unvorsichtigkeit des Verladens zurückzu⸗ führen sein. 5

Schweres Unglück bei einer Kletlerpartie. Am Sonntag hat sich in der Sächsischen Schweiz, im Gebiete des bekannten Bastei⸗ felsens ein schweres Unglück zugetragen. Bei einer Kletterpartie ind sechs Kletterer abgestürzt: vier davon sind bald darauf an den Folgen des Sturzes gestorben, während zwei schwer verletzt sind. Die Verunglückten sollen junge Leute sein aus Dres⸗ den, die jefenfalls im Klettersport unerfahren und ungeübt waren. Warunt muß auch unbedingt auf die steilen Sanmdsteinfelsen hinausgeklettert werden?

Tages bericht des Großen Haupttuartiets.

Der Sappenlrieg im Westen. Hindenburgs Zange schließt sich. W. B. Großes Hauptquartier, 21. Sept., vorm.(Amtlich.] Westlicher Kriegsschauplatz.

Im Abschnitt Souchez-Arras unterhielt die französische Artillerie fast ununterbrochen starkes Feuer. In der Gegend von Neuville kam es zu Handgranaten⸗ kämpfen. 0

Das gestern in Trümmer geschossene Schleusenhaus von Sapigneul(am Aisue Marne⸗Kanal nordwest⸗ lich von Reims) wurde nachts nach Sprengung der Ueber⸗ reste planmüßig und ohne Berührung mit dem Feinde vom uns geräumt.

Westlich von Perthes(in der Champagn e) und in den Argon nen wurden mit Erfolg Minen in der feind⸗ lichen Stellung gesprengt.

Mehrere Handgranatenangriffe am Hartmanns weiler Kopf wurden abgewiesen. 1 Oestlicher Kriegsschauplaßtz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg.

Die Truppen des Generalobersten v. Eichhorn sind nord⸗ westlich und südwestlich von Oschmiana im fortschreitenden Angriff.

Der rechte Flügel der Heeresgruppe erreichte unter hart. näckigen Gefechten die Gegend östlich von Lida bis westlich von Rowo Grodek. d

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern.

Der Uebergang über den Molozadz bei und südlich Dworzec ist erzwungen.

Weiter südlich gelangten unsere Truppen unter Ver⸗ folgungskämpfen bis in Linie südöstlich Molcezadz Nowo Jamysch Ostrog.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Mackensen. Die Lage ist unverändert. e Südöstlicher Kriegsschauplaß. Bei den deutschen Truppen hat sich nichts ereignet. Oberste Heeresleitung.