Beilage zur Ob
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iete.
und Nachbargeb
Gießen und Umgebung. Wir Drei.
Wir waren ehemals drei Gesellen, das Herz so jung, so keck die Faust. Es hat das Leben uns in hellen und heißen Wirbeln oft umbraust.
Wir schlugen Reue, Gram und Sorgen leichtsinnig lachend aus dem Feld
— das Heute galt und nicht das Morgen— und trotzten aller, aller Welt.
ö 1 Jetzt liegt der eine tief in Flandern, „ drei Kugeln in der breiten Brust. ee Seit Wochen hab' ich von den andern,
Sefer
In seit langen Wochen nichts gewußt. dere Heut kommt ein Brief, ihm jüngst geschriehen, cri zurück. Von fremder Hand
9 steht kalt darauf:„Vorm Feind geblieben.“ 1 Verscharrt, verscharrt in Polens Sand!
Der erste fort und fort der zweite, zerrissen unsrer Freundschaft Band— wann wühlen mir die rühr'gen Scheite ein kaltes Bett im fremden Land?
Hermann Wendel.
0 0 15 93 Krieg und Gemeindeschulden. . Die Kriegsfürsorge fordert von den Gemeinden ge— Baltige Opfer. Offenbach hat für diese Zwecke bereits im ursten Kriegsjahr über eine Million Mark ausgegeben, von deren Städten z. B. Chemnitz sechs Millionen, Dresden er zwölf, Leipzig mehr als zwanzig Millionen Mark. In er Provinz Westfalen sind in den ersten Kriegsmonaten nach iner oberflächlichen Schätzung von den größeren Stadt- und Sandgemeinden allein rund 40—50 Millionen Mark als Anleihen aufgenommen worden. Da die Anforderungen stets einer! trößer werden, die Ausgaben fortgesetzt zunehmen, während der ileichzeitig die Einnahmen naturgemäß sich verschlechtern, schaße h muß mit einer ungemein starken Zunahme der Gemeinde— f* Ihulden gerechnet werden. Man erhält jedoch ein falsches, i ddenfalls sehr einseitiges Bild, wenn man die Verschuldung in sich betrachtet und nicht in Verbindung mit dem bis⸗ serigen Zustand und der kommunalen Entwicklung. Eine gemeindliche Reichsfinanzstatistik gibt es leider soch nicht. Nach einer Denkschrift des Reichsschatzamtes, die uin Jahre 1913 dem Reichstag vorgelegt wurde, belief sich 911 die Steuerlast der Gemeinden in Deutschland auf ins⸗ gefamt 1 378 150 000 Mk., davon direkte Steuern 250 454 000 Mk. oder 90,74 Prozent. Das gibt aber kein üchtiges Bild von den finanziellen Leistungen und Kräften der Gemeinden. Heute erzielen bereits mehrere Großstädte cus ihren wirtschaftlichen Unternehmungen, Elektrizitäts⸗ berken, Straßenbahnen, Gaswerken usw., ebensoviel, ver⸗ einzelt sogar mehr Einnahmen als durch Steuern. Die Ein⸗ ahmen und Ausgaben aller Gemeinden Deutschlands sind heute wahrscheinlich nicht kleiner als die Haushaltsrechnung s Reichs. Aber sie sind wesentlich anderer Art, und deshalb tach die Schulden. Die preußischen Gemeinden allein haben ene größere Schuldenlast, als das Reich vor Ausbruch des brieges hatte, und man bleibt wohl noch etwas hinter der Virklichkeit zurück, wenn man die derzeitigen Schulden er Gemeinden Deutschlands auf 10 Milliarden Mark Mü ätzt. Zich 0 Der bpesentlichste Teil dieser Schulden hat sich erst in den e Iten 20 Jahren herausgebildet und drückt nicht eine Ver— 5 c bmung, sondern den zunehmenden Reichtum der Gemeinden Seht, us: die Wirksamkeit der modernen Kommunalpolitik. Ge⸗ che neinden mit wenig Schulden haben in der Regel eine rück⸗ beh. fändige Verwaltung und bieten nichts ihren Bewohnern. ß daß die 146 Städte mit über 30 000 Einwohnern der Ver⸗ inigten Staaten von Amerika eine Zunahme der Schulden en 900,2 Millionen Dollar im Jahre 1902 auf 1803,1 Mil⸗ 1 1% bnen Dollar im Jahre 1911, von 44,19 Dollar pro Kopf auf 1 1 Dollar, zu verzeichnen haben, ist eine erfreuliche Er⸗
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its 7780 5 5 1 5 5 2 7 55 eee 1 l ö sheinung, die zeigt, daß sich auch die amerikanischen Städke * 9 berbessern. Die Schulden der Stadt Newyork sind sogar in 1 m genannten Zeitraum von 277 Millionen Dollar auf
14 23,3 Millionen Dollar gestiegen, pro Kopf der Bevölkerung M Im 76,45 auf 145,92 Dollar, sie haben sich also absolut ver— e g, zeifacht, relativ verdoppelt. Die Summe der kommunalen a egulden betrug Ende März 1911 in Großbritannien 635 160 Pfund Sterling, gleich 12,6 Milliarden Mark. In Frankreich betrugen die Gemeindeschulden Ende 1911 dscgegen nur 4,5 Milliarden Franken, wovon allein auf Paris Milliarden entfielen. Dennoch, oder gerade deswegen, Fil ihr Schuldenstand ein wesentlich größerer ist, stehen die aclischen Gemeinden finanziell und sozialpolitisch weit höher ls die französischen. 5 5
Die heutigen Gemeindeschulden bilden eben im wesenk⸗ then das Anlagen- und Betriebskapital der kommunalen mrichtungen, welche ein werbendes Vermögen darstellen, e Einnahmen abwerfen, das kommunale Vermögen also größern. Mit der Zunahme der Schulden wächst deshalb nch, und zcßar im höheren Maße, das Gemeindevermögen. Das Vermögen wächst überall viel stärker als die Schulden, das heißt, die Gemeinden werden fortgesetzt eher. Wie aus der neuesten Statistik über die Finanzen e“ größeren und mittleren Gemeinden Sachsen, im ersten left, 60. Jahrgang der Zeitschrift des Königlichen Sächsischen itistischen Landesamtes hervorgeht, betrugen die Anteile werbenden Unternehmer und Anstalten an Gesamt⸗ semögen bei nicht weniger als 52 von den 162 größeren 15 mittleren Gemeinden Sachsens mehr als 50 Prozent. E diesen 52 Gemeinden gehören 11 mit weniger als 3000,
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erhessischen Volkszeitung Nr. 219
Gießen, Samstag, den 18. September 1915. 30 mit 5000 bis 10 000, 8 mit über 10000 bis 20 000, zwei mit über 20000 bis 50 000 und 1 mit mehr als 50 000 Ein⸗ wohnern. Unter den 162 Gemeinden fanden sich nur 8, die überhaupt keine Unternehmungen oder werbende Anstalten aufwiesen, andererseits aber 6, bei denen der Wert der Unter⸗ nehmungen und Anstalten mehr als 80 Prozent vom Gesamt⸗ vermögen ausmachte. Ein anderer“ großer Teil des Ge— meindevermögens bildet der Grundbesitz, der am Schluß des Jahres 1910 bei 44 Gemeinden mehr als 50 Prozent vom Gesamtwert aller Vermögensgegenstände ausmachte. Unter den Gemeinden mit so hohem Anteil befand sich auch hier eine solche mit mehr als 50 000 Einwohnern, und zwar war dies die Stadt Zwickau, die im Jahre 1910 ein Gesamt⸗ vermögen von 35,4 Millionen Mark aufzuweisen hatte, gegen 11,8 Millionen Mark Schulden. Zu diesen Gemeindever— mögen sind noch hinzuzuzählen die 57,3 Millionen Rücklage⸗ und Erneuerungsbestände aller Gemeinden und 79,2 Mil⸗ lionen Sparkassenrücklagen; außerdem auch die 131,5 Mil⸗ lionen Vermögensbestände, die nicht im Gemeindeeigentum stehen, also die rechtsfähigen Stiftungen und die Bezirks⸗ vermögen der eximierten Städte.
Das kommunale Vermögen in ganz Deutschland dürfte über 20 Milliarden Mark betragen. Und es kann keine Rede davon sein, daß die Gemeinden durch die Kriegsausgaben etwa dem„Bankrott“ zugeführt werden, wie mancher glaubt. Freilich haben die großen Städte unproduktiv verwendete Schulden. Es sind dies die Anlagen für Krankenhäuser, Theater, Museen usw. Aber in den meisten Gemeinden Sachsens z. B. waren mehr als 50 Prozent der Schulden auf Unternehmungen verwendet, in 11 Gemeinden sogar über 90 Prozent. Nur in 9 Gemeinden wurden die gesamten Schulden für unproduktive Zwecke verwendet. Da die Er⸗ trägnisse der kommunalen Unternehmungen nicht nur zur Bestreitung der laufenden Gemeindeausgaben verwendet werden, sondern auch zur Abstoßung von Schulden, so liegt in ihnen die Gewähr, daß die Kriegsausgaben die Gemeinden nicht ruinieren werden. Der kommunale Vermögenszuwachs wird freilich auf eine Reihe von Jahren unterbunden sein.
fc d Uec eee 25 erptenber 1915.
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Die hohen Kriegsausgaben werden aber trotzdem die Gemeinden in eine schwierige Situation bringen. Denn sie bringen eine Erhöhung der„unproduktiven“ Schulden, deren Verzinsung das Gemeindebudget stark belastet. Die bis⸗ herige Entwicklung zeigt aber auch hier den Weg, den die Ge— meinden gehen müssen, um die schwere Last tragen zu können: Ausbau und Vermehrung der kommunalen Betriebe! Der Stadt Berlin wird es sicher finanziell sehr zu statten kommen, daß sie kurz nach Ausbruch des Krieges die Elektrizitäts⸗ werke in ihren Besitz brachte. Lassen die Gemeinden von nun an jede Rücksicht auf privatkapitalistische Interessen außer acht, dann öffnen sich ihnen neue und große Einnahmequellen, mit deren Hilfe sie aller Schwierigkeiten Herr werden können. Warum soll zum Beispiel die Kommune für ihre Mitglieder nicht das gesamte Getreide beziehen und in eigenen Mühlen mahlen? Warum nicht die Versorgung der Einwohner mit Brennmaterial übernehmen? Und dergleichen mehr. Solche Maßnahmen dieser Art bewegen sich freilich in sozialistischer Richtung. Aber das konnte von den neuesten Kriegsmaß⸗ nahmen gesagt werden. Und als Retter aus der Misere, die der Krieg gebracht, werden auch die Gemeinden den Sozialis⸗
mus begrüßen müssen! 10 „Fassen“.
In dem einige Jahre vor dem Ausbruch des jetzigen Krieges erschienenen dritten Bande des v. Altenschen Handbuches für Heer und Flotte findet man unter dem Stichworte„Fassen“ folgende Er⸗ klärung:„In West⸗ und Süddeutschland gebräuchlicher Ausdruck für empfangen, z. B. Essen fassen“. Diese Erklärung trifft heute nicht mehr zu, während der einjährigen Dauer des Krieges hat sich das Wort„fassen“ in der gesamten deutschen Millionenarmee fest⸗ gesetzt, ja, es stellt heute einen Lieblingsausdruck unserer Feld— grauen dar. Man begegnet ihm unzählige Male in Feldpost⸗ briefen, in den Berichten von den Kriegsschauplätzen usw. Nicht nur der Süddeutsche und Westdeutsche faßt heute Essen, Kaffee, Bier, Wollsachen und alle anderen schönen Dinge, sondern auch der Berliner, der Ostpreuße, der Schlesier, der Sachse, der Thüringer usw. In einem Feldpostbriefe, der dieser Tage durch die Presse ging, sprach ein Schleswig-Holsteiner sogar seine Genugtuung aus über die guten Quartiere, die er mit seinen Kameraden gefaßt hatte. Der Ausdruck stammt ohne jeden Zweifel aus Süddeutsch— land; er ist nicht militärischen Ursprungs, und ist aus der Sprache der Kaufleute und Gewerbetreibenden in die Soldatensprache ge— wandert. In Süddeutschland und in Oesterreich gebraucht man schon lange das Wort„fassen“, im Sinne von„laden“; man spricht dort von„Zucker fassen“,„Kohlen fassen“ usw. Es ist nicht unmöglich, daß dieser Ausdruck ursprünglich nur ein Schifferwort gewesen ist. Das Wort„fassen“ wandte man anfänglich nur in bezug auf Dinge an, die in einem Gefäß Aufnahme fanden; wenn der Schiffer Kohle faßt, so faßt er sein Schiff eben als Gefäß auf. Die erste Anwendung des Wortes im Soldatenleben weist ebenfalls die Beziehung zu Gefäßen auf, wie die Ausdrücke Essen fassen, Kaffee fassen usw. zeigen. Bei der großen Bedeutung, die das Wort „fassen“ im Leben unserer wackeren Feldgrauen erlangt hat, konnte es nicht ausbleiben, daß es auch schon in die Sprache der Nicht⸗ Soldaten gewandert ist: der Zivilstratege z. B. faßt am Stamm⸗ tisch seinen Frühschoppen oder Abendschoppen..
Das Merkwürdigste bei diesem Ausdruck, der bei unseren Feldgrauen sowohl im Bereich der Gulaschkanone als auch über diese hinaus eine so große Bedeutung erlangt hat, ist die Tatsache, daß er in bezug auf eine Sache gar nicht angewandt wird, die der Soldat am allernotwendigsten braucht. Man hat noch nie etwas darüber gehört, daß unsere Soldaten Mut gefaßt haben, oder Mut fassen mußten, Augenscheinlich verfügt der Soldat über einen so großen Vorrat an Tapferkeit, daß es für ihn vollkommen über⸗
Die Obstpreistreibereien.
Wir haben schon des öfteren auf eine der Hauptursachen der viel zu hohen Obstpreise hingewiesen: auf die massen⸗ haft in allen Obstbaubezirken erscheinenden Händler, die sich gegenseitig den Rang ablaufen und dadurch die Preise un⸗ geheuer in die Höhe treiben. Es handelt sich da nicht nur um zünftige Händler, sondern auch um solche Leute, die sich lediglich der guten Aussichten wegen auf den Handel mit Obst und Gemüse geworfen haben. Die sind sogar, wie unserem Frankfurter Parteiblatt glaubhaft versichert wird, die schlimmsten. Die Händler wissen, daß sie heuer das Obst zu jedem Preis los werden; da man nicht von der Luft leben kann und im wesentlichen auf die heimische Erzeugung angewiesen ist, muß man schließlich, ob man will oder nicht, den letzten Pfennig für Gemüse und Obst hergeben. Das stellt jetzt auch ein Mainzer Blatt an folgendem Beispiel fest:
In unseren Nachbargemeinden konnte man bis vor einigen Tagen noch die schönsten Zwetschen, die namentlich in Kostheim in gewaltigen Mengen gepflanzt werden, zu 8 bis 10 Pfg. in jedem Quantum bekommen. Als vor einigen Tagen Großhändler aus Norddeutschland in hiesiger Gegend erschienen, boten sie den Bauersleuten sofort 16 bis 18 Mark im Zentner und kauften in kürzester Zeit gewaltige Massen auf. Die Folge davon ist natür⸗ lich, daß jetzt Zwetschen unter diesem Preis hier kaum zu haben sind. Im verflossenen Jahr kosteten die Zwetschen 3 bis 4 Mar] der Zentner.
An keinem Obst zeigt sich übrigens die unerhörte Preis⸗ steigerung deutlicher als an den Zwetschen, die doppelt bis drei⸗ und viermal so viel kosten als in früheren Jahren trotz einer recht guten Ernte.
Auch dem Wiesbadener Tageblatt werden zu dem gleichen Kapitel recht bezeichnende Mitteilungen gemacht. Es heißt da:
Fragt man auf den Dörfern bei irgend einem Bauern, der sonst gern seinen Ueberfluß der Privatkundschaft abließ, in diesem Jahr um Obst nach, so erhält man in fast allen Fällen die Ant⸗ wort:„Der X oder Y aus Frankfurt oder Mainz hat mir schon 3 Mark mehr für den sonst üblichen Preis geboten und da habe ich ihm das Obst in Bausch und Bogen gelassen.“ Und der Privat⸗ mann hat das Nachsehen. Als am letzten Samstag der Sturm im Maingebiet Hunderte von Zentnern Fallobst abgeschüttel! hatte, brachten die Milchbauern dieses Obst in die Städte und ver⸗ kauften es pfundweise für 3 bis 4 Pfg. an ihre Kunden. Kaum hatten die Händler davon erfahren, so bereisten sie die Dörfer und kauften das gesamte noch erreichbare Fallobst für 4 bis 5 Pfg. das Pfund auf. Sie lasen es aus und verkauften das wurm⸗ stichige für 6, das andere für 10 Pfg. das Pfund. Zwetschen kosteten, ehe die Händler aufs Land kamen, höchstens 10 Pfg., die Händler boten 12, 14, 16 bis 20 Pfg. fürs Pfund, und sie erhielten die Waren. Die Verbraucher sind den Herren rettungslos preis⸗ gegeben, sie stehen ihnen macht⸗ und wehrlos gegenüber und müssen die unverschämten Preise bezahlen. 5
Daß gegenüber solchen Unerträglichkeiten immer von neuem wieder und immer lauter und eindringlicher der Ruf nach rücksichtslosem Eingreifen der Behörden zum Schutze des Publikums erklingen muß, sollten wir eigentlich nicht erst zu betonen nötig haben. Auf eines aber möchten Wir in diesem Zusammenhange noch einmal hinweisen: daß es ein schwerer Fehler ist, wenn in der gegenwärtigen Zeit die Gemeinden und die Kreisbehörden ihre Obsternten zur Ver⸗ steigerung bringen. Denn diese Versteigerungen tragen nur dazu bei, die Obstpreise in die Höhe zu treiben. Darüber konnten wir schon ein recht krasses Beispiel aus Fulda melden, so las man es schon aus verscheidenen anderen Orten und jetzt wird der Neuen Tageszeitung in Friedberg aus Holz ⸗ hausen v. d. H. berichtet: Ein Zeichen der teueren Zeiten
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hatte das Obst einen so hohen Preis wie heute, wurde doch der Doppelzentner Aepfel wie Birnen am Baum mit 12 bis 14 Mark bezahlt. Und hierzu bemerkt sogar das Bündler⸗ blatt:„Die Gemeinde-Obstversteigerung sollte doch besonders in der Kriegszeit lediglich den Minderbemittelten zugute kommen, leider ist das in unserer Gemeinde nicht der Fall, denn die Obsthändler und Wirte trieben die Preise so in die Höhe, daß es den minderbemittelten Leuten unmöglich oder doch nur zu ganz hohen Preisen möglich war, sich einiges Obst für den Winter zu steigern. Man sollte doch von seiten der Gemeindeverwaltung mehr Rücksicht auf die kleinen Leute nehmen, namentlich wo doch die Lebensmittel so hoch im Preise stehen. Wo es dieses Jahr so viel Obst gibt, sollte man bestrebt sein, es zu einem angemessenen Preis den Ver⸗ brauchern zukommen zu lassen und nirht gewissen Unersätt⸗ lichen noch mehr die Taschen zu füllen.“ Wir gehen noch weiter und verlangen, daß die Gemeinden und Kreise ihre Obsternten überhaupt nicht versteigern, sondern auf die Märkte bringen und dort' durch niedrige Preisfestsetzung von vornherein an einer Herabdrückung der Preise auf einen vernünftigen Stand mitarbeiten.% 0 ee e
Vorsicht bei„konzentrierten“ Nahrungs⸗ und Genuß⸗ mitteln. Durch den Krieg hat die Spezialindustrie, Nahrungs⸗ und Genußmittel aller möglichen Arten zu konzentrieren, das heißt fabrikmäßig in handliche und leichte Vexsandform zu pressen, gewaltigen Umfang angenommen. Die Spekulation war richtig, denn derartige Waren finden noch immer reißenden Absatz, da sie massenhaft zu Liebes⸗ gaben verwendet werden. Von strafbarer Nahrungsmittel⸗
fälschung kann man wohl im allgemeinen nicht sprechen.
flüssig ist, Mut zu„fassen“.
ergab auch heute die Gemeinde-Obstversteigerung. Noch nie


