aus rosige Darstellung der militärischen Lage
(Anhaltender Beifall.)
die von den Juden besondere Steuern und Militärleistungen fordern, aufgehoben werden. Die Bestimmung würde der Sondergesetzgebung gegen die Juden ein Ende machen, aber auch eine große Reihe von Beschränkungen, die sich in höherem oder geringerem Grade gegen alle Nichtrussen richten, auf. heben. Die sozialdemokratischen Abgeordneten erbaten die Unterschrift der Kadetten und Progressisten für den Antrag, wurden aber abgewiesen, weil diese beiden Parteien sich angeblich durch den Beitritt zum Block, der die Oktobristen und einen Teil der Nationalisten mit umfaßt,
an das gemeinsam mit diesen Parteien aufgestellte Arbeits
programm gebunden glauben. Das englische Parlament.
In London sind Ober- und Unterhaus wieder eröffnet. Im ersteren gab der Höchstkommandierende Lord Kitchener eine über⸗ Er sprach zunächst über Frankreich und sagte, daß dort die Stellungen derart aus⸗ gebaut und befestigt seien, und daß die Laufgräben durch eine Ver⸗ mehrung der einzelnen schweren Kanonen derartig in einen Ver⸗ teidigungungszustand gebracht worden seien, daß das Ganze wohl kaum zu nehmen sei. Auch die Versuche der Deutschen, mit Gasen und flüchtigen Brennstoffen zu arbeiten, hätten jetzt keine A rkung mehr, da die nötigen Gegenmaßregeln getroffen worden seien. 8 seien elf neue Heeresdivisionen dem Marschall French zugeschickt worden, so daß diese eine Front von 27 Kilometern von dem sran⸗ zösischen Alliierten hätten übernehmen können. Die neuen Dirssin⸗ nen hätten nun bereits Erfahrung in der Kriegsöührung, so daß sie mit Erfolg andere Stellen hätten einnebmen lönnen. Auf dem rusfischen Kriegsschauplatß bäften nun allem Auscheine nach die Deutschen ihre Pscsle u ziemlich verschossen und während früher der Vormarsch 7 bis 8 Kilometer pro Tag betrug, sei er jetzt nur noch 1 bis 2 Kilometer. Die Deutschen hätten nichts gefunden als den nackten Boden und die geräumten Forts. Da Ziel der Deutschen sei es offensichtlich gewesen, die russischen Heere zu vernichten, um hierdurch eine große Anzahl von Truppen frei⸗ zumachen. Aber auch dieser Plan sei nicht gelungen und in der Ge⸗
schichte werde sich einmal zeigen, in welch glänzender Weise die russi⸗
schen Heere geleitet worden seien. Wir sehen jene Heere, die der Deutsche prahlerisch als vollständig geschlagen und demoralisiert bezeichnet, tapfer kämpfen und an verschiedenen Punkten des Landes sogar zur Offensive übergehend und den Deutschen große Verluste beibringend. Alles zusammengenommen können wir ruhig sagen, daß, während die Deutschen allein infolge ihrer Kanonen das Ueber⸗ gewicht hatten und es mit enormen Kosten bezahlen mußten, sie nichts gewonnen haben, indem sie die russische Front zurückdrängten. Bei den Dardanellen sprächen alle Anzeichen dafür, daß die durch die Deutschen getriebenen Türken demoralisiert seien infolge der schweren Verluste und des sortdauernden Mangels an Hilfs⸗ guellen. Uebrigens stehen die türkischen Kriegsgebräuche über denen ihrer deutschen Lehrmeister.
Im Unterhause hielt der Ministerpräsident Asquith eine ähn⸗ liche Rede. Zum Schluß sagte Asquith: Dieser Konflikt ist im ganzen ein Krieg der Technik, der Organisation und der Ausdauer. Der Sieg wird sehr wahrscheinlich auf der Seite des⸗ jenigen sein, der am besten bewaffnet ist und der am längsten sich halten kann, und das ist es gerade, was wir zu tun beabsichtigen. Bringen wir nicht so viel Gegenbeschul⸗ digungen vor! Wir haben die berechtigten Wünsche und Hoff⸗ nungen unserer Verbündeten befriedigt, und wir nehmen die Last auf uns, die uns infolge unserer Auffassung von Pflicht und Ver⸗ antwortlichkeit auferlegt wird. Was ich tadle, das sind die inneren Streitigkeiten, damit man nicht sagen kann, daß im entscheidendsten Augenblick unserer Geschichte irgend ein Nachlassen der hartnäckigen Energie und des Willens des englischen Volles vorhanden war.
Trotz dieser Mahnung gab es dann bald im Unterhause eine heftige Debatte über die Frage der Einführung der Wehr⸗ pflicht.
Wirtschaftszusammenschluß der Entente.
Bern, 16. Sept.(W. B. Nichtamtlich.) Der Mailänder Sera meldet aus Como, daß die ersten Teilnehmer an der französisch⸗ italienischen Zufammenkunft, die morgen in der Villa d'Este beginnen wird, eingetroffen sind, darunter die Italiener Luzatti. Raineri, Rubini und Ratoni, die Franzosen Barthou, Sannotaux, Pichon. Es sei zwar schwierig, Näheres über das Pro⸗ gramm anzugeben, es handle sich jedoch darum, auf industri el⸗ lem Gebiete engere Bande zwischen Frankreich, England und
Noten, die immerzu mißverstanden werden und nur Erregung hervorrufen, unzweckmäßig ist. Die amerikanische Regierung wünscht vielmehr die Angelegenheit in vertraulichen Be⸗ sprechungen zwischen Lansing und Bernstorff friedlich zu regeln. 5
Daily Expreß vernimmt aus Newyork: Graf Bernstorff habe einem Berichterstatter der Evening World erklärt, in vierzehn Tagen würden alle die Vereinigten Staaten und Deutschland trennenden Schwierigkeiten endgültig geregelt sein, und die beiden Länder würden durch eine engere Freund— schaft als je zuvor miteinander verbunden sein. Lansing und ich, fügte Bernstorff bei, sind zu einem vollkommenen Ein⸗ verständnis gelangt.
Gefangenenaustausch zwischen England und
Deutschland.
Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung schreibt: Durch neutrale Vermittlung zwischen der deutschen und groß⸗ britannischen Regierung ist nunmehr die Verständigung ge— troffen worden, daß von beiden Teilen den im Gebiete des anderen Teiles zurüclgctaltenen Männern zwischen 17 und 47 Jahren die Abreise gestattet wird, soweit sie für eine mili⸗ tärische Verwendung während der Kriegsdauer unkavalich sind.
Wie es gemacht wird.
Haag, 16. Sept.(W. B. Nichtamtlich.) Der Nicuwe Courant meldet aus Newyork: Da das drahtlose Ersuchen des Botschafters Dumba, ihn mit Urlaub abzuberufen, gestern in den Blättern
rschienen ist, hat namens Dumbas Graf Bernstor sf bei Staats⸗ retär Lansing dagegen Einspruch erhoben, daß die Mitteilung Dumbas auf ungesetzliche Weise der Presse in die veröffentlicht worden ist. Lansing sprach seine Entrüstung über den Vorfall aus und rer⸗
a Die Situation in Rußland.
Berlingske Tidende meldet aus Petersburg: Die politi⸗ sche Mißstimmung in Rußland wäch st fortwährend. Man sieht mit großer Spannung der nächsten Sitzung der Reichs⸗ duma entgegen, welche die Eutscheidung bringen müsse, ob die Regierung die Verständigung mit der fortschritts⸗ freundlichen Mehrheit erstreben oder ohne die Re ichs duma regieren wolle. Nach der Rückkehr Goremykins aus dem Hauptquartier sei in Petersburg sofort ein Kabinettsrat abgehalten worden, dessen Ergebnis noch ge— heimgehalten werde. Mehrere hervorragende Politiker er⸗ klärten dem Korrespondenten der Wetscherna Mjedomosti, die Vertagung der Reichsduma sei eine Ver höhnung der öffentlichen Meinung und würde schwere Folgen nach sich ziehen.
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Zur Vertagung der Duma sagt der Berliner Lokal- anzeiger: Das ist weniger als die Anz lösung, kommt aber im Grunde so ziemlich auf dasselbe heraus und ist ein Beweis dafür, daß der Zar sich noch stark genug fühlt. auch ohne, wenn es sein muß auch gegen den Block der Linken, das Staats⸗ schiff zu führen. Die lärmenden Kundgebungen des schwarzen Verbandes müssen ihn in dem Glauben bestärkt haben, daß es vor⸗ läufig das beste ist, eindeutigen Entscheidungen aus dem Wege zu gehen und erst einmal im Felde neue Lorbeeren zu pflücken. Wir können der weiteren Entwicklung der Dinge im Zarenreiche mit Ruhe entgegensehen. Hoffentlich wird der Fortgang der militäri⸗ schen Ereignisse wesentlich zu ihrer Beschleunsaung beitragen.— In der Vossischen Zeitung heisst es: Wenn überhaupt die Duma, als sie zusammentrat, die Illusion gehabt hat, daß sie den Umschwung zu bringen imstande sei, muß sie längst eines anderen belehrt worden sein. Von jeher zeichneten sich die Debatten in der Duma durch Sachlichkeit wenig aus. Die praktischen Ergebnisse werden daher nicht anders sein, weil die Duma vertagt wurde, als
„Unvermeidlicher Weise“. Der Kölnischen Zeitung zufolge stellt der Tens einer Betrachtung über die militärische Lage fest, daß der Verlauf der großen Schlacht in Kurland eine entschie wenig günstige Wendung für die russische At nee nehme und daß ebenso die russischen Armeen, die zw Tarnopol und Dnujester kämpfen, sich un v ermeidli Weise nach Osten zursickzichen msißten.— Die Kölnise ö Zeitung bemerkt dazu: Das bedeutet, daß beide russischen Armeen„unvermeidlicher Weise“ eine neue Nieder Lage. erleiden. f* Amerika ein schlechter Verbündeter. 1 S tali schimpft Wilson und die Amerikane Web e i ibu 8 Mittelmächten 5 gegenüber, denen Amerika hätte den Krieg erklären müssen. Auf der anderen Seite sagt das Blatt aber, der Vierverband müsse die amerikanische Neutralität allerdings deshalb vorziehen weil mit einem solchen Verbündeten doch nichts zu erreichen sei.. Der innere Feind Italiens. 1 Die italienische Kriegspartei fordert scharf von Barzilai N daß in den kommenden Tagen allgemeine Maßregeln der Regierung gegen den inneren Feind angekündigt werden. N Diese Forderung beweist aufs neue die Zunahme der Kriegs. müdigkeit und der neutralistischen Werbearbeit. Auch der Corriere della Sera bricht in die bittere Klage aus, daß viele Italiener dem Kriege wie der Spieler dem Spiele gegenüberstehen, der verzweifelte, wenn er eine Viertelstunde keinen Erfolg hat. Der Avanti berichtet, daß Dutzende Bürger und Gemeinderäte aus den nördlichen Provinzen al“ politisch unzuverlässig in Unteritalien eingeschlossen wurden,.
Die bösen U-Boote. 1
Reuter meldet aus Paris: Das Marineministerium macht be.. kannt, daß deutsche Untersceboote vor der Mündung der sulige Loire und der Gironde erschienen sind. Es werden Vorsichts aten s maßregeln getroffen werden. 1
Lyon Républicgin meldet aus Paris: Die Senatoren 5 Deputierten des Devartements Chorente Jufcrieure haben mit den fer d Marincminister die Maßnahmen besprochen, welckg zur Sicherunt t Pro der Schiffahrt in den Gewässern des Golfes von Gascogm] der ob
und zur Verteidigung der dortigen Häfen getrossen werden sollen. sundher
Krlegsuslizen. ehe ber!
Auch in Erfurt erfreuten sich die Arbeitervereine keiner be., sonderen Sympathie bei den städtischen Behörden. Auch der Ar- gecei beiterturnverein Erfurt, dem es für seine starke Mitgliedschaft aß einem geeigneten Turnlokal fehlte, hatte wiederholt au den Magi lden strat das Ersuchen gerichtet, ihm ebenso wie bürgerlichen Turn 1 al vereinen eine der vielen existierenden städtischen Schulturnhalle 0 6 abends gegen eine zu vereinbarende Vergütung zu überlassen. 2 ach Gesuche wurden regelmäßig, meist ohne Begründung, abge⸗ lehnt. Jetzt ist ein Umschwung eingetreten. Dem Arbeiter- Fin turnverein wurde die Turnhalle einer neuerbauten städtischen n Mittelschule für seine Turnabende zur Verfügung gestellt. Hoffeng 5 b
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lich hält die Toleranz auch nach dem Kriege an. 4 Aach In Striegau i. Schl. erklärten bie Fleischermeister öffent l die lich, sie hätten beschlossen, in Zukunft leine Schweine mehr einzu“ nt kaufen und zu schlachten, da das Geschäft nicht mehr genug Gewinn abwerse, sondern nur Verluste bringe. Darauf hat der Ar h eiter 0
konfumpverein Striegan beschlossen, das Abschlachten d 91
Schweine sofort selbst in die Hand zu nehmen und hal, ier cher mit dem Verkauf des Fleisches schon begonnen.* bl 0 Spionage 0
Ein zweites Todesurteil wegen 0 wurde von dem Wülhauser Kriegsgericht gefällt. Der früher Haken Rennfahrer D. Dörflinger, schweizerischer Staatsangehörigen] alt und zuletzt Reisender in Basel, war angeklagt:„Mit Vorsatz eine nen feindlichen Macht Vorschub geleistet, um den deutschen Truppeyn ö Nachteil zuzufügen— es unternommen zu haben, mit Persone 0 eines feindlichen Heeres über Dinge, die die Kriegsführung be Nei treffen, mündlich und schriftlich Verkehr zu pflegen.“ Der Ange lach die klagte hatte sich im Laufe des Krieges von Leuten des französischen ie gt Nachrichtendienstes als Spion anwerben lassen und auch von diesen
Italien sestzulegen. Mit dem industriellen Problem hingen die] wenn sie, ioie die Linke wünschte, in Permanenz erklärt worden Geld erhalten: außerdem hatte Dörflinger versucht, dritte Pe 66 Zoll- und Eisenbahnsragen zusammen. Vorerst gelte es, in den wäre. Aber die Beibehaltung, des Vertaqupasbeschlusses deute jung anzuwerben. Der Anqessaate legte im Laufe der Verhank⸗ 0 Hrundfragn für di italinisch⸗französische Zoll⸗ darauf hin, daß der in der Tiese Rußlands grollen⸗ lung ein Geständnis ab. Das Gericht verurteilte ihn zum Todt. ln g Liga eine Verständigung zu erreichen. den Unzufriedenheit das Ventil versperrt wor⸗ 1 den 11 der ien Forstakademie Len Fit 31 den sei.— Die Kreuzzeitung bezeichnet die Entschließung] werden jetzt von ranzösischen kriegs gefangenen Zücht 0 Deutschland und Amerika. des Zaren als eine folgenschwere. Die ganze innere poli— e 0 15. e Es 1 Interessen 15 Bevorstehende Verstä 2 lische Lage Rußlands werde mit einem Schlage verändert.— Die] Gelegenheit gegeben werden die kunstgerechte Anlage und Aue en N steh 0 een 72 I[Deutsche Tageszeitung führt aus: Ob Nikolaus Ik der führung der Kulturen zu erlernen. 4 e 5 kewyork, 16. Sept. 1 B. Nichtamtlich.) Nach Mann ist, den Dingen die Spitze zu bieten, erscheint mehr als Die Neuen Tiroler Stimmen melden: Am h. Septemben 0 1 f übereinstimmenden Berichten beabsichtigt die amerikanische e Eher wäre es vielleicht der 1 Vize⸗ i 5 dem 5 von 1 7 195 abe Regierung, die deutsche Aufzeichnung über die Versenkun könig des Kaukasus, und für ihn ist vielleicht die Botschaft von] Soldat, der ein schweres⸗ militärisches erbreche 80 55 Arabic“ 1 6 5 e 0 Sie sicht 15 diesem Gewaltstreich seines Neffen eine Nachricht, die ihm in seiner] begangen hatte, standrechtlich erschossen. Seit Ausbruch d bee „ 8. zu be. Sie s kaukasischen Zurückgezogenheit wie eine Fanfare kommender Er-] Krieges ist es das erste vollzogene Todesurteil in Trient. e die dem Standpunkt, daß die unvermittelte Veröffentlichung von leignisse in die Ohren klingt. 5 ih —— 3 5—.— 8—. 1 900 — 1* 2 N. 2 4 N*— 2— N 5 ö Die Greuzfeve war. Hastig löste er es finsteren Blickes.„Verflucht, sies artig leise den wenig betretenen Pfad emporklomm, welches] eng f 0 7 wissen davon?!“— e 5 5 in östlich, dann südlich gelegener Richtung aufwärts 1 1 d Eine Erzählung aus dem Heidelgebirge von A. E. Brachvogel. Als er den Zettel öffnete und seinen Inhalt gelesen, dem Heidelberge führte. Es war Brandt, und er ging allein 3 3; 5— sanken i die A 0. obrab. Sein Gesi* 2 1 17 13 1„ der bornehnen sanken ihm die lrme schlaff herab. Sein Gesicht ward fahl,— Vor neunzehn oder zwanzig Jahren, als gemeiner 3 e Gesellschaft mit ziemlichem Glück anzueignen gewußt sein Auge starr, seine Brust arbeitete heftig.— Auf dem jäger, war er hier auch oft hinaufgegangen, aber zu zw Ie so ward doch nur höchst mühselig durch denselben 70 Zettel stand in unorthographischen, kaum leserlichen Zügen:[Arm in Arm, Brust an Brust mit Genofeva Wehner, des 50 9 innere Roheit seines Herzens verdeckt, welche ihm den Haß:„Du willst mich fangen, daß 8 heiraten kannst! Du 1 e. dem hübschesten Mädch 9 n des ganzen Gebirges und aller seiner Untergebenen reichlich wirscht nich, und sull ich Dich vom Altar wegreißen! Dus en Hochwald. 0 800 etwas geschehen, das alle ch eingetragen hatte, nach oben hin aber als Amtseifer und oder ich! Wenn De kee feigen Kerle bist, triffste mich do, reden machte.— Der alte Müller warf sein Kind za e Energie desto desserr Friichte brachte. Wie der Zaher gegen wa Du mich so ofte getroffen hast, an der Dunne bergs Sogn nn de ene er Erbe Nen t e 5 Lähne! Feva.“ Sohn wurde sein einziger Erbe. Nun ist
Höpplen am Schlagbaum sehr richtig bemerkt hatte, lieh ihm die Grenzrevision nur das Mittel, die Genofeva und die alte, sehr anrüchige Geschichte mit ihr für ewig los zu werden. Mit der beruhigenden Zuversicht, unter dem Schirme eherner Gesetzesparagraphen sich einer Person zu entledigen, die ihm möglicherweise Heirat und Zukunft gefährden konnte, betrat er in voller Uniform sein Bureau, um die letzten Dispositionen zu treffen, ehe er seinen kühnen Zug unternahm.
Wie erstaunte er, seine sämtlichen Papiere vom Arbeits- tisch am Fenster im Zimmer verstreut und die Fenster— scheibe so zertrümmert zu sehen, daß die Splitter das grüne Tuch des Tisches bedeckten. Als ein Mann von kaltem Blute untersuchte er die Sache. Unzweifelhaft hatte man ihm einen Stein während der Nacht ins Fenster geworfen, und der hereinblasende Wind die Papiere alsdann verstreut.
„Mit dieser Frechheit“, murmelte er,„hat's noch keiner gewagt, mir seinen Haß zu zeigen! Sonderbar, daß das erst heute, und gerade heute geschieht, wo— Sollte das Gesindel'ne Ahnung haben?!“— Er erschrak unwillkürlich. Er eilte, das Corpus delieti, den Stein, zu finden. Mitten
im Zimmer sah er ihn endlich; ein großer, flacher, scharf: kantiger Dachziegel, auf dem ein Stück Papier festgebunden
Nach und nach fand sich Brandt aus seiner Starrheit. — Er schauderte. Dann murmelte er:„Sie oder ich! Sie will's haben!— Gut!“ schrie er auf und knirschte vor Wut. „Ehre oder Leben, ich nehm' den Tanz auf!“
Mit dem Entschlusse der Verzweiflung prüfte er die Schärfe seines Seitengewehrs, trat an seinen Waffenschrank und riß eine Doppelbüchse vom Nagel, lud sie scharf, steckte zwei gezogene Pistolen zu sich, nahm die Munitionstasche um, deren Inhalt er untersuchte, und auflachend zündete er sich mit dem bewußten Zettel die Zigarre an. Als am Boden der letzte Fidibusrest verglommen war, schritt Brandt hinaus und gab dem Steuersekretär den Schlüssel.
„Bin ich übermorgen nicht zurück, nehmen Protokoll über den Befund auf!“ „Zu Befehl!“ sagte der Sekretär erstaunt.
Brandt eilte zum Wachtlokal.„Vorwärts, Leute, nach Rheimswaldau!“—
Die Sonne senkte sich, Abendschatten hüllten die Schluch⸗ ten ein. Als es in Friedland unten zehn Uhr schlug, stieg der Mond auf. Um diese Zeit war's, daß ein einsamer Ge— sell mit Büchse, Hirschfänger und Tasche vom Schulzen zu
öffnen Sie und
Rheimswaldau nördlich dem Zuckerberge aufbrach und fuchs⸗
S N alles unterm 5 1 Subhastationshammer in die vier Winde zerstoben.— 17 8 Brandt ließ sich natürlich versetzen. en Als er nach Jahren wiederkam, war er ein ande ali Mann, ein vornehmer Mann, und dazu ein Teufel auf alles Ach was in seinem Revier einen Pack unterm Arm trug, er hic] le seitdem der„Teufels⸗Brandt“.——— 7 An dies alles dachte er jetzt wohl nicht, sondern wie seing Ehre von einem guten Schuß abhänge, den er mit Paragre N so und so des Reglements und einem fulminanten Amtsei vertreten könne. Zwischen den Büschen vor der großen b wiese duckte er sich und wartete; die Weistritz murmelte nb U glitzerte im Mondlicht. Plötzlich erhob sich eine weiße Raben] vom Gipfel des Zuckerberges, dann eine andere jenseits des ul
Grenzberges von der österreichischen Seite. Matte 8 signale klangen rings in der Runde.— Brandt huschte, gleitl 55.0 einem Raubtier, von einem Gebüsch zum anderen. Die dan 18 1 war geöffnet, aber eine finstere Jagd hatte er sich allein von Feu behalten, sie vertrug kein anderes Auge.— 10 d
An besagter Lehne des Donnersbergs, wo i i
f 3 5 8 8, wo in vo N Nacht Genofeva so seltsame Dinge SN hatte, befanda““ sich jetzt wiederum zwei Menschen.— 3
(Schluß folat.)


