Ausgabe 
16.9.1915
 
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Hessen

1 Kousumgeuossenschasten und Lebeusmittelteuerung.

und Nachbargebiete.

Gießen und Umgebung.

In Frankfurt beschäftigte sich am Sonntag eine

Bezirkskonferenz der Verwaltungsmitglieder der im Süd⸗

westdeutschen Verband deutscher Konsumvereine vereinigten Konsumvereine mit der gegenwärtigen Teuerung. Die Konferenz war sehr gut besucht. Ihr Zweck war, Aussprache über die Lebenmittelteuerung zu pflegen und Maßnahmen zu beraten, wie diese Teuerung bekämpft werden kann. Das einleitende Referat hatte der Vorsitzende des Verbandes und Geschäftsführer des Frankfurter Konsunwerin, Genosse Val. Liebmann. Er besprach die Tätigkeit der Konsumvereine und die Schwierigkeiten, mit denen sie bei Ausbruch des Krieges zu kämpfen hatten. Die Konsumvereine hätten viel zur Milderung der Teuerung beigetragen; wenn es ihnen nicht im vollen Umfange gelungen ist, so aus dem Grunde, weil eben auch die Konsumvereine den Einwirkungen der Konjunktur, wie sie der Krieg und der Handel schafft, unter⸗ liegen. Der Referent erörterte eingehend die bei Versorgung der Bevölkerung mit den verschiedenen Nahrungsmitteln hervorgetretenen Mißstände und stellte auf Grund der ge⸗ machten Erfahrungen folgende Forderungen auf:

Selbstwirtschaftung der Kommunalverbände, soweit dies mög⸗

lich ist;

sparsamere Verteilungsstellen;. 5

Höchstpreise für Mehl an die Fabriken von Teigwaren usw.,

Bäcker und Konditoren;

Herabsetzung des Mahllohues. 5

Beschlagnahme der Kartoffeln zugunsten der Kommunalverbände

und der Reichsgetreidestelle; 5

Erlaß von Höchstpreisen, zu denen die Kartoffeln hergegeben

werden müssen: a

die Kommunalverbände sollten geeignete Maßnahmen ergreifen,

um den Bedarf der Bevölkerung sicherzustellen.

Auslandsware soll nur an Kommunalverbände verkauft werden

dürfen.

Festsetzung von Höchstpreisen für Vieh und Fleisch;

Regelung des Bedarfs wie bei der Brot⸗ und Mehlversorgung:

alle Auslandsware muß unter Verkaufskontrolle gestellt werden.

Milchhöchstpreise für Produzenten, Molkereien und Händler, nach

Lage der einzelnen Bezirke geregelt, für das Reich. Die Höchst⸗

preise werden durch Sachverständigen⸗Kommisstonen unter Mit⸗

wirkung von Produzenten, Händlern und Konsumenten fsest⸗

gesetzt;

Duter⸗ und Käsepreise sind in der gleichen Weise zu ordnen;

möglichste Einschränkung entbehrlicher Milch⸗ und Sahnever⸗

wendung in Haushaltungen.

Höchstpreise der wichtigsten Lebensmittel für das ganze Reich

unter gerechter Würdigung der Konsumenteninteressen.

Gewissenhafte Preiskontrolle der eingehenden Auslandsware

mit der Bestimmung, daß sie nur an die Organisationen der

direkten Verbraucher weitergegeben werden dürfen.

Weitgehendste Vollmachten für die Zentral⸗Einkaufs⸗Gesellschaft,

die wichtigsten Lebens⸗ und Bedarfsartikel nur durch sie und die

von ihr beauftragten Organisationen zu kaufen.

Zuläfsige Austauschware durch die Vermittlung des Zentral⸗

Einkaufs vorzunehmen.

Die von Liebmann aufgestellten Forderungen wurden gutgeheißen und beschlossen, sie an die geeignete Stelle weiter zu geben.

Ein Jubiläum der Stadt Gießen. Am 29. September sind 650 Jahre verflossen, daß Gießen zu H essen gehört. An diesem Tage des Jahres 1265 wird die Stadt zum ersten Male urkundlich als hessische Stadt genannt, zählt also zu denjenigen Städten in Hessen, die am längsten zum Lande gehören. Vor dem Kriege wurde bekanntlich jede Gelegen. heit benutzt, die Anlaß zu einer Feier bot. Die jetzige Zeit ist aber dazu nicht geeignet. Es soll aber, wie den Stadt⸗ verordneten mitgeteilt wird, am 29. September eine be⸗ sondere Sitzung der Stadtvertretung abgehalten werden, in welcher nach einer Ansprache des Oberbürgermeisters Stadt⸗ verordneter Dr. Ebel einen geschichtlichen Vortrag halten wird..

Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebteten. Ludwig Weber aus Londorf, Inf-⸗Reg. 284. Kar! Schlitt aus Leusel bei Alsfeld, Inf.⸗Reg. 176. Reservist August Peter aus Münch-Leusel, Inf.⸗Reg. 17.

Der Krankenkassenverband für das Großherzogtum Hessen hielt am Sonntag in Bingen seine 23. Jahresversammlung ab, die von den angeschlossenen Kassen sehr gut besucht war. Das Ministerium wurde durch den Direktor des Ober⸗Versicherungsamtes. Krug von Nidda vertreten. Auch eine große Zahl von Versicherungsämtern hatte Vertreter entsandt. Aus dem Bericht des Vorstandes, den der Borsitzende Neumann⸗ Offenbach erstattete, ging ein weiteres Er⸗ starken des Verbandes hervor, der auch finanziell gekräftigt ist. Der Heilmittelbezug, den der Verband für seine angeschlossenen Kassen eingerichtet hat, nimmt von Tag zu Tag zu. Im Mittelpunkt der ganzen Tagung standen zwei belehrende Vorträge. Der Vorsitzende der Landesversicherungsanstalt Hessen, Geh. Regierungs rat Dr; Dietz, sprach über Krüppelfürsorge, während Herr Justigrat Dr. Mayer⸗ Frankenthal einen längeren Vortrag über die Wochenhilfe nach dem Kriege hielt. Ganz besonders wichtig waren die einzelnen Vorträge, die sich mit praktischen Verwaltungsfragen beschäftigten. Es wurden folgende Themen behandelt:Die Aufwendungen für, Kriegsteil⸗ nehmer(Referent: Geschäftsführer Müllmen st a di⸗Ossen bach), Die Melde- und Beitragspflicht der unständig Beschäftigten(Re⸗ ferent: Rechner Schmitt Offenbach),Können von freiwilligen Mitgliedern, die durch Eintritt in eine versicherungspflichtige Be⸗ schäftigung ausscheiden, Beiträge bis zur Abmeldung erhoben werden?(Referent: Geschäftsführer Four er-Gießen),Gegen⸗ seitige Krankenhilfe und Kontrolle bei Ueberweisung erkrankter Mit⸗ glieder(Referent: Neumann u⸗Offenbach) undSind Kriegs⸗ beschädigte versicherungspflichtig?(Referat: Geschäftsführer 192 5 el⸗Mainz). Als Ort der nächsten Tagung wurde Gießen be⸗ timmt. 8

Das bevorstehende endgültige Verbot der Bäckerei⸗Nachtarbest. Der von der Reichstagsmehrheit gewünschte Entwurf eines Ge⸗ setzes über das Verbot ber Bäckerei⸗Nachtarbeit auch für die kom⸗ menden Friedenszeiten ist, wie man dem Tag meldet, im Reichs⸗ amt des Innern fertiggestellt und einzelnen Abgeordneten zur Verfügung gestellt worden. Die wichtigsten Paragraphen, sehen folgende Bestimmungen vor:§ 1. In Bäckereien und Kondito⸗ reien einschließlich der Anlagen zur Herstellung von Zwieback, Keks, Honigkuchen, Lebkuchen, Waffeln oder Matzen auch wenn sie einen Teil von Gast⸗ und Schankwirtschaften bilden, muß der Betrieb von 8 Uhr abends bis 5 Uhr morgens, vollständig ruhen. In Anlagen, in denen die regelmäßige tägliche Arbeitszeit der Ge⸗ sellen, Gehilfen, Lehrlinge und sonstigen gewerblichen Arbeiter acht Stunden ausschließlich der Pausen nicht überschreitet, braucht die Betriebsruhe erst um 9 Uhr abends zu beginnen.§ 2. Die Lan⸗ deszentralbehörden oder die von ihnen bestimmten Behörden können auf Antrag für ihren Bezirk oder für Teile desselben oder

für einzelne anlagen eine Verschiebung der Lage der neun und achtstündigen Betriebs⸗Nachtruhe genehmigen. 8 3. An Sonn⸗ und Festtagen§ 195a Abs. 2 der G.⸗O. hat der Betrieb von 9 Uhr vormittags ab mit der Maßgabe völlig zu ruhen, daß nach 6 Uhr abends an zwei unmittelbar aufeinanderfolgenden Sonn⸗ oder Festtagen nur am zweiten Tage nach 6 Uhr abends während einer Stunde Arbeiten vorgenommen werden dürfen, die zur Vor⸗ bereitung der Wiederaufnahme des regelmäßigen Betriebes am nüchsten Tage notwendig sind. Von drei unmittelbar aufeinander folgenden Sonn- oder Festtagen gilt der dritte Tag als Werktag. Der Reichstag wird diesen Entwurf sicher Gesetz werden lassen und dabei auch, wie sich jetzt zeigt, die große Mehrheit der Bäckermeister, nicht nur die Gesellen und die sozialdenkenden Verbraucher, auf seiner Seite haben.

Was am Mehl verdient wird! In der Stadtverordnetenver⸗ sammlung von Berlin⸗Charlottenburg, welche Gemeinde sonst als ein Vorbild bes deutschen sogenannten Gemeindesozialismus galt, wurde durch unsere Genossen festgestellt, daß ein Herr Baumann, der als Kommissionär der Stadt das Mehl für sie verteilte, in vier Mo⸗ naten die Kleinigkeit von 27 000 Mark darau verdiente. Der r⸗ germeister erklärte zwar, dies sei durch das Risiko(2) und die Arbeit des Herrn Baumann gerechtfertigt, aber das dem Bürgermeister die Sache selbst nicht in Ordnung zu sein scheint, ging aus seinem Zö⸗ gern mit der zahlenmäßigen Auskunft hervor. Jetzt soll der Mehl⸗ einkauf, für den der Magistrat keinen Sachverständigen in seiner Mitte hatte, durch einen ehrenamtlichen Beamten besorgt werden. Leider wird in den Berichten nicht gesagt, ob man nicht auch schon vor vier Monaten in der Stadt mit ihren 350 000 Einwohnern oder sonst in Groß-Berlin einen sachverständigen Mann gefunden hätte, der sich freudig in den Dienst des Gemeinwohls gestellt hätte. Wir wagen zu behaupten, daß eine Anfrage bei den proletarischen Kon⸗ sumgenossenschaften nicht fruchtlos geblieben wäre. Aber 27 000 Mark in vier Monaten das ist ein Geschäft! Um diese 27 000 Mark das Mehl zu verbilligen, würde uns aber einer Großgemeinde würdiger erschienen sein.

Die Verpflegungsgelder für die im Monat August in Bürgerquartieren untergebrachten Mannschaften der Landsturm⸗ Ersatzbataillone werden am Montag, 20., Dienstag, 21., Mittwoch, 22. und Donnerstag, 23. September, in der Bürgermeisterei, Zimmer 4, vormittags 812 und nachmittags 25 Uhr ausbe⸗ zahlt. Wir verweisen auf die Bekanntmachung der Bürgermeisterei. Die Gelder sollen unbedingt an den dort bezeichneten Tagen abge⸗ holt werden.

Gestohlene Militärschuhe. Am 4. September ist in Gießen ein Bettler angehalten worden, der ein Paar fast neue, lohgelbe Militär⸗Schnürstiesel in Besitz hatte, über deren Erwerb er sich nicht ausweisen kann und die offenbar gestohlen sind. Der Eigen⸗ tümer kann sich bei der Kriminalpolizei in Gießen melden.

Wieseck. Im Frühjahr, vom 20. März ab, hatten wir hier 5 Wochen lang Einquartierung. Dafür ist aber bis heute noch kein Pfennig Verpflegungsgeld bezahlt worden, obwohl sich unter den Quartierwirten viele befinden, die ihre Pfennige sehr notwendig gebrauchen, die auch alles zum Leben notwendige kaufen mjissen. Wo die Schuld liegt. daß diese Angelegenheit noch nicht geregelt ist, wissen wir nicht: Tatsache ist aber, daß darüber lebhaft Klage ge⸗ führt wird. Es sollte sich die Bürgermeisterei darum bemühen, die Sache in Ordnung zu bringen.

Kreis Alsfeld⸗Lauterbach.

Lauterbach, 15. Sept. Beim Korndre schen rutschte im nahen Landenhausen der 62jährige Landwirt Hofmann, als er der Maschine Garben zustecken wollte, aus und geriet in die Trommel. Diese riß ihm sofort ein Bein ab und fügte ihm am ganzen Körper schwere Verletzungen zu. Der alte Mann war nach wenigen Augen⸗ blicken eine Leiche.

Von Nah und Fern. ö

Wieder ein Postmarder stand am Montag vor der Darmstädter

Strafkammer, der sich an Liebesgabenpaketen vergriffen hatte. Es, war der kaum 18jährige Kaufmann Sch. aus Groß⸗Umstadt, der

gegen eine monatliche Vergütung beim Postamt Mühlheim a. M. aushilfsweise angestellt war. Der jugendliche Angeklagte will die etwa zehn Paketchen, deren Unterschlagung ihm zur Last gelegt wird, an seinen im Felde stehenden Bruder weitergeschickt haben. Außerdem war er noch angeklagt der Unterschlagung von 45 Mark barem Gelde, das er zur Bezahlung von Schulden verwandt haben will. Das Gericht ließ ihn in Anbetracht seiner Jugend mit 6 Mo⸗ naten Gefängnis davonkommen.

Telegramme.

Tageobericht des Großen Hauptquartiers.

Der Kampf um Dünaburg. Vorwärts über die Szezara.

Abgeschlagene Angriffe am Sereth. W. B. Großes Hauptquartier, 15. Sept., vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz.

Ein französischer Augriffsversuch am Hartmanns⸗ weiler Kopf wurde durch unser Feuer verhindert.

Ein bei Réchesy(nahe der französisch⸗schweizerischen Grenze) beobachteter Fesselballon wurde heruntergeschossen. Er überschlug sich und stürzte ab.

Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg.

Am Brückenkopf westlich von Dünaburg Kampf.

Bei Soloki(südwestlich von Dünaburg) wurde feind liche Kavallerie geworfen.

An der Wilija, nordöstlich und nordwestlich von Wil⸗ na wurden feindliche Gegenangriffe abgewieseu.

Oestlich von Olita und Grod uo drang unser Angriff weiter vor.

Südlich des Njiemen wurde Szezava an einzelnen Stellen erreicht. Es sind 900 Gefangene gemacht.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern.

Der Gegner ist über die Sgezara zurückgedrängt. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Mackensen.

Die Verfolgung auf Pin sk wird fortgesetzt. Die Ge fangenenzahl hat sich auf über 700 erhöht.

Südöstlicher Kriegsschauplatz. Die deutschen Truppen wiesen feindliche Angriffe blutig Oberste Heeresleitung.

ab.

2 Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht Wien, 15. Sept.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: 15. September 1915. 8 5 ö Ruffischer Kriegsschauplatz. An der bes g Grenze wiesen unsere Trup⸗ 1

arabischen pen einen russischen Angriff ab.

um Dusestr und vor unseren Stellungen östsich von 77 5 herrschte Ruhe An allen anderen Teilen unserer galizis

und wolhynischen Front lam es abermals zu schwerem, für den Feind erfolglosen Kämpfen. Nordöstlich von Dubno ließ der Feind bei einem mißglückten Gegenangriff nebst zahlreichen Toten 6 Offiziere und 800 Mann an Gefangenen und drei Maschinengewehre als Beute zurück. Ungarische Heeres⸗ und Landwehrbataillone und das Otocaner Zufanterieregiment Nr. 79 haben hier unter Führung entschlossener selbsttütiger Komman⸗ danten neuerlich Proben kriegerischer Tüchtigkeit abgelegt. Ju dem Wald⸗ und Sumpfgebiete des Styr und des Pripiet warf unsere Kavallerie in den letzten Tagen zahlreiche feindliche Reiter⸗ abteilungen zurück. 5

Die in Litauen kämpfenden K. und K. Streitkräfte er⸗ reichten im Verein mit unseren Verbündeten die Sze zar a.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Im Tiroler Grenzgebiet hielten die gewöhnlichen Ge⸗ schützkämpfe auch gestern an. Oestlich des Lodinul⸗Passes schritten unsere Truppen zum Angriff und eroberten die feindlichen Stellungen auf dem Findenigkofel und auf dem Kamme südöstlich dieses Greuzberges. An der küstenländischen Front senert die italienische Artillerie mit erßböhier Heftigkeit gegen unsere Stellungen von Javorcek bis zum Tolmeiner Brücken⸗ kopf. Feindliche Angrisse auf den Japorcek und im Brsic⸗Gebiet brachen zusammen. Ebenso wurden eie üblichen Annäherungsver⸗ suche bes Gegners im Abschnitte von Dober do vereitelt. 5

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Jeldmerschallentnant. 7

1 7 7 2 DieHauptaufgabe Joffres? In einer Zuschrift, die der Münchener Zeitung vonhoch⸗ geschätzter Seite zuging, heißt es u. a.:Die Vorbereitungen zu einem breiten Einmarsch ins Elsaß werden von französi⸗ scher Seite schon seit Monaten betrieben. Der französischen Bevölkerung wie auch der belgischen will es nicht mehr recht in den Sinn, daß sie für englische Machtbedürfnisse kämpfen und bluten soll. Es wächst da eine Verstimmung heran, die das Einvernehmen mit den Bundesgenossen erschwert aund die Opferfreudigkeit für die Landesverteidigung selbst be⸗ hindert. Für die Rückeroberung der Reichslande aber hofft die französische Regierung ihr Volk noch immer entflammen zu können. Das ist jetzt die Hauptaufgabe des Generals Joffre. Ob er sie mit oder ohne Verletzung der Neutralität der Schweiz durchführen will oder kann, steht noch dahfn. Er richtet sich für beide Fälle ein, und in beiden ist den Italienern eine wesentliche Rolle zugedacht.. 8 *

Die Frankf. Ztg. bemerkt zu obiger Nachricht: e

Dice Gedanken, die in diefer Zuschrift des Münchner Blattes ausgesprochen werden, sind nicht neu und haben iusbesondere! wo der freien Diskussion solcher Fragen keine Rücksichten entgegen stehen, wiederholt zu Erörterungen geführt. Man kann auch wohl annehmen, daß es abef nicht bloß um leere Gerüchte zu handeln braucht, weil die französische Heeresleitung an sich zweifellos In teresse an einer Ausdehnung des von Franzosen besetzten G.. im Elsaß hat, zumal da von einer neuen gemeinsamen Offensive der englisch⸗französischen Streitkräfte noch immer nichts zu ver⸗ spüren ist. Daß eine italienische Hilfe den Franzosen wi. wäre, liegt auf der Hand, und die Aussichten einer Teilnahme italienischer Streitkräfte an den Kämpfen auf unserem westlichen Kriegsschauplatz wurde schon beim Eintritt der Italiener in den Krieg erörtert. Je ungünstiger die Aussichten der Italiene auf den anderen Kriegsschauplätzen sind, desto näher würde an eine Beteiligung der italienischen Armee in Frankreich liegen. war, wie man weiß, Herr Joffre erst kürzlich im italienischen Haupt quartier. Aber trotzdem glauben wir auch der Entscheidung deer Frage mit derselben Gelassenheit entgegen sehen zu können, mit der das deutsche Heer eine Offensive Joffres gegen die Südwestecke un seres Reiches beurteilen würde. Wie man jedoch in der Schweiz über die Möglichkeit einer Neutralitätsverletzung denkt, wie nüch⸗ tern man dort allen Gerüchten und Vermutungen gegenübersteht, und wie wohl gerüstet das Heer der Eidgenossenschaft für alle Mög⸗ lichkeiten ist, darüber hat erst vor wenigen Tagen unser Berner Mitarbeiter den deutschen Leser unterrichtet.

4 2 Entente ⸗Prahlereien. Ein neutrales Urteil.

Das Kopenhagener Extra Bladet schreibt in seinem Lert⸗ artikel: Lloyd Georges Rede über die Notwendigkeit der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht beweise, daß die großen Worte, womit England, Frankreich und Rußland bisher den Krieg behandelten, nichts als leere, törichte Prahlereien seien. Die Dreiverbandsmächte hätten sich nicht die Mühe gegeben, die Beschaffenheit des Feindes, gegen den sie kämpfen wollten, kennen zu lernen; ihre Sorglosig⸗ keit sei vollkommen verbrecherisch gewesen. Der Haupt⸗ inhalt der letzten Rede Lloyd Georges sei, daß, wenn man noch auf die deutsche Niederlage hoffen solle, England den Ausschlag geben müsse, da weder Rußland noch Frank⸗ reich, noch Italien der Aufgabe gewachsen seien. Ihre Kriegs⸗ bereitschaft sei zu gering, ihre Bewertung der Macht des deutschen Feindes sei falsch gewesen, die einzige Rettung sei⸗ daß alle waffenfähigen Engländer an die Front gehen. Einberufung der russischen Landstürmer zweiten

Aufgebots.

Anfang nächster Wochen gelangen die russischen Jandstürmer

zweiten Aufgebots der Jahrgänge 1912 bis 1916 zur Einberufung,

Die Jahrgänge 1907 bis 1911 sollen Mitte Oktober efnberuser, werden. Die Einberufung des Jahrgangs 1917 in

Frankreich. Wie das Journal versichert, wird der Kriegsminister morgen der Kammer eine Vorlage unterbreiten, die die Einberufung des Jahrganges 1917 auf den 15. Oktober sestsetzt und die Beibehaltung des Jahrganges 1888 unter den Fahnen verfügt. Abgesägte italienische Heerführer.

Lugano, 15. Sept. Nach dem gestrigenBollettino militare sind sieben Generalleutnants und a chtzeh n Generalmajore zur Disposition gestellt worden, was die Unzufriedenheit der Regierung mit den mili⸗ tärischen Fortschritten beleuchtet. 8

Keine italienische Truppen an die Westfront.

Zürich, 15. Sept.(W. T. B. Nichtamtlich.) Die Neuc Zürcher Zeitung erfährt aus dem Haag: Eine Depesche aus Havre bestreitet die Entsendung italjenischer Truppen an die Westfront.

Italien und der Orientkrieg. Ein Mitarbeiter der Neuen Züricher Zeitung, der kürzlich Neapel besuchte, teilt in einem Stimmungsbild des Hasenlebens in Nr. 1201 des Schweizer Blattes folgendes, für den italiensscr⸗ türkischen Krieg wichtige Ereignis mit: