Oberhessi
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14 macht, die englische Herrschaft vom Süden her aufzurollen, zuletzt
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Deutschen und Oesterreichern erlaubt und
und erft nachher kommt die Bundesbrüderschaft. *
Nr. 217
Gießen, Donnerstag, den 16. September 1915
10. Jahrgang
Englische Profitpolitik.
Aegypten. Es sind jetzt genau 33 Jahre her, seitdem englische Truppen in Aegypten einmarschierten. Wie man weiß, sind sie nicht mehr herausgegangen.„Hier bin ich, hier bleib ich“ ist ja ein alter Grundsatz der englischen wie aller expansiven Politik. Damals wor 33 Jahren kam England— wie es anderswohin als„Befreier“ ging— als Gendarm nach Aegypten. Den Aufstand des Arabi Pascha galt es niederzuschlagen, um Englands Herrschaft über die wichtigsten Etappen auf dem Wege nach Indien zu sichern. Man nannte das„die Autorität des Khedive wiederherstellen“, während es sich darum handelte, die Handelswege des britischen Kapitals
0 sicherzustellen und eines der ertragsreichsten Baumwolländer zu gewinnen. Da beides durch dauernde Festsetzung in Aegypten
garantiert wurde, blieb man eben da und richtete sich unter der schweigenden Zustimmung der europäischen Mächte, die 1840 die Selbständigkeit Aegyptens unter türkischer Oberherrschaft im Londoner Vertrage festgelegt hatten, häuslich ein. Frankreich allein, dessen Heros Napoleon sehr wohl die Bedeutung Aegyptens Asien erkannt hatte, hörte nicht auf, gegen die Anglisierung Aegyptens zu protestieren; das französische Kapital hätte gar zu gern das Kolonialreich der Republik um das alte Pharaonenreich vergrößert. Es hat auch genug Versuche ge—
durch die Expedition des Majors Marchand nach Faschoda. Aber das mißlang, da die damalige enropäische Konstellation Frankreich den Krieg mit Großbritannien nicht geraten erscheinen ließ; zudem dar ja die Republik seit den Tagen Boulangers nicht mehr kriege— risch. So machte schließlich auch Frankreich seinen Frieden mit, England und erhielt zum Ausgleich Marokko, als die Gelegenheit günstig war, auch dort die sorgfältig vorbereiteten inneren Wirren durch Einführung der europäischen Ordnung zu beendigen.
So wurde Englands Herrschaft über Aegypten sozusagen zum nechtmäßigen Bestandteil der imperialistischen Weltverteilung und die Einführung des englischen Protektorats unter gleichzeitiger Ersetzung des angestammten Landesherrn durch eine britische Puppe iegel unter eine längst bestehende Tatsache.
Der englische Kapitalismus hat für die materielle Kultur des Landes das ihm nötig Erscheinende geleistet; der Baumwollbau ward mächtig entwickelt, durch die großartigen Strombauten am Nil der aus grauer Vorzeit überkommene Wechsel der magern und ssetten Jahre je nach den Ueberschwemmungen des Stromes ersetzt durch planmäßig geordnete Bewässerung. Um die geistige Kultur der fellachschen Bewohner, um ihre Befreiung aus altseudaler Fron und um die Hebung ihres Lebensstandes scheint man sich weit weniger bekümmert zu haben. Auch dieses alte, aber von den ge⸗ waltigsten Stürmen der Weltgeschichte verschüttete Kulturland wurde zur Plantage des englischen Großkapitals.
Jetzt erinnern die Genfer Jung⸗Aegypter an die alten Ver⸗ kräge; sie meinen, das England, das die internationale Garantie der belgischen Neutralität und Unabhängigkeit so hoch stelle, dürfe dieser Politik nicht in Aegypten ins Gesicht sschlagen. Aber— wie der österreichische Spekulant Ofenheim einst sagte: mit Sittensprüchlein baut man keine Eisenbahnen. Und mit Moral hat die großkapitalistische Eroberungspolitik nichts zu
un. Die Losung heißt: Profit!: Für die Erlangung der staatlichen Selbständigkeit hat schon mancher Aegypter sein Leben am Galgen von Kairo gelassen; sie wird nicht früher zu erreichen sein, ehe nicht ein siegreicher Feind die englischen Truppen aus Aegypten verjagt. Freiwillig werden siie nicht gehen— ob selbst dann, wenn es in einem internationalen Vertrag bestimmt würde, ist eine Frage, die man nach den letzten 3 Jahren ägyptischer Geschichte offen lassen muß. 5 Bekanntlich wird das in Frankreich ergangene Verbot des Handels mit deutschen und österreichischen Kaufleuten äußerst streng dee und die Denunziationen neidischer Konkurrenten tun das übrige, um die restlose Befolgung des Verbots zu, erzwingen. Dagegen gestattet England seinen Kaufleuten den Handel mit den (Feinden, wenn diese nur nicht im Feindesland ansässig sind. Diese erschiebenheit, die sich für die beabsichtigte Eroberung des Welte . will sagen seine Monopolisierung für die Industrien Englands und Frankreichs sehr fühlbar machen muß, rief in Frank⸗ reich eine starke Agitation hervor. Es kam das Gesetz vom 29. Juli zustande, das aber nur den Handel mit außereuropäl chen zwar nur mit französi⸗ sschen Waren und nur dann, wenn diese Abnehmer, kein Haupt⸗ oder Nebenetablissement in Deutschland oder Oesterreich⸗Ungarn haben. Wie die Zeitschrift März darlegt, müssen also die französischen Exporteure erst erforschen, ob diese Bedingung auch zutrifft, wäh⸗ rend England den Handel sogar mit deutschen Filialen auf briti⸗ sschem Boden zuläßt. Das oberste sittliche Gebot des englischen Ge⸗ schäftslebens ist eben:„Businessis Busineß“— Geschäft ist Geschäft
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Der Seekrieg. Die U-Boote an der Arbeit. g Der Motorschoner„Bien“, der am Samstag mit Grubenholz nach England abging, ist, dem Morgenbladet zufolge, am Sonntag morgen von einem deutschen Unter⸗ seeboot in der Nähe von Orö inden Grund geschossen worden. Die Besatzung wurde gerettet.(Grubenholz ist Bannware.) N Der norwegische Dampfer Randulf Hansen', der mit Holz für England beladen war, wurde von eien sdeutschen U. Boot nahe Kristiansund gekapert.— per knorwegische Segler Wans bed“, mit Grubenholg
Der französische Dampfer„India“, der an der Küste von Makry ein Benzinlager beschossen hatte, ist laut einer Meldung der Vossischen Zeitung von einem deut⸗ schen Unterseeboot torpediert und versenkt worden.
Lyon Républicain meldet aus Algier: Die Admirali⸗ tät gibt bekannt: Zwei Barken mit Insassen des von einem deutschen Unterseeboot versenkten Dampfers„Ville de Mostaganem“ sind von englischen und schwedischen Schiffen auf der Höhe von Oran aufgenommen worden. Das Blatt Petit Gironde meldet:„Der Dampfer „Marcella“ hatte kürzlich den Hafen von Bilbao mit 300 Fässern Petroleum verlassen, die man bald darauf leer auf dem Meere treibend gesehen hat. Petit Gironde erinnert an eine frühere Meldung, wonach derselbe Dampfer im Juni ein deutsches Unterseeboot gegenüber dem Küsten⸗ orte Cauche de Artedo mit Petroleum versorgt haben sollte. Das englische Postboot„Descado“, mit einer Ladung Gold an Bord, wurde bei Brest durch ein Untersee⸗ boot zwei Stunden lang verfolgt, ist jedoch ent⸗ kommen.
Das niederländische Dampfschiff„Pomona“ be— richtet, daß es die Besatzung des norwegis chen Dampfers „Magda“ an Bord genommen hat. Die„Magda“ ist nach der Erklärung des Maschinisten torpediert worden.
Die Besatzung des holländischen Dampfers„Pomona“ sah am Sonntag früh um halb 8 Uhr drei Meilen vom Leucht⸗ schiff Kentish Knok einen englischen Dampfer von ungefähr fünftausend Tonnen, der unterging; er trug die Ab⸗ zeichen des belgischen Hilfskomitees. Die ungefähr hundert Mann starke Besatzung stieg an Bord einiger Fisch⸗ dampfer, die in der Nähe fischten.
Die deutschen U-Boote im Mittelmeer.
Der französische Dampfer„Lotus“, an dessen Bord sich auch der frühere französische Minister Cruppi befindet, ver⸗ schob im letzten Augenblicke die Abreise, weil im Aegäischen Meere deutsche Unterseeboote gemeldet wurden. An Bord des„Lotus“ sind viele englische nach Mudros bestimmte Offiziere.
„Hesperian“.
Berlin, 14. Sept.(W. T. B. Nichtamtlich.) Wie wir von zuständiger Seite erfahren, erscheint es auf Grund der bisher vorliegenden Nachrichten im Zusammenhang mit den an amtlicher Stelle bekannten Tatsachen so gut wie ausge- schlossen, daß ein deutsches Unterseeboot für die Versenkung des englischen Passagierdampfers„Hesperian“ überhaupt in Frage kommt. Zunächst befand sich nach der planmäßigen Verteilung am 4. September kein deutsches Unterseeboot in dem Seegebiet, in dem die„Hesperian“ versenkt worden ist. Ferner ist nach den hier vorliegenden Schilderungen aus eng⸗ lischen Quellen die Explosion eine derartige gewesen, daß aus ihren Wirkungen eher auf eine Mine als auf einen Torpedo⸗ schuß geschlossen werden muß. Für diese Annahme spricht auch der Umstand, daß nach den vorliegenden Schilderungen das Schiff nahe dem Vorsteven getroffen worden ist und zwei der vordersten Räume sich mit Wasser füllten.
Die internationale Sozialistenkouferenz. Rom, 14. Sept.(W. T. B. Nichtamtlich.) Wie der Avanti mitteilt, fand in diesen Tagen eine äußerst wichtige Tagung der internationalen Sozialdemo⸗ krat ie statt. Vierzig Vertreter von zwölf Staaten, darunter auch von Deutschland und Frankreich, waren an⸗ wesend. Nach viertägiger Beratung wurde ein sti mmig beschlossen, eine Kundge bung in französischer und deutscher Sprache zu veröffentlichen, die von je zwei Sozialdemokraten der beiden Nationen unterschrieben werden soll. Was geht dort vor? Wie die Post meldet, hat der Oberkommandant von Lodz folgende Bekanntmachung erlassen:
„Fortgesetzt werden in der Stadt zur Revolution auffordernde polnische Flugblätter verteilt; auch gehen der Kaiserlich Deutschen Ortskommandantur fortgesetzt Meldungen dahin zu, daß die vadi⸗ lalpolnische Partei Umzüge und sonstige nach außen hin wirkende revolutionäre Schritte beabsicht ige. 0 5
Trotz der gänzlichen Aussichtslosigkeit solcher Pläne gegenüber den Machtmitteln der Kaiserlich Deutschen Regierung mag es tat⸗ sächlich Verführer und Verführte geben, welche an die Möglich⸗ keit eines Erfolges ihrer Bestrebungen glauben. Diesen sei warnend mitgeteilt, daß die Kaiserlich Deutsche Regierung im gegebenen Falle gegen alle Störer der Ruhe und Ordnung in der Stadt mit allen ihr zu Gebote stehenden Machtmitteln und mit
jom Aleltkrieg.
„Diese Bekanntmachung dürfte befreiend wirken, weil sie endlich das Kind beim rechten Namen nennt. Schon längst war bekannt, daß bestimmte polnische Kreise(wahrscheinlich nicht nur in Lodz) einen„Akt der Selbstbefreiung“ planten. Es ist indesser jetzt nicht die Zeit, über diese Dinge ein abschließendes Wort zu sagen.“
Dringend nötig ist, daß so rasch als möglich eine amt⸗ liche Aufklärung erfolgt. In dem besetzten Gebiet jetzt eine revolutionäre Bewegung entfalten zu wollen, wäre derart unbedacht, daß man fast annehmen muß, daß Spitzel ihre unsauberen Hände im Spiele haben.
Gegen die Unterdrückung der Ukrainischen Presse. Nach Meldungen über Kopenhagen ist in der Duma von den
Sozialdemokraten und der Bauernpartei eine Interpellation über die Unterdrückung der ukrainischen Presse eingebracht worden. In ihrer Begründung heißt es, daß
die Verfolgung der Nationalisten während des Krieges eher zu⸗ als abgenommen habe. Beim Einrücken der russischen Heere in Galizien seien allein die Zeitungen in ukrainischer Sprache unter⸗ drückt, in Kiew seien zwei Tage nach Kriegsausbruch 14 Schrift⸗ leitungen kleinrussischer Zeitungen und Zeitschriften geschlossen worden. In anderen Städten sei man in gleicher Weise vorge⸗ gangen. In Moskau sei eine landwirtschaftliche Zeitschrift ver⸗ boten worden, weil sie angeblich eine schädliche Richtung verfolge. Verständigungsversuchedes russischen Ministerrats?
T. U. Petersburg, 14. Sept. Der Ministerrat beschloß, mit der neugebildeten Progressistenpartei der Duma in Unterhandlungen zu treten, um eine V er ständi⸗ gung zwecks Festsetzung der Arbeitsbedingungen einzu⸗ leiten. Die Minister des Innern, der Justiz, des Handels wurden beauftragt, die Unterhandlungen zu führen.
Das türkisch⸗bulgarische Abkommen.
T. U. Lugano, 14. Sept. Ueber Sofia wird aus Bukarest gemeldet, daß das türkisch⸗bulgarische Uebereinkommen bereits in der Ausführung begriffen sei, indem die Türken rechts der Maritza die Forts und Kasernen räumen. Der Wali von Adrianopel sei nach Konstantinopel gereist, um In⸗ struktionen wegen der Uebergabe an Bulgarien einzuholen, während der Präfekt von Stara Zagora nach Adrianopel gefahren sei, um das Protokoll wegen der Uebergabe vorzu⸗ bereiten, die am 18. September in Gegenwart bulgarischer und türkischer Minister stattfindet.
Die Stimmung in Griechenland.
Athener Nachrichten melden gleichlautend über den steigenden Mißmut des griechischen Volkes gegen die die Selbst⸗ bestimmung und Souveränität Griechenlands empfindlich verletzen⸗ den Maßnahmen Englands und Frankreichs in griechischen Hafenorten. Der französische Gesandte in Athen hat, wenn auch vorerst andeutungsweise, bei Veniselos den Durchzug englisch⸗französischer Kontingente über Salonik auf serbisches Territorium berührt. Veniselos be⸗ gegnete dieser Andeutung kühl und schien sie absichtlich überhören zu wollen. Veniselos mag noch mit einem Teile seines Herzens
zum Vierverbande grapitieren, mit dem Verstande tut er es sicherlich nicht mehr. Die serbische Diplomatie an der
Akropolis bietet, unterstützt von der Entente, ihr möglichstes auf, um dem griechisch-serbischen Bündnis die Auslegung zu geben, daß Griechenland unter allen Umständen Serbien mili⸗ tärische Hilse leisten müsse auch dann, penn Serbien vorerst nur einem Angriffe der Zentralmächte ausgesetzt wäre. Die amtlichen griechischen Kreise sind aber entfernt, sich dieser Folgerung anzu⸗ schließen. Ein Krieg Serbiens oder Griechenlands mit den Zeu⸗ tralstgaten sei im Bündnisvertrage nicht vorgesehen. Sonst hätte Griechenland schon beim Angriff Oesterreich-Ungarns gegen Serbien ein Hilfskorps stellen miissen. Der griechische General- stab geht noch weiter. Er lehnt ein Eingreifen zu Gunsten Serbiens auch dann ab, weun der Verlauf eines solchen Krieges das Ergebnis zeitigen sollte daß sich Bulgarien den Zentralstaaten anschlösse, vorausgesetzt, daß sich Bulgarien von Uebergriffen auf neugriechisches Gebiet fernhält.
Hinrichtung von Aufständigen in Durazzo.
T. U. Korfu, 14. Sept. In Duraßzzo wurden 35 Aufständig, hingerichtet. Auf Ausuchen seiner Gattin, die von Ehefrauen von 50 anderen zum Tode Verurteilten um Milde angefleht worden war, schenkte Essad Pascha diesen 50 das Leben.
Der Zusammenbruch der Botha⸗Regierung.
Das holländisch⸗südafrikanische Blatt De Burger vom 10. August veröffentlicht einen Artikel, worin es heißt, daß in politischer Hinsicht eine gewaltige Umänderung in Süd⸗ afrika durch das Erwachen des nationalen Geistes zur kon⸗ statieren ist. Nicht nur in einem großen Teile von Trans- vaal, sondern auch im ganzen Freistaate schließen sich die meisten Afrikaner der Nationalpartei(gegen Botha gerichtete Partei im Sinne Herzog) an. Innerhalb kurzer Zeit ist die Nationalpartei dort organistert worden, und die Mitglieder- zahl ist zu einer vorher nie erreichten Höhe gestiegen. Selbst in Gegenden, in denen bisher nur die südafrikanische Partei und der Afrikanerbund(Botha-Partei) Wurzel fassen konnten, besteht jetzt eine außergewöhnlich starke nationale
unnachsichtlicher Strenge einschreiten wird.“
für England, wurde in Brand gesteckt.
Die Post bemerkt dazu:
Parteiorganisation. Dieser Umschlag git, wie De Burger


