Ausgabe 
15.9.1915
 
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setzen werde. Ungeschickterweise so nennt es Heine

er sich der sofortigen Vornahme der dritten Lesung des An⸗

Die heilige Einigkeit. 5

Ueber die Wirkung, die der französische Mobilmachungs⸗ befehl auf die Bevölkerung zu Anfang des Krieges ausübte, schreibt die Humanité in ihrem Leitartikel vom 7. Sep⸗ tember 1915: 3 5

Ja, die Bewegung des Volkes war glänzend, als die Mobilmachung dekretiert wurde. Niemand zauderte. Der gleiche Schwung riß das Proletariat und die herrschende Klasse hin. Man sah, wie die Leute sämtlicher Parteien sich in Reih und Glied stellten, wie sie alle das gleiche Gefühl der Unabhängigkeit und des nationalen Stolzes teilten.

Dieser Verzicht auf den Klassenkampf und das Ver⸗ schmelzen der verschiedenen Elemente Frankreichs zu einer einheitlichen Nation vollzogen sich noch vor dem 4. August 1914, also ehe die Fraktion der deutschen Sozialdemokratie für die Kriegskredite stimmte und ehe der deutsche Einfall in Belgien Tatsache war.

Spanische Sympathie mit Deutschland.

T. U. Madrid, 13. Sept. Aus San Sebastian geht der hiesigen Presse folgende Mitteilung des dortweilenden deutschen Bot schafters Prinzen von Ratibor zu: Auf Grund der von den ver⸗ blindeten deutschen und österreichischen Heeren in Polen erzielten Erfolges, deren Krönung die Einnahme von Warschau gewesen, hat di K. und K. und deutsche Botschaft in Madrid von allen Gesell⸗ schaftsschichten angehörenden Personen so massenhaft Glückwünsche und Sympathiekundgebungen erhalten, daß es ihr zu meinem größten Bedauern unmöglich ist, jedem Einzelnen eine Erwiderung zugehen zu lassen und daher sieht sie sich genötigt, die Hilfe der Presse in Anspruch zu nehmen, indem sie auf diesem Wege allen, die sie durch Zusendung von Briefen, Karten und Drahtungen be ehrt haben, ihren Aufrichtigsten Dank ausspricht.

Deutschland und Amerika.

Newyork, 13. Sept. Der Chefredakteur der Newyork Tribune, Simonds, erklärte bei Erörterung der Lage in Washington, daß Wilson die Ansicht gewonnen habe, daß nur Newyork und die atlantischen Küstengegenden nördlich von Newyork den Krieg wegen desArabic-Falles ver⸗ langen, während die anderen Gegenden lieber den Ehren⸗ gesichtspunkt einer Teilnahme des Landes an dem europäischen Kriege opfern wollen. Wilson wies auf die stets wachsende Zahl von Politikern aus dem Süden und Westen hin, die nach Washington mit der Erklärung kommen, daß ihre Landesteile den Frieden wünschen.(Frankf. Ztg.)

Schwere Verluste der Engländer in

Mesopotamien.

Konstautinopel, 13. Sept.(W. B. Nichtamtlich.) Privaten Nachrichten aus Bagdad zufolge haben die füngsten Kämpfe der Stämme nördlich von Kalet⸗ul⸗Nedsim gegen die Engländer mit der Niederlage und der Flucht des Feindes geendet, der große Verluste erlitt und eine Menge Munition im Stiche ließ. Die Lage der Eng⸗ länder, die schon infolge der Aufstände der indischen Truppen übel war, hat sich jetzt verschlimmert, da sie von allen Seiten von den Stämmen angegriffen werden.

Eine volks freundliche Tat.

Im Berl. Tagebl. kommt Reichstagsabgeordneter Genosse Wolfgang Heine auf die Behandlung derLex Schiffer in der letzten Tagung des Reichstages zurück. Es handelte sich dabei um einen aus Anträgen der Sozialdemokraten und der Nationalliberalen entstandenen Beschluß der Budget⸗ kommission, der nun nach vorher erteilter Zustimmung der Reichsregierung und auch der Militärbehörden zum Gesetz erhoben werden sollte; noch im Plenum hatte der Staats- sekretär des Reichsjustizamts, Dr. Lisco, erklärt, daß er sich im Bundesrat für die Gesetzwerdung dieses Vorschlags ein⸗

hatte man diese Beratung mit der über die Zensur verquickt, in der bekanntlich dem Genossen Dittmann die Möglichkeit genommen wurde, gewisse Ereignisse im Leben der west⸗ fälischen Presse zu besprechen Ereignisse, deren öffentliche Erörterung Herrn Bassermann so unangenehm waren, daß

trags seines Parteifreundes Dr. Schiffer widersetzte, als er

Die Grenzfeve. 1

Eine Erzählung aus dem Heidelgebirge von A. E. Brachvogel.

Das verdutzte Mädchen nickte stumm. Höpplen trat in die Hoftür und tat einen hellen Pfiff. Dann wartete er. Nazi kam aus dem Garten gerannt.

Was ist, Ohm? Befehlt Ihr was?

Du gehst auf mein Stuben, Nazi, und rührst di nit. Rauch dein Pfeifen oder schlag d Zither a bisserl, wann d was tun mußt; in die Kuchel kommst mer nit. J bin bald retour. Nazi senkte das Haupt und ging rasch hinauf.

Resi, dei Mutter wird um elf af d Nacht kommen. Bleib auf, und laß d Nanni auf ihre Kammer gehn. Was wir zwa beid, die Fev und ich, reden, soll unser Herrgott alleinig wissen! Mei Herz is gar schwer, Resi. Gott bewahr dei Muttern!

Das Mädchen erschauerte und war sehr bleich.Se se geht wohl wieder dan heimlichen Weg, Herr?

Sie geht n, Resi, und soll nenit gehn, das mal nit! J sag dir's, s is ihr Unglück!

Ihr meent wohl, Herr, se wern se fangen? Ach nee, nee! Meine Mutter fängt doch gar keiner nich! So alt, wie ich bin, habt Ihr's schon geprophenzeit, aber sie hat noch nie einer nicht gekriegt.

No, do is recht, zum Teixel! Du du bist so dumm. Madel, daß d nit amol Ahnung hast, was dei Mutter tut!

Meine Mutter, Herr, sagte die Kleine unendlich traurig,is a böses, unglückseliges Weib, verschändt überall und gieht sündhafte Wege! Kann ich se halten? Hat se Liebe zu mir? Ach, Ihr seid ja allein mein Vater! Und schluchzend lehnte sie ihr Gesicht an seine Brust.

Und dei Vater will i bleibe, arms unschuldigs Wesen du, und wenn eine ganze Welt voll Schand über mich käm!

Als er sie so in seinen Armen hielt, klang von obenher leise der Ton der Zither.

Woher ist das unselige Gsangsel, das kenn ich?

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sah, daß der in der zweiten Lesung am Reden verhinderte Dittmann sich dafür zum Wort gemeldet hatte. So scheiterte die Lex Schiffer dank Herrn Bassermann. Es muß aber fest⸗ gehalten werden, was der Antrag Schiffer wollte. Nämlich: das preußische Belagerungs⸗ und das bayerische Kriegszustandgesetz bestimmen, daß alle Zuwider⸗ handlungen gegen Anordnungen der Militärbehörden in Kriegszeiten ausschließlich mit Gefängnis bestraft werden dürfen. Dies ist also im ganzen Reich geltendes Recht. Heine macht nun darauf aufmerksam, daß selbst die kleinsten Vergehen gegen militärische Verfügungen mit Gefängnis bestraft werden müssen, während Zuwiderhandlungen gegen Anordnungen, die etwa die Gemeinden, Polizeibehörden usw. zwar im Auftrag der Generalkommandos, aber doch von sich aus erlassen haben, auch mit Haft oder Geld geahndet werden können. Nun gibt es natürlich unter den vielen Verord⸗ nungen der Generalkommandos auch manche, die dem ein⸗ fachen Mann und erst recht der Frau aus dem Volke nicht durchaus klar sind. Dies trifft in der Tat auf die Metall beschlagnahme zu, die schließlich jeden einzelnen. Haushalt betreffen kann. Hier sind Uebertretungen in großer Zahl fast unumgänglich aber dank Herrn Bassermann werden alle diese Sünder ins Gefängnis wandern müssen, soweit eben diese Verfügungen nicht von den Gemeinden getroffen sind. Besonders hart wirkt die Gefängnisstrafe dort, wo alle Straftaten vor die Kriegsgerichte gehören, wie in den Grenzgebieten; gegen kriegsgerichtliche Urteile gibt es keine Berufung und sie müssen binnen 24 Stunden vollstreckt wer⸗ den. Man kann sich den Eindruck den weder die Militär⸗ behörden, noch die Kriegsgerichte wollen ausmalen, der erzeugt wird, wenn nach einer Kriegsgerichtssitzung gleich eine Anzahl der Angeklagten ins Gefängnis abgeführt werden Mien

Bei all dem bleibt es nun: gegen den Willen des Reichs⸗

aber dank Herrn Bassermann, der nicht wollte, daß öffent⸗ lich ein Zustand besprochen werde, über den alle Parteien nur einer Meinung sein können.

Ein nationalliberales Blatt unter Vorzensur. nationalliberale Bergisch-Märkische Zeitung in Elberfeld, die unter der Leitung des nationalliberalen Land⸗ tagsabgeordneten Baumeister steht, hat derart in Annexionshetze und Verdächtigung von Regierungsstellen gemacht, daß sie nunmehr unter Vorzensur gestellt wurde. In der Verfügung des Stellvertretenden Generallommandos in Münster heißt es u. a.;

Sie haben in Rr. 295 Ihrer Zeitung(Morgenausgahe vom Dienstag, 7. September) in dem ArtikelUnterseeboolskrieg, Deutschland und Amerika wiederholt behauptet, daß unsere Re⸗ gierung in der Frage der Unterseeboot⸗Kriegführung unser gutes Recht aufgegeben habe, und ferner, daß die von einzelnen Preß⸗ organen betriebene Flaumacherei schlimmster Art unter dem Ein⸗ fluß der Regierung erfolgt sei.

Diese Behauptungen beleidigen die Reichsregierung gröblich und sind geeignet, das Zutrauen der Bevölkerung in die Reichs⸗ regierung auf das tiefste zu erschüttern; Sie gefährden deshalb während der Kriegszeit das Staatsinteresse.

Nachdem Sie bereits vergeblich mehrere Verwarnungen er⸗ halten haben, sehe ich mich genötigt, die Vorprüfung über Ihre Zeitung zu verhängen.

Die Schlacht im Osten. In einem Bericht des Berliner Lokalanzeigers zu den Kämpfen nördlich des Niemen heißt es: Die große Schlacht, die anscheinend in ganz selbständige Kämpfe aufgelöst, von nördlich Wilna bis zur Poljaßje im Gange ist, gestaltet sich sowohl in ihren strategischen wie auch taktischen Einzelheiten für uns auf das günstigste. Die voraussichtlich baldige Ent⸗ scheidung verspricht einen neuerlichen großen Erfolg für unsere Waffen. Die skytische Kriegführung, die die Russen in den letzten Tagen angeblich auf Befehl des Zaren aufge⸗ geben hatten, scheint wieder fortgeführt zu werden, denn in den letzten Kämpfen wurden alle an den Rückzugsstraßen

Die

tages, der Reichsregierung und der obersten Militärbehörden,

ieleg bichaften in Brand gesteckt, die Einwohner 24 831 20 der Gefangenen wird von Tag

trieben. 8 3 5 größere. Die Ausrüstung der Russen, ganz be

das Schuhzeug, ist in der letzten Zeit merklich sch echter 25 Trotzdem hält sich der Feind im allgemeinen

besonders in der letzten Zeit, wo seine Artillerie anscheinend genügend Munition erhalten 2.

Wie dem Berliner Lokalanzeiger über Kopenhagen gemeldet wird, unterzeichnete der Zar einen Befehl über die Einberufung der Reichswehr zweiten Aufgebots. Die Einberufenen binnen drei Tagen zur Abreise bereit sein. 3

Ein Angriff auf Bulgarien. 1 Havas meldet aus Petersburg: Nach einer hierher ge! langten Meldung hat die russische Schwarze Meer ⸗Flo 5 den Befehl erhalten, sich bereit zu machen, um nach den bulgarischen Gewässern abzugehen. In Odessa und anderen Häfen der Krim liegt eine große Anzahl von Dampfern, die Truppen aufnehmen sollen. f

Rumänische Grenzverletzung durch die Russen.

Das Neue Wiener Journal meldet aus Czernowitz: Bel den in der letzten Zeit stattgefundenen Kämpfen an der 1 bessarabischen Grenze wurde durch die Russen die Neutralitä 1 Rumäniens wiederholt verletzt. Ein russischer Fliegen überflog einige Male rumänisches Gebiet, wurde jedoch von rumänischen Soldaten angeschossen. Der rumänische Grenz verkehr ist wegen der Nähe des Kampffeldes in dieser Gehen 9 gestört.. e Russische Mißwirtschaft. 1 T. U. Stockholm, 14. Sept. Auch gestern kamen keine In validen aus Rußland in Haparanda an, weshalb der schwedische Invalidenzug leer durch Schweden gehen mußte, um in Trelleborg die russischen Invaliden aus Deutschland abzuholen. Diese treffen noch immer regelmäßig ein. 0 9 Einstellung des Eisenbahnverkehrs in Serbien T. U. Bukarest, 14. Sept. Nach einer Meldung aus Saloniki ist der gesamte Eisenbahnverkehr für den Zivil transport in Serbien eingestellt worden. Als Begründung hierfür gibt die serbische Heeresleitung an, daß das ganze Eisenbahnnetz für bevorstehende Truppenverschiebungen in Anspruch genommen wird. K 2

Kriegsuslizen.

Der Familie Baron von Forstner in Rinteln(Grafsch Schaumburg) ist, wie der Deutsche Kurier meldet, aus Anlaß Heldentodes ihres Sohnes, bes Leutnants von Forstner(früher in Zabern vom Kronprinzen ein Lorbeerkranz mit eine

eigenhändigen Beileidsschreiben zugegangen. 7 sind den

5 ge⸗

Von der Landesversicherungsanstalt Westfalen Kreisen und Städten 421060 Mk. als Beihilfe zur Verhütun sundheitlicher Schäden infolge des Krieges(namentlich zur Tuber kulosebe kämpfung) zur Verfügung gestellt worden. Weit e 100 000 Mk. erhalten die Gemeinden als Beihilfen zur Durchfüh⸗ rung von Maßnahmen gegen die Skrofulose. Anspruch haben aber nur die Gemeinden, die selber dafür Aufwendungen machen. 9

Der Arbeitsausschuß für die Bekämpfung der Not in der w fälischen Textilindustrie hat u. a. beschlossen, beim B rat zu beantragen, daß durch besondere Anordnung die wöchentliche Beschränkung der Arbeitszeit auf 5 Tage in den textilin. striellen Betrieben auch auf die Heimarbeiter ange wendet werden möge, damit die Streckung der Arbeitsgelegen nicht durch übermäßige Beschäftigung der Heimarbeiter zum N teil der Fabrikarbeiter verhindert wird. Die über unser Görlitzer Parteiblatt unterm 1. Juli ver. hängte Vorzensur ist bis auf weiteres von Seiten des stellven tretenden Generalkommandos aufgehoben worden. b

Der Nouvelliste de Lyon meldet aus Paris: Der ehemalige Deputierte und Generalrat von Nivore, Chandioux, ist vo gestern wegen Unterschlagung und Fälschung öffentlicher Urkunden und Unterschlagung einer Postanweisung für Fl cht linge aus Nordfrankreich verhaftet worden.

Das Journal meldet die auf Veranlassung des französtschen Marineministers erfolgte Verhaftung eines bekannten Reed direktors, der betrügerischer Weise die von der Regierung requi⸗ rierten Schiffe über ihren Wert abschätzen ließ, jede Einheit un etwa 150000 Franken. Diese falschen Erklärungen wurden v den Erbauern der Schise abgegeben, die der Reeder bestochen hatt

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ö

hat, wie ich noch kleene war, und se hier noch im Hause ge⸗ west is. Bist de jung und scheene, Looft a hingerher, Bist de alt alleene Moag a dich nich mehr! Sie hatte es schwermütig leise nachgesungen. Der Höpplen ließ sie rasch los und rannte hinaus, als wenn ihm der Kopf brenne. Er ging stracks zu Seppelt, dem Weinschenken, mit welchem er seinen Rechtsstreit desBergels wegen hatte, und bot ihm ohne weitere Redensart sein ganzes liegendes Besitztum für zwanzigtausend Gulden an. Seppelt erstaunte anfänglich, griff aber hastig genug zu, weil er erwog, wie leicht sich ein anderer Weinschenk aus der Umgegend des herr lichen Grundstücks bemächtigen, ihm also als Konkurrent auf die Nase setzen könne. Höpplen kehrte, als dies Geschäft vorläufig abgesprochen war, langsam nach Hause zurück, setzte sich, ohne Resi noch Nazi sonderlich zu beachten, an sein Pult und schrieb sofort seinalleruntertänigstes Entlassungsgesuch aus kaiserlichem Zolldienst wegen zu großen Alters. Es war ein gar harter Entschluß für den alten Mann, mit zwei Schlägen sich von seiner ganzen Vergangenheit los⸗ zusagen, aber ihm war, als wenn ein ahnungsvoller, innerer Dämon ihm peinigend zurief:Verkauf alles, geh aus dem Zolldienst! Die jungen Leute, welche selten den Greis so finster und bewegt gesehen, verhielten sich möglichst still, wagten nur einen hastigen Blick und verstohlenen Händedruck. Als Höpplen sein Schreiben geendet und es versiegelt hatte, warf er es auf den Tisch mit dem Befehl an Nazi, daß er es morgen früh gleich an das Hauptamt zu Ruppersdorf bringen müsse. Dann verlangte er Wein und zwei Gläser, setzte sich neben den Neffen, schenkte ein und begann zuerst von ganz gleich⸗ gültigen Dingen zu reden. Er kam nach und nach auf seine Jugend, seine Heimat Rattenberg zu Tirol im Inntal, un⸗

zählte vom blauen Achen, von dem grünen Inn, wie das stolze Innsbruck mit dem goldenen Dächle rage, von Schwatz und dem Himmelreich, Schloß Freundsberg und der Martins wand dem Ignaz wurde ganz seltsam zumute. So be⸗ geistert von seiner Heimat und so sehnsüchtig⸗wehmütig zu⸗ gleich hatte er den Oheim noch nie reden hören. Hinter del Gesprächigkeit des Alten lauerte zugleich eine ängstliche U ruhe, als rede er nur, sich schlimme Gedanken zu verschwatzen In dieser Bemühung war er jedoch plötzlich unterbrochen. f Die Tür sprang auf und in ihr erschien eine hohe, mager! Weibsperson. Ihr schwarzes Haar, ihr tiefliegendes, wild funkelndes Auge, und die scharf gebogene Nase, alles bewies, daß sie Rösels Mutter, das berüchtigtste Weib des ganzen Gebirges, mit einem Wort, die Grenzfeve war, welche vor ihm stand. Was irgend noch an Weiblichkeit etwa erinnern mochte, war vollständig unter Bosheit, Tücke, List und Herz losigkeit erstarrt und ließ sie, obwohl sie erst anfangs der Vierziger war, wenigstens fünfzehn Jahre älter erscheinen. Sie glich einer menschgewordenen, alten, dürren, beute gierigen Katze. Ein dunkelroter, sehr zerrissener Rock nebst graublauer, schmieriger Schürze deckte ihren Unterkörper ung das nackte, unbeschuhte Bein. Ihre Brust umspannte ein altes, schwarz und rot geblümtes Mieder von verschossenem Manchester, die Spangen und Hefthaken aber waren meist ab⸗ gerissen, so daß auf der Brust alles auseinander klaffte un auf das schmutzige Hemd einen sehr unfreiwilligen Einbli gestattete, welchen das gelbe, wolleneVortüchel schlecht verhinderte. Eine Jacke hatte sie über den Arm geworfen, in welchem sie zugleich einen dicken Prügel, so lang ie fi selber, hielt; um ihren Kopf hatte sie ein rotes Tuch gewickelt, wie es die böhmischen Nußweiber tragen, und die Zipfel desselben fielen auf ihre Schultern. Auf dem Rücken krug sie aber einen großen Pack. Indem sie an der Tür beim Ofen die Bürde niedersetzte, den Stock an die Wand stellter sagte sie kurz und rauh:Do hast de mich! d Geh nunter, Nazi, aber du weißt, was du mir zucgzsag

13 ist das schlässche Liedel, was mir mei Mutter gelernt

weit der Ziller, und wie da alles Jo schön und wonnig sei, er⸗

hast! Nazi ging still hinab.

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