treten, sondern hier auch eine telegraphische Vollmacht vor⸗ zinden, für Rußland zu handeln.
Die englischen Arbeiter und der Krieg.
Reuters Bureau berichtet aus London:.*
Die Versammlung des sozialistischen Komitees für die nationale Verteidigung zu Bristol nahm eine Entschließung an, worin die illoyalen Umtriebe einer kleinen Gruppe von Friedensfreunden als ungehörig bezeichnet werden. Man habe es abgelehnt, sich mit diesen Leuten solidarisch zu er⸗ klären. Die Entschließung prote stiert dann gegen jede Aeußerung von Friedens bedingungen, welche die Freiheit Belgiens, Nordfrankreichs, Elsaß⸗ Lothringens und Polens ausschließen. Das Parlamentsmit⸗ glied Hodge, der Vorsitzende des Komitees, sagte, daß Ramsay Macdonald, dem kürzlich die Regierung die Erlaubnis zur Teilnahme an dem internationalen Kongreß in der Schmeig verweigerte, erklärt habe, er werde trotzdem eine sozialistische Abordnung zu dem internationalen Kongreß schickeu. Hodge sagte, die Arbeiter müßten derartige Männer aus der Partei ausschließen.
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Auf dem Gewerkschaftskongreß in Bristol hielt Lloyd George eine Rede. Ex wünschte dabei von den Arbeitern erhöhte Munitionsproduktion und richtete wiederum an sie die Auf⸗ forderung, die Regeln der Gewerkschaft nunmehr außer Acht zu lassen.„Es ist dies ein Krieg des Materials“, sagte Lloyd George,„und die Frage, die die Regierung am ersten zu lösen hat, ist eine reine Arbeitsfrage. Die Gewerkschaften bilden eine der stärksten Kräfte im Land. Mit Euch ist uns der Sieg sicher, ohne Euch sind wir verloren. Marschall French erzählte mir vor lurzem, daß er niemals zuvor Truppen mit mehr Todesverachtung sah als die englischen, und so müssen die Leute der Gewerkschaften sio stützen. Augenblicklich sind sechszehn Arsenale eingerich⸗ tet, und es werden noch elf gebaut. Die Maschinen arbeiten noch nicht Tag und Nacht, aber wenn die Gewerkschaften gewisse Re⸗ geln beiseite stellen, dann wird die Produktion von 30 auf 200 Pro⸗ zent steigen. Uns fehlen noch 200000 ungeübte Män⸗ ner und Frauen. Gestern habt Ihr Euch dazu verpflichtet, die Regierung bei einer nützlichen Fortsetzung des Krieges zu unter⸗ stützen. Die Regierung verlangt Eure Hilfe. Selbst wenn wir einen jeden gelernten Arbeiter in Dienst nähmen, hätten wir noch nicht zu viel Arbeitskräfte.“
Der Kongreß nahm unter Applaus lution für Lloyd George an.
Die Kämpfe am Sereth.
Die Russen setzen, wie das Berliner Tageblatt meldet, mit stark konzentrierten Kräften die Gegenangriffe auf der Serethlinie fort, ohne durch ihre numerische Ueberlegenheit mehr als vorübergehende Teilerfolge zu erzielen. Die Ver⸗ folgung der fliehenden russischen Truppen durch die Sümpfe auf Pinsk zu schreitet rüstig fort. An mehreren Stellen der— suchte nach einer Meldung des Az Est der Feind den Vor— marsch aufzuhalten, wurde aber nach heftigen Kämpfen aus allen bezogenen Stellungen geworfen. Die fliehenden russischen Heere haben die Schleusen der durch die Sümpfe führenden Kanäle geöffnet, um den siegreich folgenden deut⸗ schen und österreichisch⸗ungarischen Truppen ein Hindernis entgegenzustellen. Das trockene und schöne Wetter vereitelte diesen Plan und der Regen, der jetzt fällt, kann den Ver⸗ bündeten nicht mehr schädlich entgegenwirken. Der staunens— wert funktionierende Mechanismus der Kriegführung über⸗ brückt, wie das ungarische Blatt sagt, alle Hindernisse. An der bessarabischen Grenze gewinnen, wie der Pester Lloyd schreibt, die Kämpfe an Heftigkeit. Es scheint, daß die Russon die bessarabische Grenze mehr aus politischen als aus strategischen Gründen zu halten sich bemühen.
Kälte an der Westfront.
Nach Schweizer Blättermeldungen aus London wird von der flandrischen Front fortgesetzt Kälte und feuchtes Wetter gemeldet, das die militärischen Operationen stark be— hindert. Der Krankheitszustand unter den britischen Truppen wächst bedeutend.
eine Dankes reso⸗
Die Grenzfeve. 5
Eine Erzählung aus dem Heidelgebirge von A. E. Brachvogel.
Diesen Augenblick huschte Zachers lange Gestalt aus dem Graben, bückte sich, sah sich um, und dann trat er ruhig wie vorhin an den Schlagbaum.„Er ist weg, was steht drin?“
„Zacher, hört,“ begann der alte Beamte, und seine Brust arbeitete schwer.„J hab was getan, was ich nit gesollt hätt! Hab den Brief aufgmacht! Was vpüll schlimmer is, i soll Euch verraten, was drin steht! Euer gottverdammt Gewerb, Kerl, kann mr auf mei alte Täg teuer zu stehn komme! Aber — ich, ich muß s sagen! Es darf nit gschehgn! Sie sollen die Fev nit fangen. Und wann's mei letztes is! Laufts um Gottes Jesu willen nach Wise, saget der Fev, sie soll bloß auf eine Wochen Ruh halten! Morgen nacht ist der Teixel los! Unserer alten Zeit zulieb, Zacher, bittet sie gar schön von mir, sie sollet doch den Bluthund nit gar in den Rachen rennen!!“
„Vergelts Gott. Will gleich nüber! Morgen nacht also! Das sollt nit vergesse sein, Herr; solang der Zacher noch an Glied am Leib hat!“
Der Lange wollte dem Beamten die Hand reichen, da sich dieser aber schroff wendete, um in den Hausflur zu treten, eilte jener den Weg hinab, welchen Rupacher genommen, und stieß einen Pfiff aus, worauf sich ein zweiter jüngerer Gesell zu ihm fand, mit dem er hastig seinen Weg fortsetzte.—
„Die ganze Schwärzerbande ist af m Sprung! Sie haben wieder an Zug vor, und die Preußen drüben haben Wind! Höpplen, Höpplen, bist dei Lebtag doch a respektabler kaiserlicher Beamter gewesen, schau fein, daß d nit gar mit grauem Haar afen Spielberg kommst! Der preußische Kujon aber, der Brandt, soll sie nit kriegen, ehnder mögens mich lebendig in die Gruben tun!“—
Das durch Rupacher spedierte Schreiben hatte, wie Höpplen richtig vorausgesetzt, die eiligste Rückkehr des Ober mautners Spengerl in Begleitung Rupachers von Grenz dörfel zufolge, wo er bei dem Kaplan auf Besuch gewesen war. Kaum hatte Höpplens Chef aber die abgetriebene,
gemeldet, daß sie nicht nur allein ihre eigenen Länder ber
Die Absetzung des Großfürsten. Der Deutschen Tageszeitung wird aus dem Haag ge⸗ meldet: Obwohl die englische und französische Presse infolge höherer Weisung die Absetzung des Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch als für den Fortgang des Krieges günstig
besprechen, steigert sich von Stunde zu Stunde die Nervosität der Regierungen in London und Paris.
In den russophilen Kreisen am Balkan erregte nach zu⸗ verlässigen Nachrichten der Kreuzzeitung die Nachricht von der Absetzung des Großfürsten geradezu Schrecken, da die Russophilen in der Entfernung des Großfürsten Anzeichen für das Schwanken Rußlan ds begzüglich der letzten Kriegsziele erblicken.. Maßregeln gegen die Vernichtung von Lebensmitteln.
T. U. Amsterdam, 11. Sept. Dem Telegraaf wird aus Peters⸗ burg gemeldet: Um die Vernichtung von Lebensmitteln und Vor⸗ räten in den Gebieten der militärischen Operationen zu verhindern, verbreiten die deutschen Behörden Kundgebungen, in denen gegen jeden, der Lebensmittel vernichtet oder Korn in Brand steckt, strenge Strafen angedroht wird. Die Deutschen ergreifen verschiedene Maß⸗ regeln, um die Flucht der Ortsbewohner zu verhindern und raten den Flüchtlingen, ruhig auf ihrem Wohnsitz zu verbleiben.
Zum letzten Zeppelinangriff auf London. Ein gestern aus London zurückgekehrter Holländer hat dem Vertreter der Telegraphen-Union mitgeteilt, daß die Anzahl der beim letzten Zeppelinangriff auf London abge⸗ geworfenen Bomben über 320 betrug. Auf Middlesborvugh wurden 70 Bomben abgeworfen, die zum größten Teil heftige Brände verursachten.
Das Hamburger Fremdenblatt meldet aus Rotterdam: Nach einer Meldung der Times haben die letzten deutschen Luftschiffangriffe auf die englische Ostküste zu einem Sturm auf die Versicherungsgesellschaften geführt.
Deutsche Parlamentarier in Belgien. Während der letzten Tage haben deutsche Reichstags abgeordnete Belgien bereist und besonders in Antwerpen und Brüssel eigene Informationen auf allen Gebieten der Ver— waltung eingezogen.
Die Engländer wollen den deutschen Handel in China verdrängen.
T. U. Amsterdam, 11. Sept. Telegraaf meldet aus London, das euglische Haudelsministerium macht bekannt, daß durch das Mini⸗ sterium des Aeußern Maßnahmen getroffen werden, durch Vermitt⸗ lung britischer Handelskonsuln in Peking und Schanghai eine An⸗ zahl englischer Handelsagenten nach China zu entsenden, um dort durch Verdrängung des deutschen Handels den englischen Handel
hoch zu bringen. 0 Nriegs notizen.
Das Reichsgericht hat kürzlich eutschieden, daß auch die Versammlungen der Junungen unter der Herrschaft des Be⸗ lagerungszustandes der Anmeldepflicht unter⸗ liegen. Das trifft auch zu auf die Versammlungen der Gewerbe⸗ vereine und ähnlicher Korporationen. Seit Monaten wird von deutscher Seite eine frauzösische Zeitung Gazette des Ardennes hergestellt, die u. a. auch eine Liste der in deutschen Gesangenenlagern befindlichen Frauzosen bringt. Nach dem gleichen Muster erscheint nun auch eine Zeitung in rus⸗ sischer Sprache, unter dem Titel: Rußkija Iswfestija(Russische Nachrichten). Das Blatt wird in den Gefangenenlagern und in den besetzten Gebieten verbreitet. Laut Matin stimmte die frauzösische Regierung dem Vor⸗ schlage über die Internierung gewisser Kategorsen kranker deutscher Kriegsgefangener in einem neutralen Lande, nämlich in der Schweiz, zu. Diesbezügliche Verhand⸗ lungen sind, wie der französische Kriegsminister mitteilte, gegen⸗ wärtig im Gange. Nach dem Pariser Journal verweigerten die deutsche: Kriegsgefangenen in Saint Nazaire, die zum Aus⸗ laden von Kohlenschiffen verwendet wurden, anfangs vielfach die schwere Arbeit des Kohlentragens. Die Militärbehörden wählten unter ihnen 90 aus und verschickten sie als angebliche An⸗ stifter der Arbeitsverweigerung nach Marokko.
Wie die Pariser Blätter melden, ist eine große Feuers⸗ brunst in der Oel- und Fettefabrik von Pantin aus⸗
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—. k—.ñ——.—.—.— K Mann herfiel, daß er sich erlaubt habe, das Amtsschreiben
zu eröffnen, daß dies Vergehen dem Herrn Hauptmann bereits angezeigt sei, ihm die Geschichte Kassation auf den Hals ziehen werde, und dergleichen übertriebene Zorndrohungen, die noch mit einigen patriarchalischen Epitheta wie„alter Esel“ und „talketer Schneesieber“ illustriert wurden. Höpplen war sich böser Liebe gar zu sehr bewußt, fühlte den entsetzlichen Vor⸗ wurf, das Amtsgeheimnis den Paschern verraten zu haben, tief in seinem redlichen Gewissen; anderseits gab ihm aber das Bewußtsein, ein erfahrener Beamter zu sein, noch mehr aber sein Vermögen Zuversicht genug, dem Obermautner trocken zu antworten:„Scho gut, Euer Gnaden, werd mein Meinung von der Geschicht dem gestrengen wohledlen Herrn Hauptmann ad protocollum geben, mit Verlaub!“
Dieses Argument wirkte als niederschlagendes Pulver. Herr Spengerl wußte, daß sein Platz— mindestens doch der seines Stellvertreters— während der Amtsstunde nicht beim Pfarrer zu Grenzdörfel, sondern beim Zollhausfenster zu Neudorf sei, daß also den Höpplen in die Patsche zu bringen so viel heiße, als sich selber mindestens eine riesige Nase, wenn nicht Schlimmeres zuzuziehen. Die allgemeine Wut— so— wohl innerlich wie äußerlich— daß der gewöhnliche, gemüt⸗ liche Gang der Amtsgeschäfte so arg gestört worden, entlud sich natürlich in österreichisch-patriotischer Weise wie immer auf das imaginäre Haupt des„verfluchten, hochnasigen Sackerlotts-Preußen, der immer m Satan was Extras 3 braten hat“!— Nichtsdestoweniger waren aber laut Dienst⸗ reglement des Grenzviertels die kaiserlichen Beamten in pleno verbunden, bei einer plötzlichen, allgemeinen„Grenzrevision“, wie man das nannte, mit den preußischen Beamten vereint zu operieren, sowie letztere natürlich im selbigen Falle Gegen⸗ dienste zu leisten hatten. Dieser Verpflichtung gemäß ward nicht nur das ganze aktive Personal der österreichischen Finanz- und Zollwache des Distrikts aufgeboten, auch der Hauptmann selbst mit zehn Beamten erschien gegen Abend, und ein fliegender Kordon ward von Weckelsdorf über Heinzendorf bis an die östliche Grenze hin etabliert, der die
rauchende Dienstmähre verlassen. als er aiftia über den alten
Orte Wiesau. Grensdörfel und Ruppersdorf einschloß. In
ebrochen: sie nahm bald solchen Umfang an, daß ganz Pantin din Beträchlicher Teil von Paris in Rauchwolken ei Erst gegen Abend konnte die Feuerwehr des Brandes Herr w Mehrere Menschen sind bei dem Brande umgekommen, enormer Materialschaden sst verursacht worden. In Florenz wurden zwei Heereslieferanten haftet, weil sie Soldatenstiefel mit 1 geliefert, hatten Aus amtlicher Quelle wird gemeldet, die Pforte beschl
für S schäden infolge von Beschießungen, wel g
125 e der Meuschlichteit und des Völkerrechts zuwider⸗ 1 1 laufen, eine Schadloshaltung as dem Eigentum dern 0 Angehörigen feindlicher Länder zu gewähren. 1 0
Dem Nieuwe Rotterdamsche. Courant zufolge berichten dis
griechischen Blätter, daß durch die letztangekommenen indischen 7 Truppen die Beulenpest auf die Halbinsel Gallipoli ein. un geschleppt worden sei. Die Kranken würden auf einer kleinen Insel U nördlich von Samos isoliert. Auch herrsche der Typhus stark unter 155
en Truppen. 2 10 15 Iweiundvierzig Anhänger Kemps sind wegen, Aufruhr zu We
zefängnisstrafen von neun Monaten bis zu drei Jahren und 1 Pita zu Gelöbußen von 50 bis 150 Pfund Sterling ver. urteilt werden. Der sogenannte Prop het von Reudsburg. der im westlichen Transvaal großen Einfluß besaß, erhielt 18 Mo“ 1 Gefängnis. 8 1
ee e Wen Post meldet aus Kalkutta, daß zahlreiche 1. Baumwollbrände in Bom bay Besorgnis erregen. Gestern fal seien wieder Baumwollbrände ausgebrochen, wobei Baumwolle im
Werte von 2000 Pfund vernichtet worden sei. g
Parteinachrichten. „Bebel als Prophet“. 1 10
Unter biesem Kennwort m ein Absatz aus Bebels Buch„Di 9. Frau und der Sozialismus“ die Runde durch konserpative Blätter. in dem unser verstorbener Führer durch den gegenwärtigen Krieg aller⸗ 0 dings bündig widerlegte Sätze niederschrieb. Er sagte vor etwa 28
bis 30 Jahren: 8 i 5 Vie Kriegs⸗ und M ordwerkzeuge werden in einem⸗ In jort verbessert; sie haben eine Vollkommenheit i gen Schnelligkeit, Ferntragsfähigkeit und Durchschlagskraft erlang des die sie für Freund und Feind surchtbar macht. Wird eines Tage Da dieser ungeheure Apparat in Tätigkeit gesetzt, so wird sich zeigen,
daß er unregierbar und unlenkbar geworden ist. Es eit gibt keinen General, der solche Massen lo m ma ndieren kann es gibt kein Gebiet, groß genug, um sie zu fassen und aufzu⸗ stellen: keinen Verwaltungsapparat, der sie auf die Dauer zu ernähren vermag. Und im Fall von Schlachten fehlen die Hospitäler, um die Zahl der Verwundeten unterzubringen, wird die Beerdigung der zahlreichen Toten fast zur Unmöglichkeit.. Dazu wird bemerkt:„Was würde der Alte für ein Gesicht machen, wenn er heute sehen müßte, wie heute seit Jahr und Ta alle diese von ihm festgestellten„Unmöglichkeiten“ zu glatt sich ab spielender Wirklichkeit geworden id D g 5 Es ist nicht Bebel allein, der sich über den Weltkrieg n Vorstellungen gemacht hat, sondern er teilt sich in seinen Irx
mit Hunderttausenden von Menschen, Militärs und Zivilisten, Poli⸗ fel likern und Lajen. Allen hat der Kricgg alte Anschauungen aufge⸗ eint hoben, und noch am ersten Tage des Krieges haben die berühmtesten ö Fachleute nicht an eine jahrelange Dauer des Krieges, an den dal Schltzengrabenkampf mit seinen Besonderheiten geglaubt, n dar mancher militärische Schriftsteller hat diese seine falsche Vorstellung die
öffentlich eingestanden. a N Anderersests ist das Zitat aus Bebel auch eine Warnung au gewisse Theoretiker unserer Partei, die sich garnicht daran gewöhnen können, aus den veränderten Tatsachen die ent⸗ sprechenden Konseguenzen zu ziehen. Da es 1 Parteitagen und Kongressen sozufagen halb und halb beschlossen war, daß die Kraft des Proletariats den Krieg ab wen den wird, daß er, wenn er aber trotzdem kommt, mit einer fürchterlichen Kata- strophe beginnen und endigen muß, und daß er damit das Proletariat in revolutionärem Elan zum Siege führen wird— des⸗ halb macht man die Augen hübsch zu, ignorsert alle anderen Tat⸗ sachen, oder beweist frisch⸗frei⸗fromm, daß die Theorie richtig und die Tatsachen falsch sind. f So wie Bebel heute offenherzig eingestehen müßte: Freunde, ich habe mich furchtbar getäuscht, wir mütssen daraus die Konsequenzen ziehen, so müssen auch wir dle Augen offen halten für das, was anders gekommen ist, als wir es erwa oder gewünscht haben, und auf dem Neuen unsere Politik für die Arbeiterklasse aufbauen. Das erfordert die Ehrlichkeit gegen sich selbst und gegen die Genossen. 6 7 Parteitag der schweizerischen Sozialdemokratie. e Der Vorstand der schweizerischen Sozialdemokratie hat bes schlossen, den diesjährigen Parteitag zum 20. und 21. November einzuberusen. Der Tagungsort wird durch die Geschäftsleitung, der Partei bestimmt. Auf die Tagesordnung, soll gestellt werden: 1. Partei⸗Reorganisation; 2. Die Wirtschaftspolitik und die Finanzreform des Bundes. 1
jedes dieser Dörfer wurde noch eine besondere Finanzwache von fünf bis sechs Mann zum„Spitzeln“ gelegt. Höpplen, als der Hauptmann Edler von Staufinger anlangte, hatte sich schon aufs Aeußerste gefaßt gemacht, aber das Aeußerste erfolgte nicht, nicht einmal eine ganz kleine, ganz liebens⸗ würdige Nase. Um sieben Uhr abends endlich wurde der alte Herr vom Tagesdienst abgelöst und, da man seinem Alter anstrengende Verrichtungen nicht mehr zumutete, für dig Nacht nach Hause entlassen..
Hierauf hatte er heute unter allen Umständen gerechnet. Er humpelte, so rasch es sein Alter nur erlauben mochte, nach seinem Häuschen in Wiesau, aber nicht der lieben Bequemlich⸗ keit halber, sondern um ein Wesen zu retten, das in mehr al einer Beziehung sein altes Herz interessierte. Er schritt durch seinen obstreichen, blühenden Garten in das Haus, ohne seines sonstigen Lieblingsplätzchens, der Weinlaube mit der reizend Aussicht, zu achten, und trat in die Küche. a
Sein Eintritt erregte sichtbaren Schreck. Die Magd fut! zusammen und schloß rasch die Tür, welche nach dem Hofe zu
aufgeblieben war. Ein junges Mädchen, obwohl ebenfalls 0 ländlich, aber besser und zierlicher gekleidet, kam ihm verwirrt a entgegen. Sie war erst siebzehn Jahre, von schlanken,
schneidigen Formen, aber ihr dunkles Haar, das in breit Zöpfen um die Stirn gewickelt war, ihre schwarzen, blitzenden Augen, die Fülle des Oberkörpers, die runden, schneeweien; Arme und das intelligente, ja trotzig⸗naive Gesichtchen mi! der fast vornehm gebogenen Nase, ließen sie bedeutend älten erscheinen. ö „Wer ist da drein in der Kuchel gwesen, Resi? z is einen eben aus der Kuchel gangen!“ 5 Aus der Kiche, nein, nein, Herr,“ sagte die Kleine und wurde rot.„Hier drinne is gar keener gewest.“ „Wo ist mei Gschwisterkind, der Nazi?“
„Ich glaube— der is— naus auf n Seppelts sei Busch bergel gegangen!“ 5 5 1
(Fortsetzung folgt.)


