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Ein unhaltbarer Zustand. 0 Unter dieser Ueberschrift bringt das Berl. Tagebl. folgende Notiz, die ein Licht auf die bestehenden Zensurverhältuisse wirft:
„Wie man weiß, ise den Zeitungen jegliche Erörterung der „Kriegsziele“, das heißt der zukünftigen Friedensbedingungen, unterfagt. Obwohl in den Debatten des Reichstages und in
den Kommissionsberatungen sehr viel von diesen und anderen Ver⸗ fügungen gesprochen wurde, und obgleich die Vertreter der Re⸗ gierung wiederholt eine milde Handhabung des ganzen Zensurwesens in Aussicht stellten, sind die Bestimmungen immer wieder vers schärft worden. 5 5
Man braucht nicht zu betonen, wie sehr die redaktionelle Ar⸗ beit erschwert wird, aber wir sind selbst dafür eingetreten, daß bis auf weiteres eine öffentliche Aussprache über die einzelnen Kriegs⸗ zielwünsche unterbleibe, und wenn noch weitergehende Maßregeln für nötig gehalten werden, so muß man sich ihnen eben fügen. Ein unhaltbarer Zustand tritt indessen dadurch ein, daß Zeitungen und Kreise, die in diesen Fragen eine ganz bestimmte Richtung ver⸗ treten, nach wie vor ihre Wünsche und„Ziele“ ohne die mindeste Zurückhaltung an die Oeffentlichkeit bringen, mit aller Ausführlich⸗ keit, unbekümmert die Einzelheiten ihres Programms darlegen und in drängendem Ton die Verwirklichung fordern. Da wir nicht im geringsten gegen die doch nun einmal ergangenen Vorschriften ver⸗ kose wollen, so versagen wir es uns, auch nur andeutungsweise en Inhalt von Artikeln zu berühren, die gerade jetzt wieder ver— öffentlicht worden sind, aber wir gestatten uns, zu bemerken, daß sich mehr als berechtigte Verstimmungen ergeben müssen, wenn die Vertreter einer bestimmten Anschauung glauben, erlassene Verbote hätten nicht für sie, sondern nur für die anderen eine zwingende Giltigkeit.“
Die Eroberung der Festung Dubno.
Zu der Eroberung der Festung Dubno schreibt der Berliner Lokalanzeiger: Mit Dubnos ist die zweite Festung des wolhynischen Festungsdreiecks in die Hände der Verbündeten gefallen, nachdem Luck bereits früher nach kurzem Kampfe genommen worden war. Der Fall von Dubno ist insofern von Bedeutung, als er den von Rowno nach sich ziehen
dürfte. Mit dem Wegfall des Schutzes, den diese drei Festungen dem rechten Flügel der noch in Ostgalizien
stehenden russischen Heeresteile zu geben vermochten, ist aber auch ein beschleunigter Rückzug der Russen aus Ostgalizien zu erwarten.
Der deutsche Erfolg in den Argonnen.
Ueber den siegreichen Angriff der Deutschen in den Argonnen erfährt das Berliner Tageblatt durch seinen Korrespondenten Kellermann: Die unter Führung des Generals von Mudra stehen— den Truppen haben wiederum einen glänzenden Erfolg errungen. Die Zahl der eroberten Maschinengewehre und gemachten Ge— fangenen wächst von Stunde zu Stunde. Es handelt sich darum, die in unsere Linie bogenförmig vorgetriebene Stellung des Fein— des über Hubertusrücken—Charmbachtal und Houyett-Mulde, das sogenannte Werk Marie Therese, einzudrücken. Der Feuerangriff war auf 8 Uhr morgens angesetzt, der Sturm auf 11 Uhr mittags. Um 8 Uhr setzte ein wahres Höllenfeuer auf die feindlichen Gräben ein, wie man es noch nie hörte, weder bei Ypern, noch bei Arras. Das tolle Donnerwetter krachte bis um 11 Uhr mittags: dann gingen die Truppen im Sturm vor. Mit der Tollkühnheit und Todesverachtung der Argonnenkämpfer stürzten sich württembergi— sche, reichsländische und preußische Regimenter auf den Feind. Um 11 Uhr 30 Min. kamen die ersten Siegesmeldungen aus den er— oberten Gräben. Trotz wütender Gegenwehr und tollen Feuerns wurde der Feind überall geworfen und nach 12 Uhr war die vor- geschriebene Linie schon erreicht und sogar überschritten. Die ersten Gefangenen machten einen vollkommen erschöpften Eindruck. Dank einer bis in die letzten Einzelheiten geleiteten sorgfältigen Vor— bereitung waren unsere Verluste gering.
Einstellung der Dardanellenaktion der
der Entente?
Sofia, 10. Sept. Verschiedene hier eingetroffene Nach⸗ richten lassen darauf schließen, daß der Vierverband mit der Möglichkeit der Einstellung der Dardanellenaktion rechnet.(2) So wurden alle in Dedeagatsch gemachten Ankäufe vun Lebensmitteln für die englisch-französischen Truppen vor den Dardanellen mit Lieferfristen bis Ende September abge— schlossen und sämtliche Angebote in späteren Lieferfristen ab— gelehnt. Hiermit in Zusammenhang steht die Nachricht, daß Italien seine Teilnahme an der Dardanellenaktion endgültig verweigert hat.— Man hat allgemein eine Verstärkung der Angriffe auf die Dardanellen erwartet, die obige Nachricht muß deshalb unter Vorbehalt gegeben werden.
An der Isonzofront steht es gut!
Der Kommandant der am Isonzo kämpfenden Armeen, General der Infanterie von Boroevic, äußerte sich dem Ver⸗ treter der Vossischen Zeitung gegenüber über die Lage an dieser Front: Ich kann nur sagen, daß die Situation glänzend steht. Ich kann sie mir überhaupt gar nicht besser denken. Griechenland lehnt die Note der Entente ab.
Der Matin meldet aus Athen, daß Griechenland unter dem Zwang der Verhältnisse die Note des Vierverbandes nach Eintritt in die Mächtegruppe amtlich abgelehnt hat. Die Antwort Griechenlands sei dem Vierverband am Montag überreicht worden.
Serbien lehntdiebulgarischen Forderungen ab
In diplomatischen Kreisen im Haag verlautet mit Be⸗ stimmtheit, daß Serbien trotz dem von den Vierverbands⸗ mächten ausgeübten Drucke die bulgarischen Forderungen über Mazedonien abgelehnt hat. Wenigstens hätte sich Serbien geweigert, die bulgarischen Vorschläge gemäß der bulgarischen Fassung und in ihrem gesamten Umfange anzu⸗ nehmen.
Die Opfer des letzten Zeppelinangriffes auf London
Aus London wird amtlich gemeldet: Die Gesamtzahl der Opfer des deutschen Luftangriffes vom 8. September abends beläuft sich auf 12 Männer, 2 Frauen, 6 Kinder tot, 8 Männer, 4 Frauen, 2 Kinder schwerverwundet, 38 Männer, 23 Frauen und 11 Kinder leichter verletzt. Es sind alles Zivilisten, mit Ausnahme von vier Soldaten, von denen einer getötet und drei verwundet sind.
Kriegsnotizen.
Die Verwendung von Kriegsin validen i m badischen Staatsdienst soll— nach einer Veröffentlichung im dortigen Staatsanzeiger— eine möglichst häufige sein; bei Be⸗ setzung von Stellen erhalten Kriegsinvaliden den Vorzug, Die Staatsverwaltung wird sich bei der Besetzung von freien Stellen der vom badischen Landesausschuß flür Reichsinvalidenfürsorge ge⸗ schaffenen Arbeitsnachweise bedienen. Alle Behörden seien entsprechend benachrichtigt. Natürlich komme es auch darauf an, ob die sich bewerbenden Kriegsinvaliden für die zu besetzenden Stellen eignen.
Die Basler Nachrichten melden aus St. Gallen: Oester⸗ reich sperrte nunmehr den gesamten Grenzverkehr mit der Schweiz, auch die Linie Feldkirch Buchs, sowie sämt⸗ liche Straßenübergänge.
Die französische Militärverwaltung hat für Zwecke der Sprengstoffabrikation alle Vorräte an denatu⸗ riertem Alkohol beschlagnahmen lassen. Für Fabri⸗ kanten, welche denaturierten Alkohol benötigen, wird auf Ansuchen von der Militärbehörde jeweils für einen Monat die notwendige Alkoholmenge freigegeben. 8
Der Untersuchungsrichter hat den Mörder Jaurès, Villaine, vor die Anklagekammer unter der Beschuldigung des mit Vorbedacht ausgeübten Mordes verwiesen.
Man berichtet, daß eine schwere Korruptionsaffäre, die in ihren Folgen von großer Tragweite sein kann, in Car- maux im Departement Aveyron entdeckt worden sei, und daß bereits mehrere Verhaftungen vorgnommen worden sind.
Le Journal meldet aus Tours: Das Kriegsgericht hat das Ehepaar Bonneau, seine Tochter und seinen Sohn, zu je drei Monaten Gefängnis verurteilt, weil sie einen Deut⸗ schen, der aus einem Gefangenenlager entflohen war, beherbergt, bewirtet und mit Geld versehen hatten.
2500 Bergarbeiter in dem als unruhig bekannten Rhonddatale in Südwales legten die Arbeit nieder, da in den Bergwerken Nichtmitglieder der Südwales-Berg⸗ arbeiterföderation angestellt worden waren.
Am 14. Juni d. Is. sind auf dem auf der Fahrt nach Lissabon befindlichen Dampfer„Portugal“, der 12 Stunden, bevor er den Hafen von Madeira anlief, von einem englischen Kreuzer an⸗ gehalten und durchsucht wurde, die Deutschen Otto Laug-⸗ heid, Primus Maurer und Friedrich Weier in Kriegsge— fangenschaft genommen worden. Die drei Leute, die zur Besatzung des in Leanda liegenden deutschen Dampfers„Adelaide“ gehörten, waren an Beriberi erkrankt und sollten zu ihrer Heilung nach Madeira gebracht werden.
9 8 8 Partei⸗Nachrichten. Preßprozeß.
Wegen Vergehens gegen das Belagerungsgesetz wurde der ver— antwortliche Redakteur der Bremer Bürgerztg., Gen. Emil Sonne⸗ mann, von der Bremer Ferien-Strafkammer zu drei Tagen Gefäng— nis verurteilt.
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Unser Bremer Parteiblatt hatte eine Notiz aus dem
mit einer e 0 ericht eine Herabwürdigun 99 sei, in der Nevölser Staatsanwalt hatte e
Türmer abgedruckt, und sie der Staatsanwalt und das G und rine erblickte, die geeignet 8 Aergernis zu 3 er sefängnis beantragt. l 5 3 4 rbuch für Politit und Arbeiterbewe Das Internationale ga e 110 e ö ist s i e der Buchhandlung Vorwärts, Berl n ee Werk von Aufang an sein
in Spi. ichte unserer Zeit, das ist ein Spiegel der gefamten Geschich arken Jahrg
eworden. An diesem dritten, 900 Seiten 9 läßt st 5 95 wie notwendig als eee ein solch i Nachschlagewerk flir die Arbeit des politisch denkenden und scha 9
7775 ist. Das Material, das dem Werke Bedeutung gibt, i die der Arbeiterbewegung als Faktor des sozialen un politischen Lebens. Andere politische Jahrbücher verkennen, Wichtigkeit diefes Faktors sehr. Die Objektivität unseres 7 buches ist gewollt und ist von der Kritik a ene„Dies muß auch dem neuen Jahresbande zuteil werden, dessen We dicsntal befonders beim Studium der Vorgeschichte des Weltkrf jedem aufdrängen wird. Das Jahrbuch gibt uns eine nach Tagesdatum geordnete und international gruppierte Zusan n lung der diplomatischen Aktenstücke, die den Weg pflasterten, der da Weltfrieden zum Weltkrieg überleitet. Für die Ereignisse Kriegshalbjahres ist diese Aufzeichnung in internationalem U einander festgehalten; nur was außerhalb der Kriegsvorgänge g schah, ist in die aus den früheren Bänden des Jahrbuchs annte Einzelstaaten⸗Rubriken eingeordnet worden. Das Inhaltsverz nis sichtet den Tatsachenstoff gründlich. Es wird ein Führer der keiner Frage die Antwort schuldig bleibt.— Der neue B des Internationalen Jahrbuchs kostet geb. 12,0 Mk.; Heft 3 und! als Kriegsheft besonders kostet broschürt 7,50 Mark.
Mächte des Weltkrieges. 5
Von der im Verlage der Buchhandlung Vorwärts, Berlin schienenen Broschülren-Serie„Mächte des Weltkrieges“, ist. das 4. Heft zur Ausgabe gelangt. Es führt den Titel: Serbi und die Serben.“ Der Inhalt ist wie folgt gegliedert: 1. 2 serbische Volk vor der Türkenherrschaft. 2. Die türkische Inv Z. Unter türkischem Joch. 4. Der Befreiungskampf. 5. Entwiclu der inneren Zustände seit der staatlichen Selbständigkeit. 6. W schaftliche und soziale Zustände. 7. Die österreichisch⸗serbischen ziehungen.§. Die bosnische Frage. 9. Die Katastrophe. Das Heft ist mit zwei Uebersichtskarten versehen. Es ist durch jede Buchhandlung zum Preise von 75 Pfg.(Vereinsausgaf 30 Pfg.) zu beziehen. 30 1 Unsere Feldgrauen über die Parteiwirren. f Feldbriese, gesammelt von der Internationalen, Korrespondem
(A. Baumeister), Berlin⸗Karlshorst. 24 Seiten. Preis 10 Die Broschüre enthält die erste Serie von Kundgebungen, von unseren feldarauen Genossen in der soztaldemokratischen gewerkschaftlichen Presse erschienen sind und in welchen sie zu aus der Bewilligung der Kriegskredite entsprungenen Pa fragen Stellung nehmen. Die Sammlung soll Zeugnis davon legen, wie tief das geistige Interesse ist, mit dem die organister Arbeiter an der Front, inmitten des Kriegsdonners und de Schlachtengetümmels, die Vorgänge in der Heimat verfolgen. sind unmittelbare sozialistische Kriegsdokumente zu den uns all bewegenden Problemen. Es ist beabsichtigt, die Sammlung fort
zusetzen. Vermischtes.
Bismarck und Bebel. In Breslau ist soeben ein von den beiden dortigen Kra kussenverbänden geschaffenes Licht-Luftbad eingeweiht worden. gaben Ve einem der Aufenthaltsräume der Anstalt hängen als Wandschmuüt be gestiftet von dem Fabrikdirektor Klemann, die Bilder Bismarch N und Bebels friedlich neben einander. Mit Beziehung hieral! meinte der Oberbürgermeister der Stadt Breslau in seiner 6 wunschrede: Er hoffe, daß die zwischen den Krankenkassen Bres ausgetragenen schweren Kämpfe nun zu dauerndem Frieden g haben. Der Ausspruch des Kaisers„Ich kenne keine Pat mehr!“ könne wohl auch hier zur Anwendung kommen. Das erf man schon aus einem der Anstaltszimmer, in dem zwei Geister des 19. Jahrhunderts im Bilde nebeneinander hi Bismarck und Bebel..
Radium in Colorado.
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Die Grenzfeve.
Eine Erzählung aus dem Heidelgebirge von A. E. Brachvogel.
„Wann Ihr aber s Brieferl, das Euch der Preuß, der Fentsack, gebracht hat, lesen möcht, könnt Ihr's wohl wissen!“ und das hat tr auch abgepaßt?!— Möcht a wissen, was drin steht?!“ f
„Ich weiß s schon, Herr!— A vornehmer Mann aus Waldenburg drüben, a Badegast, hat's gestern bei meim Schwager Seppelt beim Weine erzählt! Hat gsagt, s soll auf dero ganzen Grenz jetzt an allgemeine Jagd auf die Schwar— zer gemacht wern, weil's jetzt in dero unruhigen Zeit gar z arg würd, und der Brandt, der neue preußische Steuer— inspektor, alles Gsindel einfangen will; und die Herren Kaiserlichen müßtn a mit und helfen, daß gar ka Mensch durchschlupfet, hate rgsagt!— J stand bei der Tür und spület die Gläser ab, da er's gsagt hat.— Seppelt, mein Schwager, gibt mir an scharfen Blick, i lauf naus, nehm Jackel, Mütz und Stock und gleich mit dem Jokle ins Preußische! In Friedland habens mir welche vor ganz gwiß gsagt!“—
Dem Aufzieher war in starrem Staunen die Pfeife aus— gegangen.—
„Der Brandt?! Der neue Inspektor?!— Na gar!— Der Hund, der Schuft, der Höllnbraten will a große Hatz machen?!— Zacher, s gilt Euch, i sag's ja, s gilt Euch und dem Wahnerhannes, Tannebühlers Jürgen und dem Geiger— franzel!“
„Stellet Euch nit so dumm, Aufzieher!— No ja, s wär scho recht, wenn ma uns auch fängete, aber wem's gilt— das ist die Grenzfev, Eurer alten Fev von. Wisa!!— Ihr wißt doch noch der alten Zeiten, Herr.— Hurje, wo sind die geblieben?!“
Wenn vorher schon eine gewisse Unruhe sich des alten Mannes bemächtigt hatte, so verwandelte sich dieselbe jetzt in eine tiefe innere Bewegung. Er zitterte heftig und wischte sich eine hervorbrechende Träne aus der Wimper.„Zacher, um Gottes willen, redet mir das nit ein! Ich glaub's nit!
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Nachdem der Schurk, der Brandt, vor neunzehn Jahren die unselige Genovefa zu dem gemacht hat, was sie jetzt ist, zu einem wilden, ruhelosen Weib, will er sie ins Zuchthaus liefern?!“
Zachers Gesicht ward finster und höhnisch.„Ja, Auf— zieher! Seit der Brandt sich nach der alten Gschicht versetzen gelassen, hat er sei Glück zu Breslau gmacht, is a Inspektor worden in Friedland, weil, so sagen die Leut, der Steuer— direktor Hanstein in Waldenburg ihn gern hat, er ihm seine älteste Tochter gebn wird! Eine vornehme Frau, eine reiche Frau!— Hihi— da denket der Brandt, muß doch die Feve für immer ins Loch, daß die alte Geschichte gar tot ist, verstehts?!“
Der Beamte nickte, er war sehr blaß geworden. es— es darf nit geschehgn!!“— 1
„Das darf a nit geschehgn, Aufzieher, oder— s kostet Blut, der Jokle hat's gschworn!“
Ein Schauder fuhr über des Alten Leib.—„Hört, j will — den Brief will i aufmachen und mit dem Rupacher nach m Grenzdörfel zum Obermautner schicken. Kommt wieder. wann der Rupacher weg ist!“ Er lehnte sich scheinbar ruhig wie vorhin an den Schlagbaum. Der Zacher warf einen prüfenden Blick durch das große Schiebefenster ins Zollamt, er sah durch die Scheiben und die offene, gegenüberliegende Tür der vorderen Amtsstube die schreibende Gestalt des Rupacher am Fensterpult des Hinterzimmers. Er nickte kurz, war mit zwei Sätzen jenseits der Straße und verschwand in dem tiefen, weidenbestandenen Chausseegraben.
Kein Lufthauch, kein Geräusch unterbrach die Ruhe der Landschaft. Der alte kaiserliche Finanzwächter war mühsam seiner Gefühle Herr geworden. Er griff in die Brusttasche, zog das Schreiben mit dem preußischen Adler hervor, erbrach es, ohne das Siegel zu verletzen, und vertiefte sich in seinen Inhalt. Die Blässe seines Gesichtes nahm zu, er bedeckte sein Auge. Er sann bewegt nach. Dann raffte er sich mit einem Ruck empor, faltete das Schreiben zusammen, steckte es wieder ins Kuvert, trat an das Fenster des Mautamts und zog scharf an der Signalglocke Ein Poltern und Ru⸗
„Zacher,
moren innen bewies die Wirkung derselben. Rupacher, das Seitengewehr noch festschnallend, das Käppi aufstülpend, er, schien hastig in der Tür. n
„Was schaffens, Herr Aufzieher?“ 145
„Rupacher, Ihr müßts weg, nüber nach m Grenzdörfel! Ist da eine wichtige Avertierung vom— Preußen drüben kommen! Muß gleich an den Herrn Obermautner und woh gar an den wohledeln Herrn Hauptmann nach Ruppersdorf, Habt Ihr ein'n Gaul?“
„Gott behüt. Ihr wißt ja, auf unseren zwei Gäulen sind ja der Herr Obermautner mit Schneidinger nach m Grenzdörfel weg!“ 1
„So müßts gleich per pedes nüber, Freund! s kann nig helfen, denn s is a wichtige Sachen, a allgemein Aufgebol von Landshut bis Braune! Zitissime! Bleibt beim Schlag baum, ich will das Skriptum wieder einsiegeln und drauß schreiben, daß ich's bloß aufgemacht hab!“ 4
Während der bedeutend jüngere Rupacher verdutzt am Zollbaum blieb, eilte der Alte ins Amt, und es verging wirk— lich nur geringe Zeit, bevor er hastig wieder herauskam, der einen Hand den geschlossenen Brief, in der andere Flinte, Horn und Tasche. f 5„Das muß a verwettert Gschreibsel von dem Preußen 9 sein, Herr Aufziehger, weil Ihr so auf der Fassong kommt?“ brummte der junge Mann, welcher von dem plötzlichen Spaziergange nicht sehr erbaut schien. g
„Ist's auch, ist's auch! Unsere ganze Charg steht auf m Spiel, Männel, wann der Obermautner die Schrift nit gleich kriegt! Lauft! Lauft! Herr! Zitissime steht drauf!“ 1 Nupacher hatte Tasche, Horn und Büchse über die Schulter geworfen und rückte sein Käppi ärgerlich auf die f Seite.„Nit amol sei Pfeifen kann mer sich mitnehme! N is a Malefizdienst!“ und so schlenderte er, weniger zitissime, als der Alte ihm geraten, die staubige, gekrümmte Chausses“ hinab, während der alte Höpplen auf die steinerne Tür schwelle trat und ihm mit schlecht verhaltener Aufregung na starrte, bis derselbe vollständig im Laube der Allee ve
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schwunden war.


