Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht Dubno genommen. Durchbrechung der russischen Front bei Olyka.
Die Russen über den Sereth geworfen. Wien, 9. Sept.(W. B.) Amtlich wird verlautbart, 9. Sep⸗
weinber 1915: Russischer Kriegsschauplaß.
unser Angriff in Wolhynien schreitet fort. Gestern wurde „ Front nördlich von Olyla durchbrochen. Dubno, f zweite Punkt des wolhynischen Festungsdreiecks, ist genom⸗ en. In die Stadt ist gestern nachmittag österreichische Landwehr⸗ avallerie eingerückt. Die flußabwärts liegenden Sperrforts ind in unserem Besitz. Die Armee des Generals Böhm⸗Er wolli it an der oberen Ikwa und über Nowo-⸗Aleksinjec vorgedrungen. Die russischen Kräfte, die im Raume westlich von Trembowla über den Sereth vor gebrochen sind, wurden größtenteils wieder zurückgeworfen. In den Kämpfen, die hier gegen feindliche Ueberzahl stattfanden, griffen deutsche Garbe⸗Batalllone Unter dem Obersten v. Leu besonders erfolgreich ein. Am unteren Sereth und am Dyujeste herrschte verhältnismäßig Ruhe. Bei der gestern berichteten Eroberung der feindlichen Stellung von No wo⸗ F stiukowa hatte im Kampf zu Fuß die von Feldmarschalleutnant v. Brudermann geführte Kavallerie hervor⸗ Von den im Jasioldagebiet kämpfenden öster⸗ gewannen Teile Michalin
1 10 88 Anteil. 5 isch⸗ungarischen Streitkräfte füdlich von Nozauy. Italienischer Kriegsschauplaß. Im Raume von Schluderbach vertrieben unsere Truppen schwächere feindliche Abteilungen, die gegen unsere Popena-Stel⸗ ng vorfühlten, durch Feuer. Ebenso wurden zwei italienische en die im Paralba⸗Gebiete einen unserer Stützpunkte Angriffen, zurückgeschlagen und feindliche Patronillen, die den Monte Ciadenia ersteigen wollten, abgeschossen. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. 10 von Höser, Feldmarschalleutnant.
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Die furchtbaren russischen Verluste.
T. U. Kopenhagen, 9. Sept. Einen Einblick in die erschreckend 1 ohen Zahlen der russischen Verwundeten bieten eine Meldung der ö Nowoje Wremja, wonach die Regierung gezwungen ist, zu Zwangs⸗ enteignungen von Privathäusern zu schreiten, da die gegenwärtig zur Verfügung stehenden Lazarette bereits überfüllt sind, und den täglich ankommenden Verwundeten keine Unterkunft mehr gegeben werden kann. Hetze gegen die Balten.
T. U. Petersburg, 9. Sept. Um die Aufmerksamkeit der öffent— lichen Meinung von der immer unbehaglicher werdenden Rüäck— wärtskonzentrierung der russischen Heere abzulenken, beschäftigt sich die ganze Presse mit der Haltung der Bevölkerung jn den bal⸗ lischen Provinzen und kritisiert, daß dieselbe ihre Deutschfreundlich—
keit nicht verberge, sondern die Deutschen mit offenen Armen ompfangen.
Ein italienisches Eingeständnis.
f Der Stillstand der dtalienischen Offensive im Sextentale wird vom Corriere in einer Anwandlung von Aufrichtigkeit damit erklärt, daß sich die österreichischen Ver— teidigungswerke gegen die Angriffe viel stärker erwiesen hätten, als selbst nach langer Beobachtung angenommen wor— ben sei. Die Fortsetzung des Angriffs würde ein unnützes Opfer bedeuten, infolgedessen trete eine Pause ein, und es werde die Belagerungstaktik angenommen. Eine italienische Stimme für eine barbarische Kriegsführung.
b Nom, 9. Sept.(W. B. Nichtamtlich.) Die Patria, das Or⸗ . 0 der Turiner Nationalisten, verteidigt den Gebrauch vergifteter 1
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Kugeln, die Wundbrand hervorrufen, und meint, je härter und
limmer man den Krieg führe, desto besser sei es. Die Italiener sollten sich endlich überzeugen, daß das Wort„Barbaxei“ Unsinn sei, denn entweder siege man als Barbar, d. h. als Stärkerer, oder man werde geschlagen.
Joffres Enttäuschung. ö
T. U. Rotterdam, 9. Sept. Nach der Rückkehr in sein Hauptquartier erkundigte sich Joffre sofort nach dem Stand im Argonnensektor. Von den Nachrichten des dortigen Be— sehlshabers Humbert zeigte sich Joffre wenig befriedigt. General Humbert konnte, obschon die vorbereitende deutsche Aktion seit mehreren Tagen seine Aufmerksamkeit erregte, Doch nicht verhindern, daß gestern in den ersten Vormittags— stunden einige der stärksten, während der letzten Wochen im
westlichen Argonenwalde zum Schutze der dortigen Haupt— stützpunkte errichtete französische Befestigungen von der un—
widerstehlich vorstürmenden deutschen Infanterie nach aus— reichender artilleristischer Vorbereitung genommen wurden. Alle Versuche Humberts, dem Gegner den Gewinn wieder zu entreißen, blieben erfolglos. Humbert beschränkte sich auf die Trostmeldung an Joffre„es ist den Deutschen nicht ge— lungen, unsere ganze Front zu durchbrechen“.
Die Lage in Frankreich.
Unser französischer Korrespondent schreibt uns vom 4. Sept. Frankreich scheint militärisch wie politisch gegenwärtig jedes Interesse zu entbehren. Die kurzen Ferien, die sich das Parlament zugeteilt hat, scheinen auch auf die militärischen Operationen aus— gedehnt zu sein. Oberflächlich betrachtet, ist politisch eine gewisse indifferente Ruhe eingetreten und die Kriegsoperationen scheinen völlig zum Stillstand gekommen zu sein. Wir glauben uns nicht zu täuschen, wenn wir sagen, daß hier mehr als je das Sprichwort zu— frifft, daß der Schein trügt. In der politischen Situation hat sich uch nach der Rede Vivianis so gut wie nichts geändert. Die aus- ländischen Blätter, die von politischen Spaltungen und Intriguen redeten, befanden sich gründlich im Irrtum. Ebenso falsch wäre es zu glauben, daß mit der Rede Vivianis alles im schönsten Geleise sel, daß nichts von der Kritik des Parlaments übrig geblieben wäre. Das Mißtrauen in den Kriegsminister ist zu tief gewurzelt und so wenig die Ernennung des abgesetzten Generals Sarrail zum Kom⸗ mandamten der französischen Truppen in den Dardanellen die Empörung der Republikaner beseitigt hat, so wenig hat die Rede Vivianis das Mißtrauen der Parlamentarier in die Fähigkeit und Energie Millerands zerstreut. Erst Taten können darin eine Aenderung bringen. Wir wiederholen jedoch— um keinerlei Miß— verständnis aufkommen zu lassen, daß das kritische Mißtrauen des Parlaments keineswegsein Symptom von Müdigkeit ist, sondern im Gegenteil als Ausfluß der Ungeduld zu betrachten ist, über die Lauheit und Nachlässigkeit im Kriegsministerium. Bezüglich der kriegerischen Operationen erwartete man allge- mein, daß die französische Heeresleitung die deutsche Offensive im Osten benützen werde, um ihrerseits einen Vorstoß zu unternehmen. Wir können natürlich nicht mit absoluter Bestimmtheit die Gründe dieser merkwürdigen Enthaltung angeben. Wir glauben jedoch der Wahrheit am nächsten zu kommen, wenn wir sagen, daß die über— raschende Ruhe auf dem französischen Kriegsschauplatze folgende zwei Ursachen hat: Frankreich und England glaubten Rußland am wirk— samften zu Hilse zu kommen, wenn sie die Dardanellen forcieren.
gen zunächst auf dieses LCojekt ronzentriert. Taper die Truppen⸗ transporte und die neuen Landungsversuche. Daher gleichzeitig der diplomatische Vorschlag für einen Ausgleich der Balkanstaaten. Wie weit die Regierung Rumäniens, den Munitionstransport weiter zu gestatten, darauf zurückzuführen ist, läßt sich natürlich nicht mit Be⸗ stimmtheit feststellen. Im übrigen scheint die diplomatische Ope⸗ ration nicht besser geglückt zu sein wie die militärische. Das dürfte darauf zurückzuführen sein, daß man Serbien schon einmal geopfert hat, indem man Italien, um es zu einer Intervention zu veran⸗ lassen, versprach, die Adria zu einem geschlossenen italienischen Meere zu machen. Die Serben, die ihre Hoffnungen auf die Küste von Dal⸗ matien, Kroatien und Istrien enttäuscht sehen, sind natürlich keines wegs geneigt, Mazedonien abzutreten, im Hinblick auf die problema⸗ tische Erwerbung der verbleibenden füdslavischen Provinzen Oester⸗ reich⸗Ungarns. f
Die andere Ursache, die mit der ersten verbunden ist, dürfte in der noch ungenügenden Munitionserzeugung zu suchen sein. Die Dardanellenoperation ist sehr kostspielig in dieser Beziehung und wenn man die eine oder andere Balkanmacht veranlassen will, in den Krieg einzutreten, muß man ihr natürlich eine entsprechende Munitionszufuhr garantieren. Eine große Offensive, die nicht ris⸗ kiert, durch Munitionsmangel zum Stillstand zu kommen, konnte des⸗ halb nicht gleichzeitig mit dem Vorstoß in den Dardanellen vorge⸗ nommen werden. Wir glauben uns jedoch nicht sehr zu irren, wenn wir sagen, daß die Periode des Abwartens so ziemlich zu Ende ist. Wann und wo wird die neue Ofensive vorgenommen werden? Das ist natür⸗ ich das Geheimnis der französischen Heeresleitung. Man kann immerhin deduzieren, daß eine Offensive im Großen vor Eintritt der Regenperiode stattfinden wird, also im Laufe des Monats Sep⸗ tember. Man lann auf Grund ber bisherigen Erfahrungen auch annehmen, daß der Angriff nicht auf einem, bestimmten Punkte staltfinden wird, sondern so ziemlich auf der ganzen Front. Die Kanonaden, die gegenwärtig stattfinden, die Bombardierung der deutschen Verbindungslinien durch Avjiatiker, sind nur eine Ein⸗ leitung. Je nachdem die französische Heeresleitung den schwachen Punkt in der deutschen Front entdeckt zu haben glauben wird, dürfte sie die Offensive einrichten.
2 22 2 Der türkische Bericht.
Konstantinopel, 9. Sept.(W. T. B. Nichtamt⸗ lich.) Das Hauptquartier teilt mit: Im Abschnitt Anaforta sind, wie sich feststellen ließ, am 8. September durch die Wirk— ung unseres gegen die feindlichen Stellungen südlich von Ammakdere gerichteten Artilleriefeuers Explosionen von Munition und Granaten in den feindlichen Schützengräben verursacht worden. Bei Ari Bur mu schleuderte der Feind Bomben mit giftigen Gasen gegen un— seren linken Flügel- konnte jedoch keine Wirkung erzielen. Bei Sedd-ül-Bahr nur schwaches gegenseitiges Feuer, An den anderen Fronten keine Veränderung.
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Wie aus Koustantinopel gemeldet wird, sind die Mannschaften des in den Dardanellen bersenkten Unterseebootes nach Konstantinopel gebracht worden. Sie erklärten, es sei den Engländern und Franzosen unmögl ich, unter den bestehenden Bedingungen auch nur den mindesten Erfolg an den Darda⸗ nellen zu erzielen. Sie beklagten besonders die Tätigkeit der deutschen Unterseeboote, die die Aktion der englisch⸗ französischen Flotte lahmlegten und im besonderen nach der jüngst, erfolgten Vernichtung eines Transportschiffes im Aegäischen Meere die Einstellung von Truppentransporten nach den Darda⸗ nellen bewirkt hätten. 1
Die russische Reformbewegung.
Nach einer Meldung der Politiken aus Petersburg be— schlossen die Moskauer Großindustriellen in einer geheimen Sitzung, übereinstimmend mit dem Beschluß der außerordent— lichen Sitzung der Moskauer Stadtverwaltung, eine radi— kale Umbildung der Regierung zu fordern. Es sei dringend notwendig, eine Regierung zu der das Volk Ver— trauen habe, zu schaffen.— Der großes Aufsehen er⸗ regen de Beschluß wurde von der Stadtverwaltung einstimmig angenommen.
Bulgarien bereit zum Losschlagen? Eine ossiziöse bulgarische Erklärung.
Die Südflawische Korrespondenz meldet aus Sofia: Das Organ der bulgarischen Regierung Narodni Prawa veröffent— licht eine Erklärung über die Lage, die in politischen Kreisen größtes Aufsehen erregt und sehr lebhaft erörtert wird. Es heißt darin: Sobald alle Mittel einer friedlichen Verstän— digung versagen, sieht sich der Stant, der seine nationale Selbstbestimmung erreichen will, gezwungen, die bewaffnete Macht anzuwenden. Für die bulgarische Oeffentlichkeit wird es immer klarer, daß unsere ehemaligen Verbündeten um nichts in der Welt aufhören werden, das unglückliche Maze— donien zu knechten, solange die bulgarische Macht nicht zu Worte kommt. Der bulgarischen Regierung, die alle Mittel, selbst jene der direkten Einmischung der Ententemächte zun Erreichung einer Verständigung unter den Balkanstaaten erschöpfte, bleibt nur noch übrig, sicherere und wirksamere Mittel zu suchen, um die nationalen bulgarischen Ideale, für die Tausende geopfert wurden, zu verwirklichen.
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gon 9— 1 3 des cpulgarischen Heeres die sich unweit der serbischen und griechischen haben. g. Das türkisch⸗bulgarische Abkommen. Sofia, 9. Sept. Nach Aeußerungen 1
vor Politikern ener Parteien ist das türkisch⸗ bulgarische Abkommen unterfertigt. Bulgarien er, hält danach ein Territorium von im ganzen zweitausend⸗ dreihundert Quadratkilometer Umfang. Die i Grenze folgt dem Tundschafluß bis Adrianopel. Die Vorstadt von Adrianopel, Karagatsch, wird bulgarisch. Weiter südlich bildet die Maritza die Grenze. Von Soflu bis Enos am linken Maritza⸗Ufer sind zwei bis drei Kilometer abgetreten. Die Besetzung der Bahn erfolgt in zwei bis drei Tagen, die des übrigen Territoriums vierzehn Tage später. Es herrscht hier allgemeine Zufriedenheit über diese friedliche Eroberung der Regierung.(Frankf. Ztg.) 5
Sofia, 9. Sept.(W. B. Nichtamtlich.) Nach Meldungen hiesiger Blätter äußerte Ministerpräsident Radoslawom einer Ab⸗ ordnung von Mitgliedern der Sobranje gegenüber, daß die Be⸗ ziehungen Bulgariens zur Türkei ausgezeichnet seien. Bulgarien sei faktisch bereits im Besitz der Bahnlinie nach Dedeagatsch. Die Stellung des Mini⸗ steriums sei sehr fest. Es rechne auf Vaterlandsliebe seiner politischen Gegner, namentlich der Bauernbündler, und beabsichtige nicht, die Sobranje aufzulösen. ae 15 1
f 8 gehen Serbie 1 N e gemeinsames Vorgeh Falls Bulgarien
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und Griechenlands gegen Bulgarien. 8 kämpfen müsse, werde es dies nur auf einer Front zu tun brauchen.
Ein politisches Attentat in Bulgarien.
Sofia, 9. Sept.(W. T. B. Nichtamtlich.) Nach einem Telegramm des Präfekten von Ranthi überfielen und er⸗ schossen gestern vormittag unbekannte Personen das Sobranje⸗ mitglied Mehemed Pascha. Seine Diener wurden schwer ver⸗ wundet.“
Rumänien und der Vierverband.
Basel, 9. Sept.(W. T. B. Nichtamtlich.) Nach einer Mailänder Meldung der Basler Nachrichten bezeichnen die amtlichen rumänischen Zeitungen die Nachricht von einem zwischen Rumänien und dem Vierver band zustande gekommenen Abkommen als fal ch.
Vereinskalender. Soflutag, 12. September. Watzenborn⸗Steinberg. Wahl verein. Nachmittags 4 Uhr Versammlung bei Wirt Schmandt„Zum grünen Baum“ Verantwortlicher Redakteur: J. Vetters, Gießen. Verlag von Krumm& Cie., Gießen
Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. M. Mit Wirkung vom 1. September 1915 an werden für die Stadt Gießen folgende Höchstpreise festgesetzt: 4 Pfund⸗Laib 2 Pfund⸗Laib 34 Pfg. 1 Das Verkaufsgewicht des Brotes muß noch 24 Stunden dem Backen vorhanden sein. g und Händler: a) Roggenmehl 20 Pfg. c) Weizenauszugsmehl 28 Pfg. Gießen, den 31. August 1915.
Bekanntmachung. 1. Roggenbrot 68 Pfg. 2. Brötchen(50 Gramm) 4 Pfg. 3. Für das Pfund Mehl beim Weiterverkauf durch Bäcker b) Weizeumehl 23 Pfg. Der Oberbürgermeister.
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