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und Nachbargebiete.

Gießen und umgebung.

Keine anonyme Anzeigen!

Eine offenbar von behördlicher Seite stammende Notiz in Berliner Blättern wendet sich wie folgt gegen die anonymen Zuschriften:

Zur wirksamen Bekämpfung des Lebensmittelwuchers bedarf es der Mitwirkung des Publikums, das auch in zahl reichen Fällen den Behörden mit Anregungen aller Art zur Hand geht. Leider glauben viele Leute, ihre Pflicht getan zu haben, wenn sie an der zuständigen Stelle anonym melden. daß dieser oder jener Geschäftsmann sie übervorteilt habe, oder wenn sie den Behörden einen Zeitungsausschnitt über senden, in dem vor einem ungenannten Kaufmann, Schlächter usw. in der X- oder Y-Straße gewarnt wird. Derartige anonyme Anregungen haben gar keinen Wert. Im ersteren Falle vermag die Behörde mangels Beweises nicht einzu⸗ schreiten, denn nur durch Gegenüberstellung des Anzeigenden kann sie den Gesetzesübertreter überführen und zur Rechen⸗ schaft ziehen; und im zweiten Falle verbietet sich ein Ein schreiten gegen den unbekannten Täter von selbst. Wenn also ein Erfolg für die Allgemeinheit erzielt werden soll, so muß der Anzeigende sich selbst nennen und den Täter genau bezeichnen. Anonymen Anzeigen können die Behörden schwer⸗ lich nachgehen. Es handelt sich hierbei ja auch nicht um An⸗ zeigen aus niederen Beweggründen, Rachsucht und dergleichen, sondern der Anzeigende erfüllt lediglich eine vaterländische Pflicht und schädigt, wenn er diese versäumt, nicht nur sich selbst, sondern auch seine Volksgenossen. 5

An die verehrlichen Jungen.

Die Zeit der Obstreife bringt für unsere männliche Jugend eine besonders angestrengte Tätigkeit. Da müssen Aepfel- und Birn⸗ bäume erklettert oder doch tüchtig geschüttelt werden; manchmal heißt es auch Ausreißnehmen vor einem besonders überzeugten An⸗ hänger der Lehre vom Privateigentum. Die Meinungen über den Wert dieser Tätigkeit sind sehr verschiedene, anders bei den apfel lüsternen Jungen, anders bei dem heimgesuchten Gartenbesitzer. Nur wenige von den letztgenannten werden soviel Humor auf bringen wie einst der feine Dichter Theodor Storm, als er Amtsrichter war. Dainserierte er eines Tages:

Die verehrlichen Jungen, welche heuer

Meine Aepfel und Birnen zu stehlen gedenken, Ersuche ich höflichst, bei diesem Vergnügen

Wo möglich insoweit sich zu beschränken,

Daß sie daneben auf den Beeten

Nur die Wurzeln und Erbsen nicht zertreten.

Auch wir möchten den verehrlichen Jungen empfehlen, be sonders die beiden Schlußzeilen zu beachten. Erwerbung der Staatsangehörigkeit. Wir teilten

dieser Tage mit, daß die Regierung dem Landtage ein Gesetz vorlegen wird, wonach die Neuwahlen zum Landtage in die zweite Hälfte des nächsten Jahres verlegt werden sollen. Nach dem Wahlgesetz ist bekanntlich nur derjenige wahlbe rechtigt, der am Tage der Wahl die hessische Staatsangehörig⸗ keit seit einem Jahre besitzt. Wer sie also bisher noch nicht erworben hat, für den ist es jetzt die höchste Zeit, das Versäumte nachzuholen. Bei den Wahlen haben wir schon oft erlebt, daß viele unserer Parteigenossen, die seit Jahrzehnten in Hessen wohnten, nicht wählen konnten, weil ie diese Formalität nicht erfüllt hatten. Sie hatten wohl jederzeit ihre staatsbürgerlichen Pflichten erfüllen und Steuern bezahlen müssen, aber Rechte hatten sie nicht, sie durften ihre Stimme in den öffentlichen Angelegenheiten nicht in die Wagschale legen. Und die Arbeiterschaft hat alle Veranlassung, ihre ohnehin geringfügigen Rechte wahrzu nehmen und auszuüben. Es ist ja schlimm genug, daß das Wahlrecht noch an solcheKautelen geknüpft ist und dem Staatsbürger die Ausübung selbstverständlicher Rechte so schwer gemacht wird; aber so lange diese gesetzlichen Vor schriften bestehen, müssen sie eben erfüllt werden. Der scheußliche Krieg muß doch mal ein Ende haben und wir müßssen uns dann unserer friedlichen Arbeit wieder zuwenden. Mehr als bisher aber muß die Arbeiterschaft darauf bedacht sein, ihren Einfluß auf die Gestaltung der Dinge im Staats- leben geltend zu machen, sie darf nicht beiseite stehen und andere die Gesetze nach ihren Wünschen und Wohl gefallen machen lassen! Darum muß jeder von uns das Nötige zur Wahrung seiner Rechte und seiner Interessen tun. Für unsere Genossen ist unsere Redaktion gerne bereit, die erforderlichen Schriftstücke zur Erwerbung der Staats- angehörigkeit anzufertigen. Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Freiwilliger Albert Mook aus Gießen, Res.⸗Inf. Regt. 2222. Freiwilliger Ludwig Erb aus Lich, Inf. Regt. 222. Ers.⸗Res. Wilhelm Beppler aus Lang⸗Göns. Musketier Georg Ubrig aus Rainrod bei Alsfeld, Inf-Regt. 17. Erf-⸗Ref. Willi Schneider aus Wetzlar, Inf. Regt. 223. Die 25 Mark Entbindungskosten. Ueber die Verwendung ber 25 Mark Entbindungskosten, die laut Bundesratsverord nung den Wöchnerinnen gezahlt werden, gehen die Ansichten auseinander. Der Ausschuß für Mütter- und Säuglings: fürsorge des Zentralkomitees vom Roten Kreuz hat deshalb

an das Reichsamt des Innern eine Anfrage über die Ver.

wendung der 25 Mark Entbindungskosten gerichtet und das Reichsamt des Innern hat folgende Antwort erteilt:Die Bundesratsverordnungen über die Reichswochenhilfe sind zu gunsten der beteiligten Wöchnerinnen erlassen worden, ver- folgen aber nicht den Zweck, den Hebammen erhöhte Ein⸗ nahmen zu beschaffen. Der Bauschbetrag von 25 Mark ift ein Beitrag zu den Kosten der Entbindung überhaupt, ist also nicht allein für die Hebammen, sondern auch für den Arzt, etwaige Arznei, notwendige besondere Stärkungsmittel und dergleichen bestimmt. Wenn es einerseits nicht zu billigen ist, daß Wöchnerinnen den Reichsbeitrag zu anderen Zwecken verwenden, statt die Hebamme für ihre Bemühungen daraus zu entlohnen, so ist es andererseits ebenso unberech⸗ tigt, wenn Hebammen jene Fürsorgeeinrichtung des Reiches zu einer Erhöhung ihrer Forderungen an die Wöchnerinnen

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trags unternommen zur Prüfung der ganzen Frage.

Der Vierte Ausschuß der Zweiten Kammer des hessischen Land⸗ tags setzte am Dienstag seine Beratungen aus der vorigen Woche fort. Von den vorliegenden Petitionen hat allgemeineres Inter esse eine Vorstellung des Verwalters des Höchster Kloster⸗ fonds, Otto Mülhäuser zu Michelstadt, der gegen seine unfrei willige Pensionserung protestiert. Ueber den Höchster Klosterfonds hat man sich in der Volksvertretung wiederholt unterhalten müssen infolge Beschwerden der Odenwälder Bevölkerung, als deren be rufener Anwalt unser Odenwälder Genosse Hartmann auftrat. Es ist heute nicht an der Zeit, diese Angelegenheit abermals aufzu⸗ rollen; hier wird es wie im Sprichwort heißen müssen: Aufge schoben ist nicht aufgehoben! Durch die öffentliche Kritik offenbar sahen sich die Erbacher Standesherren veranlaßt, dem Verwalter des Klosterfonds den Abschied zu geben. Ob sermit vollem Ge⸗ halt pensioniert wurde, entzieht sich unserer Kenntnis. Jeden⸗ falls aber fühlt sich der bisherige Verwalter benachteiligt und er⸗ hebt gegen seine Pensionierung Beschwerde bei der Kammer, mit der Begründung, daß sie ungesetzlich und er gewissermaßen als Stan desbeamter zu betrachten sei. Die Regierung ihrerseits hat diese letztere Annahme zurückgewiesen; im übrigen verwies sie auf die außerordentlich verwickelte Situation beim Klosterfonds, für deren Klärung jetzt Zeit und Arbeitskräfte im Ministerium sehlten, also verschoben werden müßte. Der Ausschuß wird sich wohl dem an⸗ schließen. Zur Verhandlung stand weiter ein Antrag der fort⸗ schrittlichen Volkspartei, die Regierung zu ersuchen, bei der zu⸗ ständigen Reichsbehörde die fakultative Einführung der tirkischen Sprache in den Lehrplan der höheren Lehranstal ten anzuregen. Nach den Mittetlungen der Regierung, die aller⸗ dings noch nicht offtziell sind, hat das Unterrichtsministerium be⸗ reits den Gedanken aufgegriffen und Schritte im Sinne des An⸗

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offiziell bestätigt wird, dürfte der Ausschuß den Antrag flir er⸗ ledigt erklären, andernsalls aber ihn der Regierung als Material zur Erwägung überwefsen lassen. Welche Verheerung die unter dem Deckmantel desPatriotismus gehende Völkerhetze in ein⸗ zelnen Köpfen sogenannter Intellektuellen anrichtet, bestätigt die Bemerkung eines nationalliberalen Schulrats im Ausschusse, wo⸗ nach angeblich in Lehrerkreisen Propaganda für den Fortfall des französischen und englischen Unterrichts in unsexen Schulen ge⸗ trieben werde; ersetzt sollten diese beidenfeindlichen Sprachen durch das Spanische und Portugiesische werden. Jedes Wort gegen solche Dummheit erscheint überflüssig.

Mühlengewinne. Die Hafenmühle A.⸗G. in Frankfurt kann mit Befriedigung auf das abgelaufene Geschäftsjahr zurlick blicken. In der jüngst abgehaltenen Aufsichtsratssitzung wurde die Bilanz für das Geschäftsjahr 1914/15 vorgelegt. Der Rein⸗ gewinn beträgt nach 113 499 Mark Abschreibungen(im Vorjahre 112 807 Mark) 411009 Mark(im Vorfahre 175411 Mark). Trotz den reicheren Abschreibungen wie im vorigen Jahre hat die Hafen⸗ mühle 2355598 Mark mehr erübrigt. Der am 5. Oktober stattfin⸗ denden Generalversammlung wird vorgeschlagen zu Extraab⸗ schreibungen auf Betriebsmaschinen-Konto 88 258 Mark(Um V.), auf Feuerlöschanlage-Konto 9081 Mark(m V.), auf Be teiligungs-Konto 17000 Mark(im V.) zu verwenden. Dem Delkredere-Konto sollen 10000 Mark(im V. 3000 Mark), der Ta- lonsteuerreserve 2500 Mark(m V. 2150 Mark), dem Fonds für Wohlsahrtszwecke 20000 Mark(im V. 5000 Mark) zugeführt und eine Dividende von 10 Prozent(im V. 7 Prozent) zur Verteilung gebracht werden. Der Vortrag auf neue Rechnung be brägt alsdann 43 057 Mark(im V. 17 114 Mark).

Zeichnung der dritten Kriegsanleihe bei der Bezirkssparkasse Gießen. Bei der letzten Kriegsanleihe hat die Erfahrung gelehrt, daß wie bei anderen Kassen in letzter Stunde auch bet der Bezirkssparkasse sich die Zeichner derart drängten, daß der Andrang kaum zu bewältigen war. Es wird deshalb dringend empfohlen, die Zeichnung nicht bis zum letzten Tage aufzu⸗ schieben, sondern diese so frühzeitig als irgend möglich zu bewirken.

Eine merkwürdige Geschichte wird in auswärtigen Blättern (Alsfeld) wie folgt erzählt:Die Frau eines Schneidermeisters in einem Orte der Umgebung Gießens, deren Mann vor Monaten ge⸗ fallen war, ging dieser Tage eine neue Ehe ein. Kaum aber hatten die Flitterwochen ihren Anfang genommen, als der erste Mann der Frau brieflich mitteilte, daß er sich in russischer Gefangenschaft be⸗ finde und daß es ihm den Umständen nach wohl gehe. Der Mann war also nicht tot. Das Gesicht der Frau, die nun zwei Männern angehört, kann man sich vorstellen. Wie der Fall rechtlich zu ent⸗ scheiden ist, muß man den Gerichten überlassen. Von diesem tragi⸗ schen Falle haben wir noch nicht das mindeste gehört. Er dürfte auch in das Reich der Fabel zu verweisen sein; denn bei einfacher Ueberlegung muß man sich sagen, daß die Frau eines Gefallenen, doch nicht gleich ein paar Wochen nach dem Tode ihres Mannes wieder in eine neue Ehe springen wird. Derartige Geschichten wurden nach dem Kriege 1870 mehrfach erzählt, immerhin aber erst, nachdem er etwa ein Jahr vorüber war. Jetzt ist's noch zu frilh!

Auch ein Patriot. In frevelhafter Weise hat sich der Inhaber der Darmstädter Dampfmolkerei Heinrich Wolf ist der Name des Biederen vergangen, der angeklagt ist, in den letzten Sommermonaten Milch besonders an Lazarette, Cafés und sonstige Großabnehmer geliefert zu haben, die bis zu 38 Prozent gewässert war, wie dies durch das Nahrungsmittel-Untersuchungsamt festae⸗ stellt wurde. Da die Ablieferung der Milch zu einer Zeit geschah, in der die Kontrolle am schwächsten war, kam die Sache erst dadurch ans Tageslicht, daß die Oberschwester des Lazaretts in der Darm⸗ städter Technischen Hochschule Anzeige erstattete, da die Milch teil⸗ weise so schlecht war, daß Kranke, von denen einzelne nur durch Milch am Leben erhalten werden konnten, die Abnahme verweiger⸗ ten. Obwohl in zahlreichen Fällen durch den Nahrungsmittel- Chemiker die starke Wässerung der Milch nachgewiesen wurde, be stritt der vor dem Schöffengericht stehende Angeklagte die Schuld und suchte die schlechte Qualität teils auf die schlechter Fütterung, teils auf die schlechte Ablieferung der Lieferanten zurückzuführen. Er wurde auch hierin widerlegt, doch sah das Gericht in Anbetracht der bisherigen Unbestraftheit, trotz des Antrages. des Staats- anwaltes, von einer Gefängnisstrafe ab und verurteilte ihn wegen Fahrlässigkeit zu einer Geldstrase von 150 Mark, gab aber seinem Bedauern Ausdruck, daß es nach der Sachlage auf eine höhere Strafe nicht erkennen konnte. Die 150 Mark hat der Mann bei seinen Pantschereien länast hundertmal vorweg verdient gehabt. Warum verschweigt übrigens eine bekannte Darmstädter Gerichts- korrespondenz, die sonst in skrupellosester Weise den Namen jedes

jugendlichen Rechtsbrechers aus Arbeiterkreisen bekannt gibt, schamhaft den Namen dieses Volksfreundes? Warnung für unvorsichtige Radfahrer. Die Straf⸗

kammer in Marburg verurteilte am Dienstag einen jungen Burschen aus Silberg im Kreise Biedenkopf, der vor einiger Zeit eine 60 Jahre alte Frau aus demselben Orte auf der Landstraße mit seinem Rade so anfuhr, daß diese infolge der erhaltenen Ver- letzungen starb, wegen fahrlässiger Tötung zu einem Monat Gefängnis. Man kann oft beobachten, daß junge Burschen wie rasend auf belebter Straße fahren, so daß Fußgänger in die größte Gefahr geraten. Da ist es wirklich am Platze, wenn so ein rückfichtsloser Fahrer mal einen Denkzettel bekommt. Anderer⸗ seits sieht man aber auch oft in der Stadt wie in Dörfern Kinder sich mitten auf die Straße hinstellen und dem Radfahrer keinen Platz zu geben, wenn dieser auch noch so sehr seine Glocke ertönen läßt.

. Obstversteigerungen. Das Gemeindeobst in Großen Buseck gelangt Montag, 13., und Dienstag, 14. September, jedes mal von 9 Uhr vormittags ab zur Versteigerung. Anfang am Beuerer Weg.

Westerwald und Unterlahn.

Tödlicher Radunfall. Von Erbach hatte der 164ährige Böh⸗ mer, welcher während des Krieges bei seinem dortigen Metzger Auslauferdienste versieht, am 6. September in das benachbarte Hardt Fleisch gebracht. Er benutzte dazu ein Rad. Als er bei. der

Rückkehr wieder in Erbach einsuhr, lief ihm ein Kind in das Raß und Böhmer kam in dem starken Gefälle des Weges zu Fall. Er flog dabet mit dem Kopf gegen eine Gartenmauer und ist an den Folgen dieses Sturzes in der Nacht schon gestorben. Das Kind, das überfahren wurde, ist mit dem Schrecken davongekommen.,

* Bon Nah und Fern.

Schweres Unwetter herrschte am letzten Sonntag im öst⸗ lichen Sachsen. Sturm und Regen richteten besonders an den Obst⸗ bäumen große Verwüstungen an. In Zittau hatte eine entwurzelte Linde die Starkstromleitung der elektrischen Straßenbahn herab⸗ gersssen. Ein Pferd von einem die Stelle passierenden Wagen kam mit dem herabhängenden Draht in Berührung und wurde durch den Strom sosort getötet. Wie überall, wurde der meiste Schaden an den Obstbäumen der freigelegenen Straßen angerichtet. Die reiche Obsternte ist größtenteils ver michtet. Wo die Bäume nicht abgebrochen waren, wurde das Obst weithin über Straße und Aecker verstreut. Auf einer Straße wurden 83 Obst⸗ bäume umgelegt, und der Gemeinderat von Relbersdorf mußte die Straße zwischen Reibersdorf und Tüürchau für den Verkehr sperren. peil 40 Obstbäume umgeworfen über der Straße lagen.

Begnadigung. Der Großherzog hat den durch das g gericht vom 17. Juni d. J. wegen Mordes an seiner Ehefrau ler hat sie bei Offenbach in den Main gestoßen) zum Tode ver⸗ urteilten Hausburschen Adam Funk zu lebenslänglichem Zucht⸗ haus begnadigt. Die wegen Beshilse zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilte Haushälterin Scheuermann war von den Geschworenen einstimmig zur Gnade empfohlen worden. Funk hatte bekanntlich ae Reichsgericht Revision eingelegt, die aber verworfen wurde. 1

Schwur

Ein Mord in Aschaffenburg.

Am Dienstag nachmittag wurde in Aschaffenburg auf dem Ver⸗ bindungsweg zwischen Schweinheimer und Würzburger Straße an der Miltenberger Bahn eine Leiche gefunden. Sie war geschickt mit altem Gersimpel zugedeckt, erinnerte unwillkürlich an jene vom Büchelbergmord und gewährte einen schauerlichen und grausigen An⸗ blick. Sie schein ungefähr 300 Meter geschleift worden zu sein, denn die Spuren ließen sich deutlich feststellen. Der Gesichtsausdruck war entstellt und zwingt zu dem Schluß, daß die Ermordete, eine zwischen 2030 Jahren stehende weibliche Person, mit einem Stein oder Eisen erschlagen wurde, denn auch die Schädeldecke war völlig einge⸗ schlagen. Die Leiche schien ungefähr 24 Stunden gelegen zu haben. Die Ermordete ist das Dienstmädchen Roth aus Weibersbrunn, erst vor kurzem aus Frankfurt gekommen war und bei Metzger⸗ meister Nebel, Schweinheimer Straße, in Stellung war. Das Dien 5 mädchen war in letzter Zeit wiederholt auf dem Rathause und be⸗ schwerte sich über verschiedene Angelegenheiten. Sie soll auch wegen Urkundenfälschung unter Anklage gestanden haben. Die sofort ein⸗ gesetzten ausgedehnten Untersuchungen der Kriminalpolizei führten bis jetzt zu keinem Erfolge. Der Bräutigam des Mädchens wird gesucht.

Großfeuer in einem Holzmehl⸗Werk. In Mühlacker ist am Montag vormittag die Fabrik Deutsche

Holzmehl-Werke vorm. Julius Hiller und Co. vollständig nieder⸗ gebrannt. Das Feuer entstand durch eine starke Mehlgang⸗

Explosion, welche das Dach abhob und das Fabrikgebäude mit einem Schlage in Flammen setzte. Der Schaden ist bedeutend e Fabrik war das größte Unternehmen dieser Art in Deland und stand

mit einem Werte von 350 000 Mark zu Buch.

Telegramme.

Tagesbericht des Ofen Hunter

Ueber 2000 Franzosen gefangen. 48 französische Maschinengewehre und 54 Minenwerfer erbeutet. Fortschreitende Verfolgung im Osten. 3550 Gefangene. W. B. Großes Hauptquartier, 9. Sept., vorm.(Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz.

In den Argon nen brachen gestern nordöstlich von Vienne le Chateau unsere württemberger und lothringer Re⸗ gimenter zum Angriff vor. Die durch Artillerie vortrefflich unterstützte stürmende Infanterie setzte sich auf einer Front⸗ breite von über 2 Kilometer und einer Tiefe von, 300 bis 500 Meter in den Besitz der feindlichen Stel⸗ lungen und mehrerer Stützpunkte, darunter des von den Franzosen vielgenannten Berges Marie Therese. 30 Offiziere, 1999 Mann wurden gefangen genommen, 48 Maschinen⸗ gewehre, 54 Minenwerfer, 1 Revolverkanoue erbeutet.

Während der Nacht von vorgestern zu gestern wurden in London die Docks suwie die sonstigen Hafenanlagen und, deren Umgebung ausgiebig mit Spreng- und Brand bomben belegt. Die Wirkung war recht befriedigend. Unsere Luftschiffe sind trotz heftigster Beschießung ohne jeden Schaden zurückgekehrt.

Deutsche Flugzeuggeschwader griffen Nancy an. Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls

v. Hindenburg. 1

Von der Ostsee bis östlich von Olita keine wesentliche Ver⸗ öuderung. Zwischen Jesiori und dem Njemen wehrt sich der Gegner hartnäckig. Unsere Truppen nähern sich Skidel. Südlich des Njemen entzog sich der Feind der Niederlage durch Rückzug hinter die Zelwianka. Auf dem; Westufer halten nur noch Nachhuten.

Die Heeresgruppe machte 3550 Gefangene und erbeutete 10 Maschinengewehre.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. 5

Auch hier ist die Zelwianka au den meisten Stellen unter Kämpfen mit feindlichen Nachhuten erreicht. Südlich von Rozana ist der Uebergang über die Rogan ka erzwun⸗ gen. Oesterreichisch-ungarische Truppen gehen weiter durch den Wald nordöstlich von Siele vor. d

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Mackensen.

Bei Chomsk ist das Nordufer der Jasiolda gewonnen. Durch unser Vorgehen nach Norden gezwungen, räumte der Gegner seine Stellung bei Vereza-Kartus ka.

Zwischen dem Sporowskie⸗See und dem Dujepr⸗-Bug⸗ Kanal haben wir weiter Boden gewonnen.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Der südlich von Ostrow über den Sereth vorgedrungene Feind ist auf seinem Nordflügel zurückgeworfen. 7 Oberste Heeresleitumg

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