schen Armeen übernommen. Ein Depeschenwechsel mit Poin dar é sorgt für die Verbreitung dieser Tatsache in Europa. So bedeutsam dieser Schritt ist und so schwer er dem Zaren geworden sein mag, bedeutet er, rein militärisch gesprochen, insofern nichts, als der Zar lediglich seinen Namen für das hergibt, was andere tun werden. Es ist kaum anzunehmen, daß der Zar in seinem Leben viel Gelegenheit hatte, die Führung von modernen Millionenheeren zu erlernen. Da ihm

ber die Geschichte auf jeden Fall irgend welche napoleonischen

egabungen absprechen muß, so wäre es geradezu erfreulich, wenn er sich tatsächlich zu einem Waffengange mit unserem Altmeister Hindenburg herbeilassen wollte. Da davon, wie gesagt, leider keine Rede sein kann, so können wir nur zweierlei als Grund dieser Erscheinung uns vorstellen: Viel⸗ leicht ist das Ganze ein Ergebnis einer innerpoliti⸗ schen Krise. Nilolai Nikolajewitsch mag selbst an der Spitze des geschlagenen Heeres für Rußland zu stark geworden sein, undVäterchen will die Bafonette lieber selbst kommandieren, damit sie nicht am Ende gegen ihn komman diert werden. Oder verlangt der seelische Zustand des rus sischen Heeres die Verwendung der letzten moralischen Mittel, die zweifellos im persönlichen Kommando des obersten Kriegs herrn zu suchen sind?

Es sind das aber auch gleichzeitig die letzten Mittel des Zarentums überhaupt, die letzten persönlichen Reserven, die letzten Karten im großen strategischen Spiele. Für Rußland ist der Schritt des Zaren von ent⸗ scheidender Bedeutung, für uns, die wir nur seine materiellen Wirkungen zu verspüren haben werden, ziemlich bedeu- tungslos, es sei denn, daß dieses Ereignis auch für Ir ankreich⸗England das Signal zu der oft gedroh ten, oft besprochenen und immer wieder zurückgestellten Offensive sein würde. Aber auch darauf sind wir vor 9 85 Je mehr die Franzosen und Engländer sich an un⸗

eren befestigten Linien ermatten und erschöpfen, desto leichter nden wir es später haben. Nichts wäre törichter als irgend welche Beunruhigung in dieser Richtung. Uusere Stellungen in Frankreich sind in Erwartung der französischen Offensive geschaffen und für eine solche berechnet. a

Um noch einmal auf Rußland zurückzukommen, so er⸗ kennen wir dort eine deutliche Dreiteilung unseres Kriegsschauplatzes. Der Nordteil, der sich fast ganz mit dem Operationsgebiete der Heeresgruppe Hindenburg deckt, scheint von den Russen ernstlich gehalten werden zu wollen. Es sind wohl auch, wie wir schon früher vermuteten, siarke Kräfte der miktleren russischen Gruppe in die Gegend Wilna Dünaburg abtransportiert worden. Die russische Gruppe vom Njemen östlich Grodno bis in die Ge gend westlich Pinsk weicht mit ihrem Zentrum vor dem An griff der Armee Prinz Leopold und nach der Weg⸗ nahme von Wolkowysk im allgemeinen in Richtung auf die Schara zurück, während ihr linker Flügel dem Drucke Mackensens einen vergeblichen, wenn auch heftigen Wider stand entgegensetzt. Die südliche russische Gruppe ist durch

mittlere

das energische Vorgehen Puhallos in ihrer rechten Flanke stark bedroht. Ihr verzweifeltes Aushalten in den östlichsten Gebieten von Galizien und ihre heftigen Gegenangriffe finden wohl immer noch ihre natürlichste Erklärung in dem Wunsche, nahe an Rumänien unbesiegt zu sein.

2 Feindliche Offensive im Westen?

Die französische Regierung läßt seit einer Woche eine be⸗ merkenswerte Diskretion erkennen. Sie hat zunächst ver⸗ hindert, daß die von dem nationalistischen Abgeordneten Barreès geleitete Patriotenliga den Jahrestag der Marne⸗ schlacht zu lauten chauvinistischen Festlichkeiten benutzte. Den Behörden wurde es streng verboten, Feierlichkeiten er⸗ lauben, die über den Rahmen einer Erinnerungszeremonie

zu

für die an der Marne gefallenen französischen Soldaten hin⸗ ausgehen würden, und die Zensur hat darüber wachen müssen, daß die Zeitungen sich auf Erinnerungsartikel

beschränkten und keine Fanfaxenaden veröffentlichten, die den Anschein hätten erwecken können, als ob die öffentliche Meinung eine beschleunigte Wiederaufnahme der großen Offensive verlange. Die französischen Zeitungen haben auch von dem Besu ch, den General Joffre dem italienischen Haupkt⸗ quartier abgestattet hat, erst am Dienstag reden dürfen, nachdem die italienischen Zeitungen bereits das Ereignis bekanntgegeben hatten, sodaß eine Verheimlichung überhaupt nicht mehr möglich war. Die Pariser Zeitungen beschränken sich auch jetzt noch auf die Wiedergabe der italieni⸗ schen Aeußerungen über die Bedeutung dieser Zu⸗ sammenkunft der Heerführer der beiden Armeen. Diese Dis⸗ kretion steht so sehr im Widerspruch zu der bisherigen auf⸗ dringlichen Stimmungsmache der französischen Regierung und ihrer Presse, daß sie die Vermutung nahelegt, als ob wirk⸗ lich in der Stille die Vorbereitung zu einer besonderen militärischen Aktion im Gange sie i.

Italien bleibt bei seiuer jetzigen za Gegenüber den Gerüchten, Italien wolle Streitkräfte nach Hard oder nach Frankreich senden, wo jetzt eine neue deuts Offensive erwartet wird. da angeblich, dorthin verschoben worden seien, ver dent der Stampa, Italien beschränke 0 8 österreichischen Kriegsschauplatz. Der Besuch Joffre⸗ Herstellung der Harmonie in d zweckt, weiter nichts. Deutsche Luftschisfe über England. London, 8. Sept.(W. T. B. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Das Pressebureau meldet, daß in der vergangenen Nacht feindliche Luftfahrzeuge den ö st⸗ lichen Grafschaften einen Besuch abstatteten und Brände und persönliche Unfälle verursachten.

Der Ozean als Pfand der Alliierten. London, 8. Sept.

habe nur die

Friedens bedingungen, die Deutschland stellen könne und entwickelt dabei die interessante Theorie, daß wenn Deutschland territoriale P fänder in Hän⸗ den habe, die Allijerten ein ungleich wertvolleres terri⸗ toriales Pfand besitzen, nämlich den Ozean, den Deutsch⸗ land nur unter ausdrücklicher Zustimmung der gegenwärtigen Inhaber zur Handelsschiffahrt benützen dürfe. 1

Vereinskalender. Sonntag, 12. September. Watzenborn⸗Steinberg. Wahlverein. Nachmittags 55 Uhr Versammlung bei Wirt SchmandtZum grünen Baum.

Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. Verlag von Krumm& Cie., Gießen. 8 Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. M

Verstorbene. Frau Margar. Boller Witwe, geb. Köhler, in Gießen. Frau Johanna Hoppe geb. Schwarz, in Gießen, 65 Jahre alt. Hans Becker in Gießen, 18 Jahre alt.

Ludwig Wagner in Lollar, 64 Jahre alt.

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1. Vortrag des Herrn Professor Dr. Skalweit: Warum zeichnen wir die Kriegs⸗Anleihe? 2. Schlußwort: Herr Oberbürgermeister Keller.

Müttern

deutsche Truppen vom Osten chert der römische Korrespon⸗ sich auch künftig auf den

en Plänen der Oberkommandos be⸗

(W. T. B. Nichtamtlich.) Der franzö⸗ sische militärische Mitarbeiter der Morning Post erörtert die

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