8.
X NK
S
8
— —
5 4
Gießen und Umgebung.
—Gasabgabe ohne Gasmesser. Die Stadt Magdeburg Hat einen neuen Weg zur Abhilfe der Leuchtmittelnot einge⸗ schlagen. Zahlreiche Anträge auf Gasanschluß von Klein⸗ wohnungen konnten keine Berücksichtigung finden, weil es an der erforderlichen Zahl von Gasmessern fehlte und solche auch nicht beschafft werden können. Der Magistrat ist daher auf den Ausweg verfallen, an Klein wohnungen Gas ohne Gasmesser abzugeben. Um der Gefahr einer Verschwendung von Gas zu begegnen, soll es nur zu Leucht- zwecken, nicht aber auch zu Koch- und Heizzwecken zu beziehen sein. Die Einrichtung soll ferner nur für jedesmal höchstens zwei Räume mit je einer Flamme zugestanden werden. Zur Berechnung des Verbrauchs ist der Verbrauch einer Straßen⸗ laterne zugrund gelegt, die stündlich 120 Liter Gas verbraucht. Für das Wohnungslicht ist eine jährliche Brenndauer von durchschnittlich 1150 Stunden in Ansatz gebracht worden, so daß der Gesamtverbrauch einer Flamme sich im Jahre 5 138 Kubikmeter beläuft. Bei einem Gaspreis von 17 Pfg. für ein Kubikmeter macht das jährlich 23,46 Mk. Der Magistrat hat diesen Betrag auf 24 Mk. nach oben abgerundet und will hierfür je eine Flamme ohne Gasmesser für die Dauer eines Jahres zur Verfügung stellen. Die Gebühren sollen monat⸗ lich im voraus erhoben werden, und zwar während des Sommerhalbjahres mit 1,50 Mk., während des Winterhalb— jahres mit 2,50 Mk. monatlich. Die Gebühren sind nach dem durchschnittlichen Verbrauch eines Jahres bemessen,„und des⸗ halb ift es nicht angängig“, so heißt es in der Magistratsvor⸗ lage,„für einzelne Monate die Beleuchtung abzu⸗ melden und je nach Lichtbedarf wieder anzumelden. Die Ge⸗ bühren sind für das ganze Jahr zu entrichten und die Ver⸗ pflichtung zur Zahlung der Gebühr erlischt erst mit dem Auf⸗ geben der Wohnung oder endgültiger Abmeldung; für die⸗ selbe Wohnung wird eine Wiederanmeldung von demselben Mieter in der Regel nicht angenommen.“ Vorbedingung für die Einrichtung ist, daß eine Steigleitung bereits vorhanden ist. Für die Einrichtung selbst ist eine Gebühr von 3 Mk. zu entrichten.— Die Stadtverordneten stimmten der Vor⸗ lage zu.
Die Petroleum⸗Versorgung. Die Versorgung der deut⸗ schen Bevölkerung mit Petroleum liegt in den Händen dreier großer Petroleum⸗Importgesellschaften. Nach einer zwischen der Regierung und diesen Gesellschaften getroffenen Ver⸗ einbarung sind die Verkäufe von Petroleum an Zwischen⸗ händler in der Zeit vom 1. Mai bis 1. September eingestellt worden. Wie das Berliner Tageblatt in seinem Handelsteil berichtet, ist die Versorgung mit Petroleum für die kommen⸗ den Wintermonate in folgender Weise geregelt:„Die ein⸗ zelnen Firmen werden in einem prozentualen Verhältnis an den jeweils verfügbaren Vorräten beteiligt, und zwar in An⸗ lehnung an ihren früheren Verbrauch. Naturgemäß find die Vorräte zurzeit nicht derart, daß ein hoher Prozentsatz für den Teil der Kundschaft zur Verfügung gestellt werden kann, der kein Anrecht auf vorzugsweise Befriedigung hat. Im allgemeinen wird das Prinzip verfolgt, daß die einzelnen Händler Ware von den Importgesellschaften erhalten, die sie früher bedienten. Doch haben die drei Gesellschaften zur Vereinheitlichung der Versorgung der Lagerungen, Trans⸗ porte usw. eine Art Verteilungsabkommen getroffen, nach dem manche Plätze ausschließlich von der einen, manche Plätze wieder von einer anderen Gesellschaft versorgt werden. Am ungünstigsten scheinen solche Händler abzuschneiden, die vor dem Kriege nicht von einer der großen Importgesellschaften Petroleum bezogen haben, sondern hauptfächlich von kleineren Importfirmen versorgt worden sind. Da ihre früheren Lieferanten gegenwärtig nur geringe Mengen importieren können, werden diese Händler in der Versorgung gegenüber jenen benachteiligt sein, die mit einer der großen Gesell⸗ schaften gearbeitet haben. Allerdings soll es sich dabei nur um wenige Firmen handeln, da vor dem Kriege der weitaus größte Teil des Importhandels durch die großen Gesell⸗ schaften besorgt worden ist. Händler, die früher von Grossisten bezogen haben, dürften indirekt beteiligt werden, da die Grossifsten ihr Petroleum im allgemeinen von den großen Importgesellschaften bezogen und infolgedessen in dem Ver⸗ teilungsplam eine entsprechende Berücksichtigung gefunden haben. Händler, die erst nach dem Kriegsausbruch das Petroleumgeschäft aufgenommen haben, sind nicht an den Bezügen beteiligt.“
Kriegsanleihe⸗Zwischenscheine. Bei der zweiten Kriegsanleihe war die Ausgabe von Zwischenscheinen nicht vorgesehen. Dabei hat sich die Verabfolgung der Schuldverschreibungen angesichts der über⸗ aus großen Zahl(6 667 476 Stücke) trotz Anwendung aller zu Ge⸗ bote stehenden technischen Mittel nicht mit der erwünschten Beschleu⸗ nigung durchführen lassen und wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Es ist daher eine gewisse Beunruhigung entstanden. Um solchen Schwierigkeiten bei der dritten Kriegsanleihe vorzubeugen. sollen bei dieser für Beträge von 1000 Mark ab Zwischenscheine auf Antrag abgegeben werden. Im übrigen wird für schnelle Herstellung der Schuldverschreibungen, sowie nur irgend möglich, Sorge ge⸗ tragen werden. Hierbei sollen die kleinen Wertabschnitte in erster Linie Berücksichtigung finden. Es bedarf kaum der Hervorhebung, daß eine Verzögerung der Aushändigung der Schuldverschreihun⸗ gen auf die Sicherheit und Rechtzeitigkeit des Zinsenbezuges keinen Einfluß hat. Dies gilt auch von den Eintragungen in das Reichs⸗ schuldbuch, falls dem Zeichner wegen der großen Zahl der Anträge (annähernd 300 000) die Bescheinigung über die Eintragung noch nicht zugegangen sein sollte.
Was sind Stückzinsen? Nach der Bekanntmachung über die dritte Kriegsanleihe beginnt der Zinsenlauf dieser Auleihe erst am 1. April 1916. Der Erwerber erhält also erstmals am 1. Ok⸗ tober 1916 Zinsen, und zwar für die Zeit vom 1. April bis 1. Ok⸗ tober des genannten Jahres. Der Grund liegt darin, daß die Stücke der Anleihe unbedingt vor dem ersten Zinstermin fertig⸗ gestellt und ausgehändigt sein müssen, weil nur gegen Abgabe eines Zinsscheines den Stlickebesitzern die Zinsen gezahlt werden können. Ebenso miüssen die Eintragungen in das Schuldbuch sertiggestellt sein, ehe eine Zinszahlung an die Schuldbuchgläubiger geschehen kann. Nun würden aber Reichsdruckerei und Reichsschuldenver⸗ waltung nicht imstande sein, die Stücke der Kriegsanleihe bis zum März n. J. sämtlich zu liefern und die Eintragungen in Reichsschuldbuch bis dahin sertigzustellen, zumal es bis jetzt nicht möglich ist, diese Arbeiten für die zweite Kriegsanleihe ganz iu be⸗ enden. Es war deshalb nichts anderes möalich. als der J. Ottuber
fleisch kaum noch zu bezahlen ist.
das lichen
nächsten Jahres zum ersten Zinstermin zu wählen. Selbstver⸗ ständlich erwartet das Reich von den Zeichnern aber nicht, daß sie ihm ihr Geld bis zum 1. April u. J. zinslos lassen, vielmehr darf der Zeichner von feder Zahlung 5 Proz. bis zum 31. März n. J. gleich bei der Zahlung abziehen. Diese gleich bei der Zahlung zu verrechnenden Zinsen für die Zeit zwischen dem Zahlungstage und dem Beginn des Zinsenlaufs des ersten Zinsscheines sind die in der Bekanntmachung(siehe Ziffer 8) erwähnten Stückzinken. Die ersten Zahlungen auf die Anleihe können am 30. September ge⸗ leistet werden. Von da bis zum Beginn des Zinsenlaufs ist es ge— rade ein halbes Jahr, und so betragen die Stückzinsen, die an die⸗ sem Tage von den Zahlungen abzurechnen sind, genau die Hälfte eines Jahreszinses oder Mk. 2,50 für je Mk. 100,.—. Wer also am 30. September die Zahlung auf Mk. 100,— Kriegsanleihe leistet, braucht tatsächlich nicht den Emisstonspreis von Mk. 99, sondern nur Mk. 90,50 zu bezahlen. Damit hat er dann aber seine Zinsen für die Zeit bis zum 31. März 1916 vorausempfangen und erhält nun erstmals wieder Zinsen am 1. Oktober 1916, und zwar für die Zeit vom 1. April bis 30. September des genannten Jahres. Vom 18. Oktober, an welchem die erste Rate bezahlt werden muß, bis zum 31. März sind es 162 Tage. Die Stückzinsen für diese Zeit betragen 2,25 Proz.: von den am 18. Oktober geleisteten Zahl⸗ ungen gehen also ab Mk. 2,25, und die tatsächliche Zahlung beträgt nur Mk. 90,75 für je Mk. 100 Nennwert. Dieser Betrag ist denn auch für sämtliche Zahlungen an die Post maßgebend, weil diese laut Ausschreibung zum 18. Oktober geleistet werden müssen. Für jede 18 Tage, um die sich die Einzahlung weiter verschiebt, er⸗ mäßigt sich der Stückzinsenbetrag um 0,25 Proz.; für den zweiten Einzahlungstermin, den 24. November, beträgt er Mk. 1.75, die tatsächlich zu leistende Zahlung also Mk. 97,25 für je Mk. 100,— Nennwert. Bei den Schuldbuchzeichnungen gehen an den nach Vorstehendem zu zahlenden Beträgen jeweils noch 20 Pfennig ab.
— Parteigeuossen im Kriege. Wie schon öfters erwähnt wurde, sind unsere Partei⸗Organssationen durch den Krieg stark in Mit⸗ leidenschaft gezogen worden und ebenso, vielleicht noch stärker, die Gewerkschaften. In manchen Wahlvereinen des Gießener Kreises sind nur noch ganz wenige Mitglieder vorhanden, faft alle find ein⸗ gezogen worden.— Wie sehr die Organisationen durch die Ein⸗ berufungen geschwächt werden, zeigt ein Bericht über eine Aufnahme in der Hamburger Partei vom 30. Juni dieses Jahres. Bis zu diesem Tage waren in den drei Hamburger Wahlvereinen nicht weniger als 21127 Mitglieder zum Militär eingezogen; 45184 männliche Mitglieder waren in den genannten Vereinen am 31. März 1914 vorhanden. Gefallen find von den organisiertem Ge⸗ nossen der drei Hamburger Wahlkreise 746 Mann, davon 433 ver⸗ heiratet und 313 ledig.
— Wie die Lebensmittel verteuert werden. Der Frkft. Ztg. wird geschrieben: Ein lehrreiches Beispiel für das Zustandekommen hoher Gemüsepreife gibt C. Weigelt(Erfurt) in den Marktberichten des Deutschen Pomologenvereins in Eisenach: Die Erfurter Blumenkohlzüchter haben in der Woche vom 29. bis zum 28. August für ausgesucht schönen Erfurter Blumenkohl 6 Mark fiir 60 Stück, also für einen Kopf 10 Pfennig, nach Abzug ihrer Un⸗ kosten für Fracht und Anfuhr nach Berliner Markthallen erhalten. Wenn man hierauf 33% Prozent aufschlägt— und das ist sehr viel, denn es wird von Erfurt nach Berlin nur waggonweise geliefert— dann kostet dem Händler in Berlin der Kopf Blumenkohl rund 15 Pfennige. Nach dem Berliner Marktbericht vom 26. August kosteten in Berlin 100 Stück Erfurter Blumenkohl 20 bis 35 Mark. Das ift durchschnittlich 27% Pfennige für den Kopf. Der Züchter bekommt 10 Pfennfge, der Händler verdient 12½ Pfennige am Kopf. Im Kleinhandel kostet der Kopf Blumenkohl in Berlin 50 und 60 Pfennige.— Bei uns in Gießen kosten schäne, große Blumenkohl⸗ köpfe ebensopfel. Sie passieren, ehe sie an den Konsumenten ge⸗ langen, auch mehrere Hände und in jeder werden sie teuerer.
FF
ichnet die dritte Kriegsauleihe! Zeichnet die dritte Kriegsauleihe!
— Obstversteigerungen finden statt: Gemeinde Alten buseck, Montag, 13. September, von 8½ Uhr an beginnend, Anfang ist an der Kreisstraße Wieseck.— Gemeinde Beuren, Dienstag, 14. September, von vormittags 9 Uhr an, Anfang an der Kreis— straße nach Großen-Buseck.
— Obst⸗ und Gemüsemarkt. Jufolge der starken Aufuhr mit Obst usw. auf dem Wochenmarkt, Brandplatz, werden vom Sams⸗ tag, dem 11. September an, die mit Obst und Gemüse beladenen Wagen wieder auf Os waldsgarten aufgestellt.
— Der Verkauf von Frühäpfeln, der gestern von der Stadt im Hose der Bürgermeisteref vorgenommen wurde, hatte zahlreiche Käufer angezogen, obwohl der Preis von 10 Pfg. für das Pfund keineswegs als billig bezeichnet werden kann.
Die Zündhölzer. Der Bundesrat hat das Kontingent der Zündwarenfabriken für das Betriebsjahr 1915/16 herabgesetzt, und zwar, wie wir hören, auf 50 Prozent. Vor einer Reihe von Mo⸗ naten hatte der Bundesrat die Herftellung einer größeren Menge von Zündhölzern angeordnet, da sich ein Mangel an diesen infolge vermehrten Verbrauchs während des Krieges bemerkbar gemacht hatte. Dieser Mangel ist nun behoben, und demzufolge mußte das Kontingent flir die einzelnen Fabriken herabgesetzt werden, da nach gesetzlicher Bestimmungen Zündhölzer über den Bedarf hinaus nicht hergestellt werden dürfen. Eine Verteuerung der Zünd⸗ hölzer wird infolge der neuen Kontingentfestfetzung nicht eintreten, freilich auch keine Verbilligung.
Kreis Friedberg⸗Büdingen.
Vilbel, 7. Sept. Hessens ältester Lehrer, N Walther in Rendel, feiert am nächsten Donnerstag seinen 90. Ge⸗ burtstag. Der Greis ist zugleich auch der älteste Einwohner der
Gemeinde. Kreis Alsfeld⸗Lauterbach.
— Gute Verdienste der Landwirte. Aus Meiches im Kreise Schotten wird der Alsfelder Oberh. Ztg. berichtet: Recht nette Sümmchen lösen jetzt die Landwirte von ihren fetten Schweinen. Ein hiesiger Landwirt verkaufte dieser Tage eines seiner Borsten⸗ tiere im Gewichte von noch nicht ganz 2 Zentnern, welches ihm den schönen Betrag von 250 Mark brachte. Dabei sind die Schweine⸗ preise noch fortwährend im Steigen; die Schweinehändler zahlen jetzt schon 1.40 Mk. für das Pfund Lebendgewicht.— Kein Wunder, daß in der Stadt(und auch auf dem Lande) das Schweine⸗ In dieser Kriegszeit haben die
Landwirte in der Tat gute Zeiten.
Kommunales.
— Eine Stadtvertretung. Das Kölner Stadtverordneten⸗ kollegium hat die diesjährigen Ergänzungswahlen auf Anfang No⸗ vember festgesetzt. Ob es zu einem Wahlkampf kommen wird, steht noch dahin. Wahrscheinlich werden das Zentrum und die Libe⸗ ralen— Sozialdemokraten gibt es im Kölner Rathause nicht— die Mandate burgfriedlich unter sich verteilen. Es sitzen im Kölner Rathause: Dreißig Großkaufleute, Finanzkapitalisten und Indu⸗ strielle, sieben Rentnex, zwei Handwerker, sechs Rechtsanwälte und Notare, drei Gumnastalprofessoren, zwei Aerzte, ein Gutsbesitzer, ein Wirt, ein Chemiker, zwei Privatangestellte, zwei Arbeiter, Mindestens 14 der Stadtverordneten sind Millionäre, meist vielfache Millionäre, fünf sind Kommerzienräte oder Geheime Kommerzienräte. Von den ganzen sechzig Stadtverordneten sind mur zwei selbst Wähler der dritten Klasse, in die sieben Achtel der Kölner Bürger zusammengedrängt sind. Da der eine der christ⸗ Arbeitervertreter schon seit vielen Monaten in französischer Gefangenschaft ist, sind hunderttausend Kölner Arbeiter im Rat⸗ harte zurzeit durch einen Stadtverordneten vertreten. U
8 5 e
Telegramme.
Der österreichisch⸗ungarische Tages bericht Rufsischer Rückzug hinter den Ikwa. 20 Offiziere 4000 Mann gefangen. Schwere italienische Verluste.
Wien, 8. Sept.(W. B.) Amtlich wird verlautbart: 8. Sep; tember 1915.
Nuffischer Kriegsschauplagßz.
Im Wolhynischen Jestungsgebiet blieb gestern dig Lage unverändert. Einige rufsische Gegenangrisse brachen 2 unserem Feuer zusammen. Weiter südlich haben unsere Siege be Podkamien und Nadziwilow den Feind in einer Frontausdehnung von 90 Kilometern zum Nückzug hinter den Ikwa ge⸗ zwungen. Unsere Truppen verfolgen. Am Sereth kam es zu er⸗ bitterten Kämpfen. Der Gegner brach mit überlegenen Kräften aus seinen bei Tarnopol und Strusow eingerichteten brückenkopf⸗ artigen Verschanzungen hervor. Die bei Tarnoyol vordringen⸗ den Ruffen wurden durch einen Gegenangriff deutscher Truppen zurückgeworfen. Im Raume westlich und sü westlich von Trembowla ist der Kampf noch im Gange. Nächst Serethmündung erstürmten die unter Befehl der Generale Benigni und Fürst Schönburg stehenden k. u. k. Truppen die feindliche Stel⸗ lung nordwestlich von Szu parka, wobei 20 russische Offiziere und 4000 Mann gefangen genommen und sieben Maschinen⸗ gewehre erbeutet wurden. Bei den österreichisch⸗ungarischen Streitkräften an der Jassolda nichts Neues.
Ftalienischer Kriegsschauplaß.
Zm Naume des Kreuzbergsattels trat nach der vorgestrigen Niederlage der Italiener Ruhe ein. Ihre Verluste waren größer als anfänglich angenommen wurde. Denn beim Aufräaumen des Gefechts feldes zählten unsere Truppen allein vor der Pannspitze, der Eima Frufnoni und dem Eisenreichkamm über 400 Fein⸗ des leichen. Die Lage auf dem italienischen Kriegs schauplatz ist durchaus unverändert. Im Abschnitt von Doberdo wiesen unsere Truppen heute früh einen feindlichen Vorstoß gegen den vor⸗ springenden Teil der Karsthochfläche zurück. Italienische In⸗ fanterie, die sich östlich Vermegliano vorarbeiten wollte, wurde mit Handgranaten verjagt.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Feldmarschalleutnant.
8 4 Italienische Mißerfolge.
Wo immer die Italiener bisher einen Frontstoß, au welcher Grenzfront auch immer, machten, sie können noch so stark vorbereitete Einbrüche versucht haben, erlitten sie schwere Niederlagen und große Verluste. Zu ihren wiederholten Mißerfolgen im Küstenlande tritt nun das vollständige Scheitern ihrer Aktion an der Tiroler Grenze im Raume des Krenzbergsattels. Vor unferen dortigen Bergstellungen häufen sich die Leichen der gefallenen italienischen Soldaten. Angesichts dieses traurigen Ergebuffes haben die Italiener den weiteren Angriff eingestellt, und nach den heftigen Stürmen im Gebiete des Kreuzberges herrscht dort Ruhe. Belanglose Angriffe auf den nach Westen vorfpringenden Teil des Karstplateaus von Doberdo wurden leicht abgewiesen.
Nikolai Nikolajewitsch abgesägt!
Die Petersburger Telegraphenagentur gibt bekannt:
Der Zar hat dem Großfürsten Nikolai Nikolaje witsch folgenden Er la ß zukommen lassen:
„Zu Anfang des Krieges verhinderten mich Gründe höherer Art, dem Wunsche meines Herzens zu folgen und mich jelbft an die Spitze des Heeres zu stellen. Darum geschah es. daß ich Ihnen das Ober kom mam do über alle Streit⸗ krüfte zu Lande und zur See übertrug. Die Augen von ganz Rußland waren auf Sie gerichtet. Eure Hoheit hat im Laufe des Krieges den Beweis einer unerschütterlichen Tapferkeit gegeben, die ein tiefes Vertrauen hervorrief und die alle Russen mit ihren frommen Wünschen Ihnen durch alle die unvermeidlichen Wechselfällle des Krieges folgen ließ. Die Aufgabe, die Gott mir anwertraut hat, legt mir heute, wo der Feind in das Reich eingedrungen ist, die Pflicht auf, selbst den Oberbefehl zu über⸗ nehmen, um mit meinen Truppen die Entbehrungen des Krieges zu teilen und mit ihnen den ruffischen Boden gegen die Anschläge des Feindes zu beschützen. Die Wege der Vor⸗ sehung sind unergründlich, aber meine Pflicht und mein Wunsch bestärken mich in dieser Aenderung, die aus Staats⸗ gründen notwendig ist. Der Einfall des Feindes aus den Westen macht stets weitere Fortschritte und fordert vor allem eine möglichst kräftige Konzentration a[ler mili⸗ tärischen und zivilen Autorität, sowie ein enges Zufammenschmelzen des Oberbefehles mit der Autorität aller Verwaltungselemente. Dies kann unsere Aufmerksamkeit von der Südfront ablenken. Deshalb sehe ich die Notwendigkeit ein, von Ihrer Hilfe auf der Südfront Gebrauch zu machen, und ich ernenne Sie zum Unterkönig des Kaukafus und Oberbefehlshaber des Kaukasusheeres. Ich bezeige Euer Hoheit meinen tiefsten Dank und den Dank des Vaterlandes für die Anstrengungen, die Sie in diesen Kriege auf sich genommen haben.“ ö
*
Ein vom Zaren unterzeichneter Armeebefehl vom 15. d. M., ist an der Front bekannt gemacht worden. Er bezieht sich darauf, daß der Zar den Oberbefehl über alle Streikräfte zu Wasser und zu Lande, die an dem Kriege teilnehmen, selbst übernimmt und lautet:
„Mit dem festen Vertrauen auf Gottes Hilfe und mit dem umerschiitterlichen Glauben in den endgült igen Sieg werden wir unsere heilige Pflicht zur Verteidigung des Vaterlandes bis zum Aeußersten erfüllen. Wir werden keine Schande über Rußland bringen. Gegeben im Hauptquartier. gez. Nikolaus.“
8 Der Großfürst Oberbefehlshaber hat folgenden Tages⸗ befehl an die Truppen gerichtet:
„Tapferes Heer und Flotte! Heute hat unser erhabener oberster Chef, Seine Mafestät der Kaiser sich selbst an die Spitze der Armee gestellt. Ich ehre Euch wegen des Heldeumutes, dem, Ihr länger als ein Jahr gezeigt habt, und bezeuge Euch meinen herzlichsten und wärmsten Dank. Ich glaube fest, daß nun, wo der Zar selbst, dem Ihr Euren Eid geschworen habt, Euch führt, Ihr neue, niemals zuvor gesehene Waffentaten verrichten werdet. Ich glaube, daß Gott von heute an Euch feine allmächtige aus⸗ schließliche Hilfe verleihen und Euch zum Siege führen wird., gez. Nikolaus, Generaladjutant.“
Zur Kriegslage im Osten und Westen.
Der militärische Mitarbeiter der Frankft. Ztg. würdigt die neue Situation wie folgt:
Der Zar hat das Oenommando über die rufff ⸗


