hatte eine Ladung Eisen an Bord, das von Gefle nach Finn⸗ land bestimmt war. Ueber das Schicksal der Besatzung liegen Nachrichten nicht vor.

Arbeiterfragen in England.

22 verschiebene Arbeitergewerkschaften in der Graf⸗ schaft London versammelten sich in Woolwich und richteten eine Eingabe an den Munitionsminister, in, der ein Minim al⸗ lohn von 4 Schilling und ein Zuschlag von 10 Prozent für Stück⸗ lohn gefordert wurde. 5 1

Zum erstenmal seit Inkrafttreten des Mun ition 3e setzes wurde eine ernstere Strafe gegen Arbeiter verhängt. Es handelte sich um 26 Schiffsbauarbeiter, die ge streikt hatten, und von denen 17 zu 10 Pfund oder 30 Tagen Gefängnis verurteilt wur den. Der Fall zeigt übrigens, daß immer noch bei den Axbeitern eine starke Lässigkeit in der Ausübung ihrer Pflichten herrscht. Die 26 Arbeiter waren an dem Bau eines Schiffes beteiligt, und es wurde beobachtet, daß die Arbeiter Zeitung lasen, rauchten und die

Zeit vergeudeten. Zwei von ihnen wurden deshalb entlassen, wes⸗

halb die andern die Arbeit niederlegten.

Der morgen beginnende Kongreß der Trade Unions in Bristol wird der größte seit seiner Gründung im Jahre 1868 sein. Es werden etwa 600 Vertreter anwesend sein, die über 2 700 000 Ar⸗ beiter vertreten.(S. Leitartikel.)

Die Friede sresolution der französischen Gewerkschaften. die von der Mitte August in Paris abgehaltenen Gewerk schaftskonferenz abgelehnt und aus Zensurgründen auch nicht in der französischen Presse abgedruckt werden durfte, fordert die Beschleunigung irgendwelcher Friedensverhandlungen, weil ein großer Teil des arbeitenden französischen Volkes des Krieges überdrüssig geworden sei. Der Belagerungszustand in Frankreich.

Nach einer Pariser Meldung wird von morgen ab der Be⸗ lagerungszustand außerhalb der Armeezonen teil⸗ weise aufgehoben, und den Zivilbehörden, Präfekten und Bür⸗

germeistern werden wieder alle Polizeimachtbefugnisse erteilt, die sie zur Friedenszeit gewöhnlich ausübten.

Keine Mobilisierung in Spanien Paris, 5. Sept.(W. T. B. Nichtamtlich.) Das Journal meldet aus Madrid: Die Regierung hat die Nachricht über die Mobil machung von 300000 Mann im Oktober für falsch erklärt.

Das Flottenprogramm der Vereinigten Staaten.

T. U. Newyork, 5. Sept. Nach einer Mitteilung des Marinesekretärs Daniels wird das Flottenprogramm der Vereinigten Staaten bis Ende 1919 40 Schlachtschiffe um⸗ fassen. Der Minister gibt der Hoffnung Ausdruck, daß die Regierung für eine genügende Anzahl von Schiffen sorgen werde, um nicht nur die deutsche Flotte zu übertreffen, sondern auch der englischen gleichzukommen.

f Die Polenführer in Warschau.

Wie über Wien berichtet wird, sind die Führer der galizischen and der russischen Polen gegenwärtig in Warschau zu Beratungen versammelt. Es handelt sich um die Feststellung einer Erklärung, die sich auf die neugeschaffenen politischen Verhältnisse bezieht.

Der Reichskanzler und die Polen.

In einem Telgramm an den Reichskanzler hat sich der frühere polnische Reichstagsabgeordnete v. Ku lers ki, der Herausgeber der Gazetta Grudziaska, beschwert, daß gewisse deutsche Kreise den Polen Unannehmlichkeiten bereiten, wenn diese sich öffentlich ihrer Muttersprache bedienen. In den vor dem Kriege den Polen feindlich ge⸗ sinnten Teilen der Bevölkerung sei diese Gesinnung nicht schwächer geworden, sondern noch stärker ausgeprägt. Kulerski unterbreitete in seinem Telegramm dem Reichskanzler den Gedanken, eine Regierungserklärung zu erlassen, die allen Deutschen bekannt gibt, daß jetzt auch die polnische Bevölke- rung gleichberechtigt und die polnische Sprache nicht als eine fremde, sondern als eine Landessprache anzusehen und danach zu behandeln sei.

Auf seine Beschwerde hat Kulerski durch den Unterstaats⸗ sekretär Wahnschaffe folgendes Schreiben, datiert Berlin, den 14. August, erhalten:Im Auftrage des Herrn Reichskanzlers habe ich die Ehre, mit verbindlichstem Danke den Empfang Ihres Telegramms vom 5. August zu be⸗ stätigen. Der Herr Reichskanzler verurte ilt es ganz

Diethelm von Buchenberg.

Erzählung von Bertold Auerbach. 69

Der Staatsanwalt erwiderte, es sei gut, daß das nie mand anders gehört als er. Er ließ die Hand der Fränz los und fuhr fort zu berichten, daß der Advokat Rothmann, der Verteidiger Reppenbergers, darauf bestehen werde, Diet helm auf der Schwurbank zu sehen; lasse er es darauf an kommen, daß der Gerichtshof darüber entscheide, so mache das großes Aufsehen und rühre Altes, Eingeschlummertes wieder auf, das ohnehin sich schon wieder geregt habe, drum sei es am besten: Diethelm melde sich freiwillig.

Da tu' ich aber nicht, sagte Diethelm aufstehend,ich nehm' meine Fränz mit und reise noch in dieser Stunde nach Buchenberg. Was redet man von mir? Sagt's frei heraus.

Mit der größten Behutsamkeit erzählte der Staats- anwalt, daß, schon als Diethelm so rasch abgereist war, sich von Böswilligen ein verdächtiges Gerede über ihn kund gegeben habe, für dessen ersten Urheber er den Steinbauern halte. Als sich nun herausgestellt, daß die Schwiegermutter wirklich gestorben sei, habe alles geschwiegen. Wenn er aber jetzt abreise, gerade bevor man die Tür zu dieser Verhand lung öffne, werde sich der Verdacht wieder regen, und er sei es sich und seinen Kindern schuldig, gerade zu zeigen, daß er jeder Oeffentlichkeit sich mit freier Stirn bloßstellen könne. Diethelm weigerte sich noch immer und Fränz stellte sich auf seine Seite, indem sie zu ihrem Bräutigam sagte:Gustao, du bist sonst so lieb und gut und bist ein Herzenkenner, aber du kannst nicht ermessen, wie schwer das Gerichthalten dem Vater ankommt. Du bist es das ganze Jahr gewöhnt.

Ja, ihr seid Menschenmetzger und habt kein Mitleid mehr, fuhr Diethelm auf.

Der Staatsanwalt schluckte den Aerger über diesen Vor⸗

entschtleden, wenn Sie oder andere Burger des Aeiches wegen Gebrauchs ihrer Muttersprache Unannehmlichkeiten ausgesetzt gewesen sind. Nach Ansicht des Herrn Reichs⸗ kanzlers kann man jedoch aus solchen vereinzelten Vorkomm⸗ nissen, welche sicher alle rechtlich denkenden Deutschen be⸗ dauern werden, keine allgemeinen Folgerungen hinsichtlich der Stimmung im Lande oder hinsichtlich der Grundsätze der Behörden ziehen, welch letztere den Polen volle Gerechtig⸗ keit angedeihen lassen.

Aus der Haft entlassen und wieder in Schutzhaft.

Die Genossen Westkamp und Ochel in Düsseldorf, die am Donnerstag wegen Aufreizung usw. zu je 3 Monaten Gefängnis verurteilt und sofort auf freien Fuß gesetzt wurden, befinden sich seit Freitag früh wieder im Gefängnis. Als sie Freitag morgen zum Gefängnisbureau gingen, um ihre zurückgelassenen Sachen zu holen und abzurechnen, wurde ihnen erklärt, daß die vom Generalkommando verhängte militäxische Schutzhaft weiter be⸗ stehe und sie im Gefängnis bleiben müßten, was denn auch geschah. Dabei wurde aber am Donnerstag bei Verkündung des Urteils von dem Strafkammervorsitzenden u. a. ausdrlicklich erklärt, den An⸗ geklagten werden 6 Wochen der Untersuchungshaft auf die Strafe angerechnet, da die Angeklagten nicht in Haft behalten worden wären, wenn damals schon der heute ermittelte Tatbestand fest⸗ stand. Das Gericht beschließt, die Angeklagten sind aus der Haft zu entlassen. Das war am Donnerstag abend ½8 Uhr.

Die Russen wollen Halt machen.,

T. U. Kopenhagen, 6. Sept. Der Londoner Korre- spondent der Berlingske Tidende berichtet von einer Peters⸗ burger Nachricht, die das Ende des russischen Rückzugs an⸗ kündigt. In Petersburger Generalstabskreisen habe man erklärt, daß nach den russischen Plänen jetzt jene Front er⸗ reicht sei, die festgehalten werden solle. Es sei auch festzu⸗ stellen, daß die deutsche Offensive in den letzten Tagen, dank dem ungünstigen Gelände, merklich an Stoßkraft verloren habe.

Der russische Landsturm zweiten Aufgebots.

Wie die Vossische Zeitung indirekt aus Petersburg vom 5. September erfährt, hat die Reichsduma in geheimer Sitzung dem von der Regierung vorgelegten Gesetzentwurf, betr. die Einbe⸗ rufung des Landsturms zweiten Aufgebots, gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und bei Stimmenthaltung der Arbeiter⸗ partei zugestimmt. Die Vossische Zeitung bemerkt dazu: Für die Batterien fehlen die Geschütze, für die Kavallerie die Pferde. Ka⸗ vallerie und Artillerie kommen auch wegen der Länge der Aus⸗ bildungszeit kaum in Betracht. Es bleibt die Möglichkeit, gegen eine halbe Million Infanterie einzuberufen, was gegenüber den riesigen russischen Verlusten kaum ins Gewicht fällt.

Offensive der Verbündeten im Westen?

Dem italienischen Fachkritiker Obersten Barone, auch den französischen Schriftstellern gegenüber erklärte Generalissimus Joffre, er sei von dem Plane einer Offensive abge⸗ kommen, denn diese sei kaum durchführbar, ehe nicht die deutschen Pläne im Osten völlig ausgereift und die Absicht der dortigen militärischen Aufgaben zu sehen sei.

Wie dagegen aus Paxis gemeldet wird, erwarte man in Frankreich das Wiedereintreffen des eng⸗ lischen Thronfolgers an der britischen Front. Man bringt dessen Ankunft mit Gerüchten in Zusammenhang, wonach das englisch-französische Oberkommando wieder ein⸗ mal einen größeren Vorstoß gegen die deutschen Linien im Schilde führen soll. Wer hat nun recht?

Bulgarien einig und bereit?

Wie der Korrespondent des Corriere della Sera in Bukarest unterm 30. August meldet, hat sich in Bulgarien eine völlige Einigkeit aller Parteien vollzogen. Selbst Velja, das Organ Genadiews, schreibt: Der Moment ist gekommen, wo die Zerfahrenheit der bulgarischen auswärtigen Politik aufhören muß, wenn wir nicht wollen, daß andere bei uns befehlen. Gegenüber der Verzögerungspolitik von Athen und Nisch, angesichts des langsamen Vorgehens des Vier⸗ verbandes, muß Bulgarien klar und energisch antworten, daß es die Lehre von 1913 noch nicht vergessen hat, und daß es sich sein nationales Recht zu sichern wissen wird.

Die Neue Freie Presse erfährt aus Sofia: Die Militär⸗ behörden von Dedeagatsch haben angeordnet, daß die Straßen nicht beleuchtet werden dürfen, und daß bei anbrechender Dunkelheit in den Häusern das Licht au gelöscht werden muß. Die Stadt ist infolgedessen zur Nachtzeit in vollkommene

grernis gehuur. Ver Oris zu vieser rh e berschtedeneß Punkten der Stadt schwere 1 aufgestellt wurden, deren Stellung geheim gehalten w

den soll. f Die amerikanischen Friedensgerüchte. T. U. Kopenhagen, 6. Sept. Daily News schreibt einem Leitartikel: Noch sei es zu früh, an einen nahen Friedensschluß zu glauben, doch sei es wohl möglich, daß den starken amerikanischen Friedensgerüchten diesmal etwas Be. stimmtes zugrunde liege. Vorläufig müsse man S Einige der Hindernisse für Aufnahme der Frieden besprechungen seien jetzt schon gefallen. f Die japanische Intervention.

ichts der neuerdings mit großer B. . der Entsendung ei

stimmtheit t größeren japanischen schauplatz kommt in der Ausdruck, daß alle Bevö Japans am Weltkrieg in dem ablehnend gegenüberstehen. Die sichtlichen Maßnahmen im Par Kriegsnotizen. 95

Das Kriegsgericht in Mülhausen k. Els. hat v einigen Wochen den dortigen Spediteur Alfred Meyer weg Kriegsverrats zu lebenslänglichem Zuchthaus verurtei Dieses Urteil wurde angefochten und bei der neuerlichen Verhand lung hat das Kriegsgericht nunmehr auf die Todesstrafe er⸗ kannt. Dem Verurteilten wurde nachgewiesen, daß er den Franzo⸗ sen Nachrichtendienste geleistet hat. 45 5 Da die Mandate der jetzigen Abgeordneten zum raun⸗ schweigischen Landtag 1919 erlöschen, ist der Braunschw. Landesztg. zufolge eine Vorlage in Vorbereitung. wonach die Giltig⸗ keit der Mandate um eine Etatsperiode, das sind z wei Jahre, verlängert wird. 1 4 Die bremischen Bürgerschaftswahlen, die des Krieges wegen schon im Herbste des vorigen Jahres hinausges choben wurden, und zwar um ein Jahr, sollen nochmals auf ein Jahr ausgesetzt werden. Einen dahingehenden Gesetzentwurf hat die Wahldeputation an die Bürgerschaft gelangen lassen, der von dieser wie vom Senate angenommen werden wird. 8 In Sachsen sind im Laufe des Krieges mehrere Amnesti e erlasse und Verordungen erschienen, wonach Kriegstei nehmern bereits rechtskräftig erkannte Strafen erlassen oder die Strafverfügung gegen sie aufg ehoben wird. Nach Ermittlung 5 die bis Ende August reichen, wurden 12737 Begnadigungen auf Grund dieser Amnestieerlasse gezählt. 2 Der Hamburger Senat be i den Senaten von Lübeck und Bremen die Stiftung eines besondere⸗ Ehrenzeichens für Anerkennung besonderer Verdienste einzel⸗ ner im Kriege. Die Auszeichnung erhält die Form des früheren Hanseatenkreuzes. Die Auszeichnung ist deshalb bemerkenswert, weil die Senate der Hansestädte bisher weder einen Orden ver⸗ liehen noch annahmen. Im Gesamtbereich der preußisch⸗hessischen Staatsbahnen sand die Aufnahme der erbeuteten französischen, russi⸗ schen und belgischen Eisenbahn⸗Personen⸗ und Güterwagen statt. Die Zahlen gehen in die Tausende. 9 Wie Glasgow Herald meldet, sind augenblicklich Arzn ei mittel in England außerordentlich teurer als in Deutschland. Da der größte Teil der Arzneimittel vor dem Kriege aus Deutschland bezogen worden ist und nun England um Arznei mittel verlegen ist, kosten Salizylpräparate ungefähr siebenmal viel als in Deutschland, Acetanilide kosten sechsmal so viel, und Antipyrine werden zu einem Preis in Deutschland verkauft, der in England gerade lächerlich niedrig erscheinen muß, während Salienl azetyl nur den zwölften Teil in Deutschland kostet wie in London. Die Berner Tagwacht weiß zu erzählen: Ein in Lon dor lebender rufsischer Sozialist sandte einen Aufsatz an die Re daktion des Kommunist, des demnächst erscheinenden theoretischen Organs der russischen radikalen Sozialdemokraten. Die englische Zensurbehörde beschlagnahmte das Manuskript und über kieferte es, wie sie dem Absender mitteilte, wegen seinesausge⸗ sprochen revolutionären Inhalts der russischen Gesandt Ban in London. Das freie England der würdige Verbündete des Zaren 1 Nach der Libre Parole verkaufte der französische Staat alle Briefmarken automaten, weil sie deutscher Fabrikats sind. Die Automaten, welche den Staat 500 Franken pro Stück kosteten, wurden zu 9 bis 10 Franken pro Stück verkauft. Um der traurigen Lage der Juden in Rußland ein Ende zu bereiten, wurde laut Humanits in Paris eine Liga zur V teidigung der unterdrückten Juden gegründet. Sie wird zunächst der Oeffentlichkeit genaue Berichte über die Lage der Juden liefern, sodann den Kampf für die Gleichheit der Juden vor den Gesetz in allen Ländern aufnehmen und diese Ideen in periodischen Bulletins verbreiten.

schloß im Einvernehmen mit

wurf hinab und sagte, die Hand Diethelms fassend: Jetzt sag' ich wirklich, tun Sie es mir zulieb, ich kann es um Ihrer und meiner Ehre willen nicht dulden, daß nur ein Augenblinzeln meiner Kollegen den beleidige, den ich Vater nenne. Tun Sie es, so hart es Sie auch ankommt, um unserer Ehre willen. Ich bitte dringend.

Braucht nicht so bitetn, sagte Diethelm mit gepreßter Stimme, denn es wollte ihn bedünken, daß sein Schwieger⸗ sohn auch nicht frei von Verdacht war,braucht nicht so bitten. Ich tu's, ich tu's.

Der Staatsanwalt wollte ihn umarmen, aber Diethelm wehrte ab..

Alles war nun so heiter, als es die Trauerpflicht zuließ, und ohne noch irgendein Bedenken in sich aufkommen zu lassen, ging Diethelm zu dem Vorsitzenden und meldete sich freiwillig. Es wird ja noch immer gelost, und er kann frei werden, und ist es nicht, so wollte er sich als Mann zeigen, beschwichtigte er sich. Seine ganze trotzige Kraft war wieder in ihn zurückgekehrt.

Am Morgen, als die Gerichtsverhandlungen begannen, wurde Diethelm von seinen Schwurgenossen herzlich bewill kommnet; nur der Steinbauer blickte vor sich nieder und Diethelm heftete seinen Blick so lang auf ihn, bis er aufschaute und dann wie getroffen das Haupt wieder senkte. Das war ein Triumph, der schon viele Beschwerden aufwog. Auch der Rechtsanwalt Rothmann bewillkommnete Diethelm herzlich und lobte ihn wegen seines Wiederkommens. Bei jedem Namen, der aus der Urne gezogen wurde, war Diethelm voll Spannung, und er hatte wirklich die Freude, daß schon die Zahl elf voll und er noch nicht unter den Gezogenen war; aber nun machte Rothmann von feinem Ablehnungsrecht Ge brauch und verwarf sechs der Ausgelosten, bis Diethelm end

lich als letzter doch noch unter die Zahl der Geschworenen kam.

Er nickte ruhig und setzte sich auf seinen Platz.

Im Gerichtssaal wurde der Zuhörerraum, der nur durch ein Gitter abgeschieden war, gedrängt voll, und in der Loge der Schwurbank gegenüber saß ein Mädchen in Trauer kleidern: es war Fränz, die mit doppelt bangen Gefühlen Vater und Bräutigam in öffentlicher Wirksamkeit sag. Siͤe hatte sich kindisch gefreut, als dieser am Morgen be ihr eingetreten war in der schönen Uniform, sie hatte d blauen Militärfrack mit amarantrotem Kragen, das Bandalie- mit dem goldgefäßigen Degen und den Tressenhut mit wahren Jubel bewundert. 1

Die Anklageschrift wurde verlesen, und der Staak anwalt schilderte mit hinreißender Beredsamkeit die Verrucht heit eines Verbrechens, das immer mehr überhand zu nehmen drohe, Eigentum, öffentliches Vertrauen und öffentliche Moral zerstöre; und beschwor die zwölf Männer aus dei Volke, durch ihr Schuldig dieser alles verheerenden Ruchlosig⸗ keit einen Damm zu setzen. Fränz beugte sich weit hero 18, die glänzende Rede ihres Bräutigams sowie seine Erscheinung mußten ihr sehr gefallen. Reppenberger benahm sich klug und gewandt mitten in allem Kreuzverhör und wußte alles auf die unschuldigste Weise zu erklären, ja, er verstand es so-

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gar, mehrere Zeugen durch Fragen, die er an sie stellte, zu verblüffen. Den Betrug schob er auf seinen Geschäftsgenossen, der, vor kurzem entflohen, ihn betrogen habe, und nun hätten! schlechte Menschen ihm Feuer angelegt. Gegen Diethelm und die Geschworenen überhaupt schaute der Reppenberger kaum auf, er hielt den Blick fast ausschließlich auf die Richter gewendet, und nur manchmal beugte er sich hinter die Brüstung nieder und nahm eine Prise aus seiner bekannten birkenrindenen Dose. Eine große Zahl von Belastungs⸗ und Entlastungszeugen wurde verhört, und Diethelm stellte an] diese selbst einige sachgemäße und entscheidende Fragen. CFortsetung solat! 1

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