Handel und Gewerbe,

den gleichen Satz von rund 30 Prozent,

die Angreifer schwere und zeitraubende Hindernisse. Unsere trefflichen Truppen sind aller Mühen Herr geworden; nach dem Fall der äußeren Fortslinie dürfte die Einnahme der ganzen Festung und Stadt nur noch kurze Zeit auf sich warten lassen. Dann wird unseren Truppen im weiten Raum von Kowno und Grodno die Bahn zum Vormarsch freiliegen. Wilna und die großen Verbindungswege nach Nordosten liegen vor der Front der Rauhen Armeen.

Grodno zählt 45 000 1 1 5 Die Stadt im landschaftlich reizvollen Njemental vereint in ihren Mauern lebhafte Industrie, wobei ihr der Flußhafen des schiffbaren Njemen und die Kanalverbindung über Augustow mit der Weichsel zugute kommt. Es bestehen Fabriken für Tuche, Seide, Gewehre, Tabak, der Handel befaßt sich vor allem mit Getreide, Nub hol! und Hanf. An Baulichkeiten bietet die Stadt nicht viel. Das alte und das neue Schloß, dieses von August II. erbaut, dienen Militär gwecken. Das Gebiet, das Grodno und Olita beherrschen, zeigt bei hügeliger Oberflächengestaltung mit vielen tief einschnei idenden

a Flußläufen Kreideformation, die mit Versteinerungen durchsetzt ist. Der oberste Boden ist vorwiegend lehmig und sandig.

Der Wasser⸗ reichtum wird auch durch die; zactreichen Seen charakterisiert. Neben dem Ackerbau nimmt die Nubung des Waldes, der vom Gouverne ment ein Viertel der Gesamtfläche bedeckt, eine hervorragende Stel lung ein. Von der Bevölkerung stellen die Russen und Litauer fast auf die Polen entfallen 21 Prozent, auf die Juden 17 und ein Bruchteil auf deutsche Kolo⸗ nisten. Das westwärts der beiden Festungen liegende Gebiet, das zum Gouvernement Suwalli gehört, ist in der Nachbarschaft des linken Njemenufers meist flach, sehr Jeeureich und stark mit Wald und Flußläusen, teilweise auch mit Sümpfen durchsetzt.

Wo machen die Russen Halt?

Aus Wien wird der Frankf. Ztg. telegraphiert: Nach dem die zweite russische Verteidigungslinie in sehr kurzer Zeit gefallen ist, suchen die Russen eine dritte zu errichten. Nur über dasWo scheinen sie nicht ganz im Klaren zu sein. Ganz Rußland fragt, wo und wann seine Heere Halt machen werden, an der Beresina, an die sich so glorreiche Er innerungen knüpfen, am Dujepr oder noch weiter rückwärts? Orakelhaft genug sind ja die Worte der Heeresleitung, die dort erneut Front zu machen verspricht, wo das Gleichgewicht zzwischen den kämpfenden Heeren wieder hergestellt sein wird.

Die feindlichen Heere sind nördlich der Rokitno sümpfe im Rückzuge. Der Raum wird für sie aber von Tag zu Tag schmäler. Dabei steigt die Rüäcksichtslosigkeit der Offensive der siegreichen verbündeten Truppen, die unter energischen Kämpfen jeden Widerstand in wenigen Tagen brachen. Daran ändern auch die Verwüstungen nichts, welche die Russen überall anrichten und die weithin den Weg an zeigen, den sie einschlagen. Niedergebrannte Ortschaften, Ge höfte und Waldungen säumen die Straßen, soweit das Auge reicht, Flammen und dichte Rauchwolken, gesprengte Brücken, bis zum Grunde zerstörte Bahnanlagen.

Alles das hält die Verfolger nicht auf. Die vorzügliche Organisierung alles dessen, was hinter der Front folgt, bürgt für ungehinderten Nachschub und rascheste Aus besserung, selbst auch der größten Schäden. Ganze Ar- beiterheere folgen unseren Truppen: sie ar⸗ beiten mit emsigem Fleiß. An den Feldern und Straßen-

gräben liegen Gewehre und Ausrüstungsgegenstände in Menge. Die Zahl der Ueberläufer nimmt zu.

Auch am südöstlichen Teile des Kriegsschauplatzes, wo

unsere überraschende Offensive auf eine ausgeruhte schlag

bereite Armee traf, reihen sich Erfolge an Erfolge. Durch die umfassende Bewegung des linken Flügels der Armee von Puhallo fiel der starke Brückenkopf Luck in wenigen Stunden. Die Armee bedroht die einzige Rückzugslinie. Südlich des Sumpfgebietes haben unsere Truppen gestern in breiter Front bei Luck und südlich davon flußaufwärts bis zu den Quellen des Styr diesen Fluß überschritten. Dabei ist ein infolge Teichbildung vielfach versumpftes Hindernis mit zahl reichen Untiefen glücklich überwunden worden. Die Straße von Luck, die über Rowno nach Zytomir und weiter nach Kiew führt, sowie die von Luck nach Dubno führende Straße sind dadurch in unseren Besitz gelangt. Dubno wird von 1 und Nordwesten bedroht.

Die Wertlosigkeit internationaler Staatsverträge

schildert der Labour Laeder in leider 1 Weise wie folgt:

Die meisten Menschen(in England! Red.) sind sich ganz darüber klar, daß in diesem Welttrauerspiel Deutschland der einzige Bösewicht ist. Gewiß ist seine auswärtige Politik aggressiv. Aber gilt das nicht von jeder auswärtigen Politik? Worin unterscheidet sich seine Politik wesentlich von derjenigen Rußlands, Frankreichs, Italiens, Japans oder auch von unserer eigenen? Das Credo der Diplomaten ist überall und immer das gleiche.

Vor dem Kriege hatten, wie wir wissen, unsereJunker für den Friedensfreund nur Spott ii brig. 7 falt ihnen als die Fata Morgana eines langhaarigen Trän mige sentimen⸗ tale Schwächlinge erwarteten Wunder, zu denen sich die menschliche Natur nicht aufschwingen konnte. Friede konnte nur mit dem tausendjährigen Reich kommen. Im harten Werktagsgeschäft der Politik war dafür kein Raum.Der euxropäische Papierkorb wird der Ort sein, wo alle Verträge schließlich hingelangen, schrieb Major Stewart Murray beifällig.

Heute sind unsere Junker indessen sehr erregt überein Stück Papier, über ein bestimmtes Stück. Kein Wort hört man von ihnen tber Japans Verletzung chinesischer Neutralität. Wir haben seit Kriegsbeginn einen Vertrag iiber Aegypten zerrissen. Rußland und England zeichneten 1907 einen Ver trag zum Schutze der Unversehrtheit und Unabhängigkeit Per siens. Der ist jetzt wertloses Papier. Morel hat uns einiges über Marokko und den Vertrag von Algeciras ge lehrt. Vor einigen Jahren riß Oesterreich den Berliner Ver trag in Fetzen. Es annektierte Bosnien und Herzegowina ent gegen seinem feierlichen Versprechen. Es nützte dabei die schwierige Lage der Türkei aus. Heute ist es ihr Verbündeter. Ich möchte wohl wissen, welche größere kriegführende Macht in den letzten zehn Jahren keinen Vertrag gebrochen hat...

Soweit der Labour Laeder. Wir bemerken zu den sonst vor trefflichen Ausführungen nur, daß der Deutschland vorgeworfene Bruch der Neutralität Belgiens ein Akt der Notwehr war gegen über der zweifellosen Absicht Frankreichs und Englands, durch Belgien in Deutschland einzufallen.

Der türkische Tagesbericht. Konstantinopel, 2. Sept.(W. T. B. Nichtamtlich.) Das Große Hauptquartier teilt mit: An der Dardanellenfront ereignete sich nichts Wichtiges. Bei Sedd-ül⸗Bahr bemühte sich der linke Flügel und die Artillerie des Feindes unter Vergeudung einer ungeheuren Menge Munition vergebens, unsere Schützengräben zu zerstören. Von vier mit Minen

werfern geschleuderten Bomben fielen zwei auf die Schützen⸗ gräben des Feindes, worauf dieser das Bombenwerfen ein⸗ stellte. Am 30. August zwangen unsere an den Meerengen aufgestellten Batterien feindliche Minensucher, die sich dem Dardanelleneingang näherten, zum Rückzuge. Diesel lben Batterien zerstreuten noch andere Minensucher, die in der Gegend der Spitze von Sedd⸗ül⸗Bahr erschienen und be⸗ schossen wirksam die Stellung der feindlichen Fußtruppen bei Sedd⸗ül⸗Bahr. Sonst nichts von Bedeutung.

Untergang eines englischen Truppen⸗ trausportdampfers.

T. U. Wien, 2. Sept. Wie die Reichspost aus Bukarest erfährt, liegen dort Telegramme vor, denen zufolge die Kambana berichtet: Ein englischer Trausportdampfer

1 odierte infolge Auffahrens auf eine Mine und sank. 320 icre, 1730 Mann Soldaten und die aus 300 Köpfen be⸗ stehende Besatzung ertranken. Bisher wurden 600 Leichen geborgen.

Italiens schlechte Finanzlage.

Rom, 2. Sept.(W. T. B. Nichtamtlich.) Die Idea Nazionale bringt einen bemerkens Swerten Artikel über den gedrückten Finanz⸗ markt Italiens, dessen augenblicklicher Zustand durch die folgenden Umstände beeinflußt sei: Erstens durch das Ausbleiben der Gelder, die früher die Ausgewanderten in großen Summen in die Heimat geschickt hätten; dafür seien jetzt diese Auswanderer selbst in ärm⸗ lichen Verhältnissen zurückgekehrt. Zweitens durch das Aufhören des Fremdenverkehrs, drittens durch die Notwendigkeit einer großen Einfuhr aus dem Auslande, der keine Ausfuhr gegenüber⸗ stände. Viertens durch die Zunahme des Verbrauches gewisser Waren und die Abnahme der Erzeugung verschiedener Ausfuhr⸗ artikel, beides infolge des Krieges. Fünftens dadurch, daß italie⸗ nische Waren durch Deutschland und Oesterreich-Ungarn auf dem Umwege über die Schweiz verkauft und italienische Kredite sofort einkassiert würden, während es für Italien unmöglich sei, seine Kredite aus Oesterreich-Ungarn zurückzuziehen. Sechstens durch das schnelle Aufkaufen gewisser Waren auf lange Zeit hinaus. Siebentens durch die Erhöhung des Umlaufs von Papiergeld, die sich im Anfange des Krieges wegen der aufgespeicherten Metall⸗ reserve nicht so schwer fühlbar machte, wie jetzt.

Aushebung des Jahrgangs 1916 in Italien.

Chiasso, 2. Sept. Gestern begann in ganz Italien das Aushebungsgeschäft des Jahrgangs 1916. Die Militär⸗ akademie von Turin entließ gestern 1200 Zöglinge als Offiziere zur Front. Durch Veröffentlichung im Amtsblatt wurden folgende neue Stellen geschaffen: 60 Obersten, 300 sonstige Stabsoffiziere und 1000 Hauptleute.

Das Scheitern der englischen Anseihe in

Amerika. Basel, 2. Sept.(W. T. B. Nichtamtlich.) Zürcher Zeitung meldet aus Amsterdam: Alle

Die Neue Nachrichten

aus Newyork und London bestätigen, daß die 115 en g⸗ lische Milliardenanleihe in bestimmte Zeit verschoben wurde. ist sie gescheitert. schen Schatzwechseln geradezu übersättigt.

Friedensaussichten?

London, 2. Sept.(W. T. B. Nichtamtlich.) Die Dafly⸗ News meldet aus Newyork: Der Herausgeber des Londoner Economist, Hirst, telegraphierte an die Newyork Tribune, daß die Besserung in der Behandlung der e eee Greys Bemerkung über die Freiheit der Meere in seiner un wort an den Reichskanzler und die Modifiz ierung des deut⸗ schen U-Bootkrieges auf eine Verringerung der Spannung zwecks hochdiplomatischer Absichten hindeuten.

1

In Wirklichkeit

Briefkasten.

U. Lang⸗Göns. Ein Einberufener, der rente bezen, behält den Anspruch darauf auch nach ene 175 stellung in das Heer. Diese Renten müssen auch wöhren er Dienstzeit gezahlt werden. Die Renten können den n der Bezugsberechtigten ausgehändigt werden, doch müssen die Frauen dazu eine von dem betr. Truppenteil beglaubigte Vollmacht ihres Ehemannes haben. Ferner ist der Antrag an die Berufsgenossen⸗ schaft zu stellen, die Rente an die Ehefrau zu zahlen.

Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen.

s erlag von Krumm& Cie., Gießen a Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. HOffenbach a. M.

Bekanntmachung

Es ist festgestellt worden, daß sich Mannschaften des ge⸗ dienten 1 1 5 urms, die erst nach dessen Aufruf (1. August 1914) das 45. Lebensjahr vollendet haben, Landsturmrolle gemeldet haben.

Solche Landsturmpflichtige werden hiermit aufgefordert, am

Montag, den 6. oder Dienstag, den 7. September 1915, vormittags von 8 bis 12 Uhr und nachmittags von 2 bis 6 Uhr, auf dem Standesamt im Rathaus am ee die Anmeldung unter Vorlage ihrer Militärpapiere nachzuholen 1

Unterlassung der Welpung wird nach den Militärgesetzen be⸗

vorher unfal1

straft. 0 Gießen, den 1. September 1915. J Der Oberbürgermeister. e Verkauf von Frühäpfel erkauf von Frühäpfel. Mittwoch, den 8. September, nachmittags 2 Uhr beginnend werden im Hofe des Stadthauses, Gartenstraße 2, etwa 2025

Zentner Frishäpfel(Kaiser Alexander, roter Calville, Prinzen⸗ apfel und Himbeerapfel) das Pfund zu 10 Pfg. gegen Barzahlung verkauft. Mengen unter 10 Pfund werden nicht abgegeben. Gießen, den 2. September 1915. Der Oberbürgermeister. 8 elle Verstorbene. Frau Marie Carl Jahre alt. Frau Paula Mattu ke,

geb, Rühl, in Wegtlar, 62 geb. Braun, 68 Jahre alt.

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