Der österreichisch⸗ungarische Tages bericht Die Festung Luck gefallen. Neue Durchbrechung der russischen Front.

Wien, 1. Sept.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: 1. September Russischer Kriegsschauplaßz.

Die Festung Luck ist seit gestern in unserer Hand. Das altbewährte salzburgisch⸗österreichische Zufanterie⸗Regiment Erz⸗

herzog Rainer Nr. 50 warf die Russen mit dem Bajonett aus dem Bahnhof und den verschanzten Barackenlagern nördlich des Platzes und drang zugleich mit dem flüchtenden Feinde in die Stadt ein,

die bis in die Abendstunden gesäuber! war. Der geschlagene Gegner wich gegen Süden und Südosten zurück. Bei Bialy⸗ Kamien in Nordost⸗Galizien durchbrach die Armee des

Generals v. Bühm⸗Ermolli in einer Ausdehnung von zwanzig Kilomeiern die feindliche Linie. Die solcher Art erlittene doppelte Niederlage zwang alle noch westlich des Styr kämpfenden

rufsischen Kräfte zum Rückzug hinter diesen Fluß. Die rück⸗ gängige Bewegung des Feindes dehnte sich im Laufe des heutigen

Morgens auch auf die Front bei Zborow aus, das gestern von der Armee des Generals Grafen Bothmer genommen wurde. An der Strypa mird noch gekämpft. Einer der russischen Gegen⸗ angrisse hatte gestern in der Gegend von Kozowa eine deutsche und eine österreichisch⸗ungarische Brigade auf einige Kilometer zu⸗ rückgedrängt. Der von unseren Truppen zur Vertreibung des Feindes angesetzte Flankenstoß veranlaßte die Russen, noch ehe er zur Wirkung kam, zu schleunig stem Rückzug auf das Ostufer der Strypa. Auch nördlich Buezacz wurden mehrere feind⸗ liche Angriffe abgewiesen, wobei der Gegner schwere Ver⸗ u st ee erlitt. f 8

Die Zahl der in den letzten Tagen in Ostgalizian und östlich von Wladimir⸗Wolynskif eingebrachten Gefangenen stieg auf 36 Offiziere und 15250 Mann. Jusgesamt wurden im Monat Aug usst von den unter österreichisch⸗ungarischem Ober⸗ befehl kämpfenden verbündeten Truppen 190 Offiziere und Feat Mann gefangen, 34 Geschütze und 123 Maschinengewehre er⸗

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Die Gesamtzahl der von diesen Streitkräften seit Ansang Mai eingebrachten Gefangenen beläuft sich auf 2100 Offiziere und 642 500 Mann. Die Zahl der bei diesen Operationen erbeuteten Heschütze stellt sich auf 394, die der Maschinengewehre auf 1275.

5 Italienischer Kriegsschauplatz.

Auf dem italienischen Kriegs schauylatz blieb die Lage unver⸗

ändert. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Feldmarschalleutnant.

Die Festung Luck.

Luck(sprich Luzk) ist die alte Hauptstadt Wolhyniens und hat weniger als 25 000 Einwohner. Sie liegt am Styr. Ihre Front deckt eine Zweigbahn der russischen Süd⸗West⸗ Linien. Mit ihrem Fall ist die russische Stellung westlich von Brody bedroht. Sie kann von dort aus leicht flankiert werden. Auch nach Ostgalizien muß sich die Wirkung dieses Sieges fühlbar machen und die Russen zum Aufgeben ihrer Stellungen zwingen.

Das neue russische Heer

T. U. Petersburg, 1. Sept. Gestern wurden durch öffentliche Maueranschläge die nichtgedienten Reservisten zwischen 19 und 37 Jahren unter die Fahnen berufen. Diese Kontingente werden der Klasse 1916 beigefügt, die bereits ihre Instruktion begonnen hat und zusammen mit den Reservisten eine neue Armee von 2600 000 Mann bilden soll.

Das russische Heer gespalten.

Kopenhagen, 1. Sept Politiken schreibt in der Kriegs fibersicht: Das Hauptergebnis der Kämpfe in den letzten Tagen hinter Brest⸗Litowsk ist, daß die Russenheere durch die großen Sumpfstrecken so gut wie in zwei Gruppen, eine nördliche und eine südliche, getrennt wurden. Die einzige noch in Betracht kommende Bahn reiche aber nicht aus, die Verbindung zwischen so großen Heeresmassen aufrechtzu erhalten, geschweige die notwendigen Truppenverschiebungen zu besorgen. Deshalb sei das, was die Russen bisher zu vermeiden gesucht haben, eingetroffen: ihre Heere bilden keine zusammenhängende Einheit mehr.

DeutscheTauben im Osten.

T. U. Stockholm, 1. Sept. Die Tauben entwickeln auf der fanzen Ostfront eine lebhafte Tätigkeit von Riga bis Luck. Ueber Wilna wurde einc ganze Flottille gesehen. In der bereits geräum⸗ ken Stadt wird Tag und Nacht Kanonendonner gehört. Die sämt⸗ lichen Einwohner flüchten auf gemieteten Wagen. Die Fuhrleute sordern riesige Preise. Sämtliche 40 Lazarette sind fortgeschafft. Die Lebensmittel sind fast vollständig verschwunden. In Roga sind 30000 Menschen zurückgeblieben. Arbeitslosigkeit, Plünderungen und Diebstähle sind an der Tagesordnung. In ganz Rußland ist ein neuer Eisenbahnsahrplan mit starken Zug-Verringerungen eingeführt worden. Die Verbindung zwischen Zentral- und Süd- Rußland ist jast unterbrochen. Umbildung des russischen Ministeriums? Kopenhagen, 1. Sept. Berlingske meldet aus Peters burg: Birschewyja Wjedomosti nennt als Goremykins Nach folger Kriwoschein oder Rodzianko. Gleichzeitig der Ministerverantwortlichkeit nach westeuropäi schem Vorbild erfolgen. Insgesamt sollen zehn Minister er nannt werden, wovon fünf ohne Portefeuille und Stimme, so daß der eigentliche entscheidende verantwortliche Staatsrat nur aus fünf Mitgliedern bestehen würde.

London, 1. Sept. Die Times meldet aus St. Peters

burg, daß dort ein hartnackiges Geruce in umtauf ser,- nach der Vorsitzende der Duma Rodzianko binnen kurzem zum Ministerpräsidenten mit ausgedehnter Befug⸗ nis zur Zusammenstellung eines neuen Kabine tts er⸗ nannt werden soll.

Der Kämpf an den Dardanellen. Die Verluste der Verbündeten.

Konstantinopel, 1. Sept.(W. T. B. Nichtamtlich.) Nag weiteren Nachrichten von den Dardanellen treten die von den Engländern und Franzosen in den jüngsten Kämpfen bei Anaforta erlittenen ungeheuren Verluste immer mehr zutage. Nördlich Azmakdere allein, wo der An⸗ griff des Feindes verhältnismäßig schwächer war, wurden 3800 Tote gezählt. Die Verluste des Feindes müssen in den Abschnitten, in denen die Kampfaktion heftiger war, weit größer gewesen sein.

Schlechte Stimmung in Rom und Paris.

Die Idea Nazionale erklärt zur Haltung von Bulgarien, daß die militärische Bedeutung der kleinen Balkanstaaten nicht überschätzt werden dürfe. Der Vierverband müsse sich auf sich selbst verlassen. Der Krieg der großen Nationen müsse auch von großen Nationen entschieden werden.

Die Berlingske Tidende meldet aus Paris: In Paris ist die Stimmung sehr gedrückt infolge der wider⸗ sprechenden Nachrichten aus Bulgarien. Man glaubt immer noch nicht, daß das Abkommen abgeschlossen ist und klammert sich an die Hoffnung, daß Spaltungen innerhalb des bul⸗ garischen Kabinetts auftreten.

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Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. Verlaa von Krumm& Cie., Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. M.

Bekanntmachung.

Mit Wirkung vom 1. September 1915 an werden für die Stadt Gießen folgende Höchstpreise festgesetzt: 1. Roggenbrot 4 Pfund⸗Laib 68 Pfg. 2 Pfund⸗Laib 34 Pfg. 2. Brötchen(50 Gramm) 4 Pfg. Das Verkaufsgewicht des Brotes muß noch 24 Stunden mach dem Backen vorhanden sein. 3. Für das Pfund Mehl beim Weiterverkauf durch Bäcker und Händler: a) Roggenmehl 20 Pfg. b) Weizenmehl 23 Pfg. c) Weizenauszugsmehl 28 Pfg. Gießen, den 31. August 1915. . Der Oberbürgermeister. Keller.

Bekanntmachung.

Die Ausgabe der für die Zeit vom 6. bis 19. September 1915 gültigen Brotmarkenhefte findet Samstag, den 4. September 1915, vormittags 812 und nachmittags von 26 Uhr

statt. Die regelmäßige Ausgabe der Brotmarkenhefte erfolgt alle 14 Tage(Samstags) zu den angegebenen Stunden, eine befondere Bekanntmachung der Ausgabetage erfolgt nicht mehr. Gießen, den 31. August 1915. Der Oberbürgermeister: G e

Bekanntmachung.

Der Verkaufspreis für Kartoffeln aus den städtischen Bestän⸗ den wird von heute ab auf 4 Pfennig für das Pfund herabgesetzt. Es werden an den Verkaufstagen(Dienstag, Donnerstag und Samstag, vormittags von 812 Uhr) in dem Verkaufsraum Seltersweg 11 Mengen bis zu 2 Zentner abgegeben.

Gießen, den 1. September 1915.

Der Oberbürgermeister: Keller.

Wochenmarktverkehr.

Nachstehende Verordnung des stellvertretenden Generalkomman⸗ 0 dos des XVIII. Armeekorps vom 11. August 1915 wird hiermit be⸗

kannt gemacht. Gießen, den 19. August 1915. Der Oberbürgermeister. Keller.

Verordnung. Die Vertäufer auf dem Wochenmarkte, welche ihre Waren im Kleinen verkaufen, sind verpflichtet, an ihren zum Verkauf aufge⸗

stellten Waren den Verkaufspreis in deutlich lesbarer Schrift zur f

Kenntnis des Publikums zu bringen. Zuwiderhandlungen unterliegen der Bestrafung nach§ 9b des Gesetzes über den Belagerungszustand vom 4. Juni 1851.

Bekanntmachung

Am Dienstag, den 7. September 1915, nachmittags 3 Uhr, werden im Städtischen Hospital, Seltersweg 11, eine Anzahl Kleid⸗ ungsstücke, Möbel u. Haushaltungsgegenstände aller Art versteigert.

Gießen, den 31. August 1915.

Der Oberbürgermeister. (Armenverwaltung). J. A.: Schenck zu Schweinsberg.

zerau Aurgar. JunOrten, e woiggerm, Wernorvene. Frau arge Jm es geb. Landmann, in Burg⸗

48 Jahre alt. Frau Helene Werner, geb. Gemünden, 63 Jahre alt.

das bedeutet, daß eine Tasse, Kriegs-

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