der Verbündeten bedroht auch diese Linie
Aus der guten alten Zeit.
In bejahrten Berliner Magistrats⸗Akten hat man alte Rechnungen gefunden, die darüber Auskunft geben, was in Berlin bei den letzten Kriegen aufgebracht wurde. Es han⸗ delt sich dabei nicht um Ausgaben der Stadtgemeinde, son⸗ dern in der Hauptsache um freiwillige Leistungen aus den allgemeinen Steuern, und aus einer Personalunterstützungs⸗ steuer. Es wird da festgestellt, daß gelegentlich des Krieges von 1864, von den Unterstützungen an die Soldatenfamilien angefangen bis zu den Kosten für die Einzugsfeierlichkeiten insgesamt 158 419 Mk. ausgegeben wurden. Der Krieg von 1866 erforderte bereits 1 560865 Mk. und während des Krieges von 1870/71 betrugen diese Ausgaben 3 910 913 Mk. Was ist das gegen die heutigen Ausgaben der Stadt Berlin allein? Sie hat im ersten Kriegsjahr nur für Familien⸗ unterstützung 46,5 Millionen Mark ausgegeben. Dabei sind die weitergezahlten Gehälter an die Beamten und Ange⸗ stellten, sowie die Ausgaben für die Arbeitslosenunterstützung noch nicht inbegriffen.
Verzweifelte Lage der Nussen.
Die dänische Regierungszeitung Politiken hält jetzt die Lage der Russen für verzweifelt. Die deutsche Ver⸗ folgung habe in den letzten Tagen ein derartiges Tempo angenommen, daß die Widerstandskraft des russischen Heeres völlig gebrochen scheine. Der russische Rückzug geschehe mit derartiger Hast, daß er jetzt tatsächlich in Flucht ausgeartet sei. Die deutschen Heere näherten sich als drohende Sieger Wilna.
Im Berliner Lokalanzeiger heißt es zur kritischen Lage der Russen bei Kobryn aus Budapest: Die in der Gegend von Kobryn zusammengedrängten russischen Armeen befinden sich in einer kritischen Lage, weil durch das Vordringen der deut⸗ schen und österreichisch-ungarischen Truppen die meisten Rückzugslinien scharf bedroht sind. Nur der Weg nach Nordosten bleibt offen, aber das rasche Vordringen von Stunde zu Stunde wirksamer. Besonders jene russischen Armeen können in eine gefährliche Lage geraten, die sich, auf sumpfigem und waldigem Gebiet zusammenpreßt, eiligst zurückziehen.
Aufgabe der Festung Grodno durch die Russen?
Der Temps will wissen, daß laut einem amtlichen Tele⸗ gramm aus Petersburg die Festung Grodno, nachdem sie ihre Aufgabe als Stützpunkt der noch dort stehenden russischen Armee erfüllt habe, gleichfalls aufgegeben werden soll.
Bulgarien lehnt Serbiens Anerbieten ab!
T. U. Sofia, 31. Aug. Zuverlässigen Meldungen des Universul zufolge hat Bulgarien die ihm von den Gesandten des Vierver⸗ bandes unterbreitete Zusage Serbiens als ungenügend bezeichnet und auf Grund dieser unbestimmten Bereitwilligkeit hin eine be⸗
stimmte Erklärung abzugeben abgelehnt.
Zur Lage auf Gallipoli.
Der Vossischen Zeitung wird aus Konstantinopel zu den letzten für den Feind so überaus verlustreichen Kämpfen auf Gallipoli gemeldet: Auch die größten Opfer, die der Feind bringt, sind nutzlos. Unsere Stellungen bei Anaforta und Ari Burnu sind so unvergleichlich stark ausgebaut, daß auch mit einer bedeutenden Uebermacht nichts auszurichten ist. Die letzten Unterstützungen, die die Engländer nach Gallipoli gebracht haben, sind bereits aufgezehrt. Schon ihre Landung kostete ihnen schwere Opfer. Ihre Verluste in den Kämpfen am letzten Samstag dürften sich auf 40 000 Mann belaufen, darunter verhälnismäßig viele Offiziere. Englische Gefangene geben zu, daß man die Opferwilligkeit der türkischen Soldaten weit unterschätzt hat.
Der drohende Bergarbeiterstreik.
Der Londoner Daily Expreß stößt einen Warn ungs ruf aus. Die Waliser Bergarbeiter seien in einer Stim. mung, die nicht gestatte, auch nur 24 Stunden in Ruhe in die. Zukunft zu blicken. Die verhängnisvollsten Ereignisse könne man befürchten. Das gegenseitige Mißtrauen zwischen Bergwerksbesitzern und Bergarbeitern habe sich noch verschärft. Die Sicherheit des britischen Reiches beruhe auf den walisischen Kohlengruben. Es gebe keine andere Hilfe, als der Staat müsse sofort ohne Verzug die Bergwerke enteignen wie die Eisenbahnen.
Das ungefällige Japan.
Japan hat nach einer Depesche der New⸗Yorker Staatszeitung aus Tokio die großbritannische Regierung benachrichtigt, daß es unmöglich auf dessen Verlangen, den Handel mit Bürgern feindlicher Nationen im fernen Osten zu verbieten, eingehen könne. Großbritannien hatte vor kurzem eine Verfügung erlassen, wonach den Engländern der Handel mit deutschen und österreichisch⸗ ungarischen Staatsangehörigen in China, Siam und Persien ver⸗ boten werden sollte. Die japanische Regierung, von der Groß britannien eine ähnliche Maßregel erwartet hatte, zog führende Ge⸗ schäftsleute zu Rate und beschloß darauf hin, daß es sich der Be⸗ wegung nicht anschließen könnte und zwar hauptsächlich aus dem Grunde, weil die japanischen Gesetze eine derartige Maßregel nicht gestatten.
Amerikanischer Zinkmangel.
Amerikanische Blätter stellen fest, daß die von ameri⸗ lanischen Industriellen übernommenen Verträge über Liefe⸗ rung von Munition an England nicht erfüllt werden können, infolge des starken Mangels an Zink, denn die großen Zink⸗ minen in Amerika seien ersoffen und auf lange Zeit hinaus nicht betriebsfähig. Die belgischen Zinkminen, aus denen Amerika sich zum Teil versorgt habe, seien in den Händen der Deutschen. Es werden jetzt neue Schmelzöfen gebaut, die Amerika in Zukunft von Europa unabhängig machen sollen. Aber naturgemäß würde, bis die Sache in Fluß komme, geraume Zeit vergehen.
Parteinachrichten.
Kriegsjubiläum eines Parteiblattes.
Die Mainzer Volkszeitung kann in diesen Tagen auf eine fünf⸗ und zwanzigjährige Wirksamkeit zurückblicken. Nach dem Fall des Sozialistengesetzes gingen die Mainzer Genossen an die Schaffung eines neuen Parteiorgans. Die erste Nummer der Volkszeitung er⸗ schien am 21. August 1890. Das Blatt hat sich trotz vieler Schwierig⸗ keiten im Verlauf des ersten Vierteljahrhunderts seines Bestehens gut entwickelt und segensreich auf die parteipolitische und gewerk⸗ schaftliche Organisation des Wahlkreises Mainz⸗Oppenheim gewirkt. Aus Anlaß des Jubiläums erscheint eine Festnummer der Volks⸗ zeitung mit zahlreichen Beiträgen. g
Aus den Organisationen.
Am 29. August tagte in Eberswalde eine Kreiskonferenz für den Wahlkreis Ober⸗-Barnim, die sich mit den Differenzen zwischen dem Genossen Haenisch und Genossen des Kreises Nieder-Barnim befaßte. Das Resultat der langen Aussprache war die einstimmige An⸗ nahme folgender Resolution:
„Die Kreiskonserenz verurteilt die fortgesetzten Treibereien, durch die der Genosse Haenisch zur Niederlegung seines Abgeord⸗ netenmandates für die Kreise Ober- und Nieder-Barnim gezwun⸗ gen werden soll. Durch einen Erfolg dieser Bemühungen würde auch der Kreis Ober-Barnim in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Kreiskonferenz weist deshalb diese Bestrebungen zurück, da sie einem Urteil des Parteitages über die von Haenisch mit der Mehr⸗ heit der Reichstagsfraktion und des Parteivorstandes eingenom⸗ menen Stellung vorgreifen und ein Mandat preisgeben, das auf Grund zentraler Verhandlungen durch Mitwirkung der Partei⸗ genossen in ganz Preußen erobert wurde. Ueber dieses Mandat haben nicht die Genossen von Nieder-Barnim allein zu entscheiden. Die Kreiskonferenz fordert den Genossen Haenisch auf, an seinem Mandat unbeirrt festzuhalten.“
Protest der italienischen Sozialdemokratie gegen den Angriff Italiens auf die Türkei.
Der Vorstand der italienischen sozialdemokratischen Partei faßte anläßlich der Kriegserklärung an die Türkei folgende Resolution:
Angesichts des an die Türkei erklärten Krieges
hebt der italienische Parteivorstand hervor, daß die gegenwärtige
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Phase des Eingreifens Italiens in den europficen Krie Partei mit aller Energie e gesucht, 1 5 eständnisse der Regierung selbst,. 5 8 Tobischen Krieges, Npelcher von* fee ere ba allein bekämpft wurde, währenddem die Regierung 15 olk be und betrog. Die Folgen dieser Politik, kommen 505 1 ganzen tragischen Grausamkeit zum Vorschein, wobei sie Volke so viel Blut und dem Lande so viele Opfer kostet: erblickt der italienische Parteivorstand in den gegenwärtigen Vor⸗ gängen die Offenbarung derjenigen imperialistischen, nachdegemonie ö heischenden Politik, die alle Nationen verfolgen und 15 immer deutlicher zum Merkmal des gegenwärtigen Krieges wird, 9 8 der von der sozialistischen Partei vom Anfange des Weltkrieges bloß⸗ gestellt wurde und durch den— 57 85 nationalen Befrefungs, krieges nur kaum verhehlt werden konnte:. 5 1 betont, daß dieser 25 Krieg, der ohne Zustimmung der Volks. vertretung, ohne jegliche Beratung mit, dem Volke. welches man den Ereignissen ganz und gar ferne hält, als ein Mißbrauch der Machtbefugnisse, die der Regierung bei Anlaß des Krieges ertein worden, zu betrachten ist und als ein absolutistischer Versuch duch den die Regierung vergebens die Stimme der sozialistischen Parte 9 und der organisterten Arbeiterschaft zu unterdrücken sucht: stellt die Verschärfung der Verantwortlichkeit des gegenwärtigen politischen Regimes der Geschichte und den wahren Bedürfnissen des italienischen Volkes gegenüber fest, und indem er die bisherige Haltung der Partei in allem bestätigt und bekräftigt, 1 fordert der Parteivorstand die Sektionen auf, ihre Tätigkeit weiter zu entwickeln unter dem festen iber dere keinerlei Soli⸗ darität mit der kriegsfreundlichen Politik der italienischen und europäischen Bourgeoiste zu halten.„ 1
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Zeichnet die dritte Kriegsanleihe? Abermals ergeht an das gesamte deutsche Volk die Auf, forderung: ö Schafft die Mittel herbei, deren das Vaterland zur
weiteren Kriegführung notwendig bedarf! Seit mehr als Jahresfrist steht Deutschland einer Welt von Feinden gegenüber, die ihm an Zahl weit überlegen sind und sich seine Vernichtung zum Ziel gesetzt haben. Gewal. tige Waffentaten unseres Heeres und unserer Flotte, groß ⸗ artige wirtschaftliche Leistungen kennzeichnen das abge⸗ laufene Kriegsjahr und geben Gewähr für einen günstigen Ausgang des Weltkrieges, den in Deutschland niemand ge wünscht hat, auf dessen Entfesselung aber die Politik unseren heutigen Gegner seit Jahren zielbewußt hingearbeitet hat. Aber noch liegt Schweres vor uns, noch gilt es, alles einzu⸗ setzen, weil alles auf dem Spiele steht. Täglich und stündlich wagen unsere Brüder und Söhne draußen im Felde ihr Leben im Kampfe für das Vaterland. Jetzt sollen die Da- heimgebliebenen neue Geldmittel herbeischaffen, damit unsere Helden draußen mit den zum Leben und Kämpfen not⸗ wendigen Dingen ausgestattet werden können. Ehrensache ist es für jeden, dem Vaterlande in dieser großen, über dis Zukunft des deutschen Volkes entscheidenden Zeit mit allen Kräften zu dienen und zu helfen. Und wer dem Rufe Folge leistet und die Kriegsanleihe zeichnet, bringt nicht einmal ein Opfer, sondern wahrt zugleich sein eigenes Interesse, indem 1 er Wertpapiere von hervorragender Sicherheit und glänzen der Verzinsung erwirbt. 1 Darum zeichnet die Kriegsanleihe! Zeichnet selbst und helft die Gleichgültigen aufrütteln! Auf jede, auch die 1
kleinste Zeichnung kommt es an. Jeder muß nach seinem besten Können und Vermögen dazu beitragen, daß das große Werk gelingt. Von den beiden ersten Kriegsanleihen hat man mit Recht gesagt, daß sie gewonnene Schlachten be⸗ deuten. Auch das Ergebnis der laut heutiger Bekanntmachung des Reichsbank⸗Direktoriums zur Zeichnung aufgelegten dritten Kriegsanleihe muß sich wieder zu einem großen ent scheidenden Siege gestalten! 4
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Diethelm von Buchenberg.
Erzählung von Bertold Auerbach. 64
Martha verneinte, und Diethelm wiederholte seinen Vor— schlag nicht. Denn wie alles in der Welt seine vielfachen Gründe hat, so ging es auch hier. Diethelm wollte nicht nur zeigen, daß er keinen Gerichtshof scheue, er wurde auch von der Oede im Hause und den ewigen Klagen seiner Frau er— löst, wenn er sich davonmachte.
Diethelm hatte bei der bald darauffolgenden Amtsver— sammlung die Genugtuung, vom Amtmann Niagara— der so genannt wurde, weil er im Gespräch immer ein mächtig schmetterndes Gelächter erhob— mit besonderem Ruhme er— wähnt zu werden, während den anderen mit Recht vorgehalten wurde, daß sie gerne freie Staatseinrichtungen hätten, aber dafür keinen Tag aufwenden wollten, so daß ihnen schon jedes Wählen zu viel Mühe sei.
Diethelm sah stolz und selbstbewußt drein, und bei dem gemeinsamen Mahle, das nach der Amtsversammlung gehal— ten wurde, erhielt Diethelm den Ehrenplatz neben dem Amt— mann Niagara und half ihm tapfer lachen. Es gab besonders viel Witzreden über diejenigen, die da gehofft hatten, daß den Geschworenen reiche Taggelder aus der Staatskasse aus— gesetzt würden; der Steinbauer vor allem mußte sich viele Neckereien gefallen lassen, weil er auf sein Dispensationsgesuch einen abschlägigen Bescheid erhalten hatte. Der Angegriffene wagte es nicht, den Spässen des freundlichen Amtmannes entsprechenden Widerstand zu leisten, und ohne sich auf eine nähere Erklärung einzulassen, behauptete er, daß er doch noch frei werde.
Noch nie kam Diethelm frohgemuter nach Hause als von der heutigen Amtsversammlung, und er wünschte sich, daß die Gerichtssitzungen nur bald beginnen möchten. Die Ehren— bezeugungen von den Beamten taten ihm gar wohl.
Als der Tag der Abreise kam, wollte es Diethelm wiederum bange werden, es erschien ihm als ein gefährliches Spiel, das er mit sich treibe. Er nahm sein Gefährt nur bis G. mit, dort gesellten sich im Eilwagen die anderen Ge— schworenen zu ihm, der Sternwirt und der Steinbauer waren auch dabei. i
Es war das der erste Schwurgerichtstag seit undenklichen Zeiten, und alle Mitwirkenden waren in feierlich gehobener Stimmung, der der Vorsitzende des Gerichtshofes und der Staatsanwalt wie der Altmeister der Rechtsanwälte beredte Worte gaben. Besonders ein Wort des Vorsitzenden drang Diethelm ins Herz, denn er hatte gesagt:„Ein Verbrechen, das ungesühnt in der Seele ruht, gleicht dem Brande in einem Kohlenbergwerk; man stopft es zu und will das Feuer er— sticken, aber es brennt weiter, unterirdisch, ungesehen, und eine Oeffnung, die sich auftut, läßt die Flamme emporschlagen.“
Diethelm fühlte bei diesen Worten, wie es wirklich in seinen Eingeweiden brannte, er hätte laut aufschreien mögen vor Schmerz, aber er bezwang sich. Als jetzt die Rechtsgelehrten der verschiedenen Stellungen gesprochen hatten, trat eine Pause ein. Man erwartete eine Ansprache aus der Mitte der Geschworenen. Einer stieß den anderen an, er möge reden, und doch hätte jeder gern selbst gesprochen, die Pause dauerte peinlich lange, da erhob sich Diethelm. Er glaubte gerade besonders zeigen zu müssen, wie sehr er die Bedeut— samkeit der neuen Einrichtung erkenne; die Worte des Amt— manns bei der Wahlversammlung kamen ihm wohl zustatten, und hatte er sich vordem nicht gescheut, mit fremdem Geld und Gut groß zu tun, so hatte es mit einem fremden Gedanken gewiß viel weniger auf sich. Anfangs bebend, dann aber mit fester Stimme, wiederholte er, in seine Weise übertragen, jene Worte; und alle standen auf, als er plötzlich stotternd abbrach und die Hände faltend mit gehaltenem Tone das Vaterunser sprach.
Bevor die Namen der Geschworenen verlesen wurden, ließ der Vorsitzende durch den Gerichtsschreiber ein ärztliches Zeug⸗ nis vortragen, das der Steinbauer beigebracht hatte und das ihn befreien sollte. Nach kurzer, leiser Beratung erklärte der Schwurgerichtshof, daß die Befreiungsgründe nicht zureichend seien. Diethelm schaute mit triumphierendem Lächeln auf den Steinbauer, der aber keine Miene verzog.
Nun ging es an das Verlesen der Namen. Der Vor- sitzende nahm bald rechts, bald links die Zettel auf, die ihm die beiden Schwurrichter reichten, und warf sie in die Urne. Dieses Aufraffen, Ausrufen und Versenken der Namen hatte
geben. 1 Als jetzt die Namen aus der Urne gezogen wurden, ballte Diethelm bei jedem, der ausgerufen wurde, die Fäuste, um keinen Schrecken zu zeigen, wenn er den seinigen hörte, aben er kam nicht. Beim Namen des Steinbauern sprachen Staats-
anwalt und Verteidiger zugleich: Abgelehntl, worüber ein
Lächeln in der Versammlung entstand, und der Verteidiger
war ihm, als wäre er wie sein Name in fremde Gewalt ge⸗
mit höflicher Handbewegung die Ablehnung dem Staats- anwalt überließ. Der Steinbauer schaute herausfordernd auf 0 diethem, seine Mienen sagten: ich hab's gewußt, daß ich frei werde. Die zwölf Männer waren ernannt, Diethelm war nicht unter ihnen; er atmete frei auf. Nun aber erklärte der Vor⸗ sitzende, daß er noch zwei Ersatzgeschworene auslose, und der erste Name, der jetzt erschien, war der Diethelms. Als er mit schweren Schritten nach der Geschworenenbank an dem dicht? gefüllten Zuhörerraum vorüberging, hörte er dort sagen: „Schade, daß der nur Ersatzgeschworener ist, das wäre ein J tüchtiger Obmann geworden.“ Diethelm schloß die Augen, als er in seinem Armstuhl saß: der Ehrenzuruf aus den Zu hörern hatte ihm sein fast stillstehendes Herz freudig bewegt. Durch ein Geräusch wurde Diethelm aus seiner inneren Ver⸗ sunkenheit erweckt, die Stühle rutschten und brummten, die ganze ruhige Versammlung kam plötzlich in Bewegung; dort auf der Erhöhung, wo das Gericht saß, war es dunkel ge⸗ worden, denn die Mitglieder des Gerichtshofs, hinter deren 1 Rücken die Fenster waren, hatten sich erhoben 15 nun sprach der Vorsitzende den Geschworenen mit feierlicher Stimme ihren Eid vor, und einer nach dem anderen erhob die Hand und sprach:„Ich schwör' es, so wahr mir Gott helfe.“ Es waren ruhige, überzeugungsfeste Stimmen, und jeder, der es hörte, wie hier die innere Wahrhaftigkeit sich laut beteue mußte ergriffen und erschüttert werden. Es war eine recht⸗ sprechende Gemeinde, darin ein jeder aus Herzensgrund sein Bekenntnis aussprach, und über der ganzen Versammlung ruhte eine ernste Gehobenheit, denn die Heiligkeit des Be⸗ ginnens, der Geist der Wahrhaftigkeit schwebte darüber.
für Diethelm etwas Eigentümliches bang Rätselvolles. Es
(Fortsetzung folgt.) ——“


