schmachtetest. Für uns bestehst Du nicht mehr, für uns bist Du tot! Japan und Deutschland.

Der holländische Senator und Genosse Van Kol, der bekannt⸗ lich im holländischen Kolonialdienste tätig war, befindet sich seit einiger Zeit in Japan. Seine Sympathien gehören dem Vierver⸗ bande, besonders dem britischen Reiche. Um so merkwürdiger sind seine Ansichten über die Stimmung in Japan. Die in London er⸗ scheinende Independance Belge enthält in ihrer Nummer vom 18. d. Mts. eine längere Korrespondenz aus Arima, der wir folgendes entnehmen:

Es gibt eine starke deutschfreundliche Strömung unter den Japanern, die in Deutschland studiert oder dort gewohnt haben. Es gibt unter ihnen sogar eigensinnige Germanophilen. Zu dieser Kate⸗ gorie gehören eine große Anzahl von Armeeoffizieren; die Mehrheit der gelehrten Welt: Universitätsprofessoren, Mediziner, Ingenieure, Chemiker usw., dann auch manche Industrielle, Kaufleute und Bankiers. Diese Leute haben jedoch die Eroberung Tsingtaus ge⸗ billigt, da ihre Liebe zum Vaterlande stärker ist als die zu Deutsch⸗ land. Sie sind der Ansicht, daß es das Interesse ihres Vaterlandes ist, die fremden Mächte zu verhindern, eine Operationsbasis in der Nähe der japanischen Inseln zu besitzen. Sie sind überzeugt, daß Deutschland siegen wird; auf jeden Fall glauben sie sei an eine vollständige Niederlage der Deutschen nicht zu denken. Sie wünschen nicht, daß Japan in diesen Kampf ernst verwickelt würde; sie wünschen, daß Japan sich so wenig als möglich kompromittiert Die wundervolle Organisation, die Deutschland offenbart, sein methodischer Geist, seine Armee, die gleichzeitig von drei Seiten dem riesenhaftesten Druck, den man sich vorstellen kann, während langer Monate erfolgreichen Widerstand entgegensetzt all das erfüllt den Geist der japanischen Militaristen mit Bewunderung und übt auf sie eine wahrhaft bezaubernde Macht aus. Man gewinnt den Eindruck, daß sie sehr stolz sein würden, wenn ihr Land eines Tages eine ähn liche Rolle spielen und das Ansehen ernten könnte, das derartige Kämpfe zur Folge haben müssen. Der wilde Patriotismus der Teutonen ist nicht danach angetan, ihnen zu mißfallen.

Van Kol führt dann weiter aus, daß man in Japan an verschie⸗ dene Bündnispläne denke und daß man es nicht für unmöglich halte, enge freundschaftliche Beziehungen zu Deutschland herzustellen. Die Behandlung, die den Deutschen in Japan zuteil werde, sei außer⸗ ordentlich rücksichtsvoll. Graf Okuma habe bereits Anspielungen ge macht, daß ein Einverständnis mit einem siegreichen Deutschland möglich sei,um den Frieden im Orient auf eine dauernde Grund lage zu stellen. Der englische Einfluß sei zwar noch stark, aber er zeige die Tendenz, schwächer zu werden, und wenn die Engländer keinen großen Sieg erringen, so sei man berechtigt, zu glauben, daß ihr Einfluß rasch abnehmen werde. Im großen ganzen bestehe in Japan keine Neigung, Truppen nach Europa zu schicken, um gegen Deutschland zu kämpfen.

Die neue deutsche Kriegsanleihe.

Es bestätigt sich, daß die neue 5prozentige Kriegsanleihe zum Kurse von 99 Prozent herauskommen und ebenso wie die beiden Emissionen bis zum 1. Oktober 1924 unkündbar sein wird. Die Stücke sollen diesmal mit Zinslauf erst vom 1. April 1916 ab ausgegeben werden, sodaß der erste Zins schein am 1. Oktober 1916 verfällt. Es werden mithin die Zinsen für ein halbes Jahr vorweg gezahlt. Das geschieht, um für den Druck der Anleihescheine Zeit zu gesßinnen. Aller dings ist die Ausgabe von Zwischenscheinen in Aussicht ge Kommen, aber nur für Stücke von 1000 Mark ab.

Die Veröffentlichung des Prospekts der neuen Kriegs anleihe ist für den 1. September in Aussicht genommen. Zeichnung findet vom 4. bis 22. September statt.

5 Zur Lage in Rußland.

Das Hamburger Fremdenblatt berichtet: Nach Peters hurger Meldungen hat der Dumapräsident die in den letzten Tagen eingegangenen zahlreichen Interpellationen der linken Gruppen der Duma, in denen von der Regierung unter schärfsten Angriffen auf die Politik und militärischen Gesamtleistungen des Reiches Auskunft über schwebende militärische Fragen gefordert wird, nicht mehr zur Beratung gestellt. Die Polizei nahm bei mehreren Duma-Abgeord neten, darunter auch bei dem Abgeordneten Tscheidse, ohne Rücksicht auf die zur Zeit abwesenden Eigentümer, Haus suchungen vor.

Eine italienische Niederlage.

Wie nach verschiedenen Morgenblättern die

Die

Tiroler

Stimmen aus Innsbruck mitteilen, haben die österreichischen Truppen am Stilfser Joch die Italiener von dort verjagt und ihnen überdies den den Paß beherrschenden Scorluzzo⸗ Berg abgenommen. Der Paß selbst ist also völlig in öster⸗ reichisch-ungarische Hände übergegangen.

Sie können nicht!

Zu der italienischen Kriegserklärung an die Türkei wird aus diplomatischen Kreisen bekannt, kriegerische Taten Italiens gegen die Türkei seien ni cht zu erwarten, da Italien ein festes Programm in Europa habe. Italien sei augenblicklich durch den Kampf mit Oesterreich-Ungarn derart gebunden, daß seine Be⸗ teiligung an den Dardanellen unmöglich sei.

Die Befestigung des bulgarischen Hafens Varna.

T. U. Chiasso, 30. Aug. Wie die Tribuna aus Athen exfährt, hat Bulgarien den Hafen Varna im Schwarzen Meer mit schweren Geschützen ausgerüstet. Entgegen der Ansicht der politischen Kreise von Athen, die die Maßregel als gegen Rußland gerichtet erachten, glaubt das römische Blatt, daß Bulgarien damit sein Vorgehen gegenüber der Türkei bezeigen wolle.

DieArabic Affäre.

T. U. Newyork, 30. Aug. Die amerikanische Regierung ging auf das Ansuchen der deutschen Regierung ein, abzu⸗ warten, bis die deutsche Regierung eine Untersuchung über die Versenkung derArabie vorgenommen hat.

Anarchie in Persien.

Nachrichten aus Persien zufolge nimmt die Anarchie täglich größere Ausdehnung an. Bewaffnete Banden griffen die Gendar⸗ merie in der Nähe von Teheran an. Abteilungen russischer Soldaten vereinigten sich an der Grenze von Afghanistan mit von Süden kom⸗ menden Hindus, um die persischen Banden zu verhindern, die Be⸗ völkerung der Grenzgebiete zur Revolutkon aufzureizen.

Kriegsnolizen.

Gegen das Belagerungsgesetz soll sich der Geschäfts⸗ führer der Verwaltungsstelle Solingen des deutschen Metallarbeiter⸗ verbandes. Genosse K. Rapp, vergangen haben. Genosse Rapp hat eine Betriebsversammlung abgehalten, in der über die Lebensmittelversorgung gesprochen wurde. Er hielt diese Versammlung nicht für genehmigungspflichtig, während die Staats⸗ anwaltschaft Elberfeld in der Zusammenkunft der Betriebsangehöri⸗ gen eine öffentliche Versammlung erblickt, da mittels Handzettel die Arbeiter des betreffenden Betriebes eingeladen und diese Zettel auf der Straße verteilt wurden. Die Sache wird in einigen Tagen die Strafkammer in Elberfeld beschäftigen.

Um ein genaues Ergebnis der Getreide-Ernte festzustellen und um die Verfütterung von Getreide möglichst zu verhindern, hat der selbstwirtschaftende Bezirk der Lippischen Wirtschaftsgemeinschaft an geordnet, daß jeder Dreschmaschinenbesitzer verpflichtet ist, jeden ein zelnen Erdrusch mit Namen des Besitzers und der Menge in ein Buch einzutragen. Nachträglich hat sich nun herausgestellt, daß viele Landwirte diese Bestimmung dadurch umgingen, daß sie ihr Getreide über die Grenze ins Preußische beför⸗ derten und dreschen ließen, wo es eine solche Kontroll bestimmung nicht gibt. Es ist amtlich mitgeteilt worden, daß es sich umzahlreiche Grundbesitzer handelt, die sich so vergangen haben.

Auf Befehl der französischen Regierung ist der Flieger Gilbert, der unter Bruch seines Ehrenwortes nach Frankreich entflohen war, am Samstag Abend wieder nach der Schweiz abgereist.

In Belgien herrscht seit Monaten ein starker Mangel an Nickelgeld. Der Generalgouverneur erließ darum eine Verord⸗ nung, die die Prägung von Scheidemünzen in Zink zuläßt. Es sollen Stücke im Werte non 5, 10 und 25 Centimes herausgegeben werden. Niemand wird aber verpflichtet sein, solche Zink- münzen im Betrage von mehr als 5 Franes in Zahlung zu nehmen. Das neue Geldstück wird das umkränzte Bild eines Löwen und die AufschriftBelgien in französischer und flämischer Sprache zeigen

Arbeiterbewegung.

Der Tapeziererverband nach einem Kriegsjahr.

Der Tapeziererverband hatte vor Ausbruch des Krieges 10 262 Mitglieder. Von diesen waren bis zum 1. August d. J. 4800 Mitglieder zum Militärdienst eingezogen, unberechnet die seit Kriegsbeginn als dienstuntauglich wieder Entlassenen. Eingezogen sind zurzeit rund 47 Prozent der Mitglieder. Bis zum 1. August waren bereits 277 Mitglieder als gefallen gemeldet, gleich 5,7 Proz. der Eingezogenen Es ist anzunehmen, daß die Zahl der Ge

sauenen noch peträchtlich höher d

Meldung an den Verband 0 e.

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Mitgliedern, also zirka 15 Proze 1

Ausbruch des Krieges. Zu e ch das Gros

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nieberliegt, war der weitaus größte Teil der Berufsangehörigen hungen, Arbeit zu suchen. Nach

5 i güstungsindustrien 1 0 4 gezwungen, in den 1 d d. J. waren nur etwa 95 Prozent de einer Feststellung im Januar d. 9

Verbandsmitglieder im Tapezierergewerbe eigen e t arbeiten außerberuflich, vorwiegend in Betrie l am 1. J rüstungsindustrie. Auch bei der erneuten, Feststelung e 1062 1 ergab sich, daß von den 70 Verband mitanted rn eitglieder h lernten Beruf tätig waren. Fast 60 Prozent 35 11 beschästicl e bade scch die Arbeitsgelegenhelt ig Es ist auch nicht anzunehmen, daß sie ird* T i 0 Ende des Krieges heben wird. 1 ae e neßestelesen Verbandsmitglieder it verhalt mäßig gering. Nach den ersten beiden Kren eee e resp. 30 Proz. der Mitglieder außer Arbeit 1 ge. ie Arbeitslosen in der Rilstungsindustrie unterzu 1 10 Folgezeit sank sogar die ere geerhe gehr hohe Arbelssosengalf 1 Zeiten im Tapeziererg 27 5 22. 0 rte Wintermonaten Are 8 e Zahl der Arbeitslosen auf durchschnittlich 4 Proz. der 0 itg 2 Erst in den letzten Monaten steigt die Arbeitslosigkeit nente 0 Juli waren schon wieder 3,8 Proz der Mitglieder arbeit5 Die Abwanderung der Arbeitslosen in die e ustrie bewirkte, daß die Verbandskasse sehr stark entlastet wurde. Das Verbandsvermögen hatte nach einjähriger Kriegsdauer nur um knapp 12 500 Mk. abgenommen und bezifferte sich am 1. August auf 325 558 Mk., obwohl während des Krieges 188 788 Mk. für Unte stützungszwecke aufgewandt wurden. Die Unterstützung der Ar⸗ beitslosen verlangte in den ersten beiden Kriegsmonaten über 60 000 Mk., in den nächsten 10 Monaten hingegen trotz einer neu eingeführten Aussteuerunterstützung nur 16 500 Mk. Für Unte 1 stützung der Familien der Eingezogenen verausgabte die Hauptkasse während des Jahres 35.855 Mk. Für den gleichen Zweck, für Sendung von Liebesgaben und dergleichen brachten die Lokalkassen weitere 61421 Mk. auf, sodaß für die eingezogenen Mitglieder insgefamt 97 276 Mk. vom Verband aufgebracht wurden. Die von den Lokalkassen aufgewendeten Summen wurden zum größten Teil durch freiwillige Sammlungen und Extrabeiträge aufgebracht.

Ein Gemütsmensch.

5 In Miesbach in Bayern lebt die Frau eines Kriegstei nehmers mit ihren beiden Kindern in den dürftigsten Verhältnissen da sie keine weitere Unterstützung hat als 24 Mark monatlich vom Reiche. Vom Orte selbst erhält sie nichts, da ihr Mann nicht von dort aus einberufen wurde. Das Oxtsoberhaupt sagte ihr, sie solle dahin gehen, wo ihr Mann einberufen wurde. Die Frau befolgt den Rat und wandte sich, wie das Bayerische Wochenblatt berichtet, nach Feldkirchen an den Brauereibesitzer Mareis, bei N ihr Mann gearbeitet hatte. Hier die wortgetreue Antwort, die sitz bekam: Meine liebe Frau W.... Als ganz unbekannt muß sch Ihnen leider mitteilen, daß wir selbst Leute genug haben, die wit unterstützen müssen, ich kann Ihnen keinen besseren Rat geben, entweder wenden Sie sich an die hiesige Gemeinde Verwaltung oder an jene wo Sie beheimatet sind oder Ihr Mann. Warum schauen Sie sich um Kinder wens zum Voraus wissen das sie es nicht ernähren könen, aber es scheint das Sie nur geheiratet haben das Sie einen Mann haben. Sie müssen halt auch schauen wie jeder andere das Sie etwas verdienen wie es jeder andere muß und nicht auf die faule Haut liegen, wie es gewöhnlich f junge Weibsleut machen. Wie gesagt wir haben selbst Leute genug daheim wie im Felde die wir unterstützen müssen. Damit Sie sehen daß ich doch erbarmen mit Ihnen habe lege ich Ihnen 1 M. bei welche Ihnen aber nicht viel nützen wird. Es grüßt Sie als

unbekant S. Mareis. Vermischtes.

Ein Familiendrama. Die Witwe Marie Dreiling in Mannheim, die Samstag achmittag mit ihren Kindern tot aus dem Neckar gezogen wurde, war seit Mittwoch vermißt worden. Sie war 34 Jahre alt und stammte aus Ziegelhausen bei Heidelberg. Ihr Mann starb vor zwe Jahren. Die drei ältesten Kinder waren Mädchen von 4 bis 8 Jahren, das jüngste ein Knabe von 2 Jahren. Die Leichen mit einer Zuckerschnur zusammengebunden. Als Motiv nimmt Verzweiflung wegen eines gegen sie eingeleiteten Strafverfahrens an 1

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varen

Diethelm von Buchenberg * Erzählung von Bertold Auerbach. 63

Diethelm hörte sie geduldig an, aber dieses ewige Klagen machte ihn stumpf gegen die Vorhersagung der Frau, daß sie den Einzug ins Haus nicht erleben werde.

Nur nicht prophezeien, war seine beständige Rede,das ist das Schlechteste, was man tun kann. Ich hab dir ver sprochen, daß ich dich nie mehr allein lasse, aber du treibst mich aus dem Haus, wenn du so fortmachst.

Martha hatte in der Tat falsch prophezeit: der Sommer ging zur Rüste, und im Herbst zog sie, abgesehen von ihrem beständigen Leide, wohlbehalten in das wochenlang durch heizte neue Haus ein, und nachdem das erste Mißbehagen überwunden, schien sie sich dessen zu freuen; zumal da Diet helm die junge Frau Kübler mit ihrem Kinde während der Abwesenheit der Fränz zu sich ins Haus genommen hatte.

Nun erlaubte er sich auch allmählich, seinem Versprechen untreu zu werden, und buchstäblich hielt er es doch, wenn er wieder Tage und Nächte über Land blieb: Martha war ja nicht allein, die junge Frau mit dem Kinde war bei ihr. Wenn Martha ihn dennoch an sein Versprechen gemahnte, war er ungehalten und voll Jähzorn über diese unerträgliche Sklaverei und über dieses ewige Erinnern an ein Versprechen das er schon von selbst halte und viel lieber, wenn er nicht daran gemahnt werde. Er blieb nun mehr als gewöhnlich zu Hause, und jetzt erkannte er deutlich, was er schon oft flüchtig wahrgenommen: wenn er im lebhaften Verkehr mit Menschen, und zwar mit recht vielen, war, wich das Frösteln von ihm, in der Einsamkeit aber war es immer wieder da unabwendbar. Diethelm knirschte über die neue Gefangen schaft, in der er sich befand, und jetzt fiel ihm das Mittel des alten Schäferle ein. Er kaufte Erlenholz und sägte tagelang, als müßte er sein Brot damit verdienen. Der stolze, in grünen Saffianpantoffeln stolzierende und alle schwere Arbeit verhöhnende Diethelm war in das Los eines armen Taglöh ners verfallen, aber er war dabei doch froh, denn er fühlte in der Tat eine lange nicht empfundene Wärme: das Hols, das,

haufenweise in den Ofen gesteckt, ihn nicht von seinem Frösteln befreit hätte, erwärmte ihn jetzt bei dessen Ver arbeitung. Vom Morgen bis zum Abend arbeitete er im Schuppen und lauschte dann oft selbstvergessen den wunder lichen Tönen der Säge; wie das klingt und schrillt beim ersten Einschnitt und dann zum Kern des Scheites gelangend, so dumpf tönt und wieder ins Schrille, Kurzatmige übergeht beim Ende des Durchschnitts. Mochte es aber klingen, wie es wollte, wohlige Wärme durchströmte den Körper. Leute sagten, der Diethelm sei geizig geworden, seitdem sein Reichtum gestiegen sei; er ließ sich diese Nachrede, die ihm wieder zukam, gern gefallen, denn auch im Geize liegt ein gewisser Ruhm, da seine unbezweifelte Voraussetzung der Reichtum ist. ö

Wenn er manchmal einen Tag in seiner mühseligen Ar beit aussetzen wollte, kam wiederum das Frösteln über ihn, als wollte sich alles Zurückgedrängte auf einmal geltend machen: er mußte aufs neue wider Willen an die unschein bare und doch so mühselige Arbeit, als hätte ein Zauber ihn daran festgebannt. Es half nichts anderes. kam ein neues Ereignis, das ihn von dieser Arbeit und seiner häuslichen Gefangenschaft befreite, ohne daß Martha zu einer Einsprache berechtigt war.

Das Schwurgericht, das man in stürmischen Zeiten ver heißen hatte, wurde jetzt nach Herstellung der nötigen Bauten in der Tat eingesetz Der veränderten Zeitrechnung zufolge wurden aber die Geschworenen nicht nach allgemeinem Wahl recht frei gewählt, sondern die Amtsversammlung, bestehend aus den meist gefügigen Schultheißen und einem Teil der Obmänner des Gemeindeausschusses, wählte einen sogenann ten Siebenerausschuß, und dieser ernannte die Geschworenen aus Zahl der Höchstbesteuerten und Nichtdemokraten.

8 r Vetter Waldhornwirt hastig mit der Hand und sagte zu Diethelm: kommt Ihr in Zeitung, Vetter.

Ich erwiderte Diethelm, sich verfärbend, und nahm mit Zittern das Blatt in die Hand. Er las die Liste der Geschworenen, und als dritter stand sein Name. Lange

Die

5 * Da

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8 1 LandeDa

Wie?

starrte er darauf bin und rieb sich mehrmals die Stirn, er

wollte den Schreck vergessen, den er gehabt hatte, und jetzt war es ihm doch eine Freude, sich gedruckt zu lesen; er äuße dies aber nicht, sondern sagte nur, daß er um Dispensati bitten werde, da er in seinem Anwesen noch viel zu tun habt und daß er auch seine Frau nicht verlassen dürfe. 5

Martha entgegnete rasch:Meinetwegen kannst du's schon annehmen, im Gegenteil, mir ist's lieb, wenn du ein paar Wochen fortgehst, lieber als wenn du so all Ritt ves schwindest, wie in den Boden gesunken. 1

Der Vetter sagte, daß Diethelm gar nicht ablehnen dürfe; man wisse nicht, was die Menschen den könnten, wenn er sich davon losangle; es ginge ihn zwar nichts an, aber er dürfe es auch ohnedies nicht, er habe das Schwurgericht zu allen Zeiten gepriesen, und jetzt müsse er auch dabei sein. ö

Diethelm schäumte innerlich vor Wut. So hatte seine Freisprechung, hatten alle die hohen Ehren, die er genossen, nichts genützt; die Menschen, die so unterwürfig waren, hegt noch immer Verdacht gegen ihn, der allzeit bereit War, lo zubrechen. Der erstickte Argwohn in den Gemütern glich d Flamme in einem niedergebrannten Hause, die immer wied aufschlägt, sobald man einen Balken weghebt. Diethelm ver⸗ fluchte die ganze Welt und zankte mit dem Vetter, als dieser entschuldigend sagte: er habe noch nichts gehört von niemand er habe nur so gemeint. 5. Was hast du vorzudenken, was andere Leute denk können? Oder bist du schlecht genug und blasest den Leu selber ein, daß sie mich verunehren? 0 5

Ihr wisset ja, wie ich zu Euch bin. f it schelmisch bezen sung dbollen Alice bir. d we Diethelm sah das, und wieder kam ihm die Vermutung daß der, den er sich am nächsten glaubte schlimmen Verdacht gegen ihn hegte; aber das Klügste war doch immer zu tun als ob er das nicht glaube; er sagte daher!Wenns nicht anders ist, nehm' ich's an. Hast recht Vetter/ es kann mit eins sei, was die Leut' denken, und ich freu' mich aud meinem Schwiegersohn zu sein. Weißt was Frau? Geh'

(Fortsetzung folgt.)