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Hessen und Nachbargebiete. 8 Gießen und umgebung.

Erhöhung der Zuckerpreise.

Der Bundesrat hat sich am Donnerstag u. a. auch mit der Neuregelung des Verkehrs in Zucker für die kommende Kampagne beschäftigt. Der vom Bundesrat festgesetzte Normalpreis(zu dem die Rohzuckerfabriken ihr Produkt verkaufen müssen) von 12 Mk. pro 50 Kilogr. ist etwas niedriger, als man in Fachkreisen er⸗ wartet hatte, er bedeutet aber gegenüber den bisherigen Preisen eine Erhöhung. Im vorigen Jahre wurde der Rohzuckerpreis zu⸗ erst auf 9,50 Mk. statuiert und dann am 28. Mai d. J. auf 11,25 Mk. hinaufgesetzt. Der Preis für Verbrauchszucker, d. h. der Preis, den die Raffinerien berechnen dürfen, hat gleichfalls nach dem neuen Beschluß des Bundesrates eine Erhöhung erfahren und zwar auf 22,00 Mk.(Normalpreis) pro 50 Kilogr. Im Juni betrug dieser Preis 20,65 Mk., im Juli 21,05 Mk., im August 21,45 Mk. Die Regelung des Großhandelspreises ist so geblieben wie bisher, d. h. die Händler dürfen neben der Fracht noch einen Gewinn bis zu 5 Proz. auf den Raffinadehöchstpreis der frachtgünstigst ge⸗ legenen Raffinerie hinzurechnen. 0

Keine Verlängerung der Ausnahmebewilligung für Petroleum⸗ĩHöchstpreise über den 31. August.

Gegen die Bekanntmachung über die Höchstpreise für Petroleum und die Verteilung der Petroleumbestände vom 8. Juli 1915 wehrten sich eine große Anzahl von Petroleum händlern, die Petroleum zu höheren Preisen hatten und nun in Gefahr gerieten, ihre Voräte zu den niedrigeren Höchstpreisen verkaufen zu müssen. Den Wün⸗ schen dieser Händler ist insofern entsprochen worden, als der Reichskanzler von der ihm nach§ 7 der Höchstpreisverord nung zustehenden Befugnis, Ausnahmen von Höchstpreisen zu bewilligen, weitestgehenden Gebrauch gemacht hat. In allen Fällen ist auf Antrag den Eigentümern teuer einge kaufter Petroleumvorräte gestattet worden, ihre Petroleum teurer als zu Höchstpreisen zu verkaufen, und zwar bis zum 3 1. August d. J., sofern sie den Nachweis erbringen konn⸗ ten, daß sie vor dem 1. August d. J. schon Handel mit Petro leum getrieben haben. Wie gemeldet wird, soll eine Ver⸗ längerung der Ausnahmebewilligung grundsätzlich in keinem Falle erteilt werden. Es dürfte auch garnicht möglich sein, nach dem 1. September d. J. Petroleum höher als zu Höchst⸗ preisen abzusetzen, da dann einerseits die Verteilungstätig⸗ keit der großen Petroleumgesellschaften wieder beginnt, an⸗ dererseits sich auch sonst im freien Handel große Mengen Petroleum, das zu Höchstpreisen gehandelt wird, schon jetzt befinden.

Sitbente Sitzung des Kriegsansschusses der Zweiten Kammer.

Zu Beginn der Freitags⸗Sitzung fand in Anwesenheit der Herren Staatsminister von Ewald, Minister des Innern von Hom⸗ bergk, Ministerialrat Schliephake und Geh. Landesökonomierat Mül⸗ ler, die sich an der Debatte beteiligten, eine Besprechung darüber statt, in welcher Weise die im Kriegsausschuß behandelten Fragen und Anträge im Plenum der Kammer zu behandeln sind. Es wurde vereinbart, die Verhandlungen des Ausschusses und die Art der Er⸗ ledigung der gestellten Anträge durch einen umfassenden Bericht zur Kenntnis der Mitglieder der Zweiten Kammer zu bringen, um zu⸗ gleich dadurch auf eine Abkürzung der Verhandlungen im Plenum hinzuwirken. Im Anschluß an die Anfrage der Abg. Henrich und Genossen, die Unterstützung notleidender Staatsbeamten, Gewerbe- treibenden und Staatsarbeiter betreffend, fand eine Erörterung

darüber statt, in welcher Form diese zunächst nur für die Ver⸗ handlung im Kriegsausschuß bestimmte Anfrage zu behandeln ist.

Es wurde sodann in der Verhandlung der Futtermittel⸗ frage fortgefahren. In der Debatte wurde darauf hingewiesen, daß in der Frage der Erhaltung der Rindviehbestände, vor allem mit Rücksicht auf die Milchproduktion, die Landwirtschaft das gleiche Interesse hat wie die Konsumenten; dem kann aber nur genügend Rechnung getragen werden, wenn genügend Futtermittel beschafft werden. Weiter wurde über die Frage der Zusatzmarken für Selbst⸗ versorgung, die Verteilung von Kleie verhandelt, auch darüber, ob die deutsche Landwirtschaft in der Lage ist, die Getreide-, Fleisch⸗ und Futtermittelversorgung des Reiches unter Ausschluß des Aus⸗ lan es selbst zu beschaffen.

Von den vorliegenden Anträgen wurden angenommen: 5

J. der Antrag Dr. Weber und Genossen, wonach nicht nur die

Hälfte der selbsterzeugten Gerste, sondern bei geringerer

Produktion mindestens 10 Zentner von der Beschlagnahme

frei bleiben; 5 55.

der Antrag Lana und Genossen, der eine Aufklärung über die

Ursachen der Preissteigerungen für Lebensmittel fordert:

3. der Antrag Brauer und Genossen, den Selbstversorgern eben⸗ falls die Zusatzmarken für die schwer arbeitende Bevölkerung zu gewähren:

4. der Antrag Dr. von Helmolt und Genossen, der Maßnahmen zugunsten einer billigeren Beschaffung und besseren Verteilung der Futtermittel fordert. Der Satz des Antrags, der die Ein⸗ fuhr von Erzeugnissen aus dem Ausland lediglich der Reichsregierung überlassen und den freien Handel mit einge⸗ führten Futtermitteln verboten wissen will, wurde gegen 1 Stimme angenommen.

Der Antrag der Abgg. Leun und Fenchel, den Selbstversorgern, die nicht mit ihrem Brotgetreide ausreichen, Getreide statt Mehl zu überweisen, wurde abgelehnt. Zur Frage der Festsetzung von Höchstpreisen für Milch haben die Abgg. Brauer und Ge⸗ nossen beantragt: 1. Die Festsetzung von Höchstpreisen für Milch in Höhe der seitherigen Preise durch die Stadtverwaltungen ist nicht zweckmäßig und undurchführbar, zumal hierdurch eine empfindliche Rückwirkung auf die Milcherzeugung und damit die Milchversorgung der Städte zu befürchten ist. 2. Die Frischmilchpreise entsprechen nicht mehr den Erzeugungskosten, da diefe infolge des Krieges erheblich gestiegen, es ist eine entsprechende Steigerung gegebenenfalls gerecht⸗ fertigt.

Auf dem Wochenmarkt klettern die Preise von Tag zu Tag in die Höhe. Butter, die am Samstag in ganz unzu⸗ reichenden Quantitäten vorhanden war, kostete 1,75 Mk., Eier 16 Pfg. Auch Gemüse und Obst war sehr teuer, obgleich die Ernte vorzüglich ausgefallen ist. Von irgend- welchen Richtpreisen, die die Stadt auf Grund der Ver⸗ fügung des Generalkommandos auf dem Markt anzubringen hat, war immer noch nichts zu sehen. Wir gewinnen bald den Eindruck, daß die Gießener Stadtverwaltung der un⸗ erhörten Lebensmittelteuerung verständnislos gegenüber steht. Bis jetzt hat sie wenigstens noch verflucht wenig getan, um der Einwohnerschaft, speziell der minderbemittelten, Nahrungsmittel zu erschwinglichen Preisen zugänglich zu machen. Es dürfte deshalb die Frage an unseren Herrn 5 27 nicht unangebracht sein, ob er über⸗

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haupt in der Frage der Lebensmittelversorgung etwas zu 1

eingekauft.

Wenn die Stadt Gemuse verkauft. Die wucherischen Preise, die sich die Kasseler Gemüsehändler seither zahlen ließen, haben die Stadt veranlaßt, einen städtischen Gemüse⸗ markt einzurichten, der sich, weil alles billiger verkauft wurde, ohne daß die Stadt Geld zulegte, bald eines regen Zuspruchs erfreute. Jetzt, wo den Händlern der Stadtverkauf auf den Nägeln brennt, haben sie erklärt, daß sie das Obst und Ge müse noch billiger verkaufen können wie die Stadt. Eine für Montag angesetzte Versammlung der Händler soll die neuen Detailverkaufspreise festsetzen. Das ist ja sehr interessant: Erst verlangen die Händler Wucher preise und behaupten, dabei nichts zu verdienen, nachdem ihnen aber die Stadt durch billigeren Verkauf Konkurrenz macht, können sie noch unter die von der Stadt geforderten Preise heruntergehen, ohne daß sie jedenfalls etwas zulegen. Auch aus Halle wird ähnliches berichtet. Dort hatte der Magistrat mit einer großen Zahl von Produzenten Fühlung genommen, um für den ersten Produzentenmarkt genügend Ware zu haben. Trotzdem aber hielt der Magistrat Hunderte von Zentnern Ware in Reserve, und als er sah, daß die Produzenten nur in geringer Zahl mit Waren vor⸗ handen waren, machte er einen städtischen Markt. Es wurden in Stunden 100 Zentner neue gute Kartoffeln zum Preise von 55 Pfg. für 10 Pfund abgesetzt, die auf dem letzten Wochenmarkt 60 bis 70 Pfg., ja an gewissen Stellen 80 Pfg. kosteten. Ferner wurden verkauft 1180 Köpfe Rot⸗ kohl, das Stück zu 8 Pfg., die auf dem letzten Wochenmarkt 15 bis 25 Pfg. kosteten, 25 Zentner Weißkohl, 6 Pfg. pro Pfund, auf dem vorigen Wochenmarkt 15 bis 30 Pfg. Möhren 15 Zentner, 8 Pfg. das Pfund, auf dem letzten Wochenmarkt 10 bis 15 Pfg. Bohnen 30 Zentner, zu 20 Pfg. das Pfund, derselbe Preis wie auf dem Wochenmarkt. Kohl⸗ rabi 20 Zentner, 6 Pfg. das Pfund, im Handel 30 bis 40 Pfg. Der Oberbürgermeister glaubt, daß auch die Verkäufer, die sich zum ersten Produzentenmarkt ohne ihre Ware einge funden hatten, Vertrauen gewinnen und die nächsten Male mit Ware erscheinen werden.Sonst sagt er wörtlich: wenn sie es nicht tun, machen wir unsern eignen Markt; wir werden uns genügend Reserve halten und die Sache so lange fortsetzen, bis der gewünschte Einfluß eintritt. Der neugegründete Kriegsausschuß für Konsumenten⸗ interessen in Gießen verlangt von der Stadt ebenfalls die Einrichtung eines städtischen Gemüsemarktes, weil auch bei uns dieselben Erscheinungen wie in Kassel und Halle zutage treten. Hoffentlich läßt die Stadt damit nicht so lange auf

sich warten. gefl. Beachtung!

Unsere Träger werden wiederholt ersucht, all monatlich bis zum 29. ihre Bestellungen auf den ihnen zugestellten Karten zu machen.

Wir können nicht eiufach die Zahl des Vormonats senden, da gerade jetzt durch die Einbernfungen die Abonnentenzahl sehr häufig wechselt. Deshalb müssen wir unbedingt auf regel⸗ mäßiger Bestellung bestehen.

Die Expedition der Oberhesfischen Vollszeitung.

Gefährliche Schießerei. Ein Vorfall, der leicht schlimme Folgen hätte haben können, ereignete sich am Samstag nach⸗ mittag am Seltersweg. Im zweiten Stock des Hauses Nr. 62 hielten sich mehrere Personen in der Küche auf; plötzlich krachte ein Schuß, die Kugel flog durch das Fenster über die Köpfe der in der Küche befindlichen Personen und schlug in die gegenüberliegende Wand ein. Die sofort von der Polizei an⸗ gestellten Ermittelungen ergaben, daß ein in der Nachbar⸗ schaft wohnender Architekt in seinem Garten nach Vögeln geschossen hatte. Der Mann entschuldigte sich natürlich sofort und versprach, für jeden entstandenen Schaden aufzukommen. Wir sind der Ansicht, daß damit die Sache nicht abgetan sein kann. Wie leicht hätte ein großes Unglück passieren können, das mit nichtssagenden Entschuldigungen nicht aus der Welt zu schaffen war. Zum mindesten sollte die Polizei dem Herrn verbieten, seinen gefährlichen Sport in der Nähe be⸗ wohnter Grundstücke zu treiben. Die Sache dürfte übrigens noch ein gerichtliches Nachspiel haben.

Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Unteroffizier Robert Karl aus Hirzenhain, Res.-Inf.-Reg.

Königsberg I. Kriegsfreiwilliger Karl Schmidt, Inf. Reg. 222. Ersatz⸗Reservist August Gümbel aus Duten⸗ hofen, Inf.⸗Reg. 99. Lehrer Friedrich Weber aus Bon⸗ baden, Inf.⸗Reg. 88.

Die öffentliche Versammlung gegen die Lebens mittel⸗ teuerung, die am Sonntag nachmittag in der neuen Aula der

Universität stattfand, hatte leider nicht den Besuch aufzuweisen, der ihr in Anbetracht ihres Zweckes zu wünschen gewesen wäre. Herr Lehrer Valentin Müller eröffnete die Versammlung im Namen des Kriegsausschusses für Konsumenteninteressen mit begrüßenden Worten, worauf zunächst Herr Meinig⸗ Frankfurt über die Stellungnahme der Konsumenten gegen eine unberechtigte Lebens mittelverteuerung referierte. Herr Stadtverordneter Löber, der im Auftrag der städtischen Lebensmittelausschusses sprach, er örterte die von der Stadt getroffenen Maßnahmen zur Versorgung der Einwohnerschaft mit Lebensmitteln, während Frau Bucksath⸗ Mainz sich eingehend mit der Frage:Wie hat sich die Frau der Teuerung gegenüber zu verhalten, beschäftigte. Herr Lehrer Müller gab darauf nachstehende Richtlinien des Konsumenten ausschusses bekannt, die von der Versammlung widerspruchslos an⸗ genommen wurden:

Der Kriegsausschuß für Konsumenteninteressen verfolgt keineswegs eine einseitige Verbraucherpolitik, sondern will mit seinen Bestrebungen der Volkskraft in dem uns aufgezwungenen Kampfe dienen zum Wohle der Stadt und im weiteren Sinne des gesamten Vaterlandes. Seine Ziele sucht er zu erreichen; a

a) Durch Eingaben und Uebermittelung von zweckdienlichem Material an die zuständigen Behörden.

b) Durch Veröffentlichungen in der Presse, durch die den Pro⸗ duzenten, den Zwischenhändlern und Verbrauchern das Ge⸗ wissen geschärft wird, und durch die immer und immer wieder die vaterländische Pflicht vor Augen geführt wird, gerade in dieser schweren Zeit die Förderung der eigenen Sonder⸗

Laboe geboren. waltiger aber ist das große Ringen der Weltmächte, das sie in hohem Alter noch miterlebt. 1. 8

interessen nicht bis zur Rücksichtslosigkeit gegen die Mit⸗

menschen, insbesondere gegen den minderkräftigen Teil der

Bevölkerung zu betonen und zu verfolgen.

c) Durch Ueberwachung und Vergleichung der Preise am Ort

und auswärts, insbesondere in Städten mit gleichen Ver⸗

hlältnissen wie Gießen.

d) Durch Entgegennahme und geeignete Benutzung und Ver⸗

arbeitung von Beschwerden aus Verbraucherkreisen.

e) Durch Ausfindigmachen und öffentliche Empfehlung von be⸗

sonders guten und billigen Bezugsquellen.

An die Stadt Gießen will der Ausschuß zunächst folgende An⸗ träge stellen:

1. Ankauf von Gemüse und Obst durch die Stadt

Mengen zwecks Erreichung billigerer Marktpreise. 2. Ankauf von Winterkartoffeln durch die Stadt und Abgabe zu billigsten Preisen, in erster Linie an die minderbemittelte Be⸗ völkerung. Festsetzung von Höchstpreisen von Butter und Eier. 5 Andere Organisation des Verkaufs der noch im Besitz der Stadt befindlichen Kolonialwaren durch Einrichtung von ge⸗ räumigen Verkaufsstellen an verschiedenen Plätzen der Stadt, und Abgabe in möglichst kleinen Mengen.

5. Maßnahmen der Stadt zur Versorgung der Einwohner mit

guten und billigen Wurst⸗ und Fleischwaren, insbesondere Fett.

6. Verständigung mit den Stadtverwaltungen der umliegenden

Städte zwecks einheitlicher Organisation des Marktwesens zur Bekämpfung der Preissteigerung. 0 7. Zuziehung von Mitgliedern des Kriegsausschusses für Kon⸗ menteninteressen zum städtischen Lebensmittelausschuß zwecks gemeinsamer Festsetzung der als angemessen zu betrachtenden Marktpreise. f

Da eine Diskusston über die Referate nicht gewünscht, ließ der Vorsitzende über folgende Entschließung abstimmen, deren An⸗ nahme einstimmig erfolgte: g

Die heute, Sonntag, den 29. August 1915, in der neuen

Universitäts⸗Aula von 20 Vereinen hiesiger Stadt einberufene und von Angehörigen aller Bevölkerungsschichten und Berufs⸗ arten zahlreich besuchte Versammlung verurteilt auf's schärfste die unverhältnismäßig starke Preissteigerung für die notwen⸗ digsten Lebensmittel, die nicht durch Zwang der Verhältnisse ge⸗ boten erscheinen oder die gar wucherischen Absichten einzelner entsprungen sind, da durch solche Preissteigerungen und Preis⸗ treibereien der größten Masse des deutschen Volkes die eiserne Notwendigkeit des Durchhaltens in dieser schweren Zeit auf die Dauer erheblich erschwert wird. Sie erklärt sich mit den Aus⸗ führungen der beiden Berichterstatter voll und ganz einver⸗ standen, ebenso mit der seitherigen Tätigkeit des gebildeten Aus⸗ schusses für Verbraucherinteressen. Sie beauftragt diesen Aus⸗ schuß nach den vorgelegten Richtlinien seine Tätigkeit weiter zu führen zum Wohl der Gesamtheit unserer Bewohnerschaft, ganz besonders des weniger leistungsfähigen Teils derselben.

Die Gewerkschaften während des Krieges. Welche unge⸗ heuren Summen die Gewerkschaften während dem ersten Kriegs⸗ jahr für Unterstützungen aufgebracht haben, zeigt uns ein im Korrespondent sür Deutschlands Buchdrucker veröffentlichtes Ge⸗ samtergebnis der Kriegsstatistiken dieses Verbandes für die Zeit vom 2. August 1914 bis 31. Juli 1915. Darnach hatte der Verband 73 996 Mitglieder, wovon 36 900 zum Heeresdienst eingezogen wor⸗ den waren, darunter 19 094 Verheiratete. In der genannten Zeik wurden ausgezahlt: Arbeitslosenunterstützung: aus der Verbands⸗ kasse 2 543 026,75 Mk., aus den Gaukassen 694 451,42 Mk., zusammen 3 237 478,17 Mk.; Unterstützung in allen Unterstützungszweigen: aus der Verbandskasse 3 641 856,26 Mk., aus andern Kasfen 1171 428,94 Mk., zusammen 4813 285,20 Mk.; Familienunter⸗ stützung: aus den Gaukassen 234 318,10 Mk., aus den örtlichen Kassen 327 224,63 Mk., zusammen 561 542,73 Mk.

Fünf⸗Pfennigstücke aus Eisen. Zu der vom Bundesrat be⸗ schlossenen Prägung von Fünf⸗Pfennigstücken aus Eisen erfährt die B. 3., daß die neuen Geldstücke genau die Größe der alten haben werden. Der Unterschied gegenüber den alten Fünf⸗Pfennigstücken besteht darin, daß der Rand gerippt und nicht, wie bisher, glatt sein wird. Außerdem wird die Jahreszahl, die bisher hinter dem Worte Reich am Rande stand, unter die Zahl 5 gesetzt werden. Das neue Geldstück wird im Laufe des Oktober zur Ausgabe gelangen.

Vermißt wird seit dem 29. Juli d. J. die Ehefrau Martha Drechsel, geb. Baß, aus Frankfurt a. M., geboren am 14. Jun 1889 in Neuenstein, Oberamt Oehringen. Sie ist in schwangerem Zustande. Es ist anzunehmen, daß sie sich ein Leid angetan hat oder ihr ein Unfall zugestoßen ist. Beschreibung: Gestalt klein, schlank, hellblondes starkes Haar, frisches schmales Gesicht, blaue Augen: spricht schwäbischen Dialekt, trug blaue Bluse, hellen Mantel, schwarzen Hut mit Feder. Wer Angaben zur Ermittelung der Ver⸗ mißten machen kann, wird ersucht, sich bald bei der hiesigen Krimi⸗ nalpolizei zu melden.

Strafkammer. In der Zeit vom 28. August bis 17. Sep⸗ tember finden keine Sitzungen statt, da spruchreife Fälle zur Ab⸗

urteilung nicht vorliegen.

Eingehendes Parteiblatt. Die Oberschlesische Freie Presse ist ein Opfer des Weltkriegs geworden. Wie Redaktion und Verfag mitteilen, hat der Krieg mit seinen wirtschaftlichen Folgen das Blatt derartig in Mitleidenschaft gezogen, daß es mit dem 31. August sein Erscheinen einstellen muß. Unser Breslauer Parteiorgan, die Volkswacht, wird an die Stelle der Freien Presse treten.

Es dürfen wieder Kuchen gebacken werden. Nach einer Be⸗ kanntmachung des Großh. Kreisamts ist das Backen von Kuchen für den Haushalt von jetzt ab an allen Samstagen erlaubt. Mehl darf jedoch nur zur Hälfte aus Weizen bestehen. 0

Ein heftiges Gewitter, das uns erhebliche Niederschläge brachte, ging am Sonntag morgen gegen 124 Uhr über Gießen nieder. Im Neustädter Feld soll der Blitz in mehrere Bäume ge⸗ schlagen haben, ohne größeren Schaden anzurichten.

Kreis Wetzlar. i

Armenunterstützung. Nach einer Bekanntmachung des Bülr⸗ germeisters werden Armenunterstützungen künftig am 29. eines jeden Monats ausbezahlt und zwar von 8 bis 1 Uhr vormittags. Fällt der 29. auf einen Sonn⸗ oder Feiertag, dann gibt es die Unterstützung einen Tag früher. 0

Tödliche Unfälle. Der 18jährige Kesselwärter O. Krämer aus Eiserfeld wurde auf der GrubeBrüderbund in der Zentrale hinter der Schalttafel als verkohlte Leiche aufgefunden. Der fran⸗ zösische Gefangene Dewaux wurde auf derEisernen Hütte von fallenden Schlackenmassen verschüttet und tot hervorgeholt. 0

Vermischtes.

Mord und Selbstmord.

Ein Mord und Selbstmord ereignete sich am Freitag vormittag in dem Dorfe Hattenhof bei Fulda. Dort tötete durch Messer⸗ stiche in einem Anfall von Geistesumnachtung der 70jährige Bauer Golbach seine etwa 30 Jahre alte Schwiegertochter in der Scheune, während deren Mann Grummet mähte. Hierauf zündete der Täter die Scheune an und erhängte sich in seiner Auszüglerwohnung. 5

Drei Jahre Zuchthaus für einen Bahnhofsdieb. 5

Der vielfach vorbestrafteArbeiter Joseph Krawezyk hatte

sich vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts 1 in Berlin

in großen

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wegen Diebstahls im strafverschärfenden Rilckfall zu verantworten. Der Angeklagte hatte auf dem Schlesischen Bahnhof einem Krieger einen Rucksack mit Liebesgaben gestohlen.

Das Gericht erkannte über den Antrag des Staatsanwalts hinaus auf eine Zuchthaus⸗ strafe von drei Jahren. 102 Jahre alt. Ein hohes Alter hat die Witwe Christine Kriegstein in Krokau in der Probstei Laboe erreicht. Sie wurde am N. August 1813 in Damals wütete ein gewaltiger Krieg. Noch ge⸗

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