Snglands ungenügende Versorgung Italiens
N mit Kohlen.
Italien ist mit Englands Kohlenversorgung sehr unzufrieden. Zu der englischen Verfügung, daß englische Steinkohle nur mit be⸗ fonderer Erlaubnis ausgeführt werden darf, schreibt Sole vom 20. August: Die Maßnahme hindert und beunruhigt unseren Handel ernstlich, besonders infolge der veratorischen und prohibitiven Grundsätze, nach denen die Ausfuhrbewilligungen von dem dazu ein⸗ gesetzten Amt erteilt werden. Ihre Wirkung hat sich bereits fühlbar geinacht, da schon in mehreren Fällen die Genehmigung der Ausfuhr verweigert worden ist, sodaß unsere Einfuhrfirmen ihren Verpflich⸗ tungen gegenüber der einheimischen Industrie nicht nachkommen konnten. Dieser Zustand kann zu einer übermäßigen Steigerung der Kohlenpreise oder gar zu einer Lahmlegung des Kohlenhandels ühren. Der allgemeine Kohlenhändlerverein von Genua hat sich
er an die Regierung mit der Bitte um Abhilfe gewandt. Die neue Bergarbeiterbewegung in Süd wales.
Drei weitere Knohlenzechen von Südwales sind in den Ausstand getreten, weil sie mit den Schieds- sprüchen von Runciman nicht zufrieden sind. Dieser wei gerte sich, eine neue Besprechung mit den Berg⸗ arbeitern abzuhalten, und erklärte, überall könne man vor⸗ aussetzen, daß eingegangene Verpflichtungen gehalten wür— den, nur vielleicht nicht bei den Bergarbeitern von Süd— wales.
Die Blätter teilen mit, daß beinahe 10000 Berg⸗ arbeiter in den Kohlenminen von Südwales die Arbeit niedergelegt haben.
Friedenspropaganda in Frankreich.
Laut einer Meldung des Temps sind französische und Pariser Behörden wieder einer großen durch geheime Flugschriften betrie⸗ benen Friedenspropaganda auf die Spur gekommen. Zu⸗ nächst wurden in den Büreauräumen der Courrier du soldat Nach⸗ forschungen angestellt und dort pazifistische Flugschriften beschlag⸗ nahmt.
Die französische Regierungskrise beendet.
Der Frankf. Ztg. wird aus Paris berichtet:
Die Donnerstag ⸗Sitzung der französischen Deputierten⸗ kammer gestaltete sich etwas anders als das Telegramm der Agence Havas vermuten ließ. Der Sitzung ging ins⸗ besondere eine Beratung der radikalsozialistischen Fraktion voraus. In dieser Fraktion war man der Meinung, daß das Land Anspruch auf eine öffentliche Diskussion hat, und daß es viel weniger darauf ankomme, von der Regierung vertrauliche Mitteilungen zu erhalten, als vielmehr darauf, die von der Kommission festgestellten Uebelstände öffentlich zu diskutieren, um eine Besserung in der Verwaltung der Armee herbeizuführen. Die Fraktion hat es deshalb mit 40 gegen 24 Stimmen abgelehnt, den Antrag auf eine geheime Plenarsitzung der Kammer zu unterstützen. Andererseits hat die Fraktion den schon vor mehreren Tagen eingebrachten Antrag betreffend die Initiative zu einer Interpellation nicht wieder aufgenommen, offenbar, weil sie unter dem Eindruck der russischen Niederlagen der Re⸗ gierung in diesem Augenblick keine besonderen Schwierigkeiten bereiten wollte. Die Sozia⸗ lästen haben ihrerseits in ihrer Fraktionssitzung beschlossen, der Kammer vorzuschlagen, in eine Diskussion über die ver⸗ traulichen Berichte der Armeekommission und der Budget— kommission einzutreten und für diese Diskussion eine geheime Sitzung zu veranstalten. In der Plenarsitzung der Kammer ergriff Viviani das Wort lediglich zu dem eigentlichen Gegenstand der Debatte, nämlich den Geldforderungen für die zwei neuen Unterstaatssekretariate. Diese Kredite wur— den am Schluß der Debatte mit allen gegen eine Stimme an⸗ genommen. Erst dann kam der sozialdemokratische Antrag zur Debatte, und dieser Antrag wurde mit einer Minderheit von 40 Stimmen abgelehnt. Sierauf erfolgte die Vertagung.
Petroleumkrisis in Rumänien.
Die Guerre Sociale vom 19. August läßt sich aus Bukarest be⸗ richten: In den Behältern der Petroleumgesellschaften befindet sich
zurzeit Rohpetroleum, Benzin usw. für 100 000 Wagen, davon allein
schon 26 000 Wagen Benzin. Die großen Gesellschaften bauen gegen⸗ wärtig neue Behälter, und man schätzt, daß Rumänien bald einen Vorrat von 176000 Wagen haben wird. Bis jetzt hat jedoch noch leine Gesellschaft ihren Betrieb eingestellt, wenn sie auch unter der augenblicklichen Lage sehr stark leiden.
Deutsch⸗russische Wirtschaftsfragen.
Der vom„Handelsvertragsverein“ und dem„Verein deutscher Fabrikanten und Exporteure für den Handel mit Rußland“ einge⸗ setzte gemeinsame Sonderausschuß hielt in Berlin eine neue Sitzung ab.
Es würde in erster Linie der Ausbau des Vertrauens⸗ männersystems für die besetzten Gebiete von Ruß⸗ land beraten und beschlossen, hierfür vor allem die Plätze War⸗ schau, Lodz Gugleich für Petrikau), Czenstochau(zugleich für Sos⸗ nowice), Libau und— sobald es in deutschen Händen ist— Riga vorzusehen, mit einer Zentrale in Warschau. Auf Anregung der deutschen Zivilverwaltung für Polen wurde beschlossen, sich dabei mit gewissen deutschen Handelskammern in Verbindung zu halten, die einen ähnlichen Plan verfolgen.
Ferner wurde die Herausgabe der Druckschriftenfolge „Deutsch⸗russischer Wirtschaftskrieg“ beraten. Heft 1 ist unlängst erschienen, Heft 2 steht in Druck.
Zum Schluß wurde noch eine inzwischen ausgearbeitete Ein⸗ gabe über die Stellungausländischer Juden in Ruß⸗ land zur Kenntnisnahme vorgelegt, deren Einreichung demnächst erfolgen wird.
Der Kurs der dritten Kriegsanleihe.
Wie die Tägl. Rundschau hört, ist nunmehr bestimmt worden, daß die dritte Kriegsanleihe zu 99 v. H. ausgegeben wird. Die Zeichnungsaufforderungen werden spätestens Montag erscheinen.
Beschlüsse des Bundesrats.
In der am 26. August unter dem Vorsitz des Staatsministers, Vizepräsidenten des Staatsministeriums, Staatssekretärs des In⸗ nern Dr. Delbrück abgehaltenen Plenarsitzung des Bundesrats wurde dem Entwurf einer Bekanntmachung, betreffend Außerkraft⸗ treten der Bekanntmachung über die Höchstpreise für Speisekar⸗ toffeln vom 15. Februar 1915, die Zustimmung erteilt. Zur An⸗ nahme gelangten ferner der Entwurf einer Verordnung über die Vornahme einer Viehzwischenzählung am 1. Oktober 1915, der Ent⸗ wurf einer Verordnung über ein Schlachtverbot für trächtige Kühe und Sauen, der Entwurf einer Verordnung über den Verkehr mit Zucker im Betriebsjahr 1915/16, der Entwurf einer Verordnung über den Verkehr mit Hülsenfrüchten, der Entwurf einer Bekannt⸗ machung, betreffend die Angestelltenversicherung während des Krieges, und der Entwurf einer Bekanntmachung, betreffend die Aus⸗ prägung von Fünfpfennigstücken aus Eisen. Demnächst wurde über die Vorlage, betreffend die Herabsetzung der Kontingente der Zünd⸗ warenfabriken für das Betriebsjahr 1915/16 sowie über eine Reihe von Eingaben Beschluß gefaßt.
Die Reichsbesitzsteuer in Vorbereitung.
Die Deutsche Parlaments⸗Korrespondenz meldet: Zur Durchführung des Reichsbesitzsteuergesetzes vom 3. Juli 1913 treffen die Bundesregierungen bereits vorbereitende Maß⸗ nahmen. Es handelt sich dabei um die Bestellung der für die Veranlagung der Besitzsteuer zuständigen Behörden und der obersten Landesfinanzbehörden, die Ordnung des Einspruch⸗ rechtes gegen die Steuer- und Feststellungsbescheide und des Rechtsmittelverfahrens.
Ferner Werden die Behörden bestimmt, denen die im Reichsgesetz vorgesehene Androhung und Festsetzung von Zwangsstrafen, die Verhängung von Ordnungsstrafen, die Festsetzung von Besitzsteuerzuschlägen, die Festsetzung der von den Steuerpflichtigen zu erstattenden Kosten, die Stun⸗ dungen und die Genehmigung der Entrichtung der Steuer in Teilbeträgen zusteht.
Die innere Krise Rußlands.
Der Stampa zufolge berichten Rjetsch, was die Neu⸗ ordnung der Regierung und Bildung eines Nationalkabi⸗ netts anbetrifft, werden Rodzianko und Soniakow als Kandi⸗ daten für den Ministerpräsidenten genannt. Ueber die letzten Unterhandlungen zwischen Rodzianko und dem Zaren ist nichts bekannt geworden. Täglich finden Besprechungen zwischen Vertretern der Liberalen und des Zentrums einer— seits und dem Ministerrat andererseits statt, um eine Eini⸗ gung der verschiedenen Gruppen zugunsten des gemein— samen Zieles zu erreichen.
Ja panisch⸗rufsische unterhandlungen. e cen, ese Fesend f sandten nach Japan gesandt. e aden die fem zanzösi d eingetroffen f er öffen 1 0 ee eee für ein russisch⸗japanisches Bündnis be⸗ 5 arbeiten... Unterbrechung der schwedisch⸗englischen Verhandlungen. 9 T. U. Stockholm, 28. Aug. Die schwedischrenglischen Verhandlungen sind nach einmaliger Sitzung gestern von neuem unterbrochen worden. Die englischen Unterhändler
sahen sich wiederum genötigt, Weisungen ihrer Regierun
einzuholen. 4 Die amerikanischen Munitionslieferungen. f T. U. Kopenhagen, 28. Aug. Die grüßte ben nah e 1 material, die bisher aus den Vereinigten Arabi, White Star gegangen ist, hatte das Schwesterschiff der Are 1 Newyork nach: Dampfer„Adriatie“ auf seiner lebten Fahrt 50 Flaggen und 200 Motorlastzügen für die englisegeen a Munition 891 85 Die Zahl der Passagiere betrug 288, darunter f 15 Amerikaner. Meuterei unter den englischen Truppen vor den Dardanellen. 1 T. U. Wien, 28. Aug. Die Reichspost meldet, daß unter den englischen Truppen vor den Dardanellen eine Revolte ausgebrochen sei. Zwei Regimenter, die an dieser Revolte
teilgenommen hatten, wurden nach Aegypten gebracht.
Aufhebung des Belagerungszustandes in 4 Frankreich. N
1 4
Kopenhagen, 28. Aug. Ein Pariser Telegramm melde ö daß am 1. September der Belagerungszustand im Innern Frankreichs aufgehoben werden wird. 4
Askaris gegen die Hesterreicher. 9
i Meldung der Zeit bestätigt der
C e ber 2 23 9 2000 Askaris 8 der Se Oesterreich Verwendung finden sollen.
Parteinachrichten.
Aus den Organisationen. g
Der Zentralvorstand der Provinz Branden burg nahm am Sonntag, den 22. August, Stellung zu der gemeinsamen Tagung des Parteiausschusses und der Reichstagsfraktiun. Der wiederum beschlossenen Bewilligung der Kriegskreödite wurde einmütig zugestimmt, ebenso den Leitsätzen, die als. Ausdruck des Willens der Mehrheit in der Frage der Kriegssiele angenommen wurden. 9 Außerdem wurde beschlossen: 0 7 Der Zentralvorstand hat von den fortgesetzten Treibereien Kenntnis genommen, durch die der Genosse Haenisch zur Nieder⸗ legung seines Abgeordnetenmandats für die Kreise Ober⸗ und Niederbarnim gezwungen werden soll. 855 3 Durch einen Erfolg dieser Bemühungen würde auch der Be⸗ zirksverband der Provinz Brandenburg in Mitleidenschaft gezogen werden. Der Zentralvorstand verurteilt deshalb die Bestrebungen, die einem Urteil des Parteitages über die von Haenisch mit der Mehrheit der Reichstagsfraktion und des Parteivorstandes ver⸗ tretene Politik vorgreifen und ein Mandat, das auf Grund zentvaler Verhandlungen, durch Mitwirkung der Parteigenossen in gand Preußen erobert wurde, preisgeben. Ueber dieses Mandat haben nicht die Genossen von Niederbarnim allein zu entscheiden. 5 Der Zentralvorstand fordert deshalb den Genossen Haenisch auf,
an seinem Mandat unbeirrt festzuhalten. 1 Die Genossen des Kreises Oberbarnim werden in besonderer Konferenz zu diesen Vorgängen Stellung nehmen. 1
E
1
2 5
Parteipresse. 13
Zu einer Erhöhung des Abonnementspreises muß mit dem ersten Oktober d. J. auch die Elberfelder Freie Presse greifen. Die Abon⸗ nenten in Elberfeld⸗Barmen haben von diesem Zeitpunkt an monat⸗ lich statt 60 Pfg. 70 Pfg. zu zahlen, die auswärtigen Abonnenten statt 70 75 Pfg. Die Frauen der Einberufenen sollen an Abonne⸗ ment wie bisher 35 Pfg. monatlich zahlen. 1
Diethelm von Buchenberg.
Erzählung von Bertold Auerbach. 62
Glücklicherweise— man konnte nicht sagen, daß die An— sprache der Fürstin von N. daran schuld sei— hatte der Amts— verweser sie und den Vater just den Tag vorher begleitet und viel mit Fränz gelacht; er setzte nun diese Annäherung mit großer Beständigkeit fort, überbrachte selbst die Einladung zum Kurhausball und schickte am Abend desselben den er— lesensten Blumenstrauß, eine Aufmerksamkeit, mit der ihm jedoch der Rautenkranzsohn zuvorgekommen war. Es waren beide wohl zu beachtende Bewerber. Der Rautenkranzsohn war jünger und farbiger, in seinem vollen, wohlgekämmten braunen Haare sah man stets die frischen Furchen der Bürste und den weißen Scheitel; der Amtsverweser war blasser und mit einer avancierten Glatze versehen. Fränz hielt die beiden Sträuße der Bewerber in der Hand und betrachtete sie lange, sie überlegte, welchem Strauße und welchem Geber sie den Vorzug gönnen solle, ihre Wangen glühten, sie war nicht dem Zufall ergeben genug, um eine Blume mit„Er liebt mich— er liebt mich nicht“ zu zerzupfen, sie bedachte, daß der Rauten- kranzsohn allerdings seine Vorzüge hatte, er stand ihr näher, sie kannte seinen Lebenskreis genau und konnte sich frei darin bewegen, auch war er gut geartet und leicht zu beherrschen, nicht so sehr wie Munde, aber doch lenksam genug, und sie hatte sich's ja einst als schönstes Ziel gedacht, Frau Rauten- wirtin zu werden; aber Frau Amtmännin und in Zukunft Frau Regierungsrätin— das ist doch schöner, und ein Narr ist, wer das Höhere erreichen kann und sich mit Geringerem begnügt.
Fränz war entschlossen, den Blumenstrauß des Amts- berwesers zu nehmen; aber während des langen Besinnens hatte sie vergessen, ob der in der Rechten oder in der Linken von ihm kam, sie waren so ähnlich. Jetzt erinnerte sie sich, daß der in der Rechten der gültige war, aber in der Ver⸗ wirrung hatte sie die Sträuße niedergelegt und dieses Merk⸗ mal zerstört. Wenn aber kein rechtes Kennzeichen war, so
—
Waun 2
N
.
konnte ja der Amtsverweser nichts merken? Wer weiß indes, ob er nicht doch ein geheimes Kennzeichen hat. Fränz war ganz berauscht von der blumenduftigen Werbung, sie eilte die Treppe hinab und wollte den Kellner fragen, welcher Strauß von ihm sei, aber nicht der Gedanke, welch eine tückische Härte darin lag, hielt sie plötzlich fest, sondern die Erinnerung, daß sie ja dann eine offenbare Entscheidung machen müsse und einen Freier aus der Hand gebe, bevor sie des anderen gewiß sei, und jetzt tat sich ein neuer glücklicher Ausweg auf, sie wollte gar keine Blumen mitnehmen und dem Amtsverweser sagen, sie habe deren so viele von unbekannten Verehrern be— kommen, daß sie alle daheim gelassen. Das wird ihn kirren und rasch zugreifen machen, und dann ist die Entscheidung da. Und so geschah es auch.
Wieder unter rauschender Musik wurde Fränz zum zweitenmal verlobt. Der Amtsverweser hatte in unerklärlicher Zaghaftigkeit gewünscht, daß die Verlobung noch einige Zeit geheim gehalten werde, mindestens bis er seine täglich er— wartete Bestallung als stellvertretender Staatsanwalt er— halten habe, aber Diethelm war nicht gewillt, nur einen Tag der Ehre verlustig zu gehen, die ihm aus dieser Verlobung seiner Tochter entsprang; er faßte den Einwand seines Schwiegersohnes, daß er wegen des neu zu übernehmenden Amtes vor kommendem Frühjahr nicht heiraten könne, dahin, daß Fränz während dieser Zeit in ein Erziehungsinstitut, eine„Schnellbleiche“, wie er es spöttisch bezeichnete, getan werde, um ihrer neuen Stellung gerecht zu werden. Bis dahin wollte er auch sein neues Anwesen in Buchenberg ver— kaufen und, wie er doch schon lange vorhatte, nach der Kreis- stadt ziehen
Die warme Quelle hatte weder Diethelm von seinem Froste, noch seine Frau von der Abgestorbenheit ihrer Finger befreit, man getröstete sich der Nachwirkung.
Nur Fränz hatte erreicht, was sie wollte und die Eltern erfreuten sich bei der Heimfahrt im Sprechen über das Glück
XXVIII. 15 Wie ein Mensch aus höheren Regionen, der sich be- schiedentlich herabläßt, mit niederen Erdgeborenen zu ver ⸗ kehren, so ging Diethelm durch Buchenberg; er hatte mit fürst ⸗ 9 lichen Personen, mit hohen Staatsmännern verkehrt, und ein Staatsanwalt— denn das war er geworden— war sein Schwiegersohn! Es dünkte ihm wie ein Traum, daß er sein 1 einziges Kind einst einem armen Schäfer hatte geben wollen. Wenn er seiner Tat gedachte, war sie ihm wie längst abgetan, und die Gunst der Großen, denen er so nahe gestanden, er- schien ihm als Schild und Schirm, daß nie mehr auch der leiseste Verdacht sich gegen ihn erheben dürfte. Wenn der Eilwagen durch das Dorf fuhr und bald darauf Briefe kamen, sah Diethelm immer, ob keiner mit einem großen Siegel da- runter sei, der ihm einen Orden zubrächte oder irgendeine andere unverhoffte Auszeichnung. Es kamen aber meist Bettelbriefe von allen Orten, von den entferntesten Ver⸗ 0 wandten, von Schulmeistern geschrieben, die in hochtrobenden 5 Tone den hochverehrten Herrn Vetter um Gaben und Dar⸗ lehen baten. Diethelm glaubte genug getan zu haben und ließ sie unbeantwortet. Am erfreulichsten waren noch dis Briefe von Fränz; zwar waren sie in steifer, ungelenker Rede ⸗ weise, aber diese erschien Diethelm gerade recht schön und er
5 5 5
baulich, und von Brief zu Brief i 11 Jie 1 8— ward d 5 und geläufiger. Diethelm konnte nicht auh, mag
besonders aber auch die Briefe des Vetter im Waldhorn vorlesen zu J
Die Verehrung im Dorfe. bedeutend, als die in der Stadt er nun nicht mehr allein ließ,
Staatsanwalts, durch den
lassen. 5 chien ihm indeß doch minder sich darbot. Mit Martha, die
fuhr er oft dahin, um allerlei
Hausrat zu kaufen. Er richtete si ürftig ei 5 b zu kauf sich l 5 er 1 bald wieder verkaufen wollte. e ee 9 Alles ließ sich zu größter Beruß a 5 1 5 groß eruhigun — 8 au ihrer beständigen Trag und n reißen, und wenn Diethelm sie damit i i 5 „Ich hab ja sonst niemand, dem 1 5 155 kann, und mir bangt vor dem
ihres Kindes und vergaßen darüber alle Körperleiden und alles Leid in der Seele. f
verbrannt ist.“ 8 Fortsetzung 3. 1 9


