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Beilage zur Oberhessischen Bolcszeitung Nr. 201

. den 28. August 1915.

Gießen und ans.

Eine Fr Frage.

Leider selbst in dieser Stunde Blüht gewisser Schweinehunde Kalte Niederträchtigkeit, Die sich ihre Riemen schneiden Aus dem Hunger und den Leiden, Aus der Not der harten Zeit! Draußen hält millionenfache Schwere Schwielenfaust die Wache Für die Lieben und das Land Drinnen krallt um Brot und Mehl Um des Volkes magre Kehle Sich des Wuchers freche Hand! Draußen schützen die Soldaten Ihrer Heimat Vieh und Saaten Vor dem räuberischen Schwert Drinnen werden ihre Weiber Durch die Lebensmitteltreiber Ausgeraubt am eignen Herd! Eine Frage in die Runde: Wie lang darf noch dieser Hunde Kalte Niederträchtigkeit Ihrer Habgier Riemen schneiden Aus dem Hunger und den Leiden Und der Not der harten Zeit?

A. de Nora in der Jugend.

Zur Regelung der Heimarbeit.

Das Bureau für Sozialpolitik und die Auskunftsstelle für Heimarbeitsreform haben in Verbindung mit der General kommission der Gewerkschaften Deutschlands, dem Gesamt verband der christlichen Gewerkschaften, dem Verband der Deutschen Gewerkvereine(H. D.), der Polnischen Berufsver einigung, dem Ständigen Ausschuß zur Förderung der Ar beiterinneninteressen und der Gesellschaft für soziale Reform

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dem Bundesrat sowie den Militärbehörden zwei Eingaben zur egelung der Heimarbeit eingereicht.

Uns wird hierüber geschrieben:

Angesichts der großen Vermehrung der Heimarbeit und es starken Einströmens von Kriegerwitwen und Kriegs

invaliden in die Heimarbeit sind schnelle Maßnahmen zur

urchführung des Hausarbeitsgesetzes, das 1911 geschaffen, ber in seinen wichtigsten Punkten noch nicht in Kraft ist ehr denn je notwendig. Erforderlich ist namentlich die inführung von Lohnbüchern und Lohnlisten und die Er ichtung von Fachausschüssen, von denen wenigstens in be

scheidenem Umfange eine Besserung und vor allem Klärung

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gzesetzten Löhne unterrichtet sind.

Fachausschüssen als Vertreter

155 Lage erhofft wird. Die Eingabe J nimmt auch Stellung egen die Ausführungsverordnungen zu den Fachausschüssen, die in einer den ausdrücklichen Erklärungen der Reichsregie tung gegenüber der Reichstagskommission entgegen laufenden Weise den Kreis der als Vertreter der Hausarbeit zulässigen Verfonen einengt, sodaß heimarbeitssachkundige Persönlich

leiten, also namentlich Arbeitersekretäre, die dem Gewerbe

zicht angehörten oder angehören, von der Mitarbeit in den der Hausarbeiter ausge⸗ chlossen sind.

Die Eingabe II befaßt sich mit der Regelung der Heim rbeitslöhne bei öffentlichen Lieferungen. So vorbildlich nanche namentlich von den Militärbehörden geschaffene Ein

lichtungen sind, so läßt doch leider vielfach die Durchführung

ücken, was namentlich darauf zurückzuführen ist, daß die hausarbeiter nicht genügend über die von den Behörden fest Zum Zwecke eines mög chst lückenlosen Lohnschutzes für die Heimarbeiter wird die kunlichste Ausschaltung unproduktiver Zwischenpersonen, die evorzugung tariftreuer Firmen, in tariflosen Gewerben die sestsetzung der Stücklöhne durch die maßgebenden Behörden Ind Veröffentlichung der Löhne durch Aushängung gefordert.

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Bildung und ind Empfinden.

Im Zeitraum einer Stunde habe ich dieser Tage zwei Geschicht⸗ * erlebt, erzählt Jemand in der Magdeb. Volks stimme. Kinder spielten auf der Landstraße vor der Stadt, dort wo nur inzelne Häuser noch stehen, mit einem 2110 Es war ein possier⸗ scher Dackel. Ein kleines Mädchen mit offenbaren Mutterinstinkten htte ihm ein Tuch um die Schnauze gebunden und redete ihm ein, 15 er Zahnweh hätte. Der Dackel machte dazu sein Philosophen⸗ sicht, und das kleine Mädchen kuschelte ihn in ihren linken Arm und seichelle ihn unter tröstlichen Koseworten mit der Rechten. Er ließ c sich gefallen. Plötzlich horchte er auf, begann mit allen vier krummen Haxen die Luft zu strampeln und nach dem Boden zu streben. Um die ie war das stilisierte Kuhbrüllen einer Automobilhupe ertönt, und 13 Erfahrung hatte der Dackel offenbar schon, daß er es nicht iter wollte darauf ankommen lassen. Seine Pflegerin aber bekam es noch schlimmer als ex mit der Aigst. Sobald das Hupensignal den Weg durch ihr Gehör bis zu en motorischen Nervenzentren zurückgelegt hatte, war nur noch ber Selbsterhaltungstrieb in ihr lebendig. Sie schmiß den Dackel 5 einem Angstschrei im Bogen auf die Straße und rettete sich ottoirwärts mit fliegenden Haaren. Ehe der Dackel aber wieder f seinen schiesen Philosophenbeinen stand war das Auto bis auf Armlänge an ihn heran. Und da liegt der Kern der Geschichte. Der Autolenker, offenbar einbessexer Herr denn sein Chauffeur gas mit verschränkten Armen neben ihm machte nicht die mindeste Aistrengung, eine Katastrophe zu vermeiden, im Gegenteil, er fuhr nurstracks darauf los, und als sie durch waren, drehte sich der (tauffeur grinsend um und schrie seinem Herrn den Bericht ins Oer. Es war nicht die Schuld dieses Herrenfahrers, daß er den Drckel nicht zur Strecke gebracht hatte, sondern es gibt auch Schutz⸗ 210 für die Dackel, und diesmal hatte Waldmann den Weg noch 1

rf am Verderben vorbei seitwärts gefunden. Seiner edeln Nase d der Geruch warmer Gummiräder zeitlebens satal bleiben.

Zweite Geschichte: Ich sah einen Mann auf einer Leiter stehen d Kirschen in ein Körbchen pflücken. Außen an der Mauer standen it Kinder der Nachbarschaft, die reihum ihre Schürze aufhielten, amit ihnen der Mann eine Handvoll der leckeren saftigen Korallen

1 05 der Kleinste, ein Hosenmatz von flinf Ae sechs an der Mt, Gerade hatte der Mann ein Sträußchen

Hessen und Nachbargebiete.

gebrochen, an e ein e nden wie eine große Traube hing.

Die sind für Dich! rief er dem Kleinen zu und zielte nach der aufgehaltenen Schürze.

Der Wurf ging fehl und das Kirschensträußchen fiel auf die Straße, als gerade ein schwerer Lastwagen herankam.

öDu Lausbub! Willst Du wohl aus dem Wege gehen! schalt der Fuhrknecht vom Bock. Er hatte ein backsteinrotes Gesicht und einen martialisch aufgedrehten Schnurrbart.

Bleich, die kleinen Kinderaugen weit aufgerissen, alle fünf ingerspitzen der Linken an die Unterlippe gedrückt, stand das Nübchen zitternd am Straßenrand und starrte auf seine Kirschen, je eben unter die Hufe der Pferde kommen mußten. Der Strauß ah aus wie ein bunter toter Vogel. Die Bruchfläche am Zweige schimmerte hell wie ein Schnabel, dann kam der sonnenglänzende

rote Rumpf, und hinten lag flach die grüne Zweigspitze, wie der Schwanz des vom Baume 1 Vogels.

Verfluchte Bande! fluchte der Fuhrknecht. Und griff mit der Rechten ein wenig an 1 Zügeln hinunter:Hüh! Und lenkte sorgfältig sein Gespann an dem Kirschensträußchen des Bübleins vorbei,

Dann drehte er sich um und schrie:Haste sie?, als er merkte, daß der Kleine den rotgrünen Vogel vom Boden hob.

Und er war doch ein roher, un gebildeter Fuhrknecht. Herz hat er wohl auf dem rechten Flecke.

Aber das

Keine Erhöhung der Brotration!

Durch die Presse gehen Nachrichten darüber, daß laut einem Beschluß der Reichsverteilungsstelle in Zukunft auf den Kopf der Bevölkerung täglich 225 anstatt wie bisher 200 Gramm Mehl zur Verteilung kommen sollen und infolge dessen dem längst empfundenen Bedürfnis nach einer Er höhung der täglichen Brotration entsprochen werden könne. Um nicht Erwartungen aufkommen zu lassen, denen später eine bittere Enttäuschung folgen würde, ist es doch nötig, diese Pressenachrichten auf ihren wahren Wert zurückzuführen. Ursprünglich wurden nur 200 Gramm pro Kopf und Tag der Bevölkerung verteilt. Schon seit längerer Zeit hatte die Reichsverteilungsstelle dieKonzession gemacht, daß zum Zwecke der Abgabe vonZusatzbrotkarten an die schwer arbei tende Bevölkerung ein weiteres Quantum Mehl im Betrage von 20 Gramm pro Kopf und Tag zur Abgabe kommen sollte. Diese 20 Gramm sollten aber nicht gleichmäßig auf die ganze Bevölkerung verteilt werden, sodaß etwa jedermann im Monat 30 X 20= 600 Gramm Mehl oder etwas mehr als einen kleinen Laib Brot über das bisherige Quantum hinaus er halten hätte, sondern diese 20 Gramm pro Kopf und Tag sollten benutzt werden, um lediglich der schwer arbeitenden Bevöl kerung Zusatzbrotkarten zu geben, aber auch nur in dem Umfange, daß dabei pro Kopf und Tag höchstens 50 Gramm, also im Monat 1500 Gramm Mehl oder 3 kleine Laibe Brot auf jede Person gewährt würden. Das ist auch bisher schon geschehen und das ist also das Maß von Brot, woran die Be völkerung jetzt gewöhnt ist. Nun sollen in Zukunft 225 Gramm auf den Kopf der Bevölkerung gegeben werden, aber, wie es ausdrücklich heißt, einschließlich der zur Verteilung von Zusatzbrotmarken bestimm⸗ ten Brotmengen, d. h. also, aus diesen 225 Gramm müssen jetzt auch die 20 Gramm gedeckt werden, auf Grund deren bisher die Zusatzmarken für die schwer arbeitende Be⸗ völkerung ausgegeben werden konnten, und die ganze viel be⸗ sprocheneErhöhung der Brotration kommt darauf heraus, daß anstatt wie bisher seit zwei Monaten 220 Gramm, jetzt 225 Gramm auf den Kopf der Bevölkerung verteilt werden, also sage und schreibe 5 Gramm mehr pro Kopf und Tag S 150 Gramm, oder ein gutes viertel Pfund mehr im ganzen Monat. Das ist eine Erhöhung, die der Einzelne überhaupt gar nicht merken wird, und es empfiehlt sich, darauf aufmerk sam zu machen, 115 nicht Hoffnungen erwecken zu lassen, die später nicht erfüllt werden können.

Auf die öffentliche Versammlung, die morgen Sonn tag nachmittag 5 Uhr in der neuen Aula der Universität statt findet, und in welcher außer Herrn Meinig, dem Vor⸗ sitzenden des Frankfurter Konsumentenausschusses, auch noch Fraun Bucksath aus Mainz über die Lebensmittelteuerung sprechen wird, machen wir auch an dieser Stelle nochmals ganz besonders aufmerksam. Wie wir schon gestern bemerk ten, ist es Pflicht aller Konsumenten, speziell der Hausfrauen, diese Versammlung zu besuchen und durch den Besuch gegen die Unzuträglichkeiten auf dem Lebens mittelmarkt zu protestieren.

Kranke Bürgermeister. Der frühere K meister von Gießen, Herr Anton Mecum, ließ sich be kanntlich vor etwa zwei Jahren, nachdem er eine beträchtliche Gehaltserhöhung erhalten hatte, die selbstverständlich nicht ohne Einfluß, auf sein Ruhegehalt war,krankheitshalber pensionieren und siedelte zuerst nach Godesberg, später nach Steglitz bei Berlin über, wo er die etwa 9000 Mark betragende Pension zu verleben gedenkt. DieKrankheit des Herrn Mecum muß indessen nicht gar so schlimm gewesen sein, denn er soll jetzt einen gut bezahlten Posten in irgend einem Auf sichtsrat. Ein ähnlicher Fall wird auch aus Ilmenau i. Thür, berichtet, wo sich der frühere städtische Foitdercnilter Elgerkrankheitshalber genötigt sah, aus dem städtischen Dienst auszuscheiden; vom Gemeinderat ßurde ihm das Ruhegehalt gewährt. Jetzt wird ihm von der Stadt das Gehalt verweigert, weil er sich in der Ge meinde Oberwiesental hat zum Bürgermeister wählen lassen 11 dort ein Bürgermeistergehalt bezieht. Da aber der Bezirksausschuß trotzdem die Stadt Ilmenau zur weiteren Auszahlung des Ruhegehaltes an E. verurteilt hat, haben die städtischen Behörden die Entscheidung des Großherzoglichen Ministeriums angerufen. In einem Punkt unterscheiden sich die beiden Fälle aber doch nämlich. daß die Gemeindevertretung von Ilmenau im Gegensatz zur Gießener Stadtverwaltung nicht so ohne weiteres gewillt

zuzah 55 nach ihn seineKrankheit nicht hindert, einen anderen verantwortungsvollen Posten auszufüllen.

Billigeres Brot in Meißen. Der Ernährungsaus⸗ schuß für Stadt und Amtshauptmannschaft Meißen hat in seiner am 19. August abgehaltenen Sitzung folgende Preise festgesetzt: Ab 28. August kostet der Doppelzentner Roggen⸗ mehl 29,50 Mk., Weizenmehl 35 Mk. Im Kleinhandel sind für das Pfund Roggenmehl 18 Pfg., für Weizenmehl 20 Pfg. zu zahlen. Dementsprechend wird der Brotpreis um 10 Pfg. bezw. 12 Pfg. für das Viet e herabgesetzt. Das Vier⸗ pfundbrot kostet ab 4. September 62 Pfg. und ab 1. Oktober 60 Pfg. Es wäre nur zu wünschen, daß die Stadt Gießen diesem Beispiel recht bald folgen und den WBrolßkeis ebenfalls herabsetzen würde.

Eingebaute Kessel aller Art. Zweifel darüber, was unter den Worteneingebaute Kessel aller Art im§ 2 der Verordnung iber die Beschlagnahme von Gegenständen aus Kupfer, Messing und Reinnickel zu verstehen ist, haben zu folgender Auskunft der Metall⸗ mobilmachungsstelle des Kriegsministeriums geführt:Unter ein⸗ gebauten Kesseln aller Art sind nicht nur solche für Wasserhaltung und Warmwasserbereitung verstanden, sondern auch Waschkessel, Viehkessel, Marmeladenkessel und dergleichen. Dagegen kommen nicht in Betracht größere eingebaute Kessel für industrielle Zwecke wie Färbereien, Brauereien usw., jedoch sind die hierin investierten Kupfermengen laut Verfügung M. 1. 7. 15 betr. Bestandsmeldung und Verwertung von Kupfer in Fertigfabrikaten auf Meldeschein für Kupfer in Fertigfabrikaten meldepflichtig.

Schlechtfressende Pferde! Der Leipziger Tierschutz⸗Verein, Johannisgasse 14, schreibt uns:Viele Tierhalter werden schon wiederholt die Beobachtung gemacht haben, daß manche Pferde

trotz genügenden Futters und leichter Arbeit einen schlecht ge⸗ nährten Eindruck machen und zusehends abmagern. Nach unseren langjährigen Erfahrungen leiden in diesen Fällen die Pferde meistens anSchieferzähnen, d. h. sie sind mit Zähnen behaftet, an denen sich scharfe Kanten gebildet haben, die Zahnfleisch und Zunge verletzen und dem Tier beim Kauen Schmerzen bereiten. Das Pferd frißt infolgedessen nur langsam und läßt das Futter, das es mit Unlust nimmt, größtenteils im halbzerkauten Zustand wieder aus dem Maule fallen. Die Nachteile für das Tier und seinen Besitzer sind offensichtlich. Es werden deshalb alle Pferde⸗ halter gebeten, bei schlechtfressenden Tieren die Zähne durch einen Tierarzt nachsehen und abfeilen zu lassen. Die Freßlust wird sich dann sofort wieder einstellen und das Tier wieder kräftiger und leistungsfähiger werden.

Die Abgabe von Petroleum. Wie die Tägl. Rundschau erfährt, wird vom 1. September ab wieder Petroleum an Händler zum Weiterverkauf abgegeben werden. In der letzten Zeit ist das Pe⸗ troleum zurückgehalten worden. Das Leuchtöl, das man bei den Händlern erhielt, stammte aus Vorräten, über die die Händler noch von früher her verfsügten. Jetzt aber soll wieder Petroleum den Händlern zur Verfügung gestellt werden. Dabei wird man die⸗ jenigen Gegenden, in denen die Gas- und elektrische Beleuchtung noch nicht in weiterem Maße zur Einführung gelangt sind, reicher bedenken als die anderen Gegenden, in denen Gaslicht und elek⸗ trisches Licht aller Orten anzutreffen sind.

O zarte Sehnsucht, süßes Hoffen... Die Frau eines Mann⸗ heimer Kriegers, die sich gegenwärtig bei ihren Eltern aufhält, richtete an das Bürgermeisteramt in Mannheim folgendes Gesuch:

Freckenfeld, 15. 8. 15. Geehrtester Herr Bürgermeister!

0 In einer Angelegenheit muß ich an Sie ein paar Zeilen

richten.

Da hier der Genannte, mein Mann Fr.. schon seit Februar im Heer steht, so möchte er den Herrn 2 ermeister bitten, ein Gesuch einzureichen, daß er auch mal acht Tage Urlaub bekäme; er schreibt mir nämlich, in 20 Jahren braucht unser Kaiser auch wieder Soldaten, er möchte mal wieder ein paar Tage bei seiner Frau sein.

(Folgt Adresse des .: Frau G 8 der Mannheimer Bürgermeister

Nannes Tr. 8) Freckenfeld. dem

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Hoffentlich entspricht Wunsch der Kriegerfrau.

Gesegnet sei der Krieg! Ein tolles Stück leistet sich die Neue Stolberger Jeitung, das amtliche Organ der rheinischen Stadt⸗ Stolberg. Das Blatt feiert den Krieg alsSchöpfer neuen Glückes und schreibt u. a.:Auch wirtschaftlich betrachtet, bringt der Krieg für viele Familien eine Gesundung. Viele sind zur Friedenszeit mie auf dengrünen Zweig gekommen. Der Mann ist jetzt im Felde, wird reichlich und gut verpflegt, gekleidet und gelöhnt, hat keine Sorgen und Not, kann noch Geld nach Hause schicken. Die Frauen und Kinder daheim erhalten Unterstützungen und haben durch reich⸗ liche Arbeitsgelegenheit guten Verdienst. Tausenden von Familien ist es wirtschaftlich nie besser gegangen wie im Kriege. Beweis ist, daß die Sparkasseneinlagen andauernd zunehmen, daß gerade die kleinen und kleinsten Leute in der Lage waren, die Kriegsanleihen mitzuzeichnen, und daß selbst aus dem Felde 53 Millionen Mark Kriegs Sanleihezeichnungen kamen. So übt der Krieg auf das Fami⸗ lienleben in sittlicher und wirtschaftlicher Hinsicht wohltuende Wirkungen aus, und alle schwarzseherischen Prophezeiungen von der völligen Zerstörung des Familienlebens aus der Friedenszeit sind in sich zusammengebrochen. s fehlt nur noch der Wunsch, daß

er Krieg 10 Jahre dauern möchte, damit sich seinewohltuenden 1 1 noch vollkommener äußern.

Unterstützung von Kriegsbeschädigten. Den aus Anlaß des jetzigen Krieges mit Rente und Kriegszulage versorgten Personen wird es bei ihrem Körperzustand trotz eifrigster eigener Bemühung und trotz Eingreifens der Kriegsfürsorgestellen nicht immer möglich sein, in absehbarer Zeit ihr früheres Arbeitseinkommen nur an⸗ nähernd zu erreichen. Härten, die hierbei entstehen, sollen nach Mög⸗ lichkeit ausgeglichen werden. Da eine gesetzliche Regelung aber erst nach dem Kriege erfolgen kann, soll schon während des Krieges auf Antrag der Beschädigten aus hierzu bereitstehenden Mitteln, soweit es angängig, im Unterstützungswege geholfen werden. Die Anträge würden in begründeten Fällen an den zuständigen Bezirksfeldwebel zu richten sein. g

Gerechte Strase für einen Wucherer. Wegen Ueberschreitung der Höchstpreise hatte sich am Mittwoch der Kaufmann Max Ben- singer, Juhaber einer Oelgroßhandlung, der sich im April auf ein Geschäft in Kartoffelwalzmehl eingelassen hatte, vor der Frank⸗ surter ene zu verantworten. Bensinger erwarb von einem mere in Duisburg 200 Doppelzentner Kartoffelwalzmehl zu 40

Mark 80 Pfg. der Doppelzentner und verkaufte die Wareab Dan⸗ zig nach Hamburg zu 65 Mark, sodaß er nahezu 5000 Mark daran verdiente. In Hamburg ging das Mehl in die nächste Hand zu 68 Mark 50 Pfg. über. Der durch Verordnung vom 17. D über 1914 festgesetzte Höchstpreis aber betrug 42 Mark 30 Pfg. Bensinger er⸗ klärte an der Strafkammer, er habe nicht gewußt, daß Höchstpreise bestanden, und das Kartoffelmehlim Verbande mit Roggenkom⸗ mißmehl gekauft. Der Staatsanwalt war der Meinung, daß hier gvober Lebensmittelwucher vorliege, und beantragte 6 Wochen Ge⸗ fängnis und 1500 Mark Geldstrafe. Das Gericht sah von einer Frei

itsstrafe ab, erkannte aber auf die höchste zulässige Geldstrafe von zehntaufen d Mark, die durch die starke Hinauftreibung des Preises und den enormen Gewinn bei einem einzelnen Geschäft

ist, dem früheren Forstverwalter sein Ruhegehalt weiter aus

Kerechtfertiat ain.

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