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reicht worden sei. Die serbische Regierung nimmt die Vor—
in Brand geschossen, nachdem die Besatzung die Schiffe ver⸗ lassen hatte.
Englands Absichten im hohen Norden.
Anläßlich der Wiedereröffnung der schwedisch⸗englischen Ver⸗ ßandlungen schreibt der militärische Mitarbeiter des Stockholms⸗ Dagblad: Der Schleier, der über den operativen Absichten des Vier⸗ verbandes lag, beginnt sich zu lüften. Das Streben Englands geht darauf hinaus, den Durchgangsverkehr nach Rußland über die skandi⸗ navische Halbinsel wieder zu eröffnen, denn Rußland muß mit allen Mitteln Luft geschaffen werden. Der Ring, der die Mittelmächte er⸗ würgen soll, muß geschlossen werden, deshalb ist Deutschlands Um⸗ fassung von Norden unerläßlich, wenn der Vierverband noch eine Entscheidung erzwingen will.
Die„Arabic“ ⸗Affäre.
Wie die Voss. Ztg. von zuverlässiger Seite erfährt, sind Verhandlungen mit Amerika über den Untergang der „Arabic“ im Gange. Es liegen bis zur Stunde keine festen Anhaltspunkte vor, die eine entschiedene Stellungnahme auf der einen oder anderen Seite rechtfertigen würden. An gutem Willen auf beiden Seiten zu einer friedlichen Beilegung des Zwischenfalles mangelt es nicht, und man darf hoffen, daß der geringfügige Anlaß nicht ausreichen wird, eine mehr als hundertjährige Freundschaft zu trüben.
Frankreichs politische Lage.
Die Neuen Zürcher Nachrichten melden aus Lausanne: Eine aus Paris eingetroffene, hochangesehene Persönlichkeit schildert die Lage in Frankreich in sehr düsteren Farben. Man stehe in Paris vor einem Wendepunkt. Entweder Wohl⸗ fahrtsausschuß im Stile 1789, oder Militärdiktatur ist die Situation, auf die man raschen Schrittes zutreibt und aus der es anscheinend kein Entrinnen mehr gibt. Alle ernsthaften Franzosen sehen mit Bangen der weiteren Ent⸗ wicklung eines Zustandes entgegen, von welchem die Geheim⸗ sitzungen der Kammer die erste Phase sei. Die Franzosen, die Frankreich lieben(J), wollen lieber Militärdikta⸗ tur als Ausschuß.
Vom Balkan. Die serbische Antwortnote.
T. U. Sofia, 27. Aug. Nachrichten aus Nisch besagen, daß die serbische Antwortnote an die Entente vorgestern über—
schläge der Entente an und ist zu Gebietsabtretungen an Bulgarien bereit, jedoch nur zu folgenden Bedingungen: die Abtretung eines Teiles der Kompensationen, darunter des Wardargebietes soll erfolgen, sobald Bulgarien seine Aktion gegen die Türkei beginnt, die Abtretung des anderen Teiles erst bei Friedensschluß. Maßgebende bulgarische Politiker erklären, daß bei diesem Charakter der serbischen Note eine Verständigung mit Bulgarien vollständig ausgeschlossen sei, jedoch wird die Fortsetzung der Unterhandlungen zwischen Serbien und der Entente erwartet. Griechische Erregung.
Wien, 27. Aug. Az Est meldet aus Sofia: Einem Be: richt des Athener Korrespondenten des Blattes Duma zufolge hat der angemeldete Anspruch Italiens auf kleinasiatisches Gebiet, hauptsächlich auf den Dodekanes, in Griechenland beispiellose Erregung hervorgerufen. Die Lage wird auch dadurch verwickelt, daß Italien Gebietsteile bean⸗ sprucht, die von der Entente auch Griechenland angeboten wurden.
Der Heilige Krieg gegen Italien.
T. U. Chiasso, 27. Aug. Der Secolo meldet aus Kon⸗ stantinopel, daß der Scheich ul Islam in Konstantinopel den Heiligen Krieg gegen Italien ausgerufen habe.
Verschiffung umfangreicher italienischer Kräfte.
T. U. London, 27. Aug. Die Daily News berichten aus Genf, daß nach dort verbreiteten Meldungen zurzeit in
i die Verschiffung umfangreicher italienischer Streit⸗
Truppen gebracht werden, gehen auseinander.
kräfte vor sich gehe. Die Meinungen darüber, wohin die Es heißt, daß sie entweder nach Gallipoli oder aber nach Libyen ge · bracht werden sollen. Nach den letzten Meldungen ist es auch zu erwarten, daß die Italiener einen Angriff auf Kleinasien (Smyrna) planen.
Dieutscher Reichstag.
Berlin, 26. August.
(Schluß.) Generalmajor v. Langermann: Die Ausführungen des Abg. Bauer sind geeignet, die größte Beunruhigung hervorzurufen (Sehr richtig!— Zuruf bei den Soz.: Ist schon da!) und im Aus⸗ lande den Anschein zu erwecken, daß die Militärverwaltung für die Hinterbliebenen nicht genügend sorgt. Ein derartiger Vorwurf, der speziell mich als den Leiter der Hinterbliebenenfürsorge trifft, ist mir während meiner 36jährigen Dienstzeit noch nicht gemacht wor⸗ den und ich muß ihn mit aller Schärfe zurückweisen.(Sehr richtig!) Eine Beunruhigung wird durch solche Reden aber nicht nur im Lande hervorgerufen, sondern auch bei unseren Kriegern draußen geweckt und das darf nicht sein. Ich habe mit meiner Brigade draußen gekämpft und weiß, wie die Stimmung meiner Leute durch den Gedanken erhöht wurde, daß ihre Familien geborgen sind. Darum rufe ich von hier aus meinen Freunden, meinen treuen heldenhaften Kameraden im Schützengraben draußen zu: Für Eure Familien wurde und ist gesorgt und wird weiter gesorgt werden. (Lebhafter Beifall.) a 2 Abg. Paasche(Natl.): Wir möchten unter dem feierlichen Ein⸗ druck des Beginns dieser Sitzung jeden Mißton vermeiden, müssen aber doch sagen, daß der Abg. Bauer den Frauen und Kindern der Krieger keinen Dienst erweist, wenn er in dieser Weise alles in den Schmutz zieht. Gewiß ist Not vorhanden, aber das ist doch nur die Ausnahme.(Lebh. Beifall— Starker Widerspruch bei den, Soz.) So wie Abg. Bauer es geschildert hat, sieht es in Deutschland nicht aus(Zustimmung). Die Frauen und Kinder unserer Krieger sind nicht auf Brot und Wasser angewiesen.(Lebh. Zustimmung.— Unruhe bei d. Soz.) Wir sollten der Militär⸗ und Zivilverwaltung und auch den Gemeinden und Arbeitgebern danken, für die großen Mittel und Kräfte, die sie zur Unterstützung der Kriegerfamilien aufgewandt haben. Den Fällen, die der Abg. Bauer anführte, könnte man eine Fülle von Gegenbeweisen entgegenhalten. Für wirklich bestehende Not gibt es allenthalben helfende Hände.(Sehr wahr!) Redner tritt für die Ansiedlung von Kriegsinvaliden auf Renten⸗ giitern ein. Jedem, der für das Vaterland geblutet hat, sollte man eine eigene Scholle geben, dann hätte man ein großes soziales Werk getan.(Bravo b. d. Natl.) Abg. Malkewitz(kons.) ist mit der scharfen Abwehr gegen Bauer einverstanden. Kritik ist notwendig, darf sich aber nicht von den Tatsachen entfernen. Auch auf unsere Kriegsfürsorge können wir stolz sein.(Lebh. Zustimmung rechts und i. Ztr.) Herr Bauer mag seine das Vaterland schädigende Ausführungen mit seinem Ge⸗ wissen abmachen.(Na, na! bei den Soz.) Die Beseitigung der Nachtarbeit det Bäcker auch im Frieden ist wünschenswert, bevor sie aber beschlossen wird, muß die Denkschrift der Regierung und das Gutachten der Handwerkskammern abgewartet werden. Abg. Behrend(Wirtschaftl. Vereinig.): Wenn auch die lange Dauer des Krieges Schwierigkeiten bei der Fürsorge mit sich gebracht hat, so muß doch anerkannt werden, daß sowohl Reichs⸗ leitung als Gemeinden und Private außerordentlich Hervorragen⸗ des auf dem Gebiete der Unterstützung geleistet haben. Es mögen unzweckmäßige bureaukratische Maßnahmen getroffen sein, aber alle berufenen Stellen sind daran, die Mißstände abzustellen. Der gute Wille, Gutes zu leisten, ist überall vorhanden. Abg. Spahn(Zentr.): Jeder in der Kommission hat die Ueber⸗ zeugung gehabt, das Beste für die Invaliden und die Witwen zu tun. Wenn man das berücksichtigt, so erfüllt es einen mit tiefem Bedauern, daß heute hier eine solche Rede gehalten wurde, wie es Herr Bauer getan hat. Die Rede schafft viel Beunruhigung und berührt das Ansehen des ganzen deutschen Volkes.(Lebh. Zust.) Abg. Stadthagen(Soz.): Der Abg. Bauer hat noch nicht genug Fälle vorgebracht. Wenn wir Zensurfreiheit hätten, wür⸗ den Sie alle diese Fälle schon erfahren haben. Ich möchte Sie dringend warnen, ein Gesetz zu beschließen, welches eine Ver⸗ schlechterung bringen würde. Dies wäre der Fall, wenn Sie durch die beantragten Gesetzesänderungen ein Abzugsrecht gesetzlich fest⸗ legen. Sie wollen, daß die Unterstützung wegfällt, wenn die gesetz⸗ liche Rente bewilligt ist, während doch festgelegt werden muß, daß die Kürzung erst eintrittt, wenn die Rente tatsächlich ausgezahlt ist. Ich weiß, Sie wollen es nicht. Sie sind derselben Ansicht wie ich, aber wenn Sie den Kommissionsantrag annehmen, so geben Sie der Verwaltung Vollmacht, die Unterstützung zu kürzen. Ich bitte Sie dringend, in Ihrem eigenen Interesse, das bestehende Gesetz be— stehen zu lassen. Schatzsekretär Helfferich: Der Abg. Stadthagen hat ebenfalls nur auf ganz seltene Ausnahmefälle Bezug genommen. Es ist eine falsche Auffassung, daß eine Doppelzahlung rechtlich
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ber und diele Doppeszaßlang ie e als aue Klasen Jene wo zue. dien. Ver Senn de beiben Verbleib des Betreffenden, sin lichen Pinterblicbenen eine N vorliegenden Anträge ist der, 109 ewährt wird. Wir drefmonatige Doppelzablumanzjelle Einwirkung kenne 2 gehen also dadurch noch weiter. Pie e ich noch nicht. So weit es an mir lian zlage ger daß die Angelegenheit auf dieser Grundlage erweisen wir all den zahlreichen Witwen einer dreimonatigen Doppelzahlung. icht glaube hagen, von dessen Interbretation würde, so nehmen Sie beim Reichsgericht durchdringen weilen. Ich verstehe nicht wie großen Vorteile, die wir gewähren wollen ug dem Brot, das wir Herr Stadthagen den 7 Beh. Zu 15 5 N 5 9 gewähren, Stein machen.(Top. Faks 1): 0 l 750.(Jortschr. n arte): 5e Bedauern meiner Freunde auszusprechen, aß in 5 Herr Bauer ae, e e e f, Es mag And ep Zustimmung und Widerspruch.) egen einzuwenden haben, wenn d lt werden. In den Die Kameraden an und t, daß in der Heimat alles
Dinge bei den zuständigen meisten Fällen war 2 5 inter der Front sind fest dav 15 1 5
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Ausland gescheh Trobben hoben wir niemals erlebt, daß Ver⸗ in feindlichen Ländern so gesprochen
treter der Sozialdemokrati 1 2 55 hätten. Der dentsche Reichstag hat die Pflicht dem elke aß e
bild zu sein im Zusammenhalten und Durchkämpfen, 5 hoffen, daß auch* hier im Hause sich danach richtet.(Lebh. Zust.) Abg. Bauer(Sozialdemokrat): Wenn das Ausland aufmerk⸗ sam gemacht wird, so geschieht es durch Ihre Entrüstung. Ich habe nicht verallgemeinert, ich habe dankbar anerkannt, daß eine große Zahl von Arbeitgebern Unterstützungen zahlt. Ich habe aber da⸗ zei auch Wunden zeigen wollen, und dabei konnte ich nicht nur loben. Die Entrüstung entstand darüber, daß ich überhaupt die Schäden nannte. Sie haben leider verallgemeinert. Ich habe nicht gesagt, daß alle Kriegerfamilien hungern müßten. Ich bin selbst mit tätig in der Kriegsfürsorge. Mir wäre so etwas nicht einge⸗ fallen. Ich habe nur bestimmte Beispiele angeführt und habe nur gezeigt, wie in ländlichen Gemeinden und in kleinen Städten unso⸗ ziale Dinge vorkommen. Ich erkenne öffentlich noch einmal an, daß Hervorragendes geleistet wird, daß in vielen Gemeinden die soziale ere Fürsorge vorzüglich ist. Es bleibt aber die Tatsache bestehen, daß für es noch eine große Zahl von Gemeinden gibt, in denen das alles bonn fehlt, und es ist keine Besserung erzielt worden. Ich habe Be⸗ gerbe und es ist nichts Leut
ist nicht schäb⸗:
einig
eite
direktor hatte gemeint, Zerrbild gegeben hätten. Also damit ist die Sache erledigt. mann hat die Richtigkeit meiner können. Es hat mir fern gelegen, 5 r 1 zu machen. Ich weiß, daß er ein sehr hohes soziales Verständn 8 hat. Ich schätze ihn sehr hoch, und er tut alles, um ihm mitgeteilte Mißstände abzuwenden. Mit der Entrüstung ist nichts getan. Es ist auch nicht richtig, daß ich alles in den Schmutz gezogen hätte, wie Herr Paasche gesagt hat. Ich will nicht im gleichen Tone ant⸗ worten; meine Arbeiterbildung verbietet mir das. Ich habe an⸗ erkannt, daß viel geschieht. Ich habe aber feststellen müssen, daß es leider eine Reihe von Lieferungsverbänden noch gibt, in denen viel gesündigt wird, und das wollte ich abstellen. 3 Präsident Kaempf: Aus den Ausführungen des Herrn Abge⸗ ordneten Bauer geht hervor, daß Herr Paasche gesagt hat, Herr Bauer hätte alles in den Schmutz gezogen. Ich habe das nicht ge⸗ hört; wenn ich es gehört hätte, hätte ich den Ausdruck gerügt. (Große Heiterkeit.) 2 Damit ist die Debatte geschlossen. Die Anträge der Kommissto werden angenommen. Angenommen wird die Resolution auf Vor⸗ legung einer Denkschrift über das Nachtbackverbot in den Bäckereien, und gegen die Stimmen der Konservativen auch der Antrag, der die Beibehaltung des Nachtbackverbots verlangt. An⸗ genommen werden auch Resolutionen, wonach den Kriegsteil nehmern auch nach dem Kriege Bäder kuren und Heil verfahren gewährt werden sollen, in denen die Ansiede lung der Kriegsinvaliden gewünscht wird und eine Fürsorge für das Hausarbeitsgewerbe verlangt wird. Ferner wird ein Antrag angenommen, eine 21gliedrige Kommission flür Beratung aller das Wohnungswesen betreffenden Anträge einzusetzen. Dann wird noch eine Reihe von Petitionen erledigt. 17 Darauf tritt Vertagung ein. Freitag 11 Uhr: Novelle zum Gesetz über den Belagerungszustand und Novelle zum Reichsvereinsgesetz.— Schluß 8 Uhr. N
Diethelm von Buchenberg
* Erzählung von Bertold Auerbach. 61
Der Vetter versprach, zu erzählen; anderntags aber wurde er auch von der Wahrheit überführt, denn vor dem Kurhaus, vor allen Leuten, winkte die Fürstin den Diethelm zu sich und unterhielt sich lange mit ihm. Sie fragte nach seiner Untersuchungshaft, und Diethelm, der anfangs erschrak, richtete sich an einer alten Erinnerung auf und beteuerte, wie er ein treuer Untertan sei und nichts von den Grund— rechten wolle, aber das Schwurgericht, das sei doch gut, da werde man auch öffentlich freigesprochen. Mit einem freund— lichen Lächeln entließ ihn die Fürstin, und der Vetter Trom— peter, der von fern zugesehen, faßte seine Hand, als er zu ihm trat, und rief:„Was meint Ihr, Vetter, wenn das Euer Vater gesehen hätt', der Krattenmacher von Letzweiler?“ Diethelm schien diese Erinnerung nicht genehm, denn er er⸗ widerte:„Was redest du wie ein Mann ohne Kopf?“ Der Vetter verstand und fuhr fort:„Ich hab's nicht allein gesehen, dort steht der Kastenverwalter von G. Guckt, er kommt schon her und will Euch Glück wünschen.“
In der Tat geschah dies auch, und nicht nur der abge— stellte Kastenverwalter, viele andere hohe und niedere Be— amte, ja sogar Adlige, behandelten Diethelm mit Auszeich- nung, und zum darauffolgenden Ball im Kurhaus erhielt Diethelm mit seiner Familie eine Einladung. Martha sagte sogleich, daß sie daheim bleibe, sie sei krank und nicht zum Tanzen da, Fränz aber hüpfte vor Freude, als hörte sie schon die lustigen Tanzfpeisen.
Fränz war, wie gesagt, während des Badeaufenthaltes noch nie zu rechter Freude gekommen, sie fühlte sich nicht recht heimisch in diesen Umgebungen, sie hatte zwar die Bauern- haube abgelegt, die kaum zu bewältigenden Haarflechten auf genestelt und sich einen farbenschillernden Sonnenschirm an- geschafft, aber erst durch einen Geistlichen erhielt sie eine ge ⸗
Schweiz, der in einem zierlichen Rollwagen umhergeführt wurde, war bald der Schützling aller Frauen und Mädchen, auch Fränz wurde durch eine priesterlich zuvorkommende An- sprache in seinen Kreis gezogen und verlor bald jede äußere Schüchternheit, indem sie gleich den übrigen dem Kranken, der noch dazu ein geweihter Priester war, sich dienstgefällig erwies. Die Hilflosigkeit des Kranken ließ jede Scheu ver⸗ schwinden, man durfte ihm die Hand reichen und gefällig sein wie einem Kinde. Der junge Mann, ein wirklich eifer⸗ voller Priester, mit seinem blassen Antlitz, das durch die be— ständige weiße Halsbinde noch gehoben wurde, war eine an— ziehende Erscheinung, und sein brennendes Auge, das er wunderbar zu heben und zu senken verstand, zeugte von innerem Feuer, das auch hervorbrach, wenn er an stillen, schattigen Plätzen dem Frauenkreis vorlas. Er hatte eine wohltönende, ins Herz dringende Stimme. Fränz hatte in der Stadt die Kunst gelernt, Pantöffelchen zu bordieren, und sie saß nun mit den anderen Frauen mit ihrer Arbeit um den heiligen Mann, und hörte die ergreifenden Vorlesungen und eifervollen Vorträge; sie verstand es wie die anderen, mitunter aufzuschauen, einen verständnisreichen Blick zu tun, bedeutsam mit dem Kopfe zu nicken oder gar die Hände in— einander zu legen und unverwandt auf den Redner zu schauen. Mitunter war sie auch wirklich ergriffen, und der Spruch: Rette deine Seele! schauerte ihr durch Mark und Bein. erkannte mit Schrecken, wie sie ihr Seelenheil bisher verwahr— lost, und war geneigt, dem Jungfrauenbund, für den schließ⸗ lich geworben wurde, beizutreten, aber ein äußerlicher Grund half ihr, sich von den schweren Opfern zu befreien. Sie glaubte zu bemerken, daß einige, und zwar die Vornehmsten und Manierlichsten, von dem weihevollen Manne vorgezogen wurden, die Eitelkeit regte sich, und gewohnt, daß alles in der Welt nur zum Scheine geschehe, sorschte sie auch hier den Täuschungen nach und glaubte solche immer mehr zu finden. Dennoch war sie bereits so sehr im Bannkreis des jungen Priesters, daß sie ihm reuig und zerknirscht diese ihre Sünde offen beichtete, aber die Mahnung, ihre Eitelkeit zu besiegen,
Sie
diese Aufforderung gerade mit der Ehre zusammentraf, die ihrem Vater durch die Fürstin von N. geworden war. 9 Die Leichtigkeit, mit der sich ein Verhältnis im Badeleben knüpft, zeigt sich auch im Lösen desselben. Fränz hatte immer mehr Abhaltungen, im Schatten der Kastanien unter dem andächtigen Zuhörerkreis des Missionars zu erscheinen. Wenn sie dorthin ging, hatte sie den stillen, bescheidenen Gang und den niedergeschlagenen Blick, wenn sie aber bei den Mustke a im Freien erschien, hatte, sie, man kann fast sagen, etwas schäckernd Hüpfendes, wobei sie den Kopf in den Nacken warf. Und diese letzte Haltung gewann die Oberhand, als d ö Priester, bald geheilt, im blumenbekränzten Wagen abreiste. Fränz wollte, rund herausgesagt, sich hier einen Mann erobern. 5 8 Den Munde bei seinen Schafen hatte sie längst vergessen ja, sie sah jetzt, daß er nie zu ihr gepaßt habe; aber hier to ihr die Wahl weh zwischen dem Rautenkranzsohn der hier Kellner war, und dem Amtsverweser. Der Kellner war ei gutartige und heitere Erscheinung; aber es hatte doch ern Abstoßendes, daß er hier jedermann bediente und gegen alle Welt freundlich und unterwürfig sein mußte. Das behagte dem hoffärtigen Wesen der Fränz durchaus nicht Wenn er ihr bei Tafel eine Schüssel reichte und dabei einige freundliche Worte sprach, schämte sie sich fast, ihm zu antworten; zwaß erinnerte sie sich wieder, was er daheim zu bedeuten habe, und wie er mehr sei als viele, die er hier bediente; aber eben dieses Bedienen gefiel ihr nicht, und dann konnte der Kellne nie einen Spaziergang, viel weniger eine Ausfahrt mitmach er mußte froh sein, wenn er eine Stunde von fünf bis sechs Uhr nachmittags erübrigte, um, an den Hauspfosten gelehn„ eine Zigarre zu rauchen, die er schnell verbar wenn ein Gast kam. Dennoch hatte Fränz nicht recht den Mut sich vo ihm abzuwenden, ja, sie dachte sich aus, wie alles schon and würde, wenn sie einmal ein eigenes Wirtshaus hätten Amtsverweser dar äußerst zurückhaltend obgleich er mit derselben Tafel speiste; er schien mehreren Damen den
fellschaftliche Firmelung. Ein junger Missionar aus der
machte sie stumm und im Innersten widerspenstig, zumal
zu machen, die er oft auf Spaziergängen begleitete. [FJortsetzung jolgt.) 3 f


