Ausgabe 
21.8.1915
 
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* b Reichstag.

2.(14.) Sitzung, Freitag, den 20. August, nachmittag Ann deere Delbrück, Jagow, Helfferich, Der Platz des Abg. Brühne(Soz.), der heute 60 Jahre

ist mit Blumen geschmückt.

2 Uhr.

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Auf der Tagesordnung steht zunächst folgende Anfrage des Abg. Dr. Liebknecht(Soz.), die der Abgeordnete unter großer Un⸗

* verliest:

Ist die Regierung bei entsprechender Bereitschaft der anderen Kriegführenden bereit, auf der Grundlage des Verzichts auf Annexionen aller Art in sofortige Friedensverhandlungen ein

zutreten? 1 8 5 Staatssekretär v. Jagow: Ich glaube, dem Einverständnis der großen Mehrheit die

5 8 2 a ses Hauses zu begegnen, wenn ich auf die Anfrage des Abg. Dr. Lieb⸗ knecht eine Antwort zu erteilen, als zurzeit unzweckmäßig ablehne. Abg. Liebknecht versucht zu

(Lebhafter Beifall besonders rechts. 0 f sprechen. Seine Worte gehen in dem großen Lärm und Gelächter unter.). l N

Die neuen Kriegskredite.

Berichterstatter Graf Westarp(k.) berweist auf die Zusage der Regierung, den Betrag von 200 Millio⸗ nen Mark, der bei der letzten Anleihe für die Wöchnerinnenpflege und für die Invaliden⸗ und Erwerbslosenunterstützung abgezweigt war, aus der neuen Anleihe wieder auf den ursprünglichen Betrag zu bringen. Die Kommission hat einstimmig die Bewilligung der Anleihe zu empfehlen beschlossen.

Bei keinem unserer Feinde ist bisher der Wille hervorgetreten, den Plan der Vernichtung Deut sch⸗ Iands aufzugeben, geschweige denn zu einem Frieden bereit zu sein, der unseren gerechten Anforderungen nach diesem uns aufgezwunge⸗ nen Kriege entspräche. Die Kommission ist überzeugt, daß unsere Volkswirtschaft die neue Anleihe tragen kann, und daß das Volk bereit ist, die Anleihe aufzubringen. Größere Opfer als die

schwersten finanziellen Opfer bringen unsere Brüder draußen im (Lebhafter Beifall.) Reichsschatzsekretär Dr. Helfferich:

Felde.

este Begründung für diese Vorlagen ist der einmütige Wille des Volkes, den Krieg bis zum siegreichen Ende durchzuhalten, bis zu einem Frieden, den wir vor uns selbst, vor Kindern und Enkeln, verantworten können.(Lebhafter Beifall.) Solange sich die Feinde nicht bequemen, aus unserer Unbesiegbarkeit die notwendigen Folge⸗ rungen zu ziehen, sind die Waffen unser einziges Mittel, sie zu überzeugen.(Sehr richtig!) 5 a Die 10 Milliarden sollen auch diesmal wieder durch Anleihe nufgebracht werden. Wir wollen während des Krieges die gewal⸗ tigen Lasten, die unser Volk trägt, nicht ohne zwingende Notwendig⸗ keit durch Steuern erhöhen. Eine stärkere Belastung des Ver⸗ brauchs würde bei den ohnedies hohen Preisen hiergegen ebenfo verstoßen, wie eine stärkere Belastung des Verkehrs. Die direkten Steuern werden heute forterhoben, teilweise in einzelnen Bundes⸗ stagten auch in wesentlich stärkerem Maße herangezogen. Ueber die Kriegsgewinnsteuer kann ich mitteilen: In der Konferenz der bundesstaatlichen Finanzminister wurde ein grundsätzliches Ein⸗ verstäudnis erzielt. Es handelt sich um eine Gesetzvorlage, die genau durchgearbeitet werden muß; so reif ist die Sache noch nicht. Die Betroffenen werden auch die finanziellen Veränderungen durch den Krieg erst nach seinem Abschluß übecsehen können. Die seinwandfreie Begriffsbestimmung des Kriegsgewinns ist steuer⸗ itechnisch unmöglich, andererseits sind alle, die während der Kriegs⸗ zeit in der Lage waren, ihr Vermögen erheblich zu vermehren, auch fimstande und verpflichtet, in höherem Maße als durch gewöhnliche Besteuerung zu den Kriegslasten beigutragen.(Bravo!) Damit ist die Anlehnung an die Reichsvermögens⸗Zuwachssteuer gegeben. Der Vermögenszuwachs durch Erbgang in naher Verwandtschaft Jol be⸗ lfreit bleiben. Die Sondersteuer auf Kriegsgewinn soll als Beitrag für die Kriegskosten nicht nur in barem Geld, sondern. auch Durch Hergabe von Kriegsanleihe entrichtet werden können. Die Sorge wor einer solchen Steuer braucht also niemand davon abzuhalten, Kriegsanleihe zu zeichnen.(Große Heiterkeit.) Wenn wir die Möglichkeit haben, den Frieden nach unseren Notwendigkeiten zu cgestalten, dann dürfen wir die Kostenfrage nicht vergessen. Wir müssen danach trachten, daß die ganze künftige Lebenshaltung un⸗ sseres Volkes, soweit es irgend möglich ist, entlastet wird. Sehr trichtig!) Das Bleigewicht der Milliarden für die Kriegsentschädi⸗ gung haben die Anstifter des Krieges verdient, sie sollen es in Zu⸗ kunft mit herumschleppen, nicht wir.(Lebhafte Zustimmung. Ge⸗ wiß handelt es sich hier um eine ganz besonders schwere Aufgabe, ber alles, was nach dieser Richtung hin geschehen kann, wird ge⸗ tan werden.(Bravo! 51 129 5 Die Oeffentlichkeit weiß, daß die Ausgabe einer dritten Kriegs⸗ unleihe bevorsteht. Die materiellen Kräfte, die den beiden ersten Anleihen einen über alle Erwartungen hinausgehenden Erfolg ber⸗ schafft habn, sind auch heute noch ebenso stark. Bis auf verhälknis⸗ mäßig kleine Beträge sind die ungeheuren Summen, die das Reich braucht, im Lande geblieben, sie sind unseren Soldaten, unserer 2 i ft, unserer Industrie zugute gekommen und haben sich zum Teil von neuem zu Sparkapital verdichtet. Redner verweist auf die Entwickelung der Darlehnskassen. Sie zeigt, daß Wee Segner sich täuschen, wenn sie behaupten, der Erfolg unserer Kriegsanleihe sei nur Mache, sie würde nur finanziert ni Anweisungen der Darlehnskassen. So erzählt der Dailh Le 155 graph, unsere Darlehnskassen beliehen alles, was ihnen 8 ht werde, bis auf Zahnstocher und Kohlen becken.(Heiterkeit) Hier⸗ über kann man lachen, aber man muß sich auch klar darüber seig, zaß diese systematisch fortgesetzten Verleumdungen, diese 1 8 detung unseter Finanzkraft uns einen großen Schaden in 1 0 en ändern zufügt.(Sehr richtig!) Die Einlagen in 179 1% 1 5 n haben 1913 um eine Milliarde zugenommen, 1914 trotz des Setegszuftandes um 900 Minionen Mark. In, demerstende Moran sieses Jahres betrug der Zugang nahezu 15 een(Hört, dörkl) Allerdings ist der Belrag fast völlig aufgebraucht 1 zu Zahlungen von Kriegsanleihen seitens der 1 sese Lahlungen betrugen 1 Milliarde 800 Millionen Mark. 11 e aber dunn man sagen, die Sparkassen sind wieder völlig intakt, sie haben kinen Bestand pon 20 Milliarden Mark, sie haben mehr als jemals ö Kriegsausbruch. Aehnlich günstig liegen die Dinge au bei dern Banfen. Die Flüssigkeit des Geldes hat sich zum Teil sogar

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A spekulauvem Treiben an der Börse verdichtet. Aber ein leichter 4 Bu hat gerügt, um hier Einhalt zu tun und die Einsicht zu ber⸗ reiten für die Verwendung von Geld beute bessere Möglich⸗

Spekulation. 7.

erer

O. alt wird,

Gießen, Samstag, den 21. August 1915.

eilage zur Oberhessischen Volkszeitung Nr. 195

Alles Geld gehört dem Valerlande, Kriegsanleihe ist heute das Anlagepapier. Zu den Zeichnungen sollen diesmal auch die Post⸗ anstalten herangezogen und für die kleinen Zeichnungen unter 1000 Mark Teilzahlungen bis zu 100 M. gestattet werden. Reklame ugch englischem Musser werden wir für unsere Kriegsanleihen nicht treiben. Es eutshricht nicht dem deutschen Geschmack, auf den Ernst des Krieges die Zirkusreklame anzuwenden.(Sehr richtig!) Die§prozentige Kriegsanleihe ist heute das volkstümlichste Papier, das es je in Deutschland gegeben hat.(Sehr richtigl) Den Aus⸗ gabekurs werden wir dank unserer finanziellen Kraft etwas höher setzen. Wir können auf unsere Finanzlage um so stolzer sein, wenn wir sie mit der unserer Feinde vergleichen. Nach genauen Untersuchungen sind die Gesamtkosten dieses Weltkrieges bei allen Beteiligten täglich auf nahezu 300 Millionen Mark zu schätzen, auf das Jahr etwa 100 Milliarden Mark.(Hört! hört!) Es ist dies die größte Wertzerstörung und 2 ertberschiebung, die jemals die Weltgeschichte gesehen hat. Von den einzelnen Ländern hatte bis

bor kurzem Deutschland die schwerste Last zu tragen. Aber in⸗ zlvischen hat uns England überholt. Dort haben die täglichen

Ausgaben für Kriegszwecke den Betrag von 80 Millionen Mark überschritten.(8 hört!) Wir wollen England diesen Vor⸗ sprung gönnen(Heiterkeit.), zumal die Engländer selbst das Ge⸗ fühl haben, daß wir mit geringeren Mitteln mehr leisten. Auf die Koalition unserer Feinde entfallen nahezu zwei Drittel aller Aus⸗ gaben, auf uns und unsere Verbündeten etwa ein Drittel der Kriegskosten. Frankreich, das Land der Rentner, hat es bisher kaum zu einer regelrechten Anleihe gebracht, und England, das Land der 2 prozentigen Konso hat es zuerst mit einer 3%pro⸗ zentigen Anleihe versucht, auf die zwar 7% Milliarden gezeichnet wurden, allein die zu 95 Prog. ausgegebene Anleihe sank schon am ersten Tage unter den Ausgabekurs und hat sich seither darunter gehalten. Die Anleihe, die bis Ende Juli reichen sollte, war Ende März aufgebraucht. Man half sich mit Schatzwechseln, aber der Andrang der Käufer blieb aus. Erst in allerletzter Zeit ist man wieder zur Emission einer großen Anleihe über gangen. Der Zinssatz wurde auf Proz. hinaufgesetzt, was zusammen mit den weitgehenden Konversionsrechten einen wirklichen Zinsfuß von mehr als 5 Proz. bedeutet. Die Anleihe, die den Kriegsbedarf bis März 1916 decken sollte, hat etwa 600 Millionen Pfund ge⸗ bracht; dieser Ertrag wird bereits im September wieder versiegt sein. Auch dies Ergebnis wurde nur dadurch erreicht, daß die Großbanken sich am letzten Tage entschlossen, ihre Zeichnungen auf den doppelten Betrag zu erhöhen. Bei uns aber sind die beiden Kriegsanleihen stets über dem Ausgabekurs geblieben. Wenn also das alte Wort noch seine Bedeutung hat, daß zum Kriegführen Geld gehört, dann werden selbst unsere Feinde merken, wie günstig wir stehen. Die dreiprozentige französische Rente ist um 20 Proz. zurückgegangen, und in England beträgt der Mindestkurs der 3½prozentigen Konsols 65 Proz. Unsere deutschen Staatspapiere dagegen zeigen einen Rückgang von nur 8 bis 9 Proz., also auch hier schneiden wir am besten ab.(Bravo!) Allerdings entstellen unsere Feinde auch hier, um zu beweisen, daß wir am Verbluten sind. Die Londoner Börse hat kürzlich unsere dreiprozentigen Reichsanleihen mit 49% Proz. notiert.(Heiterkeit.) Ich habe mich vergeblich bemüht, auf dem Umwege über das neutrale Aus⸗ land deutsche Staatsanleihen zu diesem schönen Kurs zu kaufen. (Große Heiterkeit.) Aber es ist mir nicht gelungen, auch nur ein einziges Papier zu bekommen.(Große Heiterkeit.) Ein weiteres günstiges Zeichen für uns ist die Erhöhung des Goldbestandes der Reichsbank seit Kriegsausbruch um mehr als eine Milliarde. Die Times lügen, wenn sie behaupten, daß wir unseren Bundes⸗ genossen Geld abgenommen hätten. Wir betrachten unsere Ver⸗ bündeten nicht als Ausbeutungsobjekte.(Bravo!) Redner be⸗ spricht den auswärtigen Wechselkurs und kommt zu folgendem Schluß: Das Geheimnis unseres Erfolges auf dem finanziellen Kriegsschauplatze liegt nicht in dem, was man gemeinhin den Reichtum nennt. Er besteht vor allem in der Arbeitskraft unseres Volkes, die im Kriege und für den Krieg schafft. Was der Krieg verzehrt, ist nicht etwa unser Geld, das ist die Summe von Kriegs⸗

material und von Unterhaltsmitteln, die unser Volk jetzt auf eigenem Boden mit Anspannung aller Energie stets aufs erzeugt. Wo das Geld über die Grenzen rollt, um Kriegs

und Nahrungsmittel zu ergänzen, da rollt es nicht so leicht zurück. Mögen unsere Feinde ihre Geldmaschine reparieren, nützen würde ihnen das erst, wenn sie uns die Leistungsfähigkeit unserer In⸗

dustrie nachmachen könnten. Das können sie ebensowenig, wie sie (Sehr richtig!) Dazu ge⸗

uns unser Heer nachmachen können. hört eiserne Erziehung, Pflichtbewußtsein und Disziplin, ein durch tausendjährige Geschichte zufammengeschweißtes Volkstum.(Leb⸗ hafter Beifall.) In uns allen lebt der Wille zum Sieg, deshalb vertraue ich darauf, daß das, was Sie jetzt

bewilligen, vom ganzen Volke gezeichnet werden wird.(Lebhafter wiederholter Beifall.)

Abg. Dr. David(Soz.):

Das Bild der finanziellen Kriegslage, das der Reichsschatz⸗ sekretär gegeben hat, zeigt erfreulicherweise, daß Deutschlands Lage günstiger ist als die seiner Gegner. Die vom Reich verausgabten Summen sind zum größten Teil im Lande geblieben. Er⸗ gebnis der englischen Absperrungsstrategie ist für die wirtschaftliche Betätigung Deutschlands nach dem Kriege von der größten Be deutung. Die Gläubiger des Reichs sind vielfach dieselben Leute, die durch Kriegslieferungen und andere Kriegsgeschäfte große Ein⸗ nahmen gehabt haben. Die soziale Gerechtigkeit verlangt, daß das Reich durch eine Kriegsgewinnsteuer sich einen erklecklichen Anteil daran sichert.(Lebh. Sehr richtig!) Weiter hoffe ich, daß nicht noch einmal die harte Notwendigkeit einer Kriegskreditvorlage an uns herantritt, daß es inzwischen gelingt, einen für Deutschland ehren⸗ vollen und guten Frieden zu erreichen. Hierzu berechtigen die glänzenden Leistungen unserer Truppen, die uns mit Stolz und Bewunderung erfüllen.(Lebhaftes Bravo!) Den Dank, den wir ihnen schulden, dürfen wir nicht bloß in Worten abtragen. Alle, die draußen ihr Leben einsetzen, müssen die Gewißheit haben, daß im Fall ihres Todes für ihre Lieben in der Heimat ausreichend gesorgt ist, daß sie selbst im Fall der Verstümmelung nicht mate⸗ riellem Elend entgegengehen. Können die neuen Ges zur Rege⸗ lung der Militärhinterhliebenen⸗ und Invalidenfürsorge nicht schon während des Krieges fertiggestellt werden, so muß inzwischen in allen Fällen ausreichende Hilfe ohne falsche fiskalische Sparsam⸗ keit gewährt werden.(Lebhafte Zustimmung.) Ferner muß alles bermieden werden, was die Stimmung der Truppen herabdrückt. Immer wieder gelangen Klagen über schlechte Behandlung bei der Ausbildung der Truppen in der Heimat zu uns.(Sehr wahr!) Auch bei der Ernährung der neuauszubildenden Truppen machen sich Uebelstände geltend. Man muß auf ältere Leute, die aus einer langgewohnten häuslichen Pflege kommen, und auf Leute mit schwächerer Konstitution Rücksicht nehmen. Auch die Herabsetzung der Verpflegungsgelder für außerhalb der Kaserne wohnende Mannschaften von 1/05 M. auf 60 Pf. ist eine übelangebrachte Sparsamkeit.(Zustimmung.) Auch wird über Schwierigkeiten und ungleiche Berücksichtigung bei der Erteilung von Heimatsurlaub

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schaftliche und seelische Widerstandskraft der Heimatbebölkerung gestärkt werden. Die Versorgung der breiten Volksmassen mit aus⸗ reichender Nahrung ist ebenso wichtig wie die Versorgung der Armee mit Munition. Gewiß hat die Reichsleitung redlichen Willen an die Löfung dieser Aufgabe gesetzt, aber die ergriffenen Maßnahmen waren unzureichend. Die Preise für die Massennahrungsmittel müssen wesentlich herabgesetzt werden. Die Ernteergebnisse waren im allgemeinen gut, wir haben ausreichende Mengen von Lebens⸗ mitteln im Lande. Es muß also gelingen, die Seuche des Lebens⸗ mittelwuchers auszurotten.(Lebhafte Zustimmung.) Gewissen⸗ losen Lebensmittelwucherern muß, wie auch der Staatssekretär Dr. Delbrück in der Kommission gesagt hat, das Brandmal des Ver⸗ lustes der bürgerlichen Ehrenrechte aufgedrückt werden, denn ihr Handeln ist ein gemeines Verbrechen am eigenen Volke.(Lebhafte Zustimmung.) f

Notwendig ist ferner eine Erhöhung der Unterstützungsgelder für die Familien der Kriegsteilnehmer, sonst werden die Sorgen und Entbehrungen in Millionen von Familien im nahen Winter noch schlinimer. Hoffentlich ist die Regierung hierzu bereit. Wenn so die phhsische und seelische Widerstandskraft der Millionen draußen im Felde und der Millionen, die in der Heimat wirken und schaffen, gestärkt wird, dann dürfen wir allem, was kommen mag, ruhig ins Auge sehen.(Zustimmung bei den Sozialdemo⸗ lraten.) Wie in allen Völkern, so lebt auch in den Deutschen die Sehnsucht nach dem Tage, wo die Glocken den wiedergewonnenen Frieden künden. Es wäre schlimm um die Menschheit bestellt, wenn es anders wäre. Jeder Tag des Krieges bedeutet weitere furchtbare Zerstörungen von Kulturwerteg, neue Opfer an Leben und Lebens⸗ glück. Auf ine möglichst baldige Beendigung des blutigen Ringens hinzuwirken, muß jedem sittlich empfindenden Menschen als ernsteste Pflicht erscheinen. Ich verweise darum auch heute auf die Erklärungen meiner Partei auf den früheren Tagungen, wir be⸗ harren auf den darin niedergelegten Grundsätzen, und ich wieder⸗ hole unsere Erklärung vom 4. August:Wir fordern, daß dem Kriege, sobald das Ziel der Sicherung erreicht ist, und die Gegner zum Frieden geneigt sind, ein Ende gemacht wird durch einen Frieden, der die Freundschaft mit den Nachbarvölkern ermöglicht. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Nicht Eroberungssucht hat Deutschland in diesen Krieg geführt, aber Eroberungssucht darf diesen Krieg auch nicht unnötig verlängern.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Leider sind die Gegner Deutschlands trotz ihrer schweren Niederlagen nicht zum Frieden geneigt, im Gegenteil, ihre Führer haben ihre Entschlossenheit bekundet, den Krieg fort⸗ zuführen bis zur völligen Niederwerfung Deutschlands, bis zur Durchsetzung ihrer gegen uns und unsere Verbündeten prokla⸗ mierten Eroberungsziele. Sie hoffen weitere neutrale Staaten ur gewinnen und dadurch den um Deutschland gezogenen Ring noch lückenloser und mächtiger zu gestalten. Doch die Zeit betrachten sie als ihren großen Verbündeten. So bleibt uns nur übrig, sie zu der Einsicht zu bringen, daß diese Hoffnung eitel ist.(Lebhafter Beifall auf allen Seiten.)

Der Reichskanzler sagte gestern, die Macht unserer inneren Stärke können wir nur im Sinne der Freiheit gebrauchen. Er hatte im Sinn die äußeren politischen Verhältnisse beim Friedens⸗ schluß. Ich füge hinzu, daß dem deutschen Volke auch ein größeres Maß innerpolitischer Freiheit gewährt werden muß.(Zuftt bei den Sozialdemokraten.) Die neuen Bahnen müssen zur vollen Entfaltung der politischen und kulturellen Kräfte unseres Volkes führen, zur Gewährung gleicher staatsbürgerlicher Rechte in Ge⸗ meinde, Staat und Reich.(Lebhafte Zustimmung bei den Sogial⸗ demokraten.) Die Masse des deutschen Volkes steht an Tüchtig⸗

keit, organisatorischem Geist und sozialem Pflichtgefühl so hoch, daß ihr die Forderung auf volle politische Gleichberechtigung ni

nicht mehr versagt werden darf.(Lebhafte Zustimmung bei den Can demokraten.) Schaffung freier höherer Rechts⸗ und Kulturzu⸗ stände, innerhalb unseres Volkes und von Volk zu Volk, das muß das unberrückbare Ziel einer Politik sein, die den höchsten Inter⸗ essen unseres Volkes und der gesamten Menschheit dient. Int Dienst und im Kampfe für dieses Ziel stimmen wir auch diesmal den geforderten Krediten zu.(Lebhafter Beifall.), 5

Abg. Dr. Spahn(Z., auf der Tribüne schwer verständlich) ere klärt sein Zustimmung zu den Bemühungen des Reichskanzlers, vor dem Kriege durch eine Verständigung mit England den Frieden zu erhalten. Leider habe England in dieser Kulturfrage versagt. Dem Abg. David stimmt er zu in der Forderung, daß für die Kriegsteilnehmer und ihre Hinterbliebenen ausreichend gesorgt werden muß.

Abg. Bassermann(natl.): Wir danken dem Reichsbankpräsi⸗ denten und der Finanzverwaltung für ihre Leistungen, die die Hoffnungen der Feinde auf eine Erschöpfung von Deutschlands Finangkraft vereiteln. Auch die dritte Anleihe wird von Erfolg sein. Die heutige Erklärung des Abg. David hat die Haltung der sozialdemokratischen Partei bom 4. August v. J. bestätigt. Mögen wir auch in den Kriegszielen voneinander abweichen, einig ist unser Volk in dem Willen, durchzuhalten, bis ein starkes, unantastbares Deutsland und die Freiheit der Meere errungen ist. Die Sorge um die Ernährung unseres Volkes teilen wir. Heißen Dank zollen wir unserem herrlichen Heer und unserer starken Flotte. Unser Kaiser war ein Friedenskaiser, der Krieg ist ihm aufge⸗ zwungen. Möge er zu Ende geführt werden in einer Weise, die dieses weltgeschichtlichen Ereignisses würdig ist.(Bravol) N

Abg. Fischbeck(Vp.) gibt der Ueberzeugung Ausdruck, daß die neue Anleihe dieselbe Aufnahme finden wird wie die frühere und fordert, daß den Gemeinden finanzielle Beihilfen zur Linderung der Kriegsnöte gegeben werden. Hoffentlich wird der Krieg dag beitragen, das Vertrauen untereinander zu stärken und zu be⸗ wirken, daß auf sem Vertrauen innere politische Freiheit er⸗ blüht.(Bravo! links.)

Abg. Oertel(kons.) dankt dem Heer und der Flotte für die großen Taten. Vor allem aber gebühre Dank den Schutztruppen, die draußen auf verlorenem Posten kämpften. Die Bewilligung der Kredite sei selbstverständlich. Es unterliege keinem Zweifel, daß die Einkreisungspolitik Englands planmäßig den Krieg vor⸗ bereitet und daß der Kanzler alles getan habe, um ihn zu ver⸗ hindern. England und Rußland seien beide gleich schuld, sie beide bedeuten für uns die gleiche Gefahr. Auf die realen Garantien beim Friedensschluß dürfe man unter keinen Umständen ver⸗ zichten. Auch müsse man dem Volke die seelische Kraft erhalten, deren Wurzeln im Gottesglauben liegen. Der Krieg sei eine Fügung des Himmels.(Bravo! rechts und im Zentrum.)

Staatssekretär des Reichskolonialamts Dr. Solf: Unsere Kolo⸗ nisten und Soldaten in den Kolonien haben sich tapfer und todes⸗ mutig für die deutsche Sache geschlagen.(Lebhafter Beifall.) Der Fall von Südwestafrika war der schwerste Schlag für die deutsche Kolonialvberwaltung; aber wir harren aus in der Ueberzeugung, daß das Schicksal unserer Kolonien auf den Schlachtfeldern in Europa entschieden wird. Freilich ist das nur ein schwacher Trost für die unsäglichen Leiden, die ein Teil unserer Landsleute in dem mörderischen Klima von Dahomey und auf den Transporten nach Europa erlitten hat und noch erleidet. Die unwürdige Behandlung der Weißen in Gegenwart der Farbigen, die Mobilisierung der schwarzen Rasse gegen die weiße ist ein Schandfleck, den England nie wieder los wird.(Stürmische Zustimmung.) England wird noch am eigenen Leibe verspüren, was es heißt, die eigene Rasse zu be⸗ schimpfen, zu besudeln und buchstäblich mit Füßen zu treten. Wir wollen uns durch diesen Schlag nicht abschrecken lassen, unsere Kolonialpolitik auf der bisherigen Bahn weiter zu verfolgen.(Leb⸗ hafter Beifall.)

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