Auch der anarchistische Syndikalist Tom Mann ist für den Krieg gegen Deutschland. Die australische Arbeiter⸗ zeitung Maoriland Worker veröffentlicht einen Brief von Tom Mann, datiert 11. April aus Glasgow, in dem er das
fast einstimmige Eintsten der britischen Arbeiter für den
Krieg bespricht und dann auch seine persönliche Ansicht äußert:„Ich mache keinen Versuch, in eine Agitation gegen den Krieg einzutreten. Ich bin wirklich der Meinung, daß dieser Krieg bis zu Ende ausgefochten werden muß, und je energischer er ausgefochten wird, desto besser.“ Und das sel auch die Meinung sämtlicher britischer Arbeiter, mit denen er mündlich oder brieflich verkehre.
Ueberfüllung der Woll⸗Lager in London.
In ungewöhnlich schroffer Form hat die Regierung die Abfuhr der angehäuften Wollvorräte aus den Londoner Docks gefordert, unter Androhung, daß sie sonst selbst und ohne Rücksicht auf die dadurch für die Eigner entstehenden Kosten die Räumung vornehmen würde. Die Times vom 14. 8. füg: diefer Meldung bei, die Ursache der Ueberfüllung der Lager— häuser sei die Einschränkung der Ausfuhr. Alle Kolonial⸗ wolle strebe nach England; die feindlichen Abnehmer fallen aus, Frankreich nehme fast nichts(seine Fabriken sind fast vollzählig in deutscher Gewalt). Die Regierung müsse frei⸗ gebig mit Ausfuhrscheinen sein, wenn Abhilfe geschaffen wer⸗ den solle. l
In den sieben Monaten dieses Jahres sind 719,7 Millio⸗ nen gegen 546,7 Millionen Pfund(englischen Gewichts) im Vorjahre angefahren worden; die Ausfuhr ist von 259,7 Mil⸗ lionen auf 69,8 Millionen Pfund gefallen.
Eingreifen Persiens in den Krieg?
Konstantinopel, 19. Aug.(W. B. Nichtamtlich.) Die Zeitung Taswir⸗i⸗Efkiar erfährt zuverlässig: Der Grund des Rücktritts des persischen Kabinetts und von Ain ed Dauleh liegt in der äußeren Politik. Man glaubt, daß mit dem Falle des Kabinetts Persien aus seiner Neutralität heraus⸗ treten kann, um sich gegen England und Rußland zu wenden. Aller Wahrscheinlichkeit nach bildet das neue Kabinett Mostav Fiuk Momali.
Der Angriff auf Brest⸗Litowsk eingeleitet.
Der Kriegsberichterstatter des Berl. Tagbl., Leonhard Adelt, meldet seinem Blatte aus dem K. und K. Kriegspresse⸗ quartier unterm 19. August: Der Angriff auf die Südwest⸗ front von Brest⸗Litowsk ist nunmehr e ingeleitet. Im Anschluß an die gegen den Fortgürtel vorgehende Armee Mackensen marschiert die Armee des Erzherzogs Josef Ferdi⸗ nand und Koeveß. Nach Uebergang über den Bug beiderseils Niemirow gegen die Bahnlinie Brest-Bialystok ist dieselbe bon der k. k. Reiterei der Heeresgruppe des Prinzen Leopold bei und nördlich Bielsk vom Südflügel der Heeresgruppe von Hindenburg nahezu erreicht. Damit sind der wichtige Knoten⸗ punkt Bialystok und die ihm nördlich vorgelegene kleine Bober⸗Festung Ossowiec von der südlichen Bahnverbindung abgeschnitten. Die Beute an Geschützen in Kowno hat sich auf 430 erhöht. Nachdem die Russen ihre Massen mit großer Geschicklichkeit und zäher Ausdauer aus dem von Norden, Westen und Süden umklammerten polnischen Zen⸗ trumsraum herausgezogen haben, macht sich eine starke Trup⸗ penverschiebung in Richtung Wilna—Dünaburg-—Riga be⸗ merkbar.
Meuterei in einem belgischen Regiment.
An der JYerfront meuterte ein belgisches Regiment. Mehrere Rädelsführer wurden kriegsgerichtlich abgeurteilt und erschossen. Das Regiment blieb zur Strafe zwei Wochen lang in der ersten Feuerlinie.
Große Brände auf den Aalandsinseln.
T. U. Stockholm, 20. Aug. Gestern und heute war hier
das Gerücht im Umlauf, daß die Wälder der Aalandsinseln
und auf Finnand in Fammen stehen. Man hat von Gotland
und der schwedischen Küste aus Feuersäulen und andauernden
Rauch beobachtet. Ob die Wälder von den Russen, wie Angelegenheit befassen werde, und obgleich in der! Uhrmacher und Goldarbeiter.— Man belangt Naben r———— 333 S E n R r
behauptet wird, angezündet wur den, läßt sich nicht feststellen. N Englisch⸗australische Kultur.
Der Berl. Lok.⸗Anz. teilt unter der Ueberschrift:„Euglisch⸗
australische Kultur“ folgendes mit: e e eee Wahlkreises Bochum⸗Gelsenkir chen⸗Hattingen⸗Wit⸗
Neu⸗Guinea hatten einen englischen Missionar,
Auwefenheit in der deutschen Kolonie sich nicht entbradet dane, Stimme, bei drei Stimmenchaltungen,
Kriegsverrat zu begehen, verprügelt. Einige Pflanzer, unter denen
materiellen Behandlung der Anfrage dadurch w. eine Aenderung noch eine Verzögerung eingetr.
wäre. 5*
Eine Vertrauensmänner⸗Versammlung des
en 40
t 0 aach eis Referat des Genossen Hue gegen eine e den ee folgende Resolution an:
sch auch dentsche Taumte befanden, wurden verbeltet und an keit, tingen⸗Witten, von 62 Vertrauensleuten besucht, erklärt sich mit
lischen Administrator zur öffentlichen Auspeitschung verurteilt. Vergeblich protestierten die Pflanzer und auch der⸗ noch anwesende deutsche Bezirksrichter, der darauf hinwies, daß noch deutsches Recht gelte. Die Verurteilten baten, erschossen zu werden, doch umsonst. Einer von ihnen hatte verfucht, in der Nacht vor der Exekution Selbstmord zu begehen, um sich so der Schande zu ent⸗ ziehen. Bei der Ausführung des Urteils mußten alle anwesenden Deutschen erscheinen, jedoch durften sie nach dem Verlesen des Ur⸗ teils wieder fortgehen. Nur ein Pflanzer und ein Beamter blieben onwesend. Die Exekution wurde von einem australischen Soldaten vollzogen. Einer der Herren bekam 30 Hiebe, die übrigen zwischen 10 und 25.
Ein neuer Völkerrechtsbruch Englands.
Der Berl. Lok.⸗Anz. schreibt: Schon seit geraumer Zeit lagen zahlreiche Anhaltspunkte dafür vor, daß in den Ver⸗ einigten Staaten von Amerika eine lebhafte Werbetätigkeit für die englische Armee betrieben werde, ohne indeß einen greifbaren Beweis in die Hand zu bekommen. Wie nunmehr von zuverlässiger Seite mitgeteilt wird, hat sich jetzt die Rich⸗ tigkeit dieses Verdachtes ergeben. Die amerikanische Regie⸗ rung hat nunmehr Anlaß genommen, in dieser Sache, die eine Verletzung der amerikanischen Neutralität durch Eng⸗ land darstellt, eine amtliche Untersuchung einzuleiten.
Kriegs notizen.
Mehrere in die Dienste der englisch⸗ägyptischen Regierung ge⸗ tretene dänische Taucheringenieure trafen in Bern ein. Sie reisen von hier aus über Marseille weiter nach dem Sue z⸗ kanal, um versenkte Schiffe zu heben.
John Ward, Parlamentsmitglied und Sekretär der Erd⸗ arbeiter, der vor 20 Jahren in der englischen Armee als Korporal gedient hat, ist jetzt in die Territorialarmee eingetreten und sofort zum Oberstleutnant befördert worden!
Rietsch meldet aus Moskau: Eine von den Senatoren ver⸗ anstaltete Untersuchung führte zu der Entdeckung, daß die ganze
Schuld an den Moskauer Unruhen den Polizeipräfekten Verhafteten am Dienstag in Freiheit gesetzt worden, 5 jüngerer Leute. Wegen der Haftentlassung der anderen ist Antrag
A dianoff trifft, der den Revierchefs aus Furcht, der liberalen Aae Waffen in die Hand zu geben, jegliches Einschreiten verbot.
Einer behördlichen Anordnung entsprechend wurden die Vankboxe der Rigaer Banken, wo deutsche Einwohner Wertsachen aufbewahrten, erbrochen und alle Wertsachen nach 1 9555 Nowgorod übergeführt. Die Eigentümer haben das Nach⸗ sehen.
Partei⸗Nachrichten. Erklärung.
Zu der vom Genossen Liebknecht im Reichstag
eingebrachten kleinen Anfrage stellt die Fraktion fest:
1. Am 8. Mai 1912 hat die Fraktion folgenden Beschluß gefaßt:
„Bezüglich der„Kleinen Anfragen“ wird beschlos— sen, daß die Genossen, welche solche stellen wollen, diese vorher zur Kenntnis des Fraktionsvor⸗ stan des bringen sollen, wenn nicht Gelegenheit und Zeit gegeben ist, sie in der Fraktionssitzung zur Kenntnis zu bringen. Hat der Fraktionsvorstand gegen die Stellung einer Frage Bedenken, so soll eine besondere Fraktionssitzung anberaumt werden.“
2. Entgegen diesem Beschluß hat Liebknecht von seiner Absicht der Einbringung dieser„Anfrage“ dem Frak— tionsvorstand keine Kenntnis gegeben, sondern unterm 31. Juli ihm mitgeteilt, daß er diese Anfrage beim Reichstagsbureau eingereicht habe. Lieb⸗ knecht hat ferner jeden Versuch, diese Angelegenheit bis zur Fraktionssitzung zurückzustellen, vereitelt, obgleich ihm bekannt war, daß die Fraktion sich mit derselben
den auf die Kriegsereignisse bezugnehmenden Beschlüssen und Aktionen der Reichstagsfraktion, des Parteiaus⸗ schusses und des Parteivorstandes ein verstanden. Sie erblickt in den vorbenannten Körperschaften die verautwortliche Vertretung der Gesamtpartei bis zum nächsten Parteitag. Vom diesen Körperschaften erwartet sie, daß sie auch fernerhin nichts unternehmen, sondern alles bekämpfen, was die Landes⸗ verteidigung schwächen kann, damit der Abschluß eines annehmbaren Friedens, der auch einer dauernden friedlichen Völker⸗ verständigung dienlich ist, nicht hinausgeschoben wird. ferenz ist überzeugt, daß die verantwortlichen Parteiinstanzen auch fernerhin allen annexionspolitischen Bestrebungen, die mit den von der Reigerung beim Kriegsausbruch abgegebenen Er⸗ klärungen im Widerspruch stehen, entgegentreten, weil durch diese Vestrebungen der fürchterliche Krieg verlängert wird. Dasselbe wird auch durch die gehässige und verleumderische Be⸗ kämpfung der deutschen Sozialdemokratie durch die Berner Tag⸗ wacht und ihre Hintermänner herbeigeführt, die lediglich auf eine Zersplitterung und Schwächung unserer Partei hinaus⸗ läuft! Dagegen protestiert die Konferenz und fordert die organi⸗ sierten Arbeiter und Arbeiterinnen auf, alle diese Bestrebungen energisch zurückzuweisen. Die Konferenz erwartet vom Partei⸗ vorstand und der Fraktion die weitere energische Fortführung des Kampfes gegen den Lebensmittelwucher, und daß sie mit allem Nachdruck von der Regierung Maßnahmen zur Sicherstellung der neuen Ernte für die Volksernährung verlangen. Um eine Linde⸗ ung der drückenden Teuerung zu erreichen, ist ein weiteres Ein⸗ greifen durch die Kommunen dringend geboten, welche zu niedrigen Preisen verkaufen sollen, um damit die Profitsucht namentlich des Großhandels entgegenzuwirken. Die Regierung hat aber für alle Lebensmittel die Höchstpreise im Volksinteresse möglichst niedrig zu setzen, damit die Kommunen der Bevölkerung gerecht werden können.“ Im Interesse der Einigkeit war ein Passus in der Reso⸗ lution gegen den Genossen Haase, nachdem Genosse Hué das empfohlen hatte, zurückgezogen worden. a
In dem Karlsruher Flugblattprozeß, N der wegen Verbreitung des Berner Frauenmanifestes inszeniert wurde, ist nach erfolgtem Schluß der Voruntersuchung ein mel der meistens
beim Reichsgericht gestellt.
Arbeiterbewegung.
25 jähriges Jubiläum der Bergarbeiter⸗Zeitung.
25jähriges Erscheinen zurück. Nachdem der im Jahre 1889 ge⸗ gründete Bergarbeiterverband zunächst das Organ des sächsischen Bergarbeiterverbandes, den Glück⸗Aauf, als Verbandsorgan hatte, beschloß die Generalversammlung anfaugs 1890 die Herausgabe eines eigenen Organs und übertrug dem Druckereibesitzer Jeup⸗ Elberfeld den Druck desselben, welcher hierfür eine zweite Druckerei in Gelsenkirchen errichtete. Von den vielen Schwierigkeiten und gerichtlichen Bestrafungen der Redakteure— sämtliche Redakteure
erhielten längere Freiheitsstrafen—, wollen wir nur erwähnen,
wersehenes Ladenlokal, von der Polizeibehörde als ungeeignet ge⸗
wenn sich nicht eine Druckerei in Elberfeld bereit erklärte, den Dru bis zur Herstellung eines anderen Druckereilokals zu übernehmen Nach vielen Schwierigkeiten konnte die Druckerei in diesem Raum in Betrieb genommen werden. Im Jahre 1892 erwarb der Verband die Druckerei als Eigentum und siedelte, nachdem schon vorher die Leitung des Verbandes nach Bochum übergesiedelt war, er, Druckerei 1896 nach Bochum, Johanniterstraße. 1904 wurde der
bandes übergeleitet. Auch der Titel der Zeitung ist mehrere Male geändert worden. Zunächst Deutsche Bergarbeiter-Zeitung, nahm dieselbe nach einiger Zeit den Titel Deutsche Berg- und Hütten⸗ arbeiter⸗Zeitung an, um jetzt noch als Bergarbeiter-Zeitung 3 erscheinen.
D. Kaminka, Gießen
Marktplatz ll.
Reichhalliges Lager in Uhren, Golde und Silberwaren. Lieferant des Konsum⸗ Vereins Gießen u. Umg. und des Eisen⸗
Diethelm von Buchenberg.
Erzählung von Bertold Auerbach. 5⁵
Munde war ein finsterer Gevatter von gar nicht bräut— licher Laune, und als ihn der Geistliche um den Namen des Täuflings fragte, gab er nicht, wie verabredet, den Diethelms an, sondern rief zitternd:„Medard!“ Er bebte in der Kirche, denn er dachte, daß einst seine eigenen Kinder einen Groß— vater liebkosen sollten, der so Arges getan. Beim Tauf— schmaus schnitt es ihm anfangs in die Seele, da man ihn als glücklichen Schwiegersohn Diethelms laut pries und der junge Kübler ihm ein Hoch ausbrachte, daß er ebenfalls ein Familienfürst werden möge wie sein Schwäher. Nach und nach— die Huldigung hat allezeit ihren verführerischen Reiz— beschwichtigte Munde die Gewissensschreie in seinem Innern, zumal er Fränz so überaus glücklich sah.
Fränz war es gewohnt, sich in den Familien der von ihrem Vater Beglückten preisen und erheben zu lassen, und wie sie die Geschenke ausbreitete und alles voll Dank und Lob war, zeigte sie wirklich eine hohe Freude und Gutherzig⸗ keit; sie suchte an sich herum, ob sie nichts mehr zum Ver— schenken habe, und löste ihre Korallenschnur ab. Unter all dem verworenen Gestrüpp blühte doch in ihr die Blume wirk— licher Milde und Freigebigkeit.
Im Nachhausefahren umarmte Munde seine Fränz voll Glückseligkeit, da sie sagte, wie gut sie es doch hätten, da sie so vielen Menschen Gutes tun könnten. Das war jetzt auch für Munde ein Trost, in dem er zu vergessen suchte, wie schreckenvoll alles um ihn sei.
Es sollte ihm aber nicht gelingen.
XXV.
Die Landstände hatten glücklich das alte Einsteherwesen wiederhergestellt. Zum großen Pferdemarkt, der alljährlich in der Hauptstadt abgehalten wurde, schnallte sich Diethelm eine vollgestopfte Geldgurte um, er wollte ein neues Gespann und einen modischen sogenannten Charaban kaufen und dann seinen Schwiegersohn vom Militär losmachen. Munde ver⸗ ließ nur ungern jetzt seinen Vater, der fast nicht mehr vom
Bette herunterkam und zusehends abfiel; der alte Schäferle
wollte aber nichts von ihm wissen und sagte immer:„Laß du uns beide“— er meinte sich und den Paßauf—„nut allein, geh du deiner Wege, sei glücklich, so gut du's kannst. Du hist jung, bei dir verlohnt sich's noch, der Diebshehler zu sein, ich bin schon zu alt, ich wär' ein Narr, wenn ich erst so spät anfangen tät'.“ Martha versprach, des kranken Mannes zu warten, Fränz ließ sich nicht davon abbringen, mit nach der Hauptstadt zu reisen; was sie einmal wollte, das mußte auch geschehen.
Am Morgen, als Munde kam, schickte sie ihn noch einmal nach Hause, er mußte die neuen Kleider anziehen, die sie nach städtischer Tracht für ihn bestellt hatte. Als er wiederkam, knüpfte sie ihm das Halstuch nochmals anders und sagte dann frohlockend, sich vor ihn hinstellend:„So. Siehst du? So, jetzt bist ein Mann, der sich sehen lassen darf.“
Schon beim Einsteigen gab es Streit, Fränz behaup⸗ tete, ein Brautpaar gehöre zusammen, und der Vater solle auf den Vordersitz und kutschieren; aber Munde willfahrte ihr nicht, und Fränz beruhigte sich erst, als ihr Munde sagte, daß die Herren in der Stadt oft selbst fahren. Draußen vor dem Dorfe gab es abermals Händel. Diethelm wollte, daß Munde die Geldgurte umschnalle, und setzte selbstverräterisch hinzu:„In der Stadt kannst mir sie wiedergeben.“
„Das leid' ich nicht,“ schrie Fränz,„entweder— oder, ent— weder behaltet Ihr die ganze Zeit die Geldgurte, oder mein Munde behält sie; er ist nicht Euer Knecht, er ist wenigstens grad so viel wie Ihr. Ihr könnt ja das Geld ins Kutschen⸗ truckle tun.“
Das wollte aber Diethelm nicht, sei es, daß er das . noch scheute oder daß er das Geld auch zeigen wollte.
Wo man einkehrte, hatte Fränz bei der Ankunft und bei der Abfahrt noch manchen Zank mit dem Vater und mit Munde. Sie wollte es nicht dulden, daß dieser sich als Knecht benahm, ja, sie weinte vor Zorn, als Munde ihr nicht nach⸗ gab, und sprach oft stundenlang kein Wort mit ihm.
Im Oberland war es noch ziemlich rauh und kalt. Je
mehr man aber nach dem Unterland kam, zeigte sich der wonnige Frühling; man fuhr durch Buchenwälder, die in
und drüben am Wege standen; aber in den Herzen der drei Moenschen, die da hinfuhren, war Widerstreit und Trübsinn mancher Art. konnte, Munde über die Art, wie er die Pferde führte, zu⸗
Zorn aufreizt, Wenn es einen
als ein Dreinsprechen kleinen„Stich“ hinabging, rief Diethelm noch besser.“ Munde ließ es an heftiger Widerrede nicht fehlen, peitschte oft geflissentlich die Pferde und fuhr im Zorne in der Tat ungeschickt, besonders beim Ausweichen so daß es mehrmals ein Unglück gegeben hätte, wenn ihm Diethelm nicht in die Zügel gefahren wäre. Fränz wartet immer darauf, daß Munde einmal tapfer aufbegehren und die ganze Geschichte hinwerfen werde; als es aber immer ni geschah, biß sie sich auf die Lippen und murmelte stille vor sich hin Schimpfworte auf Munde, die sie hinter seinem Rücken sprach. 5 Man kehrte in der Hauptstadt im Rautenkranz ein, Fränz war wenigstens einigermaßen zufriedengestellt, als Munde beim Absteigen sagte:„So, jetzt beim Heimfahre könnt Ihr kutschieren, Schwäher, nicht um ein Königreich fahr ich noch einmal so. Komm, Fränz, wir zwei wollen 1 sammenhalten. Weißt noch, wie oft ich da bei dir gewesen bin? Ich freu' mich, grad hier zu zeigen, daß wir doch noch ein Paar geworden sind.“ 2„Siehst jetzt, daß ich recht hab'?“ entgegnete Fränz, sie mit ihrem Bräutigam allein war,„mit meinem Vate 6075 kein Tochtermann aus, der ihm nicht den Mei zeigt.“ g 1 Sie blieb stets bei dem Gedanken.
(Jortsetzung folgt.)
ö
„Die Kreiskonferenz des Wahlkreises Bochum⸗Gelsenkirchen⸗Hat⸗
Die Kon⸗
Mit dem 16. August blickt die Bergarbeiter⸗Zeitung auf ein
daß das Druckereilokal, ein großes, mit zwei großen Schaufenstern 1
schlossen und das Erscheinen der Zeitung in Frage gestellt wurde,
mit der
ganze Betrieb in das neuerbaute Verwaltungsgebäude des Ver⸗
—
dem ersten so zarten, knospenfeuchten Grün prangten, und bald fuhr man zwischen blühenden Obstbäumen, die hüben
5
Dazu kam noch, daß es Diethelm nicht lassen
rechtzuweisen, und es gibt vielleicht nichts, was leichter zu beim Pferdelenken.
jedesmal:„Sperr' die Mick(Bremse) und fahr' Trab, dreh


