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Hessen und Nachbargebiete. Gießen und Umgebung.
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Konsumenteninteressen und Reichstag.
Der Kriegsausschuß für Konsumenteninteressen, der sich in der Kritik der wirtschaftlichen Maßnahmen des Bundes— rats zur Versorgung des Volkes mit Nahrungsmitteln ein Verdienst erworben hat, legt dem Reichstage in einer beson— deren Eingabe seine Wünsche für die Regelung der Lebens— und Bedarfsmittelversorgung des Volkes im neuen Wirt— schaftsjahr vor. Es ist klar, daß nachdem monatelang dieses Gebiet der öffentlichen Kritik unterstanden hat, alle Parla— mente und Kommunalverwaltungen und die ganze Presse sich eingehend mit diesen Fragen beschäftigt haben, der Kriegs— ausschuß nicht mehr viel Neues zu entdecken vermochte und als Forderung aufstellen konnte. Er beschränkt sich im wesent— lichen auch auf die alten, in der sozialdemokratischen Presse einmütig vertretenen Forderungen der Bestandsaufnahme, der Höchstpreise und der Verbesserung des Kleinhandels. Als neu ist aber hervorzuheben, daß er Einfuhrprämien aus Reichsmitteln fordert, die die Einfuhr aus dem Ausland anregen sollen. Er hofft dadurch die Inlandspreise zu drücken. Diese Forderung scheint uns nicht unbedenklich, da sie einen Extraprofit für den Handel bedeuten würde, ohne daß eine Gewähr besteht, die Preise im Inland zu erniedrigen. Diese richten sich jetzt nach der inneren Marktlage und die verhältnismäßig kleinen Zufuhren aus dem Auslande können im Verhältnis zur Größe des deutschen Konsums und der Knappheit der deutschen Eigenproduktion keinen besonderen Einfluß auf die Preisentwicklung ausüben. Im übrigen sickert bereits durch, daß die Reichsregierung eine andere Maßnahme plant, um den besonderen Wucher und den beson— deren Profit bei der Einfuhr zu regeln. Sie will auch für die Einfuhr, die bisher keinerlei Beschlagnahme, keinerlei Preisregulierung unterstand, Höchstpreise festsetzen, oder sie den inländischen Höchstpreisen unterordnen. Man muß diese Frage der Einfuhrmöglichkeiten heute nicht ausschließlich unter der Rücksicht auf Preis und Verkauf betrachten, sondern man muß sich, so traurig das an sich auch sein mag, daran er⸗ innern, daß wir für jede Einfuhrmöglichkeit dankbar sein müssen und— da wir eine Beschlagnahme für das Ausland nicht besitzen— die Regulierung der Preise der Auslands. waren leider dem freien Markt überlassen müssen, penn wir überhaupt irgendwelche Nahrungs⸗ und Genußmittel herein⸗ bekommen sollen. Das ist eine traurige Notwendigkeit der Kriegszeit.
Sehr sympathisch berührt in der Eingabe die Forderung auf Festsetzung der Mehlpreise nach Maßgabe der Selbstkosten. In dieser Ftage treffen sich alle Interessenten, mit Ausnahme der Mühlenbesitzer und einiger Spekulanten. Die Spannung zwischen Getreide⸗ und Mehlpreisen ist ja eine besondere Un geheuerlichkeit des ersten Kriegswirtschaftsjahres. Sie ist jetzt in ihrer Wirkung wenigstens nach der neuen Bundes- ratsverordnung insoweit gedämpft, als die Kommunalver⸗ bände gezwungen sind, das Mehl zum Selbstkostenpreise ab⸗ zugeben und Ueberschüsse zu gemeinnützigen Zwecken zu ver⸗ wenden. Es kommt deshalb ausschließlich darauf an, die
„Kommunalverbände zu zwingen, keine Mahllöhne an die Mühlen zu zahlen, die über das billige Maß hinausgehen. In der Kartoffelfrage kann sich leider, wie es scheint, selbst der Kriegsausschuß für Konsumenteninteressen nicht zur For⸗ derung der vollen Beschlagnahme aufraffen. Er verlangt nur eine Sicherung bei ungenügendem Ausfall der Ernte für rund 15 Millionen Tonnen, um die menschliche Ernährung zu mäßigen Preisen sicherzustellen. Wenn die Ernte besser ausfällt, so will er sogar auch hiervon absehen und begnügt sich dann mit der Festsetzung von Richtpreisen für die großen Bezirke und Einschränkung der Trinkbranntweinerzeugung sowie mit der Forderung der Kartoffeltrocknung und der Aufspeicherung von Trockenkartoffeln für den äußersten Not- fall. Diese Forderungen sind keineswegs genügend, da sie die Spekulation nicht in vollem Umfang ausschalten. Wir wissen und haben wiederholt darauf hingewiesen, daß schon jetzt allerlei Vorverkäufe auf Kartoffeln ausgeführt berden. In Mecklenburg haben sich sogar unter den Landwirten zu diesem Zweck besondere Genossenschaften gebildet. Es ist also notwendig, daß vor allen Dingen der Bundesrat alle Vorperkäufe in Kartoffeln für nichtig erklärt, wie er das mit gutem Erfolg beim Getreide getan hat. Daran muß sich, was wir immer wieder fordern, die Beschlagnahme genügen⸗ der Kartoffelmengen für die menschliche Nahrung schließen, da keinerlei Grund mehr besteht, eine solche Beschlagnahme aus technischen Gründen abzulehnen. Hat doch selbst der Staatssekretär des Innern in der Budgetkommission gestern zugegeben, daß sich die Kartoffeln überall in den Mieten überraschend gut gehalten haben. Es fällt niemanden ein, unter Beschlagnahme der Kartoffeln die Zentralisation der Kartoffeln an einem Punkte zu fordern. Die Landwirte sollen sie ruhig in ihren Mieten behalten und pflegen. Bei der Vieh- und Fleischfrage, bei den Futter- und Düngemitteln, bei der Milch und den Milchprodukten, beim Gemüse und bei den Leucht- und Heizmitteln beschränkt sich der Kriegsausschuß auf die alten Forderungen möglichster Be⸗ schlagnahme, Festsetzung von Höchstpreisen beim Produzenten nd beim Händler mit einer entsprechenden Spannung und Organisierung des Vertriebs mit Unterstützung der städtischen Einrichtungen.— In der Zuckerfrage geht der Kriegsausschuß unseres Erachtens wiederum nicht weit genug. Er verlangt nur Festsetzung von Höchstpreisen für Rohprodukte, sowie für Verbrauchs zucker im Groß- und Kleinhandel. Er läßt ganz außer Acht, wie wichtig die selbst von der demokratisch⸗bür⸗ gerlichen Presse schon vertretene Forderung ist, daß die Auf⸗ hebung der Zuckersteuer durchgesetzt werden müsse. Hier⸗ durch würde das Pfund Zucker um 5 bis 6 Pfg. verbilligt, was gewiß in der gegenwärtigen Zeit eine beträchtliche Er⸗ leichterung wäre, dieses außerordentlich wichtige und nütz⸗ liche Nahrungsmittel zu verbreiten, das Deutschland in so großem Ueberfluß besitzt. 5 Immerhin, wie man auch zu den einzelnen Forderungen
des Ausschusses stehen mag, erwirbt er sich ein bleibendes Verdienst durch seine stete Arbeit und durch seine dauernde Kritik an den Lebensmittelfragen. Er hat seine besondere Aufgabe, die er sich eifrig zu lösen bemüht, und wobei, mit
den nötigen Ergänzungen, er auch von sogfelhe o sratischer Seite gern unterstützt wird. — Beschwerden wegen der Kriegsunterstützung. Ueber
die Unterschiede, die bei der Zuweisung der Unterstltzung an Kricgerfrauen gemacht werden, ist schon häufig bei uns Klage geführt worden. So beschwerte sich kürzlich eine in den ärmlichsten Verhältnissen lebende Frau aus Reiskirchen, daß ihr trotz wiederholter Rücksprache mit dem Bürgermeister die Kreisunterstützung nicht bewilligt worden sei, während nachweisbar vermögende Frauen diese erhielten.— Heute wurde uns ein Fall aus Steinberg mitgeteilt, wo einer jungen Frau die Unterstützung überhaupt verweigert wurde, weil sie sich bei ihren Eltern aufhalte. Dabei ist der Vater dieser Frau ein armer Lohnarbeiter und die Frau selbst muß täglich ihrem Verdienst nachgehen. Aber wie in Reiskirchen, so sollen auch in Steinberg bei Gewährung der Unterstützung große Unterschiede gemacht und dieselbe in der Regel den Frauen gewährt werden, die sie am allerwenigsten bedürfen. Jedenfalls sind solche Vorkommnisse nicht geeignet, auf die im Felde stehenden Männer begeisternd zu wirken.
— Sieben⸗Uhr⸗Ladenschluß. In einer ganzen Reihe von Städten haben die Ladeninhaber, mit Ausnahme der Nah— rungsmittelgeschäfte, den 7 Uhr-⸗Ladenschluß eingeführt. Durch diese Maßnahme, die in erster Linie auf die einge— tretene Geschäftsflaue zurückzuführen ist, hoffe man, Erspar⸗ nisse an den Geschäftsunkosten zu machen. Bewährt sich der frühzeitige Ladenschluß, so soll er während der ganzen Dauer des Krieges beibehalten werden. In Gießen hat man bis jetzt von irgendwelchen Maßnahmen zur Herbeiführung eines früheren Ladenschlusses noch nichts gehört; und doch glauben wir, daß auch hier die Sache durchführbar wäre und bei vielen Geschäftsleuten auf Verständnis stoßen würde. Ganz nette Summen würden dadurch für Heizung und Beleuchtung ge— spart werden, ohne daß von einem Zurückgang des Umsatzes Zesprochen werden könnte, wenn allgemein der frühere Ladenschluß, der auch sonst noch allerlei Annehmlichkeiten für Prinzipal und Angestellte hat, eingeführt würde. Vielleicht beschäftigt sich der Gießener Detaillisten-Verein einmal mit dieser Angelegenheit.
— Der Kartoffelverkauf aus den städtischen Beständen findet jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag, vormit— tags von 8—12 Uhr, Seltersweg 11, statt. Es werden Mengen bis zu 1 Zentner zum Preise von 5½ Pfennig pro Pfund abgegeben.
— Erst lesen— dann unterschreiben! Infolge der durch den Kriegszustand verursachten Abwesenheit vieler Männer erscheint uns folgende Mahnung an die Frauen zur Vorsicht wieder ange⸗ zeigt: Es kommt nicht selten vor, daß Frauen in Abwesenheit ihrer Männer von redelustigen Reisenden aufgesucht und dazu gebracht werden, einen ihnen vorgelegten Bestellschein zu unterschreiben. Der Inhalt des Scheines stimmt gar oft nicht mit dem mündlich Versprochenen überein. Man mache sich daher zum Grundsatz, nichts zu unterschreiben, was man nicht zuvor genau durchgelesen, noch in seiner ganzen Tragweite erfaßt hat, insbesondere keinen Bestellschein zu unterschreiben, worin nicht klipp und klar die End⸗ summe der Bestellung enthalten ist. Klauseln, die man nicht ver⸗ steht und die eine unbillige Erschwerung der Rechtslage des Be⸗ stellers bezwecken, streiche man ohne weiteres.
— Ein unschöner Anblick bietet sich jetzt den Passanten der Bahn⸗ hof⸗ und Mühlstraße dar. Auf einem dem Herrn Stadtverordneten Plank gehörigen Grundstlick hat sich ein Panoramabesitzer mit seinem Wagen niedergelassen und scheint sich dort über den Winter häuslich einrichten zu wollen. Gewiß, die Leute wollen jetzt, wo sie mit ihrem Geschäft nirgends ankommen können, für ihre Wagen einen Unterstand haben, aber daß sie gerade auf einem freien Platz in⸗ mitten der Stadt untergebracht werden müssen, vermögen wir nicht einzusehen. Der Viehmarktsplatz an der Margarethenhütte würde sich u. E. für derartige Zwecke bedeutend besser eignen; in diesem Falle soll sich aber die Stadt aus bestimmten Gründen geweigert haben, dem Panoramabesitzer einen städtischen Platz zu überlassen. Ob für die Aufnahme des so Abgewiesenen bei Herrn Plank Nächstenliebe oder der aus dem Grundstsck zu lösende Mietzins aus⸗ schlaggebend gewesen ist, entzieht sich unferer Kenntnis.
— Wie der Wucher entsteht. In der Köln. Ztg. befindet sich folgendes Inserat: Kapital
bis 500 Mille zu Beteiligungen sofort verfügbar. Nahrungsmittel be⸗ vorzugt. Vorschläge erbeten uw.
Warum der Mann mit seinen 500 Mille die Beteiligung am Nahrungsmittelgroßhandel bevorzugt? Ach, sehr einfach: Weil da das„Geschäft blüht“, weil klotzig verdient wird. Nahrungsmittel ind diesem Geldmann das beste Spekulationsobjekt. Müßte man solchem Mann nicht mindestens bis nach Beendigung des Krieges das Geld fortnehmen, damit er keinen verbrecherischen Unfug da— mit anrichtet?
— Kommunale Lebensmittelfürsorge. Der Magistrat von Potsdam beschloß, um auch die Pretise für Heringe und Schweine— schmalz herabzudrlcken, diese Waren anzukaufen und sie zu ange—
messenen Preisen an die Bevölkerung abzugeben. Mit den Reisankäufen wurden gute Erfolge erzielt. Ferner wurde be—
schlossen, Höchstpreise für Butter festzusetzen.— Ob man sich in Gießen jemals zu solchen durchgreifenden Maßnahmen auf— raffen und die schon wiederholt vom Publikum verlangten Höchst— preise für Butter, mit der geradezu gewuchert wird, festfetzen wird? Soviel uns bekannt, besteht ja auch in Gießen ein von der Stadt- verxordnetenversammlung gewählter Lebensmittelausschuß, von dessen Vorhandensein die breite Oeffentlichkeit allerdings nur durch einige nichtssagende Artikel über den Lebensmittelmarkt im G. Anz. Kenntnis erhalten hat. Glaubt denn der Lebensmittelaus— schuß mit dieser Tätigkeit selne Mission erfüllt zu haben, oder was gedenkt er sonst zu tun, um den überhand nehmenden Wucher wirk— sam zu bekämpfen und das Publikum mit Lebensmitteln zu ange— messenen Preisen zu versehen. Von den von ihm inspirierten Ar— tikeln im Anzeiger, die bisher seine ganze Tätigkeit darstellen, wird das Volk nicht satt. Die Gießener Einwohnerschaft, namentlich die minderbemittelte, hat ein Recht, von der Stadtverwaltung zu ver— langen, daß sie diesen unerträglichen Zuständen auf dem Gießener Markt bald ein Ende macht.
— Abstellung des Lehrermangels. Mit Rllcksicht auf den den hessischen Volksschulen herrschenden Lehrermangel hat Militärbehörde angeordnet, daß alle aus den Lazaretten garnisons- und selddienstunfähig entlassenen Lehrer zur wendung im Schuldtenst beurlaubt werden dürfen.
— Schwurgericht. Die nächste Sitzung des Schwurgerichts für die Proving Oberhessen findet am 17. September d. J. statt. Den
an die als Ver⸗
Vorsitz wird Landgerichtsrat Strack führen.
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Kreis Alsfeld⸗Laulerbach.
— Spende der Alsfelder Amerikaner. Für die Hinterbliebenen der gefallenen und durch den Krieg verstümmelten Alsfelder sind aus Amerika beim Alsfelder Vorschuß-Verein von einer Anzahl ehemaliger Alsfelder Bürger 4581,50 Mark eingegangen. Die Be⸗ stimmung über die Art der Verwendung dieses Geldes bleibt dem Gemeinderat der Stadt Alsfeld überlassen.
Kreis Wetzlar.
— Das Gesinde kann in Preußen straffrei gezüchtigt werden. Das Oberlandesgericht zu Königsberg i. Pr. hat eine Entscheidung gefällt, die für das Gesinde im höchsten Maße ungünstig ist. Ein Förster in Ostpreußen hatte sein Dienstmädchen gezüchtigt, das darauf die Privatklage gegen den Dienstherrn angestrengt hatte. Als letzte Instanz hatte das Oberlandesgericht zu entscheiden, ob der Förster zu bestrafen sei. Nach 8 77 der preußischen Gesindeordnung vom Jahre 1810 kann wohl der Dienstbote für„geringfügige Tät⸗ lichkeiten“ keine gerichtliche Tätigkeit fordern, wenn er durch unge⸗ bührliches Betragen die Herrschaft dazu gereizt hat, doch nach Artikel 95 des Einführungsgesetzes zum Bürgerlichen Gesetzbuch steht dem Dienstberechtigten dem Gesinde gegenüber ein Züchtig⸗ ungsrecht nicht zu.— Das Oberlandesgericht zu Königsberg hat nun folgende Entscheldung getroffen:„Wenn auch ein Recht der Herrschaft, das Gesinde zu züchtigen, nicht besteht, so kann die Herr⸗ schaft doch, wenn sie sich durch ungebührliches Verhalten des Ge⸗ sindes zu leichten Tätlichkeiten hat hinreißen laffen, aus dem§ 77 der Gesindeordnung einen Strafausschließungsgrund entnehmen, der die Rechtswidrigkeit ihrer Handlungsweise, der vorsätzlichen Körperverletzung, beseitigt.— Also: ein Züchtigungsrecht haben die Herrschaften nicht, doch wenn sie das Gesinde prügeln, gehen sie straffrei aus! Artikel 95 des Einführungsgesetzes zum Bürger⸗ lichen Gesetzbuch bleibt vollkommen wirkungslos. Diesen unhalt⸗ baren Zuständen sollte durch Beseitigung der Gesindeordnung ein Ende gemacht werden. 5
Vermischtes.
Der Tod auf den Schienen.
In der Nähe der Station Jsenburg ließ sich ein achtzehn⸗ jähriger Lehrling von einem Eisenbahnzug überfahren, kurz vor der Statton Bockenheim ein dreißigjähriger Eisenbahnarbeiter. Beide waren auf der Stelle tot. 9
Schreckenstat einer Wahnfinnigen.
Eine geistesbeschränkte Frau überfiel in Mörsingen bei Ulm Gänse hütende Kinder und hieb mit einer Sichel derart auf den Rücken eines elfjährigen Mädchens ein, daß das Mädchen jämmerlich zugerichtet wurde und in Lebensgefahr schwebt.
Schwere Diebstähle.
Die Hamburger Polizei verhaftete den Portier Nürnberger und den Packer Kiesky wegen schweren Diebstahls. Beide hatten ihrem Arbeitgeber, einem Fahrradhändler. Gummischläuche, Fahr⸗ radteile usw. im Werte von über 50 000 Mark im Laufe von mehreren Jahren entwendet. Ein großer Teil des gestohlenen Gutes wurde bei Nlirnberger gefunden. Außerdem bei diesem noch eine 2 0 Menge Wein, die er einem früheren Arbe starben entwendet hatte.
Graf, Prokurist, Hochstapler.
In den Nachtlokalen der Lebewelt in Berlin verkehrte seit längerer Zeit ein sehr flotter Lebemann, Graf Helois, der es fertig brachte, in Damengesellschaft große Summen auszugeben. Die Kriminalpolizei verhaftete den Grafen und stellte ihn als den 31⸗ jährigen Prokuristen Paul Heintze fest, der das Vertrauen feiner Prinzipalin auf das ärgste getäuscht hatte. Durch Prüfung der Bitcher wurde festgestellt, daß H. in den letzten Jahren mindestens 50 000 Mark unterschlagen hat. Der„Graf“ wurde verhaftet und dem Untersuchungsgefängnis zugeführt.
10000 Menschen umgekommen.
Die B. Z. meldet aus Schanghai: Ein ungeheurer Taifun, der große Ueberschwemmungen und Feuersbrünste im Gefolge hatte, wütete an der chinesischen Küste. Nach einer amtlichen Depesche des amerikanischen Admirals an das Marinedepartement werden die Verluste an Menschenleben allein in Kanton und Umgebung auf 10 000 angegeben. Auf dem Wusungfluß sind 50 große Dschunken untergegangen. Die Notlage der Bevölkerung ist sehr groß.
Lagesberit des Großen Hauptnurtitk.
Kowno und 2 Forts von Nowo⸗ Georgiewsk gefallen! Die Russen in die Festung Brest⸗Litows“ geworfen. W. B. Großes Hauptquartier, 18. Aug., vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz.
In den Vogesen erfolgten durch sehr erhebliche Mu⸗ nitionsansetzung vorbereitete französische Angriffe gegen Schratzmännle(nördlich von Münster) und unsere Stellung südöstlich von Sondernach. Durch Gegenstöße wurden eingedrungene feindliche Abteilungen aus unseren Gräben geworfen. Südöstlich von Sondernach sind völlig zerschossene kleinere Grabenstücke im Besitz der Franzosen geblieben.
Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg.
Die Festung Kowno mt allen Forts und un⸗ zähligem Material, darunter weit mehr als 400 Geschützen, ist seit heute nacht in deut⸗ schem Besitz. Sie wurde trotz zähestem Wider⸗ stand mit stürmender Hand genommen.
Die Armeen der Generäle v. Scholz und v. Gallwitz dringen weiter nach Osten vor. Ihre vordersten Abteilungen nähern sich der Bahn Bialystok—Bielsk.
Vor Nowo Georgiewsk wurden zwei weitere Forts der Nordostfront erstürmt, 600 Gefangene gemacht und 20 Geschütze erobert.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern.
Der linke Flügel traf gestern am Kamionka⸗ Ab- schnitt beiderseits Siemiatyoze und am Bug bei Fürstendorf(südöstlich von Siemiatycze) auf erneuten starken Widerstand. Der Uebergang über die Abschnitte wurde erzwungen, der Feind geworfen. Der rechte Flügel erreichte das Bug Südufer.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Mackensen.
Die Heeresgruppe hat ihren Gegner über den Bug und in die Vorstellungen der Festung Brest-Litowsk ge. worfen.
Oestlich von Wlodasma dringen unsere Trupepn über die Bahn Cholm—Brest⸗Litowsk nach Osten vor.
Oberste Heeresleitung.


