Ausgabe 
19.8.1915
 
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zunkt der Transporte an. Die Karte zeigt, daß in dieser Gegend ein ausgesprochenes Höhengelände, das durch viele Flußläufe durch⸗ schnitten ist, vorherrscht, also ein geeignetes Operationsfeld ist. Die Pripfet⸗Sümpfe würden dem linken Flügel der russischen Armeen einen unbedingten Schutz gewähren. Der Rückzug bis in die Gegend von Minsk würde aber das russische Heer in zu große Gruppen zerlegen, die durch die Poljesje getrennt wären. Er würde daher einen solgenschweren Entschluß der russischen Hoeresleitung be⸗ deuten. Wohin dieser führen wird, werden die Tagesberichte der nächsten Wochen lehren. Protest gegen russische Schwindelnachrichten.

Wir lesen in der Nordd. Allg. Ztg.:

Da in letzter Zeit der Verleumdungsfeldzug der russi⸗ schen Presse wieder größere Dimensionen angenommen hat, und die russische Regierung ihn durch Uebermittlung offi⸗ zieller Nachrichten aus dem russischen Hauptquartier an die Presse bewußt nährt, obwohl sie von der Lügenhaftigkeit dieser Nachrichten überzeugt sein muß, so ist dieser Tage der hiesigen spanischen Botschaft ein offizieller Protest gegen dieses schamlose Treiben zur Uebermittlung an die russische Regierung übergeben worden.

Die Maccaroninot.

Mailand, 17. Aug.(W. T. B. Nichtamtlich.) Durch die Dar⸗ danellensperre ist die italienische Maccaroni⸗In⸗ dustrie infolge des Ausbleibens des russischen Hartweigen⸗ in arge Bedrängnis geraten. Die Restbestände in Sizilien des noch vorhandenen Hartgetreides stiegen im Preise ungeheuer. Außer⸗ dem wollten weder Sizilien noch Sardinien von den Beständen aus Furcht vor eigenem Mangel an Maccaroni abgeben. Jetzt meldet der Secolo, daß der Ministerpräsident Salandra und der Handels⸗ minister Cavasola sich mit der Notlage beschäftigt und weitgehende Vorsorge für die Auffrischung der Getreidebestände auf beiden Inseln getroffen haben. Der Secolo meint, die Erregung unter den Maccaronifabrikanten sei unbegründet.

Eine amerikanischeEnthüllung.

Die Frankf. Ztg. schreibt: Ein Telegramm aus Newyork vom 16. August meldet, daß die World Briefe veröffentlicht, aus denen hervorgehen soll, daß die deutsche Regierung große Sum⸗ men für Preßagitation in den Vereinigten Staaten aufgewendet habe und auch für den Versuch, in den Vereinigten Staaten Waffen und Munition zu be⸗ kommen. In Verbindung damit wird der Name des Botschafters und einiger der Botschaft attachierter oder nahestehender Herren genannt. Wir wissen nicht, welche Beweiskraft diese Briefe haben, und ob sie gestohlen sind oder nicht. Aber wir nehmen ohne weiteres an, daß zu einer Zeit, wo unsere Feinde Unsummen für die Gewinnung der Presse aller neutraler Länder leider mit Erfolg ausgegeben haben und ausgeben, die deutsche Reglerung Mittel suchen und finden wird, dieser Miniertätigkeit der Feinde auf dem ihr aufgezwungenen Gebiete zu begegnen. Wir wären Narren, wenn wir in einem Krieg, in dem unsere Feinde mit allen Mitteln gegen uns arbeiten. an Keuschheit zugrunde gehen wollten. Daß wir im Ausland zu kaufen suchen, was wir während des Krieges und zum Kriege bedürfen und brauchen können, und was sonst in die Hände unserer Feinde gelangte, ist so selbstverständlich, daß eineEnthüllung darüber ein⸗ fach komisch wirkt. Haben doch die Vereinigten Staaten offiziell ausdrücklich erklärt, es liege im Wesen ihrer Neutralität, daß sie uns ebenso gern Waffen und Munition verkaufen würden wie unseren Feinden.

Aenderung des Reichsvereinsgesetzes.

Der 8. Ausschuß des Reichstages wird laut Deutscher Tageszeitung am Freitag, 20. August, vormittags 10 Uhr, zusammentreten, um den Entwurf eines Gesetzes über Aen⸗ derung des Reichsvereinsgesetzes zu beraten. Es handelt sich dabei im wesentlichen um die Streichung der Bestimmungen über den Gebrauchfremder Sprachen in öffentlichen Versammlungen und um die Teilnahme Jugendlicher an politischen Vereinen und Versamm⸗ lungen. Der Vorsitzende des Ausschusses ist der national liberale Abgeordnete Dr. Junck.

Die Kriegsziele und die Fortschrittliche Volkspartei.

Die Reichstagsfraktion der Fortschrittlichen Volkspartei hat sich, wie der Frankf. Ztg. aus dem Reichs⸗ tage berichtet wird, in eingehenden Beratungen mit den Aufgaben beschäftigt, die der Volksvertretung durch den Gang der geschicht⸗ lichen Ereignisse zugewiesen werden. Sie hat die im Hinblick auf das Kriegsziel erhobenen Forderungen künftiger Grenzfest⸗ setzungen und staatsrechtlicher Neubildungen sorgsam geprüft, er⸗ achtet aber nach gewissenhafter Erwägung die Zeit noch nicht für gekommen ein bestimmtes Programm mit fest um⸗ grenzten Einzelforde rungen für den Abschluß des

riedens aufzustellen. Ebenso entfernt von der grundsätzlichen Ab⸗ 1 12905 Hang w ez wie von uferlosen Annexionsplänen, hält die Fraktion es für unbedingt geboten, das Reich durch militärische und wirtschaftliche Maßnahmen wie durch notwendige Gebiets erweiterungen für die Zukunft zu sichern und für den friedlichen Wettstreit der Völker Bedingungen zu schaffen, die in der Heimat wie auf dem freien Meere die Entfaltung der Volkskraft und des deutschen Volkes gewährleisten. Es wurde einhellig die Erwartung ausge⸗ sprochen, daß die Reichsregierung in vertrauensvollem Zusammen⸗ wirken mit der Volksvertretung zur gegebenen Zeit eine offene Aussprache über die Grundlagen des Friedensschlusses herbei⸗ führen werde, und die seste Zuversicht bekundet, daß Volk, Heer und Flotte im Bewußtsein der weltgeschichtlichen Bedeutung dieser schweren Kämpfe wie bisher in treuem Zusammenhalten ohne Wanken alle Kräfte einsetzen werden, bis ein ehrenvolle und dauernder Friede gesichert ist. Die Partei ist bereit, die Regierung zu unterstützen, die nach den Worten des Kaisers vom 31. Juli 1915 sich die Aufgabe stellt, auf erprobten alten und ver⸗ trauensvoll betretenen neuen Bahnen vorwärts

zu schreiten.

Neue Denkschrift des Reichskolonialamtes.

T. U. Berlin, 17. Aug. Das Reichskoloniakamt hat eine neue Denkschrift über den Krieg in den deutschen Schutz⸗ gebieten ausgearbeitet, die sich in ihrem wesentlichsten Teil niit den Ereignissen in Ostafrika beschäftigt. Neue Mit⸗ teilungen von größerer Bedeutung werden nicht gebracht, vielmehr werden in der Hauptsache unsere und die feindlichen Berichte einander gegenübergestellt und daraus ersieht man, daß die Meldungen unserer Feinde aus den Kolonien ebenso lügenhaft sind, wie die vom europäischen Kriegsschauplatz. Sie sind dermaßen unzuverlässig, daß unsere amtlichen Stellen sogar noch im Zweifel sind, ob die englische Nachricht von der völligen Zerstörung des KreuzersKönigsberg wirklich den Tatsachen entspricht. Jedenfalls dürfen wir mit der Entwicklung der Dinge in Ostafrika nach wie vor zu⸗ frieden sein.

Zum neuen Zehn⸗Milliarden⸗Kredit.

Reichsschatzsekretär Dr. Helfferich wird, wie der Berliner Lokalanzeiger zu melden weiß, bei der Einbringung der neuen Kriegskreditvorlage im Reichstage eine längere Rede halten, in der er sich auch über die Frage neuer Reichssteuern, besonders auch einer Kriegsgewinnsteuer, äußern dürfte.

Gemaßregelte italienische Generale.

T. U. Zürich, 18. August. Der Züricher Tagesanzeiger meldet von der italienischen Front, daß infolge des geringen Ergebnisses der bisherigen italienischen Offensive wieder mehrere Generale von ihrem aktiven Kommando enthoben wurden.

Die permanente Dumasession.

Wie nun feststeht, wird die gegenwärtige Dumasession eine dauernde sein. Nach der Erledigung der wichtigsten Aufgaben wird sie nicht durch einen Ükas des Zaren ge⸗ schlossen, sondern durch eine Rede des Vorsitzenden vertagt werden, um im gegebenen Augenblick jederzeit wieder zu⸗ sammentreten zu können.

Plünderung eines russischen staatlichen Spiritus⸗ lagers durch die Volksmenge.

T. U. Kopenhagen, 18. August. Wie Rußkoje Slowo meldet, fiel bei der Ueberführung der staatlichen Spiritusvorräte in Moskau die Volksmenge plündernd über die Spiritusflaschen her, die dann auf einem Wagen fortgeschafft wurden. Ehe die Polizei erschien, war die Menge mit dem Spiritus verschwunden. Keine einzige Flasche ist zurückgeblieben.

Beschlagnahme von Rohöl.

Wien, 18. August.(W. T. B. Nichtamtlich.) In der morgigen Wiener Zeitung wird eine kaiserliche Verordnung veröffentlicht werden, wodurch das gesamte nach dem Tage der Bekanntmachung der Verordnung im Inlande gewonnene Rohöl zugunsten des Staates beschlagnahmt wird. Die Maßnahme verfolgt hauptsäch⸗ lich den Zweck, die Verteilung des Rohöls auf die Raffinierien in gerechter Weise zu angemessenen Preisen zu ermöglichen.

Friedensdemostratiouen in Amerika.

Amsterdam, 18. Aug.(W. B. Nichtamtlich.) Die hier eingetroffene Newyorker Staatszeitung berichtet aus Chicago: Am 22. Juli fand eine gewaltige Demonstrationsversamm⸗ lung gegen die Waffenausfuhr, die Knebelung des ameri⸗ kanischen Seehandels und alle Versuche, die Vereinigten Staaten in den europäischen Krieg hineinzuziehen, statt. Den

Diethelm von Buchenberg.

Erzählung von Bertold Auerbach. 53 Ist niemand daheim? rief Diethelm jetzt laut. Ja freilich, ertönte eine dumpfe Stimme. Der alte

Schäferle auf der Bank hinter dem Tische rauchte einsam, und die Pfeife im Munde haltend, fuhr er fort:Ich weiß, warum der Diethelm kommt, aber er kann unverrichteter Sache wieder fortgehen. f Diethelm setzte sich auf die Bank und redete dem alten Manne zu, seinen einfältigen Haß fahren zu lassen und glück lich zu sein mit den Glücklichen.

Der alte Schäferle antwortete nichts, legte die Pfeife

auf den Tisch, ging nach dem Schranke, brachte einen weiß eingebundenen Pack und legte ihn auf den Tisch, auf den ein schräger Mondschein fiel.

Wenn du das nimmst, geh ich mit, sagte er.

Was ist's denn? fragte Diethelm.

Mach's auf.

Diethelm öffnete und schrie laut auf, bellte. gefaßt.

5 Der alte Schäferle packte ihn am Arm und rief:Da, da leg deine Hand drauf und schwör, daß du unschuldig bist an seinem Tode. Schwöre, schwöre, so wahr dir Gott in deiner letzten Stunde beistehen mag. Schwöre, und ich will dir Ab bitte tun. Red'! Jede Minute, die du schweigst, schreit, daß du doch ein Mordbrenner bist. Medard, sprich du! da ist dein Mund. Schwöre, Diethelm, schwöre!

Diethelm war's, als ob alle Höllengeister ihn umzingel ten, seine Hand war wie gelähmt, er konnte sie nicht zurück ziehen von dem Totenkopf des Ermordeten, aber plötzlich stieß er auf, daß der Schädel die Stube hinabkollerte.Du bist ein liederlicher Lump. Mich verhext du nicht, schrie er,

0 daß der Hund Er hatte einen Schädel mit halbverbrannten Haaren

Nimm sie mit, nimm sie mit, wenn du kannst, knirschte der alte Schäferle.

Diethelm stand auf und sagte mit fester Stimme:Ich hab dir schon einmal gesagt, ich verzeihe dir, du hast deinen ältesten Sohn verloren, ich mache deinen jüngsten glücklich. Ich verzeihe dir. Morgen ordne ich an, daß alles begraben wird; gib acht, daß sich alles wiederfindet, oder du sollst spüren, wer ich bin.

Stark auftretend schritt er hinaus auf die Straße, und als er sich mit der Hand über das Gesicht fuhr, merkte er einen Modergeruch. Er wusch sich die Hände lange im Schnee.

Im Waldhorn wunderten sich die Leute, wie blaß Diet helm aussah, und wie er große Gläser warmen Weines hin unterstürzte, als wäre es kühles Quellwasser.

Freude und Trauer folgten sich auf dem Fuße. Am andern Tage ließ Diethelm die Ueberreste des Entseelten, die der Vater willig hergab, feierlich begraben, und die Menschen, die Diethelm immer als harten Mann gekannt hatten, lobten ihn sehr, weil er bei dem Begräbnis so heftig weinte.

Die volle Kraft war wieder über Diethelm gekommen, er besuchte die Brandstätte und ordnete den Bau und fuhr oft mit seinen Rappen über Land. Draußen fühlte er sich erst recht wohl. Zwar blieb es eine Widrigkeit, daß er von jedem neu Begegnenden eine Beileidsbezeugung anhören und dar auf mit einer schmerzvollen Miene oder auch mit einem Aus⸗ ruf der Trauer danken mußte; war aber das vorüber, hatte man hin und her den Heuchlerzoll bezahlt, dann überließ man sich ohne Scheu der Freude und dem Glückwunsch. Diese immer wiederkehrende Wahrnehmung, wie lügnerisch die ganze Welt sei, da man Mitleid darlegte, wo man keines hatte und im Gegenteil fast Neid empfand, da man Klagen auspreßte, wo man Freude vermuten mußte, dieses ganze

und seine ganze Kraft kehrte wieder.Woher hast du diese

Vorsitz führte das Kongreßmitglied Frank Buchanan, der Sachen? Die Ueberreste Medards müssen ehrlich begraben werden.

Präsident des Laboür National Peace Council ist. Man be schloß, Wilson im Kongreß einen Protest gegen jede Han lung zu unterbreiten, die die Vereinigten Staaten in die Schrecken des Krieges hineinzerren könnte. 5

5 Ordnung in Mexiko?

Dieses Provisorium 1 Staaten aner werden. Die die

Präsident eingesetzt werden. D Abe⸗Staaten und den Vereinigten Dann solle ein neuer Präsident gewählt Wahlperiode soll Waffenstillstand herrschen. mexikanischen Parteien sollen sich verpflichten, 01 Regierung zu achten und nötigenfalls ihr ihre moralische und finanzielle Unterstützung zu leihen. Für die Partei, welche sich 1 dieser Lösung nicht anschließen wolle, werden die Vereinigten Staaten die Waffenausfuhr verbieten. Der Sondergesandte ö Wilsons in Mexiko versucht augenblicklich diese Lösung durchzu⸗ setzen. Die Unterhandlungen in Washington dauern fort. a

Kriegsnotizen.

Der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Dr. S ü de kum, der als Offizierstellvertreter im Felde steht, hat das Eiserng Kreuz erhalten. g 0

Petit Parisien hat durch Rundfragen in den großen Waren⸗ häusern festgestellt, daß an Filz, weichen Filzhüten, Lein wand, Spielwaren, Farbstoffen und Parfitmerien seit Ausbruch 9 des Krieges Mangel herrsche. Alle diese Gegenstände, die große Preissteigerungen aufzuweisen haben, wurden in Friedenszeiten aus Deutschland und Oesterreich-Ungarn eingeführt. 4

In Sheffield(England) wurde Genosse A. Sa mms, der sozialistische Armenverwalter der Stadt, zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Bei einem seiner Besuche im Lazarett unterhielt er sich mit einem verwundeten kanadischen Soldaten und sagte ihm:Ich glaube nicht, daß es gut sei, nach Europa zu kom⸗ men, um da auf Befehl und zum Nutzen des Kapitals andere Menschen abzuschlachten. Der Soldat denunzierte 5 worauf die Anklage erfolgte. Genosse Samms gab vor Gericht weiteres zu, daß er im Sinne der Anklage gesprochen hatte. f

Die englische Admiralität verbot den Verbauf aller Bücher, die Abbildungen von Kriegs schiffen ent⸗ halten, Flottenhandbücher und Taschenbücher. Die künftigen Auß⸗ gaben dieser Werke müssen ohne Abhildungen erscheinen.

Popolo d'Italia fordert die Regierung auf, durch gesetzlich Eingreifen die reichen Leute von Rom zur Uebernahme de 4 ihnen zukommenden Kriegs lasten zu zwingen, da sie tzt davon drückten, nachdem sie das römssche Volk erst zum Kriege ge⸗ drängt haben.. 5

Die Meldung eines Madrider Blattes, wonach drei Brüder

Mannesmann aus der franuzösischen Gefangenschaft ent⸗ fliehen konnten, ist unrichtig. Von den vier Brüdern

der fünfte, Mar Mannesmann, ist vor einigen Monaten in Aachen gestorben befindet sich einer im Felde, zwei in Berlin und den vierte in Remscheid. Die Angestellten der Gebrüder Mannesmann in Marokko sind bis auf wenige, die rechtzeitig fliehen konnten, in Algier interniert. 3

Parteinachrichten.

In Wiesbaden fand am letzten Sonntag eine Ver⸗ trauensmännerversammlung des Wahlkreises statt, in der der Kandidat des Wahlkreises, Genosse Lehmann Mannheim, ein Referat überdie politische Lage hielt. In einer im Sinne des Referats gehaltenen Resolution wurde mit Entschiedenheit eine Aenderung der in letzterer Zeit betriebenen Parteipolitik ge⸗ fordert. Im weiteren wird auf den veränderten. Charakter des Krieges und die von bürgerlichen Politikern verkündeten An nextionsabsichten Bezug genommen und verlangt, daß dem gegenüber die Partei eine andere Taktik einschlägt. Diese bei⸗ den Sätze der Resolution wurden einstimmig angenommen. Der nachfolgende Satz: Die Vertrauensleute verwahren sich 1 schieden gegen die Versuche der verschiedenen Parteiinstanzen, 0 elementare Recht der freien Meinungsäußerung durch Wort und Schrift den Parteigenossen zu beschränken, wenn deren Meinung auch noch so schroff abweicht von der des Parteivorstandes, wurde mit allen gegen zwei Stimmen angenommen. 14

Der Zweite. 5

Unser Chemnitzer Parteiblatt schreibt: Nachdem unser Kollege Heilmann am 27. Juli beim Uebergang über den Narew durch eine russische Schrapnellkugel eine erheblicheverwundung im Ge erhalten hatte, ist wenige Tage später ein zweiter unserer 0 daktionskollegen, K. A. Meyer, der im gleichen Regiment an den Kämpfen im Osten teilnahm, durch einen Schuß ins linke Unter bein, der einen Knochenbruch zur Folge hatte, schwer verletzt wor⸗ den. Während Heilmann seiner Genesung in einem dane Lazarett entgegensieht, befindet sich Meyer noch in einem Jeld⸗ lazarett in Rußland, wird aber in einigen Tagen fähig 8 Transport nach Deutschland sein. 5

Während der verschiedenen provisorische

Es war ihm recht, daß die ganze Welt schlecht war und e keinen ehrlichen Menschen gibt. 1 Die ganze Welt verachten, das ist im Bauernrock wie n der Galauniform das beste Mittel, um nicht zur richtigen Schätzung seines eigenen Wertes zu gelangen. 1 Diethelm gewöhnte sich an das Bewußtsein seines Ver⸗ brechens, wie man sich an ein untilgbares körperliches Leiden gewöhnt; anfangs will sich die gesunde Kraft nicht darein fügen, immerdar eine Behinderung zu finden, nach und nach aber setzt sie sich damit zurecht. Wir sind allzumal sündhaft und gebrechlich, das lernt der Stolz der übermütigen Kraft einsehen, und es fragt sich nur noch um das Maß des nol⸗ wendigen Mangels. 1 Während Diethelm sich draußen tummelte, war Munde daheim viel beschäftigt und viel bewegt. Er war gerade in entgegengesetzter und doch nicht unähnlicher Lage wie Diel. helm. Jedermann glückwünschte ihm zu seiner so überaus günstigen Lebenswendung, und er wollte diese gutherzige Freude der Menschen nicht dadurch stören, daß er ihnen sagte, wie tief er den gräßlichen Tod seines Bruders betrauere daß ein so schwarzer Fleck auf seinem Andenken ruhe glaubte, das nicht aussprechen zu dürfen, daß er, wi Vater ihm täglich vorhielt, aus der Asche seines Bruder sein Glück erbaue. Munde war ein seltsamer Bräutigam: freute ihn, daß Diethelm wieder von Auswanderern ein statt⸗ liches Bauerngut zusammenkaufte, aber wenn er Diethelm dann so im Gelde wühlen sah, war es ihm oft, als müsse er aus einer Verzauberung über alle Berge entfliehen, und ihm schauderte vor jedem Kreuzer, den er davon in die Hand nahm, als könnte er sich plötzlich in brennende Kohle verwan, deln. Er half den Bau leiten. Im Frühlingstauen, das bt begann, wurden die Grundmauern gegraben, und es sch in der Tat, daß Diethelm nicht prahlte, wenn er sagte, d er ein kleines Schloß baue. ö

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jämmerliche Possenspiel war für Diethelm fast ein Labsal.!

(Jortsetzung folgt.)