Ausgabe 
19.8.1915
 
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Arbeiten wieder auf.

die Möglichkeit der Be

1 Interessenten durch eine Vertretung berlicksichtigt sind. ationen zu erhöhen, sejen zwei Wege gangbar, entweder

zeitung

Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete.

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Nr. 193

Gießen, Donnerstag, den 19. August 1915

10. Jahrgang.

Sturm auf Kowno und Nowo⸗Georgiewsk.

1 1 1442 42 Ne vierte Kriegstagung des Reichstags. Am Donnerstag den 19. ds. tritt der Reichstag zu seiner vierten Kriegstagung zusammen, die wahrscheinlich auch nicht viel längere

Zeit in Anspruch nehmen wird wie die früheren, obwohl wiederum

sehr große und weitragende Maßnahmen für seine Beratungen vor liegen. Zunächst wird er sich, wie unsere Leser wissen, mit einer Kreditvorlage von 10 Milliarden zu beschäftigen haben, deren Annahme keineswegs irgendwie zweifelhaft sein kann. Neben dieser militärischen Notwendigkeit wird sich der Reichs⸗ tag vornehmlich mit den wirtschaftlichen Maßnahmen zu befassen haben, die während seiner Vertagung vom Bundesrat beschlossen und durchgeführt wurden. Darüber ist dem Reichstag eine Denkschrift vorgelegt, die wir besprochen haben und die sicher⸗ lich auch im Reichstage eine entsprechende Kritik und notwendige Forderungen zur Ausgestaltung der bisherigen Einrichtungen her⸗ vorrufen wird. Allerdings wird sich der Reichstag auch hier nicht mit Einzelheiten beschäftigen, die schon seit Dienstag in der Budget⸗ kommission ausgiebig vorberaten werden. Andererseits wird sich die Sozialdemokratie nicht versagen können, ihre berechtigten Bedenken gegen die wenig durchgreifenden Maß nahmen des Bundesrats auf dem Gebiete der Volks- ernährung auch im Plenum des Reichstags vorzutragen. Sie wird dazu umsomehr gezwungen sein, als bekanntlich verfucht wird, die Kritik der Nahrungsmittelverordnungen und des Lebensmittel wuchers an vielen Orten des Reiches zu unterbinden. Die Zensur wird ein weiteres ausgiebiges Feld der Kritik werden. Es ist zu erwarten, daß man im Plenum über sie ein ebenso offenes Wort sprechen wird wie in der Kommission und daß man dabei die ganzen Zustände unter dem Belagerungszustand beleuchten wird. Der Reichstag ist eben die einzige Stelle geblieben, wo die öffentliche Kritik durch keinerlei Zensur eingeschränkt werden kann.

Bei der zweifellosen Annahme der Kreditvorlage wird man hoffentlich in eine Erörterung darüber eintreten, ob nicht schon jetzt auch in Deutschland wie in anderen kriegführenden und neutralen Staaten damit begonnen werden kann, das Anleihewesen durch rationellere oder durch besondere Steuern zu ersetzen. Man kann sich in keinem Staate für die Deckung der Kriegsanleihen allein auf die Kriegsentschädigung verlassen, vielmehr muß jeder Staat von heute pflichtgemäß Vorsorge treffen, die Kriegskosten eventuell aus eigener Kraft zu verzinsen und zu tilgen. In dieser Hinsicht muß die Erörterung wieder an die Kriegsgewinn⸗ steuer erinnern, die je länger je mehr eine allgemeine Volks⸗ sorderung geworden ist. Es würde auch sicherlich mit Freuden be⸗ grüßt werden, wenn der Reichstag schon jetzt klar zum Ausdru brächte, daß auch eine besondere Reichseinkommen- und Vermögens steuer ins Auge gefaßt und sobald wie möglich schon während des Krieges teilweise verwirklicht werden muß. Man soll in dieser Hinsicht durchaus vom Feinde lernen und an England denken, das mit großer Energie die Erhöhung der Einkommensteuer bereits während des Krieges eingeführt hat. Andererseits haben kleinere Staaten, wie Schweden und Dänemark, die Kriegsgewinnsteuer in Angriff genommen und deutsche Bundesstaaten waren auf dem

ten Wege dazu, wenn die Konkurrenz der bundesstaatlichen Finanzminister nicht im Februar erklärt hätte, die Kriegsgewinn⸗ steuer müsse Reichssache bleiben. Jedenfalls eilt sie und ihre Durch⸗ führung würde im ganzen Volk eine große Beruhigung und Be⸗ friedigung hervorrufen.

Bei den Finanzfragen wird auch die Versorgung der

[Kriegsbeschädigten von neuem zur Erörterung kommen,

die über bloße Verordnungen und über den guten Willen noch nicht binausgekommen ist. Es ist durchaus notwendig, daß die Kriegs⸗ beschädigten sowohl wie die Witwen und Waisen der gefallenen Krieger vor eder Not und Sorge befreit werden, und zwar auch nicht erst nach Monaten des Harrens und Bangens, sondern möglichst sofort. Alle diese Fragen brauchen gewiß nicht in großen Reden zum Austrag zu kommen, aber sie werden der Regierung gegenüber [char formuliert werden und mülssen eine ebenso präzise und ssichere Antwort erhalten. 5 5 Wenn die vierte Kriegstagung des Reichstags auf diese Art ihre wichtigen Aufgaben zu lösen trachtet. wird sie nicht nur unsere er im Felde befriedigen, sondern auch zur inneren Sicherung des Reiches wesentlich beitragen. 85 5 2 Ernährungsfragen vor der Budgetkommission. 5 Die Budgetkommisston des Reichstags nahm am Dienstag ihre Zur Beratung stand zunächst die Besprechung gierung über die getroffenen wirtschaftlichen

der Denkschrift der Re aßnahmen. 1 a Staatssekretär Delbrück gibt einen Rütkblick über die Maß⸗ getroffen worden sind. Höchstpreise führen nur zum Erfolg, wenn getrofefn worden find. Höchstpreise führen nur zum Erfolg, wenn schlagnahme besteht oder wenn der Dandel organistert ist. Von diesen Grundsätzen ist man ausge⸗ gangen bei der Verteilung von Mehl und Brot. Die Schaffung der Friegsgetreidegesellschaft bürgt für eine geordnete Versorgung. Die gnung zugunsten der Kommunalverbände war der einzige auf dem Schwierigkeiten in der Versorgung sich beseitigen

ließen; die Zentralisation versage auf diesem Gebiete vollständig.

Den Austausch zwischen den Verbänden besorgt die Kriegsgetreide⸗ sesellschaft. damit ist bie Versorgung mit Getreide absolut sicher⸗ llestellt. Die Aufsicht durch den Reichskommissar sichert den Ein⸗ Auß des Reiches. Der Redner schildert nun eingehend den organi⸗ utorischen Aufbau der geschaffenen Einrichtungen, bei 1 5 7 m die

lie einfache Erhöhung oder die Aenderung des Ausmahlverhält Asses. Letzterer Weg werde zunächst beschritten werden, bei nicht h starker Ausmahlung wird das Mehl besser und man erhält

Asessere Kleie, was wieder von Esnfluß ist auf die Fleischproduktion.

Mit Sicherheit dürse außerdem angenommen werden, daß in kurzer leit auch eine Erhöhung der Rationen eintreten werde.

Redner erörtert dann die Mehlpreise. Höchstpreise für Mehl sind nach Ansicht der Regierung nicht nötig, weil die Kommunalverbände ihr Getreide selbst ausmahlen lassen und kein Interesse an der Verteuerung des Mehles haben. Gerste und Hafer mußten anders behandelt werden; hier blieb nur der Weg der Beschlagnahme. Bei Hafer konnte nur auf diesem Weg der Bedarf für die Armee heraus⸗ geholt werden. Die Festsetzung hoher Preise sollte der Landwirt schaft einen gewissen Ausgleich dafür bieten, daß die Getreidepreise nicht erhöht wurden. Die Futtermittelversorgung bietet gewisse Schwierigkeiten, weil eine Einfuhr völlig ausgeschlossen sei. Des⸗ halb seien umfassende Maßnahmen ergriffen worden, Ersatzstoffe nutzbar zu machen. Aus Rumänien konnten Futtermittel bezogen werden. Es bestehe aber für das Reich nicht der mindeste Anlaß, die hohen Ausfuhrprämien zu bezahlen. Daß eine Beschlagnahme der Kartoffeln nicht durchgeführt wurde, hänge mit den Erfahrungen zusammen, die man im Vorjahre mit dem Kartoffelhandel gemacht habe. Zunächst sei abzuwarten, wie viel Kartoffeln wir haben. Tritt dann wieder eine Spekulation ein, daun müfe ihr durch ent sprechende Höchstpreise begegnet werden. An Wegen, die gezeigt werden, mangelt es nicht, aber die meisten dieser Wege seien nicht gangbar. Gleichwohl stehe zu hoffen, daß wir zu Zuständen kom⸗ men, die als durchaus exträglich bezeichnet werden können. Be⸗ sondere Schwierigkeiten bietet die Festsetzung von Höchstpreisen für Milch, weil man den Produzenten nicht zwingen könne, Milch zu verkaufen; er könne auch andere Produkte herstellen. Der Ge⸗ danke werde momentan erwogen, den Verkauf von Fleisch auf be⸗ stimmte Zeiten festzusetzen. Die Festsetzung von Höchstpreisen für Fleisch durch das Reich sei nicht möglich; man müßte daran denken, zu diesem Zwecke kleinere Bezirke zu bilden. Man könnte eventuell auch den Viehhandel zwangsweise organisieren. Alles das schließe aber doch nicht aus, daß immer wieder Wucher getrieben wird. Die Versorgung der Stadt Straßburg mit Gemüse könne als vor bildlich bezeichnet werden. Dieses Beispiel zeige, was eigene Initiative vermöge. Aufgabe der Presse wäre es, den Widerstand der Bevölkerung gegen Ersatz-Nahrungsmittel zu brechen.

Graf Westarp hebt hervor, daß wir mindestens noch ein Jahr mit der jetzigen Wirtschaftsweise auskommen müssen. In den weitesten Kreisen herrscht eine empfindliche Notlage, hervorgerufen durch Verteuerung der Lebensmittel um 50100 Prozent. Die Presse müsse beruhigend und aufklärend wirken. Man dürfe nicht immer der Landwirtschaft die Schuld an der Teuerung beimessen. Ausnahmen gebe es überall, auch unter den Land wirten, aber die Landwirtschaft im ganzen verdiene die erhobenen Vorwürfe nicht. Die Regierung müsse feststellen, wo die Schuld an der Verteuerung liege und das Ergebnis dieser Untersuchungen müßte der Oeffentlichkeit unterbreitet werden. Zwischen Mehl⸗ und Getreidepreisen bestehe ein schreiendes Mißver⸗ hältnis. Bei den jetzigen Getreidepreisen bringe die Landwirt⸗ schaft ein ganz enormes Opfer. Die Herabsetzung der Mehlpreise sei dringend erforderlich: die Mühlen ziehen Profite, die in keiner Weise berechtigt seien. Daß die Kommunalverbände Höchstpreise für Mehl festsetzen dürfen, ist nicht zureichend; es müsse generell festgesetzt werden, wie hoch die Spannung zwischen Getreide- und Mehlpreisen sein dürfe. Die Fleischfrage sei eigentlich nichts weiter als eine Futterfrage. Die Reichs-Einkaufsgesellschaft müsse bestrebt sein, soviel Futtermittel als möglich hereinzubringen, auch

dann, wenn mit einem Verlust beim Verkauf zu rechnen sei. Der Bezug von Getreide und Futtermitteln aus Rumänien sei aber unter den jetzigen Verhältnissen absolut nicht zu empfehlen. Die Bestrebungen auf Erhöhung der Milchpreise seien in den ge steigerten Produktionskosten der Landwirtschaft berechtigt. Staatssekretär Delbrück verteidigt die Verordnung des

Bundesrats gegen den Wucher und betont, daß eine Verschärfung nach der Richtung hin in Aussicht genommen werde, den Wucherern die Befugnis zur Ausübung des Gewerbes auf einige Zeit zu untersagen und ihnen unter Umständen die bürgerlichen Ehrenrechte abzuerkennen.

Ein Regierungsvertreter gibt sodann eine Uebersicht, über die

durch die Presse bereits bekannten statistischen Arbeiten über die Ernte⸗Ergebnisse. Soweit sich die Resultate jetzt schon übersehen lassen, ist die Anbaufläche und der Ertrag gestiegen. Zurlickge gangen ist der Anbau von Futterrüben, Oelfrüchten und Hopfen. Die Getreideernte ist mittel bis gut, die Kartoffelernte gut. Redner erörtert dann die Maßnahmen zur Hebung des Mangels an Futtermitteln. 0 Unterstaatssekretär Michaelis bespricht eingehend staltung der Mehlpreise. Redner bestritt, daß der Gewinn zu hoch sei. Daß die Großmühlen besonders herangezogen werden, habe seine Ursache in der größeren Leistungsfähigkeit. Eine wesentliche Herabsetzung der Mehlpreise könne nicht in Aussicht gestellt werden.

Abg. Hoch stellt fest, daß die sozialdemokratische Presse mit ihrem Protest gegen den Lebensmittelwucher nur ihre Pflicht ge tan hat. Leider ist es die Zensur, die die Presse an ihrer Auf gabe hindert, Aufklärung in die Massen zu tragen. Hat man doch sogar die Verbreitung von Parlamentsreden verhindert. Erste Poraussetzung für die Aufklärung der Massen des Volkes ist Preß⸗ freiheit. Die Regierung möge sich angelegen sein lassen, die Militär verwaltung über die Aufbewahrung der Lebensmittel zu unter richten, damit nicht, wie in Köln, aroße Mengen Lebens⸗ mittel vernichtet werden müssen. Die möglichst große Zu fuhr von Futtermitteln ist nötig; gegen finanzielle Aufwendungen des Reiches zu diesem Zweck ist nichts einzuwenden. Beim Kartoffelwucher hat sich klar erwiesen, daß die Spekulation wesent lich zur Preistreiberei mit beigetragen hat, deshalb muß man Höchstpreise rechtzeitig festsetzen. Man muß den kleinen Leuten die Möglichkeit bieten, sich Kartoffelvorräte anzuschassen; dort werden sie gewiß nicht verderben. Worin liegt die Ursache für, die ehorme Verteuerung des Kartoffelmehls? Es ist nötig, daß der Bevölkerung mehr und besseres Mehl zur Verfügung gestellt wird. Die Höchstpreise für Getreide hätten herabgesetzt werden miissen. Die Bevölkerung kann einfach die jetzigen Preise nicht mehr er schwingen. Das Verhältnis zwischen Mehl- und Getreidepreisen

die Ge

ist ganz unhaltbar; den Mühlenbesitzern schanzt man enorme Ge⸗ winne zu. Redner kritisiert scharf das preistreibende Wirken ge⸗ wisser Händlergruppen. Viele Arbeiter sind gar nicht in der Lage, das Konservenfleisch zu bezahlen. Die Obsternte ist schon jetzt zum großen Teil in den Händen der Händler, die die Preise dann wieder in die Höhe treiben. Den Gemeinden müßten Mittel zur Verfügung gestellt werden, um Lebensmittel einkaufen zu können.

Staatssekretär Dr. Delbrück versichert, daß seine ganze Sorge sich seit Monaten nur auf die Probleme der Volksernährung lonzentriere. Am guten Willen der Regierung möge man nicht zweifeln. Anzuerkennen ist, daß die sozioldemokratische Presse teil⸗ weise sehr sachkundig geurteilt habe, man dürfe aber nicht alles vom Konsumenten-Standpunkt aus beurteilen. Die Erbitterung unter der Bevölkerung beruhe zum Teil auch auf falschen Voraus⸗ setzungen. Dem Wucher könnte man weit mehr zu Leibe gehen, wenn das Publikum Anzeigen erstatten würde, anstatt die hohen Preise zu bezahlen. Der Obstverwertung haben sich große Schwierigkeiten in den Weg gestellt.. Die Organisation des Han⸗ dels muß Sache der Gemeinden sein.

Präsident Kautz bespricht die Preisbildung für Kartoffel- präparate, die in nächster Zeit billiger werden. Die Verteuerung

des Zuckers war nur vorübergehender Natur. Zuckerknappheit habe nie bestanden.

Abg. Dr. OQuarck: Die Vertretung der Konsumenten⸗ Interessen muß bei den oberen Stellen verstärkt werden. Be⸗

sonders müßte man die Konsumvereine mehr heranziehen. In den Großmühlen müßte die Nacht⸗ und die Sonntagsarbeit ausge⸗ schaltet werden. In der Brotversorgung hat man unbedingt agrarische Tendenzen begünstigt. Verteuernd wirkt, daß den Kom⸗ munalverbänden Kommissionsgebühren zugestanden werden. Die sozialdemokratische Presse hat aufklärend gewirkt, das ist aber durch das Treiben der Lebensmittel-Wucherer sehr erschwert wor⸗ den. Die Reichsbehörden müssen auf die Gemeinden einwirken, da⸗ mit sie die Initiative zur besseren Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln ergreifen. In vielen Familien ist die Er⸗ nährung absolut unzureichend. Wenn nicht sofort um⸗ fassende Maßnahmen getroffen werden, dann erleben wir im Herbst abermals eine Preistreiberei. Mindestens müßten Richt⸗ preise eingeführt werden, die den Gemeinden dann einen ge⸗ wissen Spielraum in der Festsetzung der Preise lassen. Redner er⸗ örtert dann eingehend die unter Leitung des Bundes der Land⸗ wirte in Stuttgart betriebene Preissteigerung für Milch. Er⸗ wägenswert wäre vielleicht, den Besitzern von Milchkühen beson⸗ dere Futter-Rationen zuzuweisen. Die Wucher-Verordnung des Bundesrats hat solange keinen Zweck, solange die Justizbehörden nicht energisch eingreifen. g

Staatssekretär Dr. Delbrück findet den Vorschlag, Milch⸗ vroduzenten besondere Futter-Rationen zu überweisen, für sehr beachtenswert, nur stehen dem praktische Schwierigkeiten im Wege.

Die Mühlen-Angelegenheiten werden einer Subkommission überwiesen. 1 Nächste Sitzung Mittwoch. * 8

Zur Lage im Osten

Von einem militärischen Mitarbeiter wird der Frankf. Zig. geschrieben: 1

Aus Bukarest liegt die Meldung vor: Brest⸗Litowsk wird von den Russen geräumt. Die Eisenbahn befördert Tag und Nacht alle vorhandenen Vorräte aus Brest-Litowsk nach Minsk.(National⸗ Zeitung, 14. August.) Wenn diese Nachricht sich bestätigt, tritt die Kampfhandlung im Osten in ein neues Stadium. Es wäre damit zur Gewißheit geworden, daß die Räumung der Weichselfront der Anfang von Rückzugsbewegungen großen Maßstabes gewesen ist. Die russische Heeresleitung wird hierzu neben manchen anderen Gründen, die heute noch nicht besprochen werden können, vor allem durch die Erkenntnis veranlaßt sein, daß die Armee zur Zeit für die Offensive nicht mehr geeignet ist. Der Mangel an Geschützen und Munition scheint, nach den Verhandlungen mit Japan zu ür⸗ tcilon, eine ernste Gefahr zu sein. Aber auch die moralische Kraft der russischen Infanterie scheint für energische Kriegführung unter Ausnützung der inneren Linien nicht mehr auszureichen. Ein Wunder wäre es nicht, wenn der seit Monaten andauernde Rückzug schließlich auch die Nerven des russischen Soldaten, der geradezu einen göttlichen Stumpfsinn besitzt, erschüttert hätte.

Wenn die rumänische Meldung sich als richtig erweisen sollte, haben wir in der nächsten Zeit nur mit Gefechten gegen die Nach⸗ huten der russischen Armeen zu rechnen. Dann würde auch die starke Festung Brest⸗Litowsk keinen langen Widerstand leisten. An sich wären die Werke dieser Festung sehr wohl zu einem solchen Wider⸗ stand geeignet. Die Forts liegen in einem leicht anzustauenden Sumpf⸗ und Wiesengelände. Im Jahre 1901 besaßen sie noch einen hohen, unmodernen Aufriß. sollen inzwischen aber völlig modernisiert und durch Neuanlagen vermehrt sein. Die alten Werke lagen etwa 5 bis 6 Kilometer von den wichtigen Brücken entfernt, so daß sie gegenüber den heutigen Geschützen der Angriffsartillerie keinen genügenden Schutz gewähren. Man darf aber annehmen, daß etwaige neue Forts weiter vorgeschoben sind. Dadurch würde die Widerstandsfähigkeit der Festung naturgemäß erheblich gewachsen sein. Auf alle Fälle würde sie imstande sein, den Abtransport der russischen Heeresmasse nach Nordosten zu sichern. Der Bug ist so⸗ wohl in seinem Ober- wie auch im Unterlauf ein starkes Hindernis. Die nächsten Brückenstellen liegen etwa 60 Kilometer von der Festung entfernt. Im Oberlauf(südlich Brest-Litowsk) muß ein Ueber⸗ gangsversuch als unwahrscheinlich gelten, weil bier die Sümpfe am Pripjet(Poljesje) nach erfolgten Uebergang ein unüberwindlsches Hindernis bedeuten.

Dadurch erhalten diese Sümpfe eine besondere Bedeutung. Die Bahnlinie Bvest⸗Litowsk. Minsk ist durch sie nach Süden gesichert. Nur vom Norden und Westen drohen ihr Gefahren. Man kann deswegen mit hartnäckigem Widerstand besonders am Unterlauf des Bug rechnen.

Sie

Die rumänische Meldung gik Minsk als End⸗