Ausgabe 
18.8.1915
 
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die

Krieges nicht jahrzehntelang nachwirken, dann

lközeitung

Organ für die Interessen des werktätigen Volkes

der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete.

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Nr. 192

Gießen, Mittwoch, den 13. August 1915

10. Jahrgang.

Blickt in die Zukunft!

Von Hermann Molkenbuhr.

Zu Beginn des zweiten Kriegsjahres brachten fast alle Zeit ungen Rückblicke auf das abgelaufene Jahr und über den gegen wärtigen Stand des Krieges. Soweit sie damit Ausblicke in die Zukunft verbanden, beschränkten sich diese meist darauf, zu unter suchen, welche Ereignisse sich wahrscheinlich in nächster Zeit auf dem Kriegsschauplatze abspielen werden. Man fand nur wenig Ausblicke auf die Zukunft des ganzen Volkslebens: und doch gibt es kein Gebiet des öffentlichen Lebens, auf dem nicht die größten, dringend der Lösung harrenden Probleme auftauchen. Man braucht nur an die Steuerpolitk, die Preisgestaltung der wichtigen Lebensmittel, das ganze Gebiet der Sozial politik zu denken, um sofort zu erkennen, daß es kein Gebiet des polige chaftlichen und kulturellen Lebens gibt, das nicht in seinen Grundfesten erschüttert ist und nicht gleich nach dem Friedensschluß neu ausgebaut werden muß. Und bei der Lösung aller dieser Fragen wird vor allem auch das Interesse der Arbeiter berührt. Die Arbeiter dürfen darum mit der Be sprechung der nächsten Zukunft nicht warten, bis die fertigen Ge

setzentwürfe vorliegen; sie müssen vorher ihre Forderungen formulieren.

Aus dem gewaltigen Gebiet der Probleme möchten wir nur einiges herausgreifen. Schon bei oberflächlicher Betrachtung

drängen sich besonders zwei Fragen in den Vordergrund:

1. Wie kann die Produktions fähigkeit des Volkes auf die denkbar höchste Stufe gehoben werden?

2. Wo sind Umsatzmärkte für die geschaffenen Waren zu finden? 5 Sollen die verderben bringenden Folgen des

werden wir nach Friedensschluß in Anbetracht der enormen Menschenverluste geradezu peinlich mit den verbliebenen Arbeitskräften haushalten müssen. Als erste Frage taucht auf: Was ist für die Kriegs⸗ invaliden und für die Hinterbliebenen der Gefallenen zu tun? Erfreulich ist, daß von allen Seiten anerkannt wird, es muß mehr geschehen, als die Militärpenstionsgesetze und die Militärhinter⸗ bliebenen⸗Versorgungsgesetze bieten. Trotz dieser allgemein ver⸗ breiteten Erkenntnis wird es doch großer Kämpfe bedürfen, um das zu erlangen, was nötig ist. Ungeachtet alles Wohlwollens für die Invaliden und die Hinterbliebenen der Gefallenen steckt ein fest gewurzelter Aberglaube in den Gemütern derwohlwollenden Menschen. Sie meinen: der Invalide darf nicht so viel haben wie sder Gesunde, und die Hinterbliebenen dürfen nicht mehr haben, wie der Vater gehabt hätte, wenn er als Ganzinvalide weiter ge⸗ lebt hätte.

Gibt man dem Invaliden weniger als derselbe Mann, wenn er gesund geblieben wäre, gehabt hätte, dann gehen die Reste ver⸗ bbliebener Arbeitsfähigkeit bald völlig verloren, denn durch nichts wird die Arbeitsfähigkeit der Menschen schneller und mehr herab⸗ gedrückt, als durch den täglichen Kampf um das tägliche Brot. Hier gilt es, das Augenmerk nach zwei Richtungen zu lenken: der Geschädigte muß vollen Ersatz für die materiellen Nachteile des an seiner Gesundheit erlittenen Schadens haben, und die Pension darf won wucherischen Ausbeutern nicht zu Lohndrückerei ausgenützt werben. Während die Lösung der ersten Frage Aufgabe der Ge letzgebung ist, müßten für die zweite Frage die Gewerkschaften Vorbeugungsmaßregeln treffen.

Allgemein wird jetzt anerkannt, daß für die Höhe der Pension nicht allein, wie es bisher der Fall ist, der militärische Rang maßgebend sein darf, sondern daß man auch das Ein⸗ ommen im bürgerlichen Leben mit berücksichtigen muß. Für die Pensionssteigerung follte man aber noch ein weiteres Moment in Betracht ziehen. Nämlich die Kinderschar, die der In⸗ valide mit seiner Pension und seinem Arbeitseinkommen zu er halten hat. Ein Vorbild bietet hierfür die Reichsversicherungs⸗ ordnung. Nach§ 1291 dieses Gesetzes erhalten die Empfänger zon Invaliden⸗ und Krankenrente für jedes unter 15 Jahr alte stind eine Rentenerhöhung von 10 Prozent, bis zum Betrage von 0 Prozent der Stammrente. Der Betrag kommt also bei 1 bis 5 stindern voll zur Auszahlung. Die finanzielle Wirkung ist keines⸗ wegs abschreckend. Es wurden 1913 an 145 970 Personen In⸗ zaliden⸗ oder Krankenrente bewilligt. Von diesen erhielten 32 037 Fersonen(also 21,8 Proz.) Kinderzuschußrente. Der Jahresbetrag er Stammrenten betrug 27 186 415 Mk. Die Kinderzuschüsse er⸗ seichten aber nur den Betrag von 1 432 247 Mk., also 5,27 Proz. er Stammrente. Höher als der Durchschnitt ist der prozentuale Unteil, wenn man nur die Rentenempfänger im Alter von unter 5 Jahren betrachtet, also die Altersklassen, die für die Kriegs⸗ nvaliden allein in Frage kommen. Aber auch hier wird die Kinder⸗ 105 mit einem Betrag von 12 Prozent der Stammrente ge 1.

Nach der starken Verwüstung von Menschenleben nuß alle Kraft daran gesetzt werden, die heranwachsende Gene⸗ ration gesund zu erhalten. Von höchfter Wichtigkeit sind daher die interbliebenenrenten. Nach dem Militärhinter⸗

lliebenen⸗Versorgungsgesetz sollen Witwen und Waisen nicht mehr

chalten, als der vollständig invalibe Vater gehabt hätte. Das

bungerleiden kinderrescher Familien würde schon gemildert, wenn

nan dem Vater Kinderzuschußrenten bewilligen würde. Man ollte aber mit dem Grundsatz, daß kinderreichen Familien die Ein⸗ Unfte gekürzt werden, völlig brechen. Dieser Gruni atz hat nur lann einen Schein von Berechtigung, wenn man Vevige gibt, die neben der Ernährung noch einen Luxus gestatten. Gibt man aber zur bie Bezüge, die für die notwendige Ernährung und Kleidung iringend gebraucht werden, dann bedeutet jeber Abzug eine Ver⸗ urtellung zum Hungern. Ein Kind braucht darum nicht weniger achuhe, Kleidung und Nahrungsmittel, weil es noch neun Ge⸗ ichwister hat. Der finanzielle Gewinn, den das Reich durch solche

Kürzung erzielt, ist minimal. Der Durchschnitt der Kinder in den

ni Kinbern gesegneten Familien ist 2,38. Das Reich gewinnt

durch die Abzüge nur minimale Summen; das Elend aber ist in kinderreichen Familien um so größer, je zahlreicher die Kinder schar ist. Der Verlust, den die Gesellschaft durch das Verkommen dieser Kinder erleidet, steht in keinem Verhältnis zu dem Gewinn des Reiches an Ersparnis.

Einem erheblichen Teil der Kriegswaisen und zugleich der Waisen, die ihren Ernährer durch Krankheit verloren haben, könnte man helfen, wenn man den Waisen die Gelder geben würde, die man bei Schaffung der Reichsversicherungsordnung als wahr scheinliche Ausgabe für Waisenrente in Rechnung gestellt hat. In der Begründung dieses Gesetzes hat man angenommen, daß auf je 1000 Versicherten im Beharrungszustand 105,4 Waisen kommen werden. Um diese Ziffer zu erreichen, müßten wir jetzt bei 16,5 Millionen Versicherten, einen jährlichen Zugang von rund 217 800 Waisen haben. Wir hatten aber 1914 trotz des Krieges nur einen Zugang von 75 600; auch wurden die Einnahmen aus der zur Durchführung der Hinterbliebenenversorgung vorgenom menen Beitragserhöhung viel zu niedrig angegeben. Wenn man für jedes Waisenkind eine Rente von durchschnittlich 130 Mk. gibt, dann kann das leicht aus den Summen bestritten werden, die als wahrscheinliche Ausgabe an Reichszuschuß und an Leistungen der Versicherungsträger für Waisenrente in Aussicht gestellt wurden.

Mit diesen Mitteln kann man die Konsumfähigkeit der Kriegsinvaliden sowie der Witwen und Waisen steigern; man muß sich aber auch nach Mittel und Wege umsehen, die Konsumfähigkeit der gesunden Arbeiter zu heben. Fast alle Produkte sind im Preise gestiegen, und es ist leider wenig Aussicht vorhanden, daß gleich nach dem Friedensschluß ein merklicher Rückgang der Preise eintritt. Passen sich die Preise nicht der Zahlungs fähigkeit der Ar⸗

beiter an, dann müssen die Arbeiter darnach streben, die Löhne den

Preisen anzupassen. Gut ernährte Arbeiter müssen wir haben, wenn wir die Produktivkraft steigern und im Konkurrenzkampf aus⸗ halten wollen. Eine Art Monopolstellung in bestimmten Waren kann sich ein Land auf dem Weltmarkt nur erobern, wenn es Waren besserer Güte bringt als seine Konkurrenten. Nicht durch Billigkeit hat sich die deutsche optische Industrie, die Feinmechanik, die chemische Industrie usw. den Absatzmarkt erobert. Will man Waren von hervorragender Güte erzeugen, dann muß man Quiltätsarbeiter haben. Zweifellos ist in der deutschen Arbeiter- klasse ein Menschenmaterial von solcher Intelligenz vorhanden, wie es kein anderer Industriestaat hat. Hier kann man durch gute Aus- bildung und entsprechende Lebenshaltung Elitearbeiter erziehen. Wäre niedriger Arbeitslohn die beste Waffe im Konkurrenzkampf, dann würden China, Japan und Indien bald Europa und Amerika verdrängen. Und der beste Markt liegt nicht in nebelgrauer Ferne. Es ist ein verhängnisvoller Irrtum, anzunehmen, daß der Außen- handel das Rückgrat der Produktion ist. Die steigenden Ziffern des Ausfuhrhandels haben bei vielen Leuten, selbst bei National⸗ ökonomen, den Gedanken aufkommen lassen, daß der Außenhandel den Innenhandel überflügelt. Große Zahlen blenden und führen leicht zu Trugschlüssen. Im Ausfuhrhandel Deutschlands ist die Ausfuhr fossiler Brennstoffe die größte Menge. 1913 war es mehr als 60 Prozent, soweit die Gewich enge in Betracht kommt. Aber auch die Inbetrachtziehung der Wertsteigerung kann leicht Leute auf Irrwege führen. Es wurde ausgeführt 1882 für 70,7 Millionen Mark, 1895 für 149,1 Millionen Mark und 1907 für 395,5 Millionen

Mark. Also 25 Jahre brachten eine Steigerung auf mehr als das Fünffache. Wie sieht aber das Bild aus, wenn man die Produktions⸗

zahlen neben die Ausfuhrziffern stellt? In der Hauptsache sind es Steinkohlen, eines der wenigen Produkte, über welches wir genaue Produktionsziffern haben. Produktion und Ausfuhr stehen im folgenden Verhältnis: Geförderte Menge in Tonnen

Von 100 Tounen wurden ausgeführt

Ausfuhr in Tonnen

1882 52 118 600 7 631617 14,64 895 79 169 300 10 360 838 13 08 1907 143 185 700 20 061 400 14,01

Der Außenhandel ist im ganzen ziemlich lonstant. Er beweist höchstens, daß die Entwicklung in unsern Absatzgebieten eine ähn⸗ liche gewesen ist, wie bei uns.

Aehnliche Erscheinungen sehen wir auf allen Gebieten. Der Innlandsverbrauch an Rohstoffen stieg stärker als die Ausfuhr der aus diesen Rohstoffen verfertigten Waren. Das sehen wir bei Spinnstofsen, Baumwolle, Wolle, Jute usw. Einen Versuch, fest⸗ zustellen, für wie viel Beschäftigte die Ausfuhr überhaupt eine Be⸗ deutung hat, machte das Statistische Amt des Reiches 1895. Es stellte bei allen ausgeführten Waren sest, von welchen Gewerbe gruppen diese Waren hergestellt wurden und setzte nun die Zahl, der in dieser Gewerbegruppe Beschäftigten, daneben. Es kamen 72 Gewerbegruppen in Betracht. Von 100 Beschäftigten waren in diesen Gewerbegruppen beschäftigt: 1882 44,81, 1895 41,13 und 1907 36,86. In diesen Zahlen sind alle in diesen Gewerbegruppen Beschäftigte aufgeführt. So stehen z. B. unter den für Ausfuhr Beschäftigten sämtliche Bäcker, Fleischer, Tabakarbeiter usw. Bes den Tabakarbeitern kann man ziemlich genau seststellen, wieviel für Ausfuhr arbeiten. Es wurde z. B. 1907 973 900 Doppelzentner Tabak verbraucht. Ausgeführt wurden 6686 Doppelzentner Tabak

fabrikate. Rechnet man, daß aus 100 Kilogramm Nohtabak 75 Kilo gramm Fabrikate hergestellt werden, dann ist 0,92 Prozent der Produktion ausgeführt. Zur Herstellung dieses Ouantums sind

noch nicht 2000 Arbeiter erforderlich und doch stehen sämtliche 203 224 in der Tabakverarbeitung beschäftigte Personen unter den Exportarbeitern. Aehnlich wird das Verhältnis bei den Bäckern und Fleischern sein.

Aber selbst bei den großen Exportindustrien kommen nur geringe Bruchteile der Produktion zur Ausfuhr. Bei der Textilindustrie, die für mehr als 1600 Millionen Mark Waren ausflihrte, erreicht das Gewicht der ausgeführten Waren wicht ein Siebentel des Gewichts der eingeführten Spinnstofse.

Groß ist die Gruppe, die überhaupt nicht für die Ausfuhr ar beitet. Hierher gehört das ganze Baugewerbe, die Gast- und Schank⸗ wirtschaften, Barbiere, Straßenbahnarbeiter, die Arbeiter in Gas⸗,

seltkrieg.

Wasser⸗ und Elektrizitätswerken usw. Der heimische Markt ist also das Gebiet, wo mindestens neun Zehntel unserer Produktion abgesetzt werden müssen. Diesen Markt aufnahmefähig zu gestalten, ist darum eine der vornehmsten Aufgaben.

Hier treten dann Wechselwirkungen ein. Je besser die Arbeiter wirtschaftlich gestellt sind, umsomehr steigt ihre Leistungsfähigkeit. Gelingt es, die Arbeiter auf eine löhere Kulturstufe zu heben, als die Arbeiter anderer Länder erreicht haben, umsomehr Produkte werden wir erzeugen, die in Qualität die Produkte anderer Länder jibertreffen. Verlust des Auslandsmarktes wird erst dann ein⸗

treten, wenn andere Länder bessere Waren liefern.

on sich von dem Tageslärm nicht einlullen lassen. Ihr Inte r⸗ esse ist es, das auf allen diesen Gebieten in Frage steht. Sie müssen, wo sie zusammenkommen, die Fragen besprechen, die für sie ein besonderes materielles Interesse haben. Das große Ziel ist, unser wirtschaftliches und kulturelles Leben auf solche Stufe zu heben, daß wir in dem friedlichen Wettstreit der Völker an die Spibe kommen. Wird auf diesem Gebiete der Siegeswille mit der⸗ selben Leidenschaft propagiert, wie man es in dem blutigen Ringen getan hat, dann kann der Erfolg nicht ausbleiben.

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Keine Ueberraschungen auf dem Balkan!

Ein Stimmungsbericht aus Sofia von gestern in der Voss. Ztg. besagt: Da nicht einmal auf dem Balkan die Dinge so heiß gegessen werden, wie gekocht wird, wird man gut tun, den stürmischen Nachrichtenfluten aus den Balkan⸗Haupistädten kühle Ruhe entgegenzusetzen. Die Drohungen gegen Griechenland gehen in erster Linie von der englischen Diplomatie aus, werden aber in allen Balkanlagern lediglich als Bluff aufgefaßt. Namentlich hält man die angedrohte Landung von 80 000 Mann in Saloniki und Kawalla für höchst unwahrscheinlich. Bulgarien bleibt in abwartender Haltung und läßt sich nach allen Seiten Zeit. Ueberraschungen sind nicht zu gewärtigen, es wäre denn, daß irgendwo auf dem Balkan Einzeltaten geschehen, wie es der Fall zu sein pflegt, wenn ein Balkanstaat den Russen nicht zu Willen ist. Die neue Beschießung Belgrads sowie andere Waffenvorgänge stehen offenbar im Zusammenhang mit den diplomatischen Balkanereignissen und sind daher vorläufig mehr politisch als militärisch zu werten.

Der Seekrieg.

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Der Kristianiger DampferAlbes, mit Grubenhölzern von Archangelsk nach England unterwegs, ist am Samstag bei Stat torpediert worden. Die Mannschaft erhielt Zeit, in die Boote zu gehen. In Ormesund war das Schiff mit 300 000 Kronen, die Ladung mit 107 000 Kronen gegen Kriegsgefahr versichert.

Wie Nouvelliste aus Nantes erfährt, ist der Reederver⸗ band von Nantes telegraphisch benachrichtigt worden, daß der DreimasterFrangois im Süden von Island von einem deutschen Unterseeboot torpediert und versenkt worden ist.

Die Bergarbeiter von Südwales.

London, 16. Aug.(W. T. B. Nichtamtlich.) Eine Anzahl von Versammlungen der Bergarbeiter in Süd-Wales drückte ihre Un⸗ zufriedenheit darüber aus, daß sich die Ausarbeitung des neuen Lohnabkommens verzögere. Eine Konferenz über eine abermalige Arbeitseinstellung ist in Aussicht genommen.

Die innere Krise in Frankreich.

Nach der ernsthaften Presse des neutralen Auslandes läßt sich feststellen, daß Frankreich in der Tat zurzeit eine ernsthafte und möglicherweise folgenschwere Min ister⸗ krise durchmacht. Sie hat ihre Ursache aber nicht allein, wie es bisher schien, in dem Verhalten des Herrn Millerand, sondern ihre Ursache liegt tiefer. Was zunächst Millerand betrifft, so hat er in der Tat je länger je mehr das starke Mißtrauen aller unabhängigen Politiker Frankreichs erregt. Besonders wuchs dieses Mißtrauen, als ohne Winkelzüge nachgewiesen werden konnte, daß die Zunahme derDrücke berger darauf beruht, daß gerade der Kriegsminister Mille- rand für bestimmte Kreise der höheren Bourgeoisie beson- dere Hintertüren geöffnet hatte, die die Möglichkeit zeben, sich dem Militärdienst zu entziehen. Inzwischen hat er aber auch an anderen Beispielen gezeigt, daß er den Auf, gaben, die gegenwärtig einem französischen Kriegsminister gestellt sind, in keiner Weise gewachsen ist. Das besondere! Maß von Kritik, das in der französischen Presse und im Parla- ment der Republik jeder Minister auszuhalten hat, hat er seit Monaten abzuschütteln gewußt, und jede solche Kritik als einen schweren Eingriff in dieheilige Einigkeit der all-