F ein Ende zu bereiten. Was ist die Folge? Tag ür Tag lesen wir von Arbeitern, die ihre Werkzeuge niederlegen, um für die Sache der Gewerkschaften* zu ergreifen. Möge das Land, das Reich zugrunde gehen nur die Vorrechte der Gewerkschaften bewahrt bleiben. öge der deutsche Militarismus seine Fänge in den Hals des Reiches schlagen, möge das Reich weitere 60 000 Mann unserer besten und tapfersten Soldaten ver⸗ lieren,— all dies ist für den Gewerkschaftler mit seinen 8 Pfund Sterling in der Woche von keiner Bedeutung.“
Die Kriegsziele der Nationalliberalen.
Der Zentralvorstand der Nationallibe⸗ tralen Partei hat in Berlin im Reichstage getagt und nach eingehenden Verhandlungen mit allen gegen zwei Stimmen folgende Entschließung gefaßt: ö
Der Zentralverband erklärt in Uebereinstimmung mit den Beschlüssen des Geschäftsführenden Ausschusses und der Landesvorsitzenden vom 16. Mai, daß das Ergebnis des jetzigen Krieges nut ein Frieden sein kann, der unter Er— weiterung unserer Grenzen im Osten und Westen und Uebersee uns militärisch, politisch und wirtschaftlich vor neuen Ueberfällen sichert und die ungeheuren Opfer lohnt, die das deutsche Volk bisher gebracht und bis zum siegreichen Ende weiter zu bringen entschlossen ist.
Der Zentralvorstand dankt seinem Vorsitzenden Basser— mann einmütig und herzlich für seine vom Vertrauen der Gesamtpartei getragene Tätigkeit zur Durchsetzung seiner nationalen Kriegsziele. Der Zentralvorstand wird mit der gesamten Partei geschlossen hinter jeder Regierung stehen, die diese Ziele mit unbeugsamer Festigkeit verfolgt.
Ein bürgerliches Friedensprogramm.
Der Bund Neues Vaterland tritt, wie die Rhein.⸗Westf. Ztg. zu berichten weiß, demnächst in Bern zu einer Friedenskundgebung zusammen. Das von dieser Organisation aufgestellte Mindest⸗ programm lautet nach dem erwähnten Blatt wie folgt:
„Die Hetze einer gewissenlosen Presse, genährt von den Inter⸗ essenten der Rülstungsindustrie und der Sensation, hat die Be⸗ ziehungen der Völker trotz ihrer unbezweifelten Friedensliebe ver⸗ giftet. 5 0
Die Expansionspolitik, verbunden mit imperialistischen Ten⸗ denzen, der scharfe Wettbewerb um abgeschlossene Handelsgebiete und um Kolonien hat gefährliche Gegensätze geschaffen.
Das System der fortwährenden Steigerungen aller Leistungen hat sinnlich dazu hinzugedrängt, diese Leistungen zur Niederwerf— ung des Gegners zu gebrauchen. 5 5
Das System der europäischen Politik hat die Rivalktäten ver⸗ schärft und aus jedem lokalen Konflikt eine furchtbare Gefahr für den Weltfrieden gemacht..
Dem allen muß man versuchen, Einhalt zu tun. Die Ge⸗ legenheit dazu— eine Gelegenheit, die vielleicht niemals wieder— ehrt— bietet der Friedensschluß. ö 1
Die Völker haben jetzt ein Wort mitzureden. Die alte Politik der zünftigen Staatslenker ist zusammengebrochen. 1.
Die politischen und die geistigen Führer der Menschbeit. die unser Kulturleben davor zu bewahren haben, aufs neue ge⸗ schändet zu werden, die Männer der friedlichen Arbeit und jene internationalen Organisationen, die den mühseligen Gewinn ihres Schaffens vor sinnloser Zerstörung schützen müssen, die Frauen, in deren wachsendem Einfluß eine neue Hoffnung für den Frieden anerkannt werden muß, die Massen, die nicht noch einmal zum Morden und Sterben geführt werden wollen, sie alle sollen zu⸗ sammen helfen, denn sie alle sind solidarisch.“
Verbot der Berner Tagwacht und einer französischen Broschüre.
Der Kommandierende General des 8. Armeekorps und der Gouverneur der Festung Köln haben folgende Bekannt— machung erlassen:.
95„Der Vertrieb der Schweizerischen Zeitung Berner Tagwacht wird hiermit für den Bereich des 8. Armee⸗ korps untersagt. Zuwiderhandlungen werden... mit Gefängnis bis zu einem Jahre bestraft.“
Eine weitere Bekanntmachung derselben Stelle verbietet die Verbreitung der bekannten Schrift der französischen katho—
In Rot⸗Rußland.
Ueber die Verfolgung der fliehenden russischen Armee wird dem Berliner Tageblatt aus dem k. k. Kriegs- pressequartier gemeldet: Der Vormarsch der Verbündeten dauert an und hat, die russischen Heere vor sich hertreibend, die Linie nördlich von Wlodawa—Wisznics—Miedcyrzidezy— Losico—Czyczew erreicht. Auch hier, im eigentlichen Rot⸗ rußland, haben die Russen wie in Feindesland gehaust. Sie führen Brandkommandos mit, die mit Zelluloid und Benzinspritzen ausgerüstet find, doch werden nur die Herrenhäuser und die Judenviertel der Städte vernichtet; die Bauern hingegen gehen frei aus. Wo die Gutsfelder schon abgeerntet sind, wird das Getreide unter die Bauern verteilt. Außerhalb der russischen Rückzugslinie, wo die Felder ge⸗ schont wurden, die Einwohner aber geflüchtet sind, verrichten die deutschen und österreichisch-ungarischen Etappenkommandos die Erntearbeit. Ingenieure stellen Dreschmaschinen und Mühlen auf.
Die Sorge der Engländer.
Nach der Deutschen Tageszeitung sollen Londoner Re— gierungskreise die größten Besorgnisse wegen der Kriegslage in Rußland äußern. Grey habe mehreren Abgeordneten ge— sagt, daß die große Entscheidungsschlacht bei Brest⸗Litowsk in allernächster Zeit zu erwarten sei.
Englische Seedespotie.
Kopenhagen, 15. August. Die englische Regierung hat jetzt kurzerhand verfügt, daß sämtliche ausländische Dampfer sowohl auf der Hin- wie auf der Rückreise nach Schweden einen englischen Hafen anlaufen und sich dort zur Kontrolle der Ladung zu melden haben. Ein Schiff, das dieser Weisung nicht nachkommt, wird zu⸗ künftig weder englische noch kanadische Kohle erhalten.
Die französische Ministerkrise.
T. U. Genf, 16. Aug. Um Millerands Situation zu retten, erklärten sich, wie der Temps meldet, alle Mitglieder des Kabinetts Viviani solidarisch. Eine partielle Minister⸗ krise wäre also ausgeschlossen. Der Temps hofft, daß die Kammermehrheit vor einem vollständigen Ministerwochsel zutückschrecken werde.
Das„neutrale“ Amerika.
Paris, 16. Aug.(W. B. Nichtamtlich.) Petit Joural meldet aus Washington: Die Ausfuhr der Vereinigten Staaten nach Sibirien betrug in der Zeit vom 1. August 1914 bis 30. April 1915 19 Millionen Dollars, d. h. 19mal soviel, als in normalen Zeiten. Vor Ablauf des August müssen 400 Lokomotiven und 20 000 Eisenbahnwaggons in Wladiwostok abgeliefert werden.
Der Maximalarbeitstag in Norwegen.
Kristiania, 15. August. Das Oldesthing nahm mit 64 gegen 17 Stimmen den Maximalarbeitstag für Norwegen mit 10 Stun⸗ den täglich und 54 Stunden wöchentlich an. Bei Buch⸗ und Zeitungsdruckereien, sowie Gruben und Metallhütten soll nur 48 Stunden wöchentlich gearbeitet werden. Das Gesetz tritt nach 5 Jahren in Kraft. Die Annahme des Gesetzes im Lagthing ist gesichert.
Kriegsnotizen.
Die Londoner Polizei beschlagnahmte Zehntausende von Exemplaren eines Friedensmanifestes, das in der Nacht in allen Häusern der Vorstädte von London einge⸗ schmuggelt worden war. Das Manifest sagt den Sieg der Zentralmächte voraus und nennt Asquith und Grey die Totengräber Englands. Die Urheber des Flugblattes sind unbekannt.
Zwei deutsche Offiziere sind aus dem Gefangenen⸗ lager Oldcastle in Irland geflüchtet.
Wie die russischen Blätter übereinstimmend melden, wird die
Heraldo, i 0 b 5 welche seit Kriegsbeginn in Casablanca in Gesangenschaft waren, gelungen sei, zu entkommen und die spanische Zone Sie sollen sich gegenwärtig in Sevilla befinden.
folgende Resolution:
Stimmen bei einer Stimmenthaltung, Absatz 2 einstimmig ange⸗ nommen.
Leonberg) scheint den Rekord zu erreichen unter den Kreis⸗ organisationen Deutschlands hinsichtlich der Einberufung der Partei⸗ mitglieder. Bis Ende Juli waren 1900 Mitgliedern, die bei Kriegs⸗ beginn gezählt wurden, nicht weniger als 1322 zum Heeresdienst eingezogen. die auf der Kreisversammlung durch 25 Delegierte vertreten waren. In der Aussprache über die Parteidifferenzen wurde den Maß⸗ nahmen des Landesvorstandes allgemein zugestimmt. Stimmen fand folgende Resolution Annahme:
(Sachsen) nahm am Mittwoch Stellung Budgetbewilligungsfrage und den damit zusammenhängenden Vor⸗ gängen in der Partei. Gen. Rich. Meier gelangte folgende Resolution gegen drei Stim⸗ men zur Annahme:
Die Information verbsfentlicht eine Meldung des Madrider 0 es den drei Brüdern Mannesmann,
zu erreichen. t
Parteinachrichten.
Aus den Organisationen.. Eine in Duisburg abgehaltene Filialleitersitzung
1. Die erweiterte Parteileitung des Wahlkreises Duisburg: Mülheim⸗Oberhausen⸗ Hamborn erklärt sich mit der Haltung der Reichstagsfraktion und den bis⸗ herigen Maßnahmen des Parteivorstandes zum Kriege ein⸗ ver stan'den. 5 g
2. Sie harter daß der Parteivorstand und die Reichstags⸗ fraktion mit allen Mitteln versuchen, die Regierungen zu ver⸗ anlassen, auf einen baldigen Frieden hinzuwirken. Die Genossen verpflichten sich, alle Bostrobungen, mögen solche von links oder rechts kommen, die darauf hinauslaufen, die Partefeinheit zu stören, mit aller Entschiedenheit zu bekämpfen. Die Filialleitersitzung erklärt damit die ganze Angelegenheit bis zur nächsten Kreiskonferenz für erledigt.
In namentlicher Abstimmung wurde Absatz 1 mit 9 gegen 6
8 Der J württembergische Wahlkreis(Böblingen⸗
Vorhanden sind noch 414 zahlende Parteimitglieder,
Gegen zwei
„Die Kreisversammlung hält es als Hauptaufgabe der Ge⸗ noffen, die einheitliche Organisation der württembergischen Sozialdemokratie zu wahren. Sie bedauert die parteizerstörende Tätigkeit der ausgeschiedenen Gruppe in Württemberg und fordert die Genossen auf, allen Versuchen einer Partelspaltung entschieden entgegenzutreten. Die Versammlung erklärt sich mit der Haltung der Fraktion zum Krieg einverstanden und spricht derselben ihr Vertrauen aus.“ 0
Der Sozialdemokratische Verein für Zwickau zur Kriegskredit⸗ und
Nach einem Referat des Bezirkssekretärs
Die am 11. August 1915 in Zwickau tagende Mitgliederver⸗ sammlung des Sozialdemokratischen Veveins für den 18. sächsischen Reichstagswahlkreis erklärt ihre Uebereinstimmung mit dem Verhalten der Mehrheit der Reichstags⸗ fraktion, des Parteivorstandes und des Partei⸗ ausschusses in der Frage der Bewilligung der Kriegskredite und des Kriegsbudgets.
Die Versammlung erkennt weiter die Bemtihungen des Parteivorstandes zur Herbeiführung eines baldigen Friedens an und erwartet weitere Tätigkeit nach dieser Richtung. Sie er⸗ wartet weiter, daß die Fraktion die Freigabe der Diskussion der Kriegsziele verlangt und gegen weitere Kriegskredite dann stimmt, sobald Eroberungen als Kriegsziele erkannt sind.
Die Versammlung hält in der gegenwärtigen schweren Zeit die Einigkeit und Geschlossenheit der Partei für not⸗ wendiger als je und verurteilt die vergiftende Tätig⸗ keit jener Anhänger der Parteiminderheit, die, in Sondergruppen organisiert, die Partei im In⸗ und Auslande 5 Flugblättern und Preßartikeln schmähen und herab⸗ setzen.
Ferner erwartet
die Versammlung von der Reichstag
tags- fraktion, daß sie mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln von der Regierung fordert, der wucherischen Ausbeutung des Volkes 0
durch gewissenlose Spekulanten Einhalt zu gebieten. 5
Drei Monate Gefängnis wegen Aufreizung. Am Freitag fand vor der Elberfelder Strafkammer die Ver⸗
faßte
Räumung der Rigaer Fabriken sehr energisch betrieben. Be⸗ sonders stark bemüht sich die Stadt Kie w, die Rigaer Fabrikanten zu veranlassen, ihre Betriebe in Kiew zu eröffnen, was auch ge⸗ lingen soll.
An der Dnjestrfront, in der Nähe von Zaleszezyki, haben russische Truppen einen Parlamentär hinübergeschickt, um zu fragen, ob der Fall der Festung Warschau auf Wahrheit beruhe. Scheinbar hält Rußland den Fall der polnischen Festung vor seinen Truppen verborgen.
handlung gegen unseren Genossen, Redakteur Otto Niebuhr, wegen der bekannten Friedensnummer der Monatsschrift Morgenrot statt. Die Oeffentlichkeit wurde ausgeschlossen. Nach ae dee Verhandlung beantragte der Staatsanwalt 1 Jahr drei Mona 3 Gefängnis und sofortige Verhaftung. Das Gericht verurteilte Gen. Niebuhr wegen Aufreizung und Vergehen gegen die Verordnung des Generalkommandos über die Vorlegung von Zeitschriften zu drei Monaten Gefängnis. Die weitere Anklage gegen Niebuhr auf Aufforderung zur Insubordination hat das Gericht fallen lassen.
lischen Bischöfe:„Der deutsche Krieg und der Katholizismus“, veröffentlicht unter Leitung von Baudrillart. Verboten sind auch die„dazu gehörigen Albums mit photographischen Illustrationen“.„Etwa vorhandene Exemplare sind zu be— schlagnahmen und bei den Polizeibehörden aufzubewahren.“ Zuwiderhandlungen werden mit Gefängnis bis zu einem Jahre bestraft.
Diethelm von Buchenberg
* Erzählung von Bertold Auerbach. 5¹
Munde ließ sich nicht dazu bewegen, er faßte den weißen, rotausgeschlagenen Rock des Bruders und weinte bittere Tränen darauf, indem er dem Vater erzählte, daß auch gegen ihn Medard den Verdacht ausgesprochen und daß er mit einem Schlage ins Gesicht von ihm geschieden sei. Dieses letzte besonders tat ihm so weh, daß er so grimmzornig von seinem Bruder auf ewig geschieden sei. Munde hatte sein weiches, sanftes Gemüt bewahrt, und er streichelte den Rock, als deckte er noch den, der ihn einst trug. Drei Tage kämpfte Munde einen schweren Kampf mit sich und mit dem Vater. Der Gedanke, Fränz zu besitzen, entflammte ihn: und wenn er wieder dachte, daß er ewig um den Mann sein und ihn Vater nennen solle, der vielleicht am Tode seines Bruders schuld war— die Asche des Bruders lag auf all dem großen Besitztum. Aber was kann Fränz dafür? Es ist nur eine alte Dorfgewohnheit, daß das Kind die Schande erdulden muß, die auf dem Vater ruht; und ist nicht Diethelm freige⸗ sprochen und hochgeehrt?
Am dritten Abend, als Munde das Dorf hinaufging, begegnete er Fränz. Sie reichte ihm froh und innig die Will— kommshand, aber es mochte seine ganze Gemütsverfassung zeigen, daß das erste, was Munde sprach, dahin lautete, er
„Mein Medard hat ihm das gleiche gesagt Weißt wohl?“
„Und du denkst noch daran?“ sagte Fränz schaudernd. In ihrem Wissen um das Geschehene⸗ fühlte sie, daß noch nicht alles gesühnt war, und auch in ihrem Herzen kämpfte nun Liebe zu Munde und Furcht vor ihm; sie setzte aber schnell hinzu:„Mein Vater ist freigesprochen, und es darf niemand mehr so was reden und denken. Sag' das deinem Vater. Es steht Zuchthaus drauf.“
„Auch aufs Denken?“ fragte Munde.
Fränz erwiderte unwillig:„Ich hab' nichts mehr mit dir zu reden, wenn du so bist. Ich glaub' an keinen Menschen mehr, weil auch du schlechte Gedanken hast. O Munde, ich könnt' mir die Augen ausweinen über dich. Ich hab' dich so gern gehabt. Jetzt darf ich's sagen, es ist ja vorbei.“
„Nein, es ist nicht vorbei,“ rief Munde aufflammend, „ja, du hast recht, es ist schlecht, so was zu denken. Gib mir dein' Hand, komm', wir gehen zu deinem Vater, er hat mich kommen heißen. Fränz, hast mich denn wirklich noch so gern?“
„Es kommt darauf an, wie du bist. Allem Anschein nach hast du dich verändert. Du hast doch immer so ein gutes Gemüt gehabt.“ 4
„Und ich hab's noch, wenn du mich lieb hast, komm', Fränz, komm'.“
Hand in Hand gingen beide in das Waldhorn zu Diet-
wie mir. heiß hat mir ja auf dem Rathaus gesagt, daß er mir was Gutes mitzuteilen hat.“ 1 „Nun? Ist denn vierzig Gulden nicht? Und zwei Jahr Zins ist auch dabei. Ich will dir's aber nur sagen, ich hab' was anderes mit dir vorgehabt, aber du hast dich drei Tage besonnen, bis du zu mir kommen bist, und derweil sich der Gescheite besinnt, besinnt sich der Narr auch.“ 5 Munde sah wohl, daß ihn Diethelm schrauben wollte? daran, daß er ihn tief zu demütigen suchte, um ihn dann vielleicht großmütig zu sich zu erheben, dachte er nicht, er sagte daher:„Ihr wisset, was ich denk', Ihr kennt mich ja.“ „Ich kenn' dich nimmer. Du bist zwei Jahre Soldat gewesen, da wird der Mensch ein anderer.“ „Wen ich damals gern gehabt, hab' ich noch gern.“ 1 „Das ist brav. Du hast immer ein gut' Herz gehabt. Jetz, muß ich aber da Schreibereien machen. Komm' 1 0 9 wieder, Munde.“ 1 Schon beim Eintritt Mundes hatte sich Fränz entfernt, und als dieser jetzt auch wegging, begleitete ihn die Mutter und sagte noch auf der Treppe:„Munde, sei nur heiter. Ich darf nichts sagen, aber glaub' mir, er hat's gut mit dir vor. Komm' nur morgen wieder. Es fällt kein Baum auf einen Schlag. Grüß' mir deinen Vater und sag' ihm, es ging' mir viel besser, aber springen kann ich noch nicht. Und sieh', daß
15 du von deinem Vater ein Mittel kriegst gegen böse Träume helm. 6
müsse ihr das Geld wiedergeben, das er, ohne zu wissen, bei ihrer Abreise aus der Hauptstadt von ihr genommen habe. Er überreichte ihr das Geld, das er in einem Papier wohl verwahrt hatte, sie empfing es mit den Worten:„Sonst hast du gar nichts zu sagen?“
Die trotz aller Tändeleien und Anknüpfungen nie völlig erstorbene Liebe zu Munde erwachte in ihr, dabei die Er— innerung, die damals in ihr aufgesproßt war. Nach einer stummen Pause setzte sie daher hinzu:„Kannst dir denken, wie hart es uns allen zu Herzen geht, daß dein Medard dabei verunglückt ist. Wir sind ja alle zu ihm gewesen, als wenn er das Kind vom Hause wär', und dein Vater hat schweres Herzeleid über uns gebracht.“
Jede andere Empfindung wurde bei Fränz von dem Triumph überragt, daß sie den Munde hinter sich drein ziehen könne, wohin sie wolle.
„Hast dich besonnen?“ fragte Diethelm nach den ersten Begrüßungen.
„Auf was?“ erwiderte Munde stotternd, indem er schnell umherschaute und vor sich niederblickte. Diethelm ertrug jetzt seine Stimme schon gleichgültiger und sagte daher achselzuckend:„Das ist dein' Sach. Ich will dir nur sagen, daß dein... dein Medard noch vierzig Gulden Lohn bei
mir stehen hat. Kannst sie jeden Tag holen, wenn du was damit anfangen willst.“ „Damit kann ich nicht weit springen. Der Herr Schult⸗
Zusicherung der Frau Martha geschmack. Diethelm hatte diese Träume und fror, er war also doch schuldig; er durfte es aber jetzt nicht mehr sein, ge⸗ wiß nicht am Tode Medards. Boden zu schlagen, der so etwas dachte, und trotzte mit seinem Vater, der immer darauf zurückkam. 0
und gegen das Frieden; darfst aber nicht sagen, für wen es ist.“
„Für wen ist's denn?“ Es ist besser, wenn du's nicht weißt, dann brauchst du
es nicht zu sagen.“
Munde wußte es aber jetzt, und die anfangs tröstliche hatte einen bitteren Nach
Munde hatte Lust, jeden zu
(Fortsetzung folgt.)


