in Gold bezahlt werden müssen, sind unter diesen Umständen der Versuch einer Pression, die fehlschlagen wird. Ein Staat, der nicht weiß, wo er mit seinem Getreide hin soll, kann nicht Be⸗ dingungen stellen, wie sie in diesen Ausfuhrzöllen liegen.
8 Englische Urteile über das deutsche Flugwesen.
London, 13. Aug.(W. B. Nichtamtlich.) Ein Artikel in der Morning Post über das Flugwesen sagt: Die Luft- schiffe haben im ersten Kriegsjahre erstaunliche Dinge aus⸗ geführt, von denen das große Publikum in England wenig Notiz nahm. Man schwatzt viel von einem Fiasko der Zeppeline. Es ist heute unpopulär, es zu sagen, es ist aber trotzdem eine Tatsache, daß die deutschen Zeppeline kein Jehlschlag waren. Sie taten viel, was im einzelnen nicht erörtert werden darf, man kann also die wirkungsvollsten Leistungen nicht besprechen. Der Verfasser betont, daß man in England die wirklichen Absichten der deutschen Luftschiffer nicht kenne, sodaß man ihre Leistungsfähigkeit schwer be⸗ urteilen könne. Die Zeppeline waren für die Aufklärung in der Nordsee ein durchaus unschätzbares Werkzeug. Ihr Bombenwerfen war ohne militärischen Wert; aber die Kriegsgeschichte wird später zeigen, daß keineswegs alles unter diese Kategorie falle. Ihre Verwendung beschränkte sich nicht nur auf die Nächte ohne Mondschein oder die Mo— nate mit langen Nächten, die Zahl ihrer Verluste war bei ihrer großen Treffläche, sowie im Vergleich mit der geleisteten Arbeit bemerkenswert gering. Kein Zeppelin wurde während der Streifzüge nach England oder auf der Rückreise zerstört. Man muß im zweiten Kriegsjahr Dinge er— Warten, die bisher für unmöglich galten.
Pravott Battersby schreibt in der Morning Post aus dem britschen Hauptquartier: Die Deutschen haben Grund, auf ihre Fortschritte im Flugwesen sto lz zu sein. Man erhält auch vom Boden aus einen starken Eindruck von der Schnelligkeit und der Steigkraft der deut— schen Flugzeuge, die kürzlich auf einige Entfernung in die Feuerlinie eindrangen. Es war lehrreich, die Kühnheit zu beobachten, mit der sie unsere Geschosse vermieden, was das Vertrauen des Fliegers zu seiner Maschine beweist, sowie dis Leichtigkeit, zu beobachten, mit der er, wenn er genug hatte, in hohe Luftregionen stieg und die weißen Geschoßwolken
zurückließ, die hoffnungslos weit hinter ihm platzten. Das Flugzeug ist vom Aviatiktyp, der einen sechszylindrigen
Mercedesmotor von 150 Pferdestärken haben soll. Die An— zahl der Pferdekräfte bedeutet im Flugwesen nicht alles, aber sie bedeutet mehr als die Schnelligkeit, nämlich die Tragfähig⸗ zeit. England sollte seine bisherigen Flugzeuge zum alten Eisen werfen und die deutschen nachahmen und über⸗ treffen. Die Flugzeuge mit doppeltem Motor, die beim ersten Erscheinen über den französischen Linien ein solches Aufsehen erregten, sollen ein Geschütz geführt haben, das mit Granaten schoß. Die neuen Flugzeuge bedeuten unleugbar eine Gefahr und sie verdienen zweifellos alle Be⸗ wunderung, die die Franzosen, die keine schlechten Flieger sind, ihnen zollten. 0
Der Wollmangel in Italien.
Corriere della Sera behandelt ausführlich die Frage des Woll⸗ mangels in Italien, wonach es vielen Frauen unmöglich gemacht werde, nach ihrem Wunsch Wollsachen für Soldaten anzufertigen. Täglich liefen von den Truppenteilen Gesuche um Wollkleidung zum b gegen die nächtliche Kälte in den Bergen ein. Aber es sei nicht möglich, genügende Wollsachen abzusenden. Aus fachmännischen Ausführungen 15 hervor, daß sowohl an Streichgarn wie an roher Kammwolle ein Mangel herrsche. Das italienische Blatt be⸗ schwört deshalb das verbündete England, von dem Ausfuhrverbot von Wolle zugunsten Italiens eine Ausnahme zu gestatten.
Der Jahrgang 1896 in Italien.
Chiasso, 13. Aug. Das Aushebungsgeschäft des Jahr⸗ ganges 1896 beginnt bereits am 1. September.
Des Zaren„liebe Juden“.
Der Vossischen Zeitung geht die Originalabschrift der Inter⸗ pellation 8 15 die äußerste Linke der Duma an den Minister⸗ präsidenten Goremykin wegen der Lage der russischen Juden gerichtet hat und deren Veröffentlichung in der russischen Presse von der Regierung verboten wurde. Die darin angeführten beglaubigten Daten sind geradezu entsetzlich. Bekanntlich hatte die russische Re⸗ gierung die Aus weisung der gesamten jüdischen Bevölkerung aus den kriegsbedrohten Landesteilen angeordnet, und die Inter⸗ pellation führt an, wie diese Ausweisungen vor sich gegangen sind. Die Räumung mußte in der Regel binnen vierundzwanzig Stunden erfolgen, so daß die Ausgewiesenen fast ihr gesamtes Gut zurück⸗ lassen mußten, das dann unter der Duldung oder auch Mitwirkung der Polizei und der Militärbehörden ausgeraubt wurde. Die Aus⸗ gewiesenen wurden in Güterwaggons gesperrt, deren Türen plombiert wurden. Die sogenannten„Judenzüge“ hielten auf manchen Durchgangsstationen mehrere Tage, ohne daß den eimge⸗ perrten Männern, Frauen und Kindern die Erlaubnis gegeben worden wäre, die Waggons zu verlassen. Nicht einmal in die Waggons durfte etwas hineingereicht werden. Auf der Station Unetscha hielt ein derartiger Bahnzug volle zehn Tage, und als man dann die Waggons öffnete, fand man darin sechszehn Scharlachkranke und acht Flecktyphuskranke. Auf der Station Homel wollten die jüdischen, aber auch christliche Ein⸗ wohner den in den Viehwaggons tagelang Eingesperrten helfen, die wie wahnsinnig nach Brot und Wasser schrien. Aber die den Zug bewachenden Gendarmen drohten, auf die Helfer zu schießen, die mit Wasserkrügen herbeigeeilt waren. Dasselbe geschah auf der Station Belitza. In Nowosybkow wollten sich die dortigen Honoratioren telegraphisch bei den höheren Behörden für die Verschmachtenden, Kranken und Sterbenden verwenden. Das Telegramm wurde jedoch zurückgehalten und sämtliche Unterzeichner verhaftet. In vielen Städten wurden die vornehmsten Juden als Geiseln in die Gefängnisse gesperrt, wo sie noch heutigen Tages schmachten. Es sind zahlreiche Fälle vorgekommen, wo ein soge⸗ nannter Judenzug nach wochenlanger, qualvoller Fahrt endlich an seinem Bestimmungsort angelangt war, aber die ebenso qualvolle Rückreise antreten mußte, weil der betreffende Gouverneur die Aus⸗ ladung nicht gestattete. Mehrere jüdische Frauen waren während dieser Höllenfahrt niedergekommen in verschlossenen und plombierten Waggons, wo Männer, Frauen und Kinder ohne Speise und Trank tagelang zusammengepfercht waren. Alle Schreie um ärztliche Hilfe nützten nichts und männliche und weibliche Leidensgenossen mußten helfen. Unter den Ausgewiesenen und in Viehwaggons Verladenen befanden sich Schwerkranke und Kreißende, die ächzend und stöhnend in die bereitstehenden Züge ge⸗ schleppt wurden. Selbst Irrsinnige, die in Krankenhäusern und Irrenanstalten sich bei Veröffentlichung der Ausweisungsdekrete befanden, wurden von dort in die Judenzüge verladen, zusammen mit Gesunden. Die Haare stehen einem zu Berge, wenn man die von Hunderten christlicher und unverdächtiger Zeugen erhärteten Angaben der entsetzlichen Interpellation liest.
Der neue 10⸗Milliarden⸗stredit.
Dem Reichstag ist nunmehr der Nachtragsetat zuge⸗ gangen, in dem die Bewilligung eines neuen Kriegskredits in Höhe von zehn Milliarden gefordert wird. In diesem Ge⸗ setzentwurf wird auch mitgeteilt, daß die in den fortdauern— den Ausgaben des Reichshaushaltsetats für das Rechnungs⸗ jahr 1915 vorgesehenen diplomatischen und konsularischen Vertretungen in Italien fortfallen. Und dann heißt es:
„§ 3. Der Reichskanzler wird ermächtigt, zur Bestreitung einmaliger außerordentlicher Ausgaben die Summe von Mark 10 000 000 000 im Wege der Kreditfürsorge zu bewilligen.
§ 4. Die zur Ausgabe gelangenden Schuldverschreibungen und Schatzanweisungen, sowie die etwa zugehörigen Zinsscheine sollen sämtlich oder teilweise auf ausländische oder auch nach einem bestimmten Wertverhältnis gleichzeitig auf in⸗ und aus⸗ ländische Währungen sowie im Auslande zahlbar gestellt werden.
Die Festsetzung des Wertverhältnisses sowie der Neben- bedingungen für Zahlungen im Auslande bleibt dem Reichs⸗ lanzler überlassen.“
Liebknechts kurze Anfrage im Reichstage. Abgeordneter Dr. Liebknecht hat im Reichstage folgende kurze Anfrage eingebracht:
„Ist die Regierung beientsprechender Bereit⸗ schaft der anderen Kriegführenden bereit, auf der Grundlage des Verzichts auf Annexionen aller Art in sofortige Friedensverhandlungen einzutreten?“
In Liebknechts Vorgehen liegt ein neuer schwerer Ver— stof gegen die Disziplin der sozialdemokratischen Partei. Weun Liebknecht sich noch zur sozialdemokratischen Reichs
—
3
tagsfraktion zählt, hat er abzuwarten, was in der angeschni tenen, höchst wichtigen politischen Angelegenheit seiten dieser Fraktion unternommen wird. Es müßte zu ganz un. erträglichen Zuständen in der Fraktion und in der Partei führen, wenn jeder Wichtigtuer auf eigene Faust Politik machen dürfte. Dem muß jedenfalls ein Ende gemacht werden. 5 Sachlich hat die Liebknechtsche„kurze Anfrage“ gar keinen Wert, sie charakterisiert sich angesichts der auch Liebknecht be. kannten, vollkommen fehlenden„entsprechenden Bereit⸗ schaft der anderen Kriegführenden“ lediglich Unfug. Einberufung des bayrischen Landtags. i Wie Zentrumsblättern aus München gemeldet wird, soll der bayerische Landtag im September zusammentreten.
haltsplan im September dem Landtage vorgelegt werde. Eine Abweichung erscheine auch durch den Kriegszustand nicht ohne weiteres begründet.
Die Haltung Rumäniens.
T. U. London, 14. Aug. Die Times erfahren aus Butarest: In deutschfeindlichen Kreisen wird angenommen,
Rumänien auf seiner gegenwärtigen Haltung wegen des Durchfuhrverbots für Munition nach der Türkei beharre, entschlossen seien, die Einfuhr von Mais aus Rumänien zu verbieten. Auf diese Weise hofft man eine Bewegung in Agrar- und Handelskreisen dieses Landes zu erreichen, damit die rumänische Regierung gezwungen werde, die Munitions- durchfuhr zu gestatten. Dieses Vorhaben werde noch bestärkt durch die Agitation der Banken, die sich fast alle in deutschen Händen befinden und die den Grundbesitzern einen weiteren Kredit verweigern werden.
Griechenland und die Entente
ganzen griechischen Volke tiefe Entrüstung hervorgerufen, die aus⸗ nahmslos von allen Zeitungen geteilt wird, die empfehlen, alle Parteiunterschiede zu vergessen und sich entschlossen um den König zu scharen, um von Griechenland die ihm drohende Gefahr abzu⸗ wenden. Aus Mazedonien laufen zahlreiche Telegramme an den König und die Regierung ein, in denen erklärt wird, daß die Be⸗ völkerung Mazedoniens keinesfalls umter bulgarische Herrschaft ge⸗ stellt zu werden wünsche. Es werden große Protestversammlungen vorbereitet. Auch aus Altgriechenland laufen Entrüstungskund⸗ gebungen ein.
Das neue Ministerium Venizelos.
W. B. Berlin, 14. Aug. Wie dem Verliner Tageblatt aus Athen von gestern nachmittag gemeldet wird, darf es als sicher gelten, daß der König nach der Wiedereröffnung der Kammer und der Demission der jetzigen Regierung Venizelos berufen und ihm befehlen wird, auf der Basis striktester Neutralität die Regierung zu übernehmen.
Ein Londoner Friedensmanifest.
Haag, 14. Aug. Die Londoner Polizei beschlagnahmte 100 000 von Exemplaren eines Friedensmanifestes, das nachts in alle Häuser der Vorstädte Londons eingeschmuggelt wurde. Das Manifest sagt den Sieg der Zentralmächte voraus und nennt Asquith und Grey die Totengräber Englands und fordert den sofortigen Friedens⸗ schluß. Die Urheber des Manisestes sind unbekannt.
Mackowski, Unterstaatssekretär des Innern.
T. U. Von der italienischen Grenze, 14. Aug. Dem Secolo wird aus Petersburg gemeldet, man erwartet die Ernennung des Fürsten
staatssekretär des Innern, wobei zum erstenmal der Regierung ein Mann parlamentarischen Ursprungs beigegeben wird. Mackowskt habe als Bedingung für die Annahme seines Amtes gestellt, daß verschiedene Gouverneure, die sich ihres Amtes unwürdig erwiesen haben, entlassen werden. Ferner fordert er Erneuerung des Ver⸗ waltungspersonals. Tatsächlich werde auch demnächst eine Gruppe
von Kurland und den baltischen Provinzen, die beschuldigt werden, gewaltige Vorräte von Lebensmitteln in den Händen der Deutschen gelassen zu haben.
Diethelm von Buchenberg.
Erzählung von Bertold Auerbach. 50
Martha wehrte sich gegen dieses Mittel, gerade der Hund des verbrannten Medard war ihr ein Schrecken, und sie dachte nicht, daß ein anderer kurzhaariger ebenso dienlich gewesen wäre; sie verstand sich eher zu den anderen Mitteln, die darin bestanden, Turteltauben im Zimmer zu halten und im Neu— mond drei Blutstropfen aus den drei Fingern auf Baum⸗ wolle aufzufangen und solche in eine junge ab dem Wege stehende Weide einzuspunden.
In der Tat wurde Martha von nun an viel belebter und heiterer, sie riet oft ihrem Manne, wegen seines Fröstelns den alten Schäferle zu befragen, ja, sie befragte diesen von selbst über den Fall; aber der alte Schäferle, der wußte, wem es galt, behauptete, nicht helfen zu können, bevor der Mann selber zu ihm käme. Diethelm aber wollte sich nicht dazu ver— stehen, und wenn ihn seine Frau über seine unruhigen Nächte ausfragte, redete er ihr ein, das viele Geld im Hause mache ihm bange; er durfte ihr ja nicht sagen, wie nicht die Siche— rung seines Geldes, sondern die Wahrung seines Geheimnisses ihn oft in der Nacht aufschreckte, und wie es ihm oft war, als hörte er Peitschenknallen, Wagenrasseln, und als kämen plötzlich die Häscher, um ihn aufs neue einzufangen. Jedes⸗ mal in der Nacht, wenn der Eilwagen durch das Dorf fuhr, erwachte er; er hoffte, wieder Ruhe zu finden, wenn er aus dem lärmenden Dorfe weg sei und wieder auf seinem stillen Berge wohnte.
XXIII.
An der Hochzeit des jungen Küblers mit der Bruders— tochter Diethelms, die dieser reichlich ausstattete, zeigte sich, was die berittene Mannschaft zweier Dörfer verprassen kann, und noch dazu, wenn es auf fremde Kosten geht; dem Diet— helm war nichts zu viel, und er ermunterte noch jeglichen zum Essen und Trinken. Das Faß Uhlbacher wurde richtig ausgetrunken, und Diethelm, dem der Arzt seinen Leibwein verboten hatte, machte heute eine Ausnahme und half wacker mit, den er verband mit diesem Tage noch ein zweites Fest.
Seit acht Tagen war Munde vom Militär heimgekehrt, er war frei und hatte nur noch drei Jahre die gewöhnlichen Herbstübungen mitzumachen. Da Diethelm Schultheiß ge— worden war, mußte ihm Munde seinen Urlaubspaß über⸗ geben; er wartete ab, bis Diethelm mit dem Gemeinderat auf dem Rathaus war, übergab dort das Schriftstück, ohne aufzuschauen, und nannte ihn stets„Herr Schultheiß“. Diet⸗ helm hielt gerade ein Anschreiben vom Amte in der Hand, als Munde eintrat und sprach. Von heftigem Schreck erfaßt, starrte er eine Weile hinein in das Papier, auf dem die Buch⸗ staben seltsam ineinander krochen. Der Klang der Bruder— stimme hatte Diethelm mächtig erschüttert. Die Einbildungs⸗ kraft kann sich zu Leid und Freud' das ganze Wesen und Ge— haben eines Verstorbenen in die lebendige Erinnerung stellen, eines aber vermag sie nicht aus sich zu erwecken: es ist der Klang der Stimme des Abgeschiedenen, nur ein Ton von außen ruft ihn wach. Wie jetzt Diethelm die Bruderstimme hörte, drang sie ihm ins Herz, so daß plötzlich alles Verborgene und gewaltsam Zurückgedrängte vor ihm stand.
Diethelm faßte sich und sprach endlich, das Papier nieder- legend und sich zurücklehnend:„Was willst du jetzt anfangen, Munde?“
„Ich werd' schon sehen,“ antwortete Munde und grüßte soldatenmäßig.
Diethelm aber rief ihm noch nach:„Komm' zu mir ins Waldhorn, Munde, ich hab' dir was Gutes zu sagen.“
„Das Gescheiteste wär', du gäbst ihm dein' Fränz,“ sagte der Schmied hinter dem Weggegangenen,„sie haben sich von je gern gehabt, und es schickt sich grad für dich, einem, der nichts hat, deine Tochter zu geben, und einen bräveren und schöneren Tochtermann kannst du nicht kriegen.“
Diethelm schwieg und nahm die Gemeindeverhand— lungen wieder auf. Am Mitttag erzählte er seiner Frau, daß er den Munde herbestellt habe, und es sei wohl möglich, daß er seinen Vorsatz ausführe und ihm die Fränz gebe. Martha war glückselig mit diesem Vorhaben und sagte, daß dann gewiß wieder alles gut werde und daß auch die Seele
liebster Wunsch erfüllt sei. Diethelm nickte zufrieden, aber drei Tage lang ließ sich Munde nicht sehen, und Diethelm war voll Zorn gegen ihn und verbot Frau und Tochter, ein Wort„mit dem Bettelbuben“ zu reden. In sich aber über⸗ dachte er, daß es wohl klüger sei, dem Munde die Fränz nicht
und als Gewissensangst gedeutet werden; dennoch mutete ihn der Gedanke einer Sühne in Erfüllung des Versprechens gegen den Toten tröstlich an.„Dann ist ja nichts geschehen,“ sagte er sich,„als ein paar Jahre verkürzt, und das hätte sich der Medard gern gefallen lassen für das, was seinem Bruder zukommt, er ihn ja immer so gern gehabt.“ Ueberdem
außer dem altersschwachen Manne an seine Schuld glaubte. Solange noch ein solcher Mensch auf der Welt lebte, meinte er keine Ruhe zu finden.
Munde hatte seinem Vater erzählt, wie zutraulich Diet ⸗ helm gegen ihn auf dem Rathaus gewesen.
„Ich weiß, was er vorhat,“ sagte der alte Schäferle, er will dir seine Fränz geben.“ fer „Vater, was macht Ihr?“ rief Munde hochentflammt.
„Kannst dich darauf verlassen,“ fuhr der alte Schäferle gelassen fort,„er will sich loskaufen.“ wa Munde mußte aber und abermals hören, wie uner⸗ schüttert der Vater an die Schuld Diethelms glaubte, er wehrte sich mit aller Macht dagegen, aber der Vater blieb standhaft und sagte: ich nicht gewiß, aber so gewiß, als der Himmel über uns ist und nichts auf der Welt verborgen bleibt, hat er mit 10 zündet. In alten Zeiten hat ein Bruder nicht geruht, bis er für das Blut seines Bruders Rache genommen hat. Kannst du hingehen und die Tochter von dem heiraten? Nein! Weißt was, komm' her,“ sagte der alte Schäferle aufstehend In in 2 0 Schranke von jenen Kleidern,
ie ihm Medard zur Herbstzeit in der über⸗ geben hatte,„da, komm' her, zieh' a en e
Genc was er macht. Du siehst dem Medard gleich, wie er
des verstorbenen Medard Ruhe haben werde, wenn sein
vor Jahren ausgesehen hat, geh',
mach's.“ Forts. folgt
*
als grober
Die Verfassung sehe ausdrücklich vor, daß der Staatshaus.
daß die deutsche und österreichisch-ungarische Regierung, falls
Athen, 14. Aug. Der letzte Schritt der Ententemächte hat im
Mackowski, gegenwärtig Vizepräsident der Reichsduma, zum Unter⸗
von Gouverneuren abgesetzt werden, unter ihnen die Gouverneure
zu geben, diese Großmut konnte leicht verdächtig erscheinen 45
war es Diethelm unerträglich, daß noch irgend ein Mensch
„Ob er Blutschuld auf sich hat, weiß
f kon den Rock an und setz' den Hut auf und geh' hin zum Diethelm und betracht' bir ihn


