Hessen und Nachbargebiete. f Gießen und umgebung.
Heinrich Busolds Bestattung.
Auf dem friedlich und freundlich gelegenen Hange des Fried— berger Totenackers hatten sich gestern viele Hunderte von Vertretern der hessischen Sozialdemokratie zusammengefunden, um letzten Ab⸗ chied von einem ihrer Besten, von Heinrich Busold zu nehmen. Zu ihnen gesellten sich Vertreter der parlamentarischen Körperschaften, denen Busold angehört hatte, und eine tausendköpfige Menge, die aus Stadt und Land zusammengeströmt war, um dem beliebten Volksmanne die letzte Ehre zu geben.
Die lieben Töne des Liedes„Ein Sohn des Volkes....“— von einem Chor der Frankfurter Union gesungen— grüßten beim Nahem des Leichenzuges den Toten, so wie er es sich selbst in einer seiner letzten Lebensstunden gewünscht hatte. Dann hielt Genosse Kaul⸗Offenbach die Gedächtnisrede, die unter dem Leitworte stand: Schreibt auf meinem Leichenstein: Dieser ist ein Mensch ge⸗ wesen und das heißt ein Kämpfer sein.
Hierauf begann die schier unübersehbare Folge der Nachrufe und Kranzniederlegungen. Für das Präsidium der Zweiten Kam⸗ mer feierte der Landtagsabgeordnete Damm ⸗Jriedberg den eifrigen Parlamentarier, für die Stadt Friedberg deren Bürger⸗ meister den guten Bürger und tüchtigen Kommunalmann, die letzten Grüße der sozialdemokratischen Landtagsfraktion brachte Genosse Eißnert⸗ Offenbach und die des Landesvorstandes Genosse Beck⸗ mann⸗Gießen. Hierauf legten Kränze mit entsprechenden, oft von tiefer Bewegung getragenen Abschiedsworten nieder: Sozial⸗ demokratischer Wahlverein Friedberg⸗Büdingen, Preßkommission der Frankfurter Volksstimme, Wahlverein Offenbach⸗Dieburg, Wahl⸗ verein Gießen⸗Nidda⸗Grünberg, Wahlverein Frankfurt a. M., Wahl⸗ kreisverein Homburg⸗Usingen, Agitationsbezirk Frankfurt a. M., Wahlkreisverein Hanau⸗Gelnhausen⸗Orb, Wahlverein Groß⸗Karben, Ortsverein„Gutenberg“ von Bad⸗Nauheim und Friedberg, Wahl⸗ verein Bad⸗Nauheim, Wahlverein Holszhausen, Volksstimme(Ver⸗ lag), Lederarbeiterverband Friedberg, Gewerkschaftskartell Fried⸗ berg, Wahlverein Nieder⸗Florstadt, Filiale Rodheim v. d. H., Ver⸗ band der Gemeindearbeiter Friedberg, Wahlverein Wetzlar⸗Alten⸗ kirchen, Wahlverein Ober⸗Wöllstadt, Wahlverein Nieder-Erlenbach, Wahlverein Schwanheim, Brauerei Steinhäuser, Kreiswahlverein Darmstadt⸗Groß⸗Gerau, Wahlverein Büdesheim, Wahlverein Heldenbergen, Wahlverein Klein⸗Karben, Deutscher Bauarbeiter⸗ verband Frankfurt a. M., Wahlverein Höchst a. d. Nidder, Sozial⸗ demokratischer Wahlverein Darmstadt, Soz. Wahlverein Steinbach, Soz. Wahlverein Vilbel, Soz. Wahlvevein Ober⸗Mörlen, Soz. Wahl⸗ verein Nieder⸗Wöllstadt, Soz. Wahlverein Altenstadt, Soz. Wahl⸗ verein Altenhain und Deutscher Holzarbeiterverband Friedberg.
Ein Chor der Unionsänger schloß die schlichte, aber eindrucks⸗ volle Feier, in die leider dadurch ein leiser Mißklang gebracht wor⸗ den war, daß der Entsandte des Hanauer Kreises es für angebracht gehalten hatte, die schwebenden Parteistreitigkeiten sogav an das offene Grab eines Genossen zu tragen.
— Der Wochenmarkt am Samstag war mit Gemüsen und Früchten aller Art, wie auch Butter und Eiern außer⸗ ordentlich stark beschickt, trotzdem wurden die alten hohen
5 Preise verlangt und nur bei Frühkartoffeln machte sich ein
kleiner Preisrückgang bemerkbar. Für Butter wurden wieder 1,70, teilweise sogar 1,75 Mark bezahlt und Eier waren unter 15 Pfennig nicht zu haben. Bohnen, die es im Ueberfluß gibt, kosteten 18 und 20 Pfennig und auch das übrige Ge— müse war verhältnismäßig recht teuer. Von der vom Generalkommando zur Regelung des Wochenmarktverkehrs erlassenen Verordnung, von der man sich allgemein einen Preissturz versprochen hatte, war noch nichts zu merken, denn weder die Stadt hatte auf Tafeln die Preise für die zum „Verkauf stehenden Waren verzeichnet, noch waren an den einzelnen Ständen solche Tafeln angebracht. In anderen
0 Städten ist diese im Interesse des kaufenden Publikums er—
lassene Verordnung bereits durchgeführt und es ist uns nicht recht verständlich, weshalb gerade Gießen bei derartigen Maßnahmen immer nachhinken muß. Ueberhaupt geht die Gießener Stadtverwaltung gegen den auf dem Wochenmarkt zutage tretenden Lebensmittelwucher nicht in der Weise vor, wie das in anderen Städten geschieht und worüber wir z. B. in der Samstags⸗Nummer aus Münster berichtet haben. Die Bundesratsverordnungen und die Erlasse des Generalkom- mandos bieten der Stadtverwaltung die Möglichkeit, die Preise für Lebensmittel in einer gewissen Grenze zu halten. Das, was man im Falle der Festsetzung von Höchstpreisen befürchtet, nämlich daß die Händler den Gießener Markt boykottieren, dürfte wohl nicht eintreten, weil für die den Gießener Markt besuchenden Händler ein anderer Ort ein— fach nicht in Frage kommt. Aber auch unsere Frauen könnten viel dazu beitragen, die Preise auf einer erschwinglichen Höhe zu halten, wenn sie nicht jeden geforderten Preis stillschwei⸗ gend bezahlen würden. Das ist nicht nur bei der Butter, sondern auch bei allen anderen Marktartikeln der Fall, wie wir schon häufig zu beobachten Gelegenheit hatten. Anstatt einem Menschen, der unverschämt in seinen Forderungen ist, die Ware zu lassen, zahlen die Frauen schließlich die gefor⸗ derten Preise, weil sie annehmen, an einem anderen Platze nichts mehr zu erhalten oder dieselben Preise zahlen zu müssen. Gewiß, auch der Produzent soll und muß verdienen, auch der Zwischenhändler will leben, aber die Profitsucht ein⸗ zelner preisangebender Händler artet zum Wucher aus, gegen den sich die Konsumenten und in allererster Linie unsere Hausfrauen mit aller Entschiedenheit wehren müssen. Würden sich zum Beispiel die Frauen vor dem Markt auf einen den Verhältnissen angepaßten Butterpreis einigen und am Markttag nicht mehr wie verabredet bezahlen, wir sind überzeugt, daß die Händler weder ihre Butter mit nach Haufe nehmen, noch den Gießener Markt boykottieren würden. So, wie die Verhältnisse eben sind, erheischen sie gebieterisch Abhilfe. Kann sich unsere Stadtverwaltung nicht dazu ent⸗ schließen, durchgreifende Maßnahmen anzuordnen, so müssen die Frauen zur Selbsthilfe greifen.
— Herabsetzung der Einquartierungsgelder. Wie wir in einer auswärtigen Zeitung lesen, beabsichtigt die Stadt Gießen, die Verpflegungssätze für die in Bürgerquartieren untergebrachten Landstürmer, die gegenwärtig pro Tag 2 Mark betragen und wozu die Stadt einen täglichen Zuschuß von 80 Pfennig leistet, herabzusetzen. Sollte diese Nachricht, die wir nachzuprüfen augenblicklich nicht in der Lage sind, den Tatsachen entsprechen, dann dürften sich bei der weiteren Unterbringung der Mannschaften der Stadt große Schwierigkeiten in den Weg stellen. Freiwillige Quar- tiere würden wohl bei einer Heruntersetzung der Ver-
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pflegungssätze überhaupt nicht mehr angeboten, weil der Mann unter 2 Mark nicht zu verköstigen ist und bei zwangs- weiser Einquartierung wären häufige Umquartierungen ganz unvermeidlich.
— Die Auszahlung der Quartiergelder für die im Monat Juli in Bürgerquartieren untergebrachten Mannschaften der Landsturm⸗Infanterie-Ersatz⸗Bataillone Gießen werden be— zahlt an die Empfangsberechtigten, deren Namen beginnen mit A—F Mittwoch, den 18. August, G- K Donnerstag, den 19. August, L- R Freitag, den 20. August, 8S— 2 Samstag den 21. August, jedesmal von 8—12 Uhr vormittags und von 2—5 Uhr nachmittags. Die Zahlstelle ist im Stadthaus, Zimmer Nr. 4. Die Empfänger werden dringend ersucht, die Beträge an den vorgeschriebenen Tagen abzuholen. Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Friedrich Fuchs, Lehrer aus Lollar, Inf.-Regt. 222.— Hch. Tuh aus Großen-Linden, Res.-Inf.-Regt. 83.— Ludwig Wagner aus Bieber, Inf.-Regt. 94.— Willy Müller aus Wetzlar⸗Niedergirmes, Res.-Inf.⸗Regt. 222.— Wilhelm Vietor aus Katzenfurt, Garde-Dragoner-Regt. 23.— Engelhard Horst aus Alsfeld, Res-Inf.-Regt. 224.— Kon⸗ rad Schäfer aus Berfa, Inf.-Regt. 132.
Soziale Fürsorge aus den Taschen der Arbeiter. Nach einem auswärtigen Blatte hatten wir jüngst eine kurze Dar⸗ stellung über die soziale Kriegsfürsorge bei der Weinheimer Lederfabrik von Karl Freudenberg G. m. b. H. in Wein⸗ heim i. B. gebracht. Hierzu ersucht uns nun die Firma, da die von uns übernommenen Ausführungen unzutreffend sejen, folgende Darstellung des wahren Sachverhalts zu ver— öffentlichen:„Die Unterstützung der Familien unserer im Felde stehenden Arbeiter wird ausschließlich von uns geleistet und zwar haben wir im ersten Kriegsjahr dafür 372 000 Mk. aufgewendet, also nicht 87 400 Mk., wie Sie berichten. Wir benötigen jetzt wöchentlich für diese Unterstützung an 10 000 Mk. Ihre Auffassung, daß die Unterstützung von den Arbeitern bezahlt wird, ist falsch. Unsere Arbeiter haben allerdings zu Anfang des Krieges freiwillig auf 10—15 Pro- zent ihres Lohnes zugunsten ihrer im Felde stehenden Kame— raden verzichtet. Diese freißßilligen Abzüge wurden einge— stellt, nachdem die Summe der Abzüge den Betrag von 26 445 Mk. erreicht hatte. Diesem Fonds flossen außerdem aus Mitteln der Firma 31000 Mk. zu, sodaß er 57000 Mk. beträgt. Verwendung dird dieser Betrag zur Linderung be— sonderer Notfälle, die infolge des Krieges entstehen, finden.“
Fürsorge und Armenwesen im Kriege. Der Krieg hat die Auf⸗ merksamkeit Vieler auf die mannigfaltigen Fürsorgeprobleme un⸗ serer Zeit gelenkt, die ihnen sonst wenig Beachtung geschenkt haben. Zahlreiche neue Kräfte haben sich mit hellem Eifer in den Dienst dieser Arbeit gestellt, haben dabei aber auch zum ersten Male die alte Erfahrung gemacht, daß unsere verwickelten Wirtschafts⸗ und Gesellschaftsverhältnisse eine Menge Kenntnisse und Einsichten derer fordern, die ihren schutzbedürftigen Mitmenschen helfen möchten. Wer hier wirklich Ersprießliches leisten will, der kann sich der Verpflichtung nicht entziehen, die Probleme der Not wie die vorhandenen Schutzeinrichtungen näher kennen zu lernen und diese Tätigkeit im Zusammenhange mit den größeren Aufgaben unseres Volkslebens zu betrachten. Der Verband zur Förderung der Armen- und Waisenpflege in Frankfurt a. M. hat eine solche Ein⸗ führung der helfenden Kräfte auf den verschtedenen Gebieten, im besonderen all derer, die freiwillig ihre Zeit und Arbeit diesen Dingen widmen, seit Jahren als seine Hauptaufgabe angesehen. Er wird in einer Vortragsfolge von 5 Abenden im September und Oktober die Hauptfragen der Fürsorge behandeln und hat Herrn Professor Dr. Chr. J. Klumker als Vortragenden gewonnen. Zu dieser Veranstaltung haben außer den Mitgliedern des Verbandes alle in der öffentlichen und privaten Fürsorge ehrenamtlich oder beruflich tätigen Männer und Frauen Zutritt. Ausführliche Prospekte werden demnächst herausgegeben, wegen Auskünfte wende man sich an die Geschäftsstelle des Verbandes, Moselstr. 4.
— Einhundertzwanzig Mark für einen Doppelzentner deutscher Erbsen. Unser Mainzer Parteiblatt schreibt: Unverschämter Wucher mit deutschen Hülsenfrüchten neuer Ernte, das ist das neueste auf dem Gebiete des Lebensmittelhandels. Für sämtliche Viktoria⸗ erbsen, die sonst zu einem Preise von 24 bis 27 Mark gehandelt wurden, werden zurzeit einhundertzehn Mark, nach anderen An⸗ gaben gar bis zu einhundertzwanzig Mark verlangt, also nahezu der fünffache Betrag wie in Friedenszeiten.— Es ist die höchste Zeit, daß die angekündigte Bundesratsverordnung gegen den Waren⸗ wucher sich Geltung verschafft und nicht nur auf dem Papier stehen bleibt. Oder will man die Oeffentlichkeit glauben machen, daß sich
früchte zu beschlagnahmen. sich auf die Beschlagnahme der Hülsenfrüchte, die als Futtermittel Verwendung finden sollen. Auf jeden Fall kann aber die Wucher⸗ verordnung angewendet werden.— Wie übrigens das Wolffsche Vurcau von unterrichteter Seite hört, schweben zurzeit in den be⸗ teiligten Ressorts Erwägungen über Beschlagnahme und Höchstpreisfestsetzungen für Hülsenfrüchte aller Art. Unter voller Wahrung der berechtigten Wünsche der Produzenten sollen durch diese Maßnahmen diese wichtigen für weite Bevölkerungs- kreise unentbehrlichen Nahrungsmittel den ungehinderten Preis- treibereien entzogen werden.
— Was sind die Kartoffeln wert? Bekanntlich werden für die Frühkartoffeln heute noch 6,50—7,50 Mark für den Zentner ver⸗ langt. Ein Preis, der murrend, aber doch bezahlt wird. Da ist es nun interessant, etwas über die Erzeugungskosten der vielbe⸗ gehrten Knollenfrucht zu hören. Durch eine Nachfrage in dem teurer als die privaten Landwirte arbeitenden landwirtschaftlichen Nebenbetriebe eines bekannten großindustriellen Unternehmens bei Hannover ist, wie der Vorwärts schreibt, nämlich festgestellt wor⸗ den, daß sich dort, also unter ungünstigen Verhältnissen, der Ge⸗ stehungspreis für Kartoffeln auf höchstens 2,50 Mark für den Zentner stellt. Damit vergleiche man die heutigen Preise und die jetzt schon zutage tretenden Bestrebungen, das so gewinnbringende Spiel des verflossenen Winters auf dem Kartoffelmarkt zu wieder⸗ holen. Hoffentlich macht die Reichsregierung und der Reichstag einen dicken Strich durch die famose Zukunftsrechnung!
— Haferankäufe. Das Proviantamt Frankfurt hat die frei⸗ händigen Haferankäufe aus der neuen Ernte aufgenommen; Ein⸗ lieferungen können sofort erfolgen. Angebote bezw. Anfragen sind an das Proviantamt Frankfurt a. M.⸗Bockenheim oder an das Ersatz⸗Magazin Frankfurt a. M., Ostgitterbahnhof, zu richten.
— Die Heuausfuhr verboten. Das stellvertretende General- kommando des 18. Armeekorps macht darauf aufmerksam, daß die Ausfuhr von Heu jeder Art und von Heuhäcksel, ungemischt oder mit Strohhäcksel gemischt, aus den nachbenannten Ankaufsgebieten verboten ist: Kreis Frankfurt g. M. Stadt, Kirchhain, Mar⸗ burg, Biedenkopf, Dillkreis, Wetzlar, Alsfeld, Bfldingen, Friedberg, Gießen, Schotten, Schlüchtern, Gelnhausen, Hanau Stadt und Land, Oberlahnkreis, Limburg, Usingen, Untertaunuskreis, Obertaunuskreis, Höchst, Wiesbaden Stadt und Land, Rheingaukreis, Provinz Rheinhessen und Starken⸗ burg. Landwirte und andere Betefligte dürften es als ihre vater⸗ Jändische Pflicht erachten, die Militärverwaltung bei der Herbei⸗
schaffung zur Befriedigung des Peeresbedarses in jeder Weise zu unterstützen.
— Beschlagnahme von Metallen. In unseren Geschäftsräumen liegt eine Nachtragsverflügung zu der Bekanntmachung des stellver⸗ tretenden Kgl. Generalkommandos des 18. Armeekorps über die Bestands meldung und Beschlagnahme von Me⸗ tallen offen. Wir machen die Interessenten mit dem Anfligen hierauf aufmerksam, daß auch eine Bekanntmachung am Rathaus zu Gießen angeschlagen ist.
Unfälle beim Bahnschutzbdienst. Die Frage, ob Unfälle, die sich beim Bahnschutzdienst ereignet haben, als entschädigungspflich⸗ tige Betriebsunfälle im Sinne der Reichsversicherungsordnung an⸗ zusehen sind, ist strittig und wird gegenwärtig im Verfahren bei einem Sberversicherungsamt ausgetragen. Die Intendantur der militärischen Institute hat als Ausführungsbehörde Unfallrenten⸗ ansprüche der im Bahnschutzdienst verunglückten Zivilpersonen bis⸗ her abgelehnt. Neuerdings ist es aber dem Kriegsministerium erwünscht, wenn diese Ansprüche alsbald von den Beschädigten oder ihren Angehörigen dem Ministerium schriftlich durch Vermittlung der zuständigen stellvertretenden Intendantur zur Vorlage ge⸗ bracht werden. Hierbei ist anzugeben, ob es sich um freihändig gegen Entgelt angenommene von den Gemeinden auf Grund des Kriegsleistungsgesetzes gestellte oder freiwillig ohne Entschädigung tätig gewesene Personen handelt.
— Sonnenblumen werden jetzt, wie man uns mitteilt, zur Oelgewinnung an den Eisenbahn⸗Böschungen angepflanzt. Die Pflanzen werden dem Schutze des Publikums empfohlen.—
Kreis Alsfeld⸗Lauterbach.
— Eine tragikomische Geschichte wird aus Lauterbach berichtet: Ein siebzigjähriger Auszügler und Witwer, dem das Junggesellen⸗ leben anscheinend zu langweilig war, wollte sich in seinen alten Tagen noch einmal verheiraten und verlobte sich mit einer noch rüüstigen Frankfurterin. Da sie sich aber, wahrscheinlich wegen dem Vermächtnis, nicht einig werden konnten und am Freitag früh des⸗ halb eine Auseinandersetzung miteinander hatten, wurde der be⸗ tagte Bräutigam sein Leben plötzlich überdrüssig und hat sich sofort
aufgehängt. Kreis Wetzlar.
— Vor einem Schwindler, der sich als Gerichtsvollzieher oder als Vertreter eines solchen ausgibt, und in den Landgemeinden des Kreises Wetzlar sein Unwesen treibt, wird öffentlich gewarnt. Sein Auftreten zeugt dafür, daß er mit den Amtsbezirken der Gerichts⸗ vollzieher, der Tätigkeit dieser Beamten usw. ziemlich vertraut ist. Die Vermutung liegt nahe, daß er früher einmal auf einem Bureau beschäftigt war, in dem Rechtsangelegenheiten bearbeitet werden. Er sucht von den Leuten Schuldtitel zu erlangen, um an⸗ geblich Vollstreckungen und dergl. vorzunehmen und sucht auch Vorschüsse auf diese Tätigkeit zu bekommen. Der Schwindler ist von mittlerer Größe, hat hellblonden Schnurrbart und blaue
Augen. Rreis Marburg⸗Kirchhain.
— Schwerer Unfall. Auf dem Bahnhof Erndtebrück bei Mar⸗ burg wurden dem Schaffner Karl Breuer durch eine Lokomotive beide Beine abgefahren. Es besteht kaum Hoffnung, den Unglück⸗ lichen am Leben zu erhalten.
Vermischtes.
Ein Defraudant. 5
Ein bel einem Fuldaer Getreidegroßhändler beschäftigter Buch⸗ halter J. Lutz von dort verschwand am Freitag unter Mitnahme von über 7000 Mark, während sein Chef im Ausland weilt.*
Pilzvergiftung.
In München sind in der vorvergangenen Woche 21, in der ver⸗ gangenen Woche 10 Personen an Pilzvergiftung erkrankt. Bisher sind drei Todesfälle zu verzeichnen. 5
132 000 Mark unterschlagen. 5
Aus Oberursel wird berichtet: Auf der hiesigen Polizei meldete sich ein junger Mann von 22 Jahren als obdachlos. Der Polizei fiel es auf, daß er nicht einmal die notwendigsten Reise⸗ gegenstände mit sich führte. Bei der Vernehmung gab er an, eine Rheinreise unternommen zu haben und zuletzt bei einer Firma in Düsseldorf in Stellung gewesen zu sein. Auf telegraphische Anfrage bei der Firma kam der Bescheid, daß der junge Mann vor einigen Monaten der Firma 132000 Mark unterschlagen habe und seitdem steckbrieflich verfolgt werde. Er wurde darauf in das Homburger Amtsgerichtsgefängnis abgeführt.
Talesberichte des Guufen hunthurtit
* Vor Kowno und Nowo⸗Georgiewsk erfolg ⸗ reiche Kämpfe. 5 Vorwärts auf Brest⸗Litowsk.
W. B. Großes Hauptquartier, 14. Aug., vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. 1 In den Argonnen wurden im Martinswerk neue Fortschritte gemacht. Die Zahl der Gefangenen stieg auf 4 Offiziere und 240 Mann. l
Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg. N Njemen und in der Gegend von Weschinty und Kowarsk
Nördlich des Alesow, Kupischky, entwickeln sich neue Kämpfe.
Vor Koso nahmen unsere Angriffstruppen den be⸗ sestigten Wald von Dominikanka. Dabei wurden 30 Gefangene gemacht.
Zwischen Naresw und Bug erreichten unsere Armeen in scharfem Nachdrängen den Slina- und Nurzee⸗ Abschnitt, an dem dem der Gegner zu erneutem Wider— stande Halt gemacht hat.
Im Norden von Nowo-Georgiewsk wurde eine starke Vorstellung erstürmt. 9 Offiziere und 1800 Mann und 4 Maschineugewehre fielen in unsere Hände.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern.
Verbündete Truppen nähern sich dem Bug nordöstlich von Sokolow.
Westlich der Linie Losiee-Miendzyrzee versuchte der Feind durch hartnäckige Gegenstöße die Verfolgung zum Stehen zu bringen. Alle Angriffe wurden abgeschlagen.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Mackensen.
Der in den Kämpfen des 10. und 11. August geschlagene Feind fand gestern nicht mehr die Kraft, sich dem unaufhalt⸗ samen Vordringen der verbündeten Truppen zu widersetzen. Die Armeen durchschritten in der Verfolgung die Straße Radzyn— Dawiny— Wlodawa.
Oberste Herresleitung.


