Ausgabe 
16.8.1915
 
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Schlacht. Sie stellen in einwandfreier

Oberhessishe Volkszeitung

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Nr. 190

Gießen, Montag, den 16. August 1915

10. Jahrgang.

Der Rückzug der Ruslen!

Englands Schuld gu Weltkrieg.

der Schuld an Hand der Gesandt⸗

Genosse Dr. Paul Lensch führt über die Frage um Weltkriege in unserem Hamburger Parteiorgan jetzt veröffentlichten geheimen belgischen schaftsberichte folgendes aus:

In den Kreisen der unbedingt Oppositionellen gilt es bekannt⸗ lich als feststehend, daß der jetzige Krieg ein von deutscher Seite an gelegter Eroberungskrieg sei. Besonders die Haltung der deutschen Politik in den verhängnisvollen Julitagen vor Ausbruch des Krieges, in denen das Deutsche Reich unerschütterlich an der Seite Oesterreich⸗Ungarns standhielt, wird in diesem Sinne hingestellt. Nun beweist diese Auffassung zunächst nichts anderes, als die Kurz⸗ sichtigkeit einer Methode, die ihre Urteile lediglich nach den Er⸗ eignissen kurz vor Kriegsbeginn fällt, wo die Regierungen der einzelnen Staaten kaum noch Herren ihrer Entschlüsse sind und wo die fachliche Entscheidung meistens schon lange gefallen ist. In diesem besonderen Falle nun aber ist die totale Unrichtigkeit dieser Auffassung durch einen Glückszufall sogar urkundlich nachweisbar. Die Veröffentlichungen aus belgischen Archiven, die seit dem 29. Juli von der dentschen Regierung begonnen worden sind und die dem Anschein nach noch recht lange fortdauern werden, stellen ein direkt erdrückendes Material für die Schuld Englands am Weltkriege dar. Bei dem schnellen Vor- rücken der deutschen Truppen in Belgien gelang es der belgischen Regierung nicht mehr, alle ihre Archive in Sicherheit zu bringen. So fielen sie der deutschen Verwaltung in die Hände, die von ihnen schon vor mehreren Monaten einige die belgische Regierung bloß⸗ stellende Dokumente über Geheimverabredungen zwischen der eng⸗ lischen und belgischen Heeresleitung veröffentlichte. Jetzt aber er⸗ halten wir den Wortlaut der Berichte, die die belgischen Gesandten in Berlin, London und Paris in den Jahren 1905 bis 1914 ihrer Regierung gesandt haben, und diese Berichte bedeuten für die deutsche Regierung in der Tat mehr als eine gewonnene Weise dar, daß England es war, genauer gesagt, der englische König Eduard VII., der den Weltkrieg gegen Deutschland mit der kühlsten Gelassenheit und dem Zielbewußtsein des Ver⸗ brechers großen Stils vorbereitet hat, der nichts außer Acht ließ, was für seinen Plan irgendwie in Betracht kommen konnte, und der immer wieder sofort persönlich auftauchte, sobald irgendwo die Maschen seines stets dichter werdenden Netzes zu reißen drohten. Bezeichnend ist, daß die drei belgischen Staats⸗ männer in ihrer Beurteilung der englischen Politik vollkommen übereinstimmen, daß sie sich durch keine Winkelzüge, durch keine Schaumschlägereien beirren lassen in ihrer Auffassung: Eng⸗ land will den Krieg und Belgien läuft dabei die größte Gefahr. Die belgische Regierung sah also das Ge witter näher und näher ziehen; sie glaubte aber wohl auf das richtige Pferd zu setzen, wenn sie sich unter heimlichem Bruch ihrer Neutralität dem augenscheinlich so gewaltig Stärkeren, nämlich der englisch⸗französisch⸗russischen Entente, anschloß, mit dem eigens zu diesem Zwecke von London nach Brüssel gesandten Obersten Barnardiston geheime militärische Abmachungen gegen Deutschland einging, auf Befehl Englands ihre Rüstungen ins Riesenhafte steigerte und im übrigen das arme, betrogene belgische Volk durch eine gewissenlose Presse gegen alles Deutsche in der gefährlichsten Weise aufhetzen ließ.

Ueber die Gründe, die den König der 0 zu seiner Politik verleiteten, spricht sieh am 7. Februar 1905 der belgische Gesandte in London, Graf Lalaing, ganz unum⸗ wunden aus. Er sagt, die englische Politik beruhe auf Neid und der Furcht vor Zukunftsmöglichkeiten, und fährt dann fort:

Letzte Woche hat der Zivillord der Admiralität, Herr A. Lee.. die Reformen gelobt, die es erlauben den ersten Streich zu führen, ehe der Gegner fertigchst, ja sogar, ehe der Krieg erklärt sei.. Die Zeitüngen führen all⸗ mählich die öffentliche Meinung irre, die schon so weit gebracht worden ist, daß sie Deutschland nicht mehr das Recht zuerkennt, seine Seestreitkräfte zu vermehren und in seinem Marinebudget eine Herausforderung Englands erblickt! 5 5

Noch schärfer war in der gleichen Sache das Urteil des belgi⸗ schen Gesandten in Berlin, des Barons Greindl. Am 31. März 1909 berichtete er nach Brüssel:. 105

Die Verfassung der Gemüter in England erinnert an die in Frankreich während der Jahre 1866 bis 1870. Damals hielten sich die Franzosen für berechtigt, Deutschland an der Wiederher⸗ stellung seiner Einheit zu hindern, weil sie darin eine Be⸗ drohung der Vorherrschaft sahen, die Frankxeich bis dahin auf dem Festland ausgeübt hatte. Ebenso betrachtet man heute in London die Weigerung(Deutschlanbs), sich vertraglich dazu zu verpflichten., von der Gnade Englands ab⸗ hängig zu bleiben als einen unfreundlichen Akt und eine Bedrohung des Friedens. 8 1

Greindl spielt hier auf den famosen Versuch der englischen Minister vom Jahre 1909 an, das Deutsche Reich durch die Atrappe: Abrüstung zur See, zur freiwilligen Verewigung der englischen Seeherrschaft zu verleiten. 5 5

Heute, wo das Schlußergebnis der englischen Politik, in der Gestalt des Weltkrieges vorliegt, wo Millionen von Leichen als Spfer der sich bedroht fühlenden britischen Herrschsucht schon in den Gräbern modern, und ungezählte andere die Fahrt in die dunkle Grube noch werden antreten müssen, heute lesen sich die Be⸗ richte der drei belgischen Gesandten wie ein blutiger Roman. Schritt für Schritt sieht man das furchtbare Verhängnis näher heranrücken. Am 8. April 1904 hatten England und Frankreich den Vertrag abgeschlossen, der zu demherzlichen Einvernehmen ber besden Länder den Grund legte. England sprach Frankreich den Besitz Marolkos zu, obwohl es natürlich darllber genau so wenig zu verfügen hatte wie der Mann im Monde. Dafür ver⸗ zichtete Frankresch auf alle Ansprüche in. Aegypten, dessen Be⸗

englischen Bourgeoisie

herrschung durch England keinen französischen Widerspruch mehr

finden sollte. Nun war freilich Englands Macht sowieso schon fest im Lande des Nils verankert, so daß es Frankreich in dieser Hinsicht nicht zu fürchten brauchte. Wenn England trotzdem Frankreichs Zustimmung zu seiner Beherrschung Aegyptens so teuer erkaufte, daß es ihm dafür den Besitz Marokkos zusprach, so mußte die Sache noch einen Haken haben. Und den hatte sie

allerdings. Mit diesem englüisch-französischen Abkommen war Frankreich zu Englands Puppe geworden. Das französisch

russische Bündnis hatte schon ein reichliches Dutzend Jahre auf den Rücken bekommen, ohne daß es der französischen Revancheidee irgendwie förderlich geworden wäre. Das französische Revanche geschrei war schon im besten Einschlafen begriffen, zumal Rußland im Jahre 1904 die Niederlage in Ostasien erlitt, die es auf längere Zeit zu jedem Kriege gegen Deutschland unbrauchbar machte. Frankreich war isoliert und eine deutsch-französische Annäherung lag nicht außer jeder Möglichkeit. Da riß Eduard das isolierte

Frankreich an die Seite Englands,schenkte ihm Marokko und entfachte mit satanischem Geschick alle schon schlafen gegangenen

Revanchegelüste zu neuer Glut. Delcassé wurde der Held der Re vanche und das gefügige Instrument Eduards. Die französische Marokkopolitik wurde absichtlich so provokatorisch und für Deutsch⸗ land so beleidigend geführt, daß der gewünschte deutsch-französische Konflikt schon 1905 vor der Tür stand. Im Vertrauen auf Eng land, dessen König ihm, wie Baron Greinoͤl ausdrücklich bezeugt, in jener Zeit den Einmarsch von 100000 Mann in Hol⸗ stein versprochen hatte, trieb es Delcassée in der Tat bis hart zum Kriege. Als das französische Kabinett die furchtbare Ge fahr erkannte, zwang es Delcassée zum Rücktritt, was in England einen Sturm der Entrüstung hervorrief. Sofort erschien Eduard in Paris, um wenigstens den Zusammentritt einer Konferenz zu verhindern, damit nur ja eine deutsch-französische Annäherung hintertrieben würde. Er tat alles, um Frankreich in einen neuen Gegensatz zu Deutschland, nachdem der alte durch Delcasses Rück- tritt erledigt schien, zu stürzen. Wie der belgische Geschäftsträger in London unter dem 14. Januar 1906 nach Brüssel berichtet, hatte

der englische Minister Grey den in London beglaubigten Bot⸗ schaftern erklärt, daß EnglandFrankreich gegenüber bezüglich

Marokkos Verpflichtungen eingegangen sei, denen es bis zum Aeußersten nachkommen werde, selbst im Falle eines deutsch⸗französischen Krieges und auf alle Gefahr hin. Von neuem erschien Eduard in Paris und zeichnete dabei Delcassé ostentativ aus. Baron Greindl schrieb darüber in höchster Besorgnis: Eng⸗ land suche die Lage in jeder Weise zu vergiften.

(Schluß folgt.) 0

* Die Kämpfe in Bessarabien.

Czernowitz, 13. Aug. Die letzten Nächte, die infolge des durch Wolken stark verfinsterten Himmels sehr dunkel waren, wurden von den Russen zu größeren Nachtangriffen benützt Vorgestern und gestern stürmten die Russen an der bessarabi⸗ schen Grenzfront regelmäßig zwei bis drei Stunden, wurden aber überall unter schweren Verlusten zurückgeschlagen. Der vorgestrige Angriff war besonders heftig, blieb aber erfolg los. Die Russen scheinen neue schwere Batterien herange schafft zu haben und beschießen die österreichischen Positionen ohne den geringsten Erfolg. Nordöstlich von Czernowitz au nördlichen Pruthufer fanden stärkere Artilleriegefechte stats.

Das angebliche Friedensangebot.

Nom, 12. Aug.(W. T. B. Nichtamtlich.) Die Idea Nazionale äußert sich zu dem angeblichen deutschen Friedens⸗ angebot. Das Blatt ermahnt die Leser, hieraus nicht den fal⸗ schen Schluß zu ziehen, als ob Deutschland kriegsmüde und ge⸗ zwungen sei, um Frieden zu bitten. Kein Italiener dürfe sich Illusionen über eine angebliche Schwüche Deutschlands machen. Deutschland könne den Frieden anbieten, es würde zwar materiell dabei nichts gewinnen, aber moralisch, politisch und militärisch als Sieger aus dem Kriege hervorgehen. Ein nemäßigter Friede nach einem glücklichen Feldzug würde ihm die Hochachtung, vielleicht auch die Sympathien der ganzen Welt wieder gewinnen. Deutschland als Sieger über die größte Koalition, die die Welt jemals gesehen, würde die stärkste Militär⸗

macht der Welt und Lehrmeisterin in allen militärischen Dingen bleiben. Weil aber jetzt der Friede im Interesse Deutschlands

liegen würde, müßten seine Feinde durchhalten. Das erste Kriegsjahr in Frankreich.

Unser französischer Korrespondent schreibt uns vom 6. August:

Der Jahrestag der Kriegserklärung ist in Frankreich durch eine Botschaft des Präsidenten der Republik, durch Ansprachen der Präsidenten der Kammer und des Senats und durch einen Depescheu⸗ wechsel zwischen den Staatsoberhäuptern Englands und Frankreichs gefeiert worden. Der Grundton dieser Kundgebungen ist in dem Schlußsatz der Prästdentenbotschaft ausgedrückt:Frankreich will siegen und wird siegen.

Wir halten es für angezeigt, die Situation Frankreichs an dieser Jahreswende zu ski ren.

Die innere wie die äußere politische Situation Frankreichs ist heute unstreitig besser als sie vor einem Jahre erscheinen konnte. England und das stand vor dem Ausbruch des Krieges keines wegs fest hat sich ihm angeschlossen und ihm nicht nur die Unter⸗ stützung seiner Kriogs- und Handelsflotte gegeben, sondern auch durch eine in der Geschichte Englands einzigartige Volksbewegung sein Landheer zu einer respektablen Macht ausgebaut. Ohne die Umterstützung der ungeheuren englischen Kriegsflotte wäre Frank reich in seinen überseeischen Handelsbeziehungen auf seine Mittel meerhäfen beschränkt worden, die, ohne die Neutrolitätserklärung Italiens, durch die italtenisch⸗österreichische Flotte gle'challs ernst⸗ lich bobroht gewesen sein würden. Aber auch nach dieser Seite

konnte Frankreich nach der Neutralitätserklärung Italiens seine Land⸗ und Seestreitkräfte nicht nur anderwärts verwenden, sondern es ist durch die Kriegserklärung Italiens selbst der Bewachung der Adria enthoben. Schließlich muß hervorgehoben werden, daß dit militärische Situation Frankreichs zu Beginn des Krieges eine viel kritischere gewesen wäre, wenn Belgien gleich Luxemburg sich mit einem platonischen Protest gegen die Verletzung seiner Neutralität begnügt hätte. Der Widerstand der kleinen belgischen Armee er⸗ laubte der französischen eine Schwenkung von Osten nach Norden zu vollziehen, nicht rechtzeitig genug, um die feindliche Invasion abzu⸗ wehren, aber rechtzeitig genug, um der Umklammerung und Zer⸗ trümmerung zu entgehen. Es ist unbestreitbar, daß die französische Armee, nach der verlorenen Schlacht von Charleroi zum Rückzug ge⸗ zwungen, die Kraft und Entschlossenheit behielt, um dem siegreichen Feinde zwischen Paris und Verdun die Stirne zu bieten und diese beiden Angelpunkte des französischen Verteidigungssystems zu deblockieren. der deutschen Armee zu durchbrechen, so sind auch alle Durchb

versuche der deutschen Armee bisher ergebnislos geblieben.

Es wäre von hohem Nutzen, zu untersuchen, wie es kommen konnte, daß Frankreich die unerwartete Unterstützung Englands, Belgiens, Italiens und seiner eigenen Kolonien, Marokko ein⸗ begriffen, finden konnte und daß ihm in Wirklichkeit sein Ver⸗ bündeter allein am wenigsten geholfen hat. Ja man kann sagen, daß das Bündnis mit Rußland, das Fraukreich vor einem deutschen Angriff schützen sollte, es nicht nur nicht davor geschützt, sondern diesen Angriff hervorgerufen hat, ohne eine wirkliche Kriegshilfe für Frankreich zu sein. Heute ist Rußland für Frankreich und Eng⸗ land ein militäxrisch⸗finanzielles Bleigewicht, das ihnen die kost⸗ spielige Dardanellenoperation aufgehalst hat, das mit Geld und Munition nur mühsam über Wasser gehalten wird. Ohne die

Dardanellenoperation, die den Verbündeten schon 100 000 Mann

gekostet hat und eine große Armee festhält, das England und Frank⸗ reich schon sechs Panzerkreuzer und einige kleinere Schiffe gekostet hat und einen erheblichen Teil ihrer Flotte dort festhält ohne die finanzielle Hilfe, die England und Frankreich ihrem russischen Ver⸗ bündeten gewähren müssen, ohne den Waffen⸗ und Munitionsexport nach Rußland, wäre die militärische und finanzielle Situation Frankreichs und Englands zweifellos stärker. Wir werden Gelegen⸗ heit haben, auf diese Frage zurückzukommen. Für heute genügt es zu sagen, daß es uns unmöglich erscheint, daß die Politik Frankreichs von dieser tatsächlichen Situation nicht beeinflußt wird.

Auch die innerpolitische Situation Frankreichs ist für viele eine Ueberraschung. Nicht für uns. Wir haben nie geglaubt, daß Frank⸗ reich im Falle eines Krieges durch innere Zwistigkeiten geschwächt werden würde und wir haben immer das Gegenteil vovausgesagt. Wir haben denHervéismus immer als ein organisches Gegenstück des französischen Chauvinismus eingeschätzt. Nicht von den Syndi⸗ kalisten, die sich in einigen Tagen versammeln werden, nicht von der sozialistischen Parteileitung wird der Siegeswillen Frankreichs ge⸗ schwächt werden. Der Willen zum Frieden wird in Frankreich von denselben Schichten ausgehen, die 1792 die Revolution gerettet haben, die 1871 der republikanischen Regierung den Friedensschluß aufgezwungen haben. Gegenwärtig herrscht in den regierenden Schichten Frankreichs Entschlossenheit zum Widerstande bis zum Aeußersten, herrscht noch das Solidaritätsgefühl mit Rußland, wenn auch nicht ungemischt. In den breiten Volksmassen wie in der Vourgeoisie ist eine fatalistische Resignation eingetreten. Eine ent⸗ scheidende Niederlage, eine Außer-Spiel⸗Setzung Rußlands würde in diesen Dispositionen eine wesentliche Aenderung hervorrufen. Ein erneuter deutscher Durchbruchsversuch würde Frankreich mili⸗ tärisch und moralisch in entschlossener Bereitschaft finden.

Keine italienischen Truppen nach den Dardanellen unterwegs?

T. U. Lugano, 13. Aug. Bis zum Montag waren noch keine italienischen Truppen nach den Dardanellen abgegangen. Die von der Dreiverbandspresse hierüber. verbreiteten Nachrichten be⸗ zwecken nur eine Beeinflussung der neutralen Balkanstaaten. Es besteht in Italien keine Neigung, sich vorläufig an der Dardanellen⸗ aktion zu beteiligen.

Zur Aufhebung des rumänischen Getreide⸗ Ausfuhrverbots

wird der Frankf. Ztg. aus Berlin geschrieben: Die rumänische Re⸗ gierung hat, wie gemeldet, das Ausfuhrverbot für Getreide und Futtermittel mit der Wirkung von morgen ab aufgehoben.

Es wäre durchaus verfehlt, darin einen freundschaftlichen

Akt etwa gegen Deutschland oder Oesterveich-Ungarn zu vermuten.

Rumänien hat vielmehr noch von der Ernte des vorigen Jahres

geoße Vorräte, die diesjährige Ernte ist ausgezeichnet, und durch das Ausfuhrverbot erstickt Rumänien in Getreide. Das Ausfuhrverbot ist zu einer Kalamität für die rumänischen Getreideproduzenten und damit auch für die Finanzen des Landes geworden. Man hat in der letzten Zeit angenommen, daß Herr Costinescu über dieses Getreideausfuhrverbot stürzen und daß es zu einer Neubildung des Kabinetts kommen werde. Mit Rück⸗ sicht also auf die drängenden und drohenden Landwirte und Inhaber von Getreidelagern ist nun das Ausfuhrverbot aufgehoben worden.

Es ist erlassen worden im vorigen Jahre zu einer Zeit, wo wir in Deutschland im Zweifel waven, ob die Ernte des Jahres 1914 zur Ernährung unserer Bevölkerung und, nebenbei bemerkt, auch für die allmählich eine Million betragenden Kriegsgefangenen aus⸗ reichen würde. Die Erfahrung hat gelehrt, daß dank unserer guten Organisation unsere Ernährung auf keine Schwierigkeiten gestoßen ist. Wir sind mit einem Vorrat ius neue Erntejahr hineingekommen, die neue Ernte ist gut, in Kartoffeln und Rüben verspricht sie aus⸗ gezeichnet zu werden. Wir haben kein brennendes Interessemehram Bezugerumänischen Getreides, wie wir es im vorigen Jahre hatten, als Rumänien selbst die von uns gekauften und bezohlten Getreidemengen nicht mehr herausließ. Die Ausfuhrzölle, die Rumänien erheben will, und die Loch dazu

Wenn es ihr auch nicht gelungen ist, die Kampffront