— Von einer sonderbaren Maßregel wurde unsere Re⸗ daktion betroffen, die, wie wohl viele andere Redaktionen der Partei- und bürgerlichen Presse Leser der Berner Tagwacht ist. Seit 1. August erhielten wir das Blatt plötzlich nicht mehr zugestellt, und da alle Reklamationen bei dem Briefträger erfolglos waren, frugen wir Freitag morgen telephonisch bei der Zeitungsstelle des hiesigen Postamts an, um uns wegen des Ausbleibens der Tagwacht zu erkundigen. Von der Zeitungsstelle wurde uns die Mitteilung, daß das General Kommando in Frankfurt die Aushändigung des genannten Blattes an uns verboten habe. Vom Generalkommando selbst haben wir eine Mitteilung, daß das Verbot überhaupt ergangen ist und auf welche Bestimmungen sich dasselbe stützt, bis heute noch nicht erhalten.
— Empörung wegen Wuchers auf den Wochenmärkten. In mehreren Städten Thüringens kam es dieser Tage zu erregten Ausschreitungen auf den Wochenmärkten infolge der unerhörten Steigerung für einzelne Lebensmittel. Die Käufer gingen mit Schirmen und Stöcken gegen die Händler und Bauern vor. In Gera wurde auf dem Markt ein Taubenschlag geöffnet, so daß die Tauben davonflogen. Einer Händlerin, die für das Pfund Quark(Weichkäse) 35 Pfg. ver⸗ langte, wurde ihre Ware ins Gesicht geschleudert. Ebenso erging es einer andern, die sich für ein halbes Pfund Butter 1,10 Mark bezahlen lassen wollte. Die Schutzleute, die her⸗ beigeeilt waren, konnten den Ansturm der Menschenmenge kaum zurückhalten, so daß die Händlerinnen und die Bauern schließlich das Feld räumen mußten. In Sonneberg kam es besonders wegen der hohen Kartoffelpreise zu er⸗ regten Auftritten, und da auch hier gegen die Händler vor— gegangen wurde, setzten sie den Preis von 75 Pfennig auf 55 Pfennig für die Metze(etwa 8 Pfund) herab. In Weißenfels kam es zu Vorfällen ähnlich denjenigen von Gera. Hier wurden einer Bäuerin, die für ein Ei 20 Pfennig verlangte, mehrere Eier ins Gesicht geschleudert. Der Inhalt von Obst⸗ und Kartoffelkörben wurde auf dem Marktplatz verstreut.
— Mehr Petroleum! Durch die Presse läuft gegen⸗ wärtig eine Notiz, wonach der rumänische Finanzminister das Ausfuhrverbot für Petroleum aufgehoben hat. Danach dürfte mit einer Petroleumknappheit im kommenden Winter nicht zu rechnen sein.
— Gegen den Wucher mit Butter. Die Ortspolizei⸗ behörde in Münster gibt bekannt, daß sie von jetzt an jeden Butterverkäufer auf dem Wochenmarkt, der einen höheren Preis als 1,60 Mark für das Pfund Butter fordert, beim Staatsanwalt oder beim stellvertretenden Generalkommando zur Herbeiführung entsprechender Bestrafung zur Anzeige bringen wird. Auch diejenigen sollen angezeigt werden, die mit dem Verkauf der Butter zur Erzielung eines höheren Preises zurückhalten.— Weshalb ist so etwas nicht in Gießen möglich?
— Ein dreister Diebstahl wurde am Freitag nachmittag in der Wohnung einer alleinstehenden Frau in der Bahnhof— straße ausgeführt. Während die Frau in der Küche beschäf⸗ tigt war, wurden von einer Frauensperson aus dem Schlaf⸗ zimmer ein Paar Stiefel gestohlen. Man erwischte die Diebin, als sie die Schuhe bei einem Althändler in der Wall— torstraße verkaufen wollte. Die Person war erst am Freitag mittag aus der Haft entlassen worden.
Höchstpreise für Gemüse! Das stellvertretende General— kommando des 8. Armeekorps hat eine Verordnung erlassen, wonach die Preise für den Zentner Weißkohl, Rotkohl, Wir⸗ sing, grüne Einmachbohnen und Mohrrüben in näher bezeich⸗ neten Zeiten bestimmte Preise nicht überschreiten darf. Sie schließen die Kosten für die Fracht bis zum nächsten Güter⸗ bahnhof oder Marktort ein; bei Anfuhr auf dem Markte in Köln dürfen bis zu 60 Pfg. für den Zentner zugeschlagen werden. Ausfuhr von Gemüse aus dem Bereich des 8. Armeekorps ist nur in den Befehlsbereich des 7. Armee— korps gestattet, im übrigen aber verboten, soweit Mengen von über 100 Zentner in Frage kommen. Die Verordnung des stellvertretenden Generalkommandos hat den Zweck, den Ge— meinden die Handhabe zu geben, ihrerseits Höchstpreise für den Kleinverkauf von Gemüse festzusetzen.
Viehwucher! Der Friedberger Neuen Tageszeitung ird aus Frankfurt geschrieben:„Wer verdient? Bekannt- lich sind seit einigen Tagen die Schweinepreise, die so wie so schon eine außergewöhnliche Höhe erreicht haben, abermals gestiegen. Dazu wird uns aus Frankfurt geschrieben: Die Händler machen sehr vergnügte Gesichter ob der hohen Preise. Kein Wunder— so rechnet man heute dem Käufer von 20 Tieren zum Wiederverkauf einen Verdienst von 30 Mark an jedem Stück nach— somit einen Verdienst von 600 Mark an einem Markttag!“— Viehwucher!
Höchstpreise für Obst. Um den unverschämten Preis⸗ treibereien für Obst ein Ende zu machen, hat der Oberbürger⸗ meister von Solingen unter Androhung von Strafen bis zu 1 Jahr Gefängnis und bis zu 10000 Mark Geldstrafe Höchstpreise für Obst erlassen. Der Produzentenpreis für Fallobst(Aepfel und Birnen) beträgt 6 bezw. 4 Pfg. pro Pfund, für Pflückobst 8 bezw. 6 Pfg. Im Kleinverkauf sind folgende Preise festgesetzt worden: Fallbirnen 5 Pfg., ge⸗ pflückte Birnen 8 Pfg., Falläpfel 8 Pfg., gepflückte Aepfel 10 Pfg. pro Pfund. Ausgenommen ist Edelobst.
Wie es gemacht wird, zeigt nachstehender Brief, den eine Markthändlerin in einer Wirtschaft zu Speyer verlor und der unserem pfälzischen Parteiblatt von dem Finder zur Ver⸗ fügung gestellt wurde:„Dudenhofen, 13. Juli 1915. Liebe Gretel! Unsere Marktpreise sind sehr hoch. Wir müssen aber alle zusammenhalten, da kann die Polizei nichts machen. Wir halten fest an den Preisen, wo wir haben. Die Speyerer sollen sie nur bezahlen. Kartoffel haben wir genug, aber nur standhaft mit dem Preis, 10 bis 12 Pfg. Die sind froh, wenn sie numme kriegen. Deine Freundinnen Marie und Kathel. Kommst morgen, dann gehen wir miteinander auf den Markt.“ Ein bezeichnendes Dokument, das für sich selbst spricht. Nur schade, daß in dem Schreiben bloß Vor⸗ und keine Familien⸗
damen getarnt ng, Sigg gegen gene ebenda, led e
1
— Vorsicht beim Genuß von Pilzen. Daß man beim Genuß von Pilzen außerordentlich vorsichtig sein muß, zeigt wieder ein Vorfall, der aus Holweide bei Köln berichtet wird. Dort er⸗
krankten zwei Familien von insgesamt 9 Personen, die Pilze ge⸗
nossen hatten, unter schweren Vergiftungserscheinungen. Drei
Kinder im Alter von 6—10 Jahren sind bereits gestorben,
während zwei weitere noch in Lebensgefahr schweben. 5 — Ist das Nächstenliebe? In auswärtigen Blättern lesen
wir:„In einem Dorfe des Vogelsbergs wollte dieser Tage eine aus Galizien vertriebene und in Frankfurt wohnhafte Hausiererin nebst ihren beiden Kindern übernachten. Aber in keiner der drei Wirtschaften wurden sie aufgenommen. Die Armen mußten nun in einem Abortraum des Bahnhofes die feuchtkalte Nacht zu⸗ bringen“.— Es ist nur zu bedauern, daß der Ort nicht näher be⸗ zeichnet wird und man die Menschen, die der vom Schicksal ver⸗ folgten Familie ein schützendes Obdach verweigerten, nicht an den Pranger stellen kann..
— Maul- und Klauenseuche bei— Menschen! In einigen hannöverschen Orten ist dieser Tage die Uebertragung des Er⸗ regers der Maul- und Klauenseuche auf Menschen beobachtet wor⸗ den. Die Krankheit äußert sich in gleicher Weise wie bei Tieren in Fieber mit den bekannten Begleiterscheinungen und tritt meist in milder Form auf, kann aber bei Kindern zum Tode führen. Einen wirksamen Schutz gegen die Seuche sieht man in einer gründlichen Reinhaltung der Hände, sowie dem Genuß von ge— kochter Milch.
— Eine Lebensmüde. Am Mittwoch sprang die Frau eines hiesigen Geschäftsinhabers in selbstmörderischer Absicht in die Lahn. Als sie jedoch das Unangenehme des nassen Elements am Körper spürte, schrie sie laut um Hilse. Zum Glück waren Leute in der Nähe, die sie retteten. Eine starke Erkältung scheint die Frau indessen davongetragen zu haben, denn sie mußte nach der Klinik verbracht werden.
— Folgen der hohen Lederpreise. Wie in verschiedenen anderen Städten haben auch in Gießen und Umgegend zahlbreiche Schuh⸗ macher(Kleinmeister) wegen der enorm hohen Lederpreise ihren Betrieb eingestellt und Arbeiten für die Heeresverwaltung über⸗ nommen.
— Veräußerungs⸗ und Verarbeitungsverbot von reiner Schaf⸗ wolle. Eine neue Bekanntmachung des stellvertretenden General⸗ kummandos des 18. Armeekorps befaßt sich mit der Veräußerung und Verwendung von ungefärbter und gefärbter veinwollener Schafwolle und der reinschafwollenen Spinnstoffe wie Kammgug, Kämmlingen und Wollabgängen, soweit es sich nicht um Vorräte handelt, die erst nach Erlaß der Bekanntmachung vom Auslande eingeführt werden. Vom 14. August 1915 ab ist danach jede Ver⸗ äußerung reiner Schafwolle und reinschafwollener Spinnstoffe zu anderen als zu Heoreszwecken verboten. Der Wortlaut der Be⸗ kanntmachung kann auf unserer Expedition eingesehen werden und hängt auch am Bürgermeistereigebäude aus.
— Zur Nachahmung empfohlen. In einem Rundschreiben des Kreisamts Büdingen an die Bürgermeistereien des Kreises wird den Gemeinden nahegelegt, alles Fallobst, das in nicht eingefriedigten Grundstücken liegt, den minderbemittelten Ortsbewohnern un- entgeltlich zu überlassen. In der Gemeinde Ranstadt hat sich diese Maßnahme schon seit sieben Jahren außerordentlich bewährt.
Ein rentables Geschäft. Im Monat Juli hat der 23 Jahre alte Auslaufer Johannes Busch aus Groß-Karben in Frankfurt am Main etwa 50 Fahrräder gestohlen und diese an Privatpersonen verkauft. Bei diesen Verkäufen berief er sich stets auf seine Einberufung zum Militär. Selbstverständlich fanden sich bei solchen Angaben stets Liebhaber und mitleidige Seelen. Jetzt hat den Fahrraddieb das Schicksal erreicht.
— Für das Promenadenkonzert am Sonntag, den 15. August, vormittags 11/½ Uhr, in der Südanlage, gusgeführt von der Kapelle des Landsturm-Infanterie⸗Ersatz⸗Bataillons Gießen, ist folgender Spielplan vorgesehen: 1. Choral„Lobe den Herrn“. 2. Ouverture z.„Berlin, wie es weint und lacht“ von Conradi. 3.„Seemanns Los“, Lied von Martell. 4.„Carmen-Sylva-Walzer“ von Ivanoici. 5.„Deutschlands Ruhm“, Patr. Potpourri, von Schreiner. 6.„Abschied der Gladiatoren“, Marsch, von Blankenburg.
— Ungeeignete Liebesgaben. Das chemische Untersuchungs⸗ amt für die Provinz Oberhessen schreibt uns: Die Vorliebe für ge⸗ wisse„Liebesgaben“, die wohl imstande sind, den Geldbeutel der Fabrikanten zu füllen, nicht aber unseren Truppen die verdiente Stärkung zu bringen, hat infolge der warmen Jahreszeit etwas nachgelassen. Immerhin möchten wir nicht versäumen, erneut vor verschiedenen in Gießen und in der Provinz feilgehaltenen, zum Teil fast wertlosen„Liebesgaben“ zu warnen und so das Publikum vor Schaden zu bewahren. 1. Vollmilch, eingedickt, sterilisiert und gezuckert. Preis der Einzeldose 30 Pfg. Inhalt 30 cem. Ein Liter der eingedickten Milch würde demnach nach Abzug von 1 Mk. für 33 Blechdosen 9 Mk. kosten. Die Milch weist einen Prozent⸗ gehalt von 9,6 Proz. Fett auf, es sind also 3 Liter Milch auf ein Liter eingedickt worden und kostet so ein Liter der ursprünglichen
Milch Z Mark. 2. Alkohol in fester Form. Preis der Tube 1,25 Mk. Inhalt 80 Gr. Der Inhalt besteht aus einem aromati-
sierten Gemisch von Gelatine, Stärkesirup und 23,25 Proz Alkohol. In heißem Wasser aufgelöst, schmeckt das Getränk seiner Zu⸗ sammensetzung nach äußerst fade. Nicht im entferntesten kann es den Vergleich mit einem entsprechenden alkoholischen Getränk aus⸗ halten. 3. Blütenhonig, garantiert reiner, Auslese. Inhalt der Tube 70 Gr. Preis 50 Pfg. Ein Pfund Honig kostet demnach nach Abzug von 70 Pfg. für 7 leere Tuben 2,80 Mk. 4. Pro⸗ viant⸗Milch⸗Kakao⸗ Würfel. Inhalt eines Papp⸗ schächtelchens 50 ovale Tabletten. Gewicht 50 Gr. Preis 80 Pfg. Der Zuckergehalt der Tabletten beträgt 47,52 Proz.= 23,76 Gr. Dabei kostet ein Pfund dieser Tabletten 8 Mark. 5. Punsch⸗ würfel, Glühwarm, Schlemmer usw. Inhalt 8 Würfel. Preis 80 Pfg. Gewicht der einzelnen Würfel 14,3 Gr. Die Würfel bestehen aus einem mit einem Teerfarbstoff gefärbten, alkohol- freien Gemisch von Gelatine, Zucker und etwas Zitronensäure, das anscheinend mit etwas Nelkenöl und Zimtpulver aromatisiert ist. Der Geschmack der in heißem Wasser aufgelösten Würfel hat nicht die geringste Aehnlichkeit mit Punsch oder ähnlichem alkoholischen
Genußmitteln. Die Flüssigkeit schmeckt wie aromatisiertes, schwach angesäuertes Zuckerwasser. 6. Kaffeetabletten. Inhalt
des Pappschächtelchens 36 Tabletten S 63,6 Gr. Preis 80 Pfg. Nach Abzug der Unkosten für die Umhüllung kostet ein Pfund des gemahlenen Kaffees 6 Mark.
Die Hutnadel. Wie das Wiesb. Tagebl. meldet, wurde bei der Siegesfeier auf dem Schloßplatz in Wiesbaden eine Frau von der Hutnadel einer anderen im Gesicht erheblich verletzt. Mit unver⸗ wahrten Hutnadeln sollte man überhaupt nicht vor die Tür gehen, am allerwenigsten aber dort erscheinen, wo Menschen zu Tausenden zusammenströmen. Wer bei einer solchen Gelegenheit eine Dame mit Hutnadeln sieht, die gefährlich werden können, geniere sich nicht, rücksichtslos die Entfernung zu verlangen.
Die Urlaubsgesuche für Feldsoldaten. Es ist offenbar vielfach die Meinung verbreitet, daß Gesuche an Behörden, namentlich Ur⸗ laubsgesuche an militärische Stellen, äußerlich schön aufgemacht sein müssen. Es werden daher in zahlreichen Fällen gegen ein größeres oder geringeres Entgelt berufsmäßige Schreiber mit der Abfassung der Gesuche beauftragt. Dies ist durchaus unnötig: Die Gewährung eines Gesuches hängt nicht von seiner schönen äußeren Aufmachung ab, sondern lediglich von seiner Dringlichkeit. Wer irgend in der Lage ist, schreibe daher die Gesuche selbst, und zwar fasse er sich so kurz wie möglich. Lange Ausführungen sind in den seltensten Fällen am Platze.
300 Jahre Post an der Bergstraße. In diesem Jahre sind drei Jahrhunderte verflossen, daß unsere Bergstraße das wichtige Ver⸗ kehrsmittel der Post erhalten hat. und Pfalz erlaubten im Jahr 1615 der Familie Thurn und Taxis, die bekanntlich im alten Reiche das Generalpostmeisteramt innehatte
auch während des deutschen Bundes bis 1866 behielt, die
Die Fürstlichen Häuser Hessen
Einlegung von Poststellen in ihren Städten und Flecken. Als Ent gelt fer diese 1 5 einer ordinären Post“ verpflichtete sich Thurn und Taxis, die Briefe und Pakete der genannten Fürstlichen Häuser portofrei zu bestellen. Näheres über die rühers deutsche Postgeschichte findet man in dem jetzt selten gewordenen Werk von Karl Renatus Haufen, Staatsmaterialien und histo hwolitische Aufklärungen für das Publikum, Dessau 1784. 1
Die Revision im Mordprozeß Funk verworfen. Das Reichs⸗
gericht verwarf die Revision 15 1 1 0 Funk aus Offenbach, der am 18. Juni von dem Schwurgericht i. wegen zweifachen Mordversuch und vollendetem Morde, begangen an seiner Ehefrau, zu 10 Jahren Zuchthaus und zum, Tode ver⸗ urteilt worden war. Ebenso wurde die Revision der Mitangeklagten Mathilde Scheuermann, die wegen Beihilfe zu 12 Jahren ö verurteilt worden war, verworfen. 9 e
— Neues Geschäftshaus. Die Firma H. Kaeß Nan. 0. Wilhelm Horn) verlegt heute Samstag ihre Geschäftslokalkkiten in den von ihr errichteten Neubau Kreuzplatz 15. Das Gebäude macht äußerlich durch die halbkreisförmige Bauweise, die sich 1 schickt in das Straßenbild fügt, einen großartigen Eindruck 0 auch die innere Einrichtung läßt nichts zu wünschen übrig. 10
Die Kohlenproduktion in Hessen. Die monatliche Statistik der Kohlenproduktion des Großherzogtums Hessen weist nach der Darmst. Ztg. für den Monat Juli 1915 folgende Zahlen nach: An Roh⸗ braunkohlen wurden gefördert 29 384 Tonnen, verkauft wurden davon 3475 Tonnen. Der größte Teil der Rohkohle wurde weiter verarbeitet oder war zur weiteren Verarbeitung bestimmt. Aus den verarbeiteten Rohkohlen wurden neben Schwelereiprodukten erzeugt 1373 Tonnen Braunkohlenbriketts und 2669 Tonnen Naßpreßsteine; außerdem wurden in Hessen 10 261 Tonnen Preßkohlen aus Stein kohlen hergestellt. Unter Berücksichtigung der aus Vormon⸗ übernommenen Bestände, sowie des Absatzes und Selbstv a verblieben am Monatsschluß absatzfähig 2285 Tonnen Rohbraun kohlen, 653 Tonnen Braunkohlenbriketts und 3335 Tonnen preßsteine, zufammen 6273 Tonnen Braunkohlen und Braunkohl produkte im Gesamtwert von 65 750 Mark.
— Ein schweres Unwetter ging am Mittwoch über Vogelsberg nieder. Im Burgwald 5 ke u Ruppertenrod wurde ein junges Mädchen vom Blitz er. schlagen.
Kreis Friedberg⸗Büdingen.
Bad⸗Nauheim, 14. Aug. Bis zum 12. August 1915 sind 16 314 Kurgäste angekommen. Bäder wurden bis zum 12. August 1915 200 841 abgegeben.
Kreis Alsfeld⸗Lauterbach.
— Bessere Zugverbindung. Nach dem Sommerfahrplan kehrten seit dem 1. Mai von Lauterbach nach Fulda nachmittags nur zwei Personenzüge, und zwar um 2.10 und 3.09, so daß sich don hier beschäftigten Arbeitern nach Feierabend keine Fahrgel heit in der Richtung Fulda bot. Diesem Uebelstande hat num! Eisenbahnverwaltung dadurch abgeholfen, daß ste durch Einstellung von Personenwagen in den um 67% Uhr aus dem Vogelsberg kommenden Güterzug den siebenstündigen Zwischenraum ausfüllte, so daß seit einigen Tagen günstige Fahrgelegenheit nach Salzschlürf und Fulda geschaffen ist.
Westerwald und Unterlahn. — Vom Blitz erschlagen. Während eines am Mittwoch niede
gegangenen schweren Gewitters wurde auf der Feldmark Wolf gruben bei Biedenkopf ein Bauersmann sant seinen Kühen vom
Blitz erschlagen.. Vermischtes.
Die Schreckenstat eines Irrsinnigen.
In der Lutherstraße in Schöneberg hat in der Mittwochnacht der 55jährige Monteur Klein seine Frau und seine Tochter, deren Mann im Felde steht, sowie sein zweijähriges Enkelkind nach einem kurzen Streite mit Petroleum begossen und angezündet. Er hatte zuvor die Frauen in ein Zimmer eingesperrt. Als Nachbarn auf das Geschrei der Frauen zu Hilfe kamen, waren diese bereits so schwer verbrannt, daß sie ihren Verletzungen“ erlagen. In der Zwischenzeit hatte Klein sich die Pulsadern geöffnet und Gift ge⸗
nommen, sodaß man an seinem Aufkommen zweifelt. Das zwei⸗ jährige Mädchen ist verhältnismäßig wenig verletzt. Klein 122 seine Tat anscheinend in einem Anfalle von Geistesgestörtheit be⸗
gangen. *
T. U. Würzburg, 13. Aug. Der Mörder seines Vaters, der
17jährige Fuhrknecht Gustav Spindler, ist gestern zu zwei Jahren
Gefängnis verurteilt worden. Spindler hatte im Mai während des
Mittagessens seinen Vater, der der Mutter eine Salatschüssel an den 5
Kopf geworfen und den Jungen selbst hart angefaßt hatte, durch einen Revolverschuß getötet. Der Verurteilte hatte sich selbst der Polizei gestellt. 1
Grummetgras⸗Nersseigerung der Stadt Gießen.
den 24. August d. J. soll das Grummetgras von don stz Wiesen meistbietend versteigert werden und zwar: Samstag den 21. August d. J. a) nachmittags 4½ Uhr an Ort und Stelle die Kleenutzung von 27% Morgen Acker am Wetzlaxerweg bei der Klinikstraße: b) nachmittags 5 Uhr an Ort und Stelle von den Wiesen bei der Aktienbrauerei, am Ohlebergweg bei der Heyligenstädtschen Fabrik und in der Stephansmark. J Zusammenkunft an der Eisenbahnbrücke in der Klimikstraße) beim Wetzlarerweg. 0 Montag, den 23. August vormittags 9 Uhr Zufammenkunft am Schlachthof, von den Wiesen im Neustädterfeld und am Elektrizitätswerk und von den Wieseckböschumgen;
adtischen
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2
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Witwe, Kaiserallee 4, von den Wiesen im Heegstrauch und 0 128 11% uh i c) vormittags 11½ Uhr vom Friedhof am Nahrungsberg. d) nachmittags 2 Uhr im Philosophenwald von den Wiesen am
Fürstenbrunnen, im Wiesecktal, von den Hospitalwiesen in 7
5 Gemarkung 1
nachmittags 4½ Uhr an Ort und Stelle von den Wi in
der Schwarzlach. 10 1 8 den 24. August
vormittags 9 Uhr an Ort und Stelle von den Och senwies
0 115 Wiesen im Stolzenmorgen, am Uiensbe e un
Altentisch.
0
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4
b) nachmittags 3% Uhr an Ort und Stelle von den Wiesen in 1
0 115 Gemarkung 1 9 c) nachmittags 4 Uhr an Ort und Stelle von d i N Gemarkung Großen-Buseck. 5 en Weser in a Steigliebhaber, welche die Wiesen zu besichtigen beabsichtigen, wollen sich an den städtischen Wiesenwä. N menen f senwärter Bellof, Wolfstraße 15, Die Großh. Bürgermeistereien der umliegenden Gemeinden werden ersucht, Vorstehendes in ihren Gemei 5 0 100 desen 0 Gemeinden bekanntmachen Gießen, den 12. August 1915. Der Oberbürgermeister. J. V.: Grünewald.
—
Verstorbene. Konrad Zimmer in Lich,
Marbatelhe Pfaff, geb Ruth, in Solln. abte alt.—
zwischen Mücke m
Er war früher bereits längere Zeit in einer Irrenanstalt.
Samstag den 21. August, Montag den 23. August und Dienstag;
vormittags 10% Uhr in der Restauration von Melchior b 16 85


