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Beilage zur Oberhessischen Volkszeitung
Gießen, Samstag, den 14. August 1915.
Nr. 189
Gießen und Umgebung.
Trotziger Abschied. Wenn das Eisen mich mäht, Wenn mein Atem vergeht, Sollt stumm unterm Rasen mich breit Laßt das Wortegespiel, s war kein Held, der da fiel, 's war ein Opfer verworrener Zeiten,
8 war einer, der nie Nach Völkerblut schrie, 's war ein Bürger kommender Zeiten. Wenn das Eisen mich mäht, Wenn mein Atem vergeht, Sollt stumm unterm Rasen mich breiten. Josef Luitpold.
Wie lange noch?
Ein volles Jahr hat die deutsche Volkswirtschaft die Feuerprobe des Weltkrieges in bewundernswerter Weise be— standen und damit auch die militärischen Erfolge ermöglicht, die gerade in letzter Zeit die Zuversicht auf den endgültigen Sieg mächtig gesteigert haben. Aber während im Volke, be— sonders in seinen ärmlicheren Schichten, eine wunderbare Opferwilligkeit den Streitern draußen im Felde den Rücken stärkt, tritt immer gemeingefährlicher ein entgegengesetztes Streben hervor, das diese Opferwilligkeit zuschanden zu machen droht. Es ist das Streben der Lebensmittellieferan— ten und Großhändler, durch künstliche Preissteigerungen während des Krieges erhöhte Profite herauszuschlagen. Diese Preistreiberei hat jetzt einen Umfang angenommen und einen Grad von Unverschämtheit erreicht, daß auch die bürgerliche Presse sich zu energischer Kritik veranlaßt sieht. Blätter der verschiedensten Parteirichtung haben in letzter Zeit mit erfreulicher Offenheit diesen wundesten Punkt in Aunserm Wirtschaftsleben besprochen und Abhilfe gefordert. Es soll auch anerkannt werden, daß militärische und städtische Behörden dem Uebel zu steuern versuchen. Von einer Wir⸗ kung aber ist wenig zu spüren. Die für eine rationelle Volks⸗ ernährung wichtigsten Produkte, die gerade jetzt infolge der reichlichen Ernte niedrig im Preise stehen müßten, steigen von Woche zu Woche im Preise, so daß sie heute schon nicht mehr bloß für die rein proletarische Bevölkerung, sondern über— haupt für alle, die nicht über hohe Einkommen verfügen, kaum noch erschwinglich sind. Welche Stimmung das in den be— troffenen Volksschichten hervorruft, läßt sich überall ver— nehmen. Einige deutsche Generale haben ja bereits in kräf— tigsten Ausdrücken diesen verbrecherischen Wucher mit den Volksnahrungsmitteln gebrandmarkt, aber die gesetzliche Handhabe, die Schuldigen dahin zu bringen, wohin sie ge⸗ hören, nämlich ins Zuchthaus, scheint noch zu fehlen. Es ist aber höchste Zeit, daß endlich mit eiserner Energie zugefaßt wird. N
Es ist nichts als nackte, traurige Wahrheit, wenn wir feststellen müssen, daß heute trotz der reichen Ernte zahllose Familien der Männer, die ihr Herzblut für das Vaterland vergießen, wochenlang kein Stück Fleisch genießen, kein Ei, keine Butter kaufen können. Arbeiter, Handwerker und kleine Beamte klagen bitterlich über diese Not, die jeden Tag schlimmer wird, denn wenn heute die Butterhändler sound— soviel Pfennige mehr für das Pfund fordern, dann ist mit Sicherheit zu erwarten, daß morgen die Margarine ebenfalls teurer wird. Schon jetzt kostet sie mehr, als vor kurzem noch die gute Butter.
Wo soll das hinaus? Das Volk ist nach wie vor bereit, jedes Opfer zu bringen, das im Interesse der Sicherheit des eigenen Landes gebracht werden muß. Aber es kann und darf nicht länger dauern, daß unterdessen einige tausend Schmarotzer den skandalösesten Lebensmittelwucher treiben. Schon ist es an manchen Orten wieder zu turbulenten Akten der Empörung auf Märkten usw. gekommen. Es kann überall dahin kommen, wenn nicht rechtzeitig vorgebeugt Wird. Das Uebel muß an der Wurzel gepackt, den Banditen des Lebensmittelmarktes muß das Handwerk gelegt werden. Die bisherigen Maßnahmen waren viel zu zaghaft, um auf die robusten Gemüter jener Leute, die sich obendrein vielfach noch als„Patrioten“ gebärden, Eindruck zu machen.
Keine Moralpredigten mehr, sondern Zwangsmaßregeln! Die Zeiten, da harmlose Gemüter an einen Seelenaufschwung und an eine sittliche Wiedergeburt glaubten, sind dahin. Man weiß jetzt, daß solche Redensarten vielfach nur als Deckmantel für die Volksausplünderung gelten, unter der gerade die an⸗ ständigsten, die ehrlichsten, die frömmsten Menschen am meisten leiden. Gegenüber dem Lebensmittelwucher gibt es heute in den betroffenen Kreisen keine Parteiunterschiede mehr. Ob christlich oder frei organisiert, ob Staatsbeamter oder Arbeitsmann, alle fordern den Kampf gegen die Not. Alle wollen sie Taten und keine parteitheoretischen Haarspalte⸗ reien. Helfen können aber nur Maßnahmen, wie sie schon im August vorigen Jahres in einer Eingabe der sozialdemo— kratischen Partei und der freien Gewerkschaften gefordert worden sind, vor allem viel weitergehende Beschlagnahmen und Höchstpreise vom Produzenten bis zum Kleinhändler, er— gänzt durch Verkaufszwang.
Wir hoffen, daß im Deutschen Reichstag die wahre Stim⸗ mung des Volkes so einmütig und deutlich zum Ausdruck kommt wie im Lande. Die Reichsregierung hat die Macht, und sie muß helfen. Es ist keine Stunde mehr zu verlieren!
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Hessen und Nachbargebiete.
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Der Kriegs⸗Stift.
Mit dem Kriege hat auch der Lehrling eine Art„gehobene Stellung“ bekommen, sowohl in industriellen und handwerks— mäßigen, als in kaufmännischen Betrieben.„Unser Stift“ weiß, daß er heutzutage eine gesuchte Persönlichkeit ist und nimmt durch sich selbst oder mit Hilse seiner Eltern alle Vorteile wahr. Lange genug hat man ja in sehr vielen Geschäftsbetrieben aller Art mit dem Lehrlingswesen eigensüchtigen Unfug getrieben. Die gewerb—
lichen Lehrlingszüchtereien, in denen gleichzeitig bis zu einem halben Hundert oder noch mehr Lehrlinge beschäftigt werden, so
daß von einer ordnungsmäßigen Ausbildung kaum die Rede sein ann, sind berüchtigt. Immer wieder fielen Eltern auf diese Lehr— lingsbuden herein, weil hier der Lehrling schon vom zweiten Lehr⸗ fahre ab eine kleine Geldentschädigung erhält, die aber nicht im erhältnis steht zu der mangelnden Ausbildung. Noch schlechter steht es in sehr vielen kaufmännischen Geschäften. Der Lehrling ist hier oft nur Schreiber, Handlanger und Laufbursche, kommt an die Buchführung und Korrespondenz nicht heran, wird bestenfalls ganz einseitig angelernt. Soweit hier nicht der Unterricht zur Pflicht⸗
fortbildung nachhilft, muß sich der Lehrling die Befähigung zur Kurz⸗ und Maschinenschrift, sowie zu anderen Leistungen in der wenigen freien Zeit zu Hause oder in einer Handelsschule aus
eigenen Mitteln aneignen.
Je länger sich nun der Krieg hinzieht und zahlreiche Gewerbe— treibende stark beeinflußt, desto mehr werden Lehrlinge aller Arten verlangt. In den Zeitungsspalten wimmelt es von solchen Lehr— lingsgesuchen. Kaufmännische Geschäfte, die großen Mangel an Personal leiden, haben plötzlich entdeckt, daß ein intelligenter Lehr— ling in weit kürzerer Zeit als sonst den„jungen Mann“ beinahe zu ersetzen vermag. Vielfach wird also nunmehr die Ausbildung so kräftig in die Hand genommen, wie das auch in Friedenszeiten der Fall sein sollte.
Aehnliches ist in gewerblichen Betrieben zu beobachten. Man will den Lehrling, der sonst nur die untergeordnetsten Arbeiten zu verrichten hatte, schnell so ausbilden, daß zwei oder drei Lehrlinge einen ausgelernten Arbeiter einigermaßen zu ersetzen vermögen. Natürlich stehen zu diesem plötzlich erwachten schönen Streben die Gegenleistungen in keinem Verhältnis. Der Lehrling soll weit mehr als früher leisten, aber deshalb wird er während der Lehr— zeit nicht auch entsprechend bezahlt. Allenfalls läßt sich der Lehr— herr zu einer monatlichen Gabe herbei, die knapp die Kosten des Stiefelbesohlens deckt.
Die eigentliche Ursache des jetzigen Lehrlingsmangels liegt noch tiefer. In vielen Familien ist es ganz unmöglich, den schul— entlassenen Jungen durchzufüttern, ohne daß er Geld nach Hause bringt. Der Knüttel liegt eben beim Hunde. Junge Leute im Alter von 14 bis 17 Jahren sind eben jetzt gesucht, und es liegt gar kein Grund vor, Lehrverträge zu unterschreiben, die oft recht harte Bedingungen enthalten. Lieber warte man bis zur Beendigung des Krieges und lasse den Jungen eine besondere Arbeit verrichten, als heute Lehrverträge zu unterschreiben, die kaum erfüllbare Beding— ungen enthalten.
Genossen! Besucht Euer Gewerkschaftshaus!
* 4 9 9* 2 2 9 ·* Die Fürsorge für die Kriegsbeschädigten.
In einer Konferenz, die vor einiger Zeit auf Einladung des Vereins für Armenpflege und Wohltätigkeit im Reichs tagsgebäude in Berlin tagte, und sich mit der Fürsorge für Kriegerwitwen und Kriegerwaisen beschäftigte, wurde es für notwendig erachtet, daß diese Fürsorge von einer staat— lichen Zentralstelle aus geleitet werde. Neben den Witwen und Waisen müssen aber doch auch die Kriegs— invaliden versorgt werden. Sofern der gute Wille nicht fehl ist die Versorgung der Kriegerwitwen und Kriegerwaisen, wie der Ganzinvaliden, eine einfache Sache; ihnen allen muß eine staatliche Rente zugebilligt werden, von der sie den Lebensunterhalt bestreiten können. Eine viel schwierigere Aufgabe ist es, jenen Hunderttausenden verwundeten Krie— gern, die nach dem Kriege zwar wieder arbeiten können, aber in ihrer Erwerbsfähigkeit mehr oder weniger beschränkt sind, eine Existenz zu verschaffen. Immer mehr zeigt sich in der modernen Industrie das Bestreben, nur Arbeiter in der Voll— kraft ihrer Leistungsfähigkeit zu beschäftigen, woraus sich auch die bekannte Erscheinung erklärt, daß die Arbeiter nach dem 40. oder 45. Lebensjahre aus den großen Industrie— betrieben verschwinden.
Wie groß der Prozentsatz unter den Kriegsinvaliden sein wird, welche keine Existenz mehr finden können, weil sie in ihrer Leistungs⸗ fähigkeit beschränkt sind, zeigt die Untersuchung von Dr. Siegfri ed Kraus über das hicksal der beschränkt Erwerbsfähigen.(Er⸗ schienen unter dem Titel:„Ueber das Berufsschicksal Unfallver⸗ letzter“ bei J. G. Cotta Nachf., Stuttgart und Berlin.) Dr. Kraus hat bei der hessen-nassauischen Baugewerksberufsgenossenschaft die Akten der sämtlichen entschädigten Verletzten der Frankfurter Sektion, deren Rentenansprüche den 4 Jahren 1902 bis einschließ⸗ lich 1905 entstammen, und bei der Frankfurter Sektion der Berufs⸗ genossenschaft der chemischen Industrie die Akten jener entschädigten Verletzten bearbeitet, deren Rentenansprüche zwar ebenfalls den 4 Jahren 1902 bis einschließlich 1905 entstammen, jedoch durchweg Ende 1911 noch nicht erloschen waren, insgesamt 872 Fälle. Unter 403 Verletzten, bei denen die beobachtete Entwicklungszeit nach dem Unfall mindestens 6 Jahre betrug und in jenem Zeitpunkte, in dem Dr. Kraus die Beobachtungen abschloß, noch immer nicht zu voller Erwerbsfähigkeit gelangt waren, konnten folgende Verhältnisse er⸗ mittelt werden. Es machten durch:
eiter chemische Arbeiter . 1—
Deklassierung 0 2 27 0 Leichteren Abstieg 39,63 7% 9 9 Anpassung 5 0 37,43 25 Aufstieg 0 4,71 0
Sowohl von den Schicksalen der Bauarbeiter wie von denen der chemischen Arbeiter waren rund je zwei Fünftel ins Bereich der Deklassierung gehörig. Wie die Untersuchung ferner ergab, stand fast je ein Viertel aller Fälle auf der tiefsten Stufe der Deklassierung, fsast je die Hälfte hatte eigentliche Minder⸗ berufe, stand also auf den untersten Sprossen des Systems der Be— rufe; iber zwei Drittel aller Fälle gehörten demmach den schwersten Formen der Deklassierung au. Die Deklassierten hatten nur zeit⸗ weise eine gering entlohnte Arbeit, waxen oft arbeitslos, wodurch mehrere schließlich zu einem unsoliden Leben kamen, sich dem Trunke ergaben oder der Landstveichevei. Deklassierung lag auch in folgenden Fällen vor: Beschäftigung eines früheren Zimmermalers mit Pinselreinigen, eines früheren Schlossers mit Verpackungsarbeiten, die noch sitzend ausgeführt werden konnten usw. Eine große An zahl der Unfallverletzten werden Hausterer, Heimarbeiter. Straßen⸗ lehrer, Fabriknachtwächter, Hofarbeiter usw.
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Einem solchen Schicksal würden also zwei Fünftel der Kriegs⸗ invaliden verfallen, die, weil sie in ihrer Erwerbsfähigkeit nur be⸗ schränkt sind, auch nur eine größere oder kleinere Teilrente erhalten können, wenn nicht durch große staatliche Maßnahmen für sie ge⸗ sorgt wird. Es handelt sich dabei um Hunderttausende von Vater⸗
landsverteidigern! Auf das Wohlwollen der Unternehmer, sich zur Beschäftigung von erwerbsbeschränkten Kriegsinvaliden bereit zu
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erklären, kann man sich nicht verlassen. Die Unternehmer, Betriebs⸗
leiter, Werkführer, welche über die Anstellung von Arbeitern zu entscheiden haben, wechseln, und ein Gnadenbrot darf die Eristenz der Kriegsinvaliden ja auch nicht darstellen. Zu den Kriegsinvaliden kommen ja auch noch die Invaliden des Schlachtfeldes der Industrie. Von der Unfallversicherung erhalten jährlich rund eine Million Verletzte eine Rente, während der jährliche Zuwachs der Unfal⸗ rentner in den letzten Jahren rund 140 000 betrug. Auch die Noervenschwachen, die körperlich oder geistig Minderwertigen, lauter Opfer unserer heutigen Sozialzustände, vermehren die Schar der beschränkt Erwerbsfähigen um Hunderttausende. Man geht nicht zu weit, wenn man die Zahl der beschränkt Erwerbsfähigen, welche den Anforderungen nicht mehr genügen können, die heute in den Industriebetrieben an die Arebitskraft gestellt werden, die aber auch keinen Anspruch erheben können auf eine Vollrente aus einem Ver⸗ sicherungszweig, auf eine Million schätzt.
Vor Ausbruch des Krieges wurde bereits die Frage leb⸗ haft erörtert, wie die beschränkt Erwerbsfähigen versorgt werden könnten. Von allen vorgeschlagenen Mitteln ver spricht nur eines einen durchschlagenden Erfolg: Die Errich⸗ tung von besonderen Kolonien durch Staat und Gemeinden für beschränkt Erwerbsfähige, möglichst in der Nähe von Städten. Die Kolonien ließen sich auch als Genossenschaften gründen, aber unter Beteiligung des Staates und der Ge⸗ meinden. Auch die Sozialversicherung könnte die Trägerin dieser Einrichtungen werden. In diesen Kolonien könnte die Produktion nach dem körperlichen oder geistigen Zustand des Arbeitenden eingerichtet werden. Und der Absatz der Pro⸗ dukte würde keine Schwierigkeiten bereiten, wenn er vom Staat und den Gemeinden organisiert wird. Jedenfalls aber wäre es notwendig, daß sofort ein besonderes Reichsamt ein⸗ gerichtet werde, das die staatliche Fürsorge für die Kriegs⸗ und Arbeitsinvaliden organisieren und leiten und die nötigen Gesetze ausarbeiten müßte.
Das größte Elend, das der kapitalistischen Produktions⸗ weise entspringt und nun durch den Krieg plötzlich eine starke Vergrößerung erfahren kann, könnte auf diesem Wege über⸗
wunden werden. Di
Dieser bewegt sich freilich in sozialistischer Richtung— aber auf eine andere Art, als im Geiste des So⸗ zialismus, kann diese Frage nicht gelöst Werden.
Gefährliches Geschwätz.
Ueber den Lebensmittelwucher sind sich eigentlich alle Menschen einig, ausgenommen nur diejenigen, die diesen Wucher eben treiben und sich dabei außerordentlich wohl be⸗ finden. Andererseits gibt es gewiß eine große Anzahl reicher Leute, für die die Höhe der Lebensmittelpreise überhaupt gleichgültig ist, weil sie ein so hohes Einkommen haben, daß die Ausgaben für den Lebensunterhalt bei ihnen keine Rolle mehr spielen. Zu dieser letzten Sorte scheint ein Professor Oppenheimer zu gehören, der in der Korrespondenz Kriegskost einen Artikel gegen die deutsche Presse und gegen alle anderen Leute verbreitet, die gegenwärtig von Lebensmittelwucher sprechen. Er nennt die Anklagen gegen den Lebensmittelwucher gefährliches Geschwätz. Wir wollen mit dem Herrn Professor natür⸗ lich nicht über die Sache diskutieren, denn die Tatsachen des Lebensmittelwuchers sind so offenbar, daß es uns schließlich ganz gleichgültig ist, ob sie Herr Oppenheimer auch sieht oder nicht. Nicht gleichgültig aber kann uns sein, daß hier der ernste Kampf im Interesse aller minderbemittelten Volks⸗ klassen gegen den Lebensmittelwucher als Geschwätz be⸗ zeichnet wird, und daß dies in einer Korrespondenz geschieht, die sozusagen amtlichen Charakter trägt. Die Korrespondenz Kriegskost, die von den sogenannten Rezepte-Professoren redigiert wird(Rezepte-Professoren benannt, weil sie glauben, der Teuerung durch Kochrezepte beikommen zu können) wird herausgegeben und verlegt von der Zentral-Einkaufs-Gesell⸗ schaft. Diese Zentral-Einkaufs-Gesellschaft ist aber eine aus öffentlichen Mitteln des Staates und der Städte gegründete Gesellschaft. Es ist deshalb geradezu ein Hohn auf das Zu⸗ sammenarbeiten von Behörden, wenn unsere militärischen und Zivilbehörden auf der einen Seite sich die größte Mühe geben, den Lebensmittelwucher zu bekämpfen und ihn sogar unter das Strafgesetzbuch stellen, während ein P
Professor in einem anderen behördlichen Blatt erklärt, daß dieser Lebens⸗ mittelwucher Geschwätz sei. Die Professoren haben schon im Kriegsbeginn erhebliches Mißfallen erregt, als sie auf die ungeschickteste Art im neutralen Auslande die deutschen In⸗ teressen zu wahren suchten. Der Mißerfolg dieser Be⸗ mühungen im Auslande war so eklatant, daß von allen Seiten abgewinkt wurde. Wenn diese Herren jetzt versuchen, im Inlande einen gleichen Unfug zu treiben, so muß ihnen von vornherein mit aller Deutlichkeit gesagt werden, daß ihre Hilfe auch hier unerwünscht, Artikel, wie die des Herrn Oppenheimer, sind tatsächlich in jeder Beziehung ein gefährliches Geschwätz. Sie können höchstens dazu beitragen, die gerechte Empörung der Volks- massen über die Teuerung noch zu verschärfen. Wenn die Regierung diesen Wunsch hat, so wäre Herr Oppen⸗ heimer der rechte Mann am rechten Platz, sonst aber mag er sich in seinem Laboratorium mit seinen Retorten unterhalten
und nicht mit der Oeffentlichkeit. Lieferant des Konsum Vereins
D. Katinka, Gießen Gießen u. Umg. und des Een ⸗
5 Marktplatz ll. bahn ⸗Konsumbereins. Uhrmacher und Goldarbeiter.— Wan dertumde Nadettaart
Reichhalliges Lager in Uhren, Gold- und Silberwaren.
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