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Organ für die Interessen des werktätigen Volkes
* der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete.
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Gießen, Donnerstag, den 12. August 1915
10. Jahrgang.
Polen.
Von Dr. Paul Lensch.
Die Eroberung Warschaus und der Fall der Weichsellinie hat ven verbündeten Truppen der Zentralmächte ein Gebiet in die Hände geliefert, dessen wirtschaftliche Bedeutung für Rußland viel⸗ leicht noch größer war, als seine militärische. Neben Petersburg und Moskau stellte Polen den größten Industrierayon des russischen Reiches dar. Obwohl es kaum 8 Prozent der Gesamtbevölkerung umfaßte, wies es ein Viertel der russischen Stahl⸗ und zwei Fünftel der Kohlenproduktion des russischen Reiches auf. Vor allem aber war die Stellung der polnischen Textilindustrie maßgebend. Sie stellte die Hälfte der gesamten polnischen industriellen Produktion her und beschäftigte ungefähr die Hälfte aller Industriearbeiter. Von den rund 500 Millionen Kilogramm, die die russische Textil— industrie jährlich produzierte, entfielen allein auf die polnische 25 Prozent. Von allen Teilen des russischen Reiches hatte Polen die dichteste Bevölkerung. Während nach der letzten russischen Zählung von 1897 durchschnittlich noch nicht 20 Menschen auf den Quadratkilometer im europäischen Rußland entfielen, lautete die ent— sprechende Zahl für Russisch⸗Polen: 74, wobei zum Vergleich hinzu— gefügt sein mag, daß noch 13 Jahre später die Bevölkerungsdichtig— keit in den Provinzen Ostpreußen, Westpreußen, Pommern, Posen 5 Hannover erst 55, 66, 57, 72 und 76 auf den Quadratkilometer etrug.
Dies erstklassige Industriegebiet blickt bei alledem noch auf ein techt jugendliches Alter zurück. Bis 1851 stand Russisch-Polen außerhalb der russischen Zollgrenze. Es befand sich noch im Stadium der Manufaktur und beherrschte kaum den inneren Markt. Erst mit der wirtschaftlichen Einverleibung in das Riesenreich war eine wesentliche Bedingung des Aufschwungs erfüllt. Es war die Zeit des Krimkrieges, von dem man mit Recht gesagt hat, daß er für Rußland eine ähnliche Bedeutung gehabt habe, wie der Krieg von 1806/07 für Preußen. Die Abschaffung der Hörigkeit in Rußland 1861 und in Polen 1864 bedeutete eine totale Umwälzung der Land⸗ wirtschaft. Die Grundbesitzer waren nunmehr darauf angewiesen, Industrieprodukte, die sie früher auf ihren Fronhöfen selber hatten darstellen lassen, anzukaufen. Auf der anderen Seite bekamen die Bauern Geld in die Hand und wurden ebenfalls Käufer von Industrieprodukten. Ein innerer Markt entstand und die polnische Industrie war gersistet, ihn zu beherrschen. 1854 war der erste mechanische Webstuhl und die erste mechanische Spindel in Polen aufgestellt Bald setzte der Bau von Eisenbahnen ein. 1862 wurde Polen mit Petersburg, 1866 mit Wolhynien, Weißrußland und Podolien, 1870 mit Moskau, 1871 mit Kiew, 1877 mit Südrußland verbunden. Es war der entscheidende Schritt. Langsam setzte sich die soziale Entwicklung in Marsch, um mit jedem Jahrzehnt ihr Tempo zu beschleunigen. Direkt stürmisch aber wurde es, als Ruß⸗ land 1877 zum Hochschutzzoll überging. Eine Treibhausatmosphaäre für Monopolpreise setzte ein, in der Textilindustrie wurden 40⸗ brozentige Profite als eine normale Erscheinung betrachtet. Eine Periode fieberhafter Gründungen brach über das Land herein.
Lodz, das kleine Landstädtchen, das im Jahre 1821 erst 800 Ein⸗ wohner zählte, und im Jahre 1860 auf 32 000 angewachsen war, zählte 1885 bereits 150 000 und vor dem Kriege wenigstens über 400 000 Einwohner. Schon im Jahre 1909 nahm Lodz mit seinen 956 522 Spindeln den dritten Platz auf dem europäischen Festland lein. Nur Petersburg und das belgische Gent gingen ihm voran. Infolge des Schutzzolles 1877 hatten sächsische Unternehmer die Fabrikation von Vigogne, die man bis dahin aus Werdau und Crimmitschau massenhaft bezogen hatte, nach Lodz übertragen und 1 wesentlich zum Aufschwung der Textilindustrie Polens beige— agen. „ Aehnliches gilt auch für das zweite große Industriegebiet Polens, für den hart an der preußischen Grenze gelegenen Rauon won Sosnowice. Noch in den sechziger Jahren war hier alles Dichter Tannenwald. Binnen 15 Jahren entstand ein Industrie⸗ gebiet, dessen Textilindustrie der von Lodz bald eine empfindliche konkurrenz bereiten sollte. Eine ganze Reihe preußischer und ächsischer Fabriken wurde gleich nach 1877 einfach von Deutschland nach Polen verlegt, um den erhöhten russischen Zoll zu sparen, und in den Zahren 1879—86 war die Produktion des Sosnowicer Be⸗ irks von ½ Million auf 13 Millionen Rubel gestiegen. Vor allem nie Kammgarnspinnerei setzte sich fest. Vor dem Kriege umfaßte ie mit 220 000 Kammgarnspindeln fast zwei Drittel aller Kamm⸗ Zarnspindeln Polens. Die Baumwollspinnerei war mit 200 000 Spindeln und 6000 Webstühlen vertreten. Hand in Hand hiermit ing die Entwicklung der Sosnowicer Kohlen- und Eisenindustrie.
Der dritte große Industriebezirk Polens ist der von Darschau. Er hat keine so ausgeprägte Phystognomie wie der zon Lodz und Sosnowice und trägt mehr gemischten Charakter. Am wichtigsten ist der Maschinenbau und die Zuckerindustrie. Es versteht sich, daß ein derartiges ungeheures Industriegebiet ich nicht ohne scharfe Konkurrenzkämpfe gegen andere russische Industriegebiete entwickeln konnte, und besonders gegen das Industriegebsiet Moskau hatte das polnische Industriekapital, inter dem zum großen Teil deutsche, französische, helgische und eng⸗ ische Unternehmer standen, zu kämpfen, wobei sich natürlich der roßrussische Kapitalismus Moskaus die bequeme Denunziation er„fremden“ Industrie nicht entgehen ließ. Allein die überaus arke Konzentration der polnischen Industrie siegte leicht iber das Nosfauer Bärenhäutertum, das sich nach wie vor auf die Drei⸗ (nigket: Garantien, Prämien, Subsidien verließ und am liebsten lirekt die Staatsgewalt gegen die unbequemen Konkurrenten mobil Machte. Häufig mit Erfolg. Auf lange Zeit aber war und blieb
lie polnische Textilindustrie die einzige, deren Produkte, nachdem
je sich auf dem heimischen Markte des europäischen Rußlands ihren
Flatz errungen hatten, in Konstantinopel und den Balkanländern
Lingang gefunden und den Marsch nach Ostasien angetreten hatten.
Zier russische Kattun belspielsweise, den die Moskauer Industrie noch nach Chiwa
ago und 1891
und Buchara ausführte, war in einer
m Weltkrieg.
Weise angesertig, daß er von den Muselmännern weniger für Be⸗ kleidungszwecke als zum Färben der Neujahrseier verwendet werden konnte!—
Dieser ungeheure und hochentwickelte Industriebezirk ist nun durch das Glück der Waffen in deutsche Hände gefallen. Was wird sein Schicksal sein?— Jedenfalls werden die Moskauer Indu⸗ striellen jetzt stille Stoßgebete gen Himmel schicken, daß ihnen diese Konkurrenz durch deutsche oder österreichische Annexionspolitik dauernd vom Leibe gehalten bleiben möge. Sie folgen damit nur dem Beispiel der französischen Textilbarone vom Jahre 1871, die alles dransetzten, um die Annexion Elsaß-Lothvingens, dessen Textilindustrie ihnen ebenfalls eine oft verwünschte Konkurrenz be— reitet hatte, durch die Deutschen zu erleichtern
Vom Standpunkt der deutschen Textilindustrie und ihrer Ar⸗ beiter aber hätte die Sache ein ganz anderes Gesicht. Für sie, die schon im Frieden oft genug unter dem Druck inländischer Ueber⸗ produktion leidet, wären die Folgen einer glatt durchgeführten Annexion des polnischen Industriebezirks geradezu verheerend und auch für die Ausfuhr wäre der unvermittelte Eintritt Polens in das deutsche Zollgebiet schwer drückend, nicht zuletzt für die polnische Industrie selber, die hier natürlich bei dem Stande der hoch ent— wickelten Industrie Deutschlands ganz andere Schwierigkeiten zu überwinden hätte, als in ihrem Kampf gegen die Moskauer Industrie.—
Hier erheben sich Probleme, deren Tragweite und Kompliziert⸗ heit von niemanden unterschätzt werden sollten.
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Die Leiden unserer Schwerverwundeten in Frankreich.
Die Nordd. Allgem. Zeitung schreibt: Ein ausgetauschter schwerverwundeter Reservegefreiter des Kaiser Alexander Garde— Grenadier-Regiments Nr. 1, Wilhelm Oelbüttel, schilderte seine Erlebnisse in Frankreich unter Eid wie folgt:
Er wurde am 8. September 1914 bei Chalons durch einen Granatsplitter am Unterarm so schwer verwundet, daß der Arm am folgenden Tage in einem deutschen Feldlazarett abgenommen werden mußte. Drei Tage später nahmen die Franzosen das ganze Lazarett gefangen, Oelbüttel wurde mit elf anderen Schwer— verwundeten nach Jele-de-Ré transportiert. Die Fahrt dauerte 48 Stunden. Die zwölf hilflosen schwerverletzten Leute hatten furchtbare Leiden auszuhalten. Das Abteil dritter Klasse, in dem sie sich befanden, hatte nur acht Sitzplätze, sodaß immer vier der Unglücklichen stehen mußten. Weder ein Arzt noch ein Kranken— pfleger waren zugegen. Die Nahrung bestand aus ein wenig trockenem Brot und Wasser, das im ganzen zweimal gereicht wurde. Mehrere der stark fiebernden Schwerverwundeten wurden auf Zwischenstationen ausgeladen, zwei der übrigen starben hilflos im Abteil. Am 14. September kam der Transport in Isle⸗de-Ré an. Nun setzte sich das begonnene Leiden in grauen— hafter Weise fort. Kalte, zugige Unterkunftsräume, ungenügende Bekleidung, schlechtes Essen, mangelhafte ärztliche Behandlung,— das waren die Segnungen der französischen Kultur, die die Un— glücklichen kennen lernten. In den ersten drei Wochen wurde ihnen morgens überhaupt keine Nahrung gereicht. Auch in der Folgezeit war sie gänzlich unzureichend. Von Abwechslung war keine Rede. Bohnensuppe wechselte mit Kartoffelsuppe. Die Würze bestand aus zähem Rindfleisch, das die Zähne kaum zer— reißen konnten, und aus Maden, die in der Suppe herum⸗ schwammen. Die Bohnen waren hart und ungenießbar. Löffel und Teller wurden erst nach mehr als sechs Wochen zur Verfügung gestellt. Bis dahin mußte eine alte Konservenbüchse aushelfen, die auf dem Kasernenhofe gefunden worden war. Die ersten vier Wochen durften sich die Gefangenen nicht einmal waschen, obgleich in unmittelbarer Nähe ein Brunnen stand. Die französische Krankenschwester, die entgegen dem Verbot von dort ein— mal Wasser für die Verwundeten zur Reinigung holte, wurde streng verwarnt und nicht wieder zu ihnen gelassen.
Am unerhörtesten war die sogenannte ärztliche Be⸗ handlung. In den ersten vier Tagen war überhaupt kein Arzt vorhanden. Die Wunden eiterten weiter und wur⸗ den nicht verbunden. Die bedauernswerten Opfer französi⸗ scher Rachsucht mußten sich die Maden selbst aus den Wunden herausziehen, um nicht bei lebendigem Leibe zerfressen zu werden. Eine bösartige Verschlimmerung der Wunden war die unausbleib— liche Folge. Aber die Verhältnisse besserten sich auch kaum, als einige Aerzte eintrafen. Sie bemühten sich nicht zu den Kranken, sondern ließen diese trotz der schweren Verwundungen auf dem Kasernenhofe antreten und warten. Mancher der Verwundeten wurde ohne jede Untersuchung wieder fortgeschickt, andere nur oberflächlich besichtigt. Die meisten der französischen Aerzte zogen es vor, Zigaretten zu rauchen und sich zu unterhalten. Roheit und Unfähigkeit machten sich geltend: Ein Mann, der einen Fußschuß hatte und um Behandlung bat, wurde von einem fran— zösischen Marinearzt mit dem Fuß getreten und aus dem Ver— bandszimmer mit Stößen herausgeworfen; ein anderer hatte einen Armbruch und klagte dies den Aerzten, die aber bei der Unter⸗ suchung angeblich nichts feststellen konnten; er wurde erst später von einem Krankenpfleger geschient. Für die besonderxs schwer verwundeten Leute diente ein besonderer Raum als Unterkunft, ein Pferdestall, in dem es von Ratten wimmelte. Ein uner- träglicher Gestank herrschte; die französischen Aerzte hielten sich die Nase zu, wenn sie den Raum betraten, und eilten schleunigst wieder hinaus.
Alles dies ereignete sich trotz des Vorhandenseins reichlicher Mengen von Verbandsmaterial. Auch sechs hilfsbereite deutsche Sanitätspersonen waren im Lager, aber sie durften sich um die Kranken nach den ausdriscklichen Anordnungen der französischen Aerzte nicht kümmern und auch ihr Verbandszeng nicht zur Verfügung stellen. Es war eben nichts anderes als niedrige Rachsucht und kleinliche menschenunwürdige Ge—
1 die den Grundzug für die Behandlung der Verwundeten a 2
de mesfätigt wird diese Aussage durch gleichlautende eidliche Be⸗ kundungen anderer Gefangener, die in dem gleichen Lager in eben⸗ so schamloser Weise behandelt wurden. Wenngleich diese empörende Behandlung unserer Verwundeten Vergeltungsmaßregeln nahelegt, wird die deutsche Regierung doch darauf verzichten, für diese Verhöhnung allgemeiner Menschenrechte an den französt⸗ schen Kriegsgefangenen in Deutschland Vergeltung zu üben.
Die Arbeiten des Reichstags.
Im Reichstag ist gestern vormittag unter dem Vorsitz Abgeordneten Wurm die Kommission zur Beratung Gesetzes über das Reichsstickstoffmonopol zu⸗ sammengetreten. Ueber die Verhandlung, die als vertraulich erklärt wurde, wird ein amtlicher Bericht ausgegeben. Es ist nicht anzunehmen, daß die Vorlage noch in der bevor⸗ stehenden Tagung das Plenum des Reichstages beschäftigen wird.
Im Plenum das am 19. d. Mts. zusammentritt, wird in der Hauptsache die neue Kriegskreditvorlage und die Ernährungsfragen beraten werden. Man nimmt an, daß die Kreditvorlage schon am Donnerstag dieser Woche fertiggestellt und dem Reichstage unverzüglich zugehen wird. Ueber die wirtschaftlichen Kriegsmaßnahmen der Re⸗ gierung wird dem Reichstage auch noch in dieser Woche eine ausführliche Denkschrift zugehen, die am 17. und 18. d. Mts. zunächst in der Budgetkommission erörtert werden wird.
Fertiggestellt ist im Reichsamt des Innern eine Vorlage zum Schutze der Schwesterntracht, deren baldige Verabschiedung an den Bundesrat dringend gewünscht wird, da sich in der freiwilligen Krankenpflege arge Mißstände ge⸗ zeigt haben, die ein solches Gesetz notwendig machen.
Nationalliberales Vertrauensvotum für den Reichskanzler.
Von den nationalliberalen Reichs- und Landtagsabge. ordneten wird folgende Erklärung veröffentlicht: Kürzlich fand eine Zusammenkunft führender Persönlichkeiten der nationalliberalen Partei, hauptsächlich Reichs- und Landtags⸗ abgeordneten, in Berlin statt. Bei der Besprechung der Lage wurde der einmütigen Ueberzeugung Ausdruck gegeben, daß das Verhalten gegenüber dem Reichskanzler, wie es in jüngster Zeit an einigen Stellen der Partei öffentlich betätigt wurde, weder die Gesamtstimmung der Partei wiedergebe, noch von den Anwesenden gebilligt werden könne. Es müsse dagegen Verwahrung eingelegt werden, daß in solchen Kundgebungen der Anschein erweckt werde, als ob sie die Meinung der ganzen Partei darstellten. Die öffentlichen Erklärungen des Reichs- kanzlers er eine schwächliche, illusionistische, den Inter⸗ essen des Reiches nicht rückhaltlos dienende Politik betreibe. Daß seine Politik volles Vertrauen verdiene, werde durch jede persönliche Aussprache mit dem Reichs- kanzler nur noch verstärkt. Die öffentliche Bekundung des angeblich allgemeinen Mißtrauens sei geeignet, die Autorität des leitenden Staatsmannes gegenüber dem Auslande zu erschüttern und ihm gerade diejenige kraftvolle Politik zu er⸗ schweren, die von ihm gefordert werde. Unbegründete An- griffe gefährdeten die Einmütigkeit des deutschen Volkes im Gegensatze zu der ihm aus der Seele des Volkes gesprochenen Kundgebung des Kaisers:„Als letztes Ziel dieses Krieges einen Frieden zu erlangen, der uns die not⸗— wendigen militärischen, politischen und wirtschaftlichen Sicher- heiten für die Zukunft bietet und die Bedingungen erfüllt zur ungehemmten Entfaltung unserer schaffenden Kräfte in der Heimat und auf dem freien Meere.“
Ein bestrafter Verräter.
Der verheiratete Alfred Meyer, Mitinhaber der bedeutenden Speditionsfirma Meyer und Schauenberg in Mülhausen, wurde am 3. August nach zweitägiger Verhandlung von dem Kriegsgexicht der mobilen Etappenkommandantur Mülhausen wegen Kriegs verrats zu lebenslänglichem Zuchthaus und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt. Daß der Ange⸗ klagte nicht zum Tode verurteilt wurde, verdankt er hauptsächlich dem von ihm am Schluß der Verhandlung abgelegten vollen Ge— ständnis. Meyer stand im Dienst des französischen Nachrichten- dienstes, dem er längere Zeit hindurch Nachrichten über deutsche Truppenbewegungen übermittelte.
Schwere Verluste einer französischen D ivision auf Gallipoli. T. U. Athen, 11. Aug
Des
des
Außerordentlich schwere Verluste hat eine französische Division nach einer Meldung aus Toledos
bei den letzten Kämpfen auf Gallipoli erlitten. Bei ihrem
Vorrücken gegen die türkischen Stellungen mußte sie über
lieferten keinen Anlaß zu der Annahme, daß


