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dessen und Nachbargebiete.
Gießen und umgebung. „Legendenbildung.“
In der Bevölkerung hat es große Erbitterung verursacht, daß Kartoffelvorräte in großem Umfang in gewinn⸗ süchtiger Absicht zurückgehalten wurden. Die Bestandaufnahmen gaben ein ganz und gar falsches Bild; die vorhandenen Vorräte waren weit größer, als sie auf Grund dieser Aufnahmen angenommen werden mußten.
Die Ergebnisse dieser Aufnahmen aber waren für die Maßnahmen des Bundesrats bestimmend; auf ihnen fußten die Vorschriften über das Abschlachten der Schweine, aus dem sich für die Bevölkerung so schwere Nachteile ergaben; die falschen Ergebnisse bestimmten auch dazu, besondere Vor⸗ kehrungen anderer Art zu treffen, die bezweckten, die Kar— toffelvorräte zurückzuhalten. Das erreichte der Bundesrat durch die sprunghafte Erhöhung der Höchstpreise und weiter durch die Festsetzung von außerordentlich hohen Aufbe— wahrungsgebühren.
Die minderbemittelte Bevölkerung mußte Preise zahlen, die doppelt so hoch waren, als zu normalen Zeiten und selbst zu diesen Preisen waren Kartoffeln oft nicht zu haben. Da⸗ bei waren sie zu einem guten Teil verdorben. Tatsache ist ferner, daß die Regierung keinerlei Ahnung davon hatte, welche gewaltigen Mengen noch in Kellern und Mieten lagerten. Es war auch für sie eine große Ueberraschung, als plötzlich Hunderttausende von Zentnern ans Tageslicht kamen.
Professor Dr. Karl Oppenhe imer nimmt nun in der Kriegskost die Produzenten und Händler gegen den Vor— wurf der spekulativen Zurückhaltung der Kartoffelvorräte in Schutz. Er spricht in dieser Beziehung von einer„Legenden⸗ bildung“, die verhindert werden müsse. Das macht es not⸗ wendig, seinen Darlegungen entgegenzutreten, um zu ver⸗ hindern, daß wirkliche Legenden entstehen. Er will das plötz⸗ liche Auftauchen gewaltiger Vorräte damit erklären, daß die Kartoffeln in diesem Jahre besonders gut gepflegt worden und daß deshalb etwa zwei Millionen Tonnen mehr erhalten geblieben seien, wie in anderen Jahren. Dazu komme, daß weniger Kartoffeln zur Aus saat be⸗ nützt worden seien und schließlich habe man in den eroberten Teilen Nordpolens Kartoffelvorräte gefunden, die weit über den örtlichen Bedarf hinausgingen und die zum Teil nach dem Westen gebracht werden konnten. Wenn auch von Spekulanten Vorräte zurückgehalten worden seien, so sei das ganz nebensächlich; niemand werde die Produzenten und Händler in ihrer Mehrzahl für so töricht halten, daß sie die Zeit der höchsten Preise verpaßt hätten.
Ist schon im allgemeinen der Respekt vor den„Ernäh⸗ rungsprofessoren“ ganz erheblich gesunken, so muß gegen die Verteidigungsversuche von Professor Oppenheimer zugunsten der Produzenten und Händler entschieden Einspruch erhoben werden. Er konnte sich davon überzeugen, daß noch in keinem Jahre so große Mengen Kartoffeln zu⸗ grunde gegangen sind, wie heuer. Ebensowenig glaubhaft klingt die Behauptung, es seien weniger Kar⸗ toffeln für die Aussaat gebraucht worden, wie in anderen Jahren. Die Kartoffelvorräte in Polen sind nicht erst gefunden worden, als ganz überraschend die ungeheuren Mengen auf den Markt gebracht wurden. Von den Beweisen, daß geflissentlich große Mengen zurückgehalten wor⸗ den sind, nimmt der Herr Professor überhaupt keine Notiz. Wir können nicht annehmen, daß ihm die Nachrichten ent⸗ gangen sind, wie Großgrundbesitzer, die vorher erklärt hatten, keine Vorräte mehr zu haben, die sie verkaufen könnten, nachher die Abnehmer sogar zwingen wollten, die Mengen abzunehmen, die ihnen vorher verweigert wurden.
Die Spekulanten lebten in der Hoffnung, die auf Grund der Bundesratsverordnung über die Aufbewahrungsgebühren möglichen höchsten Preise noch erlangen zu können. Diese waren aber noch nicht erreicht, als sich die wirkliche Größe der Vorräte herausstellte. Nur die Gefahr, daß sie große Verluste erleiden könnten, bewog sie dazu, mit ihren Vor⸗ räten herauszurücken, nachdem die Ernte in Frühkartoffeln vor der Türe stand. Die Preistreibereien setzten übrigens sofort noch einmal ein. Auch davon scheint Professor Oppen⸗ heimer nichts bemerkt zu haben. Man verschone die Bevölke- rung, die unter dem Treiben der Spekulanten so außer⸗ ordentlich schwer zu leiden hatte, mit Versuchen, die Produ⸗ zenten und Händler zu entschuldigen. Deren Treiben ver⸗ dient eine scharfe Brandmarkung, nicht aber eine Ent⸗ cchuldigung.
Vorzeitige Deckung des Bedarfs an Winterkohlen. Der schon in früheren Jahren an das Publikum gerichteten Mah⸗ nung, den Hauptbedarf an Feuerung im Winter bereits in den Sommermonaten einzudecken, kommt in der Kriegszeit eine besondere Bedeutung zu. Infolge Einberufung eines immer größeren Teiles der Arbeitsmannschaft zum Kriegs- dienste und der Minderleistung der Gespanne vermehren sich die Schwierigkeiten für den Handel hinsichtlich einer aus. reichenden Versorgung der Bevölkerung mit Feuerungsstoff von Tag zu Tag, so daß bei einem späteren Abruf der Kohlen größere Störungen entstehen können. Auch hat das Publi⸗ kum, wenn es bereits jetzt seine Bestellungen aufgibt, den Vorteil des niedrigeren Bezugspreises, da nach Lage des Kohlenmarktes es zweifelhaft ist, ob die heutigen Preise für Feuerungsstoff, die durch Höchstpreise geregelt sind, nicht noch eine weitere Erhöhung erfahren müssen. Für den Handel aber ergibt sich der Nutzen, daß er die Läger für den Winter- bedarf rechtzeitig und regelmäßig nachfüllen kann und auf diese Weise die Verbraucher vor einer etwaigen Kohlenknapp⸗ heit zu schützen in der Lage ist. Für gewisse Kohlensorten, die infolge Ausfalls der Einfuhr derzeit in knapperen Mengen im Verkehr sind, wird sich ein Ersatz durch andere Sorten, wie zum Beispiel„Eier⸗ und Semmel-Briketts“ sowie„Westfälische Brechkoks“, schaffen lassen. Auch durch Exteilung von Auf— trägen auf Mischungen von verschiedenen Kohlensorten, wo. bei ihm ies
er Händler mit Ratschlägen zur Hand gehen wird, U im
kann das Publikum zur Streckung des Feuerungsstoffes und zur Sicherstellung des Bedarfs an Kohlen usw. beitragen.
— Die Aepfelernte dürfte in diesem Jahre überaus reichlich ausfallen, in den Gärten und an den Straßen bemerkt man vollbehangene Bäume, deren Aeste unter der Last fast herabbrechen und gut gestützt werden müssen. Die Früchte sind auch durchgängig gut entwickelt, gesund und wenig von Würmern befallen. Viel Obst, das herabfällt, geht zugrunde, da es nicht aufgelesen wird, was gewiß höchst bedauerlich ist. Wenn aber jemand einen Apfel aufhebt, der dazu als Eigentümer oder Pächter nicht befugt ist, riskiert er eine Feldpolizeistrafe, wenn ihn das Auge des Gesetzes oder des Feldschützen entdeckt. Es ist also davor zu warnen, oder wenigstens ist demjenigen, der Fallobst auflesen will, zu raten, sich einen Erlaubnisschein bei der zuständigen Stelle zu holen.— So will es die heutige Ordnung: es dürfen Nah⸗ rungsmittel zentnerweise verfaulen, so notwendig sie auch gebraucht werden; wenn aber einer„unbefugt“ einen Apfel aufhebt, der verfällt in gehörige Strafe!
— Die Preise der Frühkartoffeln betragen noch immer 8 Pfg. per Pfund im Einzelverkauf, teilweise wird sogar noch mehr gefordert. Da die Ernte an Frühkartoffeln keineswegs als ungünstig bezeichnet werden kann, muß dieser Preis als außergewöhnlich hoch bezeichnet werden. Um diese Jahres⸗ zeit wurden früher höchstens 4—5 Pfg. für das Pfund bezahlt.
— Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Offiz.⸗Stellvertr. Karl Diehlmann aus Ulfa, Inf.⸗Regt. Nr. 168.— Landsturmmann Alexander Müller aus Als⸗ feld, Inf-⸗Regt. 141.— Grenadier Heinrich Scharch aus Vadenrod b. Alsfeld, Grenad. Regt. 5.
Große Postscheckschwindeleien. Im Postscheckamt Frankfurt wurde Samstag früh der ehemalige Postassistent Alex Kagler in dem Augenblick verhaftet, als er auf Grund gefälschter Postscheck⸗ formulare, die auf eine Frankfurter Bank lauteten, größere Geld⸗ summen am Schalter abheben wollte. In früheren Fällen gelang es ihm bereits, 12000 Mark und in Darmstadt etwa 18 000 Mark zu erschwindeln. Kagler, der sich als Ingenieur ausgab, hatte in seinem Besitz noch große Mengen von Formularen, die den Stempel verschiedener deutscher Postanstalten trugen. Die Formulare schmuggelte er, soweit die Untersuchung vorerst ergab, wahrschein⸗ lich mit Hilfe eines Angestellten der betreffenden Bank im Frank⸗ furter Scheckamt ein. Den zur Abstempelung erforderlichen Post⸗ stempel hat Kagler jedenfalls während seiner früheren Tätigkeit als Postboeamter gestohlen. Es ist den bisherigen Feststellungen zufolge sehr wahrscheinlich, daß der Schwindler auch in anderen Städten die Postscheckämter auf die gleiche Weise betrog und um bedeutende Summen schädigte.— Einem gleichen Verbrechen kam mam in Leipzig auf die Spur. Es war der Polizei bekannt ge⸗ worden, daß von einer hiesigen Stelle aus auffällig große Zahlungen an Großbanken überwiesen worden waren. Eine nähere Prüfung der Ueberweisungsschecks ergab, daß sie sämtlich gefälscht waren. Man stellte fest, daß es sich um einen Menschen handelte, der von auswärts, insbesondere von Halle her, die umfangreich angelegten Schwindeleien und Fälschungen leitete. Die Ausführung des Ver⸗ brechens war soweit vorbereitet, daß am Sonntag vormittag die in Frage kommenden Beträge, im ganzen über 150 000 Mark, bei den Banken abgehoben werden sollten. Der Täter wurde in dem Augenblick, als er von Halle nach Leipzig zur Vollendung seiner Tat abreisen wollte und bereits im Besitz der Rückfahrkarten Leipzig—Halle war, von einem Leipziger Beamten in Halle ver⸗ haftet. Als der Beamte in sein Zimmer eintrat, ließ der Gesuchte die vechte Hand in die Hosentasche gleiten. Nur ein schneller Sprung und die Erfassung der Hand bewahrte den Beamten vor dem wahr⸗ scheinlichen Schicksale, niedergeschossen zu werden; denn in der Ta sche des Festgenommenen fand sich eine geladene Browningpistole: außerdem führte er eine große Tüte gestoßenen Pfeffers bei sich, dazu bestimmt, dem Gegner in die Augen geworfen zu werden. Der Festgenommene wurde dem Polizeiamt Leipzig zugeführt. Bei seiner Vernehmung stellte sich heraus, daß es sich um den Post⸗ beamten K. aus R. handelte.
— Fahrpreisermäßigung zum Besuch kranker oder verwundeter Krieger. Das preußische Kriegsministerium hat den Eisenbahn⸗ divektionen mitteilen lassen, daß die Personen, denen der Besuch ihrer in französischen Lazaretten behandelten ver⸗ wundeten oder erkrankten Angehörigen von den zuständigen mili⸗ tärischen Dienststellen erlaubt wird, auf den Eisenbahnem des deut⸗ schen Reichsgebiets zu diesen Reisen Fahrpreisermäßigung er⸗ halten. Die gleichen Vergsüünstigungen werden auch auf den belgi⸗ schen und französischen Bahnen gewährt; auch für die Reisen zu Beerdigungen von Angehörigen in Feindesland gelten die Bestimmungen. Die Bundesregierungen wurden ersucht, sich der Maßregel für die ihnen unterstellten Eisenbahnen anzuschließen. Ebenso sollen die Privatbahnen zum gleichen Vorgehen veranlaßt werden.
L Gegen den Wahrsage⸗Schwindel gehen die Gerichte neuer— dings etwas schärfer vor und erkennen auf Gefängnisstrafen. Während der Kriegszeit hat der Schwindel überhaupt stark über⸗ hand genommen. Vor etlichen Tagen hat die Strafkammer in Elberfeld, wie unser dortiges Parteiblatt berichtet, entschieden, daß das verwerfliche Treiben der angeblichen Wahrsagerinnen auf jeden Fall bestraft werden müsse, ganz gleich, ob es aus Gewinnsucht geschehe oder nicht, weil dadurch in dieser ohnehin schweren Zeit leicht Beunruhigung hervorgerufen werden könne, und verurteilte demgemäß die Witwe Theodor F., die einer alten Bekannten aus Gefälligkeit aus Spielkarten die Zukunft prophezeit
hatte, zu 1 Tag Gefängnis. Gegen berufsmäßige„Wahr⸗ sagerinnen“ wird natürlich mit empfindlicheren Strafen vorge⸗
gangen; die Ehefrau Johann M. aus Remscheid, die den Schleier der Zukunft anderen Personen gegen Entgelt gelüftet hatte, wurde auf 3 Tage ins Gefängnis geschickt.
— Verwendung von Benzol usw. In unseren Geschäftsräumen liegt eine Bekanntmachung des stellvertretenden General-Kom⸗ mandos des 18. Armeekorps über die Verwendung von Benzol und Solventnaphtha, sowie über Höchstpreise für diese Stoffe offen. Sie behandelt die der Verfügung unterliegenden Stoffe, deren Ver⸗ kaufsarten, die Stelle, an welcher verkauft wird u. a., sowie die Höchstpreise. Wir machen die Interessenten mit dem Bemerken hierauf aufmerksam, daß auch eine Bekanntmachung am Gießener Rathause angeschlagen ist.
Kreis Alsseld⸗Lauterbach.
Feuer in Angersbach. Am Montag nachmittag brach in einem kleinen Fachwerk-Hause, das einem Taglöhner gehört, Feuer aus, das sich sehr schnell verbreitete und in kurzer Zeit das Häuschen mit allem, was darin wax, in Asche legte. Mit Mühe verhinderten die Bewohner durch Niederreißen des Hauses die weitere Ausbreitung des Brandes, der für den ganzen Ort hätte gefährlich werden können. Das Feuer soll durch die Unvor— sichtigkeit eines Jungen entstanden sein.
Von Nah und Fern.
Sprendlingen, 10. Aug. Schlimmer Ausgamg eimer Schlägerei. Gestern abend um 211 Uhr entstand hier zwischen jungen Burschen eine Schlägerei. Dabei trat der 19 Jahre alte Willy Lohmann— er feierte gestern seinen Geburtstag— dem 17 jährigen Schlosser Ferdinand Deißler derart auf die Brust, daß der sofort herbeigeholte Arzt nur noch den bereits eingetretenen Tod ei konnte. Der Vater des Getöteten steht in Rußland
de. 0
Mühlheim, 10. Aug. Großer Scheunenbranbd. Am Samstag abend zwischen 5—6 Uhr brach bei dem Landwirt Chr. Schwerzel Feuer aus. Die Scheune mit einem großen Vorrat von Getreide, das in den nächsten Tagen durch die Dreschmaschine ge⸗ droschen werden sollte, brannte vollständig nieder. Durch das Ein⸗ greifen der Feuerwehr wurde ein Uebergreifen des Feuers auf das Wohnhaus und die angrenzenden Gebäude verhindert. Auch konnte der größte Teil des Viehbestandes gerettet werden. 5
Familientragödie. Am Montag hat in Mainz ein älterer Mann, der verwitwet ist und an Schwermut litt, seinem Leben durch Erhängen ein Ende gemacht. Zuvor hatte er im Schlafzimmer seiner beiden Töchter im Alter von 16 und 15 Jahren die Gas lampe aufgedreht und die Gas röhre geöffnet. Durch das Geräusch des ausströmenden Gases wurden jedoch die beiden Mädchen wach und konnten noch rechtzeitig dem Erstickungstode entgehen. Als sie nach ihrem Vater suchten, fanden sie ihn in der Manfarde erhängt auf.
* Ein Arzt, der keiner war. Durch eine Zeitungsanzeige wurde für das Vereinslazarett in Leverkusen bei Elberfeld ein Arzt gesucht. Es meldete sich u. a. ein Dr. Karl Max Haschkle aus Berlin, der dann auch von den Farbenfabriken Bayer u. Co eingestellt wurde. Am Samstag morgen begann er seine Tätigkeit im Lazarett, die der Chefarzt kopfschüttelnd beobachtete und die da⸗ zu führte, daß die Kriminalpolizei auf den neuen Arzt aufmerk⸗ sam gemacht wurde. Die Polizei stellte daraufhin fest, daß seine Papiere gefälscht waren. Der angebliche Arzt war der 25jährige Steinsetzer Karl Haschke aus Berlin. Er wurde verhaftet und dem Amtsgericht Opladen zugeführt.
Taheshericht hes Großen Hauptguartiers.
Luftkämpfe im Westen.
Lomsha erobert. W. B. Großes Hauptquartier, 11. Aug., vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz.
Oestlich von Ppern gelang es stärkeren englischen Kräften, sich in den Besitz der Westteile von Hooge zu setzen.
Französische Minensprengungen in der Gegend des Ge⸗ höfts von Beau Sejour in der Champagne waren er⸗ folglos.
Nach der Zerstörung des Viadukts von Dammerkirch durch unsere Artillerie am 30. Mai haben die Franzosen im Zuge einer Umgehungsbahn die Larg südlich von Man ns⸗ bach überbrückt. Die kürzlich fertiggestellte Brücke wurde gestern durch einige Volltreffer unserer Artillerie zerstört.
Am Südrande des Hessenwaldes westlich von Verdun wurde ein französischer Fesselballon herunterge⸗ schossen.
Am 9. August 11 Uhr abends warf ein feindlicher Flieger auf Zadzand(auf holländischem Gebiet in der Nähe der belgischen Grenze) Bomben.
Zwischen Bellingen und Rheinweiler(südlich von Müllheim in Baden) mußte ein französisches Flug ⸗ zeug im Feuer unserer Abwehrgeschütze landen, Führer und Beobachter sind gefangen genommen.
Bei Pfert wich ein feindlicher Flieger, durch unser Feuer gezwungen, auf Schweizer Gebiet aus. Oestlicher Kriegsschauplatz. Auf der Westfront von Kowno wurde der Angriff,
unter ständigen Gefechten näher an die Fortslinie herange⸗ tragen. Hierbei machten wir wieder einige 100 Russen zu Gefangenen. 4 Geschütze wurden erbeutet.
Truppen der Armee des Generals v. Scholz durchbrachen gestern nachmittag die Fortslinie von Lomsha, erstürmten Fort IV und nahmen heute bei Tagesanbruch die Festung.
Südlich von Lomsha wurde die Straße nach O st row kämpfend überschritten. Ostrow wird noch vom Gegner ge ⸗ halten. Von Bojany, westlich von Brok bis zur Bug ⸗ mündung, haben unsere Truppen diesen Fluß erreicht.
Seit dem 7. August wurden hier 23 Offiziere und 10 100 Mann zu Gefangenen gemacht.
Oestlich von Warschau ist die Armee des Prinzen Leopold von Bayern bis nahe an die Straße Stanis⸗ lowo- Nowo-Minsk gelangt.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Die Armee des Generalobersten v. Woyrsch erreichte in der Verfolgung die Gegend nördlich und östlich von Zelez⸗ how. Sie nahm Anschluß an den von Süden vordringenden linken Flügel der Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen.
Auf der Front von Ostrow bis zum Bug wurden die feindlichen Nachhuten auf ihre Hauptkräfte zurückgeworfen. f
Oberste Heeresleitung.
Notiz: Brok liegt 12 Kilometer südlich vor Ostrow.
Der österreichisch⸗ungarische Tages bericht Unaufhaltsames Vordringen in Südpolen. Eroberung eines Brückenkopfes am Dnjestr.
Heftige Artilleriekämpfe an der Isonzofront.
Wien, 10. August.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart, 10. August 1915:
Russischer Kriegsschauplatz.
Die Verfolgung des aus dem Weichselland weichenden Gegners dauert an. Die Truppen des Generals von Köveß haben die Linie südöstlich Zelecho w genommen. Ihnen schließen sich die über den unteren Wieprz vorrückenden Feile der Armee des Erzherzogs Josef Ferdinand an. Auch das Wieprz⸗Knie ist an mehreren Stellen überschritten. Weiter östlich an der Front bis zum Bug nahmen unsere Verbündeten eine Reihe von feindlichen Nachhutstellungen.
Am Bug und an der Zlota-Lipa ist die Lage unverändert.
Bei Czernelica auf dem Südufer des Dujestr be⸗ mächtigten sich innerösterreichische und küstenländische Heeres⸗ und Landwehr⸗Regimenter einer brückenkopfartigen Stellung, welche die Russen bisher hartnäckig zu verteidigen wußten. Der Feind flüchtete über den Fluß und ließ 22 Offiziere und 2800 Manu als Gefangene, 6 Maschinengewehre, viel Fuhrpark und zahlreiches Kriegsmaterial in unserer Hand.
Italienischer Kriegsschaup laß.
Die täglichen Geschützkämpfe an der Südwestfront hielten auch gestern an. Im Görzischen und bei Plawa steigerten sie sich zuweilen zu bedeutender Heftigkeit. Drei italienische Angriffe gegen den nach Westen vorspringenden Teil des Plateaus von Doberdo und ein Vorstoß des Feindes auf Jagora(füdöstlich von Plawa) wurden abgewiesen. Soust hat sich nichts von Be⸗ deutung ereignet.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Söfer, Felbmarschallentuant.


