Ausgabe 
10.8.1915
 
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175 U* ch R Hessen und Na bargebiete. f Gießen und umgebung. 1 08 3.

Schonung der Nriegsteilnehmer!

Die Fränkische Tagespost veröffentlicht in ihrer Num⸗ mer 171 vom 24. Juli ein Beispiel dafür, mit welcher Rück- sichtslosigkeit und Hartherzigkeit gegen Kriegerfrauen, die mit der Miete im Rückstande sind, zuweilen vorgegangen wird. 5

Die Frau eines im Felde stehenden Landwehrmannes aus Nürnberg erhielt anfangs dieses Monats von einem als Zwangsverwalter über das Anwesen aufgestellten Ge richtsvollzieher folgende Zuschrift:

Klage- und Auskunftsbureau von Franz F., Gexichtsvollzieher a.D. Nürnberg, den 3. Juli 1915. Herrn und Frau B., hier.

Nachdem Sie bis heute die bereits am 1. dieses Monats fällig gewesene Miete und den Rest von 1,76 Mk., sohin in Summa 19,68 nicht an mich bezahlt haben, muß ich Ihnen die Wohnung zur Räumung binnen drei Tage von heute an ge⸗ rechnet kündigen, wenn nicht innerhalb 24 Stunden Zahlung an

mich erfolgt.

Achtungsvoll Fr. F., Zwangsverwalter. Natürlich wandte sich die Frau in ihrer Bedrängnis an ihren Mann im Feld. Welche Stimmung diese Nachricht von der Notlage der Familie bei dem Manne auslöste, beweist folgender an einen führenden Parteigenossen in Nürnberg

gerichteter Schmerzensruf: Nordfrankreich, den 15. Juli 1915. Werter Genosse! 5

Ich ersuche Dich freundlichst, wenn es möglich ist, uns doch mit solchen Unannehmlichkeiten zu verschonen und den Hausherrn von solchem ungebührlichen Auftreten zurückzuhalten. Ich habe 1 die Wohnung fünf Jahre inne und jede Zahlung vor dem Krieg Aliz ordnungsgemäß entrichtet. Mir tut es weh, wenn ich was schuldig N bin und es ist mir unmöglich zu bezahlen, ich verdiene seit 8. August 1914 pro Tag 53 Pf. und meine Frau hat drei Kinder; ich stehe zum zweiten Mal im Feld seit 16. März. In der ersten Zeit des Krieges hat es bei mir gut getan, weil ich und meine

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Frau einige Mark Erspartes gehabt haben. Nachdem aber seit dem Krieg die Lebensmittel im Preise gestiegen sind und die

Kriegsunterstützung sich um keinen Pfennig erhöhte, im Gegenteil noch verschiedene Wohlfahrtseinrichtungen abgeschafft wurden, zum Beispiel Schuhe für Kinder, geht es nicht mehr. Ich glaube doch, daß es jedem gesunden Menschenverstand einleuchten kann, daß Frau und Kinder nicht in einer Ecke langsam verhungern können, um den Herren Hausbesitzern die letzten 50 Pfg. zu geben. Es ist wirklich traurig, wenn man sich im Felde be⸗ findet und sich noch mit solchen Unannehmlichkeiten das Leben verbittern lassen muß. Sollten uns diese Herren einmal ablösen, daß wir auch wieder Geld verdienen, sofort bezahle ich meinen Mietsbetrag, wie auch vor dem Krieg. Ich glaube doch, daß die Frau nicht da ist, die Grobheiten von solchen Herren die ganze Zeit einzustecken, meine Frau hat Kummer und Sorgen so gut wie ich vor den Kanonenrohren. Ich ersuche und bitte Dich, in der Sache etwas zu regeln. Ich möchte jenen strengen Herxen nur wlinschen, mit uns nur zehn Minuten mitmachen zu müssen und sich Nordfrankreich zu besichtigen, dann würden sie bald eines anderen belehrt werden. Meine Frau ist leider in der Sache sehr unbeholfen und zu schüchtern, die letzten drei Mark hat sie dem Hausherrn noch gegeben und sie und meine drei Kinder haben hungern können. Ich habe seit 16. März, wo ich das zweitemal an der Front bin, meiner Familie 30 M. ge⸗ schickt, das weist das Kompaniebuch aus und habe pro Tag 53 Pfennige. Ich bitte, meine Frau in der Sache etwas behilf⸗

lich zu sein. 5 Mit kollegialem Gruß. Mich. B. Die Erbitterung des Kriegers über die rücksichtslose und hartherzige Behandlung seiner Frau ist nur zu berechtigt.

Fleischversorgung und Teuerung.

Mit der Frage der Fleischversorgung und der Fleisch⸗ teuerung beschäftigte sich der Gesamtvorstand des Deutschen Fleischer⸗Berbandes in seiner in Nürnberg vom 6. bis 8. Juli stattgefundenen Sitzung. Von der Einführung von Höchstpreisen erwartet der Vorstand des Fleischerverbandes keine Besserung. Er wünscht, daß die Anordnung von Höchstpreisen für Fleisch jetzt überall aufgehoben werde, da die Zentral-Einkaufsgesellschaft Speck teurer verkauft, als er von den Metzgern im kleinen abgegeben wird. Bei seiner Abneigung gegen Höchstpreise stützt sich der Ver⸗ 0 bandsvorstand auch auf Staatssekretär Dr. Delbrück, der sich im 1 preußischen Abgeordnetenhause am 24. Juni gegen Höchstpreise ausgesprochen hat. Diese Argumente, so bemerkt dazu die

Fränkische Tagespost, sind wohl nicht durchschlagend. Wenn, wie wir Sozialdemokraten fordern, Höchstpreise für Futtermittel(da⸗ für tritt auch der Fleischerverband ein) und für Vieh im ganzen Reiche, bei entsprechender Zerücksichtigung der Produktionskosten, eingeführt werden, können auch Höchftpreise für Fleisch festgesetzt werden. Vor Einführung der Gewerbefreiheit hatten wir auch Brot⸗ und Fleischtaxen. Wenn man bei dem jetzigen Notstande zu einem unter normalen Verhältnissen nicht empfehlenswerten Mittel seine Zuflucht nimmt, um dem Wucher mit einem wichtigen Nahrungsmittel entgegenzuwirken, so ist das entschuldbar und nützlich, wenn es auch für die Produzenten mit einigen Unbequem lichkeiten verbunden sein mag. 5.

Einen ziemlichen Umfang nahmen die Beratungen ein, die die Mittel betrafen, die gegenwärtige Teuerung für die minder⸗ bemittelte Bevölkerung zu mildern. Es kam hierbei in Betracht die vermehrte Anwendung von Mehl, Grütze und anderen pflanz⸗ lichen Stoffen zur Herstellung von Wurstwaren, sowie die Ver⸗ wendung von Kalbsköpfen und ⸗Füßen in der Haut. Es wurde 0 aus dem Kreise der Vorstandsmitglieder mitgeteilt, daß vieler⸗ orts die Behörden selbst veranlaßt hätten, daß gewissen Wurst⸗ waren Mehl zugesetzt werde. In einer Stadt sind den Fleischern große Mehlmengen zur Verarbeitung mit Wurstbrühe, Fleisch und Blut zur Verfügung gestellt worden; in München darf dem Leberkäse wieder bis zu 6 Prozent Mehl zugesetzt werden. Die mit pflanzlichen Hilfsstoffen hergestellten Wurstwaren sollen ausdrück⸗ 1 11 80 klar als solche bezeichnet werden. Es wurde der Beschluß gefaßt, 5 zur Herstellung billiger Volksnahrungsmittel

möge während

i des Krieges für bestimmte, als solche genau zu bezeichnende S0 Wurstsorten die Verwendung von Zerealien in weitestem Um⸗ in 8 fange freigegeben werden. 5 5

. egen der Jerwendung der Kalbsköpfe und-Füße in der en Haut wurde folgender Beschluß gefaßt: a 1 60 Angesichts der hohen Fleischpreise lenkt der Vorstand des 4 Deulschen Fleischer⸗Verbaudes die Ausmerksamkeit der Ver⸗ frault üdsmitglieder auf die Ausnutzung der Kalbsköpfe und Füße

Wo diese zu Nahrungszwecken

777 in der Haut zu Nahrungszwecken.

1 bisher weniger verwandt wurden, empfiehlt sich eventuell die 5. ranstaltung einer Ausstellung von gesulzten Fleischwaren. Es sie unte auf die Weise der Bevölkerung eine abwechslungsreiche,

boten werden.

9 75 5 5 eiswerte und gute Fleischspeise ge * 1 Cine Tagung der Ersten Kammer. Der Präsident der

sten Kammer des hessischen Landtags, Fürst Solms. Lich, tie die Mitglieder der Ersten Kammer zu einer vertraulichen ing für Montag, den 9. August, eingeladen, in welcher

andatsverlängerung der neu zu wählenden

Mitgneder der Zwetten Kammer, wie auch die augemeine wirtschaftliche und finanzielle Lage besprochen werden soll, Auch mit den übrigen Fragen wird sich das Haus ähnlich wie die Zweite Kammer beschäftigen.

Eine Verschandelung. Uns wird geschrieben: Seit längerer Zeit habe ich bemerkt, daß am Theater gebäude zwei Fahnenstangen angebracht worden sind. Nach meiner Ansicht gereichen diese dem Gebäude, das ich für ein Kunst werk halte, durchaus nicht zur Zierde. Ich habe darauf ge wartet, daß diese Verunzierung mal in der Zeitung kritisiert werden würde; weil das bisher nicht geschah, schreibe ich Ihnen das. Als Kunstsachverständiger will ich mich durchaus nicht aufspielen; aber ich finde, daß die beiden Stangen den An blick des Gebäudes stören. Ob der Architekt, der das Theater entworfen hat, damit einverstanden ist? Mir wäre es interessant, dessen Meinung zu hören. Wir geben diese Zuschrift, die wir nicht für unbegründet halten, hier wieder.

Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Landsturmmann Heinrich Metzger aus Nonnenroth, Inf. Regt. 61.

Sträflicher Aberglaube. Wegen Körperverletzung hatte sich dieser Tage eine alte 6070jährige Frau vor der Strafkammer in Essen zu verantworten. Die Angeklagte ist aus Polen gebürtig und befaßt sich seit etwa 40 Jahren gewerbsmäßig mit Kurpfuscherei. Ihre geheimnisvollen Zaubermittel bestehen in Kräuterextrakten, heilkräftigen Kieselsteinen, gelochten Zwiebeln, glühenden Sicheln, Rosenöl und Kamillentee, gebrannter Holzkohle, Weihwasser, Gebet und Segnung. Angeblich hat sie in zahlreichen Fällen wunder⸗ tätige Heilungen erzielt. Jedensalls hat dieses Gerücht der Frau großen Ruf eingebracht. Hier ein drastisches Beispiel ihrer Heil⸗ praxis: Das drei Jahre alte Kind der Bergmannsehelcate Schafeld in Wanne ist an einem Augenleiden erkrankt. Anstatt zu einem Berufsarzt zu gehen, der den Eltern des Kindes kostenlos auf Grund des Krankenscheines zur Verfügung steht, nehmen sie die Hilfe der Angeklagten in Anspruch. Diese schabt an einem wundertätigen Stein herum und bläst dann durch eine Gänseseder den abgeschabten Staub dem vor Schmerz aufschreienden Kinde in das kranke Auge. Hierauf nimmt sie von ihrer Brust ein Kreuz, legt es dem Kinde auf das Auge, murmelt ein paar Worte und umwickelt das Auge mit einem Verband. Die folgenden Tage dieselbe Prozedur. Als das Auge schlimmer und schlimmer wird, versucht sie es mit einer Sichel, die sie in einem Küchenosen erhitzt. Die glühende Sichel hält sie dem vor Schmerg jammernden Kinde dicht vor das Auge und zwar so lange, bis sie abgekühlt ist. Dann brennt sie einen Holzscheit an, legt ihn auf eine Dreckschüppe und bläst den beißenden Rauch dem vor der Mutter über den Holzscheit gehaltenen Kind in die Augen, so daß die Funken mit hineinfliegen. Das törichte Weib nimmt noch weiter solche blödsinnigeKuren vor und die dummen, abergläubischen Eltern dulden das auch, bis das Auge des armen Kindes völlig zugrunde gerichtet und erblindet ist. Das alte Weib bekam nur 3 Wochen Gefängnis. Den Eltern hätten von Rechts wegen auch ein paar Monate gehört wegen ihrer furchtbaren Duman⸗ heit. In unserer Gegend existieren ebenfalls Kurpfuscher, die oft zahlreiche Kundschaft haben. Man warne die Leute vor solchen!

Arbeitsgemeinschaften auf dem Lande. In dem fruchtbaren Landstrich der Wetterau bildet der Anbau von Getreide einen der hauptsächlichsten Erwerbszweige der ländlichen Bevölkerung. Die Ernte des Kriegsjahres 1915 ist im allgemeinen recht gut geraten,

nur bereitete ihre Einbringung den Landleuten bis vor kurzem nicht geringes Kopfzerbrechen. Die Männer stehen, von ver⸗

schwindenden Ausnahmen abgesehen, im Felde, und es herrscht in⸗ folgedessen Arbeitermangel. Unter diesen Verhältnissen schritt man zur Bildung von Arbeitsgemeinschaften, denen jeweils etwa vier bis fünf Bauernfamilien angehören. Auf diese Weise ist es möglich geworden, daß der Erntesegen trotz der Leutenot fast ebenso

schnell und sicher wie in normalen Jahren unter das schützende Dach gebracht wird. Vogeschutz. Folgenden beherzigenswerten Aufruf erläßt der

Verein für Vogelschutz in Bayern: Sammelt für die diesjährige Winterfütterung der Vögel die Rispen des Wegerichs(Wegebreit, Wegetritt, Plantago sp.)! Er wächst in diesem Jahre besonders häufig an und auf Wegen, an Feldrändern und ähnlichen Orten. Er bietet einen billigen Ersatz für die sonst verwendeten, gegenwärtig aber kostspieligen Sämereien(Hanf usw.). Man sammle ferner die Früchte des Holunders und der Eberesche(Vogelbeere, Sorbus aucuparia)! Auch die Fruchtteller der Sonnenblume, deren Kerne gern von den Högeln genommen werden, sind aufzuheben! Alles be⸗ wahre man trocken an Orten auf, die Sicherheit gegen tierische Schädlinge bieten, und verwende es im kommenden Winter zur Fütterung der Vögel. So kann man auch im Krieg ohne besondere Kosten praktischen Vogelschutz treiben.

Vorsicht vor gewissen Reisenden! Der Reisende Erich Kuttner, der Aufträge auf Bildervergrößerungen bezw. Verkleinerungen in Frankfurt a. M. entgegengenommen hat, wurde wegen Verdachts des Betruges festgenommen. Er reiste auf den Namen Erich Büttner. In den meisten Fällen ließ er sich eine Anzahlung geben, lieferte aber die bestellten Bilder nicht.

Areis Friedberg⸗Büdingen.

Aus dem Zuge gestürzt. Am Freitag sprang in der Nähe von Friedberg aus dem Zuge, der um 6 Uhr in Frank furt abgefahren war, der 18jährige Arbeiter Eduard Schnei der. Der Zug war im vollen Fahren. Schneider blieb schwer⸗ verletzt an der Böschung liegen und wurde später dem Fried berger Krankenhause zugeführt. Nach Angaben vom Fa milienangehörigen des Verletzten ist er die Nacht über aus dem Hause, wahrscheinlich in Frankfurt, gewesen und schlaf trunken aus dem Zuge gestürzt.

* Interessantes Urteil. Ein für weite Kreise der werk tätigen Bevölkerung interessantes Urteil fällte gestern das Schöffengericht Friedberg. Am Ende des vorigen Jahres kam zwischen dem Landwirt Wilh. Heil in Kaichen, sowie dem Tag⸗ löhner Leonhardt Schweizer daselbst ein Dienstvertrag zustande, wonach Schweizer seinen Sohn Karl zu dem Landwirt Heil auf ein Jahr vermietete. Im Laufe des März beschwerte sich nun der Junge, daß er täglich für seinen Dienstherrn 6 bis 8 mal Branntwein holen müsse. Dann sei er nach jedem Schnaps⸗ genuß den gröbsten Beschimpfungen ausgesetzt, und er bekomme auch nie satt zu essen. Als der Vater die Klagen des Jungen als berechtigt fand, nahm er kurz entschlossen seinen Sohn aus dem Dienst, ohne die Kündigung einzuhalten. Einer poligzei⸗ lichen Aufforderung, den Jungen wieder in seinen Dienst zurück⸗ zubringen, leistete Schweizer keine Folge. Hierauf erhielten beide

Schweizer, Vater und Sohn, ein Strafmandat in Höhe von je 10 Mark, wogegen beide eine gerichtliche Entscheidung vor dem Friedberger Schöffengericht beantragten, welche jetzt zum

Austrag kam. Der Junge wiederholte seine Beschwerden, die auch im großen ganzen von Heil nicht in Abrede gestellt wurden, jedoch meinte er, wenn er als Arbeitgeber etwas geholt haben wolle, so habe es der Bedienstete zu holen, ganz einerlei, was es sei. Das Gericht war jedoch anderer Ansicht und sprach beide, Vater und Sohn fret; die Kosten fallen der Staatskasse zur Last. Dieses Urteil wird zweifellos mit Genugtuung begrüßt werden.

Kreis Wetzlar.

n. Die Amtsdauer der Gewerbegerichtsbeisitzer für das Gewerbegericht des Kreises Wetzlar, die mit

Ende dieses Jahres ablaufen würde, ist einer Bekanntmachung

des Vorsitzenden, Landrat Sartorius, zufolge vis 21. Dezem⸗ ber 1916 verlängert worden. Es geschieht dies auf, Grund eines Erlasses des Bundesrats,.

Auch jetzt noch notleidende Landwirte? Man sollte es nicht für möglich halten, daß gegenwärtig, wo die Preise für alle land⸗ wirtschaftlichen Produkte eine Höhe erreicht haben, wie man sie sich vorher nicht hätte träumen lassen, dieLandwirtschaft noch wegen geringen Verdienstes Klagen führt! Und doch ist dem so. Der Vor⸗ sitzende der Landwirtschaftslammer für die Rheinprovinz erläßt eine Erklärung, in der gesagt wird:

Durch Verordnung des Bundesrats vom 23. Juli d. J. sind

Höchstpreise für Brotgetreide der neuen Ernte in der Weise festgesetzt worden, daß der Preis für die Tonne in der Rhein⸗ provinz durchschnittlich um 6 Mark niedriger steht, als für Getreide der letzten Ernte.

Trotzdem die neue Ernte im Durchschnitt der Provinz keines⸗ wegs besser ist als die vorjährige, trotzdem sich die Erzeugungs⸗ kosten namentlich infolge der außerordentlich gestiegenen Arbeits⸗ löhne wesentlich erhöht haben, trotzdem auch der Landwirt alle Bedarfsartilel seines Haushalts und seines Betriebes erheblich teurer bezahlen muß, sicht also die rheinische Landwirtschaft vor der Tatsache, daß der Verdienst aus ihrem Haupterzeugnis nicht erhöht, sondern vermindert wird.

Weiter wird in dieser Erklärung vonEnttäuschung geredet, welche diese Preisfestsetzung in landwirtschaftlichen Kreisen hervor⸗ gerufen habe und ferner verwahrt sie sich gegen den Vorwurf, daß die Landwirtschaft die Verteuerung der Lebensmittel verschulde. Es ist gewiß richtig, daß die Landwirte die Teuerung nicht ver⸗ schuldet haben, aber daß sie ihr Schäfchen dabei ins Trockene bringen, ist doch auch nicht zu bestreiten. Das tollste ist jedenfalls, vongestiegenen Arbeitslöhnen zu reden, wo vielfach Gefangene fast umsonst arbeiten müssen!

v. Ueber die Wildplage wird noch immer lebhafte Klage ge⸗ führt. Vor kurzem war ein Notschrei aus Hohensolms im

Wetzl. Anz. zu lesen, in dem folgendes gesagt wurde: Durch alle Zeitungen, welcher Parteistellung sie auch angehören mögen, ergeht seit vielen Monaten die Mahnung:Landwirte, sichert Eure Ernte für die Volksernährung! Diese Mahnung ist wohlberechtigt, und auch die hiesigen Landwirte haben alles mögliche getan, ihr zu ent⸗ sprechen. Es wäre ihnen auch gelungen, eine außerordentliche Kornernte zu erzielen, da die Witterung sowohl im Winter wie im Frühjahr dieser Absicht sehr günstig war. Leider ist ihre Durch⸗ führung durch den großen Schaden verhindert worden, welcher durch das Wild sortgesetzt angerichtet wird. Trotz häufiger Vorstellungen und Bitten ist es nicht zu erreichen, daß die fürstlich Hohensolms⸗Lichische Verwaltung das Wild in dem unbedingt notwendigen Umfang abschießen läßt. Ihre dahin zielenden Wünsche sind nicht nur nicht, beziehungsweise in durchaus unzureichender Weise, erfüllt worden, sondern es ist sogar vorgekommen, daß die geschädigten Landwirte sich in öffent⸗ licher Wirtschaft einen durchaus ungehörigen Vergleich mit den Engländern gefallen lassen mußten. Es wird hier nicht verstanden, warum die Behörden nicht gegen diese schweren Schädigungen der Landwirte durch den unerhörten Wildstand Stellung nehmen. So wie die Dinge jetzt sind, können sie nicht bleiben. Einer kann nur gedeihen das Wild oder die Bauern. Wer ist mehr wert? Dieser Notschrei verdient auch als Zeichen der Zeit registriert zu werden. Das künftige Jagdvergnügen der Herren sollte wenigstens in jetziger Zeit hinter der Sorge um die Er⸗ nährung des Volkes zurückstehen. Kreis Mardurg⸗Kirchhain.

(Der falsche Arzt. Aufsehen erregt die Verhaftung des seit einiger Zeit in dem Amtsstädtchen Vöhl als Arzt tätigen Herrn Neugebauer. Auf Grund gefälschter Papiere war Neuge⸗ bauer, der kein approbierter Arzt sein soll, die Vertretung des bis⸗ herigen Arztes vom Aerzteverband übertragen worden. Wie die Hessische Landeszeitung berichtet, hat sich Neugebauer auch andere Verfehlungen zuschulden kommen lassen.

Westerwald und Unterlahn.

Städtischer Kartoffelverkauf in Siegen. Die Stadt Siegen verkauft neue Kartoffeln, den Zentner für 7,40 Mk. Infolgedessen sind die Händler von 10 Mk. auf 8 Mk. für den Zentner herunter⸗ gegangen. Das ist für die jetzige Zeit und angesichts der ziem⸗ lich guten Ernte immerhin noch ein hoher Preis.

Tagesbericht des Großen Hauptgnartierz.

Ein Flieg rüberfall auf Saarbrücken. Nowo Georgiewsk eingeschlossen. W. B. Großes Hauptquartier, 9. Aug., vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz.

Mit Tagesanbruch entwickelte sich ein Gefecht bei Hooge östlich von Npern.

In den Argonnen scheiterten Vorstöße.

Gestern wurden bei Dammerskirch und in Schwarzensee, heute früh bei VNpern, Gon⸗ drexange und Harbon ey je ein Flugzeug durch unsere Kampfflugzeuge abgeschossen. Die letzten beiden Flugzeuge gehörten einem Geschwader an, das vorher auf die offene außerhalb des Operationsgebietes liegende Stadt Saarbrücken Bomben geworfen, natürlich keinerlei militärischen Schaden angerichtet, wohl aber 9 friedliche Bürger getötet, 26 schwer und eine größere Anzahl leicht verletzt hatte.

Oestlicher Kriegsschauplatz.

Die Angriffstruppen von Kownv haben sich näher an die Festung herangeschoben. Es wurden 430 Russen, darunter 3 Offiziere, gefangen genommen und 8 Maschinengewehre er beutet.

Auch gegen die Nord- und Westfront von Lomsha machten wir unter heftigen Kämpfen Fortschritte. 3 Offiziere, 1400 Mann wurden zu Gefangenen gemacht, 7 Maschinen⸗ gewehre und 1 Panzerauto aufgebracht.

Südlich von Lomsha wurde die Straße nach O st row erreicht und die Straße O st row Wyszko w überschritten. Die an einzelnen Stellen noch hier Stand haltenden Russen wurden geworfen.

Nowo Georgiewsk wurde auch im Osten zwischen Narew und Weichsel! abgeschlossen.

Gegenüber von Warschau wurde Praga Unsere Truppen dringen weiter nach Osten vor. Warschau wurden einige tausend Gefangene gemacht.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Die Armeen des Generalobersten v. Woyrsch überschritten in der Verfolgung die Strasse Garwolin Ryki, nord⸗ östlich von Jwangorod.

Der linke Flügel der Heeresgruppen des Generalfeld⸗ marschalls v. Mackensen drängte die Russen über den Wieprz zurück. Mitte und rechter Flügel nähern sich der Linie OstrowHansk--Uchrus am Bug.

besetzt. In

Oberste Heeresleitung.