Ausgabe 
9.8.1915
 
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Minen und Gräben gegen Infanterieangriffe stark befesszst und die Truppen hatten in den beiden letzten Tagen und Nächten noch beträchtliche Kämpfe zu bestehen. Die Erdwerke wiesen mehrere Volltreffer deutscher Artillerie auf. Warschau ist also durchaus nicht kampflos geräumt worden. Die Zer störung in der Stadt und in der Umgebung ist sehr gering fügig, da die Bevölkerung sich weigerte, den Zerstörungsbefehl der zurückweichenden Russen auszuführen. Beim Einzug waren die Straßen voll von Menschen, die allen deutschen Offizieren und Soldaten einen freudigen, ja jubelnden Empfang bereiteten. Fast alle Geschäfte sind geöffnet. Die elektrische Straßenbahn verkehrt wie gewöhnlich. In den Straßen tat während des Einzuges der Truppen Bürgermiliz Polizeidienst. f Was die französischen Soldaten nicht wissen dürfen! T. II. Genf, 7. August. Um eine Demoralisierung der Trup⸗ pen an der Westfront infolge des Falles von Warschau zu verhin- dern, ordnete der Generalissimus Joffré die strengste Geheim- haltung der Katastrophe an und verbot jede Zeitungssendung nach der Westarmee.

Bulgarisches Ultimatum an Serbien?

Az Est meldet aus Bukarest: Zuverlässige Depeschen er klären, Bulgarien werde schon in allernächster Zeit mit einem Ultimatum an Serbien herantreten. Laut Moskauer Meldung der Seara berichten russische Blätter, Bulgarien werde Serbien auffordern, die Donau von Minen zu säubern und bulgarische Schiffe passieren zu lassen. Wenn Serbien diese Forderungen nicht erfüllen sollte, werde Bulgarien mit einer Kriegserklärung gegen Serbien vorgehen.

Ein Kabinett Venizelos?

Wie der römische Messagero aus Athen meldet, habe König Konstantin Venizelos gebeten, das neue Kabinett zu übernehmen. Gunaris und die übrigen Minister hatten am Dienstag abend eine gemeinsame Besprechung mit den Ge sandten der Vierverbandsmächte, an die sich eine Konferenz Gunaris mit dem König angeschlossen habe.

Furcht vor deutschen U-Booten.

T. U. Genf, 7 August. Blätter aus Südfrankreich berichten, daß unter den Schiffsreedern Südfrankreichs eine heftige Panik ausgebrochen ist, weil deutsche Unterseebobte zwischen Marseille und Algier in Tätigkeit getreten sind. Am 1. August wurde 60 Meilen von Algier ein französischer Hilfskreuzer torpediert, der in dessen noch den Hafen erreichen konnte. Dasselbe Schicksal erlitt ein Handelsschiff, das nach Kap Matifu unterwegs war. Auch der Matin bringt diesbezügliche Marseiller Depeschen.

Kriegsnotizen.

Laut Reichspost hat der Papst an die Katholiken in Ost⸗ preußen ein Schreiben gerichtet, in dem er seine innige Anteil⸗ nahme für ihre durch den Krieg heraufbeschworenen Leiden aus⸗

rückt. Gleichzeitig übermittelte der Papst für die Opfer der Russen⸗ invasion eine bedeutende Spende. 0 Aus Paris wird gemeldet: Der allgemeine Verwaltungsaus⸗ schuß sprach sich nach längerer Beratung im Grunde für die Auf⸗ hebung des Belagerungszustandes in der inneren

Zone Frankreichs aus und beschloß. über die betreffende Frage die

Mitglieder der Regierung zu vernehmen.

Corriere della Sera erläßt einen Aufruf zur Rekrutierung neuer Pflegerinnen und sagt: Nachdem die Eiteln und Schwachen zurückgetreten sind, blieb wenig zahlreiches Per⸗ sonal, das noch weiter zusammengeschmolzen ist, weil viele Damen nicht auf die gewohnte Sommerfrische verzichten wollten oder konn⸗ ten. Corriere beschwört daher die Sommerfrischlerinnen, ihre Ab⸗ wesenheit abzukürzen.

Laut Nowoje Wremja werden wehrpflichtige Russen, die sich nicht in Rußland gestellt haben, straffrei, wenn sie sich zum Dienst im französischen, englischen, italienischen und belgischen Heere oder bei der kanadischen Miliz melden.

Unter Erklärung ihrer Loyalität gegen ihr Adoptivvaterland vahm eine allgemeine deutsche Tagung in Newyork scharfe Resolutionen dagegen an, daß man England gestatte, das Völker⸗ recht zu verletzen, während gegenüber Deutschland Amerika drohe und sich unnachgiebig zeige.

Aus amerikanischen Blättern wird aus Washington gemel⸗ det: Kontreadmiral B. A. Fiske hat ein Patent für ein Luft⸗ torpedoboot erhalten, das imstande sein soll, Schiffe in be⸗ schützenden Häfen anzugreifen. Er hat den Plan, ein Riesen⸗ flugzeug mit einem Whitehead⸗Torpedo auszustatten. Das Flug⸗ zeug würde fünf Meilen von dem anzugreifenden Ziele niedergehen und den Torpedo ähnlich lancieren wie ein Zerstörer.

Der Torpedo

wird automatisch in Bewegung gesetzt und steuert mit einer Ge⸗ schwindigkeit von 40 Knoten auf das Ziel zu. Auf diese Weise glaubt man, Flotten in abgeschlossenen Häfen angreifen zu können.

Die Newyork Sun meldet aus Ottawa: Die Rekrutierung in Ostkanada hat neuerdings eine Ebbe zu verzeichnen. Man be⸗ kommt nur schwer Leute, um die zuletzt aufgestellten Bataillone Ja füllen. Ueberall sind nach englischer Art Plakate angeschlagen; sie haben aber kaum einen Erfolg aufzuweisen. Die führenden Blätter klagen bitter, daß die jungen Leute so wenig Lust zeigen, in der Armee Dienst zu nehmen.

Parteinachrichten.

Aus den Organisationen.

Der Wahlkreis Solingen hat seine bekannte ablehnende Stellung zur Fraktionspolitik einer nochmaligen Nachprüfung unter⸗ zogen. Sämtliche Funktionäre der Wahlkreisorganisation waren geladen. Der Abg. des Kreises, Genosse Scheidemann, begründete in 2 stündiger Rede und einem halbstündigen Schlußwort seinen Standpunkt. Genosse Limbertz⸗Essen sprach Stunden für die Annahme des Memorandums vom Bezirk Niederrhein, worin die Abkehr von der bisherigen Fraktionspolitik gefordert wird. In der folgenden dreistündigen Diskussion stellte sich nur ein Redner auf den Standpunkt der Fraktion. Das Memorandum wurde mit 3 gegen 10 Stimmen angenommen. Einige Genossen enthielten sich der Abstimmung.

Genosse Ernst Heilmann verwundet.

Wie ein Regimentskamerad des Genossen Heilmann der Re⸗ daktion der Chemnitzer Volksstimme meldete, ist beim Narew-Ueber⸗ gang in der Schlacht am 28. Juli Genosse Ernst Heilmann schwer, aber nicht lebensgefährlich verwundet worden: eine Kugel traf die untere Gesichtshälfte. Näheres ist noch nicht mitgeteilt worden. Ge⸗ nosse Heilmann wurde als zum ungedienten Landsturm gehörig, am 1. April eingezogen und beim 181. Infanterieregiment in Chemnitz ausgebildet. Mit seinen Redaktionskollegen Kuttner und Meyer kam er im Juni nach Flandern und im folgenden Monat mußte er nach Nußland, wo ihn nun die russische Kugel traf.

Unter Präventivzensur gestellt.

Das Mitteilungsblatt der Berliner Parteigenossen ist vom Oberkommando in den Marken unter Präventivzensur gestellt wor⸗ den. Das Mitteilungsblatt ist keine Zeitung, sondern dient nur der Information der Berliner Parteifunktionäre.

Arbeiterbewegung.

Kriegsopfer der Gewerkschaften.

Der Holzarbeiterverband hat wieder einen schweren Verlust er⸗ litten. Heinrich Buckendahl, der Hamburger Gauvorsteher des Verbandes, ist ann 6. Juli im Felde gestorben. Für den Fünfund⸗ vierzigjährigen waren die Strapazen des Feldzuges zu schwer. In einem Lazarett im Osten ist er erlegen. Gleich nach der Beendigung seiner Lehrzeit trat er der Organisation bei, der er treu diente bis ans Ende. In den Jahren 1893 und 1894 war er zweiter, in den folgenden Jahren erster Bevollmächtigter der Zahlstelle Köln. Da⸗ neben war er ein besonders rühriges Mitglied des Kölner Gewerk- schaftskartells und Mitbegründer des dortigen Arbeitersekretariats. Nicht minder regsam betätigte er sich parteipolitisch. So war er Mitglied der Preßkommission der Rheinischen Zeitung und gehörte dem Komitee des Oberrheinischen Agitationsbezirks an. Kurz, in ihm lebte seit seiner frühen Jugend der prächtige, bewundernswerte Geist der Vorkämpfer, deren ganzer Lebensinhalt dem selbstlosen Kampf für die Mitmenschen gewidmet ist. Am 1. Januar 1904 fiber⸗ nahm er die Leitung des Gaues Frankfurt a. M., den er acht Jahre hindurch mit Aufopferung verwaltete, bis er Anfang 1912 auf dringenden Wunsch des Verbands vorstandes die Leitung des Gaues Hamburg übernahm. Hier hat er bis zu seiner Einberufung mit rastlosem Eifer und peinlichster Pflichterfüllung weitergewirkt. Mit dem Holzarbeiterverband wird ihm die ganze Arbeiterbewegung ein ehrendes Andenken bewahren. 4

Auch nicht übel!

Aus Norddeutschland wird berichtet, daß dort in land wirtschaftlichen Kreisen für die Sommermonate die Wieder einführung desHirtenschulwesens verlangt wird. Die Kinder hätten danach frühmorgens im Felde zu arbeiten, dann hätten sie im Halbschlummer einen zwei- oder drei⸗ stündigen Schulunterricht abzusitzen und würden hierauf für den ganzen übrigen Tag bis zum Abend zur Aushilfe im landwirtschaftlichen Betriebe zur Verfügung stehen.

Da auch in unserer Gegend für eine derartige Ver wendung von Schulkindern bei» gewissen Stellen große Neigung vorhanden ist, so sei hier auf die Sache mit einigen Bemerkungen eingegangen. Ein solches Verfahren würde die Kinder körperlich und geistig schwer schädigen. Aber, ob es gleich unsinnig und gar nicht einmal nötig ist: viele Land

wirte gehen in ihren Forderungen weit darüber hinaus. So

wird in der Landw. Ztg. für Westf. und Lippe glatt verlangt ö Wenn uns die Mitarbeit unserer Kinder in dieser ver hängnisvollen Zeit von durchschlagendem Vorteil e 0 müßte für alle e ple im Alter von Jahren terricht vollständig ausfallen. 5 5 a a

5 in 18Allein in meinem Betriebe hätten im kom⸗ wenden Herbst für 1500 bis 2000 Mk. Steckrüben mehr erzielt werden können, wenn ich seit einigen Wochen meine und des Nachbarn Kinber zum Vorlegen der Pflanzen 1 ziehen nach Wunsch hätte mit beschäftigen können. In diesen Ausführungen steckt wahrlich zu schärfster Kritik... Umständen dieser Zeit darauf, festzustellen, daß

der Anreiz 5

die Schulbehörden weitgehende Vollmacht erhalten haben,

Schulkinder zu landwirtschaftlichen Arbeiten zu beurlauben, die Militärbehörden den Landwirten in der

entgegengekommen sind, e 7 Kriegsgefangene sozusagen gegen ein Butterbrot auch in kleinsten Trupps den Landwirten zur

werden,

weibliche Arbeitskräfte sast überall zu haben sind, wenn sie

gut entlohnt werden. 5 N

Guter Lohn, das ist die Voraussetzung! 1 fehlt's vielfach, obgleich die guten Ernteausfichten und die steigenden Preise eine Erhöhung der Gewinnungskosten durch⸗ aus zuließen.. 1

Kein Mensch mutet der Landwirtschaft zu, sich im Dienste der Volksversorgung für nichts und wieder nichts zu betätigen. Aber wenn man so sieht, wie das Bestreben waltet, gerade der Landwirtschaft in der allerpenibelsten Weise gerecht zu werden, ihreVerdienste um die Förderung der Volkswohlfahrt zu, vergrößern, üble Begleiterscheinungen ihrer Betätigung aber nach Möglichkeit zu entschuldigen, dann empfindet man die Forderung einer glatten Schließung der Volksschulen im Interesse der landwirtschaftlichen Unternehmer als etwas, Ungeheuerliches..

Die Kriegszeit entschuldigt manches. Aber die Bildung und Erziehung der neuen Generation als Gnen Quark zu behandeln, das entschuldigt sie nicht!

Heldenehrung.

Vom Rhein⸗Mainischen Verband für Volksbildung wird seit einiger Zeit für den Gedanken geworben, den gefallenen Helden in unseren Städten und Dörfern statt der üblichen Denkmäler Haine zu gründen, jedem Toten eine Eiche zu setzen als das Zeichen deutscher Volkskraft und diese Eichen um eine Friedenslinde als Mittelpunkt zu Hainen zu gruppieren.

Es ist ohne Zweifel, daß solcher Geoͤanke einem tieferen Empfinden weit mehr gerecht wird als das kalte Denkmal. Einem kalten, nüchternen Menschen mag man den kalten Stein zum Ge⸗ dächtnis geben, nicht aber paßt der Stein für ein warmes, lebendiges Herz, das der Krieg so jäh dem Leben entriß. Und solche Herzen werden uns da draußen in den Gefechten geraubt in großer Zahl. Hunderttausende von unseren Parteigenossen stehen ja als Soldaten im Felde, Hunderttausende, denen die Schule der Partei,

Idealismus ins Herz gepflanzt, einen tiesen Sinn für alles Schöne

und Edle, für Freiheit und Gerechtigkeit.

Will man solche Männer ehren, so muß man ein Gedächtnis schaffen, das ihrer geistigen und seelischen Veranlagung entspricht, so müssen unsere Städte Gedächtnis⸗Stiftungen ins Lehen rufen, Gedächtnis⸗Stiftungen für Arme und Waisen, für Witwen und Kinder, für Schönheit im Wohnen, für Volksbildung und Volks⸗ kunst. mit solchem Herzen würdig ist. 1

Man hat bei der Heldenehrung bis jetzt viel zu sehr vom Standpunkte des Durchschnittsmenschen gehandelt. So mancher Tote würde ohne Zweifel mitleidig lächeln, wenn er einmal sehen könnte, wie kleine Geister ihn zu ehren versucht haben. Will man

einen Toten ehren, so muß man so handeln, wie es seinem Fühlen 5

und Denken entsprechen würde. Und wenn auch für viele Tote vielleicht noch ein Denkmal aus Stein genügt, wir haben schon ge⸗ sagt, daß auch Tausende ihr Leben dahin geben, denen ein warmes Herz für das Volk in der Brust schlug und die man nur ehren kann dadurch, daß man dem Volle dient. solche Gedächtnisfürsorge wahrhaftig.

So viel Not und Elend

herrscht ja noch im Volke, daß von einer höheren Warte betrachtet 1 die Ausgaben von Summen für toten Stein geradezu unsitt⸗

lich sind.

err

Diethelm von Buchenberg.

Erzählung von Bertold Auerbach. 44

Mit einem erhabenen Heldengefühl legte sich Diethelm abermals zum Morgenschlaf nieder. Als die Stadtzinkenisten wieder bliesen, suchte er sich zu bereden, daß das eine Musik zu seiner Unterhaltung sei, und pfiff unausgesetzt ihre Melodien nach.

Diethelm glaubte schon am heutigen Tage freigelassen zu werden, aber vergebens. Er wurde nachmittags noch einmal zum Verhör geführt. Der Trompeter hatte richtig sein Stücklein getreu gespielt, aber es war doch ein Ton darin, der Diethelm noch viel zu schaffen machte, nämlich die Kunde von seinem heftigen Weinen bei der Nachricht vom Tode der Stieftochter und seine rasche, unmotivierte Umkehr. Diet⸗ helm hatte hieran wohl gedacht und hätte dem Vetter gern Weisung gegeben, aber er wußte nicht, wie er das verdachts⸗ los bewerkstelligen sollte, und hoffte auch, daß davon gar keine Rede sein würde. Anfangs schwankend, dann aber immer sicherer erklärte Diethelm, daß er den Tod seiner Stieftochter nicht so bald erwartet habe und nun heimgeeilt sei, um seine Frau nicht ganz allein zu lassen und die Fränz später holen zu lassen. Befragt, warum er dann nicht nach dem Kohlenhof gefahren sei, erklärte er zuerst, er habe sich das nicht so klar gemacht, er sei vom Schreck zu sehr ergriffen gewesen; dann aber setzte er hinzu, er habe erwartet, seine Frau sei gleich nach dem Tode heimgekehrt und er habe sie dort trösten wollen. Weiter befragt, wie es komme, daß der Tod seiner Stief tochter ihn so furchtbar ergreife, sah er eine Weile scheu vor sich nieder, dann erhob er sein Antlitz und sagte:Ich hätt' nicht geglaubt, daß man mich das fragen darf, aber ich seh' schon, wer einmal, und sei er noch so unschuldig, im Verdacht steht, muß auf alles antworten. Nun denn, so sei's... Er atmete tief auf und fuhr dann fort:So wisset denn. ich hab' vor zweiundzwanzig Jahren mein' Stieftochter gern

gehabt und hab' sie heiraten wollen, aber mein' Frau hat's nicht zugeben und hat mich lieber selbst genommen.

Eine Pause entstand, der Aktuar schrieb, und der Richter, betroffen von dem schmerzvollen Ton Diethelms, hielt eine Weile mit Fragen inne. Diethelm aber fühlte einen inneren Schreck, als ob man ihm ein Stück aus dem Herzen reiße, es deuchte ihn, als schände er seine Hausehre und alle Scham⸗ haftigkeit, da er auch dies dem Protokoll anvertraute; er hatte so sorglich seine Hausehre gewahrt, und jetzt hatte er sie preis gegeben und noch dazu mit einer gräßlichen Lüge, denn die Kohlenbäuerin war schon seit 7 nicht mehr für ihn auf der Welt. Diethelm fühlte jetzt zum ersten Male, wie das Verbrechen keinen reinen Fleck an dem Menschen läßt, wie es alles mit sich hinabzerrt; er erhob den Blick lange nicht, es war ihm, als stände seine Frau vor ihm, und er könnte sie nicht anschauen. Hätte er erst gewußt, daß er sie auf dem selben Stuhle verriet, auf dem sie ihm zuliebe ihr Gewissen geopfert!

Das tut mir am wehesten, daß ich das hab' sagen müssen, rief er endlich mit schmerzlichstem Tone. Der Richter beruhigte ihn, daß das niemand erführe, er war aber Inquirent genug, die weiche Stimmung Diethelms zu be nutzen, und mit veränderten Fragen noch einmal das ganze Verhör von vorn zu beginnen. Schlag auf Schlag gingen die Fragen.

Der alte Schäferle war diesen Vormittag auch wieder im Verhör gewesen, und im Schmerze um den Tod seines Sohnes, den er rächen zu müssen glaubte, hatte er sich kein Gewissen daraus macht, seinen Aussagen eine noch entschiedenere Fassung zu geben, und daß Medard geradezu die Woche be zeichnet, die Diethelm ausdrücklich zur Brandstiftung fest⸗ gesetzt habe, wenn es ihm gelänge, seine Frau aus dem Hause zu bringen. Der alte Schäferle hoffte, daß es vielleicht ge⸗ lingen werde, Diethelm zu einem Geständnis zu überrumpeln, wenn man ihm bestimmte Tatsachen vorhielt, und gleiches er⸗ wartete auch der Richter. Diethelm merkte bald, was vor⸗

ging, und war wiederum schnell gewaffnet und berief sich in

den meisten Antworten einfach auf seine gestrigen Aussagen. 4

Nicht mehr stolz, innerlich geknickt, saß Diethelm in seinem Gefängnis; er merkte wohl, daß sich ein Punkt aufgetan, von dem er in den Grund gestürzt werden konnte. Jetzt bat er den jungen Kübler, der in der Wartung der Gefangenen seinem Vater beistand, ihm noch eine Unterredung mit dem Waldhornwirt zu verschaffen; aber der junge Kübler war dessen eingedenk, wie Diethelm ihn mit Undank angefahren und sogar gedroht hatte, ihn zu verraten; er blieb trotz aller Schmeichelworte unerbittlich, und Diethelm, dessen Furcht vor einem Mitwisser noch größer war als die vor dem Gericht, fand sich endlich drein, alles geschehen zu lassen, wie es sich von selbst machte, ja, es gab Zeiten, in denen er so zerknirscht war, daß er die Entdeckung wünschte, nur um dieser schweben⸗ den Qual enthoben zu werden. So zerknirscht er aber auch in der Einsamkeit des Gefängnisses war, so kampfgerüstet und fest erschien er jedesmal vor dem Richter; schon die Stimme desselben erweckte ihn zu Mut und Trotz, und bald zeigte sich, daß die ursächlichen Verbindungen zwischen allem Geschehenen nur ihm klar waren, den anderen zerfiel all zusammenhanglos. 1

Dies stellte sich besonders heraus, als der Amtsverweser die Fortführung der Untersuchung dem neu bestallten Richter übergab. Man hatte geglaubt, daß ein neuer, in Kriminal- sachen gewiegter Mann Diethelm verblüffen und verwirre würde; aber gerade das Gegenteil war eingetreten; de fremden Mann gegenüber, der ihn nie weich gesehen hatt fühlte sich Diethelm doppelt stark, und bei manchen Frage zeigte Diethelm sein Uebergewicht, indem er sagte: das hal ich im Protokoll von dem und dem Datum schon angeg seine Gewandtheit inn Kopfrechnen kam ihm jetzt in and Weise zustatten. Diethelm dachte an gar nichts mehr al Verhör, er wendete es nach allen Seiten, und wenn.

wortete, sprudelte er die Worte so sicher her sie vor ihm geschrieben. N .

und Pflanzen⸗

Aber wir beschränken uns unter den, 1

Beurlaubung von eingezogenen landwirtschaftlichen Arbeitskräften sehr weit g

Verfügung gestellt,

Das ist die einzige Gedächtnisehrung, die solcher Männer

Und nötig hat das Volk

Aber daran 1

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