Beilage zur Ober
Gießen, Samstag, den 7. August 1915.
mern
Hessen und Nachbargebiete.
Sießen und Umgebung. Die Witwe.
Wir sitzen in des Abteils schwüler Enge
8 untereinander fremd und unbekannt, Schachteln und Koffer schaukeln im Gehänge, das sich ob unsern müden Köpfen spannt. Hinbraust der Zug— die meisten Leute schwätzen von dieses Krieges Segnungen und Not: Unsinn und Klugheit kollert von den Plätzen und schlägt den Schlaf gar mancher Augen tot.
Nur gegenüber meinem Blick sitzt stille
ein junges Weib in einem schwarzen Kleid,
sie ist ein tief in sich versunk ner Wille,
ein armer Stein im schwarzen Brunnen Leid.
In ihrer Augen trüberstarrtem Grunde
sitzt Sehnsucht nach dem Tode erust und grau.
Mir unbewußt entfährt es meinem Munde:
Nicht wahr, du bist sehr müde, arme Frau? Alfons Petzold.
Landtag und Lebensmittelversorgung. Dritte Sitzung des Kriegsausschusses der Zweiten Kammer der Landstände.
Darmstadt, den 4. August 1915.
In der Mittwochsitzung des Kriegsausschusses der Zweiten Kammer der Landstände wurde die Debatte über die Frage der Versorgung der Bevölkerung mit Kartoffeln fortgesetzt. Man einigte sich schließlich auf folgenden vom Abg. Molthan eingebrachten Antrag:
Die Regierung zu ersuchen,
1. im Bundesrat dahin zu wirken, daß mit der Einbringung der neuen Kartoffelernte für das ganze Reich nach Art der Kartoffeln abgestufte Höchstpreise für Produktion und Handel mit dem Recht der Enteignung eingeführt
werden, um die Volksernährung auf diesem wichtigen
Gebiet zu sichern und insbesondere übermäßige Zwischen⸗
gewinne zu verhindern;
2. die Stadtverwaltungen und Kommunalverbände zu ver— anlassen, sich auf diesem Gebiet der Volksernährung durch geeignete Vermittlung zu betätigen.
Neben einem den gleichen Gegenstand betreffenden An- trag Henrich wurde auch folgender Antrag Ulrich der Regierung als Material überwiesen:
Die Regierung zu ersuchen, dahin zu wirken, daß die Feststellung der Höchstpreise für Kartoffeln sowohl beim Verkauf seitens der Produzenten, als auch für den Groß— und Kleinhandel möglichst frühzeitig erfolgt, jeden⸗ falls vor dem Abschluß der Erhebungen über das gesamte Ernteergebnis.
Gleichzeitig wolle die Regierung nach Feststellung des Ernteergebnisses den Kommunalverbänden erforderlichen— falls das Recht der Enteignung bezw. der Beschlagnahme sichern.
Eine längere Debatte knüpfte sich an diesen Antrag Korell⸗Ingelheim über die Erhebungen über die Erzeugung von Kartoffeln, Obst und Gemüse: Um einen allgemeinen Ueberblick über den Ausfall der Ernte an Kartoffeln, Obst und Gemüse zu gewinnen und durch Bekanntgabe des Er— gebnisses ebensowohl ungesunden Preistreibereien wie auch etwaigen unbegründeten Vorwürfen gegen die Produzenten entgegenzuwirken, beantragen wir, Großh. Regierung zu ersuchen:
1. Zu dem frühest möglichen Zeitpunkte Erhebungen über den Ausfall der Ernte im allgemeinen an Kartoffeln, an den verschiedener marktgängigen Obst⸗ und Gemüsearten anzustellen, und das Ergebnis öffentlich bekannt zu geben,— in ähnlicher Weise, wie bisher die Saatenstandsermittelungen vorgenommen worden sind; zu veranlassen, daß die offiziellen Marktpreise der Obst⸗ und Gemüse⸗Großmärkte des Landes und der benach— barten Landesteile in den im Großherzogtum er— scheinenden Tageszeitungen regelmäßig bekannt gegeben werden; in denjenigen Landesteilen, in denen regelmäßig be— stimmte Obst⸗ und Gemüsearten in größerer Menge für den Verkauf produziert werden, eine Bestandsaufnahme der zum Verkauf verfügbaren Mengen vorzunehmen und das Ergebnis den Gemeinden zur Kenntnis zu bringen, die sich mit der Beschaffung und Verteilung von Obst und Gemüse für ihre Einwohnerschaft be— fassen.
Mit diesem Antrage wird beabsichtigt, einen Ueberblick
über die Ernteergebnisse und über die Marktlage zu ver⸗ schaffen, falschen, zu unlauteren Machenschaften bestimmten
Nachrichten den Boden zu entziehen und dem Verbraucher den Weg zum möglichst direkten Verkehr mit dem Erzeuger zu zeigen.
Bei der Begründung dieses Antrags wies der Antrag⸗ steller die in der Presse erhobenen Vorwürfe gegen die Obst⸗ und Gemüseproduzenten wegen der hohen Marktpreise zurück.
8
Er führte die auffälligen Preissteigerungen auf die große
Nachfrage einesteils und andernteils auf Mißstände im Zwischenhandel zurück. Zur Herbeiführung einer größeren Uebersichtlichkeit des Marktes und damit einer gesünderen Preisbildung forderte er amtliche Mitteilungen über die Er⸗ gebnisse der Obst⸗ und Gemüseernte, Veröffentlichung der Marktberichte und besondere marktpolizeiliche Vorschriften. In der Debatte wurden die auf verschiedenen städtischen
Märkten hervorgetretenen Mißstände und deren Ursachen be⸗ sprochen und Maßnahmen zur Verhütung derselben vorge⸗
chlagen. Die Regierung hält zur Zeit amtliche Erhebungen über die Gemüse- und Obsternte für undurchführbar, weil sowohl die Kreisämter wie auch die Bürgermeistereien mit wichtigen und dringenden Arbeiten derart überhäuft seien, daß diesen Behörden weitere umfangreiche Arbeiten nicht zu⸗ gedacht werden könnten. Es müsse auf die Mitteilungen der Obstverwertungsstelle Frankfurt a. M. verwiesen werden, die sowohl zuverlässige Preistabellen als auch Vorratsanzeigen auch aus hessischen Bezirken enthielten. Gegen unreelle Preis- treibereien könne jetzt schon auf Grund bestehender Verord— nungen nachdrücklich eingeschritten werden.
Bei der Besprechung der mißlichen Lage des Petro⸗ leummarktes und der damit zusammenhängenden Schtbierigkeiten bei der Versorgung der Bevölkerung mit Petroleum gab der Regierungsvertreter eingehende Er⸗ klärungen über den bestehenden Mangel an Petroleum und seine Ursachen und versprach auf die Anregung eines Ab⸗ geordneten hin, die unteren Verwaltungsbehörden anzu⸗ weisen, auf Erleichterungen bei Installationen von Gas und elektrischem Licht nach Möglichkeit hinzuwirken.
Zum Schlusse wurde von einigen Abgeordneten angeregt, bei Ausführung der Verordnung über die Brotversorgung auch diejenigen Getreideproduzenten als Selbstversorger gelten zu lassen, welche geringere Getreidemengen als in 8 6 der Verordnung vom 8. Juli 1915 vorgesehen, erzeugten. Die von der Regierung dort getroffene Bestimmung, daß nur diejenigen als Selbstversorger gelten, deren Vorräte an Brot⸗ getreide und Mehl zu ihrer Versorgung und derjenigen der im§ 6 Abs. 1a der Reichsverordnung weiter aufgeführten Personen ausreichen, bedeute aus praktischen und sozialen Gründen eine Härte, besonders für ländliche kinderreiche Ar⸗ beiterfamilien. Auch die Bestimmung, daß Selbstverbraucher immer nur für einen Monat Vorrat mahlen lassen dürfen, sei unpraktisch. Der Regierungsvertreter wies auf die schweren Bedenken hin, welche gegen die Vermehrung der Selbstversorger bestünden. Die bestehende Einschränkung sei konform der Bestimmungen in Baden und in der Rhein⸗ provinz getroffen und schließe eine verhältnismäßig nur geringe Zahl von Getreideproduzenten als Selbstversorger aus. Die Anordnung, daß immer nur für einen Monat Vor⸗ rat ausgemahlen werden dürfe, sei von den Kommunalver— bänden getroffen. Die Regierung werde im übrigen die vor⸗ getragenen Wünsche noch einmal einer Prüfung unterziehen.
Sodann wurde über den Antrag betreffend die Be— teuerung der Kriegsgewinne verhandelt. Nach eingehender Begründung des Antrags, bei welcher auch auf die bestehenden Schwierigkeiten hingewiesen wurde, welche die steuerliche Er— fassung der Kriegsgewinne mit sich brächte, erwiderte der Re⸗ gierungsvertreter, daß die Frage der Besteuerung der Kriegsgewinne schon im Frühjahr im hessischen Land⸗ tage besprochen worden sei. Inzwischen habe sich auch die Oeffentlichkeit mit der Frage beschäftigt, eine reiche Literatur sei bereits über die Frage entstanden. Nach einer Mitteilung der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung vom 10. Juli habe sich auch der Bundesrat in einer Sitzung mit der gleichen Frage beschäftigt, man habe dort anerkannt, daß eine solche Besteuerung nur von Reichswegen erfolgen könne. Man dürfe aus dieser Andeutung den Schluß ziehen, daß das Reich zu geeigneter Zeit von der Besteuerungsmöglichkeit Gebrauch machen werde. Die Regierung sehe in dem vorliegenden An— trag den Beweis dafür, daß auch der hessische Landtag der Besteuerung der Kriegsgewinne sympathisch gegenüberstehe.
In der nächsten Sitzung am Freitag den 13. August soll über den Antrag Korell(Ingelheim) beschlossen werden.
3— Ein Jahr deutsche Feldpost.
Man hat die Organisation und die Leistungen der deutschen Feldpost von 1870/1 als mustergültig bezeichnet. 104 Millionen Briefe hat die Feldpost damals vom 15. Juli 1870 bis Ende März 1871 befördert. So etwas war noch nicht dagewesen und die Feld- post durfte mit Recht stolz darauf sein. Und was leistet unsre jetzige Feldpost? Nahezu 15½ Millionen Briefe werden täglich von ihr verarbeitet. Das ist das 35fache dessen, was die Feldpost von 1870/71 täglich geschafft hat. Damals gab es 2300 Feldpostbeamte. Jetzt sind es 5400, also knapp 2% mal mehr. Wenn diese dabei in einer
Woche das leisten, was jene in 8½ Monaten bewältigt haben, so hat
man wohl auch im jetzigen Kriege Anlaß, mit der Organisation der deutschen Feldpost zufrieden zu sein.
Nach der Front sind aus dem Deutschen Reich durch Vermitt⸗ lung der heimischen Feldpostsammelstellen von August 1914 bis Ende Juli 1915 etwa 2,4 Milliarden Feldpostbriefe befördert worden. Da außerdem etwa 1,6 Millarden Feldpostbriese im Felde aufgeliefert worden sind, umfaßt die gesamte Beförderungsleistung der deutschen Feldpost bis jetzt etwa 4 Milliarden Briefe. Bei den 23 heimischen Postsammelstellen ist das Personal seit Mitte August 1914 von 3100 Köpfen auf 13⸗ bis 14000 angewachsen. Die Menge der täglich ins Feld gehenden Feldpostbriefsäcke, die im vorigen Dezember bei Ab⸗ besörderung der Weihnachts⸗Feldpost mit 29000 Stück den Höhe- punkt erreicht hatte, stellt sich gegenwärtig auf 45000. Dies bedeutet eine Belastung der Feldpostbeförderungsmittel, zu denen u. a. 800 Feldpostkraftwagen gehören, mit 1% Millionen Kilogvamm Brief⸗ post täglich.
Nicht wenig haben zu der dauernd gesteigerten Benutzung der deutschen Feldposteinrichtungen, wie sie in andern kriegführenden Ländern auch nicht annähernd zu verzeichnen ist, die mannigfachen, seit Kriegsbeginn getroffenen Verbehrsverbesserungen beigetragen. Durch die Aufang Oktober v. J. erfolgte Ausgabe eines besondern Merkblatts für Feldpostsendungen ist es den weitesten Kveisen des Publikums möglich geworden, sich über alle einschlägigen Fragen zuverlässig zu unterrichten. Gleichen Zwecken in Verbindung mit praktischer Unterweisung dienen die Kriegsschreibstuben und privaten Feldpostverpackungsstellen. Ihre Zahl ist allein seit Januar von 3000 auf etwa 8000 gestiagen. Hierdurch ist erfreulicherweise eine Abminderung der vielen um richtig adressierten und mangelhaft verpackten Feldpostbriese erreicht worden. Frei⸗ lich bommen noch immer täglich 150000 solcher Sendungen im der Heimat auf. Bei mehr als zwei Dritteln davon gelingt es den Be⸗ mühungen der Feldpostsammelstellen, ihnen den Weg zu weisen, der vermutlich zum Ziele führt. Und auch noch im Felde selbst scheut die Post keine Arbeit, um„ranke“ Briefe wenn ärgend möglich gu heilen, damit sie den Empfänger erreichen.— l
5* 1
hessischen Volkszeitung Nr. 183
Zum Lebensmittelwucher noch det Kohlenwucher?
Unlängst hat das Rheinisch⸗Westfälische Kohlensyndika! seine Preise um 1 bis 2 Mark wieder erhöht, obwohl Ende 1914 schon eine durchschnittliche Erhöhung von 2 Mark für Kohlen und Briketts beschlossen worden war. Jetzt versucht nun in der Voss. Ztg. eine Zuschrift„aus den Kreisen der Kohlenindustriellen“ diese außergewöhnliche Kohlenpreis⸗ steigerung zu rechtfertigen, offenbar nur zu dem Zweck, um noch eine weitere Preissteigerung vorzubereiten.
Da sollen nun an der Verteuerung der Kohlen schuld sein die höheren Löhne der Arbeiter und Beamten, die geringere Ausbeute bei der Beschäftigung von Kriegs⸗ gefangenen, die man an Stelle der eingezogenen Arbeiter einstellen müsse und die Preissteigerung für Betriebs materialien wie Oele, Schienen usw. Zugegeben, daß der Produktion höhere Kosten aus den angeführten Gründen erwachsen, so muß doch die erste Preissteigerung schon erheb⸗ lich genug gewesen sein, diese höheren Kosten nicht nur Wett zu machen, sondern noch ganz erkleckliche Ueberschüsse zu bringen.
Die Zuschrift„aus den Kreisen der Kohlenindustriellen“ muß selbst zugestehen, daß einzelne Kohlenwerke im Kriegs⸗ jahre höhere Leistungen haben als im Jahre zuvor, und daß einzelne Gesellschaften ihren Aktionären„recht gute Jahres ⸗ bilanzen“ vorzulegen vermochten. Die Zuschrift sucht nach allerhand Gründen, diese gestiegenen Gewinne zu erklären und führt dabei u. a. an, daß die vorhandenen Läger verladen worden seien, was allein bei der einzelnen Gesellschaft einen Gewinn von 1 Million und mehr ausmache. Die vorhandenen Läger sind aber natürlich in früherer Zeit aufgefüllt worden und wenn man sie nicht in das Gewinnkonto einstellte, so hat man nur den früheren Gewinn verschleiert, der jetzt umso schärfer in Erscheinung tritt.
Wo soll unter solchen Umständen die Berechtigung zu neuen Preisaufschlägen herkommen? Und daß solche in Aus⸗ sicht stehen, geht aus dem Schlußsatz der Zuschrift hervor, der besagt: Man dürfe sich also nicht wundern, wenn die Gruben etwa genötigt wären, ihre Preise noch weiter hinaufzusetzen.
Das ist nicht mißzuverstehen! Das Volk wird sich also rüsten müssen, auch noch den Kampf gegen den Kohlenwucher aufzunehmen.
Eine gesinnungstüchtige Trödelbude.
Wie einmal das abschließende Urteil des Kulturhistorikers über den großen Weltkrieg von 1914 lauten wird, das läßt sich heute schwer sagen. Mit etwas mehr Wahrscheinlichkeit kann man sich vorstellen, wie die Kulturgeschichte dermaleinst über die Leute urteilen wird, die jetzt im Felde stehen. Ihre persönlich⸗mensch⸗ lichen und soldatischen Eigenschaften, ihr Mut und ihre Ausdauer werden wahrscheinlich auch vor den kritischen Augen des zukünf⸗ tigen Historikers standhalten, dessen Urteil von den Strömungen und der seelischen Atmosphäre der Kriegszeit nicht mehr beeinflußt ist. Schlechter werden aber— das ist schon heute keine Frage mehr— in dem Urteile der späteren Kulturmenschheit die Daheim⸗ gebliebenen dastehen. Eine Fundgrube werden für das Urteil des zukünftigen Kulturforschers vornehmlich die Inseratenteile mancher Zeitungen bilden. Wir haben uns wiederholt veranlaßt gesehen, solche papierene Zeugen menschlicher Irrungen ans Tages⸗ licht der Kritik zu ziehen in der Hoffnung, bei dem großen Werke der Gewissenserweckung dieser Zeitgenossen unser bescheiden Teil beizutragen. Wir wollen es auch heute wieder tun. Unserem Bruderblatt, der Remscheider Arbeiter-Zeitung, brachte dieser Tage eine Frau, die keine Sozialdemokratin ist, die aber am Kampfe gegen Unkultur und Ungeschmack mit der Genugtuung einer feinen Seele teilnimmt, folgenden Ausschnitt aus dem Inseratenteil eines
vielgelesenen rheinischen Blattes: 5
Echwarz⸗weiß⸗rot mit Eisernen Kreuz. Echt Porzellan
Ober⸗ und Untertassen Abendbrotteller„Festonn?n?n? großer durchbroch. Korb oder Teller Hindenburg- oder Kaiserbild Kompott⸗Service. besteht aus 1
95 mit 5 großen u. 6 kleinen Schüsseln oder Tellern.. 9
—
Frühstücks⸗Service, ß5⸗teilig m. 2 Tassen Stück Milchtöpfe im Satz, extragroß. Kinder-Eßservice, steilig, dekoriert. 95 3 Herr Lehmann trinkt also jetzt seinen Kaffee aus einer Schale mit dem Eisernen Kreuz. Anders schmeckt ihm das braune Ge⸗ bräu aus der häuslichen Küche nicht mehr. Nein, er tuts nicht anders! Die Tasse mit dem Eisernen Kreuz muß es sein! In keine andere taucht Herr Lehmann seinen Schnurrbart, nebenbei das einzige Kriegerische, das an ihm ist! Und ein schweres Millionenkreuzbombenelement fährt in das vom Geiste der Zeit weniger berührte Dienstmädchen, wenn es Herrn Lehmann eine Tasse ohne das Eiserne hinstellt. Herr Lehmann weiß, was er seiner Zeit schuldig ist. Auch der Milchtopf und der Abendbrotteller, deren sich Lehmann bedient, müssen das Kreuz tragen. Hat er doch gleich seine Gemahlin mobil gemacht, als er die Annonce gelesen.
Denn das ist ja das Schlimme an der Sache: die Sachen wer- den nicht nur angeboten, sie werden auch gekauft. So zieht jetzt dieser entsetzliche Schund in viele deutsche Häuser ein und treibt dort ein höllisches Unwesen von Geschmackverirrung, macht die Küche, die bisher in vielen Häusern der einzige Raum war, der sich von Geschmacklosigkeiten freihielt, zu einem wahren Museum von Undingen. Daß der Kaufmann, der in solchen Erzeugnissen ledig lich die Sache sieht, mit der er sein Lager und seine Auslagen be⸗ reichern kann, die Dinge anbietet, kann ihm nicht allzuscharf zum Vorwurf gemacht werden. Aber die Sachen werden gekauft und zeugen in deutschen Häusern von der Kleinheit der Geister, von einem geradezu beschämenden Mangel an geistiger und kritischer Haltung und von einer entmutigenden Unfähigkeit zur Einschätz⸗ ung der Dinge und ihres Ideengehaltes!
6 95
Reichbaltigeß Lager in hren, Gold- und Silberwaren. Lieferaut des Konsum- Vereins Gießen u. Umg. und des Eten bahn ⸗Konsumpereins.
V. Kaninka, Giese Marktplatz ll. nhrmcher unde Goldach.
—


