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— Gegen die Preistreibereien im Klein handel wird aun endlich auch mit behördlichen Maßnahmen vorgegangen. Man wird sehen, mit welchem Erfolge. Sollen die Maß⸗ nahmen Wirkung haben, so muß das kaufende Publikum sie unterstützen und nicht ein Verhalten zeigen, das womöglich preistreibend wirkt. Denn es ist bekannt, daß die Preisbildung nicht allein von dem Willen der Verkäufer ab⸗ hängt, sondern vor allem von Angebot und Nachfrage. Nun ist es vorgekommen, daß die Hausfrauen in der Befürchtung, nichts mehr von einer gewünschten Ware zu bekommen, sich mit Macht auf diese stürzten und sie trotz hoher Preise auf⸗ kauften. Natürlich mußte das preissteigernd wirken, was im Laufe dieses Jahres schon öfter zu beobachten war. Trotz des unerhörten Preises der Eier gibt es Frauen, welche erheb—
5 liche Mengen eingekauft haben und sich aufheben. In einem
ö rheinischen Parteiblatt erzählt ein Mann, daß seine Frau, die 10 sonst nie Eier aufbewahre, jetzt einen Vorrat von 400 Stück angelegt habe. Er wisse, daß seine näheren Bekannten, die in einem kleinen Stadtteil wohnen, zusammen etwa 20 000 Stück auf Vorrat liegen hätten. Es ist wie eine Krankheit, sagt der Mann ganz richtig. Die eine Frau erzählt der lieben Nachbarin, daß sie sich mit Eiern versorgt habe. Die Nach— 100 barsfrau weiß nichts Eiligeres zu tun, als auch in solcher 0 Weise für einen Eiervorrat zu sorgen und womöglich einer
anderen Frau zu erzählen, was sie getan habe. Wenn nun in der ganzen Stadt eine solche Eiersucht herrscht, dann kann man begreifen, daß die Eier allmählich rarer werden, denn der
4 angehäufte Vorrat verschwindet aus dem Verkehr. Und wem
haben wir das zu verdanken? Nur der Unvernunft unserer
Frauen! Es ist dasselbe Spiel, was wir bei anderen Lebens—
mitteln schon erlebt haben. Leider sind die armen Leute
dabei am übelsten dran, denn sie müssen dann die in die Höhe
10 getriebenen Preise zahlen, wenn sie überhaupt etwas Ware
0 haben wollen. Hier handelt es sich natürlich nicht um un⸗
0 bemittelte Leute, die können nicht soviel Geld ausgeben. Wir
haben aber auch erlebt, daß beispielsweise Zucker in letzter
Zeit in ganz gewaltigen Mengen eingekauft wurde— auch
von geringbemittelten Frauen—, wodurch eine Preis—
steigerung herbeigeführt oder mindestens begünstigt wurde.—
Es sollte daher jede Frau mit dem Einkauf nach Möglichkeit
zurückhalten, wenn zu hohe Preise gefordert werden.
— Der Badebetrieb in der Lahn hat in den letzten Wochen orheblich nachgelassen, eine Folge der kühlen Witterung. Ob⸗ wohl wir uns gegenwärtig noch in den„Hundstagen“ be— finden, welche als die heißesten des ganzen Jahres gelten, brachten eine Reihe Nächte eine ganz außergewöhnliche Kühle und auch am Tage war es nicht sehr sommerlich, so daß es vielen zum Baden im Flusse zu kalt war. Die Wasserwärme betrug meistens nur 12—14 Grad. Hoffentlich hat der Sommer noch nicht Abschied genommen.
— Beflaggte Häuser. Anläßlich der Einnahme von Warschau sah man zahlreiche Flaggen in den Straßen der Stadt. Selbstverständlich haben auch die öffentlichen Ge⸗ bäude die Fahnen herausgehängt, wie man überhaupt von seiten verschiedener Behörden Wert darauf zu legen scheint, daß bei derartigen Anlässen geflaggt wird. Trotz dieser
0 äußerlichen Zeichen der Freude kommt aber wirkliche Be— geisterung nicht auf. Man hat den Krieg und seine Folgen herzlich satt und wohl jeder würde es hundertmal lieber hören, wenn eines Tages die Nachricht käme, daß der Frieden
Rin naher Aussicht wäre, als wenn mitgeteilt wird, daß diese oder jene Festung gefallen ist. Man denkt an die Opfer, die ein derartiger Erfolg auch uns kostet und das stimmt die Freude ganz bedeutend herab. Der Wunsch nach Schluß des Krieges beseelt alle Kreise der Bevölkerung ohne Unterschied und ist zweifellos bei unseren Gegnern noch viel stärker vor— handen als bei uns.
L Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Reservist Heinrich Schneller aus Gießen, Inf. Reg. 223. — Reservist Louis Fuchs aus Feldkrücken bei Schotten, Res.⸗Inf.⸗Reg. 118.— Musketier Konrad Scherpf aus Burgbracht, Inf.⸗Reg. 168.— Freiwilliger Paul Röhrig aus Wetzlar, Inf.⸗Reg. 253.
Die Kriegsfürsorge auf dem Lande. Wir haben kürzlich an dieser Stelle ausgeführt, daß die Fürsorge für die Krieger⸗ familien in den Landgemeinden oft noch viel zu wünschen übrig läßt. Die kommunalen Zusatzunterstützungen sind meistens nur sehr gering und in manchen Gemeinden gibt es überhaupt keine, und auch bei Gewährung der Reichsunter— stützung wird der Begriff der Bedürftigkeit in der Regel sehr eng gezogen. So ist uns ein Fall— irren wir nicht aus Klein⸗Umstadt— mitgeteilt worden, wo die Familie eines Vaters von 8 Kindern, der bereits seit Beginn des Krieges eingezogen ist, von Beruf Kleinbauer, keine Reichsunter— stützung bekommt, weil die Kommission des Lieferungsver— f bandes(Kreis Dieburg) die Bedürftigkeit mit der Begründung
9923 abgelehnt hat, der Mann habe ein Vermögen von 14000 Mk.,
das ist nämlich der taxierte Wert seines Besitztums. Um all
diesen Uebelständen abzuhelfen, hat nunmehr die sozialdemo⸗ kratische Fraktion durch die Genossen Ulrich und Raab bei der Zweiten Kammer den Antrag gestellt, die Staatsregierung zu ersuchen, daß durch Einwirkung der Kreisämter in den
Landgemeinden den bedürftigen Kriegerfamilien eine einiger⸗
maßen hinreichende Kriegsbeihilfe gewährt wird, wobei ins⸗
besondere der Begriff der Dürftigkeit nicht zu eng gezogen werden darf. Ferner ist bei der Zweiten Kammer ein
Zentrumsantrag Schmitt und Genossen eingegangen, wonach
die Staatsregierung ersucht wird, dahin zu wirken, daß die
den bedürftigen Kriegerfamilien von Reichswegen zustehenden
Mindestunterstützungen möglichst rasch der Verteuerung der
1 Lebensunterhaltung entsprechend erhöht werden.
0 Mehr Achtung vor den Kriegsfürsorgehelfern. Die Fälle, 9 in denen die nunmehr schon seit einem langen Jahre ohne jeden Pfennig Bezahlung ehrenamtlich in der Kriegsfürsorge tätigen Frauen und Männer von Pfleglingen der Kriegs⸗ fürsorge oder bei der Ausgabe von Brotscheinen in schlimmster
Weise beleidigt und beschimpft oder gar tätlich angegriffen
werden, mehren sich in bedauerlicher Weise, so daß die städtische
Verwaltung bereits in einigen Fällen sich leider gezwungen
gesehen hat, zum Schutze ihrer Mitarbeiter und Mitarbeiter⸗
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innen Strafankräge zu stellen. Die Bestrafungen sind in solchen Fällen recht empfindliche. Wir meinen deshalb, die in den Kriegsfürsorgestellen oder bei den Brotscheinausgaben vorsprechenden Personen sollten sich mehr im Zaume halten und ihre ebenso kränkenden wie törichten Schimpfereien unter⸗ lassen. Sie schaden nur sich und ihren Familien und anderer— seits verleiden sie den ehrenamtlich Tätigen ihre Arbeit so, daß diese es satt bekommen, sich fortgesetzt beschimpfen zu lassen; die städtische Verwaltung weiß kaum noch, wo sie die nötigen Helfer und Helferinnen herbekommen soll. Man möge doch immer wieder bedenken, daß die in der Kriegs— fürsorge tätigen Frauen und Männer ohne jeden persönlichen Vorteil, sogar unter Aufwendung eigener Kosten ihr schwieriges Amt aus reiner Hilfsbereitschaft versehen, Mühen und Zeit opfern und dafür Dank verdienen, den sie gar nicht wollen, nicht aber Beleidigungen und Beschimpfungen.
— Errichtung von Kriegerheimstätten erstrebt ein Ausschuß, der sich in Berlin, Lessingstraße 11, aufgetan hat. Er agitiert für ein Reichsgesetz, durch das den heimkehrenden Kriegern die Möglichkeit gegeben werden soll, mit öffentlicher Hilfe im Reiche oder seinen Kolonien eine Heimstätte zu erwerben, sei es zum Zwecke ländlicher oder gärtunerischer Siedlung, sei es zum Erwerb eines 2 zohnheims. Die Heimstätten sollen billig, unverschuldbar und unverlierbar seim. Damit auch Unbemittelten die Möglichkeit der Ansiedlung gegeben wird, soll der Boden ncht gegen Bargeld, sondevn gegen eine mäßige, unkündbare Rente abgegeben werden. Gemeinde oder Staat können den Boden auch billig hergeben, da ihnen, sobald der Krieger oder seine Witwe stirbt, die erhöhte Grundrente wieder zufällt. Durch Uebergabe des billigen Bodens gegen eine mäßige Rente soll ver⸗ hindert werden, daß der Krieger feine Heimstätte nur zum Zwecke eines augenblicklichen Gewinnes wieder verkauft. Er hat also ein lebhaftes Interesse, möglichst bis zu seinem Lebensende auf dem billigen Rentengute zu bleiben. Das Rentengut wird ihm dann dauernd Heim und Heimat geben. In der Zuschrift, um deren Aufnahme der Ausschuß ersucht, wird noch darauf hingewiesen, daß in Deutschland eine Fläche Oedland von der 24 fachen Größe des Könsgreichs Sachsen vorhanden sei, die erschlossen und kolonisiert werden könne. Alle sozialen Kreise unseres Volkes, heißt es zum Schluß, sollen deshalb die Forderung des Hauptausschusses für Kriegerheimstätten unterstützen. Bei Berufung auf unsere Zeitung versendet der Hauptausschuß filr Kriegerheimstätten(Berlin, Lessingstraße 11) gegen Einsendung von 40 Pfg. in Briefmarken portofrei die Broschüre„Staatsbürgerliche Bildung“ von Geh. Rat Adolph Wagner, Exzellenz, mit einem Anhang über das Heimstätten⸗ recht von Adolf Damaschke und die Broschlüre„Kriegerheimstätten“ von Johannes Lubahn.— Die Bestrebungen des Ausschusses mögen vom besten Willen getragen sein, doch dürften die weitaus meisten Kriegsteilnehmer wieder in ihre Heimat zurückkehren und dort auch bleihen wollen.
— Vom Pferde erschlagen. In Kirchgöus erlitt der Land⸗ wirt Schimpf einen tödlichen Unfall. Er versuchte, ein scheugewor⸗ denes Pferd aufzuhalten, wobei er von diesem so heftig gegen den Leib geschlagen wurde, daß er bald darauf starb.
— Ein merkwürdiger Sozialdemokrat. In dem Kriegsjahre haben wir schon vieles erlebt. Wir haben auch gesehen, daß mancher Paxteigenosse, der uns sonst als unentwegt grundsatz⸗ und prinzipienfest bekaunt war, höchst seltsame Ansichten äußerte und sich sogar dieser seiner Wandlung rühmte. Zu diesen Leuten ge⸗ hört Ernst Heilmann, bisher Redakteur der Chemnitzer Volks⸗ stimme. Er ist im Felde und, wie wir hören, verwundet worden. In seinem Feldpostbriese schreibt er u. a.:„Es gibt keine sozia⸗ listische Verständigung, die diesen furchtbaren Mordkrieg beilegen könnte— ihn endet nur der Sieg der stärkeren Ge⸗ walt! Wieder einmal wird zu unserem Schmerz Blut und Eisen den Gang der Geschichte bestimmen. Das ist gewißlich wahr.. Die Internatjonale ist heute tot and Mars regiert die Stunde. Nicht Vernunft und Gerechtigkeit, sondern nur siegreiche Waffen und politische Klugheit werden uns den Frieden bringen und seinen Inhalt bestimmen. So zerschmetternd m ü ssen die Feinde geschlagen werden, daß ihr Ring zerbricht, die Koalition birst. Die Friedensbedingungen sollen, hier milde, dort hart, die Wiederkehr des Einkreisungsbundes unmöglich machen... Mehr als diese allgemeinen Bemerkungen kann heute kein Vernünftiger sagen. Mit dem Schimpfwort An nmexionist macht man bloß die Pferde scheu. Lebensrettung und Sieg, nicht Eroberung und Annexionen, sind jetzt die Frage. Ver⸗ geßt mir Deutsch-Südwestafrika nicht!...Wir dürfen schonen und verzeihen, dürsen aber auch drohen und schlagen. Es ist
nicht sozialistisch, die Franzosen zu warnen, daß der zweite Winterfeldzug sie nicht bloß Menschen kosten könnte..
Wir wollen weiter aus eigenem Recht, nicht von fremder Gnade in
Bothaland oder Greyland leben. Dazu hilft uns gegen diese Feinde nur eins: Den Daumen aufs Auge und die Knie auf die Brust und greinen uns ein paar Heilige da⸗
zwischen, wie furchtbar das Schicksal der französischen Arbeiter sei, so erwidern wir ihnen: die französtschen Arbeiter bleiben Männer, auch wenn wir mit ihnen Kugeln wechseln, ihr aber seid— alte Weiber. Mögen darum die ewig schwankenden Gestalten plötzlich den Verrina der Internationale spielen wollen— ich gehe zu Hindenburg.“— Dazu bemerkt die Leipz. Volksztg.:„Der Sozialist geht zum Hindenburg— damit ist die Entwicklung senes Flügels der Partel, den Heilmann vertritt, allerdings trefflich gekenn zeichnet. Der alte genuesische Republikaner Verrina(aus dem Schillerschen Drama„Fiesco“) geht zum Andreas, zum Dogen, dem Vertreter des persönlichen Regiments, weil er am Republikanis⸗ mus der Genuesen verzweifelt. Sein Gang ist die Bankerott⸗ erklärung des Republikanertums. Heilmann(der seinen Schiller nicht mehr gut im Kopfe gehabt hat und daher den Verrina irr⸗ tümlich sich selbst gegenüberstellt) und seine Richtung gehen zu Hindenburg, weil sie an der Internationale verzweifeln. Bloß an der Internationale? Uns scheint, daß da noch mehr in die Bankerottmasse geworfen wird.“— Uns hat es schon lange ge— wundert, daß Heilmann bei den Chemnitzer Parteigenossen nicht auf heftigsten Widerspruch gestoßen ist, zumal Chemnitz doch eine alte Hochburg der Partei ist...
— Von den Pilzen. In den Wäldern Oberhessens und des be— nachbarten preußischen Gebietes sind Pilze in großer Menge vor⸗ handen, darunter eine nicht geringe Anzahl eßbarer Sorten. Den bekanntesten Edelpilz, den Steinpilz, trifft man nicht sehr häufig, stark ist aber der Reitzker oder Pfefferling, auch Eier⸗ schwamm genannt, verbreitet. Zahlreich finden wir auch den Champignon auf den Wiesengründen und dem Brachlande. Diese beiden Pilzarten sind sehr wohlschmeckend. In unserer Gegend legt man im allgemeinen dem Pilzgenuß nicht viel Wert bei, verhältnismäßig wenig Leute sammeln Pilze, es werden daher auch nicht viel auf dem Markte angeboten. Das mag zum größten Teil auf Unkenntnis der Pilzarten beruhen; man fürchtet sich vor Vergiftung und das auch nicht ohne Grund. Und doch sind Pilze ein recht schmackhaftes Essen, das man sich auch im Winter leisten kann; wenn man sich jetzt einen Vorrat trocknet.—
Im allgemeimen bestehen Pilze zu Neungehnteln aus Wasser; von dem verbleibenden Rest ist ungefähr 4 für den Menschen aus⸗ nutzbares Eiweiß. 1 Kilogramm frische Pilze enthält ebensoviel verdauliches Eiweiß wie 100 Gramm frisches Fleisch. Neben dem Eiweiß kommen geringe Mengen Fett, lösliche und unlösliche Kohle⸗ hydrate, Salze sowie phosphorhaltige Bestandteile für die Beur⸗ teilung des Genußmittels der Pilze in Betracht. Bei der Verwen⸗ dung der eßbaven Pilze in der Küche schreiben die besten Zuberei⸗ tungsweisen Garkochen in Fleischbrühe vor. Nur selten werden Pilze durch weitere Zutaten genossen; meist werden sie mit Fett, Mehl, Eiern und dergleichen zubereitet. Die edleren Pilze, wie Trüffeln, Champignons, Morcheln, dienen vorzugsweise als Wülrze. Als Volksnahrungsmittel kommen hauptsächlich Steinpilze, Pfeffer⸗ linge, im Betracht.
. dach bie eßbaren Pilze konnen gie perten men 288 douben sind. Da Pilze rasch 8 4 2 8 muß am bald nach dem Einsammolm zu. Das Trocknen ee 13 lichst. vasch am Ofen oder an der Sonne geschehen, il tet. Fr gie entweder auf eine Schnur oder auf Herden ausbrei h icht wel 0010 verwende man nur frische Pilze, deren Fleisch wässerig oder schlüpfrig ist. a 12545 0 Vor 1 bite man sich vor giftigen Pilzen,— Gesahr der giftigen Pilze wird vielfach unterschätzt. Es 11 71 werden, daß es im allgemeinen Erkennungsmerkmale ff Pilze nicht gibt. Man hat weder in dem e von, saft noch in der lebhaften Farbe oder der klebrigen Best 5— des Hutes ein Merkmal, Giftpilze zu erkennen. Auch eine ö kochte Zwiebel oder ein in das Pilsgericht eingetauchter 1 7 1 5 Löffel verrät durchaus nicht die Anwesenheit eines Giftwpi b Per Lochtopf. Allein die genaue Kenntnis eßbarer und giftiger schützt vor Unglück. 5 8 eine Darmstädter Hen ehe gegen b 3 ging. In Darmstädter Blättern lesen wir: 9 00 Wochenmarkte gab eine Käuferin ihrer Entrsütstung 11 80 die un⸗ verschämten Forderungen einer Gemilsehändlerin handgreiflichen Ausdruck, indem sie den Gegenstand des Handels, einen 5 Karotten, ergriff und es der Händlerin um die Ohren schlug. ö Publikum zollte lebhaft Beifall. 0 Wie die Verordnung des Bundesrats über den Aushang von Lebensmittelpreisen umgangen wird, zeigte sich auf dem letzten Wochenmarkte in Wurzen. Darüber wird berichtet: Es waren zwar die Preise auf den Aushängen einzelner Händler und Pro⸗ duzenten von Nahrungsmitteln verzeichnet, aber derart, daß von einer Uebersicht oder einem bestimmten Preis nicht zu reden war. Man hatte einfach geschrieben: Bohnen 1 Pfund 10—40 Pfg. Kraut 10—60 Pfg. usw. Wollte man nun die billigere Ware sehen oder haben, so hieß es allgemein:„Die ist alle!“ und das gleich zu Beginn des Marktes. Es schien fast so, als hätten die Händler sich untereinander besprochen, denn auf die verwunderte Frage, warum die Preise nicht genauer bezeichnet wären, erhielt man bei allen die Antwort:„Ich kann verkaufen wie ich will, nur gehe nicht über den angebenen Höchstpreis.“ Diese Höchstpreise w aber allgemein gefordert und sind nicht in Einklang mit der stellung zu bringen; es waren wirkliche Wucherpreise. Es ist nur zu begreiflich, daß eine tiefgehende Erregung unter den— 5— Platz gegriffen hatte über ein solches Gebaren. Verwunde muß es aber erregen, daß die Behörden diese ungenauen Preis verzeichnisse unterstempelt haben. 2 Die Kupserbeschlagnahme trifft auch Haushaltungen und eigentlmer. Im Publikum herrscht noch vielfach die Meinung, die Anmeldung von Kupfer, Messing und Nickel nur Groß⸗ betriebe angehe. Die Bekanntmachung richtet sich jedoch auch aus⸗ drücklich an Haushaltungen 15 175 1 15 10 5 1 7 1 die Kupfergeschirre, Waschkessel aus Kupfer, Ka serolen, fi alles Kupfergeschler, Fruchtkocher, Pfannen, Kühler, Schüsselnn uw. anzugeben haben. Mit der Durchführung der Verordnung wird städtische Behörde beauftragt. Diese wird die Ausführungs bestümmungen erlassen. Die Bekanntmachung hat verschledene Zwei⸗ felsfvagen aufkommen lassen. Der Tag löst diese so: Es handelt sich bet der jetzigen„Beschlagnahme“ um Wirtschaftgegen⸗ stände, Geschirre für Küchen und Vackstuben, Koch⸗ und 2 richtungen aus Kupfer, Messing, Roinnickel und Kupferlegierungen, wie Rotguß, Tombak und Bronze. Kunstgegenstände und kunst⸗ gewerbliche Gegenstände, wie z. B. Tafelaufsätze, Wandteller, Be⸗ leuchtungskörper aus den eben genannten Metallen, unterliegen nicht der Beschlagnahme, da bei einem kunstgewerblichen der durch die Verordnung festgesetzte Uebernahmepreis weit dem wirklichen Wert der Gegenstände stehen und eine Best⸗ der kunstgewerblichen Gegenstände zu einer Fülle von Be gesuchen auf Grund des§ 4 der Verordnung führen würde. keinen Zweifel aufkommen zu lassen, welche Gegenstände unter Verordnung fallen, führt 8 2 der Ausführungsbestimmmungen fol Gegenstände namentlich auf, die der Beschlagnahme 81 liegen: Tee⸗, Kaffee⸗ und Milchkannen, Kaffee⸗ und Teer 1 Zuckerdosen, Teeglashalter, Menagen, Messerbänke, Zahl gestelle, Tafelaufsätze jeder Art, Tafelgeschirve(von denen f. Servierbretter gemäß der Verordnung betroffen werden), service, Säulenwagen, Speiseschränke, Schanktischarmaturen, Bade⸗ öfen— mit einem Wort: die einfachen Wirtschaftsgegenstände wer⸗ den betroffen, die kunstgewerblichen nicht. Natiirlich kann beß der, jetzigen freiwilligen Ablieferung gegen Barzahlung jeder von seinem in pee Kupfer⸗, Messing⸗ oder Nickelgegenständen bringen, was ihm beliebt. 15 Landesverteilungsstelle für Futtermittel. Bekanntlich sind fol⸗ gende Futtermittel beschlagnahmt: Hafer, Ge rste, zucker haltige Futtermittel, Kleie und Kraftfutter⸗ mittel. Die Verteilung dieser Futtermittel auf die Bundesstaagten des Deutschen Resches erfolgt durch die Reichs futtermittelstelle in Berlin. Im Großherzogtum bird die weitere Verteilung des Hafers durch die Kom, 0 bände, die der übrigen Futtermittel durch die Landes ver teilungsstelle für Futtermittel in Darm stadt vor⸗ genommen. ö der Viehstand maßgebend. Ausführende Geschäftstelle der Landes⸗ verteilungsstelle ist die Zentralgenossenschaft der hessischen landwert⸗ schaftlichen Konsumvereine in Darmstadt. Sie versendet die zuge⸗ wiesenen Futtermittel an die in allen Gemeinden des Landes ö teten örtlichen Verteilungsstellen. Als sosche sind i der Regel die Großh. Bürgermeistereien oder eine Genossenschaft be⸗ stimmt.— Die Bestellung und Versendung der W sich wie folgt: Die Viehhalter einer Gemeinde werden von der ört⸗ lichen Verteilungsstelle aufgefordert, bei ihr den Bedarf an Futter⸗ mitteln anzumelden. Die örtliche Verteilungsstelle gibt diefe Be⸗ stellung für die Gemeinde im ganzen an die Landesverteilungsstelle ab, die dann auf Grund der vorhandenen Futtermittelmengen zu be⸗ schließen hat, wieviel von den Futtermitteln den eingelnen Gemein⸗ den zugewiesen werden kann. Diese Mengen sendet die Zentral⸗ genossenschaft an die örtlichen Verteilungsstellen, die dann ihrerseits eine Verteilung unter die Besteller vornehmen. Die Lamdesver⸗ teflungsstelle oder die Zentralgenossenschaft können Bestellungem ein⸗ zelner Viehhalter nicht entgegennehmen. Bestellung und Lieferung können vielmehr nur durch die Vermittlung der örtlichen Ver⸗ tetlungsstellen erfolgen.— Wegen des Bedarfs an Hafer haben sich die Pferdebesitzer an die Kommunalverbände zu wenden.
Kreis Friedberg⸗Büdingen.
Bad⸗Nauheim, 8. Aug. Bis zum 5. August 1915 ind 15 250 Kurgäste angekommen. Bäder wurden bis zum 5. Aug 1915
187 626 abgegeben. Kreis Weglar.
„„Sehr altertümlich mutet eine Bekanntm welche dieser Tage vom Regie rungspräsidenten in 1 77 a er wurde. Es wird darin bekannt gegeben, daß die füörstlichen 2 8 Solms⸗Braunfels und Solms⸗Hohensolms⸗Lich und die gräflichen Häuser Solms⸗Rödelheim, Solms-Laubach und Solms⸗Wildenfels die„durch die Gnade Gottes bestehen und noch blühen und untereim⸗ ander durch die Bande des Bluts, gemeinfame Rechte und Freundschaft von altersher vereinigt sind“, mit„Fürstlich und lich Solms'sche. Häuser erneute Erb⸗ u nd Bruderver⸗ eintgung geschlossen haben“. 8
Von Nah und Fern.
Der gefangene Franzose als Lebensretter. i burg berichtet wird, hat ein französischer Kvi 50„ dem Gut Rothof als landwirbschaftlicher Arbeiter b. 8991— de 1 3 jährige welzers Hötze in den Brummen. wanzase kletterte am 8 neurohr hinab und hielt den Knaben f. i Wasser. 5 weitere Hilfe Nee„
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Für die Zuweisung der Futtermittel ist in erster Diuiee
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