Ausgabe 
31.7.1915
 
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aber bis die kriegführenden Völker zur Vernunft und zum Frieden zurückgekehrt sind, werden recht viele Soldaten es vorziehen, ohne die vergifteten Aufreizungen der Presse und ohne so ruchlose und verderbliche Uebertreibungen von der Art des Herrn Tillett zu kämpfen. Viel Glück dem Labour Leader und seinem mutigen und vernünftigen Eintreten für Christentum und gefunden Men⸗ schenverstand.

Man sieht, in allen Ländern gibt es ehrenhafte und besonnene Menschen, die gegen die nichtsnutzigen Erfinder und Verbreiter von Greuelgeschichten auftreten, die zu dem Unglück des Krieges noch dauernden Haß und borniertes Vorurteil der Völker gegeneinender hinzuzufügen geeignet sind. Wenn etwas die Genugtuung trübt, wo⸗ mit man den Brief des englischen Offiziers im Labour Leader liest, so ist es die allerdings traurige Tatsache, daß er sich gegen einen Mann wie Ben Tillett richten muß.

Russischer Druck auf Serbien.

Sofia, 29. Juli.(W. T. B. Nichtamtlich.) Einer Blätter⸗ meldung zufolge wurde der russische Gesandte Fürst Trubetzkoj beauftragt, bei dem Ministerpräsidenten Pasitsch und dem serbischen Thronfolger Alexander namens des russischen Kqisers energische Vorstellungen zu erheben, daß Serbien unverzüglich die nichtstrittige Zone Maze⸗ doniens an Bulgarien abtrete. Trotzdem sei es zweifellos, daß auch dieser Schritt Rußlands an der serbischen Unversöhnlichkeit scheitern werde.

Die rumänische Getreideernte.

London, 29. Juli. Die Times meldet aus Bukarest: Beinah⸗ überall ist eine überreiche Ernte im ganzen Lande eingeholt worden. Die Regierung wird das Verbot der Ausfuhr von Getreide, das seit Beginn des Krieges in Wirkung ist, wahrscheinlich auf⸗ heben, und da die Dardanellen geschlossen sind, werden ungefähr 3 Millionen Tonnen Getreide nach Deutschland gehen. Krieg dem Kriege.

Aus Petersburg wird gemeldet: Ein Bulletin der rusfi schen Sozialdemokraten veröffentlicht eine Er⸗ klärung der lettischen und kaukasischen Sozia⸗ listen, daß sie sich nicht durch Phrasen von der Liebe zum Vaterland und dem Kampf für die heilige Sache verführen ließen. Ihr einziger Appell sei: Krieg dem Kriege und dem revolutionären Kampf für die Demokratie.

DerLeelanaw Fall.

Die Londoner Times melden aus Washington: Die Ver⸗ einigten Staaten werden wegen der Versenkung des ameri⸗ kanischen DampfersLeelanaw nicht mit Deutschland brechen, denn der Kommandant des Unterseebootes scheint die erforderlichen Rücksichten geübt zu haben, bevor er das Schiff und seine Banngutladung versenkte.

Aufruhr auf Haiti.

T. U. Rotterdam, 29. Juli. Aus Port au Prince wird ge⸗ meldet: Trotz energischen Protestes des französischen Gefandten er⸗ neuerten die Anhänger des revolutionären Führers Dr. Bobo ihre Angriffe auf die französischeGesandtschaft, bemächtigten sich desPräsi⸗

en Guilleaume und erschossen ihn vor dem Gebäude. Alsdann riß die rasende Menge die Leiche in Stücke, die auf Stangen im Triumphzuge durch die Stadt geführt wurden. Die Stadt ist heute ruhig. Der amerikanische KreuzerWafhington traf in Port au Prince ein.

Die deutschen Zivilgefangenen in Frankreich.

Berlin, 28. Juli.(W. T. B. Nichtamtlich.) Die Nord⸗ deutsche Allgemeine Zeitung schreibt über die Lage der deutschen Zivilgefangenen in Frankreich Wie die Regierung der Vereinfgten Staaten von Amerika mitteilt, besuchte der Vertreter der amerikanischen Botschaft in Paris die Zivilgefangenenlager in Frankreich und be richtete über verschiedene Mißstände. Seine Wahr⸗ nehmungen find der französischen Regierung mitgeteilt und von diefer nachher unterfucht worden. Nach dem jetzt vor⸗ liegenden Bericht erkannte die französische Regierung die vor⸗ gebrachten Klagen durchweg als berechtigt an und traf für die Beseitigung der Mißstände Anordnungen.

Was wollen die Deutschen im Osten? Von halbamtlicher russischer Seite wird in Petersburger Telegrammen erklärt, daß die Deutschen, für welche Schein⸗

fiege genügten, wenn sie nur von der Besetzung feindlichen Gebietes und reicher Kriegsbeute begleitet seien, ihre Haupft⸗ aufmerksamkeit auf die Ostseeprovinzen gelenkt haben. Die militärischen Mitarbeiter der russischen Blätter erblicken in dem Umstand, daß die Leitung der dortigen Operationen Hindenburg übertragen worden sei, eine Bestätigung ihrer Anschauungen, daß der deutsche Generalstab diesen Operationen die größte Bedeutung beimesse. Entgegen diesem Standpunkte schreiben russische Militärkritiker den Operationen an der übrigen Front die größte Be⸗ deutung zu. Hier werde die für den ganzen Feldzug ent⸗ scheidende Schlacht vorbereitet und die russischen Heerführer hätten daher ihre ganze Aufmerksamkeit diesem Teil der Front zugewandt. Ein Ukas des Zaren.

T. U. Kopenhagen, 30. Juli. Nach einem Petersburger Tele⸗ gramm erließ der Zar einen Ukas, wonach alle 1896 geborenen Männer unter die Fahnen gerufen werden. Man erwartet die Be- kanntmachung der Generalmobilisierung für Sibirien in den ersten Tagen der nächsten Woche.

Nussische Arbeiterstreiks.

Aus Petersburg wird gemeldet, daß General Rußky, der russische Höchstkommandierende, einen Tagesbefehl erlassen hat, aus dem hervorgeht, daß die Petersburger Arbeiter in den Fabriken für Kriegsbedarf die Arbeit eingestellt haben. Der General sagt darin, der Streik laste schwer auf der Seele der kämpfenden Truppen und mache dem Feinde eine bos⸗ hafte Freude. Der Tagesbefehl bezieht sich auf einen politi⸗ schen Streik im Petersburger Arsenal und in den Putilow⸗ werken. Die staatliche Patronenfabrik wird durch Militär bewacht. Der leitende Generalmajor der staatlichen Pulver⸗ fabrik hat den Arbeitern erklärt, daß er auf Streiklustige schießen lassen werde.

Zuluneger dieBefreier der eur opäischen Völker.

Aus Scheveningen kommt die Nachricht, daß zur Ver⸗ stärkung des englischen Heeres 10000 Zuluneger an der Mer front eingetroffen sind.

Von einem deutschen U-Boot versenkt.

T. U. Rotterdam, 30. Juli. Das SegelschiffIbo, mit Bannware unterwegs, wurde in der Nordsee von einem deut⸗ schen Unterseeboot versenkt, die Befatzung in Lowestoft ge⸗ landet. Wie aus Grimsby gemeldet wird, ist der Fischdampfer Dovey von einem deutschen Unterseeboot verfenkt worden. Man glaubt, daß die Besatzung von neun Mann ertrunken ist.

Die schwedische Neutralität. Kopenhagen, 30. Juli. Daily Chronicle veröffentlicht eine

Unterredung mit dem schwedischen Sozialistenführer Hjalmar Branting, der dieser Tage von Frankreich in London eingetroffen

ist. Branting fand sich in seinen Ausführungen mit den letzten Aeußerungen des schwedischen Ministerpräsidenten Wallenberg in Uebereinstimmung. Das schwedische Volk stehe hinter Wallenberg, der eine loyale Neutralitätspolitik verfolge. Das schwedische Volk sei fest entschlossen, sich in kein Abenteuer hineinreißen zu lassen, welche Anerbietungen ihm auch immer gemacht werden würden.

Kriegsustizen.

Die am 17. Juli vom Gouvernement über die sozialdemokratische

Mainzer Volkszeitung verhängte Vorgensur ist wieder aufgehoben worden.

Durch Kentern eines Segelbootes, mit dem ein 15jähriger Schifferfunge vier Soldaten über den Rhein setzen wollte, kamen bei Eltville drei Kanoniere von dem Ersatz⸗ Bataillon des 3. Brandenburgischen Fußartillerie-Regiments in den Wellen um. Die Ertrunkenen, von denen zwei verheiratet sind, sind der Lehrer Weber aus Gaualgesheim, Kaufmann Moritz aus Frank⸗ furt und Landwirt Klingelhöfer aus Dillenburg.

Außer den drei Kindern, die beim Auffinden einer nicht explo⸗ dierten Fliegerbombe auf dem großen Uebungsplatz bei Tilsit getötet wurden, ist jetzt auch das vierte der Geschwister gestor⸗ ben. Ein fünftes erwachsenes Mädchen wurde schwer verletzt. Die Stelle, wo die Fliegerbombe lag, war durch Holzpflöcke besonders gekennzeichnet. Die Einwohner der Umgegend pflegten aber un⸗ krepierte Bomben als Kriegsandenken nach Haufe mitzu⸗

1 Von kdunteriscder oeite soll jetzt gegen diesen Unfug strengstens vorgegangen werden. 5 5 Der Malin meldet aus Lyon: Das Kriegsgericht der 14. Region, an das der Ingenieur Barbier als Mobilisierter ver⸗ wiesen worden war wegen Ermordung feiner im Herzen deutschgebliebenen Frau, hat den Angeklagten einstimmig freigesprochen. 5 Wie 1 5 5 o ulon meldet, brach in einem der Gasanstalt benachbarten Speicher eines großen militärischen Futterparks Großfeuer aus. Obwohl die Marine⸗ und Stadtfeuerwehr so⸗ fort zur Stelle war, mußte der Speicher, um die übrigen Gebäude vor dem Feuer zu schützen, aufgegeben werden. Der Schaden ist fehr bedeutend. 8 4 99 55 r englische Geistliche Price in Bary sagte in seiner letzten Predigt, daß er großes Aergernis nehme, wenn er die Deut⸗ scheu in dem Gefangenenlager Holypont Sonntags Fußball spielen. lachen und sich vergnügen sehe, ohne die geringste Rücksicht auf die Empörung der Vorübergehenden. Es sei schmählich, daß diese Männer, die jedes Recht mit Füßen getreten hätten, als ehrenhafte Leute behandelt würden, gewissermaßen in Luxus lebten und die christlichen Einrichtungen und Grundsätze e 5 durch ein gotteslästerliches Betragen beleidigen irften. 75 f Morgenbladet meldet, von England sei für Norwegen fast kein Koks mehr zu bekommen, da die englischen Gaswerke bei der Gas produktion Oel gebrauchten und deshalb Koks verbrauchten, an⸗ statt Koks zu produzieren. Man rechne jedoch damit, den Bedarf für den Winter in Deutschland zu decken. Norwegens jähr⸗ licher Koksverbrauch beträgt 200 000 Tonnen. 5 5 Meldung des Reuterschen Bureaus. In einer Rede in Bloemfontein sagte General Smuts, die Regierung beab⸗ sichtige, eine Anzahl von Bürgern der Union in Deut ch⸗S ü d⸗ westafrika anzusiedeln, wobei denen, die im Feldzuge mit⸗ gekämpft hätten, der Vorzug gegeben würde.

Partei⸗ Nachrichten. a

Vandervelde ins Stammbuch. 5 5 Dem Vorsitzenden der Internationale und belgischen Staats⸗ minister Vandervelde, der überall in Frankreich, England, Amerika, neuerdings auch in Italien umhexreist und Hetzreden gegen Deutschland hält, widmet unser Nürnberger Parteiblatt, die 1 Tagespost, folgende kräftige, aber durchaus angemessene ürdigung:. 2 Haben wir viel Sonderbares und ihrer Vergangenheit Widersprechendes in den Handlungen und Aeußerungen vieler Sozialisten mit bekanntesten Namen in allen Ländern seststellen müssen, so erscheint doch die ununterbrochene Reihe von Entgleisungen, deren sich Genosse Bandervelde schuldig gemacht hat, als ganz ausnahmsweise und über alle Maßen bedauerliche Erscheinung. Ja, wir finden, daß er sich auf abschüssiger Bahn bewegt, daß er immer ti efer jinkt und jeden Halt verliert. Auch die Eduard Auseele und Camille Huysmans, die mit ihm im Internationalen Sozialistischen Bureau in Brüssel gesessen sind, lieben ihr Vaterland sicherlich so wie er. Aber weder von ihnen. noch von irgend einem anderen belgischen Genossen mit ähnlicher Vergangenheit haben wir so Sonderbares erfahren, wie von Vanderbelde. Als er in das Ministerium eintrat, hatten wir in unserem Blatte geschrieben, daß wir bei aller Gegner⸗ schaft gegen den Ministerialismus sein Vorgehen begreifen, wie wir das auch taten, als Sembat und Guesde in das Kabinett Viviani eintraten. Heute müssen wir eingestehen, daß wir damals geirrt haben dürften. Vandervelde hat sich als Minister zu einer komischen Figur degradiert Er ist nicht am Sitze der Regierung, er wirkt nicht für die Verteidigung seines Landes, er sorgt nicht für die Opfer des Krieges. Kein Wort hat man darüber gehört. Er reist in aller Welt herum und erzählt überall Schauergeschichten, er sorgt für die Aufstachelung der ohnedies übernervösen Leiden⸗ schaften, und er phautasiert politisch wie ein Mann, dem all die Bildung fehlt, die wir an dem Vander⸗ velde in Friedenszeiten stets bewundert haben. Ist der Ein⸗ tritt Sembats und Guesdes in das frauzösische Kabinett ein Un⸗ glück gewesen, weil er unsere französischen Genossen von jeder Freiheit der Entschließung, von jeder Abweichung von der offi⸗ ziellen Politik, von jedem Ausdruck des im französischen Prole⸗ tarfate vorhandenen Friedenswillen abhält, so ist die Zugehörigkeit Vanderveldes zur belgischen Regierung, eine Schmach für die Internationale, ein Schaden für 5 und ein Hemmnis der Wiederkehr normaler Ver⸗ hältnisse.

D. Kuminka, Gießen

Reichhalliges Lager in Uhren, Gold⸗ und Silberwaren. e des 1 5 6

ießen u. Umg. 3 en- Marktplatz ll. 5 bahn Ubrmacher und Goldarbeiter. Man verlange Rabattmarken.

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Diethelm von Buchenberg.

Erzählung von Bertold Auerbach. 37

Diethelm brachte es mit dem Vetter und dem Schmiede dahin, daß sie eine Feuerwand einbrachen, um durch die Oeff nung die Schafe zu retten, und soviel auch die Umstehenden abwehrten, Diethelm konnte es nicht ertragen, daß auf ein⸗ mal so viel Leben, und sei es auch nur das der Tiere, drauf⸗ ging. Er drang selber durch die eingerissene Wand ein: wie in einen Knollen zusammengepreßt, standen die Tiere, und von denen, die der Flamme nahe waren, sprang bald eines, bald das andere wie aufgeschnellt mitten in die Flamme hin⸗ ein, tat noch einen jämmerlichen Schrei, und die unversehrten blökten vor sich nieder. Mit Gewalt drängte sich Diethelm in die Mitte der Tiere und suchte sie hinauszutreiben, aber sie preßten sich immer wieder zusammen, und plötzlich fiel er nieder, und die Tiere standen auf ihm und um ihn, und mit halb ersticktem Schrei konnte er nur noch um Hilfe rufen. Es gelang dem Vetter, ihn zu retten, und bewußtlos, aus unsicht⸗ baren Wunden blutend, wurde Diethelm nach dem Dorfe in das Waldhorn getragen, während gerade das Haus zusammen krachte und der Dachstuhl in die Umfassungsmauern stürzte. Ein unerträglicher Geruch benahm allen Menschen fast den Atem, so daß keiner ein Wort sprach. Nur der alte Schäferle rief dem Davongetragenen nach:Mordbrenner! Du darfst nicht sterben. Du mußt noch am Galgen verfaulen! Er wurde erst ruhiger, als eben Frau Martha kam.

Es war Tag, als Diethelm erwachte, und vor ihm stand seine Frau und hob die gefalteten Hände zum Himmel, als er die Augen aufschlug.

Du da? fragte Diethelm,ist sie tot?

Ach Gott, ja, und sie hat noch im Sterben das Unglück gesehen.

Wer hat mir meinen Arm verbunden? Bist du schon lange da? Hab ich im Schlaf was geredet? fragte Diethelm wieder in fast zornigem Tone.

Der Doktor ist mit mir herüber vom Kohlenhof, und der hat dir deinen Arm verbunden. Du bist von einem Schaf

gebissen, ich bin grad kommen, wie sie dich fortgetragen haben. Du hast nicht im Schlaf geredet, als ein paarmal Medard gerufen. 5

Weiß man nichts von Medard?

Ach, lieber Gott, nein, der ist gewiß verbrannt.

Diethelm schloß noch einmal die Augen und schärfte still die Lippen, dann begehrte er aufzustehen, er sei wohl und müsse nach dem Schutthaufen sehen. Die Frau suchte ihm einzureden, daß er noch krank sei, und als er dies streng ab wehrte, erklärte sie ihm, daß er dann vielleicht verhaftet und nach der Stadt abgeführt würde.

Ist mir recht, sagte Diethelm trotzig,dann nimmt die Geschichte bald ein Ende. Sie können mir nichts tun. Wer klagt mich an?

Der alt' Schäferle.

Da hilft kein' Sympathie.

Wie ich hör', sagte die Frau zögernd,will auch die Brandverficherung dich anklagen.

Hoho! lachte Diethelm,denen will ich's schon zeigen, die müssen mir blechen. Ich steh auf, ich bin hechtgesund.

Trotz aller Widerrede vollführte Diethelm seinen Aus⸗ spruch und zankte mit seiner Frau, daß sie so eine herzbrechende Miene mache. Erst als sie mit halbunterdrücktem Weinen sagte, sie habe ja auch gestern ihr Kind verloren, erwiderte er:Ja, ja, das ist wahr. Zum Teufel, daß ich das auch immer vergeß. Ich will gleich einen Boten an die Fränz schicken, fie muß heimkommen.

Martha stand am Fenster und weinte in den schneeigen Tag hinaus. Erst als Diethelm leise vor fich hinpfiff, wendete sie sich um und sagte:Um Gottes willen, Diethelm, was machst? Wie kannst du nur auch so sein? Was müssen die Menschen von dir denken, wenn du nach so einem Fall jetzt gar noch lustig tust?

Hast recht, hast recht, red' weiter nichts, hast recht, sagte Diethelm hastig. Er erkannte schnell, daß seine Frau ihn auf das Entsprechende hinwies; allzuviel Gleichmut war wiederum verdächtig.

Eine gewaltige Veränderung war in Diethelm vorge-

gangen. Nun die Tat geschehen war mit all ihren Schrecken, galt es, mit gefestetem Mute ihr standzuhalten. Er ver⸗ bannte alle Weichherzigkeit, und als er vor dem Spiegel stand und sein flockseidenes Halstuch umtat, hielt er die Zipfel des⸗ felben eine Weile ruhig in der Hand und betrachtete die stolz⸗ sichere Miene, die er allen Vorkommnissen gegenüber be⸗ wahren wollte.

In der Wirtsstube, wo der junge Amtsverweser mit seinem Aktuar und zwei Landjägern und noch viele aus dem Dorfe sich befanden, schaute alles verwundert auf, als Diet⸗ helm freundlich grüßend und mit dem Ausdrucke schmerz⸗ lichen Bedauerns eintrat. Diethelm wollte dem Amtmann,

mit dem er am Markttag an einem Tisch gesessen, die Hand

reichen, aber der Amtmann wußte gewandt seine Hände mit einem großen vor ihm liegenden Bogen zu beschäftigen, und Diethelm zuckte mit den Achseln, als er die dargebotene Hand leer wieder zurückziehen mußte.

Ihr seid gekommen, nahm Diethelm das Wort,um mein Unglück in gerichtlichen Augenschein zu nehmen. Helfet nur auch untersuchen, wie das Feuer ausgekommen. Es ist leider nichts gerettet.

Der Amtmann erklärte, daß alles den späteren Verhand⸗ lungen vorbehalten bleibe; er schickte einen zie dem alten Schäferle und erfuchte die Anwesenden, außer dem Schultheißen, das Zimmer zu verlassen.

Ich hätt' eine Bitt', die Ihr mir wohl willfahren könnt wenns nicht gegen das Recht ist, sagte Diethelm mit ruhiger und doch weicher Stimme,ich möcht, daß meine Mitbürger mit anhören dürften, worauf ich angeklagt bin. Das öffent⸗ liche Gericht, das uns versprochen worden ist, ist noch nicht eingesetzt; drum möcht i ch bitten, wenn's möglich wär' daß alle dablieben. ie

Der Amtmann willfahrte mit der Bemerku 5 3 5 5 ng, da cin vorläufiges Protokoll aufgenommen werde. 617 suchte sich nun einen guten Platz, und mancher sagte leise zu eingesetzt; drum möcht ich bitten, wenn's möglich wär', daß er nicht auch dabei sei und das mit anhören könne 5

(Fortsetzung folgt.)