Der türkische Tagesbericht. Ein französisches U-Boot versenkt.
Konstantinopel, 26. Inli.(W. T. B. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier teilt mit: Vormittags um 8 Uhr brachten wir das französische Unterseebbot„Mariotte“ in der Meerenge zum Sinken. 31 Mann der Besatzung wurden ge— fangen genommen.
Bei Ari Burnu warfen wir am 24. Juli Bomben und verursachten einen Brand in den feindlichen Schützengräben. Am 25. Juli zerstörte unsere Artillerie einen Teil der feindlichen Gräben und die Drahthindernisse gegen⸗ über unserem linken Flügel. Sie beschossen die Stellungen und rückwärtigen Verbindungen des Feindes und brachte ihm erhebliche Verluste bei. Bei Sedd⸗ül⸗Bahr Infanterie⸗ feuer und Geschützkampf mit Unterbrechungen. Die feind⸗ liche Artillerie verwendet weiter Stickgasge schosse. Am 25. Juli nahm bei Sedd⸗ül⸗Bahr eine kleine türkische Exkundungsabteilung des linken Flügels einen Teil der feindlichen Schützengräben fort, vernichtete die Verteidiger und erbeutete 400 Gewehre mit Munition und Säcke voller Bomben. Unsere Küstenbatterien beschossen die Stellungen und Lager des Feindes an der Küste von Sedd⸗ül-Bahr mit Erfolg. Der Feind erwiderte ohne Wirkung. Feindliche Flieger warfen Bomben auf das Lazarett von Halil Pascha, obgleich das Zeichen des Roten Halbmondes wage— recht über dem Lazarett ausgespannt und deutlich sichtbar war.
An den anderen Fronten nichts Bemerkenswertes.
Die türkische Antwort an Griechenland.
Der griechische Geschäftsträger in Konstantinopel hat seiner Re⸗ gierung eine Verbalantwort der Pforte übermittelt, in welcher ge⸗ sagt wird, daß in der Türkei keine Griechenverfolgungen stattfinden und die getroffenen Maßnahmen allein aus militärischen Gründen erfolgt sind. Die Antwort betont das Interesse der Türkei an freundschaftlichen Beziehungen zu Griechenland. Es verlautet, eine zweite ausführliche Antwort werde von der Pforte vorbereitet—
Italien sucht einen Kriegsgrund gegen die Türkei. . Seit einiger Zeit schlägt die italienische Presse eine schärfere Sprache gegen die Türkei an. Als Ursache wird angegeben, die Türkei achte den Vertrag von Lausanne nicht und ziehe nicht nur die türkischen Offiziere aus Libyen nicht zurück, sondern die Türkei habe auch reichlich mit schuld n dem dortigen Aufstand.— Nach einer Meldung aus Lugano ist dies lediglich ein vorgeschobener Grund. Wirklichkeit ist, daß Italien dringend Geld braucht und es im Lande nur in sehr ungenügender Menge aufbringt. England aber will Geld nur für wirkliche Hilfe geben. Das bisherige Eingreifen Italiens an der österreichischen Grenze hat aber keinen Erfolg gehabt, und so müsse Italien, will es Geld haben, an anderen Stellen eingreifen. Seit den Besprechungen in Calais, an welchen Italien teilnahm, datiert die heftigere Sprache der italienischen Presse gegen die Türkei. Man wird also bald hören, daß Italien— für englisches Geld sich weiter engagieren wird. Die Serben in Albanien. T. U. Genf, 27. Juli. Das Journal meldet aus Mailand: Der Malländer Corriere della Sera meldet zensiert aus Du razzo, daß die Serben in allen von ihnen besetzten Gebieten Albaniens serbische Postanstalten errichten und serbische Gerichtshöse einsetzten. Das latt fügt hinzu, die Beschwerde des italienischen Konsuls gegen dieses vertragswidrige Vorgehen blieb ohne Beachtung.
Drohender Streik der amerikanischen Metallarbeiter.
Amsterdam, 27. Juli.(T. U.) Central News meldet aus Newyork, daß nach einer Bekanntmachung mit einem Streik von 600 000 Metallarbeitern gerechnet werden darf. Die Ar— beiter verlangen achtstündige Arbeitszeit und eine beträcht⸗ liche Lohnerhöhung.
Aus einem badischen Untersuchungsgefängnis Wie die Gleichheit mitteilt, sind in Karlsruhe seit einigen Wochen 10 oder 15 Parteigenossen und ⸗Genossinnen in Unter— suchungshaft, weil sie ein Flugblatt verbreitet haben, das die Friedensagitation des Berner Internationalen Frauen⸗ rages behandelt. Das genannte Parteiorgan fügt hinzu, daß in
. eee 5 Diethelm von Buchenberg. Erzählung von Bertold Auerbach. 35
Der alte Schäferle mit seiner dampfenden Pfeife stand am Wege, nickte Diethelm und seinem Trompeter zu und winkte mit der Hand, zeigend, daß er nach Diethelms Haus zu seinem Medard gehen wolle. Diethelm wollte dies abwehren, aber die Pferde waren so rasch im Zuge, daß man unversehens weit vom Schäferle weg war, und als Diethelm den Vetter zwang, anzuhalten, und sich umwendete, war der Schäferle ver⸗ schwunden. Diethelm ließ ihm nun durch ein Kind am Wege sagen, daß er den Medard über Feld geschickt habe; er hatte nicht mehr Zeit, dies bereuend, und eingedenk seiner wider— sprechenden Aussage beim Bahnschlitten, zu widerrufen, denn der Vetter fuhr heute im vollen Trabe. Dieser Widerspruch ist auch gewiß ganz bedeutungslos, sagte sich Diethelm und nahm sich vor, fortan recht genau auf alles acht zu geben, was er sage. Noch einmal wendete sich Diethelm nach seinem Hause um, es tanzte ihm vor den Augen, als käme das Haus den Berg herab. Er nahm dem Vetter die Peitsche ab und hieb selber auf die Pferde ein, daß sie in gestrecktem Galopp davonrannten.
Man begegnete vor Untertailfingen dem Bahnschlitten, und der daraufstehende Trupp, der sich im Nachbardorf er— lustigt hatte, brachte Diethelm in wildem Schreien ein Hoch g aus. Dem Trompeter schien heute sein Mundstück einge— W froren, er redete kein Wort; die Kälte war aber zu schneidend, 1 wie scharfe Messer fuhr sie ins Gesicht und schlupfte unter 1 dicken Schafpelzen durch, auf alles Eisenwerk am Schlitten und Geschirr setzte sich immer ein haarigkrauser Schneereif. Die Sonne war heute, gar nicht erschienen. Schneewolken jagten sich am Himmel, aber es war zu kalt, als daß sie nieder— fielen. An der Kalten Herberge öffnete endlich der Vetter seinen Mund und sprach von Einkehr, auch die Pferde schienen
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mit dem Vetter einverstanden und wendeten sich ab des
Berlin die Verhaftung einiger Genossen aus demselben Grunde als⸗ bald wieder aufgehoben wurde. Bald nach der Verhaftung in Karlsruhe teilten Leute, welche im Gefängnis geschäftlich zu ver⸗ kehren haben, unseren Genossen mit, daß sie beobachtet haben, wie der Genosse Trabinger mit Handschellen gefesselt zum Verhör geführt worden ist. Auch die Frau eines anderen der ver⸗ hafteten Genossen konnte bei ihrem Eintritt ins Gefängnis die Be⸗ obachtung machen, daß der Genosse D. gefesselt durch die Gänge ge⸗ führt wurde. Mit Entsetzen vernahm man in den Kreisen der be⸗ teiligten parteigenössischen Familien diese Kunde. Aus welchem Grunde werden brave Arbeiter, die bisher sich nichts zuschulden kom⸗ men ließen und den besten Leumund genießen, nach der Art der Räuber und Mörder behandelt? Was ist in dieser Hinsicht im Lande gesetzliche Vorschrift?
§ 116 der Strafprozeß⸗Ordnung bestimmt:
„Fesseln dürfen im Gefängnis dem Verhafteten nur dann an⸗ gelegt werden, wenn es wegen besonderer Gefährlichkeit seiner Person, namentlich zur Sicherung anderer erforderlich erscheint, oder wenn er einen Selbstentleibungs⸗ und Entweichungsversuch gemacht oder vorbereitet hat, Bei der Hauptverhandlung soll er ungefesselt sein.“
Ein dritter verhafteter Genosse schreibt an seine Frau:
„L. F.! Du hast den Schorsch gesehen in Handfesseln. Der arme Kerl! Sei froh, daß Du nicht kamst, als ich in gleicher Weise wic er durch den Hof über die Gänge an Men⸗ schen vorbeigeführt wurde. Ich will mich nicht beklagen, ich will Dir auch den Seelenschmerz nicht schildern, nicht sagen, wie mich die Handschelle, trotzdem sie locker war, noch heute schmerzt. Ich habe nicht aufzublicken gewagt, als ich an den Menschen vorbei⸗ geführt wurde. Meine Gedanken waren: gleich einem Verbrecher
oder Raubmörder wirst Du dahingefüührt. Da war's zum ersten Mal in meinem Leben, daß ich mich vor mir selber geschämt habe. Bei Gott! Wenn mich so mein Bub gesehen hätte, ich hätte mir in meiner Zelle den Schädel eingerannt...“
So wird ein Mann, ein braver Familkenvater, der die Achtung aller, die ihm nahestehen, in berechtigter Weise genießt, als poli⸗ tischer Untersuchungsgefangener behandelt. Und um das Maß des Unrechts vollgumachen, kommt seine vorgesetzte staatliche Dienst⸗ behörde und bestraft den Arbeiter, der über ein Jahrzehnt in treuer Pflichterfüllung unter der allerschwersten Arbeit dem badi⸗ schen Staate— insbesondere zur jetzigen Kriegszeit— mit seiner schwielenreichen Hand gedient hatte, ehe auch nur ein Gericht eine Schuld an ihm gefunden. Man beachte folgenden Bescheid:
Arheiterpensionskasse der Bad. Staatseisenbahnen und Salinen.
Bescheid über Beitragserstattung aus Abteilung B.
Karlsruhe, den 3. Juli 1915.
Der Jungschmied Bernhard K. zu Karlsruhe, welcher seit dem 6. Mai 1907 Mitglied der Abteilung B. obiger Pensio sse war, ist mit dem 19. Juni 1915 zur Strafe ohne Aufkündigung des Dienstverhältnisses aus der Beschäftigung bei der Großh. Bad. Staatseiseubahnverwaltung entlassen worden. Einen Anspruch auf Invalidenzusatzrente hat er nicht erworben.
Dem Genannten werden gemäß§ 54 Ziffer 4 der Satzung der Penstonskasse, die aus eigenen Mitteln zur Kasse B. geleisteten Beiträge in der sich aus der Tafel A. der Satzung ergebenden Höhe zurückbezahlt.
Der Vorstand i „Zur Strafe ohne Aufkündigung des Dienstverhältnisses“ Wir nehmen an, daß diese ungewöhnliche oder unverständliche Ausdrucks⸗ weise von der badischen Regierung noch eine Auslegung erhält, die ausschließt, daß man den Rechtsstagt Baden aus den modernen Kul⸗ turstaaten streichen müßte, zu denen zu gehören er bisher einen An⸗ spruch erhoben hatte. Selbstverständlich wird der Landtag, der im Winter zusammentritt, sich mit dieser Justiz der„Neuen Aera“ zu befassen haben. Erschwerung des Briesverkehrs mit deutschen Zivilgefangenen durch die russische Regierung. Nach einer Entscheidung der russischen Regierung ist den deutschen Zivilgefangenen in Rußland der Briefverkehr mit der Heimat untersagt, weil sie sich nicht in Konzentrations⸗ lagern befinden, sondern nur gezwungen sind, in den ihnen
angewiesenen Ortschaften zu leben, und daher ihr Postverkehr!
den allgemeinen Bestimmungen zu unterwerfen ist. Hier⸗ nach können aus Deutschland Postsendungen an diese Per⸗ sonen fortan nicht mehr unmittelbar nach Art der Kriegs⸗ gefangenensendungen, sondern nur noch durch Mittelspersonen (Rotes Kreuz usw.) auf dem Umwege über das neutrale Aus— land verschickt werden, wobei es noch zweifelhaft ist, ob die Sendungen die Adressaten erreichen werden.
Amerikanische Provokation. Amerikanische Reisende zeigen, trotz aller Warnung, noch immer eine gewisse Vorliebe dafür, auf ihre Ueberfahrt nach Europa englische Dampfer zu benutzen, trotzdem deren Ladung meistens nur aus Kriegsmaterial und anderer Bannware besteht. Nach Meldungen aus Newyork hat wiederum eine ganze Reihe amerikanischer Bürger die Reise nach dem
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Weges; aber Diethelm peitschte sie ingrimmig durch und jagte vorbei: es war ihm unmöglich, jetzt in dieses Haus einzutreten, ja schon dessen Anblick sträubte ihm die Haare empor. Der Vetter war nun noch verschlossener und letzte sich nur bisweilen an dem mitgenommenen Kirschengeist. Es war schon lange Nacht geworden, als man steif und starr in G. im Stern ankam. Mit gekrümmten Fingern griff sich Diethelm in die Tasche, um nach seinen Papieren zu sehen. Plötzlich schrie er laut auf und schlug sich auf die Stirn, er hatte die Staatspapiere vergessen, die er in der Hauptstadt zu Geld machen wollte. Der Vetter, seines Amtes eingedenk, tröstete ihn in seiner unfaßlichen Verzweiflung:„Die Staats⸗ papiere verschimmeln Euch ja nicht, und Ihr habt ja noch Geld genug.“ E
Diethelm konnte es sonst nie leiden, daß der Trompeter solche Reden an ihn allein verschwendete, ohne daß sie sonst' jemand hörte; heute aber nickte er ihm schnell gefaßt zu, denn er überlegte rasch, daß das Aufgeben dieser Wertpapiere, deren Besitz er nachweisen konnte, bei etwaiger Untersuchung entschieden zu seinen Gunsten sprechen müsse. Er rieb sich ge— waltig die Hände und setzte sich behaglich an den Tisch.
„Ihr habt's gut,“ sagte der Vetter, dessen Register ein⸗ mal aufgezogen war,„Euch fliegt der Reichtum nur zu, wo man gar nicht dran denkt.“
Diethelm bestätigte den Gewinnst, den er durch den Ver— kauf der Wolle mache, und erhokte sich immer mehr an dem Zutrauen, das seine Vorkehrungen einflößten.
„Das mein' ich ja gar nicht, Ihr macht ja die große Erb— schaft,“ entgegnete der Vetter.
„Red' nicht so. Von wem soll ich erben? Unserigen in Letzweiler?“
„Stellt Euch nur nicht so. Ihr wisset's wohl, und ich weiß nicht, warum Ihr so tut, als ob Ihr's nicht wüßtet; Eure Stieftochter auf dem Kohlenhof, die kommt nicht mehr
Von den
Kontinent auf dem White Star Dampfer„Adriatie“ ange⸗ treten, der nach einer Aufstetkung der Newyorker Zollbehörde u. a. folgende Güter an Bord hatte: 1995 Kisten Patronen, 190 Kisten Zünder, 30 Kisten ungeladene Granaten, 182 Kisten ungeladene Handgranaten, 6 Kisten Revolver, 4 Kisten Gewehre, 3918 Rollen Stacheldraht, 1296 Rollen anderen Draht, 95 Automobile, 5 Lastzüge, 41 Flugzeuge,. Barren Kupfer, sowie eine große Menge Messing und 1 die gleichfalls zur Herstellung von Kriegsmaterial bestimmt
sind.
5 Friedensdemostrationen.
T. u. Scheveningen, 28. Juli. In vielen sranzösischen Departements werden neuerdings gegen die Fortsetzung des Krieges Flugschriften verbreitet. Die Urheber, nach denen eifrigst gefahndet wird, sind noch unbekannt.
Die Verluste der Italiener in Nordafrika.
T. U. Wien. 28. Juli. Aus Saloniki wird gemeldet, hier wer⸗ den die furchtbaren Verluste bekannt, welche die italienischen Truppen auf dem nordafrikanischen Kriegsschauplatze erlitten haben. Infolge von Proviant⸗ und Munitionsabnahne war die Kraft der italieni⸗ schen Kolonialarmee sehr geschwächt. Sie war genötigt, sich nach dem Meere zurückzuziehen. Dieser planmäßige Rückzug artete aber in Flucht aus, denn die Aufständischen hatten die Italiener von drei Seiten umzingelt und rissen die italienische Front entzwei, sodaß ein Teil auf sranzösisches Gebiet gedrängt wurde, während der andere Teil bei Salmar und Sirk eine entscheidende Niederlage erlitt. Bei dem erstgenaunten Orte hatten die Italiener 2200, bei dem zweiten 2500 Tote. An Kriegsmaterial verloren ste 45 Kanonen, 50 Ma⸗ schinengewehre und viele Tausend Gewehre.
Vor den Dardanellen.
Die Agenkur Havas meldet aus Athen: Das Bombarde⸗ ment der türkischen Stellungen an den Dardanellen wurde drei Tage ununterbrochen fortgesetzt. Die Verbündeten ver⸗ suchten dadurch die türkischen Batterien auf der asiatischen Küste zu zerstören, bisher aber erfolglos.
Englische Willkürherrschaft auf griechischen Inseln. 0250
T. U. Bukarest, 28. Juli. Aus Athen wird hiesigen Blättern gemeldet, daß die Engländer auf den von den eng⸗ lischen Truppen besetzten griechischen Inseln im Aegäischen Meer die dort noch amtierenden griechischen Behörden zur Einstellung ihrer Amtstätigkeit und zur Abreise gezwungen haben.
Ein Pfarrer nach Sibirien verbannt. T. U. Kopenhagen, 28. Juli. Laut einem Bericht der Nowose
Wremja wurde der Pfarrer Hlaener aus Neugut(Kurland) nach, Sibirien verbaunt, weil in seinem Hause ein Schrank mit deutschen Schriften gefunden wurbe.
Kriegsnotizen.
Nach Londoner Blättermeldungen wurde, wie der Voss. Itg. aus Amsterdam berichtet wird, Friedrich v. Bülow, ein Bruder des Fürsten Bülow, interniert. Bei einem Besuch Krupps v. Bohlen in England diente Herr v. Bülow als Führer durch die englischen Marine- und Militärwerkstätten. Er ist der Vertreter vof Krupp für England. Am Tage nach der Kriegserklärung war er verhaftet 5 Er wurde nach zwei Tagen auf Ehrenwort ieder frei en.
auf, sie sagen ja, sie sei schon tot: Kinder hat sie nicht, und da fällt wieder alles an die Mutter zurück.“
Gläsernen Blickes, mit offenem Munde spreizten Händen hörte Diethelm diese Worte.
„Dann ist ja alles umsonst!“ schrie Diethelm laut auf und faßte den Vetter an der Brust und schüttelte ihn, als wollte er ihn erdrosseln. Der Vetter wehrte ab und sagte: „Was habt Ihr denn, Ihr tut ja wie von Sinnen.“
„Ich bin's, komm', komm' da fort,“ stöhnte Diethelm, „nein, ich bin nicht närrisch, aber komm', einspannen, schnell heim, in mein Haus, mein Haus...“ Er richtete sich auf, sank aber wieder zurück auf den Stuhl und schlegelte mit den Händen, als hätte ihn der Schlag gerührt.
Der Vetter schüttete ihm schnell Wein hinab, und Diet⸗ helm erholte sich bald wieder, dann bat er mit weinender Stimme, daß sie schnell wieder heimkehren sollten, er müsse zu seiner Frau. Der Vetter war gerührt, daß Diethelm der Tod seiner Stieftochter so nahe ging, er versprach, alles 3u besorgen, und eilte hinaus. Diethelm faltete die Hände vor dem Munde und sprach etwas wie ein Gebet, und so zutrau⸗ lich auch heute wieder der Sternenwirt war, er gab ihm keine Antwort und eilte hinaus in den Stall und weinte dort so laut, daß man meinte, es müsse ihm das Herz abstoßen. Er hatte den Arm auf den Hals des Handpferdes gelegt und weinte so heftig in die Mähne und sprach unverständliche und doch flehend klingende Worte, als wollte er die Pferde bitten, ihn mit schnellster Macht heimzubringen.
Er hatte Verbrechen auf Verbrechen gehäuft Ehre zu retten, und nun war alles unnötig, die seiner Schwiegertochter stellte ihn ja hin, Er zitterte am ganzen Leibe, und nur ein Gedanke hielt ihn noch fest, daß daheim die grause Tat noch gutzumachen sei. Gewaltsam ballte er die Fäuste und preßte die Lippen, um sich nicht zu verraten, wenn es doch zu spät wäre, aber nein, das darf nicht sein, das kann nicht sein. Forts. folgt.)
und ausge⸗
„um feine Erbschaft von glänzender als je.


