Ausgabe 
29.7.1915
 
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Hessen und Nachbargebiete.

Gießen und Umgebung. Die Preissteigerung der Margarine.

Fast alle unentbehrlichen Nahrungsmittel sind während des Krieges ganz enorm im Preise gestiegen. Das ist be⸗ sonders deshalb sehr betrübend, weil im besonderen diejeni⸗ gen Artikel am meisten verteuert wurden, die am unentbehr lichsten für die arme Bevölkerung sind. Gewiß leidet die arbeitende Bevölkerung schon desonders unter der droßen Fleischteuerung. Immerhin war ja aber der Arbeiter noch nie an ein allzu großes Stück Fleisch gewöhnt. Viel schwerer wurden diese Armen schon von der wucherischen Preis- treiberei auf dem Kartoffelmarkte betroffen, da ja die Kar⸗ toffeln nicht nur ein Nahrungs-, sondern vor allem auch ein Sättigungsmittel sind. Eine erhebliche Verteuerung haben aber auch Milch, Käse und Naturbutter erfahren. Nun war von jeher schon die Margarine die Butter der armen Leute, Das wird man nun bald nicht mehr behaupten können, denn wenn die Preiserhöhung der Margarine so weiter geht, so wird sie bald von der minderbemittelten Bevölkerung nicht mehr gekauft werden können. Schon im März dieses Jahres ließ eine große Margarine-Gesellschaft eine Preiserhöhung von acht Mark pro Zentner eintreten. Sie begründete diese Maßnahme damit, daß die Preise für alle Fettwaren seit Aus⸗ bruch des Krieges unausgesetzt gestiegen seien und daß ferner die Beschaffung der für die Margarinefabrikation erforder⸗ lichen Mengen nur in beschränktem Umfange unter den größ⸗ ten Schwierigkeiten, und so weit sie aus dem neutralen Aus⸗ land kommen, unter enormen Kursverlusten möglich ist. Um diese Preiserhöhung den Abnehmern aber schmackhaft zu machen, teilte die betreffende Gesellschaft gleichzeitig mit, daß sie den Ladenkaufpreis auch um 10 Pfg. per Pfund er⸗ höht habe. Das bedeutet mit anderen Worten, daß von jetzt ab der Konsument für ein Pfund Margarine 10 Pfennig mehr bezahlen mußte, als bisher. Von diesen 10 Pfennigen flossen der Firma acht und dem Ladenverkäufer zwei Pfennige zu, so daß also beide dabei ein ganz gutes Geschäft auf Kosten des Konsumenten machten. Am 15. Juli dieses Jahres ließ aber dieselbe Margarine⸗Gesellschaft schon wieder eine ganz erhebliche Preissteigerung eintreten. Für die verschiedenen Marken wurden 10, 12 und sogar 20 Mark mehr gefordert als bisher. Eine Sorte Margarinebutter, die am 31. De⸗ zember noch 65 Mark pro Zentner kostete, stieg bis zum 1. Januar 1915 auf 75, bis zum 1. April auf 83, bis 2. Juni auf 95 und bis 15. Juli auf 105 Mark pro Zentner. Seit Anfang dieses Jahres bis Mitte Juli war also diese vielge⸗ kaufte Marke um 40 Mark pro Zentner teurer geworden. Eine andere, ebenfalls viel begehrte Marke, kostete bei einer anderen Firma im April d. J. noch 75 Mark pro Zentner, während sie am 1. Juli 1915 mit 110 Mark bezahlt werden mußte.

Das sind nur einige Beispiele, die Wir hier aus der Menge des Materials herausgegriffen haben. Bemerkens⸗ wert ist aber vor allem noch das Eine, daß die billigen Marken von verschiedenen Margarinefirmen überhaupt nicht mehr geliefert werden. Zur Begründung dieser eigenartigen Maßnahmen führt man an, daß es an den geeigneten Roh⸗ stoffen zur Herstellung der billigen Qualitäten fehle. Das will uns zwar nicht recht einleuchten, denn man müßte meinen, daß dieser Hinderungsgrund dann erst recht auch auf die guten Qualitäten zutreffend müßte. Es fällt dabei auch noch auf, daß gegenwärtig verschiedene neue Marken von Margarine auf dem Markte erscheinen, Ob auch diese neue Benennung einiger Qualitäten deshalb erfolgt, um die kolossale Preissteigerung zu erleichtern oder gar zu ver⸗ schleiern, können wir allerdings nicht beurteilen und wollen es deshalb gerade nicht behaupten. Merkwürdig bleibt diese Erscheinung aber immerhin. Durch die ungeheure Verteue rung der Margarinebutter und ganz besonders auch durch den gänzlichen Ausfall der billigen Qualitäten, ist es natür⸗ lich der minderbemittelten Hausfrau nicht mehr möglich, dieses Nahrungsmittel einzukaufen. Ja, wenn die Preis⸗ erhöhung so weiter geht, dann wird jede Arbeiterfrau, deren Wirtschaftsgeld doch recht gering ist und die daher recht spar⸗ sam verfahren muß, gezwungen sein, lieber wieder Natur⸗ butter zu kaufen.

Es wäre jedenfalls sehr notwendig, daß die zuständigen Regierungsstellen einmal der Verteuerung der Margarine ihre Aufmerksamkeit schenkten. Solange nicht auf Grund einwandfreier behördlicher Untersuchungen festgestellt ist, daß der Preisaufschlag eine natürliche Folge der Kriegs- wirkungen ist, kann sich niemand des Verdachts erwehren, daß auch hier die armen Leute so übervorteilt werden, wie das bei vielen anderen Nahrungsmitteln erwiesenermaßen der Fall ist. Sollte sich das herausstellen, dann dürfte mit der Festsetzung von Höchstpreisen für Margarine nicht einen Augenblick gezögert werden.

Petroleumhöchstpreise und Konsumvereine. Das an sich lobenswerte Unternehmen des Bundesrats, die ungeheuer⸗ lichen Petroleumpreise auf ein erträgliches Maß zurückzu⸗ führen, hat sich, wie leider manche kriegswirtschaftliche Maß. nahme, als zweischneidige Waffe erwiesen, die am Schuldigen vorbei Unschuldige trifft. Während die Herren Spekulanten größtenteils ihr Schäfchen aufs Trockene gebracht haben werden, erleiden Händler und Konsumvereine, die genötigt waren, um jeden Preis ihren Abnehmern Erdöl zu verschaffen, zum Dank für ihre sehr schwierigen Bemühungen Verluste, die in die Tausende gehen. Der Zentralverband und die Großeinkaufsgesellschaft deutscher Konsumvereine haben in dieser Angelegenheit an den Reichskanzler eine Eingabe ge richtet, in welcher ersucht wird, eine ergänzende Bestimmung zu der Verordnung zu treffen, die außer Zweifel stellt, daß auch für Petroleum, über dessen Bezug vor dem 15. Juli Abschlüsse erfolgt sind, das aber erst nach dem 15. Juli zur Ablieferung gelangt, an die Petroleumimporteure nur der Höchstpreis von 30 Mark für 100 Kilogramm zu zahlen ist. In der Begründung wird hervorgehoben, daß zwar der mit

der Verordnung vom 8. Juli verfolgte Zweck, demwilden Petroleumhandel und den damit verbundenen Preistreibereien ein Ende zu bereiten, selbstverständlich vollen Beifall findet; es dürfe jedoch nicht verkannt werden, daß seit April andere Möglichkeiten, Petroleum zu beziehen, als zu den vorhin erwähnten hohen Preisen, nicht bestanden. Konsumvereine und private Kleinhändler hätten daher überhaupt keine andere Wahl gehabt, als die hohen Preise zu zahlen, wenn sie überhaupt ihren Abnehmern Petroleum zur Verfügung stellen wollten. Es wäre daher überaus hart, wenn ihnen der Verlust aufgebürdet würde, der notwendigerweise ent stehen müsse, wenn alle vor dem 15. Juli getätigten Abschlüsse auch nach dem 15. Juli zu den höheren Preisen abgenommen werden müßten. Die Verordnung des Bundesrats träfe dann nicht diejenigen Kreise, die zu Spekulationszwecken den Petroleumpreis in die Höhe getrieben haben, sondern den reellen Kleinhandel und die Konsumgenossenschaften, die nicht vom Gewinnstreben, sondern von der Absicht geleitet waren, ihren Abnehmern Petroleum zu liefern, und diese Ab⸗ sicht nur erfüllen konnten, wenn sie die hohen Preise anlegten. Weder die Großeinkaufsgesellschaft deutscher Konsumvereine noch die einzelnen Konsumvereine hätten bei der Vermittlung des Petroleums an die Verbraucher in den letzten Monaten irgendwelche Gewinne erzielt.

Mehr Brot. Zu dem dem deutschen Bürger in den gegenfpärtigen kriegerischen Zeitläuften vorgeschriebenen Stück Brot gibt es jetzt eine kleine Zugabe, wie aus der im heutigen Blatte veröffentlichten Bekanntmachung der Bürgermeisterei hervorgeht. Danach erhält jeder über 14 Jahre alte Ein⸗ wohner mit Einkommen bis 2600 Mark auf Antrag eine Zusatzbrotkarte, die zum Bezuge von 350 Gramm Mehl oder 500 Gramm Vrot wöchentlich berechtigt. Auch solche Personen, die besonders schwere Berufsarbeit leisten müssen, können Zusatzbrotkarten erhalten, auch wenn ihr Arbeitseinkommen 2600 Mark übersteigt.

Auszahlung der Familienunterstützung an die An⸗ gehörigen der Einberufenen für die Zeit vom 1. bis 15. August findet von Montag den 2. bis Freitag den 6. August täglich von 81 Uhr im Bürgermeistereigebäude statt. Wir ver⸗ weisen auf die Bekanntmachung. 5

Wie es der Landwirtschaftschlecht geht. Wir hatten schon an dem in Kassel abgehaltenen Bezirkstage der hessischen Raiffeisenvereine nachgewiesen, wie schlecht es unseren Land⸗ birten in dieser Kriegszeit geht. Nun bietet uns der Bericht über die Hauptversammlung der Spar⸗ und Darlehenskasse (System Raiffeisen) in Ober⸗Abtsteinach einen weiteren Beleg dafür. Die eingelegten Spargelder der Mitglieder haben danach nicht nur die alte Höhe erreicht, sondern sogar über⸗ schritten; der Warenverkehr(Futter- und Düngemittel) hat sich trotz mannigfachen Schwierigkeiten den Vorjahren würdig angereiht. Also muß es mit der Futter⸗ und Dünge⸗ miltelnot nicht gar so schlimm stehen, wie man es gern aus gewissen Gründen glauben machen will. Andererseits ist die Ausgabe von Darlehen zurückgegangen. Bei der Zeich⸗ nungsstelle der Kasse wurden 24000 Mark auf die Kriegs⸗ anleihe gezeichnet; der Gesamtumsatz überschritt eineinviertel Millionen. An Kriegshilfen wurden fast 1800 Mark seitens des Vereins bewilligt, so für Beschaffung von erstklassigen Saatkartoffeln, die zu billigem Preise nun also! Warum da die teueren Kartoffelpreise? an die Mitglieder geliefert wurden. Der Abschluß ergab einen Reingewinn von 2571 Mark, von dem außer den Zuteilungen an den Reserve⸗ und Stiftungsfonds Zuwendungen für ideale Zwecke bewilligt wurden. Mit Stolz so heißt es im Bericht des Mainzer Journals konnten Rechner Rohr und Vorsteher Pfarrer Wunderle den äußerst günstigen Stand und die vorteilhafte Entwickelung betonen, die im Kriegsjahr die Genossenschaft zeigt. Ja, ja: es geht der Landwirtschaft während des Krieges wirklich schlecht!

Bei der Kriegsversicherungskasse der Volksfürsorge standen am 23. Juli 1915 247 000 Mark zur Verfügung, die nach Friedensschluß an die Hinterbliebenen der im Kriege sterben den Versicherten restlos zur Auszahlung gelangen. Dafür sind für 34 487 Kriegsteilnehmer 49 400 Anteilscheine zu je 5 Mark erworben worden. Da bei den gegenwärtig in starkem Maße sich vollziehenden Einberufungen auch älterer Landsturm⸗ jahrgänge zahlreiche Familienväter unter die Waffen treten, wird diese Kriegsversicherungskasse für eine immer größere Zahl von Familien wichtig, und sollten besonders Angehörige, Bekannte, Kollegen und Organisationen von Arbeitern dafür sorgen, daß durch Benutzung dieser Versicherung den durch den Krieg sicher am schwersten Betroffenen diese wünschens⸗ werte Hilfe gesichert wird. Die Rechnungsstellen der Volks- fürsorge und Funktionäre der Gewerkschaften und Genossen⸗ schaften werden gerne die Erwerbung von Anteilscheinen ver⸗ mitteln. Solche werden auch erworben durch Einsendung des Betrags mittels Postschecks(Volksfürsorge, Postscheck konto Nr. 7053, Hamburg) direkt an die Hauptverwaltung. Die Versicherungen sind rechtskräftig vom Tage der Ein⸗ zahlung an.

Gefallene Ersatzreservist Aug. Inf.⸗Reg. 118.

Abschaffung der Frauenabteile in Zügen. Nach einer Ver⸗ fügung der Eisenbahndirektion Mainz sind auf sämtlichen Neben bahnstrecken des Direktionsbezirks die Frauenabteile in den Zügen aufgehoben worden. Ferner flihren keine Frauenabteile mehr die Personenzuge der Strecken Wiesbaden Frankfurt, Wiesbaden Rüdesheim, WiesbadenAschaffenburg, Mainz Frankfurt, Mainz Bingerbrück, Darmstadt Frankfurt, Darmstadt Eberbach usw. Bei Personenzügen, die dem Arbeiterverkehr dienen und bei denen bis her besondere Frauenabteile oder ganze Wagen für Arbeiterinnen freigehalten worden sind, findet die Verfligung keine Aenderung. Bei den Personenzligen des Fernverkehrs sind nach wie vor Frauen- abtetle einzurichten.

Brotmangel im Kreise Gießen. Aus verschiedenen Orten des Kreises Gießen kommen uns lebhafte Klagen zu Ohren darüber, daß bei den Bäckern kein Brot zu haben sei. Viele Ar- beiterfamilien, die jetzt auch keine Kartoffeln mehr haben und destomehr auf Brot angewiesen sind, sind dadurch in eine höchst

aus Oberhessen und Nachbargebieten. Specht aus Leusel bei Alsfeld, Landw.

verzweifelte Notlage geraten. Aus welchen Ursachen die Bäcker kein Brot liefern können, ist uns nicht bekannt.

Kommunalisterung der Milchbeschaffung. Den Maglst car der Stadt Nürnberg beschäftigt zurzeit bie Frage der Kommunali⸗ sierung der Milchbeschaffung. Es handelt sich dabei nicht nur um die Preisfrage, sondern auch um die Beschassung ausreichenber Mengen. Da bauliche und maschinelle Einrichtungen nicht un⸗ erhebliche Mittel erfordern, dürfte es sich voraussichtlich um ständige, den Krieg überdauernde Einrichtungen handeln. Der private Milchhandel hat infolge Wettbewerbs der Milchhändler einerseits die Milch beim Produzenten verteuert, daneben zu ver⸗ stärkter Verwendung der Milch zur Herstellung von Butter und Käse geführt, von der sich die Bauern noch höheren Gewinn ver⸗ sprechen. Die städtische Organisation wird auch aus entfernteren Landesteilen Milch heranziehen und den Versuchen anderer Groß⸗ städte, in der Umgebung Nürnbergs Milch aufzukaufen, wirksamer entgegentreten. Die neue kommunale Wohlfahrts⸗Unternehmung soll in Form einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung unter der Firma Nürnberger Milchzentrale ins Leben treten, die bei einer täglichen Milchlieferung bis zu 20 000 Liter eines Kapitals? von 130 000 Mark bedarf, wozu die Stadt mindestens 60 000 Mark her⸗ geben wird. Diese Maßnahmen können anderen Städten zum Vorbild dienen.

Mit der Nachtarbeit in den Bäckereien beschäftigte sich auch der Verbandstag Deutscher Brotfabrikanten in Düsseldorf. Es wurde ein Antrag angenommen, in welchem sich der Verbandstg gegen die von den Bäckerinnungen auch nach dem Kriege geforde unbedingte Aufhebung der Nachtarbeit aussprach.

Die Gießener Freilichtbühne wird nächsten Samstag den Spenglermeister Bim bächer als Volks⸗ und Wohl⸗ tätigkeitsvorstellung wiederholen. Für diese Vorstellung gelten Volkspreise, wie sie sonst im Stadttheater üblich sind. Es steht zu erwarten, daß diese Vorstellung ebenfalls stark besucht wird.

Lang⸗Göns. Durch einen Unfall büßte der Schneider⸗ meister Joh. Konrad Müller das Leben ein. Als er mit seinem Kuhfuhrwerke ausfuhr, gingen die Kühe durch, Müller wurde zu Boden geworfen und ein Stück mitgeschleift. Dabei erlitt er er⸗ hebliche Verletzungen, die seinen Tod in kurzer Zeit herbeiführten.

Bersrod. Von einer hiesigen Familie, Hamel, sind bereits drei Söhne im Kriege gefallen.

Kreis Wetzlar.

n. Ein Jubiläum Wetzlars. Am 27. Juli waren es 100 Jahre, daß Wetzlar zu Preußen gehört. An diesem Tage ging es aus dem Generalgouvernement Frankfurt zum preußischen Staate über. An dieses Ereignis erinnerte der Bürgermeister Dr. Kühn in der qar Dienstag abgehaltenen Sitzung der Wetzlarer Stadtverordneten.

Von Nah und Fern.

Straßenbahn⸗Unfall in Mainz. Am Dienstag früh ereignete sich bei der Gastell'schen Fabrik in Mombach ein schweres Ungliick. Der Führer einer Lokomotive hatte innerhalb des Fabrikhofes seine Maschene angeheizt und war danm unbegreiflicherweise weggetreten, ohne die Maschine zu sichern. Diese setzte sich, nachdem der Kessel genügend Dampf entwickelt, in Bewegung, durchbrach das Hof⸗ tor und fuhr auf die Straße. In demselben Augenblick kam ein elektrischer Wagen mit einem Anhängewagen von Mombach. Die Maschine traf den vordersten dichtbesetzten Wagen, schleuderte ihn aus dem Gleise und örlickte ihn gegen die Mauer, wo er vollständig zertrümmert auseinanderbrach. Von den Insassen sollen 10 Per⸗ sonen, davon drei schwer, verletzt sein. Der Führer der Fofomotive erlitt, als er das Unglück sah, einen Nervenchok und kam ins Krankenhaus.

* Gefährlicher Spaß. In einem Frankfurter Geschäft machten sich mehrere Angestellte den höchst bedenklichen Scherz, einen Lehrling in den Kassenschrank zu sperren, um zu sehen, wie lange er es darin aushalten könnte. Unglücklicherweise schnappte die Tür zu und der Junge hatte aber auch den Schlüssel mit hineingenommen. Es dauerte lange, bis ein Schlosser den Schrank geöffnet hatte und man den Lehrling in halb verschmachtetem Zustande wieder an die Luft bringen konnte.

Parteinachrichten. Privatdozent Dr. Lindemann.

Der bekannte parteigenössische Kommunalpolitiker, Landtags⸗ abgeoroͤneter Dr. Lindemann wird von Beginn des nächsten Semesters ab als Privatdozent für Kommunalwissenschaft an der Technischen Hochschule in Stuttgart tätig sein. Die württem⸗ bergische Regierung hat das vom Senat der Hochschule einstimmig unterstützte Gesuch Dr. Lindemanns, ihn vom Kollegium und von der Einreichung einer Habilitationsschrift zu befreien, bereits ge⸗ nehmigt. In den nächsten Tagen wird der sozialdemokratische Privatdozent seine Probevorlesung halten, die nur noch die Be⸗ deutung einer Formalität hat.

Telegramme.

Naberigt des großen Hauptiunttier.

Erbitterte Kämpfe bei Souchez und am Lingekopf. Verzweifelte Gegenwehr der Russen am Narew

W. B. Großes Hauptquartier, 28. Juli, vorm.(Amtlich)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Nordwestlich von Souchez wurden einzelne, von frühe⸗ ren Kämpfen her noch in der Hand der Franzosen befindliche Teile unserer Stellung nachts von schlesischen Truppen er⸗ stürmt. 4 Maschinengewehre sind erbeutet.

In den Vogesen fanden in der Linie Linge kopf Barrenkopf erbitterte Kämpfe statt. Französische An⸗ griffe wurden durch Gegenstoß nach mehrstündigem Nahkampfe zurückgeschlagen. Dabei sind auch die vorgestern abend ver⸗ loren gegangenen Gräben am Lingekopf bis auf ein klei⸗ nes Stück von uns zurückgewonnen.

Oestlicher Kriegsschauplatz.

Zwischen Mitau und Niemen wurden gestern noch etwa 1000 versprengte Russen zu Gefangenen gemacht.

Oestlich und südöstlich von Rozau schreitet unser Angriff vorwärts. Goworowo wurde genommen. i

Nördlich von Serok, beiderseits des Narew und süd⸗ lich von Nasielok setzten die Russen ihre Gegenangriffe fort. Sie scheiterten völlig. Der Feind ließ hier und bei Rozan 2500 Gefangene und 7 Maschinengewehre in unserer Hand.

Vor Warschau wurde westlich Blonie der Ort Pierunow von uns erstürmt. In der Gegend westlich von Gora Kalwarja wird gekämpft.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Die Lage bei den deutschen Truppen ist im allgemeinen

unverändert. Oberste Heeresleitung.

Notiz: Pierunow liegt 24 Kilometer westlich der Vorlinie von

Warschau. **