Ausgabe 
28.7.1915
 
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Hessen und Nachbargebiete.

Gießen und umgebung.

Das Fleisch im Arbeiterhaushalt.

Von berufener und unberufener Seite wird in der jetzi⸗ gen Zeit die Behauptung aufgestellt, daß das deutsche Volk in den letzten Jahren sich dem Fleischgenuß übermäßig hin⸗ gegeben habe. So berechtigt jetzt die Mahnung, weniger Fleisch zu essen, an einzelne Teile der Bevölkerung auch sein mag, so unberechtigt ist sie, wenn sich die Ratgeber an unsere Arbeiter wenden. Durch die enorme Steigerung aller Lebensmittelpreise durch den Krieg ist der Fleischgenuß im Arbeiterhaushalt im allgemeinen noch mehr eingeschränkt

worden, als es in Friedenszeiten schon der Fall war. Die Gesamtjahresausgaben des Arbeiterhaushalts, in denen

außer den Ausgaben für Lebensmittel auch alle andern zum Leben nötigen Gegenstände, wie Kleidung, Wohnung, Steuern usw., einbegriffen sind, zeigen, daß besonders in der jetzigen Zeit nicht allzuviel Geld für Fleisch übrig bleibt, zu⸗ mal während des Krieges die Löhne nicht gestiegen sind. Das Statistische Amt des Deutschen Reiches gibt über diesen Gegenstand wohl die beste Aufklärung. Das Amt hat im Jahre 1909 die Ergebnisse einer Haushaltungsstatistik ver⸗ öffentlicht, die im Jahre 1907 erhoben wurde. Die Arbeit des Amtes bringt in einem besonderen Abschnitt auch für 150 Arbeiterfamilien Angaben über den faktischen Verbrauch von Nahrungs- und Genußmitteln, aus denen neben der Gestaltung des Geldbudgets auch das physiologische Budget erkannt werden kann. Von den 150 Arbeiterfamilien hatten vier eine Gesamtjahresausgabe von 900 bis 1200 Mk., 35 eine Gesamtjahresausgabe von 1200 bis 1600 Mk., 71 eine Gesamtjahresausgabe von 1600 bis 2000 Mk., 40 eine Ge⸗ samtjahresausgabe von 2000 bis 3000 Mk. Die Mehrzahl dieser Familien hatte also ein Einkommen von mehr als 1600 Mk., stand demnach weit über dem Durchschnitt des Ar⸗ beitereinkommens. Der Fleischkonsum blieb mit 27,5 Kilo⸗ gramm proͤKopf weit unter dem Durchschnitt, der 1907 nach der Schlachtungs⸗Ausfuhr⸗ und Einfuhrstatistik auf den Kopf der Bevölkerung auf rund 53 Kilogramm berechnet wurde. Da⸗ bei handelte es sich nicht um besonders kinderreiche Familien, sondern um solche mit einer durchschnittlichen Kopfstärke von 4,76, was genau dem Reichsdurchschnitt entspricht.

Danach bleibe man den Arbeitern mit dem Gerede vom üppigen Leben und von zu hohem Fleischverbrauch vom Halse.

Mit diesen Ausführungen soll natürlich nichts gegen das Verlangen gesagt sein, fich in außergewöhnlicher Zeit, wie jetzt, einzuschränken. Das ist eine Notwendigkeit, der die Zurückgebliebenen von der deutschen Arbeiterschaft mit be⸗ wundernstderter Selbstverständlichkeit sich fügen. Sie tun es, weil auch sie, ebenso wie ihre Brüder im Felde, Opfer bringen müssen. Es würde niemand einfallen, hierüber zu sprechen, wenn nicht versucht worden wäre, die Verteuerung der Lebenshaltung in den letzten Jahren nicht auf Preis⸗ steigerung, sondern auf Unwirtschaftlichkeit der Arbeiter zu⸗ rückzuführen, und wenn den Arbeitern nichtklargemacht werden sollte, welchen großen Nutzen sie sich mit der Be⸗ schränkung des Fleischkonsums erweisen würden, weil sie bis zum Kriege viel zu sehr im Fleischgenuß geschwelgt und sich damit gesundheitlich geschädigt hätten.

Die guten Ratschläge, den Fleischgenuß einzuschränken, berlieren noch dadurch an Wert, daß man nicht fürs preiswerte Ersatzmittel sorgt. Die Nährwerte, die uns durch den Ver⸗ zicht auf Fleisch entgehen, müssen wir doch durch pflanzliche Stoffe dem Körper zuführen. Diese aber sind so verteuert, daß die Unterernährung sich erschreckend verbreitet.

Die Eierpreise haben eine Höhe erklommen, wie man sie noch im vorigen Jahre für völlig unmöglich gehalten hätte. 15, 16 Pfg. werden für ein Stück auf dem Gießener Wochen⸗ markte gefordert und bezahlt, anderwärts manchmal noch mehr. Diese unerhörten Preise sind völlig unberechtigt. Sie werden vielfach mit Verteuerung der Futtermittel zu recht⸗ fertigen versucht, aber sehr mit Unrecht. Darauf können sie sich aber, wie das Kreisblatt in Erbach im Odenwald aus⸗ führt, durchaus nicht berufen. Das könnte vielleicht der Ge⸗ flügelzüchter und Eierproduzent, der beides im großen be treibt, dieser wird stets auch einen großen Bedarf an Futtermitteln haben. Ganz anders liegen aber die Verhält⸗ nisse für die Eierproduktion auf dem Lande bei den Bauern. Im Winter hat der Bauer das Putzgetreide und den Ab⸗ fall aus der Haushaltung, mit dem er seine Hühner bei freiem Auslauf durchhält. Im Winter, wo die Legetätigkeit herab- gesetzt ist, haben höhere Eierpreise auch ihre Berechtigung, aber für die übrige Jahreszeit sind Eierpreise, wie sie jetzt verlangt werden, nicht gerechtfertigt. Denn im Frühling und Sommer findet das Huhn in Wiesen, Feld und Wald so viel an Grünem und Gewürm, daß Futter nur nebenher gegeben wird. Während und nach der Ernte im Herbst liegt aber genug an Körnerfutter auf den Straßen und auf dem Hof, daß auch Körnerfutter nicht gereicht zu werden braucht. Die Masse der im Inlande erzeugten Eier kommt aus den bäuerlichen Anwesen. Bei diesen liegen, wie gezeigt, die Ver⸗ hältnisse für die Eierproduktion so günstig, daß im Sommer die Eier auch bei gutem Verdienst, den wir den Bauern wohl gönnen, dennoch viel billiger abgegeben werden müßten. Die Stadt Aschaffenburg hat den Eierverkauf selbst in die Hand genommen und gibt das Stück auf dem Markte für 12 Pfg. ab.

Obstversteigerungen von seiten der Stadt sowie der Kreisbehörden stehen in der nächsten Zeit wieder bevor. Hier bei könnte auch das Interesse der Verbraucher dadurch berück sichtigt werden, daß die Versteigerung in kleinen Losen direkt an die Verbraucher erfolgte. In der letzten Zeit war das konsumierende Publikum mehr als sonst der Preistreiberei durch die Großhändler ausgesetzt, so daß man sich von behörd licher Seite zu Abwehrmaßnahmen veranlaßt sah. Es sollte deshalb dafür gesorgt werden, daß die Obsternte nicht den Großhändlern in die Hände fällt, wenn auch dabei etwas

mehr Arbeit entsteht. Vielleicht dürfte es sich empfehlen, gar nicht zu versteigern, sondern bestimmte mäßige Preise fest⸗ zusetzen und zu diesen an die Selbstverbraucher abzugeben.

Zum Rektor der Universität Gießen wurde für die Zeit vom 1. Oktober 1915 bis 30. September 1916 der ordentliche Professor der philosophischen Fakultät Dr. Wilhelm Sievers ernannt.

Hütet die Zungen! Gegen die Klatschsucht in Kriegs zeiten erläßt das stellvertretende Generalkommando des 21. Armeekorps(Saarbrücken) die folgende Bekanntmachung: Es liegt Veranlassung vor, erneut vor der Verbreitung un wahrer Nachrichten über den Krieg zu warnen. Auch die im guten Glauben erfolgte Weitergabe einesGerüchtes kann Strafeinschreiten gegen den Urheber und Verbreiter nach sich ziehen. Die meist aus Wichtigtuerei geborene Klatschsucht ist eine der unheilvollsten Erscheinungen im Kriege; sie ist unerwünscht und kann zum Verbrechen werden. Ihre Be kämpfung ist selbstverständlich Pflicht jedes eintzelnen. Auch gegen die besonders bei den Marktverkäuferinnen neuer⸗ dings wieder gesteigerte Sucht, ihren Nebenmenschen durch Schimpfereien und Klatschereien eins auszuwischen, wird rücksichtsloses Vorgehen recht am Platze sein.

Wie hohe Preise gemacht werden. Böses Blut hat in Geinsheim und in anderen rheinhessischen Orten wie Nier⸗ stein und Oppenheim eine am diesseitigen Rheinufer abge⸗ haltene fiskalische Obstversteigerung dadurch hervorgerufen, daß das gesamte Obst statt in kleinen Losen in einem einzigen großen Lose an die Großhändler versteigert wurde. Die Ver⸗ gebung in einem Los war von Anfang an beabsichtigt. Als aber hiergegen von anwesenden Steigerern Einspruch erhoben wurde, erfolgte die Versteigerung in kleineren Partien. Der dabei erzielte Preis befriedigte aber nicht, weshalb gegen ein Pauschalgebot das ganze Obst an Frankfurter Großhändler vergeben wurde.

Sie sollDreck fressen. In der Neuen Badischen Landes zeitung wird eine Marktszene vom Mannheimer Wochen⸗ markt mitgeteilt, welche ein deutliches Licht auf die Preis⸗ treibereien wirft, zugleich aber auch zeigt, daß an dem Lebens⸗ mittelwucher auch die Bauern beteiligt sind. Auf dem Markt wurde von einer Bauersfrau Blumenkohl zu 30 Pfg. das Stück, Kohlrabi zu 14 Pfg. das Stück und Bohnen zu 50 Pfg. das Pfund feilgehalten. Eine arme Frau mit einem kleinen Kinde auf dem Arm und zwei größeren an der Hand erklärte der Bauersfrau, daß sie zu diesen teuren Preisen nichts kaufen könne. Mit breitem Lachen erklärte diese darauf, dann müsse eben die FrauDreck fressen! Eine dabei stehende Köchin war aber resolut genug, sofort einen Schutzmann zu holen, der die Bauersfrau abführte, während ein anderer Schußz⸗ mann den Stand der Bauersfrau übernahm und die Waren zu mäßigem Preis verkaufte. So sollte es mit allen gemacht werden, die die Käufer überfordern. In unverschämten, höhnischen Antworten sind übrigens auch die Offenbacher Marktverkäufer überaus groß. Auch hier wird einmal ordent⸗ lich zugegriffen werden müssen. Am Freitag ist z. B. von den Händlern einer ihrer Kollegen angestiftet worden, am städtischen Obststande Heidelbeeren zu kaufen; er schüttete sie in seinen Hut und warf sie dann immer handvollweise den städtischen Verkäuferinnen und den Einkaufenden ins Gesicht. Ein Schutzmann mußte den Burschen vom Markte versbeisen.

Wie die Spekulanten arbeiten. In der Dotzh. Ztg., lesen wir: Schon jetzt laufen Agenten und Spekulanten den Landwirten und Obstbaumbesitzern die Haustüren ein, um ihnen das Obst, so wie es eben auf den Bäumen hängt, abzukaufen. Wir möchten an alle Obstbaumbesitzer die dringende Bitte richten, unter keinen Um ständen jetzt schon das Obst abzugeben, sondern es im Besitz zu be halten bis zur Reife und es dann direkt an die Konsumenten zu verkaufen. Nur so kann der Ausbeutung des Volkes vorgebeugt werden, wenn wir das Spekulantentum ausschalten. Noch besser wäre es freilich, wenn die Regierung Mittel und Wege fände, dem Unwesen zu steuern.

Gießener Freilichtbühne. Nun ist gestern abend der viel⸗ besprocheneSpenglermeister Bim bächer endlich, nach Ueberwindung mancher Schwierigkeiten in Szene gegangen. Das unbeständige Wetter zwang die Künstlergesellschaft, sich unter das schützende Dach des Stadttheaters zu flüchten, das die Theater⸗ kommission in entgegenkommender Weise zur Verfügung gestellt hatte. Und das war klug getan; das volle Haus bewies, daß die Freilichtbühne sich Anerkennung im Publikum erworben hat und sie braucht in der Tat das Rampenlicht nicht zu scheuen. Für die nicht berufsmäßigen Spieler bedeutet diese gelungene Darstellung eine höchst achtungswerte Leistung, die hervorzubringen ein ge rüttelt Maß von Liebe zur Sache gehört. Mit offensichtlichem Wohlgefallen wurde entgegengenommen, was da im vertrauten Gießnerisch von der Bühne quoll... Ueber denBimbächer haben wir vor kurzem schon etliches mitgeteilt. In der Posse aus Alt⸗Gießen wird ein biederer Handwerker gezeichnet, der es bei seinem blechernen Gewerbe zuetwas gebracht hat und darauf nicht wenig stolz ist. Sein TöchterchenLowise will deshalb auch hoch hinaus, sie verschmäht den ehrlichen Spenglergesellen Valentin und wird die Braut des von irgendwoher gekommenen und höchst dicktuerischen Borne, der sich aber als Windbeutel und Hochstapler entpuppt. Er legt im Verein mit dem Tanzlehrer Stromski, dessen Existenz auch nur auf dem Kredit seiner Mitmenschen aufgebaut ist, den Bimbächer gehörig herein, daß der Biedere in höchst be denkliche Nähe des Bankerotts gerät. Sein früherer Geselle Valentin rettet ihn aber mit Hilfe seines reichen Onkels und nun ist das zerknirschte Louischen froh, den Spenglergesellen zu be⸗ kommen. Bimbächer wurde von W. W. Göttig dargestellt, wie er nur sein muß, urwüchsig, volkstümlich, stets bereit, seinen Widersacher mit einem gehörigen Trumpf abzuführen. Das treff liche Gelingen des Ganzen ist ohne Zweifel in erster Linie Göttig zu danken, in dessen Händen auch die Spielleitung lag. Vortrefflich verkörperte auch Hellmut Eckhardt den Tanzlehrer; besonders gefiel die Szene, wie er den mahnenden Hausbesitzer unter einem Strom von Worten hinauskomplimentiert, was auch den von Robert Schäfer vorzüglich dargestellten Juden passiert. Die Louise Bimbächer suchte Agnes Vetters mit dem schnippischen Wesen der das Näschen hoch tragenden Bürgerstochter auszu⸗ statten und es gelang ihr, dabei den richtigen Ton zu treffen. Der

Geselle Valentin wurde recht gut von Kurt Frey verkörpert; während Georg Lutz sich mit Erfolg bemühte, durch weltmänni⸗

sches Auftreten die brüchige Existenz des Borne zu verschleiern. Die Wirtshausszene imFelsenkeller erregte ebenfalls viel Heiterkeit; es war bewundernswert, wie die sehr jugendlichen Darsteller Kurt Rosenberg, H. Kowarzik, Franz Haber, K. Mootz und Willy Trautmann die Gießener Spießbürger markierten, für deren Durst Lilly Weil als Wirtin sorgte. Im ganzen hat die Freilichtbühne gestern Lorbeeren geerntet!

Kreis Wetzlar.

n. Die Spielerei mit Schußwaffen hatte vor einiger Zeit in Katzemfurt ein junges Menschenleben gekostet. Beim Hantieren mit einem Revolver hatte dort der 19 Jahre alte Jakob Weber

den 13jährigen Schüler Biener in den Leib geschossen und nach ein paar Tagen erlag dieser der Verletzung. Am Samstag kam der Fall vor der Wetzlarer Strafkammer zur Verhandlung. Der un⸗ vorsichtige junge Mensch kam mit drei Wochen Gefängnis davon, zu welcher Strafe ihn das Gericht verurteilte.

n. Kriegsopfer. Von 1 Eltern aus Gelsenlirchen traf in Wetzlar die Nachricht ein, daß unser Genosse Bernhard Schrül⸗ kam p, Bäckergeselle im hiesigen Konsumverein, am 4. Juli schwer verwundet wurde und am 15. Juli im Kriegslazarett Douai(Frank⸗ reich) gestorben ist. Schrülkamp war 27 Jahre alt und ist erst dieses Frühjahr als Soldat ausgebildet worden. Welche furchtbaren Opfer der Krieg fordert, dafür liefert der Wetzlarer Konsumverein, ein verhältnismäßig kleiner Betrieb, einen drastischen Beweis. Neben Genossen Rausch ist nun auch Schrülkamp lot. Genosse Brückel ist zum Krüppel geschossen, und vier weitere Mitarbeiter waren erkrankt.

Westerwald und Unterlahn.

* Petroleum ins Feuer schütten hat schon manchem das Leben gekostet. Daß es jetzt noch vorkomme, wo das Oel so teuer ist, sollte mau nicht annehmen. Und doch ereignete sich in Braubach a. Rh. dadurch am Montag ein f rer Unfall. Die Frau des Landbrief⸗ trägers Heuser wurde schwer verletzt, ihr Kind erlitt derartige Brandwunden, daß Gefahr für das junge Leben besteht.

Von Nah und Fern.

Wieder Spielerei mit Schußwaffen. Beim Biegwald in der Nähe von Bockenheim schoß der 13jährige Schüler Rübmann aus Rödelheim mit einem Terzerol auf den ihm entgegenkommenden 16jährigen Lehrling Müller und traf ihn in das Auge. Der junge Mann stürzte erheblich verletzt zu Boden und mußte sofort in ärztliche Behandlung gegeben werden.

Von der Straßenwalze zerquescht. Auf der Landstraße nach der Tenne, in der Nähe von Usingen(Taunus) ereignete sich am Freitag früh ein folgenschweres Unglück. Bei dem Walzen der neu⸗ gepflasterten Landstraße mit einer Dampfwalze aus Darmstadt ge⸗ riet ein bei den Arbeitern beschäftigter 15jähriger Mann vor die Walzen, die über ihn hinweggingen und ihn zermalmten, so daß der Tod auf der Stelle eintrat. Vermutlich wollte der junge Mann an dem Walzwerk etwas in Ordnung bringen und wurde dabei erfaßt und getötet.

Drei Monate Gefängnis für einen Kartoffelwucherer. Das Land⸗ gericht Halberstadt hat den Kaufmann Paul Höpfner in Bleckendorf zu drei Monaten Gefängnis wegen Ueberschreitens der Höchstpreise verurteilt. Der Angeklagte hatte der Stadt Siegburg für eine Kar⸗ toffellieferung 1,75 Mark pro Zentner über den Höchstpreis abge⸗ fordert.

Schwerer Unfall beim Exerzieren ereignete sich am Samstag in Mainz bei einer Uebung des Pionierbataillons 21, wobei Handgranaten verwendet wurden, der zwei Menschenleben gefordert hat. Durch eine vorzeitig geplatzte Handgranate wurde der das Ge⸗ schoß schleudernde Pionier Johann Kranz und der Leutnant der Landwehr, Regierungsbaumeister Leo Wetter, so schwer verletzt, daß sie einige Stunden danach starben.

* Brand in Offenbach. Am Samstag nachmittag brach in Offenbach in der Scheune des Fuhrunternehmers Scheich in der Schloßgrabenstraße Feuer aus. Kaum war der Brand entdeckt, da stand auch schon die zum Teil mit Heu neuer Ernte gefüllte Scheune liber und über in Flammen. Der bald einstürzende Südgiebel be⸗ drohte sehr stark die bewohnten Nachbarhäuser. Indessen gelang es den angestrengten Bemühungen der durch die Militäreinberufungen stark zusammengeschmolzenen städtischen und freiwilligen Feuerwehr, der eine Anzahl Soldaten beistanden, das Feuer nach einstündigem Kampfe, in dem die elektrische Motorspritze tüchtige Arbeit leistete, die Gefahr zu beseitigen. Die Scheune ist völlig ausgebrannt, Dach und inneres Gebälk sind eingestürzt. Der Schaden ist durch Ver⸗ sicherung gedeckt. Als Brandursache wird Funkenwurf aus einer benachbarten Esse mit ziemlicher Sicherheit angenommen.

Krieg in der Familie. In Biebernheim bei St. Goar gingen bei einem Familienstreit der Metzger Peter Rudolf und sein Schwiegersohn Josef Heinen mit Messer und Schlachtbeil aufein⸗ ander los. H. erhielt einen Stich in den Unterleib, dem er alsbald erlag. R. ist durch Schläge mit dem Schlachtbeil ebenfalls schwer verletzt.

Telegramme. Tagesbericht des Großen Hauptanartiers.

An der Westfront Schützengräbenkämpfe⸗ 7300 Russen gefangen.

W. B. Großes Hauptquartier, 27. Juli, vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz,

Schwache französische Handgranatenangriffe nördlich von Souchez und Sprengungen in der Gegend von Le Mesnil in der Champagne waren erfolglos.

In deu westlichen Argonnen besetzten wir feindliche Gräben.

Auf die Beschießung von Thiaucourt antworteten wir abermals mit Feuer auf Pont a Mousson.

In den Vogesen setzte sich der Feind gestern abend in den Besitz unserer vordersten Gräben auf dem Lingekopfe (nördlich von Münster).

Bei Roncque nordwestlich von Tourcoing wurde ein französisches, bei Peronne ein englisches Flug⸗ zeug zum Landen gezwungen. Die Insassen sind gefangen genommen.

Oestlicher Kriegsschauplatz.

Ein Vorstoß aus Mitau wurde von uns Zwischen Poswol(südlich von Mita u) Njemen folgen wir dem weichenden Gegner.

Die Russen versuchten gestern uusere über den Nar em vorgedrungenen Truppen durch einen großen, einheitlichen, aus der Linie Goworowo l(östlich von Rozan) Wis⸗ kowSerok(südlich von Pultusk) angesetzten Angriff zurückzudrängen. Die russische Offensive scheiterte völlig. 3390 Russen wurden gefangen, 13 Maschinengewehre er⸗ beutet.

Oestlich und südöstlich von Rozan drängen unsere Truppen hinter dem geworfenen Feinde nach Osten vor. Am Pruth südöstlich von Pultusk wird noch hartnäckig ge⸗ kämpft.

Vor Nowo⸗Georgiewsk und Warschau Veränderung.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Vor Jwangorod nichts Neues.

Nördlich von Hrubieszow warfen wir den Feind aus mehreren Ortschaften und nahmen 3940 Russen(darunter 10 Offiziere) gefangen.

Im übrigen ist die Lage bei den deutschen Truppen des Generalfeldmarschalls v. Mackensen unverändert.

Oberste Heeresleitung.

einige

abgewiesen. und dem

keine