als dem Feinde. Es heißt dort: Es ist immer eine offene Frage geblieben, wer den wirtschaftlichen Druck am stärksten fühlen würde, wir oder der Feind. Das praktische Refultat der englischen Politik ist es gewesen, daß Deutschland genötigt wurde, all' seine wirtschaftliche Erfahrung und Kenntnis zu mobilisieren, um Mittel zu finden, damit es sich selbst erhalten kann. Wir haben Deutschlang geholfen, sein Geld zu Hause zu behalten, anstatt es im Auslande zu ver⸗ schleudern. Wir haben ihm alle Sorge erspart, Geld zu finden, um seine Einfuhr zu bezahlen, ohne die sich das Land jetzt dank unserer Lektion recht gut helfen kann. In der Tat, Deutschland hat Grund, uns dafür dankbar zu sein. Silberne Kugeln sind jetzt ein zweckloser Luxus gegen Deutschland. Die bleiernen Kugeln ent⸗ sprechen viel besser dessen Zwecken, und so lange es genug davon hat, und genug Kartoffelmehlbrot, um seine Soldaten zu ernähren, kann es, was die wirtschaftliche Seite des Krieges angeht, den Kampf für unbeschränkte Zeit fort⸗ setzen. Wenn dagegen die Einfuhr nach Deutschland nicht verhindert worden wäre, dann wäre es viel verschwen⸗ derischer gewesen als jetzt. Zum eigenen Schaden muß England jetzt erfahren, daß die Einfuhr auf die eine oder andere Weise bezahlt werden muß, und wenn die Aus⸗ fuhr nicht in gleichem Maße steigt, dann kommt der wirtschaft⸗ liche Druck von selbst. Es scheint, daß unsere Blockade⸗ politik eher eine Quelle der Kraft als eine Quelle der Schwäche für den Feind gewesen ist. Der Economist fügt diesem Briefe hinzu: Jene Logik des Briefschreibers verdient die Aufmerksamkeit derer, die die englische Politik
leiten. Deutschland und Amerika.
Aus Berlin wird der Frankf. Ztg. geschrieben:
Wenn das Reutersche Telegraphenbureau es ehrlich meint mit der Wiedergabe der Stimmungsberichte, welche die amerikanische Note in der deutschen Presse hervorge— rufen hat, so hat es das leicht, denn von Meinungsverschieden⸗ heiten ist da wenig oder nichts zu merken; in allen Blättern der Rechten und der Linken wird die Note des Herrn Wilson als ein unfreundlicher Akt gegen Deutschland ganz entschieden abgelehnt. Da⸗ mit ist die Angelegenheit für die deutsche Presse einstweilen erledigt, und man kann es abwarten, was die deutsche Re⸗ gierung in einer neuen Note zu antworten gedenkt. Daß eine Antwort kommen wird, steht wohl außer Zweifel, denn die amerikanische Note enthält so viel Irrtümer und Widersprüche, daß es nicht schaden kann, wenn sie durch die berufene amtliche Stelle vor aller Welt aufgedeckt werden. Nur wird man kaum hoffen dürfen, daß dergleichen Aus⸗ einandersetzungen auf den von weltfremden Theorien be— herrschten Präsidenten der Vereinigten Staaten überzeugende Kraft haben werden. Wer klipp und klar ausspricht, daß er, kurz gesagt, die Torpedierung englischer Schiffe, seien sie bewaffnet oder nicht, als vorsätzlich unfreundlichen Akt an⸗ sieht, wenn dabei amerikanische Bürger zu Schaden kommen, der hat sich sein Urteil fest gebildet und verlangt nicht mehr nach Aufklärung, sondern will abwarten, ob die Ereignisse ihn vor die Frage stellen, Folgerungen aus seiner Auffassung zu ziehen. Aus diem Grunde kommt es ja auch nicht darauf an, ob die Darlegungen, zu denen unsere Regierung durch die amerikanische Note veranlaßt wird, in nächster Zeit oder in ferner Zeit erfolgen. Es ist wie auf den Kriegsschau⸗ plätzen zu Lande: kacta loquuntur.
Zusammentritt des Reichstags.
Berlin, 26. Juli.(W. T. B. Amtlich.) Die nächste Vollsitzung des Deutschen Reichstages findet am 19. August nachmittags 2 Uhr statt. Die Haushaltskommission des Reichs⸗ tages wird ihre Beratungen am 17. August vormittags 10 Uhr wieder aufnehmen.
Die Schwierigkeiten dauern fort. T. U. London, 26. Juli. Alle Bergleute haben die Arbeit noch
eine ganze Anzahl Arbeiter, die drohen, weiter zu streiken, wenn sie nicht bessere Bedingungen erhalten als die, welche man ihnen auf der Konferenz in Cardiff vorgeschlagen hat.
Am Clyde wird, wie die Times meldet, gestreikt, aber diesmal scheint nicht einmal der Versuch gemacht zu werden, das berühmte Munitionsgesetz in Anwendung zu bringen. Wenigstens ist davon nicht mehr die Rede. Es wird lediglich fest⸗ gestellt, daß 50 bis 60 Prozent der Arbeiter streiken. Man hofft, daß sie heute die Arbeit wieder aufnehmen werden. Bemerkens⸗ wert ist, daß es sich hierbei um Schiffsbauarbeiter handelt, die für die Admiralität arbeiten. Nachdem nun zuvor schon dieser Tage der Streik in Südwales zu Ende gebracht worden ist, ohne daß das bereits ernannte Munitionsgericht einzugreifen wagte, muß zugegeben werden, daß das Mun itionsge setz einen schwe⸗ ren Schlag erhalten hat, und daß es kaum mehr in der Lage sein wird, den Arbeitern irgend welche Achtung einzuflößen.
Deutsch⸗österreichisch⸗ungarische Wirtschafts⸗
Konferenz in Berlin.
Unter dem Vorsitz des früheren Reichstagsabgeordneten von Dircksen tagten in der Zeit vom 22. bis 24. Juli Vertreter aus Deutschland und Ungarn in Berlin, um den Plan eines engeren wirtschaftlichen Zusammenschlusses der genannten Staaten zu er⸗ örtern. Oesterreich war nur durch einen höheren Ministerial⸗ beamten vertreten. Man einigte sich auf solgende Richtlinien:
„Die der wirtschaftlichen Vereinigung zu gebende Form soll die zollpolitische Bevorzugung sein, die einen fortschreitenden Ausbau zuläßt. Demgemäß ist es wünschenswert, daß Deutschland mit Oesterreich⸗Ungarn in den Friedensverhandlungen erklärt, daß die Begünstigungen, welche sich Deutschland, Oesterreich und Ungarn ge⸗ währen, in Anbetracht des Bündnis⸗ und Freundschaftsverhältnisses zwischen ihnen Vorzugszölle von der allgemeinen Regel der Meist⸗ begünstigung ausgenommen werden.
Es ist die Aufstellung von gemeinsamen Richtlinien für Handels⸗ vertragsabmachungen mit anderen Staaten vorzusehen, und zwar in der Richtung, daß solche Handelsvertragsverhandlungen womöglich gleichzeitig unter gegenseitiger Unterstützung geführt werden.
Mit tunlichster Beschleunigung sollen in den drei Wirtschafts⸗ gebieten alle Maßnahmen gesetzlicher und verhaltungstechntscher Natur, die zur Entwicklung der Produktion, des Handels, Verkehrs und der Finanzwirtschaft ihrer Länder notwendig erscheinen, im Sinne der Annäherung bezw. Vereinheitlichung durchgeführt wer⸗ den, um eine möglichst einheitliche wirtschaftliche und finanzpolitische Gesetzgebung zur weiteren Förderung der Annäherung zu erreichen.“
Viel Erfolg wird man sich von diesen Beschlüssen nicht ver⸗ sprechen dürfen, denn dazu sind die wirtschaftlichen Verhältnisse in jedem der drei Staaten zu verschieden. Die Industrie in Oesterreich und in Ungarn ist bestrebt, sich die Konkurrenz der deutschen In⸗ dustrie vom Halse zu halten. Die deutschen Agrarier wiederum fürchten die Konkurrenz der ungarischen Agrarprodukte. Der Ge⸗ danke der Verzugszölle ist ein Weg, der den Abschluß von Handels⸗ verträgen riesig erschweren, wenn nicht unmöglich machen wird. Der Schaffung eines gemeinsamen Zollgebietes aber stehen in der Hauptsache kapitalistische Interessen entgegen.
Die Lage im Osten.
Zusammenfassend läßt sich von den Operationen sagen, daß sie den größten Teil Kurlands, diese schönste Perle der russischen Krone, in deutschen Besitz brachten und daß der Fall Schaulens die notwendige Konsequenz dieser Operationen war. Damit ist auch der größte Teil von Russisch⸗ Litauen unter deutsche Botmäßigkeit gelangt, ein Erfolg, der ebenso der glänzenden Leitung wie der Zähigkeit und Tapfer⸗ keit unserer Truppen zu verdanken ist. Die deutsche Linie auf diesem Teil des Kampfgebietes geht jetzt von der Dubissa⸗ Mündung⸗östlich Ponjewo⸗südlich von Bausk. So gewinnt die deutsche Tätigkeit im Osten durch diese Aktion eine wesent⸗ liche und verheißungsvolle Ergänzung.
Der deutsche Druck auf Warschau. Petersburg, 27. Juli. Der Gouverneur von Warschau hat den Befehl erlassen, die ganze Ernte müsse innerhalb der nächsten drei Tage eingebracht sein. Die zwischen Blonie und Goritzy stehenden Heeresteile haben die Ordre erhalten, die bis dahin nicht einge⸗ brachte Ernte in Brand zu stecken. Die Lockungen des Vierverbandes.
T. U. Rotterdam, 27. Juli. Der Vierverband macht augenblicklich in Bukarest und Sofia die verlockendsten Ange⸗ bote. Rumänien soll Siebenbürgen, das Banat und alle von Rumänen bewohnten Teile Bessarabiens, Bulgarien dagegen ganz Mazedonien erhalten. Die Könige von England und Italien sowie Präsident Poincaré stehen wegen der Balkan⸗ verhandlungen in ständigem Depeschenwechsel mit dem Zaren.
griechischen Schiffen nicht mehr erlauben werde, sich der bul⸗ garischen Küste zu nähern. Die griechische Regierung beab⸗ sichtigt, diese Verfügung damit zu beantworten, daß sie die für Serbien bestimmten Munitionstransporte nicht mehr durch griechische Gewässer durchlassen und in den griechi⸗ schen Häfen zurückhalten werde.
Deutsche Unterseeboote an der bulgardschen Küste?
T. U. Lugano, 27. Juli. Nach der Turiner Stampa be · richtete der Kapitän des aus Soloniki in Italien ange⸗ kommenen Dampfers„Bosnia“, daß er in der Nähe von Dedeagatsch zwei deutsche Unterseeboote gesehen habe.— Du wird es mit der Blockade der bulgarischen Küste für die Eng⸗ länder schlecht aussehen.
Von einem U-Boot versenkt.
Amsterdam, 27. Juli. Reuter meldet aus London: Der eng⸗ lische Dampfer„Grangewood“, von Hull nach Archangelsk unter⸗ wegs, wurde am 24. Juli in der Nordsee von einem deutschen Unterseeboot torpediert. Die Besatzung wurde gerettet. Der Dampfer hatte 3422 Tonnen, war 1902 gebaut worden und in London beheimatet.
Das Dampferunglück bei Chicago.
T. U. Newyork, 27. Juli. Die letzten Meldungen aus Chikago besagen, daß sich die Zahl der Passagiere an Bord der „Eastland“ auf 2575 belief, von denen 1810 umgekommen seien. Bis jetzt wurden 884 Leichen geborgen. Ueber die Ursache des Unglücks ist von den Behörden eine Untersuchung. eingeleitet worden.
Parteinachrichten.
Zur Berner Frauen⸗Konferenz.
Der Parteivorstand schreibt uns: 3 5
In der Berner Tagwacht vom 20. Juli sind über die Vor⸗ bereitung der Berner Internationalen Frauenkonferenz Mit⸗ teilungen aus einem Briefe der Genossin Zietz enthalten, durch deren Wiedergabe der Anschein erweckt werden könnte, als ob es sich um Mitteilungen handelt, die der Parteivorstand der deutschen Sozialdemokratie an die Redaktion der Berner Tagwacht, die„an 135 Vorbereitung der Berner Konferenz beteiligt war“, gemacht hätte.
Der Parteivorstand hat die Beschickung der Berner Konferenz in einem Briefe an die Genossin Zetkin, der vom 20. März datiert ist, mit folgenden Gründen abgelehnt:
„Der Parteivorstand bleibt bei seiner Auffassung, daß Ver⸗ handlungen über die Fragen der internationalen Politik in einer Zeit, wie der jetzigen, von den Parteivorständen der sozialistischen Parteien zu führen sind.“
Diese Auffassung wurde von dem Parteiausschuß später aus⸗ drücklich gebilligt.
Die in der Berner Tagwacht mitgeteilte Stelle stammt aus einem Briefe, den die Genossin Zietz am 23. März an die Genossin Zetkin geschrieben hat. Weder der Parteivorstand noch die Ge⸗ nossin Zietz persönlich haben der Redaktion der Berner Tagwacht aus diesem Briefe Mitteilungen gemacht.
*
Dazu schreibt uns Genossin Zietz:
Daß die beanstandeten Einwände gegen den Entwurf der Friedensresolution nicht dem Parteivorstand, sondern mir persön⸗ lich zur Last fallen, ist bereits in der Vorstandserklärung gesagt. Aber die Berner Tagwacht irrt, wenn sie meint, ich schäme mich, sie bekannt zu geben. Ich halte sie auch heute noch voll aufrecht. Eine Friedensresolution, auf deren Wortlaut sich die Genossinnen aller kriegführenden Länder einigen sollen, darf keine Rekriminationen gegen die eine oder die andere Partei enthalten, wenn sie eini⸗ gend wirken soll. Die Auseinandersetzungen über die inneren Parteifragen in den einzelnen Ländern gehören vor das Forum der eigenen Partei dieser Länder.
Die Friedensresolution darf auch keine Rekriminationen gegen die betreffenden Regierungen und ihre Kriegsführung enthalten, wenn man will, daß sie veröffentlicht werden und damit erst wirksam werden soll.
Bis heute konnte die Friedensresolution der Berner Frauen⸗ konferenz in Deutschland und Oesterreich noch nicht veröffentlicht werden, weil meine Einwendungen, die von den österreichischen Genossinnen unterstrichen, ergänzt und begründet wurden, keine Beachtung gefunden haben.
Daß ich aus Zweckmäßigkeitsgründen meine Einwendungen erhob und mich natürlich nicht grundsätzlich gegen alte allgemein anerkannte sozialistische Postulate wendete, habe ich ausdrücklich
„
nicht wieder aufgenommen, man hofft jedoch, daß vor Ende der England und Griechenland. in den Sätzen über Belgien betont, obgleich das unter Genossen Woche die Arbeit in den Kohlengruben wieder normal sein wird. Wien, 27. Juli. Amtlich wird hier aus Athen mitgeteilt, daß] eigentlich überflüssig sein sollte. Alle Schwierigkeiten sind noch nicht beigelegt, in Heth gibt es noch! die englische Regierung in Athen mitteilen ließ, daß England den
Diethelm von Buchenberg
* Erzählung von Bertold Auerbach. 34
Das Zaudern und Trödeln des Waldhornwirts machte Diethelm alle Eingeweide kochen. Er hielt es in der Stube nicht mehr aus, sagte, er wolle nach der Schmiede gehen, und bis er zurückkäme, müsse der Vetter reisefertig sein. Diet⸗ helm War entschlossen, wenn das Zögern noch länger dauerte, lieber allein abzureisen; ohnehin war ja der Zweck erreicht, daß das ganze Dorf um seine Abreise wußte. Als er aber vor die Tür kam, wo ihm ein Wind so stark entgegenwehte, daß er ihm den Atem benahm und er sich umwenden mußte, spürte er plötzlich einen heftigen Schmerz im Oberarm von dem Bisse Medards, den er fast ganz vergessen hatte. Mit Mühe arbeitete er sich sturmentgegen nach der Schmiede, und als er dort ankam, rief er dem Schmied zu:„Nimm dich in acht vor dem zuderhändigen Rappen, der beißt. Weißt kein Mittel gegen einen Pferdebiß?“
„Laß einmal sehen,“ erwiderte der Schmied.
„Es ist jetzt schon heil,“ beschwichtigte Diethelm in Furcht, sich zu verraten,„aber für's Zukünftige könntest dit mir ein Mittel geben.“
„Da wendest du dich am besten an den alten Schäferle, der hilft dir, daß es in einer Stunde vorbei ist.“
Diethelm versprach, dies vorkommenden Falles zu tun Während er, am Feuer stehend, den Schmerz verbiß, kam ein Trupp Männer und Burschen wild lärmend nach der Schmiede, so daß Diethelm erbebte. f
„Komm', Schmied,“ hieß es nun,„es ist Befehl vom
Im ganzen Dorfe war jetzt eine wunderliche Aufregung. Die Nachricht, daß man von aller Welt abgeschnitten sei, durchdrang alle Häuser, und die Menschen, die sonst nie daran dachten, daß anderswo auch noch Leute wohnen, taten auf einmal, als ob sie allstündliche Verbindungen nach außen hätten und gar nicht leben könnten ohne deren ungestörten Bestand. Ueberall in den verschneiten Gassen sah man mit dem Winde kämpfende Menschen hin und her rennen. Weiber grillten, wie sie unversehens in eine tiefe Schneewehe traten, Kinder jauchzten, Männer schrien; man lief nach den Nachbarhäusern zu Vettern und Verwandten, als müßte man sich vergewissern, daß der Weg dahin noch offen sei, und Vor⸗ sorgliche eilten zum Krämer, um sich Salz zu holen; denn es hatte sich das Gerücht verbreitet, daß der Salzvorrat bald erschöpft sei und man lange keines von außen bekommen könne. Vor allen Häusern wurde geschaufelt und Eis gehackt und mancher Scherz dabei verübt, und die Kinder taten überall mit, denn in der allgemeinen Aufregung war ein glücklicher schulfreier Tag. In das verschlossene, lautlose Winterleben des Dorfes war plötzlich ein buntes, lärmendes Straßentreiben gekommen, in dem das damit verbundene Ungemach fast vergessen schien; der Wirrwarr hatte seinen eigenen Reiz, und die Erwachsenen sind auch oft wie die Kinder, denen nichts lieber ist als eine tummelfreje Umkehr der gewohnten Ordnung.
Das meiste Leben war bei dem Bahnschlitten. Dieses in einen spitzen Winkel gefugten Borden bestehend, einem in der Mitte zerteilten Schiffe gleichend, dessen Kiel mit Eisen
noch aus dem Urzustand herstammende Fahrzeug, aus starken,...
überrieselte es ihn eiskalt; den Schmerz am Arme spürte er kaum mehr. Am Bahnschlitten hörte er mehrmals den Namen Medards nennen, der sonst immer bei dieser Aus⸗ fuhr gewesen war, und sich heute nicht sehen ließ. Diethelm sagte, der Medard müsse daheim bleiben, da er verreise. Endlich fuhr das schwere Gefährt das Dorf hinaus, und es trat eine Weile Stille ein. Diethelm kehrte in das Waldhorn zurück. Der Vetter war froh, daß sich die Reise noch ver— zögerte, während Diethelm vor Verzweiflung fast vergehen wollte. Er stellte die Rappen im Waldhorn ein und wollte bis zur Abreise nur die Rückkunft des Bahnschlittens abwarten, einstweilen ging er wieder— nach Hause. Es schauderte ihn innerlich, da er dieses Wort aussprach, er hatte ja kein Haus mehr, es sollte nicht mehr sein. Dennoch ging er den Weg dahin, aber an der Anhöhe hielt er an und konnte sich nicht dazu bringen, hinaufzusteigen. Es kam ihm der Gedanke, Medard zu befreien, und wie von einem Banne erlöst, rannte er mehrere Schritte hinan; aber plötzlich hielt er wieder inne: wenn er nun Medard befreite, muß dieser ihn nicht auf den Tod hassen und ins Elend bringen?... Diethelm kehrte rasch wieder um. Aber noch einmal und noch einmal stieg er fast dieselbe Höhe des Berges hinan, und wieder stand er still und fuhr sich mit totenkalter Hand über die heiße Stirn, denn er dachte: Medard ist schon erstickt, er muß schon erstickt sein. Was willst du dir noch den grausenvollen Anblick machen, der dich nie verlassen wird, so lange dir ein Aug' offen steht? ... Der Wind im Rücken half Diethelm rasch den Berg hinab⸗ springen, und er kam eben ins Dorf, als der Eilwagen glück⸗
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lich durchfuhr. Nun war die Bahn offen, es galt, keine Zeit 1 mehr zu versäumen. Mit erheitertem Antlitz kam Diethelm ins Waldhorn zurück, aber er mußte doch noch dem Vetter nachgeben, daß man daheim Mittag machte. Diethelm trank zwei Flaschen von seinem Leibwein und war übera wohl⸗ 8 gemut, als man über alle Hindernisse hinweg endlich davon⸗ 5
fuhr.(Fortsetzung folgt.)
Amt da, daß wir mit dem Bahnschlitten naus müssen, der Postwagen kann nicht durch. Sollen wir gleich die Rappen da einspannen?“
Diethelm wehrte ab, und es gelang ihm, seine halb— gegrifften Pferde zu behalten. Die Truppe eilte nach dem Spritzenhäuschen, wo der Bahnschlitten stand.
beschlagen, wurde mit sechs Pferden bespannt, und mindestens dreißig Mann, stellten sich als Beschwerdelast auf denselben, johlten und schrien.
Diethelm sah all dem Treiben mit unnennbarer Seelen— angst zu. Das Herz im Leibe drückte ihn wie ein Stein, bald schlug es ihm wie Flammen zum Gesicht heraus, bald


