Ausgabe 
27.7.1915
 
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uniernommen und gestützt sind. Inwieweit biese Voraussetzung in dem vorliegenden Falle zutraf, das möge man aus folgenden Zeilen entnehmen, die ein hervorragender holländischer Parteigenosse an uns richtet:

.. Herr Dresselhuys ist von Beruf Rechtsanwalt und jetzt als Reserendar im Ministerium des Innern tätig, eine Stellung, die ungesähr der eines Regierungsrats in Deutschland entspricht. Auch ist er Vorsitzender desAnti-Kriegs⸗Nates, einer absolut privaten Frledensverelnigung. Im übrigen aber kann ich versichern, daß in leitenden politischen Kreisen unseres Landes nichts davon bekannt ist, daß England im Friihjahr oder später irgendwie zum Frieden geneigt war. Wenn fbrigens die englische Regierung durch die holländische eine Vermittlung hätte herbeiführen wollen, so hätte sie sich zweifellos an einen Diplomaten gewandt, der auch einen ent scheidenden Einfluß in der holländischen Regierung hat. Herr Dresselhuys hat jebenfalls in bezug auf Friebensverhandlungen nicht mehr Einfluß wie jede andere Privatperson...

Deutscherseits, so hieß es damals, seien an der Vermittlungs altion ein Professor und Herr v. Tepper⸗Lasli beteiligt gewesen. Der letztere ist Vorsitzender eines ebenfalls privaten deutschen Friedensvereins. Bekannter ist er als Rennstallbesitzer. Als solcher vertritt er zurzeit in einem offenen Briese an den Union-Club energischdie sofortige Wiederaufnahme eines ausgedehnten Renn betriebes mit Totallsator, ohne den es nicht geht... Sentimentale Rlücksichten auf die Schwere der Zeit sind hier nicht am Platze...

So berichtete nämlich der Vorwärts am 16. Juli. In diesem Falle hat es sich also auch auf deutscher Seite laum um eine Persön lichkeit gehandelt die den zu solch ernster Mission nötigen Einfluß besitzt. Englischerseits sollen einige Geistliche und ähnliche wohl meinende, aber bei der Regierung ebenso einflußlose Leute betelligt

gewesen sein. Das serbische Heer.

Chiasso, 25. Juli. Magrini, der Berichterstatter des Secolo in Serbien, schilbert den Zustand des serbischen Heeres als vorzüg lich. Es betrage herzeit 290000 Bajonette. Velgrad sei durch eng lische, französische und russische Batterien verteidigt. Das serbische

eer sel zur Offensive bereit, aber der Generalstab halte den Zeitpunkt nicht für güünstig. Ein wirklicher Nutzen aus der serbischen Offensive ergebe sich nur dann, wenn der Ring ganz ge schlossen sei. Es fehle noch Rumänien. Die Oesterreicher hätten die Grenze gegen Serbien stark befestigt. Die Offensive sei darum keine Kleinigkeit.

Bryan gegen die amerikanischen Kriegslieserungen.

Amsterdam, 25. Juli.(T. U.) Der frühere Staatssekretär Bryan setzt dem Newyorker Commerce zufolge seine Agitation gegen die Kriegslieferungen der Vereinigten Staaten fort. In einer Massenversammlung, über die weder Reuter, noch englische Zeitungen etwas berichten, hat Bryan die früheren Präsidenten Taft und Roseevelt aufs heftigste angegriffen und ihnen dorgeworfen, daß ihre Haltung gegenüber den Ereignissen auf den europäischen Kriegsschauplätzen einer objektiven Neutralität widerspreche.

Die Streikbewegung in Amerika.

Rotterdam, 24. Juli.(W. T. B. Nichtamtlich.) Wie der Rotter damsche Courant aus London meldet, erfährt der Daily Telegraph aus Newyork, daß die Streils in ben Oststaaten erheblich zu nehmen, was den Regierungsbeamten viel Sorge bereite. Man befürchte nämlich, daß die Arbesterunruhen, die durch deutsche Auf wiegler hervorgerufen sein sollen, als eine Verletzung der ameri lanischen Neutralität ausgelegt werden könnten, weil dadurch die Lieferung von Kriegsmaterial an die Alliserten behindert werde. Es sel bemerkenswert, daß alle Arbeiter, die in den Ausstand treten, in Munftionsfabriken, bei Schiffahrtsgesellschaften, Petro leumrassinerlen und anderen Fabriken, die Kriegslieferungen aus zuflihren hätten, beschäftigt seien. Das Arbeits- und Justlz departement hat beschlossen, einzuschreiten.

Newyork, 25. Juli.(W. T. B. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Die Ausständigen der Standard Oil Company in Bayonne und New-Yersey haben vorge schlagen, daß sie entweder eine Lohnerhöhung von 15 Prozent bei 50 Arbeitsstunden in der Woche annehmen, oder die Arbeit' wieder aufnehmen und die Entscheidung des Schiedsgerichts abwarten würden. Es verlautet, daß sich die Gesellschaft für letzteres ent schleden hat.

Die türkisch⸗bulgarischen Verhandlungen.

Die türkisch-bulgarischen Verhandlungen sind offenbar in ein entscheidendes Stadium eingetreten. Die Audienz des Konstinopeler deutschen Botschafters, Baron von Wangenheim, beim König Ferdinand, sowie eine Besprechung mit dem bulgarischen Premierminister Radoslawow scheint die Ent scheidung gebracht zu haben. Radoslawow hat gleich nach

Diethelm von Buchenberg.

Erzählung bon Bertold Auerbach. 33

Munde, du bist dein Lebtag gut zu mir gewesen, ich bitt dich, Munde, guter Munde, hilf mir, daß ich fortkomm', rief sie immer laut weinend, und Munde selber weinte mit und versprach, alles zu tun.

Der Schaffner sah auf seine Uhr und sagte, durch Buchen berg gehe erst morgen wieder ein Eilwagen, in einer Stunde aber gehe ein anderer nach G. ab, und von dort aus könne Fränz leicht nach Buchenberg kommen. Fränz eilte schnell auf ihre Kammer, holte ihre Kleider, und trotz aller Einrede, daß sie doch den Abgang des Wagens im Hause abwarten möge, blieb sie nicht und ging, von Munde allein begleitet, nach dem Posthof.

Wie träge schlug hier die Uhr; Fränz wollte fast vergehen vor Hast und Verzweiflung, und Munde, der sie gar nicht be ruhigen konnte, sagte fast unwillkürlich:Wenn ich nur den bösen Gedanken aus dem Kopf bringen könnt'!

Was? Was hast du? fragte Fränz, ihn am Arme sassend. Munde sagte, daß es nichts sei, und er könne es nicht sagen, es sei schlecht, und sie solle es ja nicht glauben, aber er sag's ihr nicht.

Nun drang Fränz immer heftiger in ihn und schwur, ihr Leben lang ihn nicht mehr anzusehen, wenn er nicht mitteile, was er im Sinne habe.

Da sagte Munde:Es ist einfältig, es wäre besser ge wesen, ich hätt' dir gar nicht gesagt, daß ich was weiß. Aber ich seh' schon, ich komm' so nicht mehr los. Schwörst du mir, es nicht zu glauben und keinen Haß auf mich zu werfen und mich gern zu haben, wenn ich dir's sag'? Nein, nein, ich kann auch so nicht, ich bring's nicht auf die Zunge, nie.

Ich schwör' dir alles, ich bitt' dich, lieber, lieber Munde, ich hab' dich so lieb, ich bitt' dich, sag mir's, was ist? Was weißt?

Es ist eigentlich dumm, und du könntest meinen, wunder

r

der Rücksprache mit Baron von Wangenheim den Minister⸗ rat einberufen. Wenn eine Einigung über die Abtretung des thrazischen Grenzgebietes mit der Bahnlinie und die Aegäe noch nicht erzielt ist, so scheint sie doch zumindest un⸗ mittelbar bevorzustehen. Mit dem Abschluß der türkisch⸗ bulgarischen Verhandlungen wäre allen weiteren Bemühungen des Vierverbandes, Bulgarien auf seine Seite zu ziehen, jeder Boden entzogen. Griechenland und die Türkei.

Athen, 25. Juli. Hiesige politische Kreise und die öffent liche Meinung verfolgen seit einiger Zeit mit wachsende: Mißstimmung die Ausweisung, resp. zwangsweise Entfernung der griechischen Bevölkerung an den Küsten des Marmara meeres und Kleinasiens, besonders der Bezirke Vurla und Aivali. Flüchtlinge aus diesen Gegenden treffen andauernd auf Mitylene und anderen Inseln ein und verursachen der griechischen Regierung, die durch die Flüchtlingsfrage schon schwer heimgesucht ist, große Verlegenheit.

Auf die Meldung, daß die Türkei die griechischen Frauen und Kinder aus Aivali entfernen will, hat die griechische Regierung ihren Geschäftsträger Tsamados beauftragt, die Rücknahme dieses Beschlusses zu beantragen und die Aufmerksamkeit der Pforte auf die systematische Ver folgung des Griechentums durch die Türkei zu lenken. 5

Der Kampf um China. Euglaud und Amerika als Gegner Japans.

Die Morning Post enthält, wie der Frankf. Ztg. aus London berichtet wird, einen Artikel aus Tokio von 24. Juni. Darin wird gesagt, daß der Mißerfolg, den Japan bei seinen jüngsten Unterhandlungen mit China hatte, vor allen Dingen dem Wi derstande Groß britanniens und der Vereinigten Staaten gegenüber den Forderungen Japans zugeschrieben wird, und daß es auch die Politik dieser beiden Staaten ist, die sich der zukünftigen Politik Japans in die Wege stellt. Japans Ansprüche an eine überwiegende Stellung im fernen Osten und seine stets wachsenden Ansprüche in bezug auf Ching finden eben in der Politik dieser beiden englischsprechenden Länder ihren natürlichen Gegner, und, um seine Wünsche durchzusetzen, glaubt nun Japan keine andere Wahl zu haben als eine mächtigere Bewaffnung der Nation. Keine geringere Persönlichkeit als der Premierminister Graf Okuma hat sich über diese Notwendigleiten in offener Weise ausgelassen. Während die militärische Partei in Japan zu bor nur zwei Armeedivisionen verlangte, erklärt jetzt Graf Okuma, daß Japan nicht zufriedengestellt sein würde, bis fünfundzwanzig neue Armeedivpisionen geschaffen seien, Ein gleich großes Ausbreitungsprogramm gilt für die Flotte. Zuvörderst sollen gebaut werden: 4 Ueber- dreadnoughts, 4 Torpedobootszerstörer, 2 Patrouillen schifse, 8 Unterseeboote und ein Schiff für Aexoplane, was für die nächsten 4 Jahre eine Ausgabe von 190 Millionen Yen verursachen würde. Das bedeute jedoch nur die Hälfte des Gesamtprogramms der Flottenerweiterung, das in seiner Ge samtheit 8 Panzerkreuzer, 8 Dreadnoughts, 6 Patrouillen schiffe, 64 Torpedobootszerstörer, 24 Unterseeboote und ver schiedene Transport- und Hilfsschiffe umfasse. Das Datum der Fertigstellung dieses Programms ist nicht bekannt. Die militärischen Behörden sprechen sich dafür aus, daß das Flottenprogramm erst nach dem jetzigen Kriege in Aus führung genommen werde, damit die Erfahrungen, die in diesem Kriege gewonnen werden und die wichtige Aenderungen im Bau der Kriegsschiffe verlangen, mit in Betracht gezogen werden. Das Marineministerium dagegen wünscht keinerlei Aufschub und viele dringen darauf, daß das Flottenprogramm mit aller Eile ausgeführt werde, während wieder andere einer Erörterung im Reichstage das Wort reden.

Die Morning Post sagt, daß in diesem Ehrgeiz, mit dem Japan die Westmächte in seiner Politik in China zu überflügeln suche, ein starkes Element der Gefahr

was es wär', drum will ich's sagen, aber du darfst's nicht glauben.

Nein; aber sag's.

Mein Medard hat einmal im Rausche gesagt, dein Vater wolle das Haus anzünden. Das ist alles. Nicht wahr, du glaubst's nicht? Ich bitt' dich nur, gib mir gleich Nachricht, wie er den Meinigen geht. Wenn ich Urlaub bekomm', komm' ich morgen nach. Was hast? Warum redest denn nicht? Steh doch auf.

Ja, ja, sagte Fränz, wie träumend und erhob sich von der eisbedeckten Staffel, auf die sie sich gesetzt hatte.So, jetzt kommen die Pferde, aber wie langsam die machen. Gott im Himmel! Ich sterb', wenn das nicht schneller geht. Munde, was hab' ich sagen wollen? Ich weiß nicht mehr. Ja, sei mir nicht bös. Wenn nur meine Eltern noch leben, dann ist alles gut. Ich hätt's nie geglaubt, daß ich so aus der Stadt weggeh', und da, Munde, da hast du auch noch Geld: das, was du gesagt hast, wird nie mehr gesagt. So, gottlob. nun ade, schloß Fränz, als der SchaffnerEingesetzt! rief.

Der Postillon blies lustig, der Wagen fuhr ab, und Munde schlug sich davongehend auf die Stirn; es kränkte ihn, daß er so unbesonnen herausgeredet und den Schmerz des Mädchens noch grausam vermehrt hatte, und jetzt merkte er erst, wie er so unbewußt Geld angenommen. Er kehrte in den Rautenkranz zurück, um noch einiges zu besorgen, das Fränz in der Eile vergessen hatte.

VI

Unter klingendem Schlittenschellen fuhr Diethelm nach dem Dorfe hinab, er atmete tief auf in der scharfen Morgen lälte und starrte fast bewußtlos vor sich hin, beobachtend, wie die Rappen so rasch und gleichmäßig die Füße hoben, und wie sie so mutig die schellenumwundenen Köpfe warfen.

Während im Herzen ein jäher Schreck ausklingt oder wilder Schmerz rast, ist oft der äußere Sinn verloren und gefangen in der Betrachtung eines Farbenspiels, eines all täglichen Ereignisses, und verfolgt seine Wandlungen mit einer Stetigkeit und gesammelten Kraft, als wäre sonst nichts

liege und die Besorgnis wachse, daß die englische und ameri⸗ kanische Auffaffung von der Unabhängigkeit Chinas sich nicht mit denen Japans decke. Die Gefahren des Militarismus, die in England und Amerika so sehr gepredigt würden, scheinen Japan nicht zu beunruhigen.

Die amnerikanische Presse zur Note an

Deutschland.

W. B. London, 25. Juli. Das Reutersche Bureau meldet aus Newyork: Die Blätter sind einstimmig der Meinung, daß die Vereinigten Staaten in der Angelegenheit der Unterseeboote ihr letztes Wort gesprochen haben und der Ausgang der Sache werde nur von Deutschland abhängen. Die Fassung der Note wird allgemein gelobt. Man vertraut darauf, daß die Nation den Präsidenten unterstützen werde, was immer auch kommen möge. Der Newyork Herald sagt: Es bleibt jetzt Dentschland kein Mittel mehr, um sich den Folgen einer Tätigkeit, wie es die Versenkung derLusitania war, zu entziehen. Es bleibt ihm nichts anderes übrig, als den Unterseebootskrieg nach dem Völkerrecht zu führen. World schreibt ähnlich. Das Blatt of Commerce erklärt: Die Note ist in energischem Tone gefaßt. Man kann daraus schließen, daß man nichts anderes erwartet, als ein Nachgeben Deutschlands. Die Newyork Times schreiben: Mit, Mut und Entschlossenheit haben Wilson und Lansing dem Willen des amerikanischen Volkes Ausdruck gegeben, daß es Zeit ist, den langwierigen Besprechungen ein Ende zu machen, bei denen auf den Einspruch und die Forderungen Amerikas von Deutschland stets ausweichend geantwortet worden ist.

Neues Flottenprogramm Wilsons.

T. U. Amsterbam, 26. Juli. Reuter meldet aus Washington: Nach Veröffentlichung der Note an Deutschland wird bekannt, daß Präsident Wilson die Chefs der Marine und des Heeres um Be⸗ richt über die nationale Verteidigung ersuchen ließ. Ohne Ver⸗ bindung mit den gegenwärtigen Differenzen habe der Präsident bereits vor einiger Zeit ein neues Flottenprogramm erwogen, das er jetzt dem Kongreß vorzulegen gedenke. Obleich er in erster Linie wisse, daß die amerikanische Flotte an Kraft und Brauchbax⸗ leit den Flotten der anderen Nationen gleichstehe, so sei der Prä⸗ sident doch gewillt, in seiner Votschaft den Kongreß ein Programm zur Verstärkung des Heeres vorzulegen, das eine richtige mili⸗ tärische Ausbildung der Bürger vorsieht, wie sie den amerikani⸗ schen Traditionen entspricht. Es heißt, daß bezüglich dieses Teils des allgemeinen Programms bereits einige ganz bestimmte Be schllisse gefaßt sind. 0

Bevorstehende Räumung Warschaus.

T. U. Genf, 26. Juli. Nach einer Mitteilung des Temps bereiten sämtliche Pariser Blätter die Bevölkerung auf die Notwendigkeit der Preisgabe von Warschau durch den Groß fürsten Nikolajewitsch vor, der die Verbündeten schon von einem anderen Verteidigungsplan durch Vorbereitung einer neuen Linie hinter dem Bug Kenntnis gegeben habe. Der Fachkritiker einer großen französischen Zeitung schrieb noch gestern: Der russische Generalstab hat durch Maßnahmen jüngsten Datums dafür gesorgt, daß Rozan, Pultusk und Segrsze hartnäckigen Widerstand leisten und die Absicht des Feindes, sich Warschau zu nähern, vereiteln werden. Ent⸗ sprechend erklärten sich vorgestern alle vom Botschafter Isvolski inspirierten Organe. Große Ueberraschung riefen deshalb die jetzt in Paris vorliegenden Petersburger Depeschen hervor, welche im wesentlichen die deutschen Meldungen be stätigen.

M. B. Berlin, 26. Juli.(Priv.⸗Tel.) Nach dem Berliner Lokalanzeiger teilt die Petersburger Telegraphen-Agentur mit: Die Fabriken und Werkstätten von Warschau und Um⸗ gebung, die für die Militärkommandos arbeiten, wurden wegen der Schwierigkeit der Beschaffung von Brennmaterial und wegen der Nähe der Front auf Kosten der Regierung ins Innere des Landes verlegt.

OesterreichischeBrummer vor Jwangorod.

T. U. Paris, 26. Juli.(Indirekt) Tribune de Geneve teilt aus Innsbruck mit, daß die Oesterreicher sieben 42 Emtr.- und zwei 50 Emtr.⸗Kanonen gegen Iwangorob geführt haben, welches jetzt mit furchtbarer Wirkung bombardiert wird..

auf der Welt und als müßte gerade dieser Vorgang in seinem innersten Wesen erforscht werden. Erwacht dann das innere Bewußtsein aus solcher träumerischer Versenkung, so fährt der Gedanke an das erlittene Unheil wie mit tausend schnei denden Waffen aufs neue durch alle Lebensnerven, durch zuckt das ganze Wesen und ein lauter Aüfschrei spricht es aus, was über das selbstvergessene Menschenherz gekommen.

Diethelm fuhr so heftig auf, daß er mit dem Leitseil die Rappen herumriß, so daß sie sich nur mühsam auf den Beinen hielten. Diethelm sprang heraus, und es gelang ihm bald, das Fuhrwerk wieder flott zu machen; er stieg aber nicht mehr ein, sondern heftig trappend neben den Pferden her bis zur Schmiede im Dorfe, wo er die Pferde frisch griffen ließ, während er nach dem Waldhorn ging. Der Waldhornwirt war noch nicht zuweg, und als er kam, war er überaus übel launisch über die heutige Ausfahrt.

Wir sollten heut lieber daheim bleiben, sagte er,alle Wege sind verschneit, der Wind treibt allen Schnee auf den Straßen zusammen, und es ist heute so sträflich kalt, daß der Hungerbrunnen zugefroren ist; das erinnern sich die ältesten Leute nicht.

Diethelm sah den Vetter starr an, preßte die Lippen und sagte endlich:Wir müssen fort, und da ist nichts mehr zu reden.

Der Waldhornwirt holte sich eine große Schale Kaffee aus der Ofenröhre, und während er auf das Erkalten wartete dem Diethelm mit schnaubender Ungeduld zusah, sagte er: Wenn heute das Unglück wollte, daß ein Feuer auskäme man hätt' keinen Tropfen Wasser zum Löschen, das ganze Dorf wär' verloren.

Diethelm kam es vor, daß der Vetter bei diesen Worten ihn so seltsam anstierte, und er verfiel plötzlich in ein grinsen des Lächeln; er überlegte rasch, ob er auf das Gehörte ant⸗ 0 sollte, aber Schweigen konnte Mißtrauen erregen en er aufstehend:Glaubst du auch an die Prophe⸗ Nein, aber möglich könnt' es sein. f Nein, aber möglich könnt' es doch sein.(Forts. folgt.)