Hessen und Nachbargebiete.

Gießen und Umgebung.

Die neuen Maßnahmen des Bundesrats.

Die Bundesratsverordnungen, die am Freitag beschlossen und am Samstag veröffentlicht wurden, sind unseren Lesern bekannt. Sie enthalten im wesentlichen eine neue Festsetzung der Höchstpreise für Brotgetreide, Gerste und Hopfen und eine energische Abwehr des Lebensmittelwuchers. Was die Höchstpreise für Getreide betrifft, so hat man sie vernünftigerweise nicht erhöht, sondern bei dem bisherigen Stand gelassen. Ja, man ist insofern noch etwas weiter der berechtigten Kritik an der bisherigen Höhe dieser Preise ent gegengekommen, als man statt der bisherigen 32 Höchstpreis bezirke vier größere Preisgebiete eingerichtet hat und die Spannung, die im Vorjahr zwischen den Bezirken von 209 bis 237 Mark betrug, auf 215 bis 230 Mark verringert, was immerhin eine bei der Größe der in Frage kommenden Ge treidemengen eine kleine Preisreduzierung bedeutet. Für unsere Gegend gilt der Höchstpreis von 230 Mark. Auf der andern Seite sind allerdings erneut große agrarische Vorteil! festgelegt worden. Sie bestehen zunächst darin, daß man die Höchstpreise für Hafer und Gerste bedeutend erhöht hat. Sie haben jetzt einen Einheitspreis von 300 Mark bekommen und noch dazu die besondere Prämie, daß die Qualitätsgerste, die für Brauzwecke, Graupenfabrikation und Malzkaffeerzeugung in Frage kommt, überhaupt nicht mit Höchstpreisen versehen ist, sondern dem freien Spiel der Kräfte überlassen bleibt. Sehr bedauerlich ist auch, daß das Verhältnis von Getreidepreis zum Mehl preis trotz erneuter Forderung nicht begrenzt worden ist. Allerdings können jetzt nach der früheren Verordnung vom 28. 6. d. J. nur die Kommunalverbände Getreide er halten und daraus Mehl erzeugen. Die Ueberschüsse, die die Kommunalverbände dann aus der Differenz zwischen Getreide und Mehlpreis abzüglich Mahllohn und Spesen ihrer Kasse abführen können, sollen nach der genannten Verordnung ausschließlich für Volkswohlfahrtszwecke verwendet werden. Indessen wissen wir, daß in den ländlichen Kommunal- bezirken die agrarischen Interessen vorangestellt werden und daß auch die Großmühlen ihr Interesse hier durchzusetzen wissen. Es wird also leider keine Aussicht sein, daß die Mehl preise und damit worauf es für die Masse der Bevölkerung ankommt die Brotpreise fürderhin herabgesetzt werden.

Die Erhöhung der Futtermittelpreise, soweit Hafer und Gerste in Frage kommen, und das Bestehenlassen der hohen Höchstpreise für Weizen und Roggen wird nun in der offiziösen Kundgebung und in allen Blättern, die sich ihr kritiklos angeschlossen haben, mit den besonderen Teuerungs verhältnissen und besonderen Schwierigkeiten in der Land wirtschaft begründet. Demgegenüber muß mit allem Nach druck betont werden, daß diese Verhältnisse auch auf der übrigen Bevölkerung genau so schwer lasten; daß umgekehrt die Landwirte durchgängig den besonderen Vorzug vor der ganzen übrigen Bevölkerung haben, daß sie im allgemeinen Nahrungsmittel nicht zu kaufen brauchen, sich damit vielmehr selbst versorgen können und so die besonderen Ausbeutungen, unter denen die ganze übrige Bevölkerung am meisten leidet, gar nicht empfinden. Dazu kommt ferner, daß sie ja nicht bloß womit besonders hausiert wird Futtermittel kaufen müssen, die allerdings enorm im Preise gestiegen sind, sondern daß sie ja auch Futtermittel verkaufen, ebenso wie sie nicht nur Vieh zur Zucht kaufen, sondern auch Muttervieh zahl reich verkaufen und dann ungeheure Profite einheimsen. Im übrigen aber scheint es uns, als ob gerade für die Landwirte, die sich doch eines besonderen nationalen Empfindens früher gerühmt haben wenn sie jetzt auch zugeben, daß gegen wärtig alle anderen Klassen genau so national empfinden und handeln als ob die Landwirte dem Vater lande besonderen Dank schuldeten, weil unsere unvergleichlichen Heeresmassen den Feind von ihren Fluren abgehalten haben, sodaß sie in Ruhe ihr Land bestellen und ihren erhöhten Verdienst einscheffeln könnten. Keine andere Klasse der Nation hat für ihre Erhaltung dem Heere so viel Dank abzustatten, wie die Landwirtschaft und sie sollte das wenigstens, wenn durch nichts anderes, so dadurch tun, daß sie mindestens kein Vorrecht vor den übrigen Volksklassen verlangt.

Die Verordnung gegen den Lebens mittel wucher schließt sich, wie hier schon ausgeführt wurde, tat sächlich an die mit Recht so berühmt gewordene Verordnung des Münchener stellvertretenden Generalkommandos an. Sie bedroht mit Enteignung und bestraft mit Gefängnis und mit hohen Geldbußen den, der für Gegenstände des täglichen Bedarfs, insbesondere für Nahrungsmittel, einen über mäßigen Gewinn erhält oder gewährt und den, der Gegen stände dieser Art zurückhält, um dadurch übermäßige Gewinne zu erzielen. Es kann neben Gefängnis und Geldstrafen auf Einziehung der Vorräte erkannt und die Schuldigen können öffentlich bekannt gemacht werden. Das ist eine sehr energische Sprache und ein erfreulicher Erfolg der einmütigen Bewegung gegen den Lebensmittelwucher. Wir hoffen einerseits, daß diese Verordnung möglichst selten in Anwendung zu kommen braucht, aber andererseits, daß, wo die in ihr bezeichneten Fälle vorliegen, sie mit desto größerer Rücksichtslosigkeit be nutzt wird, um wenigstens die übelsten Erscheinungen der gegenwärtigen Lebensmittelversorgung auszumerzen. Leider sind die Begriffe in dieser Verordnung recht dehnbar und es wird großer Umsicht und Tatkraft bedürfen, um sie in den not wendigen Fällen zur Anwendung zu bringen. Den Vertretern der Arbeiterorganisationen und ihrer Presse wird hierbei die besondere Aufgabe zuteil, zu beobachten und ganz rücksichts⸗ los die Lebenswucherer an den Pranger zu stellen. Das können sie umso leichter, als die Militärbehörden selbst damit voran gegangen und ein Muster geblieben sind. Und die sozialdemo kratische Presse wird auf dem beschrittenen Wege fortfahren, unbeirrt von allen Anfeindungen, ohne sich um die Vorwürfe, daß sie dadurch den Burgfrieden störe, zu kümmern. Den Burg⸗

frieden gefährdet und stört nicht der, der den Lebensmittel wucher scharf bekämpft und beim rechten Namen nennt, sondern ihn stört einzig der, der ihn treibt oder der ihn duldet.

Außerordentlich bedauerlich ist schließlich, daß man mit dieser Ordnung der Getreideverhältnisse nicht auch schon sofort eine Ordnung der Kartoffelfrage in Angriff genom men hat. Uns wird berichtet, daß schon seit Wochen wieder Agenten im Lande herumreisen, um die Kartoffeln aufzu kaufen und nach dem berühmten Muster des Vorjahres einen neuen Kartoffelwucher in Szene zu setzen. s muß sofort mit der Beschlagnahme der neuen Kar toffelernte und mit Höchstpreisen dagegen vorgegangen werden, wenn nicht die üblen Erscheinungen des Vorjahres wieder zum Schaden des Volksganzen eintreten sollen.

Auch hat der Bundesrat noch keinerlei Schritte in der Fleischfrage getan, obwohl hier einer der größten Bundesstaaten Sachsen durch seinen Minister des Innern besondere Vorschläge gemacht und Forderungen erhoben hat. Die sächsische Eingabe an den Reichskanzler, die vor wenigen Tagen durch die Presse ging, forderte be kanntlich Höchstpreise für Schlachtschweine in Gestalt von Stallpreisen und will den Kommunalverbänden die Pflicht auferlegt sehen, Höchstpreise für Schweinfleisch festzusetzen. Ferner soll ein Verbot der Schlachtung von nicht schlacht reifem Vieh ausgesprochen werden. Die Eingabe beschränkt sich bewußt nur auf das Schweinfleisch, weil der sächsische Minister des Innern annimmt, und zum Teil mit Recht, daß der Markt des Schweinefleisches den ganzen übrigen Fleisch markt reguliert. Von diesem vernünftigen sächsischen Vor schlag hat der Reichskanzler nichts verwirklicht; man muß ihn bei jeder Gelegenheit daran erinnern, diese Forderungen endlich zu erfüllen.

So sehen wir trotz mannigfachen Fortschritten und trotz dem guten Willen, der die neue Verordnung des Bundesrats durchzieht, doch keine grundsätzliche Besserung und keine Er füllung der größten und vielleicht wichtigsten Forderungen, die die große Masse des Volkes je länger der Krieg dauert, desto zwingender aufstellen mußte. Es wird Aufgabe des demnächst zusammentretenden Reichstages sein, auf eine Ab änderung der Bundesratsverordnungen in diesem Sinne hinzuarbeiten.

Die Höchstpreise für Getreide. Aus Berlin meldet unterm 23. Juli das Wolffbureau amtlich: Der Bundesrat hat am 23. Juli Höchstpreise frü Brotgetreide, Gerste und Hafer für das kommende Wirtschaftsjahr festgesetzt. Wenn auch die er höhten Produktionskosten und die vermehrten Schwierig keiten des landwirtschaftlichen Betriebes in diesem Jahre, be sonders auch das voraussichtlich geringere Ernteergebnis, eine Erhöhung der Preise wohl gerechtfertigt hätten, hat der Bundesrat doch mit Rücksicht auf eine möglichst wohlfeile Ernährung der deutschen Bevölkerung an den bestehenden Preisen für Brotgetreide festgehalten und nur die Zahl der gegenwärtigen 32 Höchstpreisbezirke auf 4 große Preisgebiete unter gleichzeitiger Einschränkung der Preisspannung ver ringert. Danach bleibt der Grundpreis für den Bezirk Berlin wie bisher auf 220 Mark für die Tonne Roggen. Vom 1. Januar 1916 ab treten wie bisher Zuschläge von Mark halbmonatlich hinzu. Der Preis für Weizen ist wie in diesem Jahre auf 40 Mark über den Roggenpreis festgesetzt. Für Hafer und Gerste sind, um wenigstens eine Annäherung an die stark gestiegenen Preise für die übrigen Futtermittel zu erreichen, Einheitspreise für das ganze Reich von 300 Mark festgesetzt. Dabei ist die Gerste für gersteverarbeitende Be triebe, ebenso alles Saatgetreide, wie in diesem Jahre an die Höchstpreise nicht gebunden.

Höchstpreise für Zucker Aufhebung der Zuckersteuer. Als guter Ersatz für die mangelnden Nahrungsmittel wurde besonders von unseren akademischen Strategen auf dem Ge biete der Nahrungsmittelversorgung die Konsumierung des Zuckers empfohlen, an dem kein Mangel sei. Wie steht's nun damit? Kein Zweifel besteht darüber, daß auch der Zucker nur zu unerhört hohen Preisen zu haben ist. Wer kann daher noch vom Zucker als einem guten und billigen Ersatzmittel in der Zeit der Teuerung reden? Die Klagen über die Verteuerung des Zuckers kommen aus allen Kreisen der Bevölkerung. So schreibt die Berl. Morgenzeitung: Einen wirklichen, tatsächlichen Zuckermangel haben wir nicht.

Der bestehende Zuckerwucher aber hindert die Aus nutzung dieser tatsächlich vorhandenen Ernährungsmöglich keiten mit Zucker. Die Schuld an dem Zuckerwucher schiebl einer dem andern zu... Die Konsumenten aber, die Zuckerverbraucher, leiden, und der Volksernährung fehlt ein tatsächlich reichlich vorhandenes und ausgezeichnetes Nah rungs- und Genußmittel. Das sind Zustände, die einfach unhaltbar geworden sind! Umso unhaltbarer und unge sünder, als sie ganz klar und verhältnismäßig leicht geändert werden könnten. Wir haben schon wiederholt auf die gänz liche Beschlagnahme hingewiesen und mit ihr zugleich Höchst preise im Kleinhandel gefordert. Dazu fordern wir heute die Aufhebung der Zuckersteuer! Es gibt sicher seit langem in Deutschland keinen ernsthaften Volksfreund mehr, der gegen diese Forderung ist, nur der Fiskus ist gegen ihn; ihm würden allerdings jährlich etwa 182 Millionen Mark entgehen, die ihm die Zuckersteuer einbringt. Aber was sind jetzt bei den gegenwärtigen Milliardenausgaben 182 Millio nen Mark? Besonders wenn es sich um die Volksernährung, um die innere Kriegssicherung handelt und darin um ein so vorzügliches und reichliches Nahrungsmittel, dessen Mehrver brauch jeder fordert. Die Zuckersteuer aber belastet jedes Pfund Zucker des Menschen mit über 5 Pfennig! Was eine solche Belastung bezw. ihre Aufhebung für die Masse der Be völkerung bedeutet, ist klar. Trotzdem findet sich kein Ent gegenkommen der Regierung gegen die Bevölkerung; aber dem Vieh ist man auch auf diesem Gebiete entgegengekommen, ebenso den Brennereien. Das liebe Vieh genießt bei seinem Zuckerverbrauch als Futtermittel bereits volle Steuerfreiheit, die Brennereien zahlen für ihre Schnapszwecke nur noch 2 Mk. (statt 14 Mark!) für den Doppelzentner Steuer. Die Land wirte und die Spirituszentrale können sich also wirklich nicht

beklagen, desto mehr aber die übrigen Menschen, die Masse der Bevölkerung. Die Zuckersteuer aber ist überhaupt eine der ungerechtesten und unsozialsten Steuern. Der bekannte Steuertechniker und Universitätsprofessor Gerloff hat schon vor Jahren berechnet, daß auch und vor allem diese indirekte Steuer ein Einkommen desto höher belastet, je geringer es an sich ist. Er kam zu dem Ergebnis, daß die Steuerbelastung des Einkommens durch die Zuckersteuer für die Armen bis 0,88 Prozent beträgt, bei den Bemittelten nur bis 0,33 Pro zent, bei den Wohlhabenden sogar nur bis 0,24 Prozent. Das heißt: der Arme zahlt mehr als dreimal so viel Zucker- steuer im Verhältnis zu seinem Einkommen, als der Wohl- habende! Sind das schon in Friedenszeiten ungeheuerlich ungesunde Zustände, so erst recht und vielmehr in Kriegs- zeiten. Auch darum fordern wir jetzt die Aufhebung der

Zuckersteuer. Im August tritt der Reichstag zusammen. Wenn die Regierung bis dahin nichts Durchgreifendes gegen

den Zuckerwucher getan hat, muß er unbedingt eingreifen, und die Wähler aller Parteien müssen ihre Abgeordneten in dieser wichtigen Aufgabe der Gegenwart an ihre Pflicht mahnen. Wir brauchen Zucker, wir besitzen ihn; wir wollen ihn zu billigen, erschwinglichen Preisen, und um diese zu er⸗ reichen, ist nichts nötig als völlige Beschlagnahme, niedrige Höchstpreise im Kleinhandel und Aufhebung der Zuckersteuer. Wo ein Wille ist, muß ein Weg sein!

Die Fleischpreise stehen bei uns in Gießen noch immer auf der höchsten Höhe, obwohl die Schlachtviehpreise merkbar zurückgegangen sind. Fleisch ist tatsächlich ein Luxusartikel geworden, wenigstens für die arbeitende Bevölkerung, in deren Kreisen auf den Fleischgenuß fast völlig verzichtet wer⸗ den muß. Es gibt zwar Leute, die es für überflüssig halten, Fleisch zu essen das heißt für andere, nicht für sich wir können diese Ansicht aber keineswegs teilen. Zumal halten wir jetzt, wo sich jede nicht mit Reichtümern gesegnete Familie aufs äußerste einschränken muß, Fleischnahrung für unbedingt nötig, weil sonst Unterernährung mit allen ihren schädlichen Folgen zu befürchten ist. Aus anderen Gegenden werden übri gens ganz erheblich billigere Fleischpreise gemeldet, als sie in Gießen bezahlt werden müssen.

Die Ferien der Volksschule in Gießen beginnen nächsten Montag und dauern bis zum 28. August. Für Oktober sind nochmals eine reichliche Woche Ferien vorgesehen und zwar vom 1. bis 9. Oktober, die aber unter Umständen noch verlegt werden.

Eine gefährliche Unsitte. Es gibt Leute, welche der törichten und unappetitlichen Unart huldigen, ihren Hund zu küssen, besonders von Frauen kann man dies hier und da beobachten. Aus Zahna in Sachsen wird von einem Falle berichtet, daß eine junge Dame, die ihren Hund geküßt hatte, schwer erkrankte, so daß sie operiert werden mußte. Bei der Operation fand sich, daß in der Leber massenhaft Blasen würmer vorhanden waren. Es gelang der ärztlichen Kunst jedoch, die Leber von den gefährlichen Parasiten zu befreien. Meistens verlaufen solche Fälle tödlich, und nicht genug mögen Hundebesitzer und noch mehr Hundebesitzerinnen ge warnt werden, die Hunde zu küssen.

Gegen die Preistreiberei auf dem Wochenmarkte schreitet die Polizei in Friedberg energisch ein. Am Samstag wurden die Verkaufspreise auf dem Markte geprüft und wo zwischen Einkauf und Verkauf ein zu großer Unter- schied klaffte, brachte sie die Händler rücksichtslos zur Anzeige. Außerdem wurde verboten, Ueberstand zurückzulassen. Die Folge war, daß der Markt ein rechtnormales Aussehen in wenigen Viertelstunden erhielt und seit Monaten nicht dagewesene Preise aufwies. Das Vorgehen verdient Nach ahmung.

Durchbrechung der Petroleum⸗Höchstpreise. Bei der Leitung des Verbandes des Rabattsparvereine Deutschland in Hannover ist folgendes Telegramm eingelausen:Berlin, den 18. Juli 1915. An den Verband der Rabattsparvereine Deutschlands, E. V. Han⸗ nover. Bin geneigt, auf Grund§ 2 Bekanntmachung über Höchst⸗ preise für Petroleum vom 8. Juli in geeigneten Fällen Einzelfirmen und Einzelpersonen auf Antrag für Verkauf genau zu bezeichnender Mengen Befreiung von Höchstpreisen zu bewilligen. Antragsteller hat Attest der Gemeindebehörde beizubringen, daß er bereits vor dem 1. August v. J. Handel mit Petroleum betrieben hat. Reichs⸗ kanzler. Reichsamt des Innern. Auftrag Miller. Die Verbands⸗ leitung hat die Vorstände der Verbandsvereine unverzüglich dahin unterrichtet, daß diejenigen Detailhändler, welche Petroleum wesent⸗ lich teurer als jetzige Höchstpreise eingekauft waben(3. B. rumäni⸗ sches), beim Regierungspräsidenten ihres Bezirks sofort ent⸗ sprechende Befreiungsauträge stellen mögen. Wir verkennen durch⸗ aus nicht die schwierige Lage, in die mancher kleine Händler, der sich mit einigen Vorräten an Petroleum zu höheren Preisen ein⸗ gedeckt hat, durch die Höchstpreisfestsetzung geraten ist. Indessen ist zu befürchten, daß die jetzt zugelassene Durchlöcherung der Höchst⸗ preisfestsetzung der Spekulation wieder Tür und Tor, wenn auch nur auf eine kurze Spanne Zeit öffnen wird. Hier muß die Reichs⸗ regierung Vorsorge treffen, daß nicht durch den Schutz einzelner Händler die ungleich höheren Interessen der Gesamtverbraucher⸗ schaft Schaden nimmt.

Heilanstalt sstr tuberkulose-verdächtige Kinder. Die von der Landesversicherungsanstalt Großh. Hessen im Solbad Wimpfen a. N. errichtete Station für skrophulöse und tuber⸗ kulose⸗bedrohte Kinder erfreut sich stets wachsender Nach⸗ frage. Erst standen 25 Plätze zur Verfügung, sofort nach der Er⸗ öffnung wurde die Zahl auf 35 erhöht und jetzt sind sogar 50 Betten belegt. Die Verhandlungen wegen weiterer Betten sind augenblick lich im Gange. Voraussichtlich können noch 1012 gestellt werden, sodaß die Station über 6062 Plätze verfügen wird. Vornehmlich sind es die Städte und Kreise Darmstadt, Maing, Gießen, Offenbach und Worms, die die Station beschicken, die übrigen Kreise sind naturgemäß weniger vertreten. Die meisten Kinder entsendet aber die Landesversichevungsanstalt selbst, indem sie sast sämtlichen Waisen auch Halbwaisen die von ihr Renten beziehen und ent⸗ weder skrophulös oder tuberkulose⸗ bedroht sind, eine kostenlose Kur in Wimpfen angeboten hat. Von diesem Anerbieten wurde, wie nicht anders zu erwarten, veichlicher Gebrauch gemacht. Zur Zeit sind etwa 60 Kinder für Wimpfen vorgemerkt, die wegen Platzmangels noch nicht eingewiesen werden konnten. Es ist aber zu erwarten, daß ein großer Teil in den nächsten Tagen eingewiesen werden kann. Ende Juni fanden die ersten Entlassungen statt und es wurde durchweg ein guter Kurerfolg erzielt, dessen Wirkung sich natürlich, wie dies bei Solbädern der Fall, in der Folgezeit moch steigern wird. Unter den eingewiesenen und vorgemerkten Kindern befinden sich auch einige Kriegerwaisen.

Auf dieBimbächer Aufführung heute Abend im Stadt⸗ theater sei nochmals ausmerksam gemacht. Die Vorstellung beginnt um 8 Uhr.