Ausgabe 
26.7.1915
 
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Warschau.

amer schweren Berlusten der Jtauener zufsammen und konnten an der Tatsache nichts ändern, daß der Ansturm gegen die küsten⸗ ländische Front vergebens ist. 8

Russischer Kriegsschauplaß..

Auf dem russischen Kriegsschauplatz verlief der gestrige Tag verhältnismäßig ruhig. Bei Jwangorod wiesen unsere Trup⸗ pen einige schwache Vorstöße des Gegners ab. Südlich Krylom wurde ein russischer Uebergangsversuch über den Bug vereitelt. Im übrigen ist die Lage unverändert.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Feldmarschalleutnant,

Englische Sorgen um Riga.

London, 25. Juli.(Ctr. Frlkft.) Die Wochenzeitschrift Economist schreibt über die Bedeutung Rigas: Die Bewegung der deut⸗ schen Truppen in den baltischen Provinzen, die vielleicht

guerst nur dazu dienen sollte, russische Truppen von Galizien zurück

zuziehen, ist in einer Hinsicht wichtiger noch als der Angriff auf Riga ist während der letzten 20 Jahre eine der Hauptindustriestädte in Rußland geworden, und es mag wohl für die russische Munitionsfabrilation ein wichtigeres Zentrum sein als Warschau. Abgesehen davon hat Riga zwei der größten Waggon fabriken in Rußland und weitbekannte Gummifabriken. Andere Fabriken stellen Boote, Leinen und Tlicher her. Alles zusammen hat Riga etwa 200 Fabriten, die 30 000 Arbeiter beschäftigen. Warschau hat nicht nur große Textilfabriken, aber die Hauptindustriestadt Polens ist bereits in deutschen Händen, nämlich Lodz, das für Weberelen am allerwichtigsten ist. Vom Standpunkt der Einkünfte ind Polen und die baltischen Provinzen ziemlich wichtig für Ruß⸗

land. Wenn die Deutschen nun erfolgreich sind, so könnten sie eine

gerade Linie ziehen von Riga bis Lemberg und dann mit dem Vorgehen einhalten. Riga und Warschau würden dann wahr⸗ scheinlich schwere Geld⸗ und Material-Kontributionen zahlen müsssen. Es ist zwar nicht viel Getreide vorhanden, aber Bauholz und Flachs in reicher Menge, und Flachs ist für die Anfertigung von Aexoplau⸗ flügeln und Luftschiffhüllen von großem Werte. Der schlesische Flachs ist bei weitem gevingwertiger an Qualität als der Flachs von Riga. Britische Interessen sind in Riga und Um⸗ gebung stark vertreten, mehr sogar noch als in Polen, wo vor allen Dingen deutsches Kapital interessiert ist. Die baltischen Provinzen sind sehr kultiviert und gut bebaut, hauptsächlich mit Flachs, obgleich sio zweifelsohne seit der Mobilmachung unter der Okkupation durch die russische Armee gelitten haben müssen. Der Weg von Riga nach Petersburg beträgt etwa 350 Meilen, und eine siegreiche deutsche Armee könnte es versuchen, weit hinter Riga vorzurlicken. Anderer- seits wären die Kosten eines derartigen Versuchs an Menschenleben, Material umd Geld derartig groß, daß wir selbst jetzt noch nicht, daran verzweifeln miissen, daß sich Rußland wieder erholen könne. Die Aussichtslosigkeit der französischen Angriffe.

Der militärische Mitarbeiter der Basler Nach richten bespricht die Lage im Westen und kommt dabei zu folgendem Schluß: Es ist keine Aussicht vorhanden, daß die Angriffe der Franzosen zu einer entscheiden den Aktion führen. Es handelt sich auch hier nur um lokale Kämpfe, die in diesem schwierigen Gelände viel Kraft ver brauchen, ohne daß die allgemeine Lage dadurch beeinflußt wird, selbst wenn sie mit einem Siege endigen. Die Lehre von der Guerre d'usure, die immer wieder in der Entente presse auftaucht, kann zu keinem Ergebnis führen, ebenso wenig wie die Versuche, durch Abschneiden der Zufuhr die Zentralmächte zum Nachgeben zu zwingen. Auch heute noch gibt es im Kriege der Großmächte nur ein Mittel, dem Gegner seinen Willen aufzuzwingen: die Vernichtung seiner Streit

kräfte auf dem Schlachtfelde.

Der türkische Tagesbericht.

Die Dardanellenkämpfe.

Konstantinopel, 24. Juli.(W. T. B. Nichtamtlich.) Bericht des Hauptquartiers. An der Dardanellenfront in der Nacht vom 22. zum 23. Juli bei Ari Burun zeitweise Artilleriekampf. Am Morgen des 23. Juli hatte eine Gegen mine, die wir zur Explosion brachten, um die Wirkung einer feindlichen Mine gegen unser Zentrum aufzuheben, ein gutes Ergebnis. Am Nachmittag traf während einer erfolglosen Beschießung unserer Stellungen auf dem linken Flügel durch zwei Monitore ein Volltreffer unserer Artillerie einen Monitor, worauf sich beide entfernten. Am Vormittag des

23. Juli schlugen wir cinen Angriff gegen einigt unfcrxx Gräben unseres rechten Flügels bei Sedd-ül-Bahr ab. Unsere Artillerie brachte die feindliche Artillerie, die unsere Gräben beschoß, zum Schweigen. Unsere auatolischen Batterien zerstreuten feindliche Truppen, die Verschanzungen bei Sedd⸗ ül-Bahr auswarsen. Auf den anderen Fronten ereignete sich nichts Wesentliches.

Konstantinopel, 25. Juli.(W. T. B. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier teilt mit: An der Dardanellenfront bei Ari Burnu gegenseitiger Minenkampf. Am 24. Juli wurde die feindliche Landungsstelle beschossen. Bei Sedd-ül-Bahr schwaches Feuergesecht. Unsere Artillerie zwang eine feind⸗ liche Haubitzenbatterie westlich Hissarlick vor unserem linken Flügel, die Stellung zu wechseln, und brachte sie zum Schweigen, als die Batterie das Feuer wieder begann. Auf den übrigen Fronten nichts von Bedeutung.

Schwere Verluste der Alliierten.

Athen, 24. Juli.(W. B. Nichtamtlich.) Aus Salonik wird ge⸗ meldet, daß die Alliierten bei ihren letzten Angrifsen vor den Dardanellen sehr schwere Verluste erlitten haben. Be⸗ sonders eine französische Division litt entsetzlich und ließ im Zurück⸗ gehen den größten Teil ihrer Maunschaften zurück.

Ein enlischer Trans portdampfser torpediert?

Athen, Juli.(W. T. B. Nichtamtlich.) Aus Salonik kommt die Meldung, daß der englische Truppentransport dampferArrewurous(?) von einem Unterseeboot torpediert worden ist.

Die erste große französische Kriegsanleihe von 6000 Millionen.

Wie aus Paris berichtet wird, hat der französische Ministerrat in einer seiner jüngsten Sitzungen die Aufnahme ber ersten großen Kriegsanleihe im Mindestbetrage von 6000 Millionen beschlossen. Diese Anleihe wird wahrscheinlich Ende August oder Anfang September zur öffentlichen Zeich nung aufgelegt werden; denn bis dahin wird der gesetzliche Höchstbetrag der Notenausgabe der Bank von Frankreich (15 000 Millionen) erreicht sein.

Die Vorsorge für einen Winterfeldzug.

Berlin, 25. Juli.(W. T. B. Amtlich.) Die Herresver waltung teilt mit, daß für einen etwa kommenden Winter feldzug der Bedarf an warmer Unterkleidung, namentlich an Handschuhen, Pulswärmern und Kopfschützern, schon jetzt ge deckt ist.

25.

Dampferunglück in Chicago. 1200 Tote. Reuter meldet aus Chicago, daß der Eastland auf dem Flusse umgeschlagen ist. Es waren mindestens 2500 Mann an Bord. 300 Leichen sind bereits gefunden worden, sie wurden hauptsächlich aus dem Schiffsinnern geholt. Es wur⸗ den Löcher in die Seitenwände geschlagen. Erschütternde Szenen spielten sich ab, als das Schiff überzuhängen begann. Die Leute, die an Deck waren, und die sich an der hoch liegenden Seite des Schiffes festklammerten, sind durch vorbeifahrende Schiffe zum Teil gerettet worden. Aber die Passagiere in den Kajüten, die zum größten Teil aus Frauen und Kindern bestanden, konnten nicht ge⸗ rettet werden. Feuerwehrleute, die mit dem Wegholen der Leichen betraut wurden, fanden sie in den Kabinen aufeinandergehäuft wie Ballen Kaufware. Aus der Lage der Leichen ist zu ersehen, daß die Leute versuchten, alle zu gleicher Zeit nach den Türen zu stlirzen. Zeugen der Katastrophe erklären, daß alles innerhalb 5 Minuten vorüber war. Die Leichen wurden mit Schlepp⸗ dampfern an Land gebracht, wo sie nach dem Bootshaus verbracht wurden. Aus der Leichenschan geht hervor, daß viele Frauen Kratzwunden im Gesicht hatten und zerrissene Kleider, ein Beweis dafür, daß verzweifelt um den Ausgang gekämpft worden ist. Nachdem die ersten 500 Leichen gehoben worden waren, suchten die Taucher die Leichen aus dem Innenraum des Schiffes weiter zu bergen und fanden noch weitere Leiche, die mit Stricken herauf gezogen wurden. Offiziell wird die Anzahl der Toten nun auf 1000 geschätzt. Die Erklärung, daß die Menschen sich alle auf die

Vergnügungsdampser

eine Seite

zhlagen war, wird als unrichtig erklärt. Die Lolalbehörden haben den Kapitän und die Steuerleute in Haft nehmen lassen, und es wurde jetzt erst festgestellt, daß dieEastland innen 9 55 einmal gezeigt hatte, daß sie als ein Schiff von, wee e Güte einmal beinahe gekentert war. Es war ein stählernes! bot 7 00 etwa 300 Fuß Länge. Die gesamte Mannschaft konnte sich retten, indem sie nach dem Lande schwamm. Bei einer durch die 5 inspektion eingeleiteten Untersuchung stellte sich weiter heraus, 1 der Wasserballast aus dem Schiffsraum gepumpt war, un mehr Passagiere an Bord nehmen zu können. Eine andere nutmaßung geht dahin, daß das Schiff im Schlamm stecken geblieben ist un

nicht mehr loskommen konnte, als 97 e zu arbeiten be⸗ gannen, wodurch das Schiff Schlagseite bekam.. 1 Das Reutersche Bureau meldet aus Chicago: Die Zahl, der

beim Untergang des verunglückten DampfersEastland er⸗

trunkenen Passagiere wird auf 1200 geschätzt.

Eine Millionenunterschlagung. Der Hauptkassierer des Schweigerischen Bankvereins in Vasel unterschlug ungefähr 2 Millionen Franken. Er wurde verhaftet. Die unter⸗ schlagene Summe hat er anscheinend zur Deckung von Differenzen verwendet, die aus Privatspekulationen entstanden sind.

Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. Verlag von Krumm& Cie., Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. M.

Verstorbene. Marie Weber in Alsfeld, 23 Jahre alt. Heinrich Dörr, Maurer in Gießen, 41 Jahre alt. b K.'lfer II., Schneidermeister in Lang⸗Göns, 52 1 alt. Franziska Koch in Alsfeld, 50 Jahre alt. Heinrich 9 meier in Rainrod b. Alsfeld, 60 Jahre alt. Frau Wilhelmine Zutt, geb. Scharf, in Biskirchen b. Wetzlar.

Wochenmarktpreise in Gießen

am 25. Juli 1915

Butter per Pfd. 1.601.70 Mt.] Neue Kartoffeln Pfd. 1013 Pfg. Milch 10 Liter 24 Pfg.] Zwiebeln ver Pfund 2530 ffg⸗ Hühnereier Stück 1500 Pfg.] Blumenkohl per Stck. 2030 Pf Gänseeier Stück Pfg. Weißkraut b. Haupt 00 00 Pfg. Käse Stück 68 Pfg.] Notkraut b. Haupt 0000 Pfg. Käsematte 2 Stück 56 Pfg.] Wirsing. v. Haupt 2025 Pfg. Tauben per Paar 0.80 1.20 Mk.] Kohlrabi per Stück 68 Pfg. Hühner per Stück 1.202.00 Mk.] Gurken per Stück 10.30 Pfg. Hähne der Stück 1.502.50 Mk.] Kleine Gurken; Stüc 35 Pfg. Ochseufleisch per Pfd. 1.201.24 Mk.] Bohnen Pfund 2000 Pfg. Kalbfleisch ver Pfd. 108112 Pfg.] Kopfsalat. per Kopf 8-10 Pfg. Kuh⸗uu. Rindfl. per Pfd. 100.118 Pfg.] Gelbe Rübchen Päckchen 12 Pfg. Schweinefleisch Pfd. 140150 Pfg.] Falläpfel Pfund 68 Pfg. Hammelfleisch p. Pfd. 96 110 Pfg.] Pflaumen Pfund 30-35 Pfg. Kartoffeln p. Malter 00-00 Mk.] Heidelbeeren Liter 4550 Pfg. Kartoffeln Pfd. 68 Pfg Himbeeren Schoppen 2500 Pfg.

Das Einbringen der Ernte.

In diesem Sommer fehlen auf dem Lande viele Arbeitskräfte zum Einbringen der Ernte. Die in den städtischen Haushaltungen vorhandenen Dienstboten stammen meist vom Lande und sind mit den Erntearbeiten vertraut. 5 g N

An die städtischen Dienstherrschaften richte ich daher die Bitte, ihre Dienstboten auf Wunsch zu beurlauben, wenn sie auf dem Lande beim Einbringen der Ernte helsen wollen.

Gießen, den 24. Juli 1915.

Der Oberbürgermeister: Keller.

Ferien der Volksschulen. Die Herbstferien für die Volksschulen sind festgesetzt worden auf die Zeit vom 1. bis 28. August und vom 1. bis 9. Oktober ds. Js. Sollte Ende September ungünstiges Wetter eintreten, so bleibt anderweite Festsetzung dieser 2. Herbstferjen vorbehalten. Gießen, den 23. Juli 1915. Der Schulvorstand.

zum Anlernen in der Gießerei Akkordarbeit, garantierter Minimallohn.

Bänninger G. m. 6. H., Giessen.

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Erstaufführung!

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Dienstag, 27. Juli 1915, abends 8 Uhr, im Stadttheater

2. 1. Parkett/ . 1. Rang 8 5 7

Für die Sonntagsvorstellung gelöste Karten können

g 2 989 Freilicht⸗ Sühne (Gegründet 1909.) Oberleitung: Direktor Steingoetter). immter Witterung mußte die gestrige Aufführung abgesagt werden. Erstaufführung!?

glermeister Bimbächer

Asmus u. Dr. Krönlein. Spielleitung: W. W. Göttig. Im Vorverkauf: An der Abendkasse:

**** 1.75 2.

1.20 1.50

* 90 1.10

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Galerie u. 2. Rang Seite.40.40

bei Erust Challier cht werden. e

abwärts, zahlt auf den unter 4, 5, 6 und 7 genannten

Für die Freilichtbühne: Dr. K. Bernbeck.

zu verkehren, ist Pilicht eines jeden organisierten Arbeiters. Durch den Besuchdesdewerkschaftshauses un- terstützt der Arbeiter sein eig. Heim

12 Speisen u. Cetränke. Billig. Logis