Bersorgung und wohlfeilen Ernährung des Volkes stehen und denen eine wirkliche Volksvertretung zielbewußt ein ganz bestimmtes Geficht geben könnte, wenn sie es wollte! Die Frage stand auf der Tagesordnung der nichtöffentlichen Sitzung. Es wurde die Einsetzung eines parlamentarischen Kriegsausschusses beschlossen, der mit der Regierung über alle wirtschaftlichen Fragen, insbesondere auch über die Lebensmittelfragen, in Verhandlungen treten soll. Der Kriegsausschuß wurde in der Weise gebildet, daß man den Finanzausschuß der Kammer um je einen Vertreter und Er— satzmann aus jeder Fraktion ergänzte und hierfür die Abg. Lang(natl.), v. Helmolt(Bbd.), Herdt(freis.) Uebel(Zentr.) und Dr. Fulda(Soz.) bestimmte.
Roch ein Ruf nach Erntehilfe. Ueber die Unzweckmäßig⸗ keit der Absicht, die städtische Jugend zur Erntehilfe heran— zuziehen, haben wir in unserem Blatte bereits das Notwendige gesagt. Nun ersucht uns heute der Oberbürgermeister der Stadt Offenbach, folgenden Aufruf zur Erntehilfe zu ver— öffentlichen:
„Die Erntezeit kommt immer näher heran, aber auf dem Lande mangelt es überall an den nötigen Hilfskräften. Gar viele wollen helfen, aber es fehlt besonders an Leuten, die mit den landwirt⸗ schaftlichen Arbeiten schon vertraut sind. Am meisten sind die Kleinbauern in Mitleidenschaft gezogen, die Männer stehen zum größten Teil im Felde, nur ein kleiner Teil wird auf kurze Zeit beurlaubt werden können. Aber den Bauersfrauen ist es unmög⸗ lich, die Ernte allein heimzubringen. Hilfe ist dringend nötig. Dienstherrschaften! Die auf dem Lande geborenen Dienstmädchen sind für die Erntearbeiten geeignete Arbeitskräfte, ihre Eltern oder Verwandten haben fast alle Aecker. Dienstherrschaften! Tut ein patriotisches Werk und beurlaubt die Dienstmädchen auf einige Wochen. Es geschieht im vaterländischen Interesse und zur Sicherung der Volksernährung.“
Der Plan, die Hausangestellten der städtischen Dienst⸗ herrschaften den Bauern zur Verfügung zu stellen, ist ins⸗ besondere vom Kriegsausschuß des Rhein-Mainischen Ver— bandes für Volksbildung gehegt und gefördert worden. Charakteristischer Weise, nachdem die Absicht, die Haustöchter der wohlhabenden Familien als Erntehilfsarbeiterinnen her— anzuziehen, kläglich Fiasko gemacht hatte, weil die jungen Damen und die Frauen Mamas allerhand schöne Ausflüchte zur Hand hatten, als aus dem romantischen Patriotismus einmal ernster Patriotismus des Handelns werden sollte. Nun sollten, weil die vornehmen Haustöchter nicht mochten — und wir glauben, die Bauern hätten für solche Hilfe auch sehr schnell gedankt— die Dienstmädchen vor die Front. Die— selben Dienstmädchen, die man bei Kriegsausbruch kurzer Hand„um zu sparen“ entlassen hatte, denen man jetzt noch die Löhne nach den Meldungen des letzten Arbeitsmarktberichts zu drücken mit Erfolg bemüht ist— sie sollen jetzt als Folie für den— Patriotismus der Dienstherrschaften dienen. Denn in den Beratungen der Hausfrauenorganisationen und Kriegsfürsorgeorganisationen ist bereits viel darüber geklagt worden, daß so viele Dienstherrschaften, die es gerade am besten könnten, ihre Dienstmädchen nur während ihrer Bade— oder Sommerreise freigeben und auch nicht den Lohn weiter zahlen wollen, so daß also die Mädchen sogar noch Lohn— einbuße erleiden würden. Zudem hat man die Dienstmädchen und ihre Organisationen überhaupt noch gar nicht gefragt, wie sie denn über die Erntehilfsfrage denken. Und wir meinen, die Dienstmädchen und deren Zustimmung ist doch die Hauptsache. Warum wendet sich der Oberbürgermeister nur an die Dienstherrschaften und nicht an die Dienstmädchen, auf deren Kosten das patriotische Werk der Erntehilfe doch letzten Endes geschehen muß?
— Städtische Lebensmittelversorgung. Seit Jahren hat die Stadtverwaltung in Ulm ihre Aufmerksamkeit darauf gerichtet, nach Möglichkeit billige Lebensmittel zu beschaffen. Man hat bisher, besonders während der Kriegszeit, auf diesem Gebiete gute Erfahrungen gemacht. Die Stadt hatte sich nämlich an der„Genossenschaft für rationelle Schweinezucht“ beteiligt, von der sie nunmehr jährlich 2 bis 3000 Schweine bezieht. Auf diese Weise war es möglich, das Schweine⸗ fleisch, dessen Marktpreis pro Pfund 1,40 Mark beträgt, an Minderbemittelte und jetzt auch an Kriegerfamilien um den mäßigen Preis von 1 Mark abgeben zu können. Nach dem Gelingen dieses Unternehmens hat die Stadtver— waltung auch Versuche mit der Beschaffung von Ochsen- und Rindfleisch gemacht, indem sie prächtige Tiere der Simmen⸗ taler und fränkischen Rasse mästen läßt, wofür sie lediglich den Marktpreis der Gewichtsdifferenz zwischen An- und Ab⸗ lieferung zu bezahlen hat. Dadurch kann die Stadt Ochsen— und Rindfleisch augenblicklich an die in Betracht kommenden Kreise zu 1,05 Mark pro Pfund verkaufen. Ferner ist seit der Kriegszeit auf den der Stadt gehörenden Feldern eine Gesamtfläche von 71 Tagwerk mit nahezu 700 Zentner Kar- toffeln bepflanzt worden. Es wird ein Ertrag von etwa 8500 Zentnern erwartet, sodaß die Stadt ihren Kartoffel- bedarf selbst decken kann. Die Kosten dieser ganzen Anlage werden sich einschließlich des Kartoffeltransportes nach Ulm voraussichtlich auf höchstens 16000 Mark stellen, so daß sich bei einem Verkaufspreis von 3 Mark pro Zentner ein Ge— winn von nahezu 10 000 Mark(der bisherige Pachtertrag betrug 1100 Mark) erzielen läßt. Die Anlage hat also neben ihrem sozialen Charakter noch eine günstige finanzielle Seite, Durch diese Unternehmungen hat sich die Stadt Ulm von der jeweiligen Marktlage und damit auch von den Preis steigerungen und Teuerungen unabhängig gemacht. Andere Städte sollten sich das Vorbild Ulms zum Muster dienen lassen.
— Angebliches amerikanisches Weizenmehl
wird jetzt
vielfach im Handel angeboten. Und zwar zu geradezu horrenden Preisen, 120, 130 Mark der Doppelzentner. Im Einzelverkauf wird das„beschlagnahmefreie“ Mehl mit
70 Pfg. und noch mehr das Pfund verkauft. Im Publikum fragt man sich, wie es eigentlich kommt, daß Mehl überhaupt angeboten werden kann, da doch alles beschlagnahmt ist. Letzteres trifft aber nicht ganz zu; es waren für die Ueber- gangszeit gewisse Vorschriften gegeben, nach welchen Mehl— handel in beschränktem Umfange zugelassen war. Für das neue Wirtschaftsjahr ist aber jeder Mehlhandel verboten, der Mehlverkehr über die Grenzen eines Kommunalverbandes hinaus ist nur Sache der Reichsgetreidestelle. Durch diese
*
Uebergangsvorschriften war es aber moglich, daß sich ein Handel mit angeblich„beschlagnahmefreiem“ Mehl entwickelte, das auch in den Handelszeitungen vielfach angeboten wird. Was für Mehl das eigentlich ist, weiß man nicht so recht; jedenfalls handelt es sich um Vorräte, die bis jetzt zurück⸗ gehalten worden sind. Nunmehr sind aber die Uebergangs— vorschriften aufgehoben worden; am 16. August wird alles
beschlagnahmt. Wer jetzt so teueres„amerikanisches“ Mehl kauft, handelt unklug. — Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten.
Wehrmann Wilhelm Lippert, Postschaffner aus Gießen. — Leutnant Willy Lahr aus Gießen, Inf.-Reg. 116. Ersatzreservist Wilhelm Benner aus Gießen, Inf.-Reg. 81. — Einjähriger Hans Kraiker aus Wetzlar, Inf.-Reg. 222.
Müssen sich Soldaten operieren lassen? Während im allge— meinen die Vornahme einer Operation bei einem Kranken ohne dessen Einwilligung unstatthaft ist, ist es eine juristische Frage, ob der im Heere stehende Soldat auf die Anordnung der Sanitäts⸗ behörde zu einer Zulassung der Operation angehalten werden kann oder ob auch er, um seine Zustimmung befragt, diese ver⸗ weigern darf. Dr. von Olshausen bespricht in der Medizinischen Klinik diese Frage an der Hand der vorliegenden deutschen Judi⸗ katur. Die Dienstpflicht des Soldaten erschöpft sich nicht darin, ein Mitglied des Heeres zu sein, sondern sie greift auch ein, daß er ein brauchbares Mitglied sei. Zu diesem Zwecke muß er sich gewisse ärztliche Eingriffe, vorbeugende Maßnahmen zur Erhaltung des Gesundheitszustandes gefallen lassen, andernfalls er wegen Gehor⸗ samsverweigerung gegen einen zu Heilzwecken erteilten Befehl des zuständigen Sanitätsoffiziers verurteilt wird. So haben die Militärgerichte in letzter Zeit mehrfach entschieden, als sich Sol⸗ daten kleineren chirurgischen Maßnahmen, wie etwa Sondier⸗ ungen, entzogen hatten. In anderen Fällen hat das Gericht die Gehorsamsverweigerung verneint, nämlich, wenn es sich um eingreifende Operationen handelte. Die Vornahme einer Operation ist auch nach der Militärsanitätsordnung an einer Militärperson ohne deren Einwilligung nicht gestattet. 8 77 lautet: Vor jeder erheblichen chirurgischen Operation muß sich der ordi⸗ nierende Sanitätsoffizier der Einwilligung des Kranken ver⸗ sichern. Ob Lebensgefahr mit der Operation verbunden ist, darauf kommt es nicht an. Allein nicht jeder chirurgische Eingriff ist als eine Operation anzusehen. Insbesondere sind diejenigen Maß⸗ nahmen keine Operationen, die eine ordnungsmäßige Wund⸗ behandlung überhaupt ermöglichen, wie Einschnitte in Geschwüre oder die Entfernung abgestorbener Knochenteile. Allen der— artigen Eingriffen, die darauf abzielen, den Soldaten wieder feld— dienstfähig zu machen, darf er sich nicht widersetzen. Die Gesund— heit ist nicht Privatsache des Soldaten, sondern von ihr hängt seine Felddienstfähigkeit ab. Der Militärarzt muß auch bei der Be⸗ handlung der Soldaten Befehlsbefugnisse haben, damit nicht durch verschleppte Krankheiten Dienstuntauglichkeit herbeigeführt wird. Innerhalb der geschilderten Grenzen hat der Soldat sehr wohl ärztliche Eingriffe an sich vornehmen zu lassen, darüber hinaus muß er um seine Zustimmung befragt werden.
— Schöffen und Geschworene. Eine Bekanntmachung des amts fordert die Bürgermeistereien auf, die Listen der zum Amt eines Schöffen oder Geschworenen gesetzlich fähigen Personen aufzu⸗ stellen. Es heißt darin unter anderem, daß die Listen genau auf⸗ gestellt und keine Personen weggelassen werden sollen, welche die Blürgermeistereien für ungeeignet halten; es sollen vielmehr alle auf⸗ genommen werden, die nach gesetzlicher Bestimmung aufgenommen werden müssen.— In früheren Jahren konnte man beobachten, daß fast nie Arbeiter unter den Geschworenen sich befanden.
* Was alles gestohlen wird. In Höch st wurde ein sehr reich⸗ haltiges Diebeslager entdeckt und u. a. gefunden: ein vollständiges Zweizylinderauto, ein photographischer Apparat, eine Dezimalwage für 80 Zentner Tragkraft, ein französisches Seitengewehr, zwei Bohrmaschinen, zahlreiche Handwagen, das Wirtschaftsschild vom „Schützenhof“, zwei Scheinwerfer, 16 Schmelztiegel, 9 Dutzend Pitch⸗ pine⸗Leisten, Schraubstöcke, Bücher usw. Dem Diebe ist eine gewisse Vielseitigkeit nicht abzuspvechen.
Der Wert einer Risikoversicherung bei der Volksfürsorge. In Leipzig schloß am 15. Oktober 1913 ein 24jähriger verheirateter Fensterputzer zwei Versicherungen bei der Volksfürsorge ab, eine nach Tarif V(Sparversicherung) in Verbindung mit einer nach Tarif Va(abgekürzte Risikoversicherung mit fallender Versicherungs⸗ summe). Durch die letztere sicherte er sich eine bei seinem Tode fällige V Schon in der zweiten
Versicherungssumme von 501 Mark. Hälfte des Dezember 1913, also nach Zahlung von nur fünf Halb⸗ monatsprämien von je 1,68 Mark, stellte der Versicherte die weitere Prämienzahlung ein. In der Sparversicherung waren ihm bis dahin 5 Mark gutgeschrieben worden. Nach den Bedingungen der Volksfürsorge wurde diese stornierte Risikoversicherung in eine prämienfreie Versicherung umgewandelt. Diese Versicherung be stand ohne weitere Prämienzahlung fort. Der Versicherte starb am 1. Juni 1915, worauf seine Witwe die bedingungsgemäße Summe von 101 Mark aus beiden Versicherungen ausgezahlt er⸗ hielt; an Prämien sind dafür 15,40 Mark bezahlt worden. Nichteinstellung der Prämienzahlung wäre die ganze Versicherungs⸗ summe fällig gewesen.
— Gießener Freilichtbühne.„Doch mit des Geschickes Mächten, ist kein ew'ger Bund zu flechten“. So seufzte gestern die Leitung unserer rührigen Freilichtbühne, als ihr die unbestimmte Witterung einen Strich durch die schöne Rechnung machte. All' die Arbeit um⸗ sonst! Aber man wandte sich vertrauensvoll an die Theaterkom⸗ mission und siehe da: diese stellte der Freilichtbühne in Anerkennung ihres verdienstvollen Wirkens das Stadttheater in überaus entgegenkommender Weise zur Verfügung. So kann denn„Der Spenglermeister Bimbächer“ über die Bretter gehen. Da verschie⸗ dene Vorbereitungen nötig sind, wurde die Vorstellung auf Diens⸗ tag, 27. Juli, abends 8 Uhr festgesetzt. Der Vorverkauf für die Sonntagaufführung war so rege, daß mit einem ausverkauften Haus gerechnet werden darf. Die Preise der Plätze sind beibehalten wor⸗ den; unsere verwundeten Feldgrauen sind natürlich auch hier Ehren⸗ gäste; man hat den Lazaretten Freikarten für sie zur Verfügung ge⸗ stellt. Alles Weitere geht aus der heutigen Anzeige hervor.
Schade, daß die Aufführung gestern nicht im Walde stattsinden konnte. Aber bei dem unsicheren Wetter, das jede Viertelstunde mit einem heftigen Regenguß drohte, war es doch das beste, die Vor⸗ stellung zu verschieben. Es hätte im anderen Falle die Gefahr be⸗ standen, daß gerade während der Vorstellung ein gehöriger herunterkam, der alles verdorben hätte. Außerdem hätte sich ber von den vorhergegangenen Regentagen noch sehr nasse Waldboden für die Zuschauer unangenehm fühlbar gemacht, selbst, wenn es am Nachmittag trocken blieb. So war es schon vorsichtiger und richtiger von der Leitung der Freilichtbühne gehandelt, daß sie die Vor⸗ stellung verschob. Hoffentlich würd sie auch morgen Abend im Stadt⸗ theater gut besucht. Wir haben neulich bereits über den„Bim bächer“ mitgeteilt, wir sind überzeugt, daß die lustige Posse aus alten Gießener Tagen gut gefallen wird. Die heutigen teueren Zeiten nötigen die meisten Leute zu allerbetzt ans Theater zu denken, wer aber die paar Pfennige aufzuwenden in der Lage ist, dem möch⸗ ten wir angelegentlichst empfehlen, sich das Stück anzusehen. Es wird ihm nicht gereuen.
Von der Rabenau, Juli. Reiche Honigernte. Die Bienenzüchter vechnen alle Jahrzehnt auf ein reiches Bienenjahr. Ein solches ist das diesjährige. Aller Gläservorrat der Imker reichte nicht aus, den Honigsegen zu sassen. Mam mußte nach steiner⸗ nen Töpfen, ja zu Eimern greifen.
Zwingenberg, 22. Juli. Auf dem Obstmarkt kosteten türkische Kürschen 25 Pfg., Reineklauden 25 Pfg., Pfirsiche 40 Pfg., Frühbirnen 14—16 Pfg., Frifhäpfel 14—15 Pfg., Pflaumen 16—18 Pfennig das Pfund.
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Bei
Telegramme. Tahesberichte des Großen Hauptauartiers.
In Kurland die 5. russische Armee geschlagen Zwei Narewfestungen erobert. Seit 14. Juli 120 000 Nussen gefangen. W. B. Großes Hauptquartier, 24. Juli, vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz, Bei Souchez wiederholten die Franzosen Nacht ihre erfolglosen Handgranatenangriffe. Bei
auch heute den gestern
gemeldeten Sprengungen in der Champagne hat der Feind nach sicheren Feststellungen große Verluste erlitten.
Seine Versuche, uns aus der gewonnenen Stellung zu vertrei⸗ ben, scheiterten.
Südlich vor Leintrey wiesen unsere Vorposten aber⸗ mals feindliche Vorstöße ab. Die in dem Bericht der franzö⸗ sischen Heeresleitung vom 22. Juli, 11 Uhr abends erwähnte, über die Seille geworfene starke deutsche Aufklärungsabtei⸗ lung bestand aus 5 Mann, die das feindliche Hindernis durch⸗ schnitten und unter Verlust eines Mannes zurückkamen.
In der Gegend von Münster fanden gestern Kämpfe von geringerer Heftigkeit statt. Nach den Gefechten der letzten Tage sind dort vor unserer Front etwa 2600 gefallene Franzo⸗ sen liegen geblieben.
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Die Armee des Generals v. Below siegte bei Schaulen (Schawli) über die russische 5. Armee. Seit 15 Tagen ständig in Kampf, Marsch und Verfolgung gelang es den deutschen Truppen gestern die Russen in der Gegend Rozalin und Szandow zu stellen, zu schlagen und zu zersprengen. Der Ertrag ist seit Beginn dieser O
Operationen, dem 14. Juli, auf 27 000 Gefangene, 25 Geschütze, 40 Maschinengewehre, über 100 gefüllte, bespannte Munitionswagen, zahlreiche Bagage und sonstiges Kriegsgerät angewachsen.
Am Narew wurden die Festungen Rozan und Pul⸗ tu sk in zähem, unwiderstehlichem Ansturm von der Armee des Generals v. Gallwitz erobert und der Uebergang über den Fluß zwischen den beiden Orten erzwungen. Starke Kräfte stehen bereits auf dem südlichen Ufer. Weiter nördlich und südlich dringen unsere Truppen gegen den Fluß vor.
In den Kämpfen zwischen Niemen und Weichsel wurden seit dem 14. Juli 41000 Gefangene, 14 Geschütze, 90 Maschinengewehre genommen. Was in Rozan und Pultusk an Kriegsgerät erobert ist, läßt sich noch nicht übersehen.
Vor Warschau fielen bei kleineren Gefechten der letzten Tage 1750 Mann Gefangene und 2 Maschinengewehre in un⸗ sere Hand. 8
Nördlich der Pilicamündung Truppen die Weichsel.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Von der Pilicamündung bis Koskozienice, nordwestlich pon Jwangorod, ist der Feind über die Weichsel zurückgedrückt. Vor Jwangorod schoben sich un⸗ sere Truppen näher an die Westfront der Festung heran.
Zwischen Weichsel und Bug dauert der Kampf hartnäckig an. In der Gegend von Sokal wurden russische Angriffe gegen die B
erreichten deutsche
Brückenkopfstellung abgewiesen. Ein thürin⸗ gisches Regiment zeichnete sich dabei besonders aus.
Den deutschen und österreichisch-ungarischen Truppen der Armee des Generalobersten v. Woyrsch und der Armee des Generalfeldmarschalls v. Mackensen fielen seit dem 14. Juli etwa 50 000 Gefangene in die Hand. Die genaue Zahl sowie die Höhe der Materialbeute lassen sich noch nicht übersehen.
Oberste Herresleitung.
Notiz: Rozalin liegt 17 Kilometer nordwestlich Sandow.
Erfolgreiche Stürme südlich Warschau. Dünkirchen beschossen. W. B. Großes Hauptquartier, W. Juli, vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz.
Am Ostrande der Argonnen sprengten wir ein Blockhaus des Feindes.
Bei Leunois südlich von Bau⸗de⸗Sapt setzten sich die Franzosen in einem kleinen Teil unserer vordersten Gräben fest. 5 Die Festung Dünkirchen wurde mit mehreren mien belegt.
Oestlicher Kriegsschauplatz. Bei der Armee des Generals von Belo p finden Kämpfe mit Nachhuten des Gegners statt. Gestern wurden weitere 6000 Gefangene eingebracht. i
Bei Vorstößen an der Jesia südlich Kowno und in der Gegend Dembowo, zehn Kilometer nordöstlich von Suwalki, wurden russise rüben erobert.
Der Narew ist auf der ganzen Front von südlich Ostrolenka bis Pultusk überschritten. Südöstlich von Pultusk nähern sich unsere Truppen dem Bug. Südwestlich dieser Festung wurde trotz zähen Widerstandes des Feindes die Linie Nasielsk— Gzowy erreicht.
Westlich von Blonie wurden mehrere Stellungen des Gegners genommen und füdlich von Warschau die Orte Ustanow, Lbiska und Jazgarzew erstürmt.
Südöstlicher Kriegsschauplatz. Die Lage bei den deutschen Truppen ist unverändert. Oberste Heeresleitung.
Notiz: Die Orte Ustanow, Lbiska und Jazgarzew liegen etwa 25 Kilometer südlich des Mittelpunktes von Warschau. Gzowo liegt zehn Kilometer südlich Pultusk an der Straße Pultusk— Serozk.
8 Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht Schwere Verluste der Italiener. Wien, 25. Juli.(W. T. B. Nichtamtlich.] Amtlich wird ver⸗ lautbart: 25. Juli 1915, mittags. Italienischer Kriegsschauplaß Im Görzischen beschränkte sich der Feind gestern tlagsüber auf starkes Artilleriefeuer. Verzweifelte Nachtangriffe gegen un⸗
B o
sere Stellungen am Rande des Plateaus von Doberdo


