Ausgabe 
26.7.1915
 
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deutsche Truppen Raum. Zwischen Sokal und Christinopol wurden heftige russische Angriffe abgewiesen. Dort suchte der Feind vergeblich durch Vorstöße die großen, nördlich ge richteten Operationen der Verbündeten zu stören.

Arbeiterausstand in den staatlichen Vetrieben in Petersburg. T. U. Wien, 24. Juli. Das 8 Uhr⸗-Blatt meldet aus Peters⸗ burg, in den staatlichen Betrieben hat ein neuer Ausstand begonnen. Es haben etwa 11000 Arbeiter die Arbeit niedergelegt.

Die Ichlacht am Isonzo.

Wien, 24. Juli. Die Kämpfe am Isonzo lassen sich nur mit den Tagen zu Ostern an Furchtbarkeit vergleichen, wo die Russen am Duklapaß um jeden Preis durchzustoßen versuch ten. Cadorna befolgt hier dieselbe Taktik der Opferung des Menschenmaterials. Eine immer wieder anschwellende Sturmflut ergießt sich nun schon seit fünf Tagen gegen unsere Stellungen, zurückgeschlagen, brachen immer wieder neue bereitgehaltene Reserve-Regimenter vor, denen es dann öfters gelingt, unsere Deckungen zu erreichen, wo sich dann in der Nacht im Scheinwerferlicht ein furchtbares Handge menge abspielt, das an Furchtbarkeit alles, was bisher in diesem Kriege erlebt wurde, übertrifft. Die Dalmatiner, schon in Friedenszeiten die Todfeinde der Italiener, riesen hafte Kroaten und Alpler stürzen sich mit ungeheurer Wut auf den Feind, sodaß diese immer wieder, schon knapp vor dem Ziele zurück müssen.

Deutsche Farbstoffe für Amerika.

T. U. London, 24. Juli. Reuters besonderer Dienst meldet aus Washington: Die amerilanischen Industriellen brücken ihre Be⸗ friedigung über die letzten Meldungen aus London aus, daß ein Abkommen zustande gekommen sei, wodurch es den Vereinigten Staaten ermöglicht werde, regelmäßig eine gewisse Menge von Farbstoffen für die Textilindustrie und andere Chemikalien und Produkte für die Union aus Deutschland einzuführen. Auch hofft man hier, daß die Gerüchte über die Möglichkeit der Bildung einer amerikanischen Organisation begründet sind, die den neutralen europäischen Ländern Waren schicken sollen, ohne daß die Be stimmung der Waren kontrolliert wird.

Englische Baumwolle für Schweden.

T. U. Stockholm, 24. Juli. Aus London wird der Göteborg Handels Tidningen telegraphiert, daß zwischen England und Schweden ein vorläufiges Uebereinkommen getroffen worden ist, wodurch der schwedischen Baumwollindustrie für die nächste Zeit eine monatliche Einsuhr von 20000 Ballen Baumwolle zugesichert

wurde. Kriegsnotizen.

Dem Vorwärts zufolge haben in den letzten Tagen bei mehreren Soldaten wieder Haussuchungen stattgefunden. Es wurden Broschütren und sonstiges Material beschlagnahmt. Ein Maun wurde mehrere Tage in Haft gehalten, dann aber wieder entlassen.

Das Gouvernement Mainz teilt mit: Zwei französische Zivil⸗ gefangene mit Namen Jean Lavry und Auguste Denagée sind aus dem Arbeitslager Nauheim bei Groß-Gerau entwichen. Beide tragen Zivilkleider und sprechen nur gebrochen Deutsch. Be⸗ sondere Kennzeichen sind, daß beiden im Ober⸗ und Unterkiefer mehrere Zähne fehlen. Sobald über den Aufenthalt der beiden bekannt wird, wird um sofortige telephonische Nachricht an das Gouvernement Mainz(Militärpolizei) gebeten.

Der sozialistische Abgeordnete Bissolati, der in der Isonzo schlacht leicht verwundet wurde, hat vom Ministerrat ein Glück⸗ wunschtelegramm erhalten. Bissolati gehört zu denSo⸗ zialisten im Stile des Mussolini, die eifrig zum Kriege hetzten.

Ein Brand zerstörte in Strazele ein großes Lager von einer Million Säcke, die mit Sand gefüllt für die Schützengräben dienen sollten. Der angerichtete Schaden beträgt 500 000 Franken. 1 Die Ver luste in dem siebentägigen Bergarbeiterstreik in Süd wales werden in der Times auf Millionen Pfund (30 Millionen Mark) geschätzt. Der durch den Produktionsausfall 3 Mangel an Kohlen dürfte aber noch weit schwerer wiegen.

Reuter meldet aus Newyork: Der Streik in den Werken der Standard Oil Company in Bayonne dauert fort. Zwei Streikende wurden getötet und sechs sind ernstlich verwundet worden. Reuter behauptet, daß unter den tödlich Verletzten ein Oesterreicher sei, der die Kämpfenden angeführt habe. An verschiedenen Orten sind Brände angelegt worden.

PVarteinachrichten.

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Erzähleing von Bertold Auerbach. 32

Franz hätte wohl kein besseres Haus finden können, um

die Wirtschaftlichkeit in größerem Maßstab kennen zu lernen, und so erschien es ihr auch anfangs; der gediegene Halt und die Ordnung des Hauses nötigten ihr da eine hohe Achtung und willfährige Unterordnung ab; ja, sie griff um so freu diger zu, wenn sie daran dachte, wie daheim bei den wenigen Menschen alles so kunterbunt durcheinander ging, daß man oft nicht wußte, wann Mittag und wann Abend ist. Nach und nach aber fühlte sich Fränz wiederum beängstigt und gefesselt von dieser Hausordnung; spät schlafen gehen und früh auf stehen, den ganzen Tag arbeiten und nie eine Lustbarkeit, ja kaum vor die Tür kommen, dazu war sie nicht nach der Stadt gegangen; sie lebte ja hier fast wie eine Magd. Sie versuchte es, die Töchter und die Mägde zu Widerspenstigkeit aufzu⸗ hetzen, aber sie fand kein Gehör, und die Rautenwirtin hatte ein scharfes Auge auf sie. Fränz hatte dem Sohne des Stern wirts von G. bald zu wissen getan, daß sie hier sei; er kam auch mehrmals in der Dämmerung, wenn im Erbprinzen ab- gespeist war, aber mit Schrecken und Ingrimm sah Fränz, daß er fast nur Augen für die älteste Tochter der Rautenwirtin hatte und sich oft stundenlang zu der Mutter setzte, die großen Gefallen an ihm zu haben schien. Nun behandelte ihn Fränz mit augenfälliger Mißachtung, und sie verstand es bald, mit dem ältesten Haussohn, dem Metzger, einen kleinen Liebes handel anzuzetteln. Das dauerte aber auch nicht lange, und mit einem Male war aller Verkehr abgebrochen, und Fränz erfuhr von einer vertrauten Magd, die gelauscht hatte, daß die Wirtin ihrem Sohne jede Hinneigung zu Fränz ernstlich ver boten und dieser fast ohne Widerspruch nachgegeben habe. Fränz sah von da an in dem Hause nur noch ein Sklavenhaus und verwünschte alles, was darin war, den Sohn, der sich von dem Herrschteufel, der Mutter, befehlen lasse, und vor allem diese selbst; wenn sie sie hätte vergiften können, es wäre ihr erwünscht gewesen. Nun aber blieb ihr nichts als, wo sie konnte, Unordnung und Unfrieden im Hause stiften und all

Freitag lebhafte Szenen, die mit der eingetretenen Parteispaltung im Zufammenhaug stehen. Zur Beratung stand das neue Vermö⸗ genssteuergesetz, das einen gleichmäßigen Steuersatz von eins pro Tausend vorsieht. Den Standpunkt unserer Fraktion zu dem Gesetz vertrat Genosse Keil. Er verlangte, daß zur Verminderung des Fehlbetrages im Staatshaushalt der Besitz herangezogen werden soll und legte dar, daß und warum auch bei der Veruögenssteuer der Steuersatz mit der Größe des Vermögens steigen muß. Mit Rüick⸗ sicht auf die vor Einbringung der Vorlage stattgefundene Be⸗ sprechungen verzichtete unsere Fraktion auf einen Antrag, über dessen Ablehnung durch alle bürgerlichen Parteien kein Zweifel bestand. Der Abg. Westmeyer machte während dieser Beratung dem Präsi⸗ dium die Mitteilung, daß er sich mit den Abgeordneten Hoschka und Engelhardt zu einer neuen Fraktion, genaunk Sozialistische Vereini⸗ gung, zusammengeschlossen habe. Namens dieser Fraktion bvachte er einen Antrag ein. der eine Staffelung der Vermögenssteuer bis zu 5 Prozent bezweckt. In Vertretung dieses Antrages machte West⸗ meyer anzügliche Bemerkungen vonFarbe bekennen,Wechseln der Ueberzeugung usw. g

Gen. Dr. Lindemann unterzog den Antrag einer Kritik, aus der sich ergab, daß die Antragsteller das württembergische Steuerwesen nicht genügend kennen. Der Antrag hätte sogar eine Ausdehnung der Rechte der Ersten Kammer auf Kosten der Rechte der Zweiten Kammer bewirkt und eine Verschlechterung der Regierungsvorlage bedeutet. Diese Kennzeichnung führte zu erregten Auseinander⸗ setzungen, die damit abschlossen, daß der Antrag gegen 2 Stimmen abgelehnt wurde. Unter stürmischer Heiterkeit stimmte sogar der Mitantragsteller Hoschka gegen den Antrag. Das Gesetz wurde schließlich einstimmig angenommen.

Arbeiterbewegung. Eine klassische Unternehmerantwort.

An die Metallwarenfirma Herbrand u. Co. in Köln⸗ Ehrenfeld, die jetzt umfangreiche Bestellungen für die Heeres verwaltung ausführt, war die Kölner Ortsverwaltung des Deut⸗ schen Metallarbeiterverbandes wegen Lohnzulagen für die Arbeiter herangetreten. Diese wurden abgelehnt und zwar mit folgen⸗ der Begründung: 5

Unter der durch den Krieg geschafsenen wirtschaftlichen Lage, insbesondere der Verteuerung aller Lebensmittel, leiden alle Erwerbsschichten unseres deutschen Vaterlandes gleichmäßig, und es ist eine patriotische Pflicht jedes einzelnen, sich in seiner Lebensweise diesen veränderten Verhältnissen anzupassen.

Die Firma, die diese klassische Antwort erteilt hat, zahlt mit die schlechtesten Löhne im Kölner Industriegebiet ihren Aktionären aber sehr hohe Dividenden.

Nichtzweckmäßig!

Die Köln⸗Rottweiler Pulverfabriken haben in ihrer Fabrik⸗ ordnung eine Bestimmung, wonach die Zugehörigkeit zu einer Ge⸗ werkschaft bei Strafe verboten ist. Der Krieg brachte den Unter⸗ nehmungen Arbeit in Hülle und Fülle, sodaß die Siebung der ein⸗ gestellten Arbeiter nicht mit der Vorsicht vorgenommen wurde, wie dies ehedem der Fall war. So kam es, daß einige christliche Ver⸗ bändler in die nur soweit Arbeiter in Frage kommen koalitionsfreien Fabriken kamen. Die koalitionsfeindliche Firma hat ihrerseits die Koalition auf internationaler Basis fein ver standen und sie nur auf bestimmten Druck hin aufgegeben. Der Vorstand des christlichen Fabrikarbeiterverbandes war nun darauf neugierig, ob seine Mitglieder in den Pulverfabriken Bürgerrecht erwerben könnten und frug bei der Direktion an,ob die Direktion auch jetzt in der Stunde der nationalen Erhebung ihren bedauerns⸗ werten Standpunkt beibehalte, worauf folgende klassische Antwort einlief:

Auf Ihr geehrtes Schreiben vom 10. d. M. gestatten wir uns, Ihnen zu erwidern, daß wir ebenso wie Sie gewillt sind, den Burgfrieden aus vaterländischen Rücksichten hochzuhalten und erachten es deshalb nicht für zweckmäßig, jetzt in eine sachliche Erörterung der von Ihnen angeschnittenen Frage einzutreten.

PVermischtes.

Ein unerwartetes Wiedersehen.

Weihnachten 1913 wurden dem Wirte Arnold in Kallbach (Rheinpfalz) 3600 Mark gestohlen und zwar in Staatspapieren. Jetzt erhielt der Bestohlene die Papfere unversehrt nebst Zinsbogen anonym aus München zurück.

Verhaftete Einbrecherbande.

Sieben Diebe, die bandenmäßig in Heidelberg 50 schzwwere Ein⸗ brüche verübt hatten, wurden in einer gemeinsamen Herberge er- mittelt und verhaftet. N

Verfolgtier Mörder.

Vor sechs Wochen wurde bei Schernau(Unterfr.) der 27jährige Bauerssohn Johann Klein von Lengfeld auf freiem Felde ermordet. Wie sich jetzt herausstellt, kommt als Täter der 1898 in Württem berg geborene Zigeuner Wilhelm Konrad Dreschner in Betracht. Er wird vom Untersuchungsrichter verfolgt.

in Würzburg steckbrieflich

Wirtin sie über letzteres zur Rede stellte, erklärte Fränz voll Heftigkeit: sie sei keine Magd, noch viel weniger ein Sklave, sie tue, was sie wolle, dafür bezahle ihr Vater Kostgeld. Ohne ein Wort zu erwidern, ordnete die Wirtin an, daß Fränz nichts mehr im Hause zu tun habe, und daß sie nur noch eine Kostgängerin sei, bis ihr Vater sie abhole, und das je eher, je lieber. Darum schrieb Fränz den Brief an ihren Vater und wollte nun nach Laune frei und ledig in der Stadt umherlaufen; die Wirtin aber erklärte, daß das nicht angehe, solange sie bei ihr im Hause sei; sei ihr Vater da, könne sie machen, was sie wolle.

Munde hatte, ohne daß es ihm Fränz zu wissen tat, doch bald erfahren, wo sie war; er kam nun auch oft in den Rauten kranz und blieb übermäßig lange bei seinem Schoppen sitzen, meist schweigsam und wenig teilnehmend an den Gesprächen um ihn her, nur seine Blicke folgten Fränz, wenn sie durch die Stube ging, und er trommelte mit den Fingern auf dem Tische, wenn sie mit einem Gaste freundlich tat. Fränz aber lächelte ihm nur manchmal schelmisch zu, wenn er sie heimlich auf einen sogenanntenStänderling vor dem Hause bestellte oder gar mit ihr zum Tanze gehen wollte, wehrte sie strenge ab, da die Wirtin sie bei dergleichen mit Schimpf und Schande aus dem Hause jagen würde. Während sie auf Habhaft werdung des Sternenwirtssohnes und dann des Haussohnes ausging, verstand sie es, Munde doch so hinzuhalten, daß er treulich wiederkam, und diese ausdauernde Liebe tat ihr einer seits wohl, anderseits hoffte sie dadurch besonders bei dem Haussohn eine Eifersucht und eine raschere Entscheidung her beizuführen. In der Küche und bei dem Wirtssohn scherzte sie oft über Munde und seine närrische Verliebtheit, wobei sie ihn stets ihren Knecht nannte.

Schon seit mehreren Tagen erwartete Fränz ihren Vater, und als sie von allen ankommenden Fuhrleuten vernahm, welch eine unerhörte Kälte draußen sei, beklagte sie, daß ihr Vater dadurch abgehalten werden könne, sie zu holen. Gegen Abend kam Munde mit noch einem Soldaten und dessen Vater, einem Bauern aus Untertailfingen, der seinen Sohn besucht hatte, Fränz tat heute besonders freundlich gegen Munde, bat

Hessen und Nachbargebiete.

Gießen und Umgebung. Gegen den Lebensmittelwucher.

Amtlich wird aus Berlin vom 23. Juli gemeldet:Der Bundesrat hat in seiner heutigen Sitzung den Erlaß einer Verordnung beschlossen, welche gegen eine übertriebene Preis- steigerung bei dem Handel mit Gegenständen des täglichen Bedarfs, insbesondere Nahrungs⸗ und Genußmitteln aller Art, rohen Naturerzeugnissen und Heiz⸗ und Leuchtstoffen richtet. In der Verordnung ist einmal die Möglichkeit einer Enteignung vorgesehen für Fälle, wo jemand derartige Gegenstände zurückhält. Sodann ist in ihr eine Strafvor⸗ schrift enthalten gegen diejenigen Erzeuger und Händler, welche für obengenannte Gegenstände sowie für solche des Kriegsbedarfs Preise fordern, die einen übermäßigen, durch die gesamten Verhältnisse, insbesondere die Marktlage nicht gerechtfertigten Gewinn enthalten. Auch wird weiter bestraft, wer Vorräte solcher Art in gewinnsüchtiger Absicht zurückhält, vernichtet oder andere unlautere Machenschaften vornimmt.

Mit dem Erlaß dieser Verordnung wird den vielfachen Wünschen aus allen Kreisen der Bevölkerung Rechnung ge⸗ tragen, welche durchgreifende Maßnahmen gegen die gewinn⸗ süchtige Preistreibereien, insbesondere auf dem Lebensmittel markte, zum Gegenstand hatten. Die Verordnung ist deshalb vom sozialen Standpunkt besonders zu begrüßen.

Hoffentlich werden die ausführenden Organe, insbeson⸗ dere die Kreisämter, Polizeiverwaltungen usw., nun auch im Geiste der Verordnung mit aller Strenge und ohne Rück⸗ sicht auf die immer von neuem sich breit machenden Sonder⸗ interessen der Lebensmittelerzeuger und spekulierenden Zwischenhändler vorgehen, damit die Verordnung nicht bloß auf dem Papiere stehen bleibt. Insbesondere wird dafür gesorgt werden müssen, daß der Begriff des übermäßigen und nicht gerechtfertigten Gewinnes eine Auslegung und Festlegung erhält, die eine wirkliche Gesundung der Lebens⸗ mittelpreise zum Wohle der verbrauchenden Volksschichten ge⸗ währleistet. Daß nebenher die Gemeinden nach wie vor mit allem Eifer als Verkäufer von Lebensmitteln in großem Umfange auftreten müssen, erwartet das Volk als selbstver⸗ ständlich. In Offenbach sind gestern mit dem Verkauf von Gemüse und Obst durch die Stadt bereits recht erfreuliche Wirkungen erzielt worden.

Landtagswahlen und Nuherbekinpfung in der 2. Kammer.

Das Plenum der Zweiten Kammer hielt gestern eine nichtöffentliche Sitzung ab. Nach der seinerzeit ergangenen Einladung galt die Beratung einmal'der Frage, ob die im Vorjahre abgelaufenen Abgeordnetenmandate abermals um ein weiteres Jahr verlängert oder durch Neuwahlen ergänzt werden sollen; ferner der Bildung eines Kammerausschusses zur Mitarbeit bei der Lebensmittelversorgung des Landes und sonstigen wirtschaftlichen Maßnahmen. Ueber Verlauf und Ergebnis der Plenarverhandlungen wird strengste Ver⸗ schwiegenheit bewahrt. Warum? Das dürfte wohl eine der mannigfaltigen Doktorfragen sein, an denen der Burgfrieden, so reich ist. In der Frage der Abgeordnetenmandate gehört wohl wenig Kombinationsgabe dazu, um zu dem Schlusse zu kommen, daß die in Rede stehenden Mandate abermals ver⸗ längert werden dürften. Der voraussichtlich in der zweiten Septemberhälfte zusammentretenden Kammer wird die Re⸗ gierung einen den gestern gemachten Vorschlägen entsprechen⸗ den Gesetzentwurf vorlegen.

Was die kriegswirtschaftlichen Maßnahmen anlangt, so wurde vor einiger Zeit schon aus einer Quelle, die der Bauernbund zu speisen pflegt, berichtet, daß für das nächste Jahr von der Regierung ein regulär neues Budget zu er warten sei. Dringender als das dürften aber alle die Dinge sein, die im innigsten Zusammenhange mit der Lebensmittel

ihn um Aufträge an die Seinigen, verlasse.

Und du wirst jetzt noch einmal so reich, sagte Munde.

Wieso? Hast du was gehört? Hat mein Vater ver kauft?

Das auch, aber dein' Stiefschwester, die Kohlenhof bäuerin, liegt im Sterben, und da kriegst du alles.

Woher weißt das? fragte Fränz.

Da der Peter von Untertailfingen Schwester wird schon gestorben sein.

Während Fränz sich noch mit der Schürze die Augen ab rieb, trat ein Postschaffner, vor Kälte heftig trappend, ein. Es war ein ehemaliger Unteroffizier, den Munde kannte; er bot ihm nun das Glas zum Trinken an, und der Schaffner sagte, sich den Bart wischend:Weißt auch schon, des Diet⸗ helms Haus in Buchenberg ist abgebrannt?

Herrgott, unser Haus? schrie Fränz in lauter Wehklage und stieß im Umsichschlagen die Flasche vom Tisch die klirrend auf den Boden fiel, so daß alles im Zimmer sich nach ihr wendete. Munde sprang schnell auf und setzte die zitternde Fränz auf seinen Stuhl. Der Schaffner bedauerte seine Un⸗ vorsichtigkeit, daß er nicht gewußt habe, daß das Diethelms Tochter sei. Fränz aber, leichenblaß und mit stierem Blick, wollte Näheres wissen. Der Schaffner hatte dies nur von einem anderen gehört, der am Morgen durch Buchenberg go fahren war, und wußte weiter nichts, als daß kein Mensch dabei verunglückt sei, nur einen Knecht, der das Haus ange⸗ zündet habe, suche man noch vergebens. Alles versammelte sich nun um Fränz und tröstete sie; ja, man wollte ihr sogar die ganze Sache ausreden, es sei vielleicht gar nicht wahr und dergleichen mehr. Fränz aber war rasch entschlossen, sie wollte augenblicklich heim; sie saßte beide Hände des Munde und bat ihn, ihr zu helfen, daß sie fortkäme, sie jammerte um ihren Vater und ihre Mutter und klagte sich selber an, daß sie von ihnen fortgegangen sei, es seien gewiß alle verbrannt, und man sage es ihr nicht. Die Wirtin wollte sie beruhigen und ihr solch wildes Rasen ausreden, aber Fränz stieß sie heftig von sich.(Fortsetzung folgt.)

da sie bald die Stadt

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